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Geschichte des evangelischen Religionsunterrichts: Relevanz der Lehrerpersönlichkeiten

Eine komparative Analyse

Hausarbeit 2013 13 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Begriffserklärung
2.1 Relevanzbegriff
2.2 Persönlichkeitsbegriff
2.3 Religionspädagogik und Religionsunterricht

3 Das Konzept der Evangelischen Unterweisung

4 Das Konzept des Problemorientierten Unterrichts

5 Gesamtzusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

7 Eigenständigkeitserklärung

Die Relevanz der Persönlichkeit der Lehrperson in der Geschichte Eine komparative Analyse

1 Einführung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, was einen guten Religionslehrer bzw. eine gute Religionslehrerin ausmacht.

Wie bereits dem Titel zu entnehmen ist, soll hierbei die Relevanz der Persönlichkeit der Lehrperson in der Geschichte besondere Beachtung finden. Ich habe mich für die Epoche vom Ende des zweiten Weltkriegs bis zur Wiedervereinigung entschieden. Da jedes Land entsprechend seiner schulischen Geschichte und Zuordnung von Kirche und Staat unterschiedliche Reformen des Religionsunterrichts hervorgebracht hat, können in dieser Arbeit nur einige wichtige Aspekte des Religionsunterrichts und dessen Ansätze in Deutschland aufgegriffen werden.

Anhand einer komparativen Analyse von zwei exemplarisch ausgewählten Forschungsansätzen: Evangelische Unterweisung (Referenzquelle: Helmuth Kittel) und Problemorientierter Unterricht (Hans-Bernhard Kaufmann), möchte ich mich folgender Forschungsfrage widmen: Wie beschreiben die beiden Autoren die Relevanz der Persönlichkeit der Lehrperson vor dem jeweiligen gesellschaftlichen, theologischen und kirchlichen Kontext?

Dazu erachte ich es als wichtig, zuerst einmal den Begriff der Relevanz im Allgemeinen zu klären, um ihn im Anschluss (In Kapitel 3 und 4) aus Sicht der Kirche und aus Sicht des Staates bzw. der Schule näher erläutern zu können. Des Weiteren möchte ich mich mit dem Persönlichkeitsbegriff auseinanderzusetzen, um im weiteren Verlauf der Arbeit klären zu können, ob und inwieweit die Persönlichkeit der Lehrperson überhaupt in dieser Zeitspanne relevant für den Religionsunterricht war.

2 Begriffserklärung

2.1 Relevanzbegriff

Dieser Begriff wird im Duden folgendermaßen erläutert: „Bedeutsamkeit, Wichtigkeit in einem bestimmten Zusammenhang“[1].

2.2 Persönlichkeitsbegriff

Der Begriff „Persönlichkeit“ [2] ist ein sehr weitreichender Begriff. Er beinhaltet u. a. die Gesamtheit der persönlichen (charakteristischen, individuellen) Eigenschaften eines Menschen.[3] Hermann-Josef Fisseni beschreibt in seinem Buch 'Persönlichkeitspsychologie' den Begriff wie folgt: „Persönlichkeit lässt sich auffassen als der Inbegriff der einzigartigen Verhaltensweisen eines Menschen, die sich im unterschiedlichem Grade als 'individuell' bezeichnen lassen […].“[4] In diesem Zusammenhang bringt Fisseni auch die Begriffe des „Individuums“ und der „Einzigartigkeit“ ins Spiel. Diesen drei Einheiten „gehört die Idee der Selbstorganisation, diese Idee beschreibt ein gewisses Maß an Spontanität.“ [5] Dieser Spontanität wird bei Fisseni eine große Gewichtung zugeschrieben, sie besagt nämlich, „daß die Persönlichkeit zwar in Abhängigkeit zu ihrer Umwelt steht, daß sie aber von der Umwelt nicht vollständig festgelegt wird, daß sie auf Umwelt nicht nur reagiert.“[6] Jedoch wird die Persönlichkeit von ihrer Umwelt zwar angeregt, jedoch kann sie ihr Handeln mitbestimmen, so dass Persönlichkeit demnach „ein Zentrum bewußten und reflexiven Handelns einschließt.“[7]

