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Journalistengewerkschaft. Vorgeschichte, Entstehung und Entwicklung des Deutschen Journalisten-Verbandes.

Hausarbeit 2004 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Näherung an das Thema Journalistengewerkschaft
2.1 Arbeit des Reichsverbandes
2.2 Erste Schritte des neuen Deutschen Journalisten-Verbandes

3. Das Verhältnis zum Deutschen Gewerkschaftsbund
3.1 Die Bildung einer Mediengewerkschaft
3.2 Das Vorzeitige Ende der Mediengewerkschaft

4. Das Verbandsmodell

5. Schlussbemerkung

Bibliografie:

1. Einleitung

Bereits im 19. Jahrhundert hat die Berufssoziologie die Berufsorganisationen als ein Kriterium für den Grad der Professionalisierung eines Metiers bezeichnet. Das schreibende Gewerbe fand mit der Gründung des Leipziger Literaten-Vereins im Jahr 1842 erstmals eine Anlaufstelle, in der sich Journalisten organisieren konnten. Bei weitem kein Vergleich mit dem jetzt existierenden Deutschen Journalisten-Verband, der sich erst über 100 Jahre später gründen sollte.

Am 21. Dezember 1848 wurde in Deutschland mit Einführung der Grundrechte der erste wichtige Schritt in punkto Pressefreiheit getan. Die Forderung der Journalisten danach war aber nicht neu. Denn schon in der Wiener Bundesakte von 1815 war versprochen worden, die „Abfassung gleichförmiger Verfügungen über die Pressefreiheit und die Sicherstellung der Rechte der Schriftsteller und Verleger gegen den Nachdruck“ einleiten zu wollen. Passiert ist aber nichts.

Immer wieder neu aufkommende Hoffnungen auf die feste Organisation von Journalisten, die die Pressefreiheit gegenüber dem Staat durchsetzen können, wurden im Keim erstickt. Nicht durch Zensur in den einzelnen Bundesländern, aber Mittel wie Kautionsleistung, Beschlagnahme, Konzessionszwang und Entzug des Postvertriebes wurden voll ausgeschöpft. Ausdruck der öffentlichen Meinung konnte die Presse unter diesen Umständen natürlich nicht sein.

Unter Vorsitz von Karl Biedermann, leitender Redakteur der Leipziger „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ und Historiker an der Universität Leipzig, fand schließlich am 22. Mai 1864 in Eisenach der 1. Deutsche Journalistentag statt. Bei dieser Tagung wurden allerdings nicht individuelle Journalisten vereinigt, sondern Vertreter von den Zeitungen. Die Hauptthemen dieses ersten Journalistentages waren die Abschaffung steuerlicher Belastungen für die Presse durch den so genannten „Zeitungsstempel“, eine Bundespressegesetzgebung sowie der Postvertrieb. Jedoch beschäftigten sich die Pressevertreter auch mit Statutsfragen. Zudem wurde ein Komitee zur Entgegennahme von Stellengesuchen gebildet sowie Probleme der Altersversicherung und der Altersversorgung besprochen.

Arbeitsgebiete, die bis heute Bestand haben. Deshalb stelle ich in diesem Zusammenhang die These, dass die genannten Problemfelder nur in Form einer Journalistengewerkschaft wie dem Deutschen Journalisten-Verband bearbeitet werden können. Dabei stellt sich im Folgenden dieser Hausarbeit die Frage, ob es Sinn macht beziehungsweise hilfreich ist für ganz Deutschland eine einheitliche Mediengewerkschaft ins Leben zu rufen.

Der erste Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich im Wesentlichen mit den theoretischen Grundlagen, der Näherungsfunktion an das Thema Journalistengewerkschaft, fokussiert auf den Deutschen Journalisten-Verband. Ferner wird die Problemstellung behandelt, ob es notwendig ist oder Sinn macht für ganz Deutschland eine einheitliche Mediengewerkschaft ins Leben zu rufen. Gegenstand sind Aufzeichnungen, die es in bisher vergleichsweise wenigen Büchern und Dokumentationen von Journalisten und Kommunikationswissenschaftlern beschrieben werden. Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den zukunfts­orientierten Aufgaben des Deutschen Journalisten-Verbandes.

