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Die gesellschaftliche und politische Rolle der Cornelia - Tochter des Scipio Africanus und Mutter der Gracchen

Seminararbeit 2013 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Biographie der Cornelia

3. Cornelia in der antiken Überlieferung
3.1 Plutarchs Leben und Werk
3.2 Hinweise auf Cornelia in ausgewählten antiken Quellen

4. Die Rolle der Cornelia aus heutiger Sicht der Forschung

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„ Die beste Erziehung für ein Kind ist, ihm eine gute Mutter zu verschaffen. “ 1

Christian Morgenstern

Dieses Zitat von Christian Morgenstern hätte zu Zeiten der römischen Republik vermutlich keine Unterstützer gefunden - zumindest keine innerhalb der Führungsriege. Die Stellung der Frau im alten Rom war von völliger Unterordnung gegenüber dem männlichen Geschlecht gekennzeichnet. Laut FÖRTSCH befand sich eine Frau in Rom stets unter irgendeiner Art der männlichen Vormundschaft und war vom Staatsleben ausgeschlossen. Eine politische Rolle oder staatsrechtliche Funktion blieb ihr verwehrt, vielmehr habe sie darauf zu achten gehabt, dass weder Gutes noch Schlechtes über sie geredet wurde - frei gesagt: Frauen existierten im öffentlichen Leben nicht.2 Und auch im Privaten waren römische Frauen in der Regel einer strengen Abgrenzung ihrer Rechte und Pflichten ausgesetzt. Wie GARDNER in ihrer sehr ausführlichen Abhandlung über die Rechte der Frauen im antiken Rom erläutert, waren Frauen im rechtlichen Handeln stark eingeschränkt und bedurften der Einwilligung eines Mannes für eine rechtswirksame Initiative.3 Umso erstaunlicher und aufsehenerregender ist es, wenn in antiken Quellen über Frauen berichtet wird, die nicht nur als mündige Gattin eines ruhmreichen römischen Mannes, sondern auch darüber hinaus öffentlich in Erscheinung getreten sind. Ein von der Forschung sehr rege diskutiertes Beispiel einer solchen vermeintlich untypischen altrömischen Frau soll in dieser Arbeit genauer betrachtet werden: Cornelia, Tochter des an Ruhm kaum übertroffenen Publius Cornelius Scipio Africanus und Mutter der Gracchen. Ihre politische Rolle in den aufrührerischen Jahren der Volkstribunate des Tiberius und des Gaius Gracchus ist ein in Forscherkreisen viel diskutiertes Thema und bis heute nicht abschließend geklärt. Diese Arbeit soll einen Überblick verschaffen über die Verweise zum Leben der Cornelia und ihrem Verhältnis zu ihren Söhnen, die in den antiken Quellen von Plutarch, Appian, Cassius Dio und Cicero - und sicherlich auch weiteren, hier Unbeachteten - vorhanden sind. Außerdem soll aufgezeigt werden, welche Rolle der Cornelia aus heutiger, wissenschaftlicher Sicht zugeschrieben wird. Schlussendlich ist es das Ziel, Rückschlüsse über mögliche Chancen und Grenzen des wissenschaftlichen Diskurses zu ziehen und möglicherweise neue Ansätze zu liefern.

2. Die Biographie der Cornelia

Cornelia, die Mutter der Gracchen, entstammte einer der angesehensten Familien der römischen Nobilität. Ihr Vater Publius Cornelius Scipio Africanus - Zensor und zweifacher Konsul - war es, der den römischen Angstgegner Hannibal bei der Schlacht von Zama endgültig besiegte und entsprechend großen Ruhm erlangte.4 Ihre Mutter war Aemilia Tertia, Tochter des römischen Feldherrn Markus Aemilius Paullus.5

Noch in jungen Jahren heiratete sie den wesentlich älteren Tiberius Sempronius Gracchus, einen politischen Gegner des Scipio Africanus.6 Laut MÜNZER fand die Trauung nach dem Tod des Africanus im Jahr 183 v. Chr. statt. Dabei stützt er seine Aussage auf die Aufzeichnungen von Polybios. Auf diese stützte sich ebenso Plutarch.7 Die Zweifel von Livius, der es auch für möglich hielt, dass die Vermählung in der Zeit der Scipionenprozesse, also zu Lebzeiten von Africanus, stattgefunden haben kann, sind für MÜNZER unbegründet.8 Derselben Auffassung ist auch PETROCELLI, der sich ebenfalls auf die Seite Plutarchs stellt, weil er ihn diesbezüglich für glaubhafter hält.9 HEFTNER bezeichnet die Heirat zwischen den beiden Angehörigen der verfeindeten Lager als einen für die römische Nobilität typischen „Kuhhandel“ zur Steigerung des politischen Einflusses.10

