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Praktikumsbericht Realschule

Im Rahmen des Orientierungspraktikums

Praktikumsbericht (Schule) 2007 27 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Studienwahlmotivation

2. Meine Vorstellung von Schule

3.1 Realschule XY
3.2 Beobachtungsschwerpunkt I
3.2.1 Reflexion meiner Englischstunde anhand
von „Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht?“
3.3 Beobachtungsschwerpunkt II
3.3.1 Medieneinsatz in unterschiedlichen Stunden,
bewertet unter Berücksichtigung eines Erhebungsbogens
3.4 Unterrichtsmatrix einer Schulstunde
im Fach „Arbeit & Wirtschaft

4. Kompetenzeinschätzung
4.1 Kompetenzfelder
4.2 Erwartungshorizont

5. Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Studienwahlmotivation

Die Entscheidung ein Lehramtstudium zu beginnen habe ich während meines Zivildienstes in einer Tagesbildungsstätte für körperlich und geistig behinderte Kinder getroffen. Nach meinem Abitur standen für mich zwei Berufsalternativen zur Wahl. Entweder würde ich nach bestandenem Einstellungstest zur Polizei gehen und als Kommissars-Anwärter nach vier Jahren in den gehobenen Dienst der Polizei einsteigen, oder mich um einen Studienplatz für das Lehramt an Haupt- und Realschulen bewerben.

Ich entschied mich zunächst für die Bewerbung bei der Polizei, musste jedoch relativ schnell feststellen, dass mir die veralteten, teilweise starren Strukturen im Polizeiberuf nicht zusagten, sodass ich die Einstellungstests zwar recht gut abschloss, mich aber dennoch von der Idee des Polizeiberufs abwandte.

Diese Entscheidung wurde mir durch meine Arbeit in der Tagesbildungsstätte zusätzlich erleichtert, da mir die Arbeit mit und für Kinder sinnhaltiger erschien und es mir ebenfalls unheimlichen Spaß bereitete, Tag für Tag die Arbeit der Lehrer und Erzieher zu begleiten und selber im Unterricht mitwirken zu dürfen.

Zudem kommt noch mein soziales Engagement in der Jugendarbeit, wo ich als Gruppenleiter seit nunmehr fünf Jahren Freizeiten und Ferienlager für Kinder und Jugendliche vorbereite und begleite. Durch diese Arbeit ist mir in den letzten Jahren auch in etwa bewusst geworden, was mich im Lehrerberuf erwarten würde, welche Probleme bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auftauchen.

Ein weiterer nicht unerheblicher Faktor für meine Studienwahl ist die Perspektive, die einem der Lehrerberuf bietet, da ich am eigenen Leib erfahren habe, wie wichtig ein sicherer, zukunftsträchtiger Beruf im Leben ist und wie schwierig es sein kann, wenn man ständig um seinen Arbeitsplatz bangen muss.

Neben den genannten Punkten spielten für mich bei der Studienwahl auch das Interesse an der Fachwissenschaft meiner Studienfächer Englisch und Sozialwissenschaft eine große Rolle, denn neben der Tatsache, dass ich eines Tages vor einer Klasse stehen werde, ist es natürlich auch wichtig, dass ich mich jetzt und heute selbst weiterbilde.

2. Meine Vorstellung von Schule

Zunächst muss ich sagen, dass die Vorstellung von Schule nach 13 Jahren Schule natürlich auch immer beeinflusst wird von vielseitigen eigenen Erfahrungen, die man in seiner Schulzeit gemacht hat. Dieses muss nicht unbedingt von Nachteil sein, da ich in vielen Situationen – sei es im oder außerhalb des Unterrichts – gedacht habe, dass etwas gut war oder dass man etwas besser hätte machen können.

Was meines Erachtens nach sehr wichtig für einen Lehrer sein sollte, ist, dass er sich selbst nicht immer nur als Lehrer, sondern auch als Lernender sieht, der wenn möglich ein Team mit seinen Schülern bildet, wobei natürlich die nötige Distanz bewahrt werden sollte. Wenn er diesem Teamgedanken im Laufe seines Unterrichts folgt, so denk ich, dass dies das Schulleben durchaus erleichtern könnte.

Des Weiteren sollte der Lehrer versuchen, den Schülern genauso viel Respekt entgegenzubringen wie es umgekehrt der Fall ist. Nur so ist denke ich eine ertragreiche, friedliche Zusammenarbeit möglich, nur auf diese Weise wird es der Lehrer schaffen können, den Schülern nicht nur Wissen, sondern auch Kompetenzen im sozialen Bereich zu vermitteln.

