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Historische Währungsunionen. Ein Überblick und Ausblick

Seminararbeit 2012 23 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition und Arten

3. Frühere Währungsunionen

4. Aktuelle Währungsunionen

5. Geplante Währungsunionen

6. Ausblick

7. Literatur

1. Einleitung

Was ist eine Währungsunion?

Auf diese Frage lautet die Antwort in Europa meist ähnlich: „Der Euro“ oder „Die Eurozone“. Jedoch ist eine Währungsunion noch so viel mehr. Es geht nicht nur um eine gemeinsame, gleiche Währung die nicht mehr nur an einen einzelne Nationalstaat gebunden ist, sondern und Münzen und Scheine die in einem abgrenzbaren Gebiet gleichermaßen benutzt werden können und um gemeinsame Politikfelder, in denen zusammen oder in Absprache miteinander wichtige Entscheidungen getroffen werden.

Und seit wann gibt es Währungsunionen?

Nun hier lautet die Antwort der meisten wahrscheinlich „20. Jahrhundert“ „Kam mit dem Euro“. Allerdings stimmt auch das nicht wirklich. Eine Währungsunion, also ein einheitliche Zahlungsmittel gab es bereits bei den Römern und wurde vor dem Ersten Weltkrieg bereits von verschiedenen Staaten in Europa und auch in den USA genutzt.

Die vorliegende Arbeit versucht die obenstehenden Fragen im Folgenden zu klären. Dafür gibt sie zuerst einen Überblick über die Definition und Arten von Währungsunionen, greift dann die Vergangenheit auf und schildert das Entstehen und Scheitern von Währungsunionen in der Geschichte, wendet sich danach den bestehenden Unionen, ihrer Entstehungsgeschichte und Schwierigkeiten zu um schließlich einen Blick auf die neuesten Initiativen dieser Art zu werfen. Um ein genaueres Bild der Regionen zu bekommen, untermauern die Karten die Ausdehnung und Lage der angesprochenen Währungsunionen. Die Konklusion zum Schluss möchte das dargelegte zusammenfassend Bewerten und einen Ausblick auf die Zukunft riskieren.

2. Definition und Arten

Eine Währungsunion umfasst eine Gesamtheit von Ländern, die eine einheitliche gemeinsame Geld- und Währungspolitik und Währungsintegration, also die Einführung einer einheitlichen Währung, betreiben. Es handelt sich dabei um eine Form der wirtschaftlichen Integration von Staaten, die über die Schaffung eines gemeinsamen Marktes (zum Beispiel des Europäischen Binnenmarktes) und die Koordinierung verschiedener wirtschaftspolitischer Bereiche, wie in einer Wirtschaftsunion, hinausgeht und zur Wirtschafts- und Währungsunion als engster Form der wirtschaftlichen Integration von selbstständigen Staaten führt, wie dies auch in der Europäische Wirtschafts- und Währungsunion der Fall war.

Dabei gibt es zwei verschiedene Ausprägungen: a) die "echte" Währungsunion, bei der mit der Einführung einer Einheitswährung gleichzeitig die Errichtung einer für die Geldpolitik allein verantwortlichen Zentralbank geschaffen wird, wie bei der Europäische Währungsunion und b) die Pseudowährungsunion, bei der die nationale Geldpolitik zwar koordiniert, aber weiterhin eigenständig von nationalen Zentralbanken durchgeführt wird, wie es zum Beispiel bei dem Europäischen Währungssystem der Fall war.1

Des Weiteren kann man zwischen drei verschiedenen Arten von Währungsunion unterscheiden:

1.) Die nationale oder supranationale Art. Bei der nationalen wird, wie bei der Gründung des Deutschen Reiches 1871 oder später bei den Vereinigten Staaten von Amerika, innerhalb eines Landes eine Währungsunion erschaffen, wobei alle Vorgängerwährungen auf eine Währung fusioniert werden. Im Gegensatz dazu steht die supranationale Währungsunion, die entsteht, wenn sich einzelne Staaten zu einem einzigen Raum zusammenschließen (Beispiel die Europäische Währungsunion (EWU)).

