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Politische Bildung vs. Politikverdrossenheit

Kann politische Bildung Politikverdrossenheit bekämpfen?

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufgaben der Politischen Bildung

3. Das Konzept „Politikkompetenz“
3.1 Fachwissen
3.2 Politische Urteilsfähigkeit
3.3 Politische Handlungsfähigkeit
3.4 Politische Einstellungen und Motivation

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Immer wieder ist in den Medien die Sprache von Politikverdrossenheit. Die Menschen gehen nicht mehr wählen und die Demokratie sei in Gefahr, da die Parlamente nicht mehr von einer ausreichenden Zahl an Wählern legitimiert sind. Außerdem stelle sich diese Problematik im besonderen Maß bei Jugendlichen: Diese hätten gar kein Interesse an Politik und Wahlen und würden sich von dem, was im Bundestag und anderen Parlamenten auf der Welt passiert, immer mehr abwenden. Einige wissen nicht einmal, wer Deutscher Bundeskanzler ist. Eigentlich käme an dieser Stelle den Parteien in der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Bedeutung zu, denn sie haben die Aufgabe, „für eine ständige lebendige Verbindung zwischen dem Volk und den Staatsorganen (zu) sorgen“ (PartG §1 Abs. 2). Die Mitglieder der Parteien haben dabei eine besondere Schlüsselrolle inne, eine Scharnierfunktion: „Als Scharnier zwischen Mandatsträgern und Wählern tragen sie zur Verankerung der Partei in der Gesellschaft und damit zur besseren Integration und Repräsentation der Bevölkerungsinteressen bei […]“ (Decker: 50-51. In: Decker/Neu 2007, zitiert nach Wilde 2011: 21).

Allerdings haben Parteien mit Mitgliederschwund zu kämpfen, ausreichend Nachwuchs, der Jugendliche ansprechen könnte, ist kaum vorhanden, wenn man auf das Durchschnittsalter der Mitglieder der etablierten Parteien schaut (SPD: 58 Jahre, CDU: 56 Jahre, FDP: 51 Jahre, Bündnis90/Die Grünen: 46 Jahre, Die Linke: 62 Jahre) (vgl. Wilde 2011: 7). Es ist also unumgänglich, dass es andere Möglichkeiten geben muss, die diesen Missstand ausgleichen bzw. parallel zu den Parteien wirken. Daher stellt sich die Frage, was die Politische Bildung (Nachfolgend mit PB abgekürzt) gegen Politikverdrossenheit tun kann, wie sie Jugendliche (wieder) für Politik begeistern kann und auch, welche didaktischen Konzepte dafür geeignet wären.

Dazu ist es erforderlich, einige Begriffe einzugrenzen:

Politische Bildung: Das Feld der PB ist weit gestreut und daher ist es schwierig, konkret zu sagen, wie und wann sie effektiv sein kann. Zur PB gehören zum Beispiel auch freiwillige Fortbildungsangebote u.a. von Partei-nahen Stiftungen wie der Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD. Da bei Teilnehmern solcher Angebote nicht davon auszugehen ist, dass sie politikverdrossen sind, grenze ich die in dieser Arbeit behandelte PB auf die formale politische Bildung in der Regelschule ein, die nahezu jedes Kind in Deutschland besucht.

Jugendliche: Da es verschiedene Begriffsbestimmungen von Jugendlichen in unserer Gesellschaft gibt und jeweils andere Altersgrenzen gesetzt werden, ist eine Eingrenzung dieses Begriffs zunächst schwierig. Häufig wird der Eintritt in das Erwerbsleben als Kriterium für den Übergang in das Erwachsenenalter verstanden, durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten, die das Individuum heutzutage hat, variiert der Zeitpunkt dieses Übergangs aber stark. Da hier die PB auf Jugendliche wirken soll, werde ich Jugendliche als Menschen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren verstehen, da diese meistens noch beschult werden und so PB am ehesten erleben werden.

Politikverdrossenheit: Politikverdrossenheit soll in dieser Arbeit verstanden werden als die Abwesenheit von Partizipation bzw. Bestrebungen, zu partizipieren, also am politischen Leben teilzuhaben, sei es durch das Ausüben des Wahlrechts oder sogar ein darüber hinaus gehendes politisches Engagement. Insofern ist die Bekämpfung von Politikverdrossenheit hier gleichzusetzen mit der Steigerung von partizipativen Bestrebungen. Da Deutschland eine Parteiendemokratie ist, soll die Steigerung von partizipativen Bestrebungen in dieser Arbeit primär als verstärktes Engagement in Parteien verstanden werden.

