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Grüne Gentechnik. Eine Betrachtung von Befürwortern und Gegnern

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Pflanzenzüchtung

4. Ziele und Anwendungen

5. Verschiedene Positionen zur Grünen Gentechnik
5.1 Position von Umweltschutzorganisationen
5.2 Position des Unternehmens Monsanto
5.3 Position von Green Peace gegen Monsanto

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Grüne Gentechnik war von Anfang an ein emotionsgeladenes Thema, bei dem kontroverse Diskussionen an der Tagesordnung stehen und daher ist es nicht verwunderlich, dass Spannungen auftreten. Die Meinungen sind breitgefächert und keine Position weicht von ihrem Standpunkt ein Stück weit ab. Kritiker sowie Verfechter haben unterschiedliche Interessen, welche sie mit allen Mitteln durchzusetzen versuchen und dabei oftmals nur an ihren eigenen Vorteil denken.

Das umstrittene Thema bewegt nicht nur verschiedenste Organisationen, sondern vor allem jeden einzelnen Weltbürger, denn die Spanne reicht von der eigenen Gesundheit sogar bis hin zur Existenzgrundlage. Doch nach wie vor dominiert gefährliches Halbwissen über die Unaufgeklärtheit unter den betroffenen Konsumenten und Verbrauchern, obwohl Grüne Gentechnik intensiv von vielen Seiten diskutiert wird. Doch es fällt schwer, wem man seinen Glauben schenken soll, denn gerade Gentechnik-Gegner setzen gerne auf die Emotionen der Menschen, indem sie die Angst vor dem Unbekannten verstärken.

In der folgenden Hausarbeit wird zunächst auf den Begriff ‚Grüne Gentechnik’ eingegangen. Im Anschluss daran wird die Pflanzenzüchtung deren Ziele und Anwendungen kurz und knapp dargestellt. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf dem Hinterfragen dieser Ziele, wobei auf ethische, ökologische, sowie ökonomische Aspekte Bezug genommen wird. Da es den inhaltlichen Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, alle Facetten detailliert zu beleuchten, werden exemplarisch die Standpunkte der Umweltorganisationen und einem Markt führenden Saatguthersteller angeführt. Hierbei soll die Frage aufgeworfen werden, um welchen Preis technischer Fortschritt auf dem Gebiet der Grünen Gentechnik gerechtfertigt werden kann.

2. Definition

Die ‚Grüne Gentechnik’ lässt sich in das große Gebiet der Gentechnik einordnen. „Unter Gentechnik oder auch Gentechnologie versteht man einen gezielten Eingriff in [das; Anm. des Verf.] Erbgut oder in biochemische Vorgänge von Lebewesen aller Art, seien es Pflanzen oder Tiere.“ (http://www.ich-informiere.de/Nazene/2.html)

Es gibt neben der ‚Grünen Gentechnik’ auch noch die ‚Weiße Gentechnik’, die in der Industrie zu verorten ist, und die ‚Rote Gentechnik’, die Anwendung in der Medizin findet. Die ‚Grüne Gentechnik’ meint den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft, wie dieses Zitat treffend beschreibt:

„Mit ‚Grüner Gentechnik’ oder ‚Agrogentechnik’ wird die Anwendung gentechnischer Verfahren bei der Pflanzenzucht zur Herstellung von gentechnisch veränderter Organismen (GVO) bezeichnet. Mit Hilfe verschiedener Techniken werden dabei artfremde Gene in das Erbgut der zu verändernden Organismen eingeschleust, die in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion verwendet werden.“ (http://www.ttn-institut.de/node/298)

3. Pflanzenzüchtung

Das Grundprinzip der ‚Grünen Gentechnik’ finden wir auch bei der traditionellen Züchtungs-methode, und zwar dass der Mensch aus Wildpflanzen Kulturpflanzen züchtet und sie dabei seinen Bedürfnissen anpasst. Schon vor 10 000 Jahren waren die Ziele der Züchtung, dass die Pflanzen mehr Erträge liefern, qualitätsmäßig besser werden und gegen Krankheiten und Schädlinge geschützt werden. (vgl. Schuchert und Benner 2000: 6)

Es wird zwar unaufhörlich an neuen Sorten mit verbesserten Eigenschaften gearbeitet und es wurden auch schon wichtige Erfolge durch die traditionelle Züchtungsmethode erzielt. „Dennoch geht auch heute noch weltweit rund ein Drittel der Ernte durch Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter verloren. Hinzu kommt eine wachsende Weltbevölkerung, die mehr Nahrungsmittel benötigt. Die Ackerfläche lässt sich jedoch kaum noch ausdehnen.“ (ebd.: 6) Mit der Gentechnik glaubt man eine Lösung dieser Probleme gefunden zu haben.