2.) Die einseitige oder von mehreren Partnern aktiv umgesetzte Währungsunion. Letzteres sind multilaterale Währungsunionen, wie die EWU, bei denen die Umsetzung auf einem von allen beteiligten Staaten unterzeichneten und implementierten supranationalen Vertrag beruht. Unilaterale Währungsunionen übernahmen einseitig einer stärkere Fremdwährung, auch Dollarisierung oder Euroisierung genannt. Diese Übernahme einer stabilen Fremdwährung soll schwächeren Entwicklungsländern vermehrte Kapitalzuflüsse und geringere Inflationsraten bringen. Beispiel für eine Dollarisierung sind die Britischen Jungferninseln, Ecuador, Mikronesien, Palau und Osttimor.

3.) Des Weiteren existieren Mischformen zwischen unilateraler und multilateraler Währungsunion, wie die Aufgabe der Eigenwährung für eine Fremdwährung im beiderseitigen Einvernehmen. Geschehen 1925 zwischen beispielsweise Monaco und Frankreich.2

3. Frühere Währungsunionen

Währungsunionen die mit einem einheitlichem Münz- und Zahlungssystem arbeiteten, ob multinational oder die durch staatlichen Vereinigungen entstanden, gab es bereits bei den Römern und zog sich durch den Lauf der Geschichte bis etwa zu der Lateinischen Münzunion (1865-1927), der Skandinavische Münzunion (1873-1914), der Währungsunion nach der deutschen Reichsgründung (1871), die belgisch-luxemburgische Währungsassoziation (1922- 2002) und der Währungsunion der Bundesrepublik mit der DDR, die 1990 der Wiedervereinigung vorausging.

Als erste einheitliche und grenzübergreifende Währung kann die Römische Währung genannt werden, die in der Gesamtheit des antiken römischen Reichs das gebräuchliche Zahlungsmittel darstellte. Das erste Geld der römischen Republik stammt aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Es wurde bis 200 vor Christus gegossene rechteckige Bronzebarren (Aes signatum) Rom geprägt, die danach von Bronze- und Silbermünzen in den Werten Denar und Sesterz abgelöst wurden. Nach verschiedenen Währungsreformen, unter anderen unter Caesar und Augustus, hielt sich die Währung bis in das 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Durch den zunehmenden Verfall und die seit etwa 270 galoppierenden Inflation verfiel das Münzwesen unter den Kaisern zusehends3

Die Lateinische Münzunion war eine Währungsunion, die von Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz am 23.12.1865 in Paris gegründet wurde und der sich 1868 auch Griechenland anschloss4. Das System entstand um eine Erleichterung des Zahlungsverkehrs, einen gemeinsamen Münzumlauf und die Beseitigung von Wechselkursschwankungen zu verwirklichen. Das Übereinkommen wurde auf der Grundlage des in Frankreich bestehenden Franc und dem festen Verhältnis von Gold und Silber (1:15,5) getroffen. Der Franc war zu Anfang des 18. Jahrhunderts die einzige Dezimalwährung außerhalb der USA. Das französische System wurde bald, ohne Absprachen, von anderen Staaten übernommen und so existierten bereits vor dem offiziellen Beginn der Währungsunion in mehreren Ländern ähnliche Verhältnisse. Die 15 Vertragsartikel der Lateinischen Münzunion legten neben Gewicht, Gehalt und Form auch die Umlaufbedingungen der Gold- und Silbermünzen fest. Die öffentlichen Kassen der Mitgliedsstaaten wurde des Weiteren dazu verpflichtet Goldmünzen und silberne 5-Franken-Stücke der Vertragsstaaten unbegrenzt anzunehmen.

Außer den fünf europäischen Staaten prägten auch Spanien, Finnland, die meisten Balkanstaaten und einige kleinere europäische Kleinstaaten, sowie einige Staaten in Mittel- und Südamerika und die Kolonien der Vertragsstaaten nach 1870 teilweise nach den Normen der Lateinischen Münzunion, wurde jedoch nie Mitglieder in der Union. Österreich-Ungarn war über den fast geraden Wechselkurs von 4 und 8 Gulden, im Wert von 20 beziehungsweise 10 Franc trugen zwar nicht direkt, jedoch indirekt mit der Lateinischen Münzunion verbunden.

