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Aufstrebende Regionen für Auslandsverlagerungen deutscher Unternehmen unter dem Gesichtspunkt der Logistik

Bachelorarbeit 2013 55 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau

2. Unternehmensverlagerungen als Teil der Globalisierung
2.1 Begriffserklärung
2.1.1 Outsourcing
2.1.2 Abgrenzung zwischen Offshoring und Outsourcing
2.2 Historische Hintergründe der Globalisierung
2.2.1 Technische Innovationen
2.2.2 Liberalisierung der Märkte
2.2.3 Standardisierung von Gütern und Prozessen

3. Motive und Risiken einer Auslandsverlagerung
3.1 Motive eine Auslandsverlagerung
3.1.1 Kosteneinsparmotive
3.1.2 Absatzmotive
3.1.3 Beschaffungsmotive
3.1.4 Sonstige Motive
3.2 In Abhängigkeit von Unternehmensgröße und Branche
3.2.1 Größe der verlagernden Unternehmen
3.2.2 Branche der verlagernden Unternehmen
3.3 Risiken einer Auslandsverlagerung

4. Aufstrebende Regionen unter dem Gesichtspunkt der Logistik
4.1 Global Services Location Index eine Erhebung von A.T. Kearney
4.2 Logistics Performance Index eine Erhebung der World Bank
4.3 Verknüpfung der 1. und 2. Erhebung
4.4 Analyse nach Gesamtpunkten und Entwicklungspotenzial
4.4.1 Analyse nach Gesamtpunktzahl
4.4.2 Analyse nach Entwicklungspotenzial

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Outsourcing - strukturierte Darstellung

Abbildung 2: Offshoring vs. Outsourcing

Abbildung 3: Illustration unterschiedlicher Offhoring-Formen aus der Perspektive Deutschlands

Abbildung 4: Darstellung der Internetnutzer weltweit

Abbildung 5: Güterverkehr in Deutschland, in Anlehnung an VDA

Abbildung 6: Entwicklung von Weltwirtschaft und Welthandel 1960 bis

Abbildung 7: Verlagerungsmotive deutscher Unternehmen

Abbildung 8: Arbeitskosten in der Privatwirtschaft Euro/Stunde im Vergleich

Abbildung 9: Absolventenzahlen des Studienfachs Informatik 2000 bis

Abbildung 10: Zeitliche Entwicklung der Anteile von Größenklassen an Auslandsverlagerungen

Abbildung 11: Faktoren für eine Entscheidung gegen eine Verlagerung

Abbildung 12: Vorgehen bei der Verknüpfung der Daten

Abbildung 13: Übersicht der Gewichtung der 1. und 2. Erhebung

Abbildung 14: Offshoring Ländern unter dem Gesichtspunkt der Logistik im Vergleich nach Punkten zwischen 2007 -2012

Abbildung 15: Entwicklung von Offshoring Ländern unter dem Gesichtspunkt der Logstik 2007-2012 in Prozent

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auslandsverlagerung nach Branchen im Jahr

Tabelle 2: Aufstellung der Bewertungskriterien des Global Services Location Index

Tabelle 3: Top 10 Offshoring-Länder

Tabelle 4: Top 10 Länder nach Logistik Leistung

Tabelle 5: Beispieltabelle zum Aufbau der Excel Datei, Offshoring Länder 2007-2011

Tabelle 6: Beispieltabelle zum Aufbau der Excel Datei, Logistik Leistung 2007-2012

Tabelle 7: Beispieltabelle zum Aufbau der Excel Datei, Übersicht der Datenverknüpfung

Tabelle 8: Beispieltabelle zum Aufbau der Excel Datei, Übersicht Gesamtergebnis

1. Einleitung

Das folgende erste Kapitel formuliert die Einführung in das Thema dieser Arbeit. Anschließend wird auf die Zielsetzung und den Aufbau der Arbeit näher eingegangen.

