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Le Corbusiers Entwürfe für eine Idealstadt – Ideale Städte?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 22 Seiten

Kunst - Allgemeines, Kunsttheorie

Leseprobe

Inhalt:

1. Einführung

2. Le Corbusier
2.1. Sein Leben
2.2. Seine Werke und Entwürfe
2.2.1 Die fünf Punkte einer neuen Architektur
2.2.2 Le Corbusiers Hausentwürfe

3. Die Stadtentwürfe
3.1. Entwurf 1: ‚Ville Contemporaine’ 1922
3.2. Entwurf 2: ‚Plan Voisin’1925
3.3. Entwurf 3: ‚Ville Radieuse’ 1935

4. Welche Überlegungen stecken hinter seinen Entwürfen?
4.1. Schaffung einer neuen Kultur
4.2. Trennung von Wohnen und Arbeiten
4.3. Optimale Verkehrsanbindungen
4.4. Gleich gute Lebensverhältnisse für alle Einwohner

5. Probleme solcher Städte
5.1. Alterung
5.2. schlechte Erweiterbarkeit
5.3. Soziale Probleme
5.4. Ablenkung der Einwohner durch ständige Beschäftigung
5.5. Individualitätsverlust
5.6. Verlust der Privatsphäre

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1. Primärliteratur
7.2. Sekundärliteratur
7.3. Internetquellen

1. Einführung

Auf der ‚Exposition Internationale des Arts Décoratifs’[1] 1925 in Paris erstmals vorgestellt, waren Le Corbusiers Visionen und Entwürfe für eine Idealstadt etwas Außerordentliches und lösten eine Vielzahl an kontroversen Diskussionen zum Thema Städteplanung und Städtebau aus.

Auch heute noch finden zahlreiche Diskussionen über die Architektur und die Stadtutopien der Moderne statt. Während Kritiker die kalte und unmenschlich anmutende Radikalität der modernen Entwürfe verurteilen, loben Befürworter die Abwendung von der ästhetischen Last der vergangen Epochen und die zahlreichen zukunftsweisenden Ideen, die während der Moderne erdacht wurden.

Le Corbusiers Idealstadtentwürfe[2] stellen jedoch alles andere als für den Menschen ideale Städte dar. Um die Richtigkeit dieser These zu überprüfen, befasst sich die vorliegende Arbeit eingangs kurz mit dem Menschen Le Corbusier und mit seinen Ansichten und Ideen zu Architektur und Stadtplanung. Daran anknüpfend wird eine Auswahl seiner Wohnhausmodelle und Entwürfe im Detail vorgestellt, die auch realisiert wurden. Es folgt eine Darstellung seiner drei Stadtentwürfe ‚Ville Contemporaine’, ‚Plan Voisin’ und ‚Ville Radieuse’, mit Schwerpunkt auf den Merkmalen, die diese mit Le Corbusiers zuvor vorgestellten Hausentwürfen gemeinsam haben, bevor Le Corbusiers damit verfolgte Ziele den Problemen und Nachteilen gegenübergestellt werden, mit denen solche Städte, würde man sie tatsächlich bauen, zu kämpfen hätten, was durch Beispiele untermauert wird.

2. Le Corbusier

2.1. Sein Leben

Der am 6. Oktober 1887 im damaligen Zentrum der Schweizer Uhrenindustrie La Chaux-de-Fonds geborene Charles Edouard Jeanneret(-Gris), beginnt im Jahr 1900 eine Lehre zum Graveur und Ziseleur in der Kunstgewerbeschule École d’Art in La Chaux-de-Fonds. Sein Lehrer dort ist Charles L’Eplattenier[3]. Unter dessen Einfluss wendet sich Jeanneret der Malerei zu, wobei er stark von der Arts-and-Crafts-Bewegung[4] und der Art Nouveau[5] beeinflusst ist.