2. Näherung an das Thema Journalistengewerkschaft

Mit dem ersten Journalistentag war es nun aber um die Gründung einer Journalistengewerkschaft noch nicht getan. Dies „(...) sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Organisation dieses Berufsstandes vielen Schwierigkeiten begegnete.“ (Koszyk, 1989, S. 18) Denn schon der Versuch, den vorher gegründeten Leipziger Literaten-Verein auf den Deutschen Bund auszudehnen, scheiterte. Das Gegenteil erwies sich aber beim Deutschen Journalistentag mit seiner losen organisatorischen Bindung.

„1865 wurden in Leipzig radikale politische Forderungen erhoben. (...) Lokale Vereinigungen – in Wien die ‚Concordia’ und in Berlin der ‚Verein Berliner Presse’, der schon vor 1864 entstanden war – bildeten den organisatorischen Rückhalt. Erst 1874 beschloss der 9. Deutsche Journalistentag in Baden-Baden, Ortsvereine zu gründen und den ‚Deutschen Journalisten- und Schriftstellerverein’, wie sich die Organisation nun nannte, auf diese Weise solider zu fundieren.“ (Koszyk, 1989, S. 19)

Aber immer noch war es ein Manko der Journalistentage, dass nicht die einzelnen Journalisten daran beteiligt waren, sondern lediglich die Vertreter der Zeitungen. So konnte der Gedanke einer Deutschen Pensionskasse für Literaten sowie eine Unterstützungskasse für deutsche Journalisten aus dem Jahr 1879 nicht verwirklicht werden. In der Folge beschlossen die Teilnehmer des Deutschen Journalistentages 1883 in Eisenach

„(...) einen ‚Deutschen Journalistenverband’ mit dem Zweck zu schaffen, die Berufsinteressen zu wahren die journalistische Gemeinsamkeit zu fördern und die Rechte einzelner Mitglieder zu vertreten. Bei Not und Erkrankung sollte Hilfe geleistet werden.“ (Koszyk, 1989, S. 19)

Aber auch dieses Beschlossene konnte nicht in die Tat umgesetzt werden. Dies hatte vor allem zwei Gründe: Zum einen waren die Verleger noch nicht organisiert, womit der Journalistenverband keinen Verhandlungspartner hätte, wenn es um soziale Verbindlichkeiten geht. Eine Verlegerorganisation gab es erst ab 1894. Zum anderen aber gab es das Hindernis, dass Journalisten immer noch der Form nach als Schriftsteller betrachtet wurden. Daran konnte sich so schnell auch nichts ändern, denn zum Deutschen Journalisten- und Schriftstellerverband (gegründet 1895 in Heidelberg) zählten zu seinem Höhepunkt im Jahr 1909 mit 32 Vereinen und 3000 Mitgliedern lediglich 500 Journalisten. Was folgte war am 20. November 1910 der Zusammenschluss mit dem „Bund Deutscher Redakteure“, der sich erst am 17. Januar 1909 in Berlin gründete. Gemeinsam ging man auf im „Reichsverband der Deutschen Presse“ und war für dreieinhalb Jahrzehnte die Standesorganisation der Journalisten. Dessen Mitglieder suchten Wege aus der organisatorischen Versplitterung.

„Nach vielen separaten Organisationen (...) war der Reichsverband der erste umfassende Zusammenschluss der Journalisten in Deutschland. Seine Aktivitäten entfaltete er umfassend allerdings erst nach dem Ersten Weltkrieg. „ (Schwinghammer, 1989, S. 20)

Im Dritten Reich pervertierte der Verein zu einem Erfüllungsgehilfen der Reichspressekammer.

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Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656588481
ISBN (Buch)
9783656588474
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267736
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
2,0
Schlagworte
Torben Brinkema Deutscher Journalisten-Verband DJV Gewerkschaft Interessenvertretung Professionalisierung Journalistentag Standesvertretung

Autor

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Titel: Journalistengewerkschaft. Vorgeschichte, Entstehung und Entwicklung des Deutschen Journalisten-Verbandes.