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Eine geschlechterspezifische und sektorenabhänige Untersuchung von Teilzeit

Welche Gründe und Faktoren sprechen für die Unterschiede in Teilzeitanteilen zwischen Mann und Frau?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 24 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Teilzeitarbeit und deren Begrifflichkeiten
2.1. Enstehung und Definition des „Normalarbeitsverhältnis“
2.1. Definition „Teilzeitarbeit“

3. Entwicklung und Lage von Teilzeit

4. Männer und Frauen in Teilzeit - Daten, Fakten und Motivation
4.1. Frauen
4.2. Männer

5. Geschlechtsspezifische Unterschiede aufgrund von Wirtschaftsbereichen?
5.1. Teilzeittätigkeiten in den drei Wirtschaftssektoren
5.2. Männer und Frauen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen

6. Schlussbetrachtung

Anhang

Quellennachweis

Abbildungsverzeichnis

Abb.l: EntwicklungderErwerbstätigkeitinDeutschland

Abb.2: Anteil Männer und Frauen in Wirtschaftssektoren

Abb.3: Gründe für Teilzeittätigkeit bei Frauen

Abb.4: Gründe für Teilzeittätigkeit bei Männern

Abb.5: Vollzeit- und Teilzeit nach Wirtschaftsbereichen

Abb.6: Ausgewählte Berufe mit hohem Männeranteil

Abb.7: Ausgewählte Berufe mit hohem Frauenanteil

Abb.8: Erwerbstätigkeit nach Sektoren

Abb.9: Frauen- und Männeranteile nach Berufsfeldern

1. Einleitung

Teilzeitarbeit ist gleich Frauenarbeit - so heißt es im allgemeinen Sprachgebrauch und ist schon länger Gegenstand vieler arbeitsmarkttheoretischer Diskussionen in der Wis­senschaft. Immer wieder erscheinen Zeitungsartikel, die die Ausbreitung und Ausmaße der Teilzeit beschreiben, analysieren und sich teils kritisch damit auseinandersetzen. Dass vor allem Frauen und im Besonderen berufstätige Mütter in diesem Bereich sehr häufig vertreten sind, ist kaum zu leugnen wenn man aktuelle Statistiken betrachtet.

Der Anteil der Männer in dieser Tätigkeit ist verschwindend gering: gerade einmal 10% aller erwerbstätigen Männer arbeiten in Teilzeit während Frauen mit einem Anteil von 47,5% knapp die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen ausmachen. Betrachtet man die traditionellen Rollenbilder von Mann und Frau, so erscheint daran nichts erstaunlich zu sein: Männer kümmern sich um die finanzielle und existenzielle Absicherung der Fami­lie, während die Frau bzw. Partnerin für die Kindererziehung und den Haushalt zustän­dig ist. So wurde es lange Zeit gehandhabt und objektiv gesehen, könnte dieses „Männ­liche Ernährermodell“ als sinnvoll erscheinen. Dennoch: seit den 1970er Jahren tritt die Frau als „Heimchen am Herd“ immer mehr zurück und stellt sich den berufliche Her­ausforderungen der Arbeitswelt. Die Quote der erwerbstätigen Frauen steigt seit Ende des letzten Jahrhunderts kontinuierlich an (siehe Kapitel 3) und das klassische Modell des Mannes und der Frau werden konsequent in Frage gestellt.

Viele Faktoren haben zum Anwachsen der Frauenerwerbstätigkeit geführt. Zum einen kann es mit der Expansion des Dienstleistungssektors erklärt werden, in dem Frauen vorrangig beschäftigt sind. Zum anderen gab es im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Vielfalt an gesellschaftlichen Veränderungen, wie z.B. die Feminismus-Bewegung, die für die Rechte der Frau einstand und deren Rollenbild mit den dazugehörigen Er­wartungen auf den Kopf gestellt wurde. Zum anderen könnte auch die Ausweitung der Teilzeittätigkeit an sich für die hohe Frauenerwerbsquote verantwortlich sein, denn sie arbeiten bekanntermaßen am häufigsten nach diesen Modellvorstellungen. Andere Mei­nungen besagen, dass die Frauenerwerbstätigkeit für die Vermehrung der Teilzeittätig­keiten verantwortlich sei. So ganz lässt sich dieser Prozess in seiner ganzen Komplexität möglicherweise nicht klar analysieren, einen Zusammenhang kann dennoch nicht ab­stritten werden.