Was mir an dem Unterricht sowohl an meiner Praktikumsschule als auch an meiner ehemaligen Schule aufgefallen ist, war die relativ strickte Planung des Unterrichts. Natürlich sollte sich der Unterricht nach Möglichkeit an einem roten Faden orientieren, allerdings bin ich der Meinung, dass die Schüler in passenden Situationen und natürlich nur, wenn es thematisch passt, den Unterricht beeinflussen oder sogar lenken dürfen. Wenn ich als Lehrer den Eindruck habe, dass die Schüler dennoch etwas aus dem Unterricht mitnehmen, so sollte ich es meiner Meinung nach unterlassen, jeden Versuch der Schüler den Unterricht in eine andere Richtung zu lenken, zu unterbinden.

Ein weiterer Punkt, der mir im Bezug auf das Verhältnis Lehrer-Schüler einfällt ist, dass die Schüler häufig regelrecht Angst vor der Lehrperson haben. Dieses kann meiner Meinung nach keine gute Grundlage für eine gedeihliche Lernatmosphäre sein.

In diesem Zusammenhang spielt erneut der Faktor Zusammenarbeit eine große Rolle, Lehrer und Schüler sollten offen miteinander kommunizieren um somit einem zu starken Autoritätsgefälle vom Lehrer zu den Schülern aus dem Weg zu gehen. Dieses setzt natürlich – wie die meisten der oben genannten Punkte – einen starken Willen aller Beteiligten voraus, also nicht nur der Lehrer und Schüler, sondern auch der Eltern.

3.1 Meine Praktikumsschule: Realschule XY

Nachfolgend werde ich meine Praktikumsschule vorstellen, die sich in dem kleinen Ort , nahe der niederländischen Grenze im Emsland befindet.

Die Realschule XY bietet etwa 400 Jungen und Mädchen in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 die Möglichkeit den einfachen, oder den erweiterten Realschulabschluss zu machen. Den Schülern stehen etwa 20 Lehrkräfte gegenüber. Einen Sozialpädagogen gibt es an dieser Schule nicht, jedoch ist es bei schwerwiegenden Problemen möglich, den Sozialpädagogen der örtlichen Hauptschule zu Rate zu ziehen.

Insgesamt hatte ich jedoch den Eindruck, dass das Schulklima an der Schule sehr gut ist. In einem Gespräch mit der Direktorin bestätigte diese mir diesen Eindruck, und auch die Schulinspektion im Januar 2007 habe das Klima an der Schule als äußerst positiv bewertet.

Im Laufe des Schuljahres hat die Realschule XY mit der Ausarbeitung eines Schulprogramms begonnen. Der Leiter der Steuergruppe, Herr XY, bot mir an, an einer Sitzung zur Erarbeitung eines Leitbildes der Schule teilzunehmen. Ein Protokoll dieser Sitzung befindet sich im Anhang.

Zum Fächerangebot ist zu sagen, dass das Fach Englisch ab der 5. Klasse durchgängig bis zur Klasse 10 angeboten wird. Zusätzlich können die Schüler in der 7. Klasse so genannten Wahlpflichtkurse (WPK) wählen, zur Auswahl stehen dann Französisch, Politik, Kunst und Geschichte, wobei Französisch in vier und Politik, Kunst und Geschichte in jeweils zwei Stunden pro Woche unterrichtet wird. Zusätzlich zu den verpflichtenden Kursen, bietet die Realschule XY Förderkurse für die 8. Klassen im Fach Englisch in zwei Stunden in der Woche an, die von den Schülern laut Konrektor gut angenommen werden.

Im Bezug auf die Berufvorbereitung sind für jeden Schüler der 7. und der 9. Klasse zwei Praktika verpflichtend, an die sich eine Reflexion in Form einer Praktikumsmappe und einer Powerpoint-Präsentation anschließt. Hierzu mehr unter dem Punkt 3.3.1.

Zum Schulgelände der Schule gehört ein großer, gepflasterter Hof im vorderen Bereich der Schule mit Tischtennisplatten, Bänken und Fahrradständern. Im hinteren Teil des Schulgeländes befindet sich eine große Grünfläche mit Fußballtoren, einem Basketballfeld, einem Volleyballfeld sowie einer Kletterwand, die durch eine Elterninitiative verwirklicht werden konnte. In einem von einem Wäldchen abgetrennten Bereich des Schulgeländes befindet sich ein grünes Klassenzimmer, das neben einem Sitzkreis aus Baumstümpfen ein Biotop sowie mehrere Vogelkästen beinhaltet und im Sommer gerne genutzt wird.

