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KMU in Tansania. Zugang zu Banken und MFI

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 17 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

SEMINARARBEIT

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1. Kleine und mittlere Unternehmen
2.2. Mikrofinanzierung
2.3. Wirtschaft und Politik in Tansania

3. Finanzierung von KMU in Entwicklungsländern
3.1. Rolle des Bankensektors
3.2. Rolle von Mikrofinanzinstitutionen
3.3. Rolle der Regierungen

4. Finanzierung von KMU in Tansania
4.1. Rolle des Bankensektors
4.2. Rolle von Mikrofinanzinstitutionen
4.3. Rolle der Regierung

5. Fazit und Ausblick

LITERATURVERZEICHNIS

Seminararbeit

1. Einleitung

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind für Volkswirtschaften von immenser Bedeut­ung. Allerdings ist insbeson­dere in Entwicklungsländern Unterbeschäfti­gung ein großes Problem, da der Großteil der Bevölkerung in der Subsistenz-Landwirtschaft oder in informellen Kleinstunternehmen wie Reparaturbetrieben arbeitet. Die Gründe, warum der KMU-Sektor in Entwicklungsländern nur schwach wächst und Kleinstunternehmen Expansionsprobleme haben, sind sehr vielfältig. Zugang zu Finanzierung scheint jedoch eines der wesentlichen Hemmnisse zu sein. Es wird in dieser Seminararbeit mit Blick auf kommerzielle Banken, Mikrofinanzinstitutionen (MFI) verschiedener Art und die Rolle der Regierungen betrachtet. Andere Formen der Außenfinanzierung, die für KMU generell relevant sind (Venture Capital, Private Equity, Leasing, Factoring, Crowd Funding, etc.) werden nicht behandelt, da sie in Entwicklungsländern bis heute eine viel geringere oder keine Relevanz als Banken- oder Mikrofinanzierung haben. Zudem fokussiert sich der Finanzierungsbegriff in dieser Seminararbeit auf Kredite und Sparprodukte, nicht auf Versicherungen.

Diese Arbeit setzt sich spezifisch mit der Situation in Tansania auseinander. Das Land ist besonders interessant, da es im Gegensatz zu vielen Ländern in Subsahara-Afrika politisch relativ stabil ist und zudem ein großes Wachstum verspricht. Somit kann es als einer Afrikas „aufgehenden Sterne“ betrachtet werden.

Die Arbeit zielt darauf ab, einen umfassenden Überblick über die Probleme von KMU in Tansania zu bieten. Insbesondere soll der Zugang zu Finanzierung problematisiert und analysiert werden ob Banken, Mikrofinanzinstitutionen und die tansanische Regierung zur Finanzierungslücke beitragen. Darüber hinaus sollen erste Lösungsansätze erarbeitet werden.

Die Arbeit gliedert sich zunächst in grundlegende Informationen über KMU, Mikrofinanzierung und Wirtschaft und Politik in Tansania. Dann wird die Rolle des Bankensektors, der MFI und der Regierungen erst in Entwicklungsländern allgemein und schließlich spezifisch für Tansania analysiert und verglichen. Schließlich skizziert das letzte Kapitel Lösungsansätze.

2. Grundlagen

Dieses Kapitel legt die Grundlagen für die folgende Seminararbeit. Es definiert die Begriffe „kleine und mittlere Unternehmen“ sowie „Mikrofinanzierung“ und stellt kurz die wirtschaft­liche und politische Lage Tansanias dar.

2.1 Kleine und mittlere Unternehmen

Die Definition von KMU ist nicht eindeutig. Nach Angaben des Instituts für Mittelstandsfor­schung Bonn (IfM) sind in Deutschland Kleine Unternehmen solche, die bis zu 9 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von bis zu 1 Mio € haben. Mittlere Unternehmen haben bis zu 500 Beschäftigte und einen Umsatz von bis zu 50 Mio € pro Jahr (vgl. IfM (Hrsg.), 2013). Die tansanische Regierung differenziert dahingegen zwischen Kleinstunternehmen (1 bis 4 Be­schäftigte und ein Kapital von maximal 5 Millionen Tansania-Schilling (Tzs) (1€ entsprach im Mai – Oktober 2013 ca. 2150 Tzs) (vgl. Bank of Tanzania (Hrsg.), 2013)), Kleinunter­nehmen (5 bis 49 Beschäftigte und ein Kapital von 6 bis 200 Millionen Tzs) und Mittelunter­nehmen (50 bis 99 Beschäftigte und ein Kapital von 201 bis 800 Millionen Tzs) (vgl. Woldie et al., 2012, S. 568).