Zusammen mit Tiberius Sempronius Gracchus hatte Cornelia zwölf Kinder, von denen lediglich drei das Erwachsenenalter erreichten: Tiberius (geboren 162 oder 163 v. Chr.) und Gaius (153 oder 154 v. Chr.) Gracchus - die beiden späteren Volkstribunen und Reformer - und Sempronia, die später Scipio Aemilianus heiratete.11

Nach dem Tod ihres Mannes 153 oder 154 v. Chr. lebte Cornelia als Witwe und widerstand sogar dem Heiratswerben des ägyptischen Thronfolgers und späteren Königs Ptolemaios VIII.

Euergetes II.12 Nach der Ermordung ihres Sohnes Tiberius 133 v. Chr. soll sie sich nach Misenum zurückgezogen haben.13

3. Cornelia in der antiken Überlieferung

Cornelia muss zu ihren Lebzeiten innerhalb der römischen Aristokratie sehr angesehen gewesen sein. Anders ist nicht zu erklären, warum in den zeitgenössischen Aufzeichnungen so häufig von ihr die Rede ist. Über keine andere Frau der römischen Antike sind so viele Quellen erhalten, wie über sie. Das scheint aus heutiger Sicht nicht verwunderlich, schließlich stammte sie nicht nur aus einer sehr ruhmreichen Familie, sondern heiratete auch einen hoch angesehenen Römer mit dem sie zwei Nachkommen zeugte, deren unkonventionelles politisches Vorgehen in der römische Geschichte bis dato beispiellos war und entsprechend hohe Wellen schlug. Dennoch ist es auffallend, wie häufig Cornelia in den Aufzeichnungen römischer Schriftsteller, Dichter und Philosophen Erwähnung findet, schließlich war sie Teil des unmündigen weiblichen Geschlechts.

Die ergiebigste erhaltene Quelle über Cornelia stammt von Plutarch: Von seinen Vitae parallelae - einer umfangreichen Reihe von Biographien, in denen große griechische Persönlichkeiten großen römischen Persönlichkeiten gegenübergestellt werden - sind die Biographien von Tiberius und Gaius Gracchus erhalten geblieben, in denen auch immer wieder von ihrer Mutter die Rede ist. Diese beiden Biographien werden das inhaltliche Fundament dieser Arbeit bilden. Aber auch in Aufzeichnungen anderer römischer Analisten sind Hinweise auf Cornelia zu finden, so in Appians Abhandlung Bellum Civil, in Cassius Dios Historia Romana und auch in Marcus Tullius Ciceros De Oratore beziehungsweise Laelius de amicita. Diese teilweise sehr kurzen oder nur indirekten Hinweise auf Cornelia sollen den Äußerungen Plutarchs unterstützend oder kontrastierend zur Seite gestellt werden.

3. 1 Plutarchs Leben und Werk

Die von Plutarch verfassten Biographien über Tiberius und Gaius Gracchus sind, wie schon erwähnt, die informativsten erhaltenen antiken Quellen, die sich an verschiedenen Stellen teils ausführlich mit Cornelia, der Mutter der Gracchen beschäftigen, weshalb ihr Verfasser an dieser Stelle kurz näher vorgestellt werden soll.

Die originalen Überlieferungen über den Lebenslauf des Philosophen und Schriftstellers Plutarch fallen äußerst mager aus. Die wenigen überlieferten Informationen über ihn stammen größtenteils aus seinen eigenen Werken.14 Plutarch ist um das Jahr 45. n. Chr. in der boiotischen Stadt Charoneia geboren und war Mitglied einer wohlhabenden Familie, über die er in seinen Schriften nur Gutes zu berichten weiß.15 Er war mit der Schriftstellerin Timoxena verheiratet und hatte mit ihr vier Söhne und eine Tochter.16 Seine rhetorische Ausbildung erhielt er von Ammonios in Athen - einem angesehenen ägyptischen Philosophen.17 Seine Tätigkeiten als Redner und Politiker führten ihn nach Italien und Rom, nachdem er schon als Schüler in Alexandria gewesen war. In Athen erhielt er als namhafter Mann das Bürgerrecht.18 Plutarch war politischer Gesandter seiner Heimatstadt an den Prokonsul von Achaia und bekam vom Kaiser die konsularische Würde verliehen, wobei die Gründe hierfür nicht bekannt sind.19 Seinem römischen Freund L. Mestrius Florus verdankte Plutarch das römische Bürgerrecht, weshalb sein römischer Name Mestrius Plutarch lautete.20

