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Die Währungsreform von 1948. Qualitative Abwägung der Bedeutung des Leitsätzegesetzes

Hausarbeit 2007 11 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Verschleppte Inflation und Nachkriegsökonomie

2. Der Weg zur Währungsreform

3. Bestandteile des Leitsätzegesetzes

4. Umsetzung und Auswirkungen des Leitsätzegesetzes

5. Beurteilung der Währungsreform und des Leitsätzegesetzes

Literatur

Einleitung

In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Bedeutung der Erlass des Leitsätzegesetzes für die erfolgreiche Umsetzung der Währungsreform im Jahre 1948 hatte. Um die Maßnahmen verstehen zu können, die nur zwei Tage nach der Währungsumstellung durch das Gesetz beschlossen wurden, ist eine Einführung in die Wirtschaftsgeschichte der ersten Nachkriegsjahre nötig. Im Anschluss soll kurz der Weg der Entscheidungsfindung dargestellt werden, da dieser die Interessensunterschiede der Besatzungsmächte verdeutlicht. Im dritten Kapitel werden die wichtigsten Maßnahmen und deren Folgen erläutert. Wichtig ist an dieser Stelle die Konzentration auf die Lebensumstände der Bevölkerung und was die Währungsumstellung für sie bedeutete. Im letzten Teil dieser Arbeit soll die Bedeutung der Währungsreform und des Leitsätzegesetzes aus der Retrospektive dargestellt werden. Hier werden insbesondere die unterschiedlichen Ansichten der Währungsreformforschung Berücksichtigung finden.

1. Verschleppte Inflation und Nachkriegsökonomie

Aufgrund der Kreditgewährung der Reichsbank an das Reich war der Banknotenumlauf in den Jahren 1939 bis 1945 von 12 auf 56 Mrd. Reichsmark gestiegen. Konsumgütermangel und der Preiskontrolle ließen die Geldmenge bis Herbst 1944 auf 100 Mrd. Reichsmark steigen. Dieser erhöhten Geldmenge stand jedoch eine stark gesunkene Produktivität gegenüber. Da die Besatzungsmächte das deutsche Preisregime übernahmen, herrschte in den ersten Nachkriegsjahren eine zurückgestaute Inflation. Von deutscher Seite wurde seit Kriegsende über eine Währungsreform diskutiert, die Alliierten zeigten jedoch zunächst wenig Interesse. Die zurückgestaute Inflation verhinderte eine ordnungsgemäße Funktion der Geldwirtschaft und schuf in vielen Wirtschaftsbereichen eine Tauschwirtschaft. Aufgrund der mangelnden Geldfunktion entwickelte sich diese insbesondere auf privater Ebene, wobei das Preisniveau um ein Vielfaches höher lag. Die festgesetzten Preise konnten meist die Produktionskosten der Unternehmer nicht decken und es mussten Naturalien, Rohstoffe oder Ersatzteile als Preisergänzung gezahlt werden.[1] Neben der finanziellen ergab sich dadurch auch eine organisatorische Mehrbelastung, da für jede nachgefragte Leistung auch ein Tauschpartner für die in eigenem Besitz befindliche Ware gefunden werden musste. Dadurch verringerte sich die Arbeitsleistung, da Zeit auf Hamsterfahrten, Schwarzmarktaktivitäten und Eigenproduktion verwendet werden musste. Die Folge war, dass das Produktionsergebnis noch im zweiten Quartal des Jahres 1948 um mehr als die Hälfte unter dem Vorkriegsniveau lag.[2] Für Produzenten stiegen hingegen insbesondere die Kalkulationskosten, da sowohl Produktionskosten als auch Gewinne kaum kalkulierbar und Unternehmensentscheidungen wie z.B. Investitionen schwer zu treffen waren. Zudem wurden Bestände von Fertigerzeugnissen zurückgehalten, da man nach einer Währungsreform auf höhere Profite hoffte. Demgegenüber wurde ein großer Lagerbestand an Vormaterialien gehortet, um nach der Währungsreform zur früheren Produktionsleistung zurückkehren zu können, dies erklärt auch den schnellen Anstieg der industriellen Produktion nach der Reform. Eine Untersuchung des Hessischen Statistischen Landesamtes zeigte, dass 1947 der Bestand von Roh- und Betriebsstoffen in den Industrieunternehmen, den von 1936 um mehr als das Doppelte überstieg.[3]