2.3 Religionspädagogik und Religionsunterricht

Der Begriff Religionspädagogik ist als Fachterminus erstmals 1889 bei Max Reischle (1958- 1905) nachweisbar[8] und „bezieht sich nach heutigem Verständnis in Lehre und Forschung auf alle Bereiche der religiösen Erziehung, Bildung, Entwicklung und Sozialisation in Schule, Kirche und Gesellschaft bzw. in globalen Zusammenhängen.“[9]

Religionspädagogik hat laut Hans-Bernhard Kaufmann die Funktion, „im Miteinander von theologischer und didaktischer Theorie, von Erfahrung und Reflexion, von empirischen Untersuchungen und unterrichtspraktischen Versuchen zu erforschen, welche Fragestellungen und Erfahrungen […] eine optimale Aufgeschlossenheit für den christlichen Glauben […] und seine weltweiten Perspektiven zu erwecken in der Lage sind.“[10]

Geschichtlich geht der Religionsunterricht im christl. Kontext auf den kathechetischen Unterricht zurück. Auch an die bereits im NT genannten Lehrer kann gedacht werden.[11] RU kann die Schüler mit den Inhalten des Glaubens vertraut machen und ihren Glauben somit bestärken.[12]

Im 20. Jh. wird eine Rückkehr zur traditionellen Katechetik gefordert. Ausschlaggebend dafür sind u. a. die politischen und gesellschaftlichen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus und später mit dem Staatssozialismus in der DDR.[13] In den 1960er Jahren wendet man sich dem problemorientierten Religionsunterricht zu, der jedoch als besonders umstritten gilt, da sich der Unterricht bisher vornehmlich mit Bibeltexten befasst und nun abgelöst werden soll durch die Beschäftigung mit Gegenwartsthemen.[14]

In den folgenden Jahren von der Nachkriegszeit bis zur Wiedervereinigung werden weitere verschiedene Ansätze des RUs kontrovers diskutiert. Dazu gehören: Die Evangelische Unterweisung (fortan: EU), die Bibeldidaktik/ Symboldidaktik und der hermeneutische Religionsunterricht. „Religionspädagogik wird heute in Deutschland vor allem als theologische Disziplin betrieben, was eine gleichzeitige Zugehörigkeit zur Erziehungswissenschaft jedoch nicht ausschließt.“[15]

Gemäß Art. 7,3 des GG gilt der Religionsunterricht (fortan: RU) in der staatlichen Schule als „ordentliches Lernfach“. Er gilt also nicht als eine freiwillige Wahlmöglichkeit. Darüber hinaus muss für dieses Fach gelernt werden, und die Leistungen werden benotet. Der RU wird „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“[16] unter Aufsicht des Staates erteilt. Der Staat ist demzufolge dafür verantwortlich, ausgebildete Lehrkräfte bereitzustellen.

3 Das Konzept Evangelische Unterweisung (1945-1960)

„Nie wieder Religionsunterricht!“ (Helmuth Kittel)

Nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes und dem der gesamten staatlichen Ordnung, bahnen sich zu Beginn der sechziger Jahre „sowohl pädagogische, didaktische und organisatorische Neuansätze an.“ [17] Viele Menschen sind von den Entnazifizierungs- Bemühungen betroffen. Auch Lehrer, die meistens Parteimitglieder waren.[18] Bis gegen Ende der 50er Jahre „dominierte in der Diskussion um den evangelischen RU ein Konzept, das unter dem Namen Evangelische Unterweisung in die Geschichte des Religionsunterrichtes eingegangen ist.“[19] Diesen Begriff führt Helmuth Kittel 1947 (1902-1984) ein, „in der Absicht, das in der Zeit des Nationalsozialismus kompromittierte Schulfach Religionsunterricht (RU) durch ein nicht mehr am Begriff der Rel., sondern an den Inhalten des Evangeliums orientiertes, von Grund auf neu konzipiertes Unterrichtsfach zu ersetzen.“[20] Kittel stellt in seinem Werk „Evangelische Religionspädagogik“ die These auf, dass der damalige RU „nur noch so wenig christliche Substanz“ [21] besaß, dass „ihm die Unterscheidungsfähigkeit abhanden gekommen war.“[22]

