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Das Szenische Spiel im DaF-Unterricht

von Ina Frank (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 18 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakteristika des Szenischen Spiels
2.1 Personales Spiel
2.2 Figurales Spiel
2.3 Technisch-mediales Spiel
2.4 Lernniveau
2.5 Zielgruppe
2.6 Lernziele
2.7 Zeit und Raum

3. Inszenierungstechniken
3.1 Einfühlungsfragen beantworten
3.2 Standbilder
3.3 Positionseinnahme
3.4 Selbstvorstellung

4. Didaktisch-methodische Besonderheiten zur Dramapädagogik im Fremdsprachenunterricht
4.1 Didaktische Merkmale dramapädagogischer Arbeitsformen
4.1.1 Ganzheitlichkeit
4.1.2 Erfahrungs-, Handlungs-, Projekt- , Problem- und Schülerorientierung
4.2 Anforderungen an den Lehrer

5. Grenzlinie zwischen der Dramapädagogik und der Theaterpädagogik

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Erzähle mir und ich vergesse.

Zeige mir und ich erinnere mich.

Lass mich tun und ich verstehe“

(Konfuzius)

Schon Konfuzius wusste, dass das Lernen mit Kopf, Herz, Hand und Fuß, also eines, bei dem all unsere Sinne angesprochen werden, die effektivste Methode ist, gute Lernerfolge zu erzielen. Egal, ob zur Erwärmung (Einstieg), Auflockerung oder als ganzer Workshop dient das Szenische Spiel dazu, die Freude und den Spass am Lernen zu fördern, die Schüler zu motivieren und somit von der Schiene des konventionellen Unterrichts, laut manch Lernender auch „langweiligen“ Unterricht, abzuweichen.

Unter dem Motto „Theater macht Schule“ gewinnt das Darstellende Spiel in allen Bundesländer immer mehr an Bedeutung. Nicht nur als AG, sondern auch als Wahl- oder Wahlpflichtfach wird das Theaterspiel nach und nach in die Lehrpläne der einzelnen Schulen eingeführt. Zwar spricht man von einem „Spiel“, doch Theater ist alles andere als Spielerei. Der Weg von einer ersten Inszenierungsidee bis hin zur allerersten Darstellung bzw. Aufführung ist ein langwieriger und enorm komplexer Prozess und fordert daher eine systematische und oftmals langjährige Ausbildung der Lehrer/innen.

Neben der Annäherung an eine Figur und Thema geht es bei diesen Spielen auch um die kritische Auseinandersetzung mit Problemen. Während dessen, und das ist das Spannende an der Methode, findet bei den Schülern eine unbewusste Reflexion des eigenen Ichs, anderer Personen und der Umwelt statt. Außerdem sollen die Lerner einen Blick dafür erhalten, eine rein symbolisch-fiktive von der realen Wirklichkeit zu unterscheiden. Spontanität, Kreativität, Teamfähigkeit, doch auch Disziplin und Konzentration sind essentielle Aspekte des Szenischen Spiel, die in den Schulen eine ganzheitliche Erziehung und Bildung der Schüler fördern.

2. Charakteristika des Szenischen Spiels

„Für die Vielfältigen Formen szenischen Spiels gibt es keine eindeutige Terminologie. In theoretischen und praktischen Spielvorschlägen begegnen uns die unterschiedlichsten Bezeichnungen.“ (Thurn 1992: 13)

Generell versteht man das Szenische Spiel als eine Form des Theaterspiels, dessen Grenzen hier weit gesetzt sind, also der inhaltliche und thematische Stoff ziemlich offen für alle Situationen, die man mit Hilfe eines Schauspiels darstellen kann, gehalten wird. Bestimmte Aufwärmübungen, wie z.B. das Improvisationstheater oder das Spiegeln, Pantomimen und auch die klassische Form des Sprechtheaters fallen unter den Oberbegriff „Szenisches Spiel“. In dessen pädagogischen Umfeld findet man sehr häufig das „Rollenspiel“, welches in beinahe allen genannten Spielsituationen enthalten ist.[1] In anderer Literatur findet man den Begriff „Rollenspiel“ auch als Synonym für das in pädagogisch-therapeutischen Kontext gesetzte Szenische Spiel, denn „im Rollenspiel ahmen die Kinder Personen und Handlungen nach und erkennen dadurch Charaktereigenschaften und Handlungszusammenhänge“ (Kreuser 1996: 207).