In Politik und Gesellschaft wird immer wieder mehr Gleichberechtigung für Frauen gefordert, da sie - auch in unserer modernen Zeit - trotzdem noch einen signifikant niedrigeren Lohn erhalten als Männer bei gleicher Qualifikation. Außerdem sind ihre Aufstiegschancen bekanntermaßen geringer als die von Männern. Zahlreiche neue Ge­setze und Vorschriften sprechen aber trotzdem für sich: Frauen müssen mehr in den Ar­beitsmarkt integriert werden und die gleichen Möglichkeiten erhalten, wie Männer. Be­trachtet man die aktuellen Regelungen, so wäre es doch auch Männern erlaubt, eine Auszeit vom Beruf zu nehmen um sich für die Familienarbeit einzusetzen, während Frauen sich um den Gelderwerb für den Haushalt kümmern - quasi ein Rollentausch.

Warum ist der Anteil der in Teilzeit arbeitenden Männern dennoch so niedrig und der der Frauen so hoch, wenn sich das sogenannte Ernährermodell langsam verabschie­det? Ausschlaggebend für die Verfassung dieser Arbeit war ein Nutzer-Kommentar un­ter einem Online-Zeitungsartikel im Internet über Teilzeitarbeit. Dieser Nutzer merkte an, dass er auch gern in Teilzeit arbeiten und sich um die Familie kümmern würde, aber einfach keine geeignete Stelle gefunden hätte. So stellte sich die Frage, welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass Teilzeit eher eine Frauendomäne darstellt und Männer bei gleichen Bedingungen trotzdem unterrepräsent sind.

Für meine Analyse werde ich hauptsächlich die Motive von Mann und Frau aufzei­gen, die für eine individuelle Entscheidung für eine Teilzeittätigkeit spricht. Danach möchte ich herausfinden, ob wirtschaftliche Aspekte für oder gegen Teilzeit sprechen und ob Männer überhaupt in Teilzeit arbeiten können. In den folgenden Ausführungen werde ich mich nur auf Deutschland im gesamten beziehen und werde keine Unterschei­dungen für Ost-und Westdeutschland treffen. Außerdem lass ich das Alter und die Qua­lifikation außer acht, da diese Bereiche den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden.

2. Teilzeitarbeit und deren Begrifflichkeiten

2.1. Entstehung und Definition des „Normalarbeitsverhältnisses“

Aufgrund des stark fortschreitenden Industrialisierungsprozesses Anfang des 20. Jahr­hunderts wurde es nötig, eine „gesetzliche Beschränkung der täglichen und wöchentli­chen Arbeitszeit einzuführen“, um die „Verteilung der Arbeit auf mehr Arbeiter“ (Mikl- Horke 2007, S. 274) zu gewährleisten und die aufkommende Arbeitslosigkeit zu sen­ken. Das vorhandene Arbeitsvolumen, das auf dem Markt und von Unternehmen gefor­dert wurde, musste anlässlich des technischen Wandels und der damit einhergehenden Rationalisierung (ebd. S. 275) entsprechend ökonomischer gestaltet werden, damit mehr Menschen arbeiten konnten. Seinen Anfang nahm diese Entwicklung auf dem „Interna­tionalen Arbeiterkongress“ 1889 in Paris, wo die Einführung des 8-Stunden Tages ge­fordert wurde. 1912 in London auf der Konferenz der „Gesellschaft für Internationalen Arbeitsschutz“ wurde erneut die Verkürzung auf acht Stunden pro Tag propagiert, wo­bei deren gesetzliche Durchsetzung erst nach dem zweiten Weltkrieg vollzogen wurde (ebd. 274 f.). Aufgrund der rasant wachsenden Wirtschaft in den 1950er und 1960er Jahren kam es im Deutschland der Nachkriegszeit zu einer Phase der Vollbeschäftigung - dem sogenannten Golden Age mit einer Arbeitslosenrate von 2% (vgl. Pierenkemper 2012, S. 41). Allerdings umfasste diese Periode den relativ kurzen Zeitraum von 1960 bis etwa 1973, „gilt aber bis heute noch vielfach als Maßstab und Ziel für die Arbeits­marktpolitik in Deutschland“ (ebd). Angesichts dieser schon fast utopischen Entwick­lung auf dem damaligen Arbeitsmarkt „wurde von den Arbeitnehmerorganisationen mit Unterstützung des Staates [...] das sogenannte Normalarbeitsverhältnis endgültig institu­tionell [ausgebaut und abgesichert]“ (ebd. S. 42), wodurch man der Forderung nach ei­nem 8-Stunden-Tag erfüllen konnte.

