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Affiliate-Marketing als ergänzendes Instrument des Vertriebs

Ziele, Gestaltungsoptionen, Problembereiche und korrespondierende Lösungsansätze

Diplomarbeit 2013 51 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Möglichkeiten und Grenzen des Affiliate-Marketing als zusätzliches Vertriebsinstrument im Online-Marketing

2. Eine begriffliche Orientierung des Affiliate-Marketing
2.1. Einordnung des Affiliate-Marketing in den Bereich Vertrieb mit der Unterscheidung Marketing und Online-Marketing
2.1.1. Entwicklung des Begriffs Marketing
2.1.2. Affiliate-Marketing im Kontext der Distributions- bzw. Vertriebspolitik im Bezug auf Online-Marketing
2.2. Affiliate-Marketing als Kooperationsform für den Vertrieb
2.3. Grundprinzip, Funktionsweise und Partner im Affiliate-Marketing

3. Analyse des Affiliate-Marketing zur Ergänzung des Vertriebs
3.1. Ziele des Affiliate-Marketing als vertriebsergänzende Kooperationsform
3.1.1. Neukundengewinnung im Internet
3.1.2. Umsatzsteigerung des Merchant durch Win-win-Situationen mit Affiliates
3.1.3. Aufstellung von Markteintrittsbarrieren für Wettbewerber…
3.2. Strategische Ausgestaltung des Affiliate-Marketing
3.2.1. Partnerwahl als Erfolgsfaktor
3.2.1.1. Affiliate-Netzwerke
3.2.1.2. Affiliate-Marketing unter Eigenregie
3.2.2. Ausprägungen des Affiliate-Marketing im Hinblick auf den Vertriebsweg
3.2.2.1. Stand-alone-Ansatz
3.2.2.2. Integrationsansatz
3.2.3. Steigerung der Leistung im Vertriebskanal
3.2.3.1. Einsatz differierender Werbemittel im Affiliate-Programm
3.2.3.2. Exklusivleistungen gegenüber dem Affiliate-Partner
3.2.3.3. Branding-Strategien
3.3. Probleme und Lösungsansätze des Affiliate-Marketing als Vertriebskooperation
3.3.1. Auswirkung der Marktmacht von Affiliate-Partnern
3.3.2. Lösungsansatz durch Affiliate-Marketing in Eigenregie
3.3.3. Übertragungsversuch der klassischen Pull-Strategie auf das Affiliate-Marketing
3.3.4. Ausbleibender Erfolg der Vertriebspartnerschaft
3.3.5. Motivierung von Affiliate-Partnern durch Anreize
3.3.6. Hinzunahme weiterer Online-Marketing-Instrumente

4. Fazit

Literaturverzeichnis

URL-Verzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Möglichkeiten und Grenzen des Affiliate-Marketing als zusätzliches Vertriebsinstrument im Online-Marketing

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, Möglichkeiten des Affiliate-Marketing als ergänzendes Instrument des Vertriebs herauszuarbeiten. Es werden Ziele beschrieben, Gestaltungsoptionen aufgezeigt, Problembereiche genannt und dahingehende Lösungsansätze erläutert. Eingeflochten wird der Gedanke, ob es Unterschiede zwischen nur online agierenden sowie online und offline agierenden Unternehmen gibt. Zuerst erfolgt eine Orientierung des Begriffs Affiliate-Marketing. Nach einer kurzen Erläuterung der Entwicklung des Begriffs Marketing, wird Affiliate-Marketing in das Online-Marketing eingeordnet. Weiter wird beschrieben, wie es als absatzorientiertes Element in den Marketing-Mix und darin in den Bereich Distribution bzw. Vertrieb eingeordnet werden kann, unter Beachtung der Besonderheiten des Internethandels. Analysiert werden danach die möglichen Kooperationsziele zwischen den Vertriebspartnern im Affiliate-Marketing. Kooperationspartner sind im Grundprinzip der Affiliate und der Merchant. Ziele sind die Neukundengewinnung im Internet, die Umsatzsteigerung durch eine entstehende Win-win-Situation und die Aufstellung von Markteintrittsbarrieren gegenüber Wettbewerbern. Fragen die sich anschließen, betreffen die Ausgestaltung der Vertriebskooperation. Welche Gestaltungsoptionen können gewählt werden, um die zuvor genannten Ziele zu realisieren? Erläutert werden die Partnerwahl, die Ausprägung des Affiliate-Marketing sowie die Möglichkeit, wie die Leistung im Vertriebskanal gesteigert werden könnte. Der strategischen Ausgestaltung des Affiliate-Marketing schließen sich Probleme und Lösungsansätze an. Welche Auswirkung hat die Marktmacht der Affiliates und welche Lösung kann es für Merchants geben? Beschrieben werden die Möglichkeiten des Affiliate-Marketing in Eigenregie oder die Übertragung klassischer Lösungsansätze auf das Affiliate-Marketing. Ein weiteres Problem für Merchants besteht darin, dass der Erfolg der Vertriebsergänzung durch die Affiliates nicht wie erwünscht ausfällt. Als mögliche Lösung wird vorgeschlagen, die Partner durch Anreizsysteme zu motivieren, um so eine bessere Bewerbung der Produkte zu erreichen. Ein weiterer Ansatz um ausbleibenden Erfolg umzukehren, könnte die Hinzunahme weiterer Online-Marketing-Instrumente darstellen.

