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Wie erfolgreich waren die Hartz-Reformen? Die Auswirkungen der Hartz-Reformen auf Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland

Bachelorarbeit 2013 42 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Langzeitarbeitslosigkeit
2.1 Definition Arbeitslosigkeit
2.2 Definition Langzeitarbeitslosigkeit
2.3 Ursachen für Langzeitarbeitslosigkeit

3 Die Hartz-Reformen
3.1 Inhalt der Hartz-Gesetze
3.2 Zielsetzung der Hartz-Gesetze

4 Maßnahmen der Hartz-Reformen in Hinblick auf die Reduzierung von Langzeitarbeitslosigkeit
4.1 Neugestaltung der Arbeitslosenverwaltung
4.2 Prinzip „Fördern und Fordern“
4.3 Förderung beruflicher Weiterbildung: Bildungs- und Vermittlungsgutscheine/ Evaluationskultur
4.4 Entgeltsicherung und Eingliederungszuschüsse
4.5 Förderung der regionalen und beruflichen Mobilität
4.6 Mini-, Midi-Jobs und Ich-AG

5 Andere Einflussfaktoren
5.1 Konjunktur
5.2 Finanzkrise
5.3 Export

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unterscheidung Definition Arbeitslosigkeit

Abbildung 2: Unterscheidung Definition der Arbeitslosenquote

Abbildung 3: Erwerbstätige nach Sektoren von 1982 bis 2007

Abbildung 4: Veränderung der Arbeitslosen und Arbeitslosenquote von 1980 bis 2012

Abbildung 5: Unterbeschäftigung

Abbildung 6: Arbeitslosenquote von 1950 bis 2010

Abbildung 7: Beveridge-Kurve

Abbildung 8: Beveridge-Kurve von Deutschland

Abbildung 9: Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit von 2000-2011

Abbildung 10: Langzeitarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich

Abbildung 11: Weiterbildungsquote 1991 bis 2010 in Deutschland

Abbildung 12: Konjunktzyklus

1 Einleitung

Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland befinden sich aktuell auf einem Tiefstand und fallen seit der Einführung der Hartz-Gesetze kontinuierlich. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Hartz-Reformen die Arbeitsmarktlage deutlich verbessert haben und ein besserer Austausch zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage gelingt, dass also eine schnellere Vermittlung von Arbeitslosen an offene Arbeitsstellen vorgenommen wird. Dennoch sind die Hartz-Gesetze stark umstritten und werden oftmals zur Diskussion gestellt, da insbesondere die verschärften Regelungen für Langleistungsbezieher für kritische Debatten sorgen. Die zu der Erlassung dieser Gesetze über moderne Dienstleistungen auf dem Arbeitsmarkt nötige Reform des Sozialgesetzbuches, in dem die Maßgaben der Hartz-Bestimmungen geregelt werden, gab den Anstoß zu der politischen Debatte, ob diese vorgenommene Reformen ausreichen und in welcher Form sie Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote haben. Die strukturelle Arbeitslosigkeit macht anteilig gesehen den größten Faktor der gesamten Arbeitslosigkeit aus und sollte durch die Hartz-Reformen vermindert werden HH(Vgl. Oschmiansky, 2010a). Denn die Bundesrepublik hat als oberstes Ziel die Vollbeschäftigung. Diese kann nur erreicht werden, wenn das Problem der strukturellen Arbeitslosigkeit angegangen und möglichst gut beseitigt wird (Vgl. Bäcker et al., 2010, S. 574).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher zunächst mit der Frage, ob die Hartz-Reformen einen positiven Einfluss auf den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland bewirkt haben. Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Thematik der Langzeitarbeitslosigkeit und gibt einen Überblick darüber, wie Arbeitslosigkeit und insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit definiert werden. Darüber hinaus werden die Ursachen erläutert. Der dritte Abschnitt beschäftigt sich mit den Harz-Reformen und zeigt deren Inhalte und Zielsetzungen. In dem vierten Abschnitt werden die Maßnahmen der Hartz-Gesetze hinsichtlich der Reduzierung von Langzeitarbeitslosigkeit anhand von empirischen Entwicklungen dargestellt und analysiert. Es wird der Frage nachgegangen, ob die Hartz-Reformen für diese Entwicklung verantwortlich waren oder ob andere Einflüsse eine Rolle spielten. Diese möglichen anderen Einflussfaktoren werden in dem fünften Abschnitt näher betrachtet. In dem letzten Abschnitt wird die Eingangsfrage anhand empirischer Untersuchungen und verschiedener Theorien näher beleuchtet und beantwortet sowie ein Ausblick über zukünftige Entwicklungen gegeben.