Das Normalarbeitsverhältnis definiert sich als eine in Vollzeit verrichtete abhängige Tätigkeit, die als „einzige Einkommensquelle zumindest das Existenzminimum sichert“ (ebd.) und auf Dauer ausgelegt ist, also unbefristet. Des Weiteren muss sie die Kriterien der „Integration in die Sozialversicherungssystem (vor allem Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung), Identität von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnis sowie Weisungsgebundenheit des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber“ (Seifert/Keller 2009, S. 40 f.) erfüllen. Der Begriff Vollzeit ist - wie auch das Teilzeitmodell - nicht klar defi­niert, sondern unterliegt tarifrechtlichen Regelungen und ist je nach Branche, Arbeitge­ber und Zeitpunkt unterschiedlich. Anhand der Tabelle 1 erkennt man aber deutlich eine Tendenz, in welchem zeitlichen Rahmen die standardisierte Vollzeittätigkeit einzuord­nen wäre. Die Spannweite hier liegt zwischen 38,5 und 39,8 Stunden der vereinbarten Arbeitszeit und zwischen 39,7 bis 43 Stunden im tatsächlich geleisteten Bereich.

Tabelle 1: Durchschnittlich vereinbarte und tatsächliche Wochenarbeitszeit der Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten nach Region von 1995 bis 2003 (Angabe in Stunden)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Bauer/Munz (2005), S. 43

2.2. Definition von Teilzeitarbeit

Teilzeitarbeit definiert sich dadurch, dass „die vereinbarte Wochenarbeitszeit die gesetz­liche Normalarbeitszeit oder eine durch Normen der kollektiven Rechtsgestaltung fest­gelegte kürzere Normalarbeitszeit im Durchschnitt unterschreitet“ (Mikl-Horke 2007, S. 277). Seit dem Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Verträge von 2001 herrscht ein sogenanntes Diskriminierungsverbot und ein Recht auf Arbeitszeitverkürzung seitens des Arbeitnehmers (vgl. Pfeifer 2007, S. 66), d.h., dass der Arbeitgeber einer Verkür­zung der regulären Arbeitszeit zustimmen muss, sofern keine betrieblichen Gründe da­gegen sprechen. Des Weiteren hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, wieder in die Vollzeitbeschäftigung zurückzukehren: die Entscheidung für eine Verkürzung der Ar­beitszeit ist also nicht endgültig.

Wie viele Stunden als Teilzeit gelten, wird unterschiedlich gehandhabt. Bei einem Großteil wird die Dauer der Wochenarbeitsstunden individuell zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber festgelegt (vgl. Bauer/Munz 2005, S. 41). Laut dem Statistischen Bun­desamt gelten allerdings alle Personen, die 20 oder weniger Stunden in der Woche ar­beiten als Teilzeitbeschäftigte (Statistisches Bundesamt, 2013a), während nach EU- Standards sogar geringfügig Beschäftigte mit 1-12 Stunden pro Woche als Teilzeit ar­beitend angesehen werden (vgl. Mikl-Horke 2007, S. 277). Nach offiziellen Angaben des Teilzeit- und Befristungsgesetzes muss ein Teilzeitarbeiter weniger arbeiten als ein vergleichbarer Kollege in Vollzeit, wobei dieser vergleichbar ist, wenn dieselbe „Art des Arbeitsverhältnisses und der gleichen oder einer ähnlichen Tätigkeit“ (TzBfG §21 1) vorliegt. Wie man an Tabelle 1 aus Kapitel 2.1. erkennen kann, liegt die Spanne der durchschnittlichen Arbeitszeit von Teilzeitmitarbeitern zwischen 21,1 und 29 Stunden pro Woche. Es ist also schwierig, eine allgemeingültige Definition zu finden, die Teil­zeitarbeit exakt beschreibt. Generell ist aber festzuhalten, dass alle Arbeitnehmer, die regulär weniger Wochenstunden ableisten als ihre in Vollzeit arbeitenden Kollegen, als Teilzeitarbeiter zählen.