1.1 Einführung

Um den Kundenbedürfnissen und den Herausforderungen der internationalen Konkurrenz gerecht zu werden, reicht in vielen Branchen der reine Export von Waren und Dienstleistungen nicht mehr aus. Durch die zunehmende Globalisierung ist ein offener Wettbewerb entstanden, der viele deutsche Unternehmen zwingt ihren organisatorischen Unternehmensaufbau zu überdenken.[1]

Unternehmen müssen zur Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit die Vorteile von internationalen Standorten durch Investitionen ins Ausland nutzen. Die Auslandsverlagerung von Vertrieb- und Produktionsstandorten in so genannte Niedriglohnländer sehen viele Unternehmen als Möglichkeit Kosten einzusparen und neue Märkte zu erschließen. So gelingt es dem Wettbewerbsdruck standzuhalten und sein Bestehen zu sichern.[2] Neben dem Einsparpotenzial in Ländern mit niedrigen Kosten für Arbeit, gilt es jedoch auch die Qualität und die Flexibilität bei der Steuerung, Bereitstellung und Optimierung von Prozessen der Güter-, Informations- und Lieferkette zu gewährleisten.[3]

Eine perfekt abgestimmte und funktionierende Logistik ist aus diesem Grund in Zeiten von globalen Warenströmen für viele Unternehmen unverzichtbar geworden. Unternehmen sind heutzutage leichter als bisher ins Ausland zu verlagern. Doch in den Ländern der ersten großen Verlagerungswellen zeichnen sich heute weitreichende Veränderungen ab. Eine Verlagerung z. B. nach Polen, Tschechien oder Ungarn lohnt sich für deutsche Unternehmen immer weniger, da sich die Kosten in diesen Ländern immer mehr westlichen Standards angleichen.[4] Zurzeit erfolgt eine Neupositionierung der Länder die für eine Auslandsverlagerung von besonderem Interesse sind.

1.2 Zielsetzung

Diese Bachelorarbeit spricht bewusst Entscheider im wirtschaftlichen Umfeld an. Die Analysen bieten eine Hilfestellung und ermöglichen es dem Leser, konkrete Schlüsse für strategische Entscheidungen zu ziehen. Der Fokus dieser Arbeit richtet sich darauf attrak- tive Regionen für eine Auslandsverlagerung aufzuzeigen, gleichzeitig aber auch eine hohe Qualität der Logistik in der Auslagerungsregion zu gewährleisten. Zum Beispiel ist es wenig vorteilhaft ein Unternehmen in ein attraktives Niedriglohnland auszulagern und ganz auf die Leistung der logistischen Versorgung zu verzichten. Genauso ist es wenig vorteilhaft nur allein von der hohen Leistung der logistischen Versorgung in Deutschland zu profitieren. Ziel ist es durch Verknüpfung beider Aspekte einen Mittelweg zu finden. Durch die immer spezifischeren Anforderungen der Unternehmen und Kunden steigen auch die Anforderungen an die Logistik kontinuierlich.[5] Entwicklungsländer mit positi- vem Entwicklungspotenzial in beider Hinsicht werden hierbei als aufstrebende Region bezeichnet. Die vorgestellten Analysen in dieser Arbeit liegen zwei Erhebungen zugrun- de, die in dieser Arbeit ausgewertet, miteinander verknüpft und vorgestellt werden.

Des Weiteren findet diese Arbeit Antworten auf die folgenden Fragen:

- Outsourcing oder Offshoring, was ist was im Begriffsdickicht?
- Wann ist aus historischer Sicht die Globalisierung entstanden und was hat zu Ihrer Entwicklung beigetragen?
- Welche Motive führen zur Entscheidung für eine Auslandsverlagerung deutscher Unternehmen?
- Welche Risiken birgt eine Auslandsverlagerung und wann gehen Unternehmen diese Risiken trotzdem ein?

1.3 Aufbau

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit verschiedenen Begriffsdefinitionen, die nötig sind, um eine Verwirrung bei sehr ähnlichen und schwer abzugrenzenden Fachbegriffen zu vermeiden. Weiter im zweiten Kapitel wird die historische Entstehung der Globalisierung erläutert und deren Gründe für heutige Unternehmensverlagerungen ins Ausland mit Da- ten und Fakten belegt.

Das dritte Kapitel befasst sich mit den Motiven, welche deutsche Unternehmen dazu veranlassen Unternehmen oder Unternehmensbereiche ins Ausland zu verlagern. Hierbei werden die Motive ausführlich dargestellt und weiterführende Informationen geliefert. Im Weiteren werden Unternehmen abhängig von Größe und Branche dargestellt, die trotz diverser Risiken bereit sind ins Ausland zu gehen.