Die Stabilität der Doppelwährung wurde durch die erheblichen Schwankungen auf dem freien Markt bei den Silber- und Goldpreisen und den internationalen Entwicklungen (reiche Goldfunde in Amerika, der Übergang Deutschlands und anderer Länder zur Goldwährung) in Mitleidenschaft gezogen, und durch einen dramatischen Preisverfall des Silbers auf dem Weltmarkt gefährdet. Da die Münzunion diese Schwierigkeiten nicht aus der Welt schaffen konnte, grenzte sie die Prägung des silbernen 5-Franken-Stückes zuerst ein und beendete sie 1878 endgültig. Durch diese Entscheidung entstand eine praktisch hinkende Goldwährung. Beginn des 20. Jahrhunderts machten erst inflationäre Strömungen und dann der Erste Weltkrieg der Währung zu schaffen, und die Mitglieder beschlossen Bestimmungen des Vertrages zeitweise außer Kraft zu setzen, womit sie den Untergang und Verfall der gemeinsamen Währung besiegelten. Offiziell wurde jedoch erst am 1. Januar 1927 der Versuch einer Vereinheitlichung des europäischen Münzsystems beendet.5

Der Deutscher Zollverein bildete sich, durch die Initiative Preußens, aus dem vertraglichen Zusammenschluss des Preußisch-Hessischen und des Bayerisch-Württembergischen Zollvereins und Zoll- und Handelsverein Sachsens und Thüringens. Die Verträge traten am 1. Januar 1834 in Kraft. Hintergrund dieser Zusammenschluss war die Zersplitterung der deutschen Gebiete in einzelne Territorien und Länder, was eine Unzahl von Zollgrenzen (zeitweise sogar 1.8006 ) innerhalb dieser Region bedeutete. Durch den Deutschen Zollverein fielen die Binnenzölle Weg, der zollfreie Warenverkehr zwischen den Staaten und ein dadurch verstärkter Handel wurde ermöglicht. Des Weiteren wurde die schrittweise Schaffung eines gemeinsamen Münz-, Maß- und Gewichtssystems in Angriff genommen.7

Insbesondere die Vereinheitlichung des Münzsystems war zu dieser Zeit dringend notwendig, da es Anfang des 19. Jahrhunderts 123 verschiedene Währungen mit über tausend verschiedenen Münzen gab. Bei der Münchner Konvention wurde 1837 der weitgehend gebräuchliche Guldenfuß in den süddeutschen Ländern als verbindlich erklärt, indem festgelegt wurde wie viel Edelmetall in den einzelnen Münzen enthalten sein musste. Ein Jahr später bei der Dresdner Münzkonvention wurde der Guldenfuß mit norddeutschen, preußischen Taler vereint, was die neue Währung Vereinsdoppeltaler ergab. Die folgende Geldreform erschuf den Vereinstaler, der schnell das allgemeingebräuchliche Zahlungsmittel wurde. Bei der Gründung des Deutschen Reichs 1871 konnte aufgrund des Vereinstalers problemlos die Mark als einheitliche Währung eingeführt werden.8 Fünf Jahre später übernahm dann die Preußische Bank als Reichsbank die Kontrolle über die Reichsmark, die sich als äußerst stabil erwies.9

Die Skandinavische Währungs- oder Münzunion wurde 1873 von Schweden und Dänemark gegründet. Zwei Jahre später trat auch Norwegen, dass mit Schweden in Personalunion stand, bei. In den drei Staaten wurden früheren Währungen durch das Dezimalwährung 1 Krone = 100 Øre abgelöst und Münzen (gleiche Größe und Legierung) geprägt, später Geldscheine gedruckt, die auf dem gesamten Gebiet der Staaten Gültigkeit hatten.10 Grund für die Veränderung war der von Großbritannien ausgehende Goldstandard, der nach der Mitte des 19. Jahrhunderts auch auf dem europäischen Kontinent den bisherigen Silberstandard zunehmend ablöste.11 Die Kursverschiebungen die bereits während des Ersten Weltkriegs auftauchten und die unterschiedliche Geldpolitik bedingten die Aufgabe des länderübergreifenden Münzumlaufs und die Einlösungspflicht von Papiergeld in Gold. Offiziell wurde die Währungsunion 1924 aufgelöst.12