2. Aufgaben der Politischen Bildung

Die leitende Frage dieser Arbeit ist, ob die PB Politikverdrossenheit bekämpfen kann. Dazu ist es meiner Ansicht nach nötig, zunächst zu beschreiben, was gemäß der gängigen Literatur generell Aufgaben der PB sind.

Jede menschliche Gesellschaft muss eine Struktur für die Regelung ihrer gemeinsamen Aufgaben entwickeln, also Politik organisieren und diese Struktur den Mitgliedern der Gesellschaft, insbesondere den jungen Mitgliedern, vermitteln (vgl. Sander 2005: 13). Zu diesem Prozess der Sozialisation gehört „der Erwerb jener Werthaltungen, Einstellungen, Überzeugungen, Wissensbestände und Handlungsdispositionen, die für die Stabilität der Gesellschaft als erforderlich betrachtet werden (Sander 2005: 13). Bezogen auf die im ersten Kapitel skizzierten Probleme des deutschen Politikbetriebs bedeutet dies für mich eine Hinführung zur politischen Partizipation.

Daher verwundert es nicht, dass sich die PB „neben der Vermittlung […] von politischem Wissen und der Schärfung des politischen Urteilsvermögens als drittes Bildungsziel auch die politische Partizipation auf ihre Fahnen geschrieben hat“ (Widmaier & Nonnenmacher 2011: 7). Doch es gibt mit diesem Ziel auch Probleme, denn laut einer aktuellen Studie aus Sachsen-Anhalt verstehen nur 15 % der Politiklehrkräfte unter politischer Bildung auch das Hinführen zur politischen Partizipation (vgl. Widmaier & Nonnenmacher 2011: 7). Durch die offensichtliche Dominanz der Ziele „Wissensvermittlung“ und „Urteilskompetenz“ hat Partizipation in der formalen schulischen Bildung nur marginale Bedeutung (vgl. Widmaier & Nonnenmacher 2011: 7).

Obwohl sich die PB also offenbar Stärkung der Partizipation zum Ziel genommen hat, kommt es in der Praxis kaum vor. Auch habe ich den Eindruck, dass nach diesen einleitenden Worten von Benedikt Widmaier und Frank Nonnenmacher das Thema Kompetenz in der PB nicht entsprechend gewürdigt wird, denn um wirklich partizipieren zu können, benötigt man meiner Meinung nach mehr, als reines Wissen und die Fähigkeit, sich ein Urteil zu bilden.

3. Das Konzept „Politikkompetenz“

Durch die Einführung von Bildungsstandards durch die Kultusministerkonferenz (KMK) „ist das Thema Kompetenz verstärkt Gegenstand politikdidaktischer Diskussionen“ (Weißeno 2008:11). Dabei werden Kompetenzen als die Fähigkeiten bei Schüler/-innen verstanden, gestellte Probleme und Aufgaben lösen zu können (vgl. Weißeno 2008:11). Den Beschlüssen der KMK liegt der Kompetenzbegriff von Weinert zugrunde, der neben den kognitiven Fähigkeiten auch die damit verbundenen motivationalen, volitionalen und sozialen Bereitschaften einschließt (vgl. Weißeno 2008:11).

Obwohl die Diskussionen in der Politikdidaktik noch nicht abgeschlossen sind und deshalb auch kein einheitliches Kompetenzmodell vorliegen kann, entscheide ich mich für den weiteren Verlauf dieser Arbeit für das Konzept der Politikkompetenz von Detjen et al., da es, wie Massing (vgl. 2012: 23) ausführt, die Lücke schließen soll, die das Fehlen eines umfassenden theoriegeleiteten Kompetenzmodells verursacht hat und es sich, ebenso wie die Beschlüsse der KMK, auf den Kompetenzbegriff von Weinert stützt (vgl. Massing 2012: 23).

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Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656583080
ISBN (Buch)
9783656664895
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267517
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachbereich 05
Note
1,3
Schlagworte
Politikverdrossenheit Politische Bildung Politikkompetenz

Autor

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Titel: Politische Bildung vs. Politikverdrossenheit