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Die Rolle der Frau in der athenischen Demokratie

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Leben der Frau
2.1 Erziehung zum Idealbild und soziale Stellung
2.2 Die rechtliche Situation der verheirateten Frau
2.3 Tätigkeiten einer Frau

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Frau in der athenischen Demokratie. Der Begriff der Demokratie ist heutzutage verbunden mit Gleichberechtigung und Gleichstellung, doch dies entspricht nicht dem Denken der Antike. Zwar war damals die Herrschaft auch in der Hand des Volkes, aber unter der Einschränkung, dass die damalige Gesellschaft Metöken (Fremde), Sklaven, Frauen und Kinder nicht mitgezählt hat. So gesehen war die Demokratie eher eine Männerherrschaft als Volksherrschaft.

„ Es war eine allgemeine Einrichtung der Antike, des Orients wie der griechisch- r ö mischen Welt, von einigen Ausnahmen abgesehen, da ß die Frau keinen Anteil am politischen Leben hatte. ( … ) Die Frau sinkt in absolute Bedeutungslosigkeit herab und mu ß sich in der klassischen Zeit mit einer untergeordneten Rolle

in der Ehe und Familie abfinden, kurzum man gewinnt den Eindruck, da ß die Frau zu diesen Zeiten in einen Harem verbannt wurde. “ 1

Dieses Zitat vermittelt den Eindruck, dass die Frau im demokratischen Athen nie einen Fuß außerhalb des Hauses setzte und von der Außenwelt abgeschnitten war.2 Doch welche Rolle spielte die Frau im ganzen System? Hat sie wirklich nie das Haus verlassen? Welche Rechte hatte sie und welche soziale Stellung kam ihr zu? Was für ein Leben führte sie im demokratischen Athen? In der Forschung wird spekuliert, ob es eine besondere Aufgabe der Bürgerinnen war, bestimmte religiöse Festlichkeiten auszuführen und ob Frauen im Bereich des Kultes eine besondere Rolle zukam, während sie aus dem politischen völlig ausgeschlossen wurden.3 War dem wirklich so? Mit der Beantwortung dieser Fragen beschäftigt sich diese Hausarbeit. Der zeitliche Rahmen umfasst die klassische Zeit, also die zwei Jahrhunderte von den Perserkriegen bis zur Regierung Alexanders des Großen. Hierbei betrachte ich aber nur die athenische Frau mit Bürgerrecht. Zu diesem Zweck muss zunächst die Erziehung und gesellschaftliche Stellung der Frau in Athen des fünften Jahrhunderts v. Chr. veranschaulicht werden. Bei diesem Vorhaben müssen jedoch sowohl die von der Gesellschaft geprägten Rahmenbedingungen, als auch die Denkstrukturen und das Frauenbild in jener Zeit bedacht werden. So kann ein besseres Verständnis über die rechtliche und soziale Stellung der Frau erzielt werden, die für Menschen der heutigen Zeit mit einem auf Gleichberechtigung ausgerichteten Denken nur schwer nachzuvollziehen ist. In den vergangenen 50 Jahren hat sich vor allem die englischsprachige Forschung, angeregt von der modernen Frauenbewegung und -forschung, mit dieser Frage auseinandergesetzt. Die Quellenprobleme sind hierbei, wie so oft, qualitativer Natur. Denn trotz der zahlreichen Quellen, die zur Verfügung stehen, aber diese bei weitem nicht reichen um alle offenstehenden Fragen zu klären, stammt alles von Männern. Somit ist es nicht nur Produkt männlicher Arbeit und männlichen Geistes, sondern entspricht auch männlicher Wünsche und Ängste.4 Eine sehr hilfreiche Quelle war Oikonomikos (Haushaltslehre) von Xenophon. Bei diesem handelt es sich um einen fiktiven Dialog der Eheleute, in dem der Mann als rechtschaffener und gut organisierter Gutsbesitzer, seine Frau hingegen als verunsichertes naives Ding charakterisiert wird. Der Text gibt vor, wie ein Mann seinen Haushalt zu führen hatte, dabei nimmt die Unterweisung der Ehefrau einen breiten Raum ein. Doch bei der Auswertung des Werkes sollte nicht vergessen werden, dass es sich um eine Art Ratgeber handelt und die Figuren dementsprechend idealisiert und stereotypiert sind. Oikonomikos gibt Aufschluss darüber, wie Xenophon sich einen idealen Haushalt und ein ideales Ehepaar vorgestellt hat.5 Jedoch gibt es auch einige gegenständliche Quellen, wie zum Beispiel Bilder auf Vasen und Trinkgefäßen oder Gegenstände des täglichen Gebrauchs.6 Im Gegensatz zu der eher schlechten Quellenlage ist das Angebot der Forschungsliteratur recht gut. Zum Beispiel findet sich bei Wolfgang Schuller (s.u.) eine gelungene Darstellung der rechtlichen Stellung der Frau im klassischen Athen. Das Buch von Sarah B. Pomeroy (s.u.), bietet einen guten Überblick, da es sich schwerpunktmäßig mit der Frau im Athen der klassischen Zeit beschäftigt.

Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: Im Hauptteil geht es um das Leben der Frau, angefangen mit der Erziehung und der damit verbundenen sozialen Stellung in der Gesellschaft, da die Erziehung die Grundlage für die Rolle der Frau zur Eingliederung in die Gesellschaft bietet. Gefolgt von der rechtlichen Situation der verheirateten Frau um eine allgemeine Darstellung des Lebens herauszuarbeiten. Der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit den Tätigkeiten der Frauen in Athen, um herauszufinden, ob sie wirklich nur auf das haushälterische beschränkt waren. Und zum Schluss wird im Fazit erörtert, wie die Frau innerhalb der Gesellschaft im demokratischen Athen gelebt hat und welchen Stellenwert sie hatte.

2. Das Leben der Frau

Im sechsten Jahrhundert v. Chr. Verankerte Solon gesetzlich die Unterscheidung zwischen anständigen Frauen und Huren. Dieser Gesetzteskodex erfasste zahlreiche Aspekte des Lebens in Athen und beinhaltete Regeln zu den Bereichen Feste, Trauerfeiern, Aussteuer und Spaziergänge. All diese Bestimmungen, die auf den ersten Blick frauenfeindlich erscheinen, zielten in Wirklichkeit auf die Festigung der jungen Demokratie ab. Frauen stellten eine Quelle von Streitigkeiten dar und Solon löste das Problem, indem er sie aus dem Blickfeld der Männer verbannte und ihren Einfluss beschnitt.7

Die Trennung der Geschlechter wurde schon räumlich hervorgehoben. Während Männer den größten Teil des Tages an öffentlichen Stellen, wie dem Marktplatz verbrachten, mussten die Frauen zu Hause bleiben.8 Doch nicht, weil sie vor lauter Arbeit keine Zeit fanden, sondern eher, weil die öffentliche Meinung es nicht tolerierte sie außerhalb ihres Hauses zu sehen.9 Die Wohnung wurde von den Frauen nur selten verlassen. Generell galt es für sie als unfein, sich außerhalb des Hauses aufzuhalten, da die Straßen als negativ, schmutzig und unmoralisch besetzt galten.10 Zu Festlichkeiten und Begräbnissen konnten Frauen hingehen, aber auch dies schränkte Solon durch gesetzgeberische Maßnahmen ein. Die Aufbahrung des Leichnams wurde ins Innere des Hauses verlegt und war nicht mehr im Hof und nur Frauen über sechzig Jahren und enge Verwandte des Verstorbenen durften das Totenzimmer betreten und den Leichnam auf dem Weg zu seinem Grabe begleiten, wobei die Frauen sich hinter den Männern in den Leichenzug einzureihen hatten.11 Auch in der Architektur des Hauses wurde die Trennung der Geschlechter durch separate Wohnräume zum Ausdruck gebracht.12 Die Frauen bewohnten für gewöhnlich die hinteren Zimmer, da diese weit weg von der Straße und

[...]


1 Vgl. Altenburg, H., Hetären, Mütter, Amazonen. Frauencharaktere aus der antiken Welt, Heidenheim a. d.Brenz 1963, S. 44.

2 Vgl. Balsdon, D., Die Frau in der römischen Antike. München 1979. S. 48.

3 Vgl. Hartmann, E., Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora, München 2007,S. 56.

4 Vgl. Seidensticker, B., Die Frau auf der attischen Bühne, in: Die Frau in der Gesellschaft. Vorträge und Beiträge zur Antike als Grundlage für Deutung und Bewältigung heutiger Probleme, Humanistische Bildung 11 (1987), S. 8.

5 Vgl. Hartmann, Frauen in der Antike, S. 64f.

6 Ebd., S. 90.

7 Vgl. Pomeroy, S.B., Frauenleben im klassischen Altertum, Stuttgart 1985, S. 85.

8 Vgl. Wycherley, R.E., How the Greeks built cities. Garden City, New York 1969, S. 187.

9 Vgl. Aristophanes, Lysistrate, 880-1.

10 Vgl. Redford,S., Frauen im klassischen Athen, S. 253. Xenophon, Schriften, S. 262 (Oikonomikos 7,30): „So ist es für die Frau schöner, drinnen im Haus zu arbeiten.“

11 Vgl. Demosthenes 43, 62. Er sagt in seiner Rede: „You will see even more clearly, men of the jury, from the following law, that the lawgiver Solon is very much in earnest in regard to those who are relatives, and not only gives them the property left by the deceased, but also lays upon them all the burdensome obligations. (Read the law:) Law The deceased shall be laid out in the house in any way one chooses, and they shall carry out the deceased on the day after that on which they lay him out, before the sun rises. And the men shall walk in front, when they carry him out, and the women behind. And no woman less than sixty years of age shall be permitted to enter the chamber of the deceased, or to follow the deceased when he is carried to the tomb, except those who are within the degree of children of cousins; nor shall any woman be permitted to enter the chamber of the deceased when the body is carried out, except those who are within the degree of children of cousins.”

12 Vgl. Robinson D.M./Graham J. Walter, Excavations at Olynthus 8: The hellenic House. Johns Hopkins University Studies in Archaeoly, vol. 25, Baltimore 1938, S. 167f., hiernach handelt es sich um eine Vorkehrung, die nur auf Athen beschränkt war; Plutarch Pelopidas 9.5 erwähnt die Frauengemächer in Theben.

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656590101
ISBN (Buch)
9783656590088
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267954
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Schlagworte
rolle frau demokratie

Autor

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