2 Langzeitarbeitslosigkeit

Um die Auswirkungen der Hartz-Reformen auf die Langzeitarbeitslosigkeit analysieren zu können, muss man grundsätzlich wissen, was verglichen werden soll, d.h. welche Zahlen und Fakten einbezogen werden, wie diese genau berechnet wurden und wie die Einflussfaktoren definiert werden. Dieser Vorgang ist nötig, da die Verwendung unterschiedlicher Ausgangsdaten zu verschiedenen Statistiken und Auswertungen führt. Daher folgen in dem nächsten Abschnitt zunächst einige Definitionen zu Arbeitslosigkeit und anschließend im Besonderen zu der Langzeitarbeitslosigkeit.

2.1 Definition Arbeitslosigkeit

Grundsätzlich wird Arbeitslosigkeit definiert als die Summe aller Arbeitswilligen und Arbeitsfähigen, die unter aktuellen Marktbedingungen und den individuellen Fähigkeiten entsprechend keine Beschäftigung finden (Vgl. Alisch, 2004, S. 166).

Es wird zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Arbeitslosigkeit unterschieden. Freiwillig Arbeitslose sind erwerbsfähige Personen, welche ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt nicht bereitstellen wollen. Dem gegenüber sind auch unfreiwillige Arbeitslose vorhanden, wenn das Arbeitsangebot die Arbeitsnachfrage übersteigt. Dies ist dann der Fall, wenn Erwerbspersonen einverstanden sind, zu dem aktuell angebotenen Lohnsatz zu arbeiten, aber dennoch keinen Arbeitsplatz finden. Unter den Begriff Arbeitsangebot fallen alle Erwerbstätigen und Arbeitslosen, während der Begriff Arbeitsnachfrage alle Erwerbstätigen und offenen Stellen umfasst (Vgl. Alisch, 2004, S. 166 ff.).

Arbeitslosigkeit ist weiterhin gesetzlich definiert. Arbeitslos sind nach dem Gesetz alle Menschen, welche keine mindestens 15 Wochenstunden umfassende Beschäftigung haben, die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung suchen, sich bei der Agentur für Arbeit registriert haben und Bemühungen bezüglich einer Vermittlung zeigen. Zudem müssen die Personen in Deutschland wohnen und mindestens 15 Jahre alt sein sowie noch nicht die Altersgrenze für den Renteneintritt erreicht haben (Vgl. Bäcker et al., 2010, S. 483).

Zusätzlich gibt es noch die Stille Reserve, die nicht zu den Arbeitslosen gezählt werden, da sie aufgrund einer Teilnahme in einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme weder als arbeitslos noch als erwerbstätig in der Statistik aufgeführt werden. Auch Frührentner, die wegen der aktuellen Arbeitsmarktlage frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, zählen dazu (Vgl. Alisch, 2004, S. 2821).

In die Stille Reserve im engeren Sinne gehören Arbeitssuchende, die bei dem Arbeitsamt nicht registriert sind, oder Personen, welche wegen der schlechten Arbeitsmarktlage aktuell nicht suchen. Diese wären jedoch bei einer besseren Arbeitsmarktsituation wieder bereit zu arbeiten. Schätzungen zufolge umfasst die Stille Reserve circa 1,4 bis 1,8 Millionen Menschen und ist daher nicht zu unterschätzen. Aufgrund dieser Unterschiede gibt es außerdem die Definition von Arbeitslosigkeit anhand der Unterbeschäftigung. Hierbei werden alle Personen mit hinzu gezählt, die in Beschäftigungsmaßnahmen des Arbeitsamtes beschäftigt sind. Unterbeschäftigung im weiteren Sinne zählt zusätzlich auch die Stille Reserve dazu (Vgl. Alisch, 2004, S. 2821).

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt hauptsächlich auf der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit.