Bereits 1905 entsteht auch seine erste architektonische Arbeit: die ‚Villa Fallet’, ein Wohnhaus für einen Lehrer seiner Schule. Diesem Projekt folgen bis 1916 einige weitere Bauwerke, die jedoch noch nicht die später für Le Corbusier typische Handschrift tragen.

Ab 1907 unternimmt er Studienreisen in zahlreiche Großstädte Europas, auf denen sich ihm die Gelegenheit bietet, mit vielen namhaften Architekten zu reden. Die Eindrücke, die Jeanneret auf diesen Reisen vom Leben und Arbeiten in der Großstadt gewinnt, prägen später maßgeblich seine Stadtentwürfe. Doch auch seine Weltanschauung fließt in die Entwürfe ein, was sich besonders deutlich bei der Wohnraumgestaltung und seinen Ausführungen zum geplanten Alltagsleben in seinen Städten zeigt.

So zieht er 1917 nach Paris in die Großstadt und lernt dort den Maler Amédée Ozenfant[6] kennen mit dem zusammen er ab 1920 die Zeitschrift ‚L’Esprit Nouveau’[7] publiziert. Ab diesem Zeitpunkt beginnt Jeanneret das Pseudonym „Le Corbusier“, welches eine Kombination aus dem Namen seines Großvaters und dem Namen seines Lehrers darstellt[8], zu verwenden, unter dem er auch seine Artikel veröffentlicht.

Er beschränkt sich nicht länger auf das bloße Entwerfen von Gebäuden, sondern ist bestrebt seine Ideen auf Ausstellungen, in Zeitschriften, Büchern und bei Vorträgen zu verbreiten. Während er in den 1920er Jahren überwiegend Häuser in dem von ihm erfundenen ‚Dom-ino’-Stil realisiert, stellt er in seiner Eigenschaft als Stadtplaner auf dem Herbstsalon in Paris 1922 sein Konzept für eine „zeitgenössische Stadt für drei Millionen Einwohner“[9] vor.

1925 zeigt er ebenfalls in Paris, neben dem ‚Plan Voisin’ für Paris den Entwurf des ‚Pavillon de l'Esprit Nouveau’, der aus einer zweigeschossigen Wohneinheit besteht. Diese Wohneinheit stellt die Basis für die Wohneinheiten der Wohnblocks seiner Idealstadtentwürfe dar. Auf den vierten Kongress der CIAM[10] 1933 in Athen entsteht unter seiner Federführung die ‚Charta von Athen’[11], unter deren Gesichtspunkten er seine Stadtentwürfe überarbeitet um 1935 seinen Entwurf zur ‚Ville Radieuse’ vorzustellen.

Kurz nach Beginn des zweiten Weltkriegs ist er gezwungen sein Architekturbüro zu schließen und mit seiner Familie in die Pyrenäen zu fliehen, wo er bis zum Ende des Krieges verweilt, 1943 die Charta von Athen aber offiziell publizierte. Nachdem Frankreich von den Alliierten Streitkräften befreit war, ernannte man ihn zum Vorsitzenden der Städtebaukommission des französischen Architektenverbandes. In dieser Funktion beschäftigt er sich hauptsächlich mit Fragen des Wiederaufbaus einiger im Krieg zerstörter, französischer Städte.

In den Jahren 1951 und 1952 hat Le Corbusier erstmals die Gelegenheit, seine stadtplanerischen Visionen in die Realität umzusetzen, als ihn der indische Bundesstaat Punjab zum Berater für die Planung der neuen Hauptstadt heranzieht.

2.2. Seine Werke und Entwürfe

2.2.1 Die fünf Punkte einer neuen Architektur

Die fünf Punkte einer neuen Architektur[12], die von Le Corbusier Mitte der 1920er Jahre formuliert werden, sind Prinzipien, die sich auf seine Erfahrungen als Architekt stützen und mit denen sich seiner Meinung nach Architektur am effizientesten nutzen lässt[13].