Relativ eindeutig ist die gesamtwirtschaftliche Rolle von KMU. Besonders in Entwicklungs­ländern wie Tansania tragen sie signifikant zur Wertschöpfung und so zur Schaffung von Ar­beitsplätzen bei. So unterstützen sie die soziale und wirtschaftliche Entwicklung dieser Län­der (vgl. Satta, 2004, S. 166; Woldie et al., 2012, S. 567). Allerdings müssen KMU auch Schwierigkeiten, wie Außenfinanzierung, meistern. Beschränkter Zugang zu Kapitalmärkten, die Wahrnehmung, dass KMU ein höheres Risiko bergen als große Unternehmen, Informati­onsasymmetrie und höhere Kosten der Intermediation sind mögliche Gründe für dieses Hin­dernis (vgl. Woldie et al., 2012, S. 568 f.). Einige dieser Probleme werden im „Model of Len­ding Behaviour based on an Agency Framework“ beschrieben. Das Modell befasst sich mit der asymmetrischen Information und „Moral Hazard“. Dadurch, dass Kreditgeber nur un­vollständig über Kreditnehmer informiert seien, könne es besonders im Fall der Kreditvergabe an KMU zu systematischen Verzerrungen kommen, da sie allgemein als sehr risikoreich ein­gestuft werden (vgl. Obamuyi, 2007, S. 4; Erlei, 2013).

2.2 Mikrofinanzierung

Mikrofinanzierung (v.a. Mikrokredite und Mikro-Sparprodukte) soll Kleinunternehmer bei der Entwicklung hin zum klassischen Bankensektor unterstützen, so die Finanzierungsprob­leme von KMU lösen und langfristig das wirtschaftliche Wachstum von Entwicklungslän­dern stärken (vgl. Satta, 2003 (2), S. 64 f.). Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Ge­schäftsführer der Grameen Bank, Muhammad Yunus, gilt als Begründer des Mikrofinanzge­dankens. Ein Eckpfeiler seiner Methodik ist das „Grameen Group Lending Model“. In die­sem Modell werden Mikrokredite an Gruppen aus fünf Unternehmern vergeben. Es basiert auf der Kombination eines gemeinschaftlichen Mikro-Sparproduktes mit einem gemeinsamen Mikrokredit sowie auf regelmäßigen Treffen und Finanzschulungen (vgl. Grameen Research, Inc. (Hrsg.), 2012). Die Zusammenlegung von individuellen Ersparnissen kann Individuen so dabei behilflich sein, höhere Kredite zu bekommen und führt für das Kreditinstitut zu Skalen­effekten, indem sie sich nicht entweder auf Sparprodukte oder Kredite spezialisieren müssen.

Probleme der Mikrofinanzierung erstrecken sich von Fällen der Veruntreuung sowie Vorwür­fen gegen Bankführungskräfte, zu hohe Zinsen von Kreditnehmern zu verlangen, was in In­dien zu einer Reihe von Selbstmorden geführt habe, bis zur Kritik an zu hohen Sicherheits­forderungen, die einige Mikrofinanzgeber an ihre Kreditnehmer stellen (vgl. Wagner, 2012). Darüber hinaus sind viele MFI auf Geberfonds angewiesen und somit nicht nachhaltig, was die Mikrofinanzindustrie in vielen Ländern nur langsam wachsen lässt (vgl. Satta, 2003 (2), S. 65).

2.3 Wirtschaft und Politik in Tansania

Tansania ist ein Land im Westen Afrikas mit rund 48 Millionen Einwohnern. Mit einem pro­jektieren BIP pro Kopf von 591 US$ in 2013 ist es ein Entwicklungsland. Seit 2001 erhält es Unterstützung aus der HIPC-Initiative und ist trotz starkem Wirtschaftswachstums bis heute auf Entwicklungshilfe und Investitionszuflüsse angewiesen (vgl. IHS Global Inc. (Hrsg.), 2013, S. 14 f.). Die tansanische Wirtschaft wächst vor allem dank starker Inlandsnachfrage und hoher politischer Stabilität. Korruption ist jedoch eine der größten Schwierigkeiten für Geschäftstätigkeiten. Zudem muss Tansania, um langfristiges Wachstum zu sichern, seine Ener­giewirtschaft und Infrastruktur entwickeln, die Inflation senken und den Tansania-Schilling stabilisieren. Die Entdeckungen von Erdgasreserven der letzten Jahre sind dafür grundsätzliche eine gute Voraussetzung (vgl. IHS Global Inc. (Hrsg.), 2013, S. 1 ff.). Zudem möchte die tansanische Regierung 2013 und 2014 die Staatsausgaben um 17% erhöhen um die Energiewirtschaft zu stärken. Diese Maßnahme trägt jedoch das Risiko einer Konjunkturüberhitzung (vgl. IHS Global Inc. (Hrsg.), 2013, S. 10).

In Tansania trägt der KMU Sektor zu rund 40% des BIP bei, weshalb der tansanische Staat KMU durch verschiedene Entwicklungspläne unterstützen möchte. Nichtsdestotrotz bleibt der KMU Sektor instabil: mangelnder Zugang zu Finanzprodukten ist einer der Gründe (vgl. Satta, 2003 (2), S. 65; Woldie et al., 2012, S. 568).