Abbildung 1: Unterscheidung Definition Arbeitslosigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle 1: Oschmiansky, 2010b

Die Abbildung 1 zeigt die unterschiedlichen Konzepte und Definitionen von Arbeitslosigkeit in ihrer Entwicklung von 1999 bis 2010. Dabei wird sichtbar, dass die offizielle Arbeitslosenquote die niedrigste aller Berechnungen ist. Je mehr Faktoren, wie zum Beispiel Kurzarbeit oder Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen berücksichtigt werden, desto mehr Menschen werden als arbeitslos gezählt. Teilweise sind das Unterschiede von ein bis zwei Millionen Arbeitslosen. Daher ist es wichtig zu prüfen, welche Zahlen miteinander verglichen werden, um wirklich objektiv beurteilen zu können, welche Auswirkungen die Hartz-Reformen auf die Langzeitarbeitslosigkeit haben. Aus Abbildung 1 wird auch deutlich, dass der Trend grundsätzlich derselbe ist, aber es dennoch kleine Unterschiede gibt, auf die im vierten Kapitel in Rahmen der empirischen Entwicklungen der Langzeitarbeitslosigkeit noch genauer eingegangen wird. Zum Verständnis dieser empirischen Studie muss Langzeitarbeitslosigkeit zunächst definiert und anschließend betrachtet werden, welche Ursachen dahinter stehen. Das wird im nachfolgenden Abschnitt erläutert.

2.2 Definition Langzeitarbeitslosigkeit

Von struktureller Arbeitslosigkeit oder auch Langzeitarbeitslosigkeit sind Arbeitslose betroffen, die mindestens ein Jahr durchgehend arbeitslos sind (Vgl. § 18 Absatz 1 SGB III). Sollte Arbeitslosigkeit beispielsweise durch eine Weiterbildungsmaßnahme oder arbeitsmarktpolitische Gelegenheit unterbrochen werden, dann sind diese Personen, gemäß der Bundesagentur für Arbeit, nicht mehr als Langzeitarbeitslose erfasst. Häufig wird Langzeitarbeitslosigkeit anders wahrgenommen als sie in dem Gesetz definiert ist. Daher ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen nach dem ILO-Konzept abweichend von der Zahl der registrierten Arbeitslosen (Vgl. Zirra, 2011, S. 17). Dieses von der International Labour Organisation, kurz ILO, eingeführte Konzept wurde entwickelt, um die Arbeitslosenquoten international vergleichbar zu machen. Dabei werden die Arbeitslosenquoten durch stichprobenartige telefonische Bevölkerungsbefragungen und monatliche Angaben durch das statistische Bundesamt berechnet (Vgl. Bäcker, 2010, S. 484 f.).

Abbildung 2: Unterscheidung Definition der Arbeitslosenquote

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle 2: Oschmiansky, 2010b

In der zweiten Abbildung wird die Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland von 1992 bis 2010 durch unterschiedlichen Berechnungsmethoden dargestellt. Oft werden arbeitsmarktpolitische Maßnahmen oder kurze Beschäftigungen der Erwerbslosigkeit nicht zugeordnet. Dennoch ist der Trend, unabhängig der Berechnungsmethoden, gleich und es wird sichtbar, dass die Arbeitslosenquote seit circa 2005 gesunken ist. Diese und andere empirischen Ergebnisse werden in Kapitel 4 näher erläutert und analysiert (Vgl. Zirra, 2011, S. 17).

2.3 Ursachen für Langzeitarbeitslosigkeit

Neben der Definition von Arbeitslosigkeit ist die Ursachenermittlung von ebenso großer Bedeutung, insbesondere im Hinblick darauf, ob auch anderen mögliche Einflussfaktoren, welche nicht zu den Hartz-Reformen gehören, Auswirkungen auf die Veränderung der Langzeitarbeitslosigkeit hatten. Darauf wird auch in Kapitel 5 noch einmal näher eingegangen. Arbeitslosigkeit kann gemäß verschiedener Faktoren eingeteilt werden. Erstens gibt es die niveaubedingte Arbeitslosigkeit, welche durch saisonale Schwankungen und konjunkturelle Zyklen, bedingt durch Wachstum, Lohn, Technologie oder Effizienz hervorgerufen wird. Zweitens gibt es die Mismatch-bedingte Arbeitslosigkeit, die in friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit unterteilt wird. Die dritte und letzte Unterteilung ist die in eine durch arbeitskräftepotentialbedingte Arbeitslosigkeit, welche von Faktoren wie Demografie und Immigration beeinflusst wird (Vgl. Alisch, 2004, S. 166 ff.). In dieser Arbeit wird hauptsächlich auf die Mismatch-bedingte Beschäftigungslosigkeit und speziell auf die strukturelle Arbeitslosigkeit genauer eingegangen.