3.2 Beobachtungsschwerpunkt I:

Im ersten ausführlicheren Teil meines Praktikumsberichtes geht es um meinen Versuch eigenen Unterricht in einer neunten Klasse im Fach Englisch zu halten. Ich werde versuchen meinen ersten Unterrichtsversuch anhand der zehn Merkmale für guten Unterricht aus Hilbert Meyers Werk „Was ist guter Unterricht?“ zu analysieren und zu reflektieren. Aufgrund des Umfangs und der vielen verschiedenen Indikatoren, Ratschläge und Prinzipien, die Hilbert Meyer nennt, werde ich mich in den meisten Fällen auf wenige Punkte beschränken müssen.

Den Englischlehrer der Klasse XY, Herrn XY, bat ich im Verlauf meiner Praktikumszeit, in einen Sitzplan den Leistungsstand im Fach Englisch einzutragen, damit ich mir ein besseres Bild von der Klasse machen konnte. Bevor ich meine Englischstunde an einem Dienstag in der sechsten Stunde abhielt, hatte ich die Klasse bereits ein paar Tage durch den gesamten Schulalltag begleitet, um einerseits die Namen der Schüler zu lernen, andererseits aber auch Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler herauszufinden.

3.2.1 Reflexion meiner Englischstunde anhand von „Hilbert Meyer, Was ist guter Unterricht“?

Klare Strukturierung des Unterrichts

Hilbert Meyer definiert die klare Strukturierung des Unterrichts folgendermaßen:

„Unterricht ist dann klar strukturiert, wenn das Unterrichtsmanagement funktioniert und wenn sich ein für Lehrer und Schüler gleichermaßen gut erkennbarer roter Faden durch die Stunde zieht.“[1]

Dieser rote Faden bezieht sich laut Hilbert Meyer auf die didaktisch-methodische Linienführung des Unterrichts, die im Weiteren unterteilt und erklärt werden.

Unter anderem wird im Folgenden von der Aufgabenklarheit gesprochen. In meiner Unterrichtsvorbereitung und in einer kurzen Vorbesprechung des Unterrichts mit meinem Mentor habe ich großen Wert darauf gelegt, dass die Schüler in der Stunde immer wissen, wie sie dran sind und was sie als nächstes tun sollen. Erschwerend kam jedoch dazu, dass ich meinen Unterricht in englischer Sprache gehalten habe, allerdings muss ich sagen, dass ich wirklich positiv von den Englischkenntnissen der Schüler überrascht war, sodass die Kommunikation letztlich kein Problem war. Letztendlich wechselte ich nur in die deutsche Sprache, wenn Vokabeln auch nach dem Versuch sie im Englischen zu paraphrasieren nicht verstanden wurden.

Insgesamt möchte ich also sagen, dass die Aufgaben, die ich den Schülern stellte, wirklich gut angenommen und verstanden wurden. Ich habe darauf verzichtet, den Schülern gleich zu Beginn der Stunde den Verlauf der Stunde vorwegzunehmen. Stattdessen stellte ich mich vor, erklärte den Schülern, warum ich nun vor ihnen stehe und fand den Einstieg in die Thematik mit einem Bild, das ich als Impulsgeber für ein sich daran anschließendes Gedicht nutzte.

Im Anschluss daran ließ ich je einen Schüler eine Strophe des Gedichts vorlesen. Nach jeder Strophe gab ich den Schülern die Möglichkeit, unbekannte Vokabeln zu erfragen oder Verständnisprobleme aus dem Weg zu räumen.

Da einige Tage später eine Klassenarbeit mit dem Thema „direct/indirect speech“ anstand, bat ich die Schüler danach in Gruppenarbeit jeweils eine Strophe in die indirekte Rede umzuschreiben. Die sechs Strophen wies ich den ebenfalls sechs Gruppen zu, damit es nicht zu Irritationen kommen konnte. Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen wurden dann im Klassenplenum vorgestellt, korrigiert und hinterfragt.

Am Ende der Stunde gab ich den Schülern dann die Möglichkeit, etwaige Fragen zu stellen, bedauerlicherweise fehlte hierfür jedoch zum Ende hin etwas die Zeit.