3. Finanzierung von KMU in Entwicklungsländern

Dieses Kapitel befasst sich mit der Finanzierung als wesentliches Hemmnis für KMU in Ent­wicklungsländern. Es wird auf die Rolle des Bankensektors in dieser Problematik eingegan­gen und diskutiert, welchen Einfluss internationale Banken auf sie haben. Im nächsten Schritt wird die Rolle von Mikrofinanzinstitutionen aufgegriffen, ihre finanzielle Tragfähigkeit be­sprochen und ihr mögliches Zusammenwirken mit Banken erklärt. Im letzten Teil wird die Rolle der Regierungen beleuchtet und wie sie unter anderem durch die Regulierung von Ban­ken und MFI gesamtwirtschaftliche Stabilität erreichen können.

Die International Finance Corporation schätzt die Finanzierungslücke für kleine Unternehmen in Entwicklungsländern auf fast 2 Trillionen US-Dollar (vgl. Panajyan, 2013). In afrikani­schen Ländern südlich der Sahara beschreiben nach Daten der World Bank (2013) 47,2% der kleinen, 40,3% der mittleren und 31,8% der großen Firmen Finanzierung als wesentliches Hemmnis. Kleine Unternehmen beziehen Kredite vor allem von Eltern oder Nachbarn (vgl. Togba, 2012, S. 474). Wachstumsbremsen seien insbesondere hohe Finanzierungskosten, der Zugang zu Finanzierungsmitteln, hohe Steuerabgaben, makroökonomische Instabilität, wirt­schaftspolitische Unsicherheiten und Korruption (vgl. Beck, 2007, S. 3 f.).

3.1 Rolle des Bankensektors

Die Rolle des Bankensektors in der Finanzierung von KMU in Entwicklungsländern ist inso­fern beschränkt, dass kleine Firmen Bankfinanzierung sowie andere Formen der Außenfinan­zierung weniger als große Firmen nutzen. Lediglich 12% der kleinen Firmen nutzen Bankfi­nanzierung, dahingegen 30% der großen Firmen (vgl. Beck, 2007, S. 4). Ein Grund hierfür ist, dass Banken oftmals in ihrem Kernmarkt hohe Renditen erwirtschaften können und des­halb kaum dazu geneigt sind, im KMU-Sektor zusätzliche Risiken und vergleichsweise hohe Verwaltungskosten auf sich zu nehmen (vgl. Dalberg (Hrsg.), 2011, S. 17). Eine andere Er­klärung ist zudem, dass Banken oftmals in städtischen Regionen angesiedelt sind, während viele Kleinstunternehmer in ländlichen Gegenden leben (vgl. Tomaselli et al., 2012, S. 338).

Ob private internationale Banken diese Daten ebenfalls beeinflussen, ist in der Literatur um­stritten. Befürworter des Eintritts ausländisch geführter Banken sehen Vorteile in einer besse­ren Ressourcenallokation, gesteigerter Effizienz, höherem Kapital und gesteigerter Professio­nalität durch mehr Wettbewerb. Dies führe zu einer niedrigeren Volatilität und höherem Kre­ditwachstum. Gegner argumentieren, dass ausländisch geführte Banken die Stabilität von na­tionalen Banken senken, indem sie in Krisenzeiten die Kapitalflucht stärken und die Anfällig­keit für exogene Schocks und regionale Ansteckungseffekten erhöhen. Darüber hinaus er­hielten Kleinunternehmer geringeren Zugang zu Finanzierung durch ausländisch geführte Banken (vgl. Satta, 2004, S. 166[i] ). Der letzte Teil dieser Überlegung wird in der „Foreign-Owned-Bank Barriers Hypothesis“ geäußert, die besagt, dass ausländisch geführte Banken weniger dazu geneigt sind, Kredite an kleine Unternehmen zu vergeben als national geführte Banken. Dies sei durch größen- und entfernungsbedingte Nachteile in stark kundenbezogenen Kreditdienstleistungen sowie durch interkulturelle Schwierigkeiten bedingt (vgl. Berger et al., 2001, S. 2133 f.). Caprio et al. (2001, S. 164 ff.) finden keinen Nachweis, der die Hypothese bestätigt, sondern sind der Meinung, dass der Markteintritt internationaler Banken dabei hel­fen kann, kleine Kunden an den Vorteilen der finanziellen Globalisierung teilhaben zu lassen. Berger et al. (2001, S. 2163) hingegen bestätigen Hypothese, sofern die ausländisch geführte Bank ihren Hauptsitz in einem weit entfernten Land hat.

[...]


[i] Leider sind die für die Thematik zugänglichen Forschungsergebnisse nicht immer aktuell, allerdings wurden die neuesten verwendet.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656591306
ISBN (Buch)
9783656591276
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267931
Institution / Hochschule
Hochschule Reutlingen – ESB Business School
Note
1.1
Schlagworte
Mikrofinanzierung Microfinance MFI Tansania Tanzania SME KMU Africa Afrika Bankenfinanzierung bank finance development access to finance Zugang zu Finanzierung kleine und mittlere Unternehmen small and medium sized enterprises Ostafrika East Africa Sub-Saharan Africa Subsahara Afrika Microfinance Institutions SACCO

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