Eine der Ursachen der strukturellen Arbeitslosigkeit ist die Diskrepanz zwischen dem Arbeitskräfteangebot und der Arbeitskräftenachfrage auf bestimmten Märkten bei nicht ausreichender Mobilität der Beschäftigten. Aber auch unterschiedliche Entwicklungen in den Branchen durch Strukturwandel und Standortkonkurrenten einerseits und qualifikatorisch durch technologischen Wandel oder Defizite im Bildungssystem andererseits können Auslöser für Langzeitarbeitslosigkeit sein. In diesem Fall existieren zwar freie Arbeitsplätze, aber die Qualifikationen der Arbeitslosen entsprechen nicht den Anforderungen der Firmen (Vgl. Neumann/Schaper, 2008, S. 129).

Früher lag der Schwerpunkt von der Arbeit zunächst im primären Wirtschaftssektor, zum Beispiel in der Rohstoffgewinnung, der allmählich in den sekundären Bereich, unter anderem in die Rohstoffverarbeitung, übergegangen ist und sich schlussendlich auf den tertiären Sektor, wie zum Beispiel Dienstleistungen, verlagert hat. Arbeitnehmer, welche in dem primären oder sekundären Sektor tätig waren, haben aufgrund ihrer mangelnden Qualifikation und angesichts des technischen Wandels große Schwierigkeiten, Arbeit aufzunehmen. Erst durch berufliche Weiterbildungsmaßnahmen kann einer strukturellen Arbeitslosigkeit entgegengewirkt werden (Vgl. Oschmiansky, 2010a).

Abbildung 3: Erwerbstätige nach Sektoren von 1982 bis 2007

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle 3: Oschmiansky, 2010a

In der dritten Abbildung werden die Veränderungen der Erwerbstätigen nach Sektoren von 1882 bis 2007 dargestellt. Der primäre Sektor hat von circa 40% im Jahr 1882 auf unter 10% bis 2007 abgenommen, das heißt er hat 30% an Wert verloren. Im tertiären Sektor lag der prozentuale Anteil im Jahre 1882 noch bei circa 20% und 2007 fast 80%, d.h. es gab eine Steigerung um 60 Prozentpunkte. Der sekundäre Sektor ist leicht abnehmend in dem Bereich bei 30% bis 20%. Dabei wird sichtbar, dass der primäre Sektor über den Zeitverlauf deutlich abgenommen, wohingegen der tertiäre Sektor deutlich an prozentualen Anteilen zugenommen hat.

Deutschland hat sich von einer Industriewirtschaft zu einer Informationswirtschaft verändert. Auf Grund der Tatsache, dass immer mehr Menschen in der Industrie durch Maschinen ersetzt wurden, um noch mehr und schneller produzieren zu können, waren gerade Personen in der Kommunikations- und Informationstechnologie stärker nachgefragt als in der Industrie. Dieses entstehende Mismatch kann zudem durch zu hohe Reallöhne bedingt sein, welche die Wirtschaftlichkeit eines Arbeitsplatzes übersteigen und damit Personen mit geringer Produktivität in die Arbeitslosigkeit verlagern. Strukturelle Arbeitslosigkeit kann jedoch auch durch regionale Unterschiede entstehen, zum Beispiel durch räumliche Immobilität der Arbeitssuchenden, die so einen regionalen Arbeitsmarktaustausch verhindern.

Mögliche Ansätze zur Reduktion der strukturellen Arbeitslosigkeit sind Bildungsmaßnahmen. Dazu gehört einerseits die benötigten Qualifikationen an die angebotenen Arbeitsplätze ausreichend zu vermitteln. Andererseits zählen auch Mobilitätshilfen dazu, um die regionalen Unterschiede auszugleichen. Eingliederungszuschüsse sollen ein Anreizsystem für Arbeitgeber sein, um mehr Arbeitslose einzustellen, welche nicht die ganze Leistung erbringen können (Vgl. Oschmiansky, 2004, S. 20 ff.). Diese und auch andere Ansätze wurden durch die Hartz-Reformen eingeführt sowie gefördert und sollen in dem folgenden Abschnitt näher erklärt werden.

3 Die Hartz-Reformen

Die Hartz-Gesetze verdanken ihren Namen Peter Hartz, der 2002 von der Bundesregierung die Leitung der eingesetzten Expertenkommission erhielt. Ziel dieser Expertenkommission war es, Vorschläge zu der Reduzierung von Arbeitslosigkeit und der Umstrukturierung der Bundesanstalt für Arbeit einzureichen. Daraus entstanden die sogenannten Hartz-Reformen oder auch Hartz-Gesetze. Die Bundesanstalt für Arbeit sollte auf diese Weise ein moderner Dienstleister am Arbeitsmarkt werden. Diese Reformen werden in vier verschiedene Gesetze unterteilt, die in dem nachfolgenden Abschnitt kurz erläutert werden (Vgl. Alisch, 2004, S. 168 ff.). Damit man die Auswirkungen der Hartz-Reformen auf die Langzeitarbeitslosigkeit besser versteht, ist es sinnvoll zu wissen, was die Hartz-Gesetze überhaupt beinhalten.

