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Franz Liszt "Die Hunnenschlacht". Kampf der Kulturen in der sinfonischen Dichtung

Essay 2010 11 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Liszts musikalische Darstellung der Hunnenschlacht

3. Interpretation im poetischen Kontext

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1. Einleitung:

In dieser Hausarbeit geht es um Franz Liszts sinfonische Darstellung der Hunnenschlacht, einem Schlachtengemälde des Malers Wilhelm von Kaulbach. Diese sinfonische Dichtung entstand in den Jahren 1856/57, wurde am 29. Dezember 1857 im Weimarer Hoftheater uraufgeführt und ist Liszts elfte seiner insgesamt dreizehn sinfonischen Dichtungen. Sie ist für ein um Schlagwerk und Orgel/Harmonium erweitertes Sinfonieorchester geschrieben und schildert den Kampf zweier Kulturen, zwischen Römern und Hunnen, ein Kampf zwischen Christentum und Heidentum. Anzumerken ist jedoch, dass jene Schlacht wie sie auf Kaulbachs Gemälde dargestellt wird, und im Treppenhaus des Neuen Museums Berlin ausgestellt ist, sich so historisch nicht ereignet hat, sondern vielmehr an eine Sage anknüpft. Hiermit ist nicht die tatsächliche historische Schlacht zwischen den Römern unter Aëtius und den Hunnen unter Attila auf den katalaunischen Feldern bei Troyes im Jahre 451 n. Chr. gemeint, sondern eine Schlacht mystischen Charakters vor den Toren Roms. Der sagenumwogende Kampf soll für beide Lager vernichtend ausgegangen sein, bis zur Zerstörung beider Lager. Nach Ende der Schlacht, erheben sich die Geister der getöteten Männer und nehmen hoch über Rom den Kampf erneut auf, aus dem der Sieg der Römer resultiert. Diese Schlacht der Geister der Gefallenden ist der eigentliche Inhalt des Kaulbachschen Gemäldes und auch das was Liszt hier musikalisch verarbeitet. Kaulbach thematisiert weit mehr als nur den Akt einer mystischen Schlacht, sondern auch das Aufeinandertreffen von Zivilisation (römische Krieger) und Barbarei (Hunnen). Kaulbach selbst, lebte zwischen 1805 und 1874 und war wegen seiner pompösen Wand- und Deckengemälde mit sehr häufig historischem oder literarischem Hintergrund einer der bedeutensten Maler Westeuropas in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Hunnenschlacht entstand in den Jahren 1834 bis 1837 und wurde im Auftrag des Grafen Raczynskis gefertigt. Jenes Werk leistete einen enormen Beitrag zu Kaulbachs Popularität und führte schließlich zu einer Anstellung als Hofmaler am Hofe Ludwigs des Ersten von Bayern im Jahre 1837. Für Ludwig I. von Bayern zeichnete er später auch sein berühmtes „Zerstörung Jerusalems“, welches zahlreiche allegorische und mystische Darstellungen enthält. Nach Fertigstellung der Hunnenschlacht soll Liszt zudem angedacht haben weitere Gemälde des Künstlers zu vertonen, wozu es jedoch nie kam.

In dieser Hausarbeit werde ich nun zu allererst den Aufbau des Werkes beschreiben, wobei ein besonderer Fokus auf der Instrumentation liegt und es dann im nächsten Schritt im poetischen Kontext analysieren und interpretieren. Hier werde ich noch mal auf den speziellen Aspekt der lisztschen Auffassung des Sinfonischen und seiner Bedeutung für nachfolgende Generationen junger Komponisten eingehen. Die Hunnenschlacht ist außerdem das erste Gemälde das Liszt zu einer neuen Komposition anregte, anders als bei anderen seiner sinfonischen Dichtungen wie z.B ce qu’on l’entend sur la montagne (nach einer Gedichtvorlage Victor Hugos) oder die Ideale (nach einem Gedicht Friedrich Schillers, Anlass war auch die Enthüllung des Goethe Schiller Denkmal 1857 in Weimar). [1] Auf Grund des für die Hausarbeit vorgeschriebenen Umfangs von ca. sechs geschriebenen Seiten, kann hier die Analyse des Werkes nur zu einem kleinen Umfang erfolgen. Einige charakteristische Auszüge der Partitur sind im Anhang beigefügt.