Plutarch verfasste viele philosophische Werke und Biographien, zu deren Bedeutendsten die Caesarenviten und die Parallelbiographien gehören.21

3. 2 Hinweise auf Cornelia in ausgewählten antiken Quellen

Bevor konkret auf die in den plutarch’schen Biographien von Tiberius und Gaius Gracchus vorhandenen Verweise auf Cornelia eingegangen werden soll, muss festgestellt werden, dass diese in der vollumfänglichen Betrachtung der Biographien einen verschwindend geringen Anteil einnehmen. Wie unschwer zu verstehen, konzentrierte sich Plutarch in seinen Aufzeichnungen auf die politischen Entwicklungen und die mit diesen in Zusammenhang stehenden Geschehnisse in Rom, die von den Gracchen initiiert wurden. Die Verweise auf deren Mutter sind spärlich gestreut und müssen regelrecht gesucht werden. Dennoch sind diese Aufzeichnungen die ergiebigsten Überlieferungen bezüglich Cornelia. Sie bieten Interpretationsspielraum und sind wertvolle Hinweise auf die Frage, ob Cornelia Einfluss auf die politischen Ambitionen ihrer Söhne hatte - und wenn ja, in welcher Art und Weise.

[...]


1 Morgenstern: www.gutzitiert.de.

2 Vgl. Förtsch: Rolle der Frau, S. 2.

3 Vgl. Gardner: Frauen, S. 10.

4 Vlg. Henze: Cornelius (Nr. 336), in: RE (4,1), Sp. 1462-1470.

5 Vgl. Klebs: Aemilius (Nr. 118), in: RE (1,1), Sp. 581; Klebs: Aemilius (Nr. 179), in: RE (1,1), Sp. 592.

6 Vgl. Münzer: Sempronius Gracchus (Nr. 53), in: RE (2A,2), Sp. 1403-1409.

7 Vgl. Plut., Tib. Gr. 4; Alle in dieser Arbeit angegebenen Nachweise aus Originalquellen beziehen sich auf die Nummerierung in der jeweiligen deutschen Übersetzung. Wenn der Nachweis aus einer Ausgabe mit lediglich der deutschen Übersetzung stammt, wurde im Quellenverzeichnis der Vollständigkeit halber eine weitere Ausgabe angegeben, in der der Quellentext in der jeweiligen Originalsprache vorhanden ist.

8 Vgl. Münzer: Cornelia (Nr. 407), in: RE (4,1), Sp. 1592.

9 Vgl. Petrocelli: Cornelia, in: Roman Women, S. 37f.

10 Vgl. Heftner: Von den Gracchen bis Sulla, S. 42.

11 Vgl. Christ: Krise und Untergang, S. 120f./134; Münzer: Cornelia (Nr. 407), in: RE (4,1), Sp. 1592f.; Petrocelli: Cornelia, in: Roman Women, S. 38-40. Zu den Tribunaten von Tiberius und Gaius Gracchus vgl.: Brodersen: Tiberius und Gaius Sempronius Gracchus, in: Höhleskamp u.a. (Hrsg.): Von Romulus zu Augustus, S. 173-185.

12 Vgl. Münzer: Cornelia (Nr. 407), in: RE (4,1), Sp. 1593; Heftner: Von den Gracchen bis Sulla, S. 43; Kreck: Untersuchungen zur Rolle der Frau, S. 47.

13 Vgl. Kreck: Untersuchungen zur Rolle der Frau, S. 48.

14 Vgl. Ziegler, Konrat: Plutarchos von Charoneia, in: RE (21,1), Stuttgart 1970, Sp. 639.

15 Vgl. Hünemörder: Plutarchos, in: DNP (Bd. 9), Sp. 1159.

16 Vgl. Ziegler: RE (21,1), Sp. 646f.

17 Vgl. ebd. Sp.651-652; Hünemörder: Plutarchos, in: DNP (Bd. 9), Sp. 1159.

18 Vgl. Ziegler, RE (21,1), Sp. 653-657.

19 Vgl. ebd., Sp. 657f.

20 Vgl. ebd., Sp. 687; Hünemörder: Plutarchos, in: DNP (Bd. 9), Sp. 1159f.

21 Vgl. Hünemörder: Plutarchos, in: DNP (Bd. 9), Sp. 1160-1164.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656590774
ISBN (Buch)
9783656590699
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267696
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Schlagworte
Cornelia Gracchen Plutarch

Autor

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