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde, vor allem in Großbritannien, das „Drama“ in Fächern wie „Speech and Drama“ oder „acting and speech skills“ als Lehr- und Lernform angewandt. Einige Forscher hatten die Absicht, durch Nachahmung fremder Identitäten und verschiedenster Perspektiven in einer fiktiven Umgebung komplexe Themen zu untersuchen, sich in Charaktere und Texte einzufühlen sowie Lernstrategien zu entwickeln. Da der dramapädagogische Unterricht immer ein Moment der Unvorhersagbarkeit ist, muss die Lehrperson stets Flexibilität und einen bis in alle Details geplanten Unterricht aufweisen. Für die Lernenden bedeutet ein solcher Unterricht, ein Lernen mit „Kopf, Herz, Hand und Fuß“, bei dem der Inhalt und nicht die Darstellungsqualität im Mittelpunkt steht - kurz - im Vordergrund steht das Wie, nicht das Was.[2]

Das Szenische Spiel ist ein essentielles Kommunikationstraining und gleichzeitig künstlerisches und kreatives Ausdrucksmittel, in dem eine Erprobung von Mimik und Gestik sowie eine Erfahrung vieler körperlicher Ausdrucksmöglichkeiten stattfindet. Eine genaue Beobachtung von Personen und Geschehnissen fordern vor allem Nachahmungsspiele wie Pantomime und Scharade, da das Gesehene in einer Vorstellung reproduziert werden soll, während die Aufmerksamkeit unwillkürlich und stärker auf das Handeln und Tun der Mitmenschen gelenkt wird. Durch eine überspitzte Darstellung einzelner Verhaltensweisen, komm es zur Typisierung, jedoch zum Training der Differenzierungsfähigkeit, was beides einem Abbau von Vorurteilen und Verallgemeinerungen dient.

Die Wirkungen von Artikulation, Tonfall, Betonung, Lautstärke, Sprechpausen und Geschwindigkeit werden in verbalen Spielen bzw. bei dem Umgang mit der Sprache erfahren. Somit wird das Kennenlernen der Modulations- und Ausdrucksfähigkeit der eigenen Stimme zu einer sehr wichtigen Selbsterfahrung. Die Variation der eigenen Stimme kann vor allem in Gesprächen, Konfliktsituationen und Diskussionen gezielt und bewusst verwendet werden. Dadurch, dass die eigenen sprachlichen Möglichkeiten des Ausdrucks erkannt werden, kommt es sowohl zur Förderung der Zuhörfähigkeit als auch zur Differenzierung, die für eine angemessene Kommunikation ganz wesentlich ist. Das Sprachtraining durch das Darstellende Spiel dient also auch zum Schutz sprachlicher Manipulation, da vor allem im Spiel die große Menge sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten sehr bewusst wahrgenommen werden. Des Weiteren dient es dem Training sozialer Handlungen, was vor allem mit Hilfe des Rollenspiels beabsichtigt wird. Dabei wird den Spielern die Analyse und Gliederung von Konflikten und Problemen sowie die Erprobung verschiedenartiger Problemlösungen ermöglicht. Indem eine fiktive oder konkrete Situation reflektiert wird, kann die Reaktion der Umwelt, aber auch das eigene Verhalten erkannt und aufgenommen werden. Wird durch den Spielleiter eine Rollentausch verursacht, so besteht die Möglichkeit, dass Rollenauffassungen von Stereotypen aufgebrochen werden können. Rollenspiele zeigen also auf, welche Erfahrungen im Umgang mit Konflikten möglich sind und welche Lösungsmöglichkeiten in der direkten Umwelt angewandt werden können. Sie dient also nicht nur dem reinen Selbstzweck.