3. Entwicklung und Lage der Teilzeitarbeit

Um den konjunkturellen Schwankungen zu begegnen und die Massen an Arbeitslosen zu reduzieren, stellte die Teilzeitarbeit ein effektives Mittel dar, denn sie ist „eine relativ erfolgreiche Alternative zur Vollzeitbeschäftigung“ (Mikl-Horke 2007, S. 277) und hilft Unternehmen, flexibel auf sich verändernde Arbeitsmarktlagen zu reagieren. Das Mo­dell der Teilzeitarbeit erlebte seit den 1970er Jahren in ganz Europa einen erheblichen Bedeutungszuwachs, der „gleichzeitig mit dem Auftreten dauerhafter relativ hoher Ar­beitslosigkeit erfolgte“ (Mikl-Horke 2007, S. 277) und kann „als eine Reaktion auf die angespannte Arbeitsmarktlage gesehen werden“ (ebd.). Wie schon in Kapitel 2.1 er­wähnt, hielt das Phänomen der Vollbeschäftigung nur bis etwa 1973 an, wodurch diese und das damit etablierte Normalarbeitsverhältnis durch die darauffolgenden Wirt­schaftskrisen zu bröckeln begann: „Bereits in der 'kleinen' Wirtschaftskrise von 1966/67 wurden in Westdeutschland die Herausforderungen einer zunehmend globalisierten in­ternationalen Wirtschaft erstmals deutlich und seit Mitte der 1970er Jahre setzte diese die deutsche Wirtschaft unter permanenten Anpassungsdruck. Das führte zum Zusam­menbruch des bis dahin vorherrschenden, auf standardisierter Massenproduktion und

Massenkonsum beruhenden fordistischen Produktionssystems [...] und [zog] eine lang anhaltende strukturelle Arbeitslosigkeit nach sich [...].“ (Pierenkemper 2012, S. 42).

Dies war ein entscheidender Wendepunkt, vor allem in der Entwicklung der Frauen­erwerbstätigkeit. Die Konstituierung des Normalarbeitsverhältnisses war vorrangig auf Männer ausgerichtet, die ihrer Rolle als Familienernährer nachgegangen sind. Frauen hingegen wurden in ein sogenanntes Drei-Phasen-Modell integriert, was ihnen eine langfristige Vollzeiterwerbstätigkeit untersagte. Dem Modell nach dauerte die erste Pha­se bis zum Zeitpunkt einer Heirat bzw. Familiengründung an, in der die Frau vornehm­lich erwerbstätig ist oder einer Ausbildung nachgeht (Oschmiansky/Kühl 2011). Phase zwei beinhaltet die Kindererziehung und die damit verbundene Hausarbeit, worauf Pha­se drei mit einer erneuten Erwerbstätigkeit folgte (ebd.). Teilzeitarbeit etablierte sich Ende der 1950er Jahre vor allem im Bereich der Frauenerwerbsarbeit, wobei 30% aller erwerbstätigen Frauen in den 1970er Jahren in dieser Form beschäftigt waren (Hauser 1997, S. 34). Das Teilzeitmodell wurde im „Frauensegment“ (ebd.) des Arbeitsmarktes als eine Art Sonderform gesehen und war von Seiten der Gesellschaft sogar das „poli­tisch erwünschte[...] und gesellschaftlich weitgehend akzeptierte[...] Erwerbsmodell“