Punkt Eins befasst sich mit den Stützpfosten auf denen ein Gebäude stehen soll. Genaue Berechnungen zeigen die Anzahl und Stärke der benötigten Pfosten, sowie ihren Abstand voneinander. Nicht nur die oberen Stockwerke, sondern auch das Erdgeschoss soll von ihnen getragen werden. Somit wird unter dem Haus weitere Gartenfläche gewonnen und der Wohnbereich ist von der Feuchtigkeit der Erde abgetrennt.

Der zweite Punkt befasst sich mit der konsequenten Ausnutzung des flachen Dachs als weiteren Garten, dessen Feuchtigkeit zu starkes Arbeiten der darunter liegenden Betonplatten verhindert.

Die völlig freie Gestaltung des Grundrisses dank des Wegfalls von Tragwänden ist Gegenstand des dritten Punktes, während sich der vierte Punkt mit den Dimensionen der Fenster befasst. Diese sollen den vollen, zwischen den einzelnen Stützpfeilern zur Verfügung stehenden Platz beanspruchen, um die Räumlichkeiten gleichmäßig auszuleuchten.

Der letzte Punkt steht im Zeichen der freien Gestaltung der Außenfassaden. Durch über die Tragpfeiler hinausragende Böden, lässt sich die Außenfassade unabhängig von ihnen gestalten.

Werden diese Punkte konsequent umgesetzt, entsteht ein völlig neuartiges Haus, das mit dem typischen Wohnhaus vor 1920 nur noch die Funktion des Wohnens gemeinsam hat. Es hat mehr nutzbare Fläche, Licht dringt besser hinein und das Haus lässt sich schneller und leichter fertigen.

[...]


[1] Internationale Kunstgewerbeausstellung

[2] Als Idealstadt wird eine stadtplanerische Vorstellung bezeichnet, bei der eine Stadt von vorneherein unter einheitlichen Gesichtspunkten wie wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Organisation – häufig verbunden mit sozialutopischen Ideen und einem ästhetischen Programm – entworfen wird. Obwohl Idealstädte fast nie realisiert wurden, hatten und haben die Konzepte der Idealstadt Einfluss auf die Stadtplanung bei Stadtneugründungen, Planhauptstädten, Trabantenstädten und Wohnsiedlungen. Vgl.: www.wikipedia.org.

[3] Charles l’Eplattenier (* 1874Neuchâtel; †1946 beiLes Brenets). Der Schweizer Maler und Architekt gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Art Nouveau. Vgl.: wikipedia.org.

[4] Mitte des 19.Jhdts entstandene Bewegung in Kunst und Produktdesign. Vgl.: wikipedia.org.

[5] Kunstgeschichtliche Epoche gegen Ende 19 des Jahrhunderts. Vgl.: wikipedia.org.

[6] Amédée Ozenfant (* 15. April1886 inSt. Quentin; †4. Mai 1966 in Cannes) war ein französischer Maler. Vgl.: wikipedia.org.

[7] Auch der Dichter und Publizist Paul Dermée gehört zu den Gründungsmitgliedern. Vgl.: lecorbusier.de

[8] Vgl.:wikipedia.org

[9] Siehe auch Abschnitt 3.1 Ville Contemporaine 1922

[10] Congrès Internationaux d`Architecture Modèrne

[11] Die Charta von Athen steht unter dem Thema „die funktionale Stadt“ und beschäftigt sich mit moderner Siedlungsentwicklung. Vgl.: lecorbusier.de & wikipedia.org

[12] Vgl.: lecorbusier.de.

[13] Vgl.: Technische Universität Hamburg-Harburg, http://www.tuhh.de.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656588344
ISBN (Buch)
9783656588337
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267816
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,7
Schlagworte
Le Corbusier Utopie Architektur Dom-ino Ville Contemporaine Plan Voisin Ville Radieuse Individualität

Autor

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