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Print Online. Verdrängt das Internet die gedruckte Zeitung?

Hausarbeit 2005 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Potenziale des Internets
2.1 Tageszeitungen im Internet – Definierung ihres Engagements
2.2 Webpräsenz mit besseren Voraussetzungen
2.3 Die Funktionen im Vergleich
2.4 Zukunft nach der Delphi-Studie

3. Die Nutzer und deren Nutzen
3.1 Die Nutzerperspektive
3.2 Die Nutzen-Seite: Stellenwert der Online-Nachrichten

4. Die Voraussetzung zum Display-Medium
4.1 Die Besonderheit der Tageszeitung
4.2 Wann ist das Internet ein gutes Display-Medium?

5. Schlussbetrachtung

Bibliografie:

1. Einleitung

Mit dem Einbruch des Anzeigengeschäftes hat das 21. Jahrhundert für die Tageszeitung mit einer über Jahre anhaltenden finanziellen Krise begonnen. Dazu geht die rasante Entwicklung der Kommunikationstechniken an den bestehenden, klassischen Medien, insbesondere der Zeitung, nicht spurlos vorbei. Seit 1995 das erste Blatt mit eigenem Angebot im Internet aufwartet, stellt sich die berechtigte Frage nach der Zukunft der gedruckten Zeitung. Auch wenn nach dem „Rieplschen Gesetz“[1] davon auszugehen ist, dass kein neues, höher entwickeltes Medium ein altes substituiert, muss das unter den enormen Wachstumspotenzialen des World Wide Web (WWW) differenziert betrachtet werden. Das unterstreicht Microsoft-Gründer Bill Gates, der auf dem Weltwirtschaftsforum 1998 dem gedruckten Papier den Tod vorausgesagt hat (vgl. Schweinsberg, 2002, S.74).

Festzuhalten ist einerseits, dass es sich bei den neuen Medien in erster Linie um eine Systemkonkurrenz in der Technik der zu übermittelnden Informationen handelt. Andererseits ist die journalistische Substanz ein entscheidendes Kriterium, da sie wiederum über Inhalt, Form und Technik bestimmen kann (vgl. Richter, 1997, S. 53). Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob das Internet mit seinen Eigenschaften als technisches Individuum und journalistisch quantitativen Darstellungsweisen die Funktionen der gedruckten Zeitung berührt, überschneidet oder gar ersetzen kann.

Der erste Abschnitt dieser Hausarbeit versteht sich als Näherungsfunktion. Es werden Potenziale des Internets aufgezeigt, in die sich die aktuellen Angebote der Tageszeitungen einbetten. Die daraus resultierende Fragestellung, warum und wie sich Tageszeitungen im Internet präsentieren, wird eingehend beleuchtet. Fokussiert werden dabei die spezifischen Vorteile für die Webpräsenz einer Zeitung unter Berücksichtigung der journalistischen Funktion (Kapitel 2). Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Aspekte aus Sicht der Nutzer jeweiliger Angebote und deren Nutzen aus diesen beleuchtet. Die Grundlage dafür bilden im Kern kommunikationswissenschaftliche Publikationen und Untersuchungen aus den Jahren 2002 bis 2004 (Kapitel 3), von denen sich wiederum vergleichsweise wenige mit zukünftigen Problematiken des gedruckten Mediums beschäftigen. Einen weiteren Schwerpunkt zum Ende der Arbeit (Kapitel 4) bildet die Eingrenzung des Begriffs „Display-Medium“ und dessen Anwendbarkeit auf die Online-Zeitung. Als Proband wird hier die Bremer Tageszeitung Weser Kurier und dessen Online-Pendant herangezogen.