Der Unterrichtende wird laut Kittel, verschiedenen Belastungen ausgesetzt, wie z.B. Anspruch und Einfluss der Kirche auf seinen Unterricht. Er muss in der Lage sein Situationen abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, in der Hinsicht, „ob gewissen staatlichen Intentionen mehr als gewissen kirchlichen nachzugeben ist […].“[23] Dies erfordert m. E. eine Festigung der Persönlichkeit des Lehrers, damit er überhaupt in der Lage ist richtige Entscheidungen treffen zu können. Durch das „vermittelt-unmittelbare Hören-Können des Wortes Jesu Christus“[24], wird ihm, so Kittel, gewissermaßen die Freiheit geschenkt, die er für seine Entscheidungen benötigt. [25] Er soll somit in seinem Denken und Handeln ermutigt werden.

Ein weiterer wesentlich wichtiger Aspekt ist in dem Abschnitt von Kittel zu finden, in dem er sich damit auseinandersetzt, welcher Zusammenhang zwischen 'Aktion' des Lehrers und 'Re- Aktion' des Schülers besteht.[26] Nämlich dieser, dass sich der Lehrer nur behaupten kann, wenn er die Botschaft der Bibel mündlich weitergibt „in der Bereitschaft zu äußerster Hingabe.“[27] Diesen 'Akt der Verkündigung'[28] beschreibt Kittel als „Aktion“. Der Lehrer muss nicht nur die Re-Aktion des Unterrichteten freigeben, sondern auch wollen.

[...]


[1] www.duden.de

[2] Hervorhebung von mir

[3] Vgl. www.duden.de

[4] Fisseni, H.-J.: Persönlichkeitspsychologie. Ein Theorieüberblick. S. 5.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Vgl. Grethlein, C. Art.: Religionspädagogik II Evangelisch. In: Betz, H.-D., et al. (Hrsg.): RGG[4], Bd. 7. S. 343.

[9] Schweitzer, F.: Religionspädagogik. In: Horn, F. W./Nüssel, F. (Hrsg.): TRT. S. 1012.

[10] Kaufmann, H.-B. (Hrsg.): Streit um den problemorientierten Unterricht in Schule und Kirche.S. 26.

[11] Vgl. Schweitzer, F.: Religionsunterricht. In: Horn, F. W./Nüssel, F. (Hrsg.): TRT.S. 1023

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. ebd.

[15] Ebd. S. 1014.

[16] Art. 7, 3 GG

[17] Grethlein, C.: IX Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Wiedervereinigung: Bundesrepublik Deutschland. In: Lachmann, R. (Hrsg.): Geschichte des evangelischen Religionsunterrichts in Deutschland. Quellen. S. 273.

[18] Ebd. S. 269.

[19] Bolle, R./Knaut, T./Weiße, W. (Hrsg.): Hauptströmungen evangelischer

Religionspädagogik im 20. Jahrhundert. Ein Quellen- und Arbeitsbuch. S. 129.

[20] Baldermann, I. Art.: Evangelische Unterweisung. In: Betz, H.-D., et al. (Hrsg.): RGG[4], Bd. 2.S. 1727.

[21] Kittel, H.: Evangelische Religionspädagogik. S. 288.

[22] Ebd.

[23] Ebd. S. 305.

[24] Ebd. S. 306.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. ebd. S. 313.

[27] Vgl. ebd.

[28] Hervorhebung von mir.

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656582175
ISBN (Buch)
9783656580317
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267378
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
Evangelische Religion Evangelischer Religionsunterricht

Autor

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