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Covenants in Kreditverträgen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 16 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundsätzliches zu Covenants
2.1 Definition
2.2 Arten von Covenants
2.2.1 Information Covenants
2.2.2 General Covenants
2.2.3 Financial Covenants

3 Covenants in Kreditverträgen
3.1 Wirkungsweise aus Sicht der Gläubiger
3.1.1 Risikokriterien
3.1.2 Ertragskriterien
3.1.3 Steuerungskriterien
3.2 Nachteile der Covenants für Gläubiger
3.3 Sanktionen bei Verletzung der Covenants

4 Einsatz in der Praxis
4.1 Einsatz bei Sparkassen
4.2 Einsatz im Genossenschaftsverband
4.3 Einsatz aus Sicht der Kreditnehmer

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Margengestaltung bei unterschiedlichem dynamischen Verschuldungsgrad

1 Einleitung

Was mit einer Immobilienkrise Mitte 2007 in Amerika begann, hat sich nun zu einer internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise entwickelt. Kreditinstitute haben wegen enormer Abschreibungen von Forderungen mit hohen Verlusten zu kämpfen. Dies führt zu höherem Risikobewusstsein und zurückhaltender Kreditvergabebereitschaft. Noch vor einigen Jahren, in Zeiten starken Konkurrenzkampfs, spielten Covenants eine eher untergeordnete Rolle. Heute, nach herben Rückschlägen und einigen bekannten Bankinsolvenzen, haben die Kreditinstitute wieder eine risikoaversere Einstellung entwickelt.[1] Daneben ist der Bedarf nach dem klassischen Kredit als Finanzierungsinstrument bei Unternehmen nach wie vor enorm. Somit ist zu erwarten, dass Covenants als Gläubigerschutzinstrument im strengeren Kreditvergabeprozess zukünftig wieder an Bedeutung gewinnen.[2]

Folgende Ausführungen beschäftigen sich allgemein mit dem Begriff „Covenants“ und bieten den Überblick über die unterschiedlichen Arten davon. Anschließend wird die Rolle der Covenants in Kreditverträgen dargestellt und zuletzt ihr Einsatz in der Praxis von regional agierenden Kreditinstituten untersucht. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden in welcher Form Covenants zum Risikoschutz der Kreditinstitute beitragen und wie relevant dieses Instrument tatsächlich im praktischen Kreditvergabeprozess ist.

2 Grundsätzliches zu Covenants

2.1 Definition

Der Begriff „Covenant“ entstand in spätmittelalterlichen anglo-amerikanischen Rechtskreisen und bezeichnete ursprünglich eine formlose Einigung zwischen zwei Rechtsparteien, die im Falle einer Vertragsverletzung eine Schadensersatzklage ermöglichte. Im Laufe der Zeit haben sich Covenants von einer losen Vereinbarung zu einem schriftlich festgehaltenen Vertrag entwickelt.[3]

Heute bezeichnen Covenants vertragliche Nebenabreden in Kreditverträgen, die individuell zwischen Kreditgeber und -nehmer vereinbart werden und beide Interessenseiten berücksichtigen sollen. Ziel der kreditgebenden Bank ist dabei ihr Kreditausfallrisiko durch regelmäßiges Controlling und frühzeitige Informationen über die Entwicklungen des zu finanzierenden Unternehmens zu minimieren. Im Gegensatz dazu ist der Kreditnehmer daran interessiert, die Entscheidungs- und Entwicklungsfreiheit in seinem Unternehmen zu erhalten und die wirtschaftlichen Verhältnisse soweit abzusichern, dass er nicht mit Konsequenzen einer Vertragskündigung konfrontiert wird.[4]

Covenants sind von den klassischen Kreditsicherheiten abzugrenzen. Die herkömmlichen Sach- und Personalsicherheiten ermöglichen dem Gläubiger die Befriedigung seiner Ansprüche aus dem Kreditvertrag durch die Verwertung der hinterlegten Vermögensgegenstände oder Inanspruchnahme von Dritten. Sie kommen somit zum Einsatz, wenn der Kapitaldienst nicht mehr erbracht werden kann. Covenants als Vertragsnebenpflichten wirken vielmehr präventiv, da sie die Rückzahlung des Darlehens gewährleisten sollen, indem Sie auf das Handeln des Kreditnehmers und seine Geschäftstätigkeit Einfluss nehmen. In der Praxis haben sie tatsächlich eine ergänzende und keine Ersatzrolle für die klassischen Sicherheiten.[5]

2.2 Arten von Covenants

Covenants lassen sich grundsätzlich in drei Gruppen unterscheiden: Information Covenants, General Covenants und Financial Covenants. Diese werden im Folgenden näher erläutert.

2.2.1 Information Covenants

Information Covenants betreffen zum einen die Offenlegung von wirtschaftlichen Verhältnissen und internen Unternehmensdaten in bestimmten Zeitabständen. Dazu gehören z.B. die regelmäßige Einreichung von Jahresabschlüssen oder Quartalsberichten, Liquiditätsplänen und anderen die Unternehmensentwicklung betreffenden Unterlagen bei der Bank. Desweiteren sind Rating-Einstufungen von externen Ratingagenturen ein Instrument der Information Covenants, die eine Auswirkung auf die Kreditkonditionen haben können.[6]

2.2.2 General Covenants

General Covenants regeln die allgemeinen Verhaltenspflichten des Kreditnehmers während der Darlehenslaufzeit. Sie lassen sich je nach ihrer Formulierung in Positive und Negative Covenants differenzieren.