2. Der Weg zur Währungsreform

Der Name Ludwig Erhard ist eng mit der Währungsreform verbunden. Bereits im Jahre 1942, also noch weit vor Kriegsende, hatte er als Leiter des von ihm gegründeten „Instituts für Industrieforschung das Memorandum „Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung“ verfasst, in dem er sich mit den nach Ende des Krieges zu erwartenden Wirtschaftproblemen auseinandersetzte. Als Ziel einer zu installierenden Wirtschaftsordnung nannte Erhard: „…in jedem Fall die freie, auf echtem Leistungswettbewerb beruhende Marktwirtschaft mit den jeder Wirtschaft immanenten Regulativen… Nie mehr wird der Staat in die Rolle des Nachtwächters zurückgewiesen werden, denn auch die freieste Marktwirtschaft, und gerade diese, bedarf eines Organs der Rechtssetzung und Rechtsüberwachung. Nach Kriegsende hatten weder Franzosen, noch Russen oder Engländer Interesse an einer Währungsreform, da sie ihre Truppen größtenteils aus deutschen Ressourcen versorgten und so an einer Entwertung des Geldes kein Interesse hatten. Die amerikanische Administration hatte jedoch im August 1944 für eine Revitalisierung der deutschen Wirtschaft plädiert, um den Millionen Wehrmachtsangehörigen eine friedliche Erwerbsmöglichkeit bieten zu können. Mit den Direktiven des Morgenthau-Plans im September 1944 wurden diese positiven Vorzeichen jedoch zunächst bedeutungslos. In einem Memorandum der amerikanischen Administration wurde bekannt gegeben, dass keine Maßnahmen zur Stärkung der deutschen Wirtschaft erfolgen sollten. General Clay ließ jedoch nicht locker und legte 1945 dem Kontrollrat einen Reformentwurf vor, den die Engländer jedoch ablehnten. Sie verlangten, dass zunächst ein Gleichgewicht in den Haushalten der vier Besatzungszonen hergestellt werden müsse. Im August legten die Amerikaner den Colm-Dodge-Goldsmith (CDG)-Plan vor in dem konstatiert wurde, dass der Geldüberfluss den Tauschhandel fördere und so den Arbeitsanreiz stark mindere; es wurde darauf hingewiesen, dass eine Inflationskontrolle wirkungslos werden würde, wenn das Geld seine Funktion verliere. Eine Währungsreform wurde als dringend benötigt gefordert um eine Inflationsspirale zu verhindern, zudem sollte die Bewirtschaftung zunächst beibehalten werden, eine Währungsreform würde diese aber bald überflüssig machen. Trotz kleinerer Interessenskonflikte, die zudem nicht unüberbrückbar schienen, wurden zunächst Pläne für die Durchführung der Reform in allen Besatzungszonen beibehalten. Nach einem Veto der Sowjetunion bekamen die Amerikaner jedoch Zweifel, ob es hilfreich sei, die Sowjetunion in die Pläne mit einzubeziehen. In der SBZ spielten nicht-monetäre Arbeitsstimuli wie Zwangsverpflichtungen oder Differenzierung der Lebensmittelrationen eine wesentlich stärkere Rolle. Die Niedrighaltung des Lebensstandards war in der SBZ-Grundvoraussetzung für einen möglichst großen Profit. Man kam auch zu dem Schluss, dass die Sowjetunion an einer Wiederherstellung einer funktionierenden Geldwirtschaft nicht gelegen sein könne, da dies die Etablierung eines kapitalistischen Systems ermöglichen würde. Eine Teilung Deutschlands wurde im Hinblick auf eine wirtschaftliche Verbesserung der Lebensumstände in Kauf genommen. Im April konnten sich die Mächte der Trizone auf einen Entwurf einigen, in dem die wichtigsten währungspolitischen Eckdaten wie Streichung der Reichsschuld, Umwandlungsfaktoren und Besteuerung beschlossen wurden. Da die größten Streitpunkte in den Ve3rhandlungen mit Briten und Franzosen der Tauschwert oder die Steuergesetze waren, da diese die finanzielle Lage ihrer eigenen Volkswirtschaften betrafen, blieben Fragen zur Wirtschaftsform weitgehend in deutscher Hand.[4] Als Leiter der Expertenkommission „Sonderstelle Geld und Kredit“ legte Erhard im April 1948 den sog. „Homburger Plan“ vor, in dem er sich für eine weitgehende Aufhebung der Bewirtschaftungsgesetze aussprach, um besonders im Konsumgüterbereich wieder dem Geld die Rolle als einzigem Bezugsschein für Waren zukommen zu lassen. Hinsichtlich der Investitionsgüter war er hingegen kompromissbereit. Im März 1948 wurde Erhard zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft im vereinigten Wirtschaftsgebiet gewählt und bestimmte als sein Ziel „dem menschlichen Willen und der menschlichen Betätigung sowohl nach einer der Produktions- als auch nach der Konsumseite hin wieder größeren Spielraum setzen und dann auch automatisch dem Leistungswettbewerb Möglichkeiten der Entfaltung eröffnen müssen. Wo immer die Gesellschaft bei einer solchen Entwicklung Fehlleistungen oder Gefahren fürchtet, da mag sie durch sozial-, wirtschafts- oder finanzpolitische Maßnahmen Grenzen oder Regeln setzen,…“.[5] Der Historiker Uwe Uffelmann hat als herausragende Leistungen Erhards seine Kenntnis der möglichen Handlungsspielräume bei der Umsetzung einer Währungsreform hervorgehoben. Zudem konnte er sich auf eine Mehrheit im Wirtschaftsrat für die Realisierung seiner neoliberalen Vorstellungen verlassen.[6] Das erklärte Ziel Erhards war es zunächst die Staatsschuld auf ein kalkulierbares Maß zu senken, alle Ansprüche an den Staat aus der laufenden Produktion zu befriedigen und daher in aller erster Linie einen möglichst großen Anteil des Volkseinkommens für die Wiederherstellung des Produktionsapparates einzusetzen, um Produktion und Umsätze zu steigern.[7]

[...]


[1] Klump (A), S. 411

[2] Buchheim (A), S. 393f

[3] Ebd., S. 398

[4] Buchheim (B), S. 201f

[5] Klump (B) S. 61

[6] Ebd. (B) S. 63

[7] Buchheim (B), S. 200

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Titel: Die Währungsreform von 1948. Qualitative Abwägung der Bedeutung des Leitsätzegesetzes