4. Ziele und Anwendungen

Hauptziel der Züchtung ist das Verbessern der Eigenschaften von Pflanzen. Sie sollen höhere Erträge und bessere Qualitäten erzeugen, sie sollen widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen sein, was die Toleranz gegen Herbizide beinhaltet. Sie sollen darüber hinaus widrigen Bedingungen, wie Kälte, Hitze oder Trockenheit standhalten können. (vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft 2011: 39) Im Folgenden werden die Ziele anhand einiger Beispiele näher erläutert.

5. Verschiedene Positionen zur Grünen Gentechnik

5.1 Position von Umweltschutzorganisationen

Eine Umweltschutzorganisation setzt sich gegen schädliche Veränderungen in der Biosphäre ein und möchte die Lebensgrundlagen des Menschen möglichst unversehrt erhalten lassen. „ Helden im Gummiboot, die selbst Großmächte und Großkonzerne in die Defensive manövrieren - keine Umweltorganisation der Welt ist einflußreicher (und reicher) als Greenpeace“ ( Kohl und Bölsche 1995), so heißt es im Spiegel 1995 und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Da Green peace wohl die bekannteste internationale Umweltschutzorganisation ist, „die mit gewaltfreien Aktionen für den Schutz der Lebensgrundlagen kämpft [und deren Ziel es ist, sowohl die; Anm. des Verf.] Umweltzerstörung zu verhindern, Verhaltensweisen zu ändern [als auch; Anm. des Verf.] Lösungen durchzusetzen“ (http://www.greenpeace.de/ueber_uns/) und sie zudem einen klaren Standpunkt gegenüber der Grünen Gentechnik vertritt, soll dieser im Folgenden genauer dargestellt werden. Zudem werden auch die Standpunkte vom Umweltinstitut München e.V., des TTN sowie des BMELVs mit einfließen. Die Organisation ist sich einig: keine Grüne Gentechnik, denn statt „Lösungen zu liefern, schaffen Gen-Pflanzen neue Probleme für die Landwirtschaft“, wie zum Beispiel Spritzmittel, stagnierende Erträge, resistente Schädlinge und ungewollte Nebenwirkungen (http://www.greenpeace.de/themen/gentechnik/alternativen/). Kritiker sind der Meinung, bei der Gentechnologie handle es sich um eine Risikotechnologie, das heißt, eine „sehr junge Wissenschaft, die noch in den Kinderschuhen steckt“ (http://umweltinstitut.org/fragen--antworten/gentechnik/gentechnik-24.html). Wie bei allem Neuen gelangt man immer wieder zu weiteren Erkenntnissen, einstige Ansichten werden vermutlich widerlegt und nicht jeder Prozess erfolgt reibungslos. Die Einfügung des fremden Erbgutes in ein neues ist weder steuerbar noch gezielt. Daher ist es also sehr wahrscheinlich, dass Fehler auftreten können. Das Umweltinstitut München betont, die Folgen seien

„unabsehbar, nicht zu kontrollieren und unumkehrbar. Die Auswirkungen solcher Veränderungen sind weder räumlich noch zeitlich ermessen. Zu wenig verstehen die Wissenschaftler noch von ökologischen und evolutionären Prozessen. Aber einmal in die Umwelt freigesetzt, entziehen sich lebende Organismen der Kontrolle. Im Gegensatz zu Chemikalien vermehren und bewegen sie sich. Im Fall einer Gefährdung kann nicht garantiert werden, dass eine Ausbreitung und Vermehrung verhindert werden kann“ (ebd.).