Positive Covenants, auch als affirmative Covenants bekannt, sind Gebote, die den Kreditnehmer verpflichten bestimmte Handlungen vorzunehmen. Dazu gehört z.B. der Abschluss von branchenüblichen Versicherungen, die Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften, die Verpflichtung zur Zahlung von Steuern und sämtlichen anderen Verbindlichkeiten sowie die Informationspflicht über gravierende Unternehmensveränderungen.[7]

Im Gegensatz dazu definieren Negative Covenants Handlungen, die dem Kreditnehmer während der Darlehenslaufzeit untersagt sind oder für die er eine Genehmigung des Kreditgebers benötigt. Zu den wichtigsten Negative Covenants zählt die Negativklausel, die dem Kreditnehmer verbietet Vermögensgegenstände zu Sicherungszwecken anderer Gläubiger zu verwenden oder diese zu verkaufen. Weiterhin wird durch Vereinbaren von Gleichrangklauseln die Ranggleichheit der Forderungen von unterschiedlichen Gläubigern geregelt. Daneben sind Einschränkungen bei weiterer Darlehensaufnahme oder Gewinnausschüttungen und Genehmigungspflicht bei wichtigen Personalentscheidungen mögliche Nebenvereinbarungen.[8]

2.2.3 Financial Covenants

Financial Covenants sind in der Praxis die bedeutendste Untergruppe von Covenants.[9] Diese verpflichten den Kreditnehmer zur Einhaltung von bestimmten Finanzkennzahlen, die die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens widerspiegeln. Diese Mindestanforderungen sind konkret in den Kreditverträgen formuliert und stellen für das Kreditinstitut ein Warnsystem für die rechtzeitige Krisenerkennung bei einem Unternehmen dar. Eine Nichteinhaltung von festgelegten Kennzahlen wird als erster Hinweis für die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation des Kreditnehmers und somit für einen drohenden Kreditausfall gesehen. Die Warnsignale sollen dem Kreditgeber die Möglichkeit geben, dem erhöhten Kreditausfallrisiko durch geeignete Maßnahmen entgegen zu wirken. Die Eignung von Financial Covenants als Frühindikatoren wird jedoch kritisch hinterfragt. Die Einhaltung von Finanzkennzahlen wird auf Grundlage von Unterlagen aus vergangenen Perioden geprüft. Somit stellen sie nicht die tatsächlich aktuelle wirtschaftliche Situation des Kreditnehmers dar. Zudem werden bilanzunabhängige Faktoren, wie die Qualität des Managements und das Know-how, und Umwelteinflussfaktoren, wie Marktstellung oder Änderung rechtlicher Bedingungen, in der Analyse nicht berücksichtigt. Trotz dieser Schwachstellen ist die regelmäßige Bilanzanalyse langfristig ein effektives Instrument zur Beurteilung der Unternehmensentwicklung und der Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers.[10] Zu den wichtigsten Klauseln in der Praxis zählt hier die Eigenkapitalquote, die die Mindestausstattung des Unternehmens mit Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital definiert. Weiterhin sind Kennzahlen zur Beurteilung der Kapitaldienstfähigkeit des Kreditnehmers von Bedeutung, die die Beziehung vom Ertrag bzw. vom Cashflow zu bestimmten Bilanz- und Aufwandspositionen ausdrücken. Beispielsweise werden dazu der Nettoverschuldungsgrad als Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA[11] oder der Schuldendienstdeckungsgrad als Verhältnis von EBITDA zum Zinsaufwand und der Tilgung ermittelt.[12]

[...]


[1] Vgl. Haghani/ Voll/ Holzamer/ Warnig (2009), S 3 f.

[2] Vgl. Haghani/ Voll/ Holzamer (2008), S. 3 f.

[3] Vgl. Runge (2010), S. 5 f.

[4] Vgl. Haghani/ Voll/ Holzamer/ Warnig (2009), S. 7

[5] Vgl. Runge (2010), S. 88 f.

[6] Vgl. Haghani/ Voll/ Holzamer/ Warnig (2009), S. 9

[7] Vgl. Runge (2010), S. 26-30

[8] Vgl. Zimmermann/ Werner/ Kilian (2012), S. 3

[9] Vgl. Haghani/ Voll/ Holzamer/ Warnig (2009), S. 9

[10] Vgl. Runge (2010), S. 30 ff.

[11] EBITDA = earnings before interest, taxes, depreciation and amortization (deutsch: Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen)

[12] Vgl. Haghani/ Voll/ Holzamer/ Warnig (2009), S. 9 f.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656585343
ISBN (Buch)
9783656585336
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267942
Institution / Hochschule
Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe Bonn
Note
1,3
Schlagworte
Covenants Risikomanagement der Kreditinstitute Vertragsnebenabreden Kreditvergabe

Autor

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Titel: Covenants in Kreditverträgen