Zusammenfassend bedeutet Szenisches Spiel also, dass, erstens, alle mitspielen können, zweitens, das Nachahmen, Ausprobieren und Experimentieren Spass bereuten soll, drittens, die Darstellungen des eigenen Ichs, aber auch anderer Lust bringen soll, viertens, das Verkleiden Freude bereiten soll, fünftens, die Neugierde geweckt werden soll, und sechstens, Einfälle spontan umgesetzt werden sollen.[3]

2.1 Personales Spiel

Durch das personale Spiel werden in der Lernergruppe spielerische Fähigkeiten aktiviert, während jeder Einzelne für seine Wirkung sowohl auf seine Mitspieler als auch auf die Zuschauer sowie für seine Ausdrucksmöglichkeiten im Spiel sensibilisiert wird. Als Spielformen werden sogenannte Warm-up-Spiele, ungeplante und von der Momentkomik abhängige Kleinspielformen, Pantomime, Sketche, Scharaden, Stegreifspiel, problemorientiertes Plan- und Rollenspiel verwendet.

2.2 Figurales Spiel

Die jeweilige Spielfigur dient als Grundlage des figuralen Spiels. Der Charakter und die Aussagefähigkeit der einzelnen Figuren werden besonders durch Mechanismus, Form und Größe bestimmt. Eine Erkundung verschiedener Darstellungsmöglichkeiten einer bestimmten Figur findet in unterschiedlichen Spielversuchen, wie Marionettenspiel, Maskenspiel, Puppenspiel oder Schattenspiel, statt.

2.3 Technisch-mediales Spiel

Hier steht die Umsetzung durch Personen geleitete Handlungsabläufe und optische, akustische und räumliche Situationen in eine „Sprache“ des entsprechenden Mediums (Kassette, Film, Musikinstrument) im Vordergrund. Bewiesen haben sich bisher Hörspiele, Spielgestaltungen mit einer Videokamera und das Spiel mit eigens gebauten Musikinstrumenten.[4]

2.4 Lernniveau

Als großer Einwand gegen das Theater im DaF-Unterricht wird oft der Mangel am Sprachniveau der Lernenden genannt. In diesem Fall geht der Kritiker von einer komplexen und wortgetreuen Inszenierung eines deutschen literarischen Theaterstücks aus, ohne die szenische Improvisation, bei der die Literaturtexte ausschließlich zur spontanen und eigenen Darstellung dienen, zu berücksichtigen. Trotzdem ist der Einsatz theatralischer Elemente sogar bei Anfängern durchaus möglich. Spricht man von einem guten Theater, ist nicht nur die Rede von bloßem Sprechtheater, sondern auch oder ausschließlich von non-verbalen Formen, wie z.B. das Bildtheater, Tanztheater oder Pantomime, die vermittelt werden sollen. Um im Fremdsprachenunterricht das rein Physische zum Ausdruck bringen zu können, dient das Verfahren des Standbilder-Bauens oder das pantomimische Spiel als Sprechanlass bzw. kann eine Herführung einer neuen Dimension des Fremdsprachenlernens durch eine Verbindung von Wörtern und Bewegungen stattfinden. Außerdem besteht die Möglichkeit, knappe Dialoge szenisch darzustellen, womit gleichzeitig eine Situationseinbettung mit entsprechendem Wortschatztraining beabsichtigt wird. Weiter können vom Verständnisniveau und Aufgabenstellung abhängige fiktionale und non-fiktionale Texte für das mittlere oder hohe Niveau zum Einsatz kommen.

[...]


[1] Welscher-Forche, Ursula (1990): Das darstellende Spiel in der Schule für Lernbehinderte, Frankfurt/ M.: Peter-Lang Verlag, S. 144

[2] Eigenbauer, Karl (2009): Dramapädagogik und Szenische Interpretation, In: ide - Informationen zur Deutschdidaktik - Theater, Heft 1, S. 63 f.

[3] Thiesen, Peter (1994): Drauflosspieltheater. Ein Spiel- und Ideenbuch für Kindergruppen, Schule und Familie, Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S.12 f.

[4] Thiesen, Peter (1994): Drauflosspieltheater. Ein Spiel- und Ideenbuch für Kindergruppen, Schule und Familie, Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S.12

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656584100
ISBN (Buch)
9783656584193
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267895
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2
Schlagworte
Szenisches Spiel Dramapädagogik Theater Schule Fremdsprachenunterricht Merkmale Dramapädagogik

Autor

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    Ina Frank (Autor)

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