Es scheint also, als hätten die Wissenschaftlicher nicht bedacht, dass gentechnisch veränderte Organismen, sobald sie einmal draußen in der freien Natur sind, nicht mehr wie im Labor kontrolliert werden können, denn im Labor wurden sie ohne jeglichen Bezug zur Umwelt entwickelt. Aus diesem Grund müssten die GVOs als Fremdlinge betrachtet werden. Sind gentechnisch veränderte Pflanzen erst einmal freigesetzt, besteht die Gefahr, dass diese sich unkontrolliert und unumkehrbar in den Ökosystemen ausbreiten, denn Gen-Pflanzen kennen keine Ackergrenzen. Der Gentransfer, als Austausch genetischen Materials zwischen verschiedenen Lebewesen, spielt dabei eine wichtige Rolle. Man unterscheidet hierbei den horizontalen und den vertikalen Gentransfer. Auch das Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften München äußert seine Bedenken. Während der horizontale Gentransfer, das heißt, die Weitergabe genetischen Materials außerhalb der sexuellen Fortpflanzungswege, bei dem sich Teile des Genoms über Artgrenzen hinweg verbreiten, unwahrscheinlicher ist, besteht beim vertikalen Gentransfer, der bekannten Kreuzung, eine höhere Wahrscheinlichkeit aufgrund der Verbreitung innerhalb einer Art. Da beim horizontalen Verkehr „sogenannte Markergene von einer transgenen Pflanze an Boden- oder Darmbakterien weitergegeben werden können (…) [und; Anm. des Verf.] vor allem Antibiotikaresistenz-Gene als Marker verwendet werden, führt dies zu bedenklichen Risiken“ (http://www.ttn-institut.de/node/300). Aufgrund des landwirtschaftlichen Anbaus auf offenen Flächen, ist ein unbeabsichtigtes Kreuzen beispielsweise durch Pollenflug auf benachbarte Ackerflächen oder durch den Transport von Saatgut, Erntemaschinen, Wind und Bienen nicht auszuschließen. Auch im Werk oder beim Umfüllen besteht die Gefahr, dass sich saubere Ware mit der gentechnisch veränderten vermischt (vgl. Kuhr 2010). Hier ist Koexistenz unmöglich. Sobald Gentech-Pflanzen in der Natur sind, ist eine gentechnikfreie Landwirtschaft gefährdet.

„Die Rahmenbedingungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen müssen einen Ausgleich zwischen den Interessen derjenigen Landwirte sicherstellen, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen wollen und denjenigen, die ohne diese Pflanzen wirtschaften möchten“

(http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Pflanze/GrueneGentechnik/KoexistenzundUmweltrisiken.html),so der BMELV.

Die wirtschaftliche Situation benachbarter Landwirte darf also nicht benachteiligt sein. Wie bereits in dieser Arbeit erwähnt, ist in der EU lediglich der Bt-Mais für den kommerziellen Anbau erlaubt. Die Bundesregierung schreibt nun einen Mindestabstand von 150 Metern zwischen GVO-Feldern und herkömmlichen Anbauflächen vor, damit eine Koexistenz und eine Wahlfreiheit gewährleistet werden kann. Greenpeace legte im Mai 2011 das Ergebnis einer Saatgut-Abfrage vor, welche klar aufzeigte, dass Gen-Mais herkömmliches Saatgut verunreinigt. „Von 417 Mais-Proben waren 29 mit Gen-Mais verunreinigt- das sind 7 Prozent der Proben.(…) Waren 2008 nur 2,1 Prozent der Proben verunreinigt, steigerte sich die Verschmutzung mit Gen-Mais 2009 auf 5,7 und 2010 auf 6,2 Prozent.“ (Totz 2011) Demnach ist eine schleichende Verunreinigung und somit eine Verschlechterung von Jahr zu Jahr festzustellen. "Die wiederkehrenden Verschmutzungen sind nicht akzeptabel. Statt einen Grenzwert zu fordern, der die Schlamperei bei der Herstellung von Saatgut auch noch belohnt, sollte die Saatgut-Industrie sauberer arbeiten“ (ebd.), betont Sandra Blessin, Gentechnikexpertin von Greenpeace. Ebenso wie die Umweltschützer bestätigt das Bundesverfassungsgericht 2010, die Unumgänglichkeit, die gentechnikfreie Agrarwirtschaft vor dem Risiko der Gentechnik zu wahren.

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656590361
ISBN (Buch)
9783656590378
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267972
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Schlagworte
Grüne Gentechnik Pflanzenzüchtung Gegner Grüne Gentechnik Befürworter Gentechnik Monsanto Greenpeace

Autor

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