Hoher Anteil echter Lernzeit

Bei diesem Punkt werde ich mich auf die von Hilbert Meyer angegebenen Ratschläge beziehen, die die echte Lernzeit erhöhen sollen.[2]

Dies beginnt bereits mit der Pünktlichkeit aller am Unterricht beteiligten. Im Gegensatz zu einer Vielzahl von Stunden, die ich in der XY erlebt habe, kam es in meiner Unterrichtsstunde glücklicherweise nicht zu Verspätungen.

Da mir bewusst war, dass ich die Zeit für meinen Stoff relativ knapp berechnet hatte, musste ich auch Fragen einiger Schüler bezüglich des anstehenden Grillfestes (Meyer benennt derartige Fragen mit dem englischen Begriff „non-instructional activities“[3] ) abwehren und die Schüler auf die nächste Stunde bei ihrem Fachlehrer, Herrn XY, verweisen. Dieser war zwar im Raum anwesend, ich hatte jedoch im Vorhinein mit ihm die Abmachung getroffen, dass er sich komplett aus dem Unterrichtsgeschehen raus hält und sich lediglich um die Bewertung meines Unterrichts kümmert.

Was mich letztlich dann doch etwas gestört hat, war, dass Herr XY mitten im Unterricht für kurze Zeit den Raum verließ, ohne das dieses vorher mit mir abgesprochen war. Sein Verhalten brachte für einen kurzen Moment Unruhe in die Stunde und wenn man sehr genau ist könnte man hier von einer Verkürzung der echten Lehrzeit sprechen, denn nicht selten werden solche Momente von den Schülern ausgenutzt um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

In meiner Stunde legte ich weiterhin Wert darauf, dass der Stoff bei jedem Schüler ankam. Ich wusste um die Schwächen einiger Schüler, und versuchte sie während der Gruppenarbeit gezielt zu beobachten und ihnen zur Seite zu stehen, genauso wie ich mich aber auch um den Rest der Klasse kümmerte, Fragen beantwortete und Lob aussprach. Obwohl ich den Plan für meine Stunde im Hinterkopf hatte, wollte ich besonders auch im Hinblick auf die anstehende Arbeit vermeiden, dass Fragen offen blieben oder einige Schüler die Bildung der indirekten Rede nicht verstanden.

Meyer fasst dieses unter dem Stichpunkt „Lob der Langsamkeit“ zusammen, bei dem es nicht darum geht, dass der Lehrer ständig den Zeitmeister spielt, sondern sich auch bei knapper Zeit darum kümmern soll, dass der Stoff bei allen Kindern ankommt.[4]

Lernförderliches Klima

Auch hier gibt Hilbert Meyer wieder eine Erläuterung, wonach sich der Begriff Klima bzw. Unterrichtsklima durch eine humane Qualität der Beziehung zwischen Schülern und Lehrern und Schülern und Schülern auszeichne.

Die Beziehung zwischen den Schülern würde ich in dieser Klasse als durchaus human bezeichnen, weder in meiner Stunde noch in einer der Stunden, die ich als Gast in der XY erleben durfte, gab es unter den Schülern Konflikte oder ähnliches.

Das einzige, was mir auffiel, war die Außenseiterrolle des Schülers XY, der in keiner Weise in die Klassengemeinschaft integriert war. In den Pausen beschäftigte er sich mit seinem kleinen Bruder, der ebenfalls die Realschule besucht und in den Stunden wurde er von seinen Mitschülern nicht weiter beachtet.

Auf meine Frage hin, wie denn XYs Rolle in der Klasse zu beurteilen sei, antwortete mir die Klassenlehrerin Frau XY lediglich, dass er schon immer die Außenseiterrolle inne hätte und niemand so richtig wüsste, was denn mit ihm los sei. XY sei eben noch nicht so weit entwickelt wie die anderen Kinder in seinem Alter und habe andere Interessen. Es werde jedoch ständig versucht, eine Integration in die Klassengemeinschaft zu erreichen, erklärte mir Frau XY weiter.

[...]


[1] Vgl. „Was ist guter Unterricht?“, Hilbert Meyer, S.26, Cornelsen, Berlin 2004.

[2] Vgl. „Was ist guter Unterricht?“, Hilbert Meyer, S.45, Cornelsen, Berlin 2004.

[3] Ebd.

[4] Vgl. „Was ist guter Unterricht?“, Hilbert Meyer, S.46, Cornelsen, Berlin 2004.

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656613312
ISBN (Buch)
9783656613237
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267376
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Zentrum für Lehrerbildung - Bereich Praxis
Note
2,0
Schlagworte
praktikumsbericht realschule rahmen orientierungspraktikums

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