Eine etwas andere Währungsunion ist die Union Economique Belgo-Luxembourgeoise (belgisch-luxemburgische Währungsassoziation, UEBL) dessen Vertrag 1921 von Belgien und Luxemburg unterschrieben wurde, der 1922 in Kraft trat. Es handelt sich hierbei um eine Wirtschaftsunion, die als Ziel die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder hatte. Die Vereinbarung war bis zur Einführung des Euros 2002 gültig.13

Zu erwähnen bleiben noch die Vereinigten Staaten von Amerika die in den Anfängen keine keine einheitliche Währung besaßen. Banken bekamen die Erlaubnis von den Bundesstaaten Geld zu drucken. Obwohl die erste Zentralbank bereits 1791 entstand, gefolgt von der zweiten die zwischen 1816 und 1832 tätig war, gingen die Kompetenzen nach dieser Zeit wieder an die Bundesstaaten zurück. Aus diesem Grund gab es 1860. über 10.000 unterschiedliche Banknoten, was den Handel massiv erschwerte. Nach dem Bürgerkrieg wurde 1863. Der National Currency Act erlassen, der ein einheitliches, nationales Banksystem mit nationalen Banknoten vorschrieb. Seit 1914 überwacht die Federal Reserve Bank das Drucken und Verteilen der amerikanischen Währung.14

Der Goldstandard oder das Bretton Woods System waren zwar keine Währungsunionen, aber Garanten für finanzielle Stabilität. Es beinhaltete festen Wechselkurse und die Garantie, dass Papiergeld für Gold eintauschbar ist. Beides verschwand 1971.15

[...]


1 www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=JIS3QV, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

2 www.de.economypoint.org/d/die-wahrungsunion.html, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

3 www.roemische-muenzen.com/information_waehrungssystem.htm, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

4 Der amerikanische Ökonom, Henry Parker Willis kritisierte bereits damals den Beitritt aufgrund der in Griechenland herrschenden Misswirtschaft und Korruption als grundlegende Fehlentscheidung. www.businessspectator.com.au/bs.nsf/Article/Greece-default-eurozone-monetary-union-soverieng-d- pd20111017-MQ2GW?opendocument&src=rss, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

5 www.reppa.de/lex.asp?ordner=l&link=LateinischeM.htm, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

6 www.zoll.de/DE/Der-Zoll/Zollmuseum/Ausstellung/Historische-Abteilung/Deutscher-Zollverein/deutscher- zollverein_node.html, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

7 wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/zollverein.html, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

8 www.zoll.de/DE/Der-Zoll/Zollmuseum/Ausstellung/Historische-Abteilung/Deutscher-Zollverein/deutscher- zollverein_node.html, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

9 www.guardian.co.uk/world/2001/dec/10/euro.eu, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

10 www.reppa.de/lex.asp?ordner=s&link=SkandinaMu.htm, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

11 Vgl. Hawkins, Masson (2003), Seite 27.

12 www.reppa.de/lex.asp?ordner=s&link=SkandinaMu.htm, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

13 www.europarl.europa.eu/euro/briefing/general/25_de.pdf, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

14 www.guardian.co.uk/world/2001/dec/10/euro.eu, zuletzt geöffnet: 05.05.2012

15 eben da

Details

Seiten
23
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656589075
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267563
Institution / Hochschule
Andrássy Gyula Budapesti Német Nyelvü Egyetem
Note
1,8
Schlagworte
Währungsunion Euro Europäische Union
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Titel: Historische Währungsunionen. Ein Überblick und Ausblick