2. Liszts musikalische Darstellung der Hunnenschlacht

Liszts elfte sinfonische Dichtung schreibt folgende Besetzung vor: Kleine Flöte, zwei Querflöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten in B, zwei Fagotte, vier Hörner, drei Trompeten in C, zwei Tenorposaunen, eine Bassposaune unisono mit Tuba, eine Pauke, Becken, sowie Streicher. Hinzu kommt die besondere Verwendung eines Harmoniums, oder ersatzweise der Orgel, das/die allerdings erst ab Takt 66 erklingt. Der Beginn des Werkes steht in einem durch DV-Ketten verschleierten Es-Dur, geht dann über fis-Moll nach g-Moll, anschließend h–Moll, wieder Es-Dur, das schlussendlich in ein strahlendes C-Dur übergeht. Im Grunde genommen kann von einer Zweiteilung des Werkes gesprochen werden, denn nach etwa sechs Minuten Spieldauer, neun Takte nach Buchstabe I, wird der Charakter des Werkes in ein völlig neues Licht geworfen. Das zuvor noch kämpferische, oft martialisch daherkommende Meisterwerk Liszts, bekommt nun mit jetzt einsetzenden Harmonium/Orgel, das den Choral Crux Fidelis vorträgt einen feierlichen, leicht pompösen, gar erhabenen Gestus. Diese Zäsur soll den endgültigen Sieg der Römer symbolisieren. Doch zunächst zum Anfang und Formaufbau des Werkes. Liszt arbeitet hier mit einer sehr ausgefeilten Dramaturgie und lässt das Schlachtgetöse nach und nach aufbauen. So beginnt zunächst die Pauke mit einem dunklen Wirbel (tempestoso, allegro non troppo). Hinzu kommen zwei Fagotte, die ein unheimliches, geheimnisvolles Thema präsentieren. Nach und nach treten andere Instrumente hinzu. Die Streicher sind mit sordini zu spielen, so dass diese unheimliche Stimmung der ersten Takte weiter verschärft wird. Diesen Eindruck noch zu verstärken schließen sich im elften Takt drohende Hornfanfaren an. Das ganze Orchester tritt nun in Erscheinung und läd sich bis zum Buchstaben A gewaltig auf, es folgt ein Allegro energico assai, das die vorherige Hornfanfare und das Fagottmotif des Anfangs aufgreift. Dieses von Streicher gespielte, aufstrebende Thema wird viermal wiedergegeben und endet nach einem fünftaktigen Zwischenspiel (anfänglicher Call-Response zwischen Holzbläsern und Streichern) letztendlich wieder im ersten Thema. Acht Takte vor Buchstabe C dann beginnt ein neues Thema, vorgetragen von Celli und Fagotti unter Paukenwirbel, dieses soll wie „verlorene Nachklänge aus dem Kampf der Lebenden erklingen.“[2] Im kommenden Abschnitt C folgen nun einige Taktwechsel. Ein spritziger, zackiger Rhythmus erklingt in den Streichern (agitato vorzutragen), der immer wieder kurz von Quintolen bzw. Sechstolen Ketten unterbrochen wird. In Mitten dieses Ansturmes erklingt, zunächst nur von den beiden Tenorposaunen oktaviert und homophon vorgetragen, der Choral Crux Fidelis. Die langen, ruhig gehaltenen Notenwerte der Posaunen setzten sich über den emsigen Rhythmus der anderen Instrumentengruppen hinweg. In Mitte des hastigen Streicherrhythmus taucht das erste Kampfthema wieder in den Holzbläsern auf und wird dann weitergeführt. Auffallend sind vor allem die Schlachtfanfaren, die sich Trompeten und Posaunen über die Sechzehntelketten der Streicher hinweg im Wechsel zuwerfen. Immer wütender wird das Schlachtgetümmel mit Variationen aller bisherigen Themen. In Mitten dieses Tumultes setzt plötzlich im Piano das Choralmotiv erneut ein. Die harsche Streicherfigur nimmt mehr und mehr Ordnung an. Ein langer auf Es zielender dominantischer Teil folgt, der schließlich in einem achttaktigen voluminösen Es Dur Teil mündet, in dem immer wieder Es-Dur Fanfaren erklingen. Auf dem scheinbaren, dramaturgischen Höhepunkt des Werkes, setzt plötzlich, das übrige Orchester schweigend, eine Orgel/ Harmonium ein, die/das zart den Choral Crux Fidelis [3] im Piano vorträgt. Nach jedem Absatz des Chorals erschallt plötzlich wieder ein achttaktiger frenetischer Orchesterjubel ein. Die Orgel führt anschließend den Choral in sanfter Weise fort. Es folgt ein durch Liszt höchst kunstvolle gestaltete Variation über den Choral, die die Streicher und die hohen Holzbläser vollziehen. Bei Buchstabe M, dem Eintritt eines Allegro beginnt ein neuer musikalischer Abschnitt nach der sanften Choralvariation. Nach und nach kommen wieder Jubel und Schlachtrufe hinzu. Alles zielt nun auf die neue Tonart C Dur hin. Das Choralthema tritt wieder in Reinform auf. In einem strahlenden H-Dur im Wechsel mit As-Dur, das schließlich in ein C-Dur mündet, endet das Werk. Zum Schluss kommt noch die Orgel hinzu, deren Töne noch lange nach dem letzten Akkord des Orchesters nachklingen. Eine Besonderheit tritt noch bei Buchstabe T auf. Hier erklingen die Holzbläser noch mal allein in zarter Weise, „eine Art Danksagung“.[4]

[...]


[1] Dömling, Wolfgang: Franz Liszt und seine Zeit, Laaber. 1985. S.101

[2] Hahn, Arthur: Meisterführer Nr.8, Franz Liszt Symphonische Dichtung, Berlin. k.A. S.145

[3] s.m : Crux fidelis, inter omnes, arbor una nobilis, nulla silva talem profert. Fronde, flore, germine, Dulce lignum, dulce clavos, d ulce pondus sustinet. S.174

[4] Hahn, Arthur: Meisterführer Nr.8, Franz Liszt Symphonische Dichtung, Berlin. k.A. S.150

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656591078
ISBN (Buch)
9783656591092
Dateigröße
850 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267633
Institution / Hochschule
Hochschule für Musik Detmold – Musikwissenschaftliches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
franz liszt hunnenschlacht kampf kulturen dichtung

Autor

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