3.1 Inhalt der Hartz-Gesetze

Das erste Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt ist am 01.01.2003 in Kraft getreten und beinhaltet die Neuregelung von Maßnahmen für Beschäftigungsmöglichkeiten und Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Einführung von Personal-Service-Agenturen, Deregulierung der Arbeitnehmerüberlassung sowie Förderung von älteren Arbeitslosen (Vgl. Alisch, 2004, S. 1364). Die Personal-Service-Agenturen sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen unterstützen, um deren Beschäftigungskapazitäten an die umgeänderten Voraussetzungen anzupassen (Vgl. Jann/Schmid, 2004, S. 13). Zusätzlich wurden Bildungsgutscheine eingeführt (Vgl. Fitzenberger, 2008, S. 8). Insgesamt bestand das Ziel der ersten Hartz-Reform in der Deregulierung des Arbeitsmarktes (Vgl. Alisch, 2004, S. 1364).

Das zweite Hartz-Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, welches ebenfalls am 01.01.2013 veröffentlicht worden ist, regelt die Existenzgründungszuschüsse, sogenannte Ich-AGs, Mini-Jobs sowie die Voraussetzungen für die Errichtung von Jobcentern. Ziel dabei war es, den Niedriglohnbereich auszubauen und bessere Vermittlungsleistungen anzubieten (Vgl. Oschmiansky, 2004, S. 51 ff.).

Das dritte Hartz-Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, das am 01.01.2004 in Kraft trat, regelt den Umbau der Bundesanstalt für Arbeit. Die Bundesagentur für Arbeit sollte von nun an ein kundenorientierter und leistungsfähiger Dienstleister sein. Die Leistungs- und Förderungsrechte in Form einer Arbeitslosenversicherung und auch die arbeitspolitischen Maßnahmen, wie zum Beispiel Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder auch Eingliederungszuschüsse, sollten vereinfacht werden. Ziel war es hier, die Bundesagentur für Arbeit neu zu organisieren. (Vgl. Alisch, 2004, 1364 f.).

Das vierte und letzte Hartz-Gesetz existiert seit dem 01.01.2005. Es regelt die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu dem sogenannten Arbeitslosengeld II. Des Weiteren wurden die Bezüge des Arbeitslosengelds reduziert und Arbeitsgelegenheiten eingeführt. Das Ziel dieses letzten Gesetzes lag darin, den Matching-Prozess zu verbessern und das Transfersystem neu zu organisieren (Vgl. Alisch, 2004, S. 169 ff.).

3.2 Zielsetzung der Hartz-Gesetze

Das Ziel der Hartz-Reformen war es, Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen und gleichzeitig die Vermittlungsgeschwindigkeit zu erhöhen (Vgl. Flitzenberger, 2008, S. 7). Der Schwerpunkt dabei lag auf der strukturellen Arbeitslosigkeit. Denn gerade durch den schnellen wirtschaftlichen und technologischen Wandel veralten Fähigkeiten und Wissen der Beschäftigten. Aus diesem Grund werden lebenslanges Lernen und Flexibilität im Beruf gefordert. Zukünftig soll dies auch von Arbeitslosen erwartet werden. Damit dies gelingt, bietet die Bundesagentur Weiterbildungsmaßnahmen und individuelle Beratung an (Vgl. Neumann/Schaper, 2008, S. 128). Vor allem Langzeitarbeitslosigkeit bedeutet häufig gesellschaftliche und soziale Folgeprobleme und damit einhergehend eine Vergrößerung des Armutsrisikos. Eine soziale Ausgrenzung für die Betroffenen gefährdet die politische, kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe. Dies kann dazu führen, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe desintegriert wird. Daher ist es in Deutschland oberste Priorität, die strukturelle Arbeitslosigkeit zu bekämpfen (Vgl. Bäcker et al., 2010, S. 84).

In dem nächsten Abschnitt werden die Maßnahmen der Hartz-Gesetze auf die Reduzierung von Langzeitarbeitslosigkeit anhand von empirischen Entwicklungen in Deutschland dargestellt und analysiert. Haben die Hartz-Reformen einen positiven Einfluss auf den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit gehabt?

[...]

Details

Seiten
42
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656589297
ISBN (Buch)
9783656589273
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267707
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
auswirkungen hartz-reformen langzeitarbeitslosigkeit deutschland

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