Das vierte Kapitel bildet den Kern dieser Arbeit. Hier werden zunächst zwei Erhebungen mit ihren spezifischen Kriterien aus unterschiedlicher Sicht unter die Lupe genommen, um diese anhand eigener Berechnungen miteinander zu verknüpfen. Anschließend erfolgt eine Auswertung dieser Datenverknüpfung, wobei sich ein Ausblick in die Zukunft her- auskristallisiert.

Im fünften und letzten Kapitel werden die Erkenntnisse dieser Arbeit kurz zusammengefasst und ein Ausblick zum Thema Auslandsverlagerung unter dem Gesichtspunkt der Logistik gegeben.

2. Unternehmensverlagerungen als Teil der Globalisierung

2.1 Begriffserklärung

Zum besseren Verständnis verschiedener Sachverhalte erfolgt zunächst eine Erläuterung wichtiger Begrifflichkeiten. Die Begriffe Offshoring und Outsourcing werden oft irrtümlich, gleichbedeutend für eine Verlagerung ins Ausland behandelt.[6] Diese Verwirrung soll mit den folgenden Begriffserläuterungen aufgelöst werden.

2.1.1 Outsourcing

Die Definition des Begriffs Outsourcing entstand aus einer in den USA geprägten Wirt- schaftsvokabel uns setzt sich aus den Worten outside, resource und using zusammen. Übersetzungen wie Ausgliederung, Fremdbeschaffung, Fremdbezug, Externalisierung haben sich im deutschen Sprachgebrauch nicht durchgesetzt.[7] Seit in den 1989er-Jahren, dass Konzept des Outsourcing seinen Weg nach Europa gefunden hat, ist seine Populari- tät in multinationalen wie auch in mittelständischen Unternehmen gestiegen. Sinngemäße Übersetzungen sind unter anderem „Mittel von außen gebrauchen“[8], „Nutzung externer Ressourcen“[9] oder „Ressourcen in die Verantwortung dritter übergeben“[10].

Outsourcing stellt eine Möglichkeit zur wirtschaftlichen Optimierung von Unternehmens- strukturen, Funktionen und Prozessen dar. Die Optimierung erfolgt durch die Nutzung von externen Dienstleistungs- oder Produktionsangeboten an der Stelle der bisherigen Inanspruchnahme interner Funktionseinheiten.[11] „Im Gegensatz zum reinen Fremdbezug von Leistungen oder Produkten („buy“ anstelle von „make“), beinhaltet Outsourcing dar- über hinaus die Fremdausübung von betrieblichen Funktionen oder Teilfunktionen durch ein externes Unternehmen unter Beibehaltung der internen Verantwortung für Planung und Kontrolle der Funktionsausübung. Dies alles ist mit dem Ziel verbunden die eigene Leistung zu verbessern“.[12]

Outsourcing Maßnahmen sind meist mit einer internen Strukturierung verbunden wobei Teile des Unternehmens oder des Betriebs zunächst intern organisatorisch abgegrenzt und danach ausgegliedert oder ausgelagert werden. Im Anschluss erhält der fremde Dienst- leister den Auftrag zur Leistung bzw. Lieferung zu einem bestimmten Zeitpunkt unter einem vereinbarten Preis, im Rahmen eines Dauerschuldverhältnisses. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die wesentlichen Kennzeichen des Outsourcings aus dem Fremdbezug von unternehmensinternen Leistungen und des Dauerschuldver- hältnisses mit einem externen Geschäftspartner bestehen.[13] „Eine gesetzliche Definition des Begriffs gibt es nicht.“[14]

Formen des Outsourcing

„Mit den Jahren hat sich eine Vielfalt an verschiedenen Outsourcingformen herausgebil- det, die zwar immer noch mit dem Grundgedanken der Nutzung externer Ressourcen nach vorheriger Nutzung interner Ressourcen zur Erstellung von Leistungen in Verbin- dung steht, jedoch auch immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Einflussfaktoren des Einsatzbereiches zu betrachten ist“.[15] Abhängig von den Elementen der Wertschöp- fungskette die in Zukunft fremd bezogen werden sollen, gestaltet sich auch die Form des Outsourcing.