(Oertzen/Rietzschel 1997, S. 212) bei er­werbstätigen Frauen. Durch die in den 1970er Jahren aufkommende Wirtschaftskrise und de­ren struktureller Ar­beitslosigkeit als Konse­quenz, wurde das Nor­malarbeitsverhältnis - wie schon erwähnt - in seinem Kern angegrif­fen. Da Frauen für diese Erwerbsform eher weni­ger in Frage kamen und zugleich Männer als Er­nährer ausschieden, drohte die Familienexistenz vieler Betroffener in Gefahr zu geraten. Daher war es nötig, dass auch Frauen in das Erwerbsleben einstiegen - nicht nur um Familie und Haushalt, sondern auch um die finanziellen Anforderungen zu meistern. Wie man an Abbildung 1 sehen kann, steigt der Anteil der erwerbstätige Frauen seit den 1970ern kontinuierlich und nähert sich dem Level der Männer immer näher an. Allerdings muss man bedenken, dass zwar die Erwerbstätigkeit der Frauen steigt, aber das Normalarbeitsverhältnis den­noch eher bei den Männern vorherrscht, während Frauen in den sogenannten atypischen Beschäftigungen und vor allem in Teilzeit überrepräsent sind. Diesen Unterschied ver­deutlicht außerdem eine Statistik über das sogenannte Arbeitsvolumen von Männer und Frauen, was sich wie folgt definiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstä­tigen, die als Arbeitnehmer [...] oder als Selbstständige beziehungsweise als mithel­fende Familienangehörige innerhalb Deutschlands eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Hingegen gehören die bezahlten, aber nicht geleisteten Arbeitsstunden, beispielsweise wegen Jahresurlaub, Elternzeit, Feiertagen, Kurzarbeit oder krankheitsbedingterAbwesen­heit nicht zum Arbeitsvolumen“

(Statstisches Bundesamt, 2013b)

Nach Berechnungen der Autorin Susanne Wanger beträgt die tatsächliche Arbeitszeit bei allen erwerbstätigen Frauen insgesamt 32,2 Stunden pro Woche und bei erwerbstäti­gen Männern 42,6 Stunden, was einen Arbeitsunterschied von circa zehn Stunden aus­macht (vgl. Wanger 2011, S. 6). Der Frauenanteil im Jahr 2010 betrug mit 49,8% fast genau die Hälfte an allen beschäftigen Arbeitnehmern, wobei ihr Anteil des gesamten Arbeitsvolumens mit 42,9% niedriger ausfällt. Auch hier erkennt man, dass Frauen pro­zentual weniger arbeiten, obwohl deren Erwerbstätigenquote fast identisch mit denen der Männer ist (vgl. Tabelle 2 im Anhang).

In der Literatur ist man sich nicht einig, welche Faktoren direkt oder indirekt auf das Anwachsen der Frauenerwerbsquote und dem damit verbundenen Anstieg der Teilzeit­arbeitsquote wirken. Einige sehen einen Zusammenhang mit der starken Expansion des Dienstleistungssektors, in dem Frauen zu 82 % und Männer zu 55% anzutreffen sind (siehe Kapitel 5.2.) (vgl. Euwels/Hogerbrugge 2004) und in der flexiblere Arbeitszeit­modelle größere Anwendung finden als in anderen Sektoren. Andererseits könne die Teilzeitarbeit für Frauen auch als Sprungbrett in die Vollzeiterwerbstätigkeit angesehen werden (vgl. ebd.), da das männliche Ernährermodell in der modernen Gesellschaft im­mer mehr zugunsten des „Doppelkarrieremodells“1 an Bedeutung verliert.

[...]


1 In eine Doppelkarrieremodell sind beide Partner Vollzeit erwerbstätig und „kaufen“ die Familienarbeit übe den Markt ein (vgl. Oschmiansky/Kühl 2011)

Details

Seiten
24
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656581871
ISBN (Buch)
9783656580768
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267601
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
eine untersuchung teilzeit welche gründe faktoren unterschiede teilzeitanteilen mann frau

Autor

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Titel: Eine geschlechterspezifische und sektorenabhänige Untersuchung von Teilzeit