2. Potenziale des Internets

Im Unterschied zur gedruckten Zeitung hat das Internet noch kein stabiles Leistungsprofil entwickelt. Deshalb ist es wichtig, neben der Verwendbarkeit des Mediums „(...) auch sein technisches Potenzial, sein Möglichkeitsspektrum in Betracht zu ziehen.“ (Neuberger, 2003, S 56) Im WWW werden Text, Foto, Grafik, Video, Animation und Töne miteinander vereint. Aufgrund dieser Möglichkeiten in Verbindung mit der großen Speicherkapazität dieses Mediums bieten sich für den Journalismus zwei Möglichkeiten: Zum einen lassen sich alle Beiträge archivieren. So muss das redaktionelle Angebot im Netz nicht immer, wie bei der Zeitung, erneuert werden. Neues kann einfach mit Altem, Archiviertem, verknüpft werden. Resultieren können voluminöse Schwerpunkte zu relevanten Themen. Zum anderen lassen sich im Internet Service-Datenbanken mit Abrufinformationen einrichten, die durch die Verbindung zum Nutzer im Prinzip fortlaufend aktualisiert werden können, während die Presse an ein periodisches Erscheinen gebunden ist. (vgl. Neuberger, 2003, S. 58-60). Demgegenüber ist zu bedenken, dass die ständige Aktualisierung zu einer eher faktenorientierten Berichterstattung führt, die sich zum Beispiel auch auf die klassische Darstellungsform der Nachricht auswirken kann. Kurzfristige Entwicklungen zu einem Thema lassen sich oft nicht in einem nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide aufgebauten Artikel einarbeiten (vgl. Fitzgerald, 1996, S. 61).

Ob aber „(...) eine Affinität zwischen der Technik und diesen Leistungen besteht, wird (...) nicht weiter geklärt. Überhaupt scheint es schwierig, exklusive Leistungen primär auf technische Eigenheiten eines Mediums oder auf seinen spezifischen Gebrauch zurückzuführen.“ (Neuberger, 2003, S. 45)

2.1 Tageszeitungen im Internet – Definierung ihres Engagements

1995 ist die Schweriner Volkszeitung[2] als erste deutsche Tageszeitung mit einem Auftritt im World Wide Web erschienen. Bis Juli 2004 ist das Online-Angebot deutscher Zeitungen auf 633 angewachsen[3]. Dass sich Zeitungsangebote ähneln, dass publizistische Konzepte auftauchen und Strategien verfolgt werden, hat sich beim Sichten von 224 Tageszeitungsauftritten im Jahr 2000 gezeigt (vgl. Roth, 2004, S. 96). In den Anfangsjahren ging es vor allem darum, Präsenz zu zeigen. Mit der Krise im Werbemarkt jedoch wich dieses Prinzip zugunsten der Suche nach soliden Finanzierungsmöglichkeiten. Zweifel darüber, ob der Internetauftritt eines Print-Produktes überhaupt förderlich sei, verstärkten sich, wenn in extremen Fällen Inhalte eins zu eins übernommen wurden. Auf die Gefahr hin, dass sich der Rezipient mit einem Online-Angebot zufrieden gibt, sollte damit in erster Linie Neugierde auf das gedruckte Exemplar geweckt werden (vgl. Dierks, 2002, S. 119).

„In so einem Fall wäre der Internetauftritt kontraproduktiv: Man verliert Vertriebserlöse durch den Wegfall der Käufer; man verliert aber auch zusätzlich noch Werbeträgerkontakte, weil viele Leser sich ebenfalls mit dem Internetauftritt zufrieden geben könnten und deshalb gar nicht die Anzeigen der Werbekunden in den gedruckten Exemplaren sehen. Das wäre der GAU (Akronym für Größer Anzunehmender Unfall – der Verf.): Man stellt ein Qualitätsprodukt umsonst in das Netz – und beschneidet seine Erlöse.“ (Dierks, 2002, S.119)

Die Marktbesetzung ist ein zentrales Motiv des Engagements im Online-Bereich. Außerdem haben sich die Verleger von dieser Strategie versprochen, junge Leser zu erreichen und das multimediale, konsumanregende Umfeld für E-Commerce-Ambitionen zu nutzen. Heute geht es vermehrt um cross-mediale Kooperationsstrategien. „Beide Angebote werden dabei als medienübergreifende Einheit definiert, das sich inhaltlich ergänzt und für einander wirbt.“ (Hackenschuh / Döbler / Schenk, 2004, S. 45)

[...]


[1] Es „ergibt sich gewissermaßen als ein Grundgesetz der Entwicklung des Nachrichtenwesens, daß die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommendsten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur dass sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen.“ (Riepl, 1913, S. 5)

[2] http://www.svz.de

[3] vgl. Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V., Zeitungen 2004, Zahlen, Daten, Fakten, S. 401

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656613794
ISBN (Buch)
9783656613787
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267734
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
Erfolgreich bestanden
Schlagworte
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