So stellte Holger von Jouanne Diedrich (2004) in seiner Publikation „15 Jahre Outsourcing-Forschung“ fest, dass fast 40 unterschiedliche Begriffe für Outsourcing bestehen.[16] Abbildung 1 zeigt im Folgenden grundsätzliche Varianten des Outsourcings in Ihrer Abhängigkeit von verschiedenen Rahmenbedingungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Outsourcing - strukturierte Darstellung

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Hollekamp 2005, S. 26)

Grundsatzentscheidung

Die Übertragung von Leistungen, Funktionen oder Prozessen kann intern erfolgen in ein kapitalmäßig verbundenes Unternehmen z. B. Tochtergesellschaft oder extern in ein rechtlich selbständiges und kapitalmäßig unabhängiges Unternehmen.[17]

Grad der Wertschöpfung

Die Wertschöpfungstiefe beschreibt den Grad, der ausgelagerten Prozesse am Kerngeschäft des Unternehmens. Ein kernnahes Outsourcing steht für den hohen Stellewert des Unternehmens, während beim kernfernen Outsourcing nur Unterstützungs- und Steuerungsprozesse zum Partner ausgelagert werden.[18]

Organisationsstruktur

Die Struktur des Outsourcings steht in Abhängigkeit zu der im Unternehmen vorherrschenden Organisationsstruktur in Funktionen oder Geschäftsprozessen.[19]

Standort

Die Ausprägung Standort führt zur geographischen Reichweite der Sourcing-beziehung.[20]

Zeitliche Entwicklung

Hierbei wird das Outsourcing als Prozess gesehen. Dieser beginnt bei der internen Leistungserstellung (Insourcing) über die Auslagerung der Leistung (Outsourcing) bis hin zur Beendigung der Zusammenarbeit durch anforderungsgerechte Lieferung oder das Scheitern des Projektes (Backsourcing).[21]

Grad des externen Leistungsbezugs

Der prozentuale Anteil des Outsourcings wird hierbei in Relation zum Gesamtbudget gestellt. Bei hundertprozentiger Verwendung des Budgets wird bei Eigen- oder bei Fremderstellung von kompletten In- bzw. Outsourcing gesprochen.[22]

Anzahl der Leistungsersteller

Während bei Single Sourcing der Leistungsbezug durch einen Partner durchgeführt wird, erfolgt dieser bei Multisourcing durch mehrere Anbieter.[23]

Outsourcingform

Steht für die eine interne oder externe Leistungsvergabe. Diese kann bei der externen Form in ein verbundenes Unternehmen ausgegliedert werden oder aber auch das kom- plette Outsourcing, im Rahmen dessen alle Leistungen an Dritte ausgelagert werden.[24]

2.1.2 Abgrenzung zwischen Offshoring und Outsourcing

Das Offshoring ein Teil des Outsourcings ist, war bereits in Abbildung 1 unter dem Kriterium „Standort“ zu sehen. Der Begriff Offshoring hat seinen Ursprung im englischen Wort „offshore“, was „ablandig“ oder freier übersetzt „vor der Küste“ bedeutet. In Gebiete der karibischen Inseln, wurden in den 70er- und 80er Jahren einfache Datenerfassungsdiente von US-amerikanischen Unternehmen verlagert.[25]

Unter Offshoring versteht man daher die Ausführung einer betrieblichen Aktivität außerhalb des Stammlandes des Unternehmens. Es ist somit eine Form der Auslagerung von Aufgaben aus Unternehmen der Hochlohnländer in Niedriglohnländer, sowie die Nutzung von Ressourcen der Offshoreländer. Die Leistungen vor Ort können von dem eigenen Unternehmen heraus oder von externen Anbietern übernommen werden.[26] Im Offshoring lassen sich auch wie oben schon erwähnt einige Formen aufzeigen. Die folgende Abbildung 2 dient als Überblick der Offshoring Formen, gegliedert nach den zwei Kriterien Standort und Grundsatzentscheidung.