2. Eine begriffliche Orientierung des Affiliate-Marketing

Die Idee des Affiliate-Marketing soll Mitte der 90er Jahre auf einer Cocktail-Party zwischen Jeff Bezos (Gründer des Internet-Buchhandels Amazon) und seiner damaligen Gesprächspartnerin geboren worden sein. Sie machte ihm das Angebot, auf ihrer Webseite seine thematisch passende Bücher gegen Provision zu vermarkten. Dieses Gespräch soll den Grundstein für den Erfolg von Amazon gelegt haben.[1] Heute arbeitet Amazon mit über einer Million Partnern zusammen und die Idee der Kooperation wurde oft kopiert.[2] Der Ausdruck „affiliate“ kommt aus dem Englischen und kann übersetzt werden mit „angeschlossen“, „verbunden“,[3] oder auch „angliedern“.[4] Zusammengesetzt mit „Marketing“ kann „Affiliate-Marketing“ als eine Marketingform charakterisiert werden, die auf einer Vertriebs- oder Netzwerkpartnerschaft zwischen Unternehmen beruht.[5] Hierunter versteht man einen Zusammenschluss von Partnern im Rahmen einer Online-Marketing-Kooperation[6] bzw. ein Marketing- und Vertriebskonzept, welches auf dem Grundgedanken einer Partnerschaft beruht.[7] Weitere Begriffe für den Ausdruck Affiliate-Marketing sind in der Literatur unter anderem in der Literatur Partnerprogramm, Internet-basierte Vertriebskooperation, Affiliate Network, Affiliate Programme oder auch Associate Programs.[8] Das Prinzip eines Zusammenschlusses im Sinne einer Kooperation, als Vertriebs- oder Netzwerkpartnerschaft im Handelsbereich, stellt keine Neuerung dar.[9] Ein Beispiel hierfür ist ein orientalischer Basar. Vermittler passen Touristen am Rand eines Basars ab, finden heraus wofür sich diese interessieren und lotsen sie danach an den Markstand von einem ihrer Kooperationspartner, zu dem sie alleine wahrscheinlich nicht gegangen wären. Auf dem Weg dorthin preisen die Vermittler bereits den Marktstand an und bereiten so den Verkauf vor. Bei einem erfolgreichen Geschäft erhält der Vermittler eine Umsatzbeteiligung.[10] Dieser Partnerschaftsansatz wurde vom klassischen Offline-Marketing auf das Online-Marketing übertragen.

2.1. Einordnung des Affiliate-Marketing in den Bereich Vertrieb mit der Unterscheidung Marketing und Online-Marketing

Nachstehend soll zunächst kurz die Entwicklung des Marketing erläutert werden. Davon ausgehend soll Affiliate-Marketing in den Bereich Distributions- bzw. Vertriebspolitik und weiterführend in das Online-Marketing sowie den elektronischen Handel eingeordnet werden.

2.1.1. Entwicklung des Begriffs Marketing

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff Marketing fand ab Anfang des 20. Jahrhunderts statt und beschäftigt bis heute eine Vielzahl von Autoren und Wissenschaftlern. Verschiedene Auslegungen des Begriffs und eine Reihe von Begriffsverständnissen sind in der Zeit entstanden,[11] welche hier kurz angerissen werden sollen.

Im Jahr 1906 fand der Begriff Marketing im angloamerikanischen Raum Erwähnung durch den Autor Samuel Sparling. Er beschreibt ihn als Prozess des Absatzes von Gütern zwischen Verkäufern und Kunden.[12] Nach Meffert kann diese Definition als eine traditionelle, absatzpolitische Sichtweise betrachtet werden, die instrumentell verkürzt ist und in erster Linie auf den Verkauf bezogen wird.[13] Weitere Autoren teilten in den darauf folgenden Jahren diese Sichtweise. Das Marketingverständnis änderte sich aber im Verlauf des 20. Jahrhunderts und wurde auf weitere Komponenten ausgedehnt. Unter dem Einfluss des Wachstums der Weltwirtschaft in den 50er und 60er Jahren wandelte sich der bis dahin herrschende, kriegsbedingte Verkäufermarkt langsam zu einem Käufermarkt und mit ihm auch der Anspruch der Nachfrager.[14] Geprägt durch Kotler, die AMA (American Marketing Association) und Meffert änderte sich im Rahmen dieser Entwicklung das Marketingverständnis hin zum klassischen ökonomischen Marketing.[15] Dabei steht nicht mehr nur die Absatzpolitik im Fokus der Literatur sondern man geht davon aus, dass allebetrieblichen Aktivitäten der Kunden- und Wettbewerbsorientierung dienen.[16] Meffert definiert das klassische Marketing als die Planung, Koordination und Kontrolle aller Unternehmensaktivitäten, die auf die aktuellen und potentiellen Märkte ausgerichtet werden. Primäre ökonomische Unternehmensziele sollen hierbei durch die Befriedigung der Kundenbedürfnisse im gesamtwirtschaftlichen Güterversorgungsprozess erreicht werden.[17] Im Jahr 1964 hielten die „4Ps“ als operative Marketing-Instrumente durch McCarthy in Wissenschaft und Praxis Einzug. Es wird in dem Zusammenhang vom Marketing-Mix gesprochen.[18] Dieser besteht aus den Bereichen Product, Place, Promotion und Price[19] bzw. zu Deutsch aus der Produkt-, Distributions-, Kommunikations-, und Preispolitik.[20]

2.1.2. Affiliate-Marketing im Kontext der Distributions- bzw. Vertriebspolitik im Bezug auf Online-Marketing

Distribution im engeren Sinne beschreibt den technischen Güterumschlag bzw. die physische Weiterleitung von Produkten. Dies meint die Summe der (Marketing-) Aktivitäten aller Wirtschaftssubjekte, die Wirtschaftsgüter von Herstellern zu