Offshoring und Outsourcing sind zwei verschiedene Dimensionen in der Optimierung von Geschäftsprozessen im Unternehmen. Der Unterschied besteht darin, dass sich das Offshoring auf die Verlagerung ins Ausland beschränkt während Outsourcing sowohl ausländische als auch inländische Vertragspartner beinhaltet. Offshoring heißt aber nicht nötiger Weise Outsourcing und kann sowohl intern als auch extern geschehen.[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Offshoring vs. Outsourcing

(Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Hartmann 2010, S. 5)

Des Weiteren wird, abhängig vom Standort des Unternehmens und dem Ort der Erbrin- gung, zwischen Farshoring, Nearshoring und Onshoring-Ländern, differenziert in Ab- hängigkeit zur geografischen Nähe und zum Land des auslagernden Unternehmens. Als Farshoring Länder werden Länder bezeichnet, wenn auf einen anderen Kontinent ausge- lagert wird. Beim Nearshoring wird im Gegensatz zum Farshoring innerhalb eines Konti- nents, aber außerhalb eines Landes, verlagert. Onshore steht für die Leistungserbringung innerhalb des gleichen Landes, in dem auch der Unternehmensstandort liegt.[28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Illustration unterschiedlicher Offhoring-Formen aus der Perspektive Deutschlands (Quelle: Hutzschenreuter/Dresel/Ressler 2007, S.24)

Mit diesen Möglichkeiten stellt sich für Unternehmen nicht nur die Frage, ob sie ihre Leistungen selbst erstellen oder extern erstellen lassen (Outsourcing-Frage bzw. Make- or-Buy-Frage), sondern auch, wo die Leistung erstellt wird (Offshoring-Frage). Dieser zusätzliche Gestaltungsraum stellt für Unternehmer ein großes Potenzial zur Profitabili- tätssteigerung dar.

Diese Bachelorarbeit beleuchtet die Auslagerung ins Ausland (Offshoring), unabhängig davon, ob die ausgegliederte Leistung selbst (Capative Offshoring) oder fremd (Offshore Outsourcing) bezogen wird.

2.2 Historische Hintergründe der Globalisierung

Der Begriff der Globalisierung ist ein Megabegriff wie in folgender Textpassage ausge- führt wird. „Globalisierung, dieser Begriff ist ebenso diffus und mehrdeutig, wie die Dis- kussion darüber vielschichtig und kontrovers verläuft. In den 1990ern war Globalisierung plötzlich das moderne Schlagwort schlechthin. [...] Kaum ein Ausdruck in der Moderne ist gleichzeitig so bekannt, wie unbekannt. Und weil man mittlerweile so gut wie alle Tendenzen der Gegenwart und der Zukunft auf diesen Begriff reduzieren und damit legi- timieren und erklären kann, wächst natürlich auch die Skepsis der Wissenschaft gegenüber einem solchen Megabegriff“.[29]

Zu definieren ist die Globalisierung als ein Vorgang, der zunehmenden weltweiten Ver- flechtung, in den Bereichen der Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation. Sie ist nicht nur als Phänomen jüngeren Datums zu sehen, sondern steht in Bezug histo- risch gewachsener Strukturen wie Staat, Wirtschaftssystem und Kultur und reicht bis ins 15. Jahrhundert.[30] Es gibt unterschiedliche Thesen, wann die Geschichte der Globalisie- rung begonnen hat. Dabei haben sich 3 wichtige Globalisierungsphasen herausgebildet:

1. Globalisierung als Integrationsprozess der Menschheit seit ihrer Existenz
2. Expansion Europas in die ganze Welt zu Beginn des 15. Jahrhunderts
3. Nach dem Ersten Weltkrieg durch Unterbrechung des Zweiten Weltkriegs[31]

Um die Globalisierung zu ermöglichen, mussten zunächst entsprechende Faktoren geschaffen werden. Wirtschaftshistoriker bezeichnen diese Faktoren für die oben genannten Globalisierungsphasen als Globalisierungswellen. Es gibt eindeutige Faktoren, die verstärkte internationale Zusammenarbeit begünstigen.

Für die jüngste Globalisierungswelle steht als wesentlicher Bestandteil die technische Innovation, genauer gesagt die Entwicklung in IT und Telekommunikation. Als weitere Welle ist die Liberalisierung der Märkte zu nennen.[32] Im Folgenden wird auf die genannten Globalisierungswellen genauer eingegangen.

2.2.1 Technische Innovationen

Wesentlicher Auslöser für die Veränderungen der örtlichen Erbringung von Tätigkeiten ist der technische Fortschritt in der IT und der Telekommunikation. Erst durch das Tele- fon und den Computer war es möglich geworden, sich zeitnah über große Entfernungen auszutauschen. Hervorzuheben ist hier die Digitalisierung von Dokumenten, eine digitale Durchführung von Prozessen, sowie die Archivierung von Daten in globalen Datenban- ken. [33] „Breitbandige Datenleitungen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Inter- nets ermöglichen den Zugriff auf Datenbanken von nahezu jedem beliebigen Ort der Welt.“[34] Aufgrund dieser örtlichen Unabhängigkeit ist es immer interessanter geworden Tätigkeiten in Entwicklungs- und Schwellenländern zu erbringen. Nicht nur eine rasche Entwicklung der Netzwerke in den Hochlohnländern sondern auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern verhalf den Billiglohnländern zu deren Eignung als Offshorin- standort.[35]

Das Internet hat dabei den größten Beitrag zu der raschen Modernisierung der Kommunikationssysteme beigetragen, wie in Abbildung 4 deutlich erkennbar ist.

Internetnutzer weltweit in Mio. 1993 - 2010

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Darstellung der Internetnutzer weltweit

(Quelle: Jutta Croll Stiftung Digitale Chancen 2010,

http://www.digitale-chancen.de/content/stories/index.cfm/key.2614/secid.16/secid2.48, Zugriff am: 19.12.2012)

Ein weiterer Punkt der einer technischen Innovation zu Grunde liegt ist die Vergünstigung von Energie und die Entwicklung im Gütertransport, der es möglich gemacht hat, über weite Entfernungen Güter, Menschen und Informationen per Flugzeug, Kraftfahrzeug oder Schiff zu transportieren.[36] Abbildung 5 zeigt den stetigen Zuwachs am Güterverkehr in Deutschland bis 2025 in Milliarden Tonnenkilometern (1 Tonnenkilometer = Beförderung von Gütern im Gewicht von 1 t über 1 km)

[...]


[1] Vgl. Autschbach 1997, S. 1.

[2] Vgl. Ebenda.

[3] Vgl. Lais Systeme 2009, S. 149.

[4] Vgl. Kaufmann/Panhans 2006, S. 238 f.

[5] Vgl. Jauernig/Reisch/Stoll 2004, S. 149.

[6] Vgl. Dressler 2007, S. 122.

[7] Hermes/Schwarz 2005, S.15

[8] Müthlein/Heck 2010, S. 11.

[9] Vgl. Definition im Brockhaus

[10] Köhler-Frost 2005, S. 11.

[11] Vgl. Horchler 1996, S. 1.

[12] Balze/Rebel/Schuck 2007, S. 1.

[13] Vgl. Horchler 1996, S. 2.

[14] Balze/Rebel/Schuck 2007, S. 2.

[15] Brödner 2005, S. 15.

[16] Von Jouanne Diedrich 2004, S. 127.

[17] Vgl. Behrendt/König/Krystek 2009, S. 41 ff.

[18] Vgl. Ebenda.

[19] Vgl. Ebenda.

[20] Vgl. Ebenda.

[21] Vgl. Ebenda.

[22] Vgl. Ebenda.

[23] Vgl. Behrendt/König/Krystek 2009, S. 41 ff.

[24] Vgl. Ebenda.

[25] Vgl. Wenning 2008, S. 17.

[26] Vgl. Schaaf 2004, S. 2.

[27] Vgl. Ebert 2006, S. 13.

[28] Vgl. Hutzschenreuter/Dresel/Ressler 2007, S. 24.

[29] Kolle 2003, S. 1.

[30] Vgl. Buchner 2006, S. 2.

[31] Vgl. Backhaus 2009, S. 81 ff.

[32] Vgl. o.V. 2005, S.1.

[33] Vgl. Ebenda., S.1.

[34] Hutzschenreuter/Dresel/Ressler 2007, S. 9.

[35] Vgl. Hutzschenreuter/Dresel/Ressler 2007, S. 9f.

[36] Vgl. Piel 2007, S. 7.

Details

Seiten
55
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656592198
ISBN (Buch)
9783656592167
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267364
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Note
1,7
Schlagworte
Logistik Analyse A.T. Kearney Tunesien Osteuropa Outsourcing Offshoring Verlagerung Ausland

Autor

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Titel: Aufstrebende Regionen für Auslandsverlagerungen deutscher Unternehmen unter dem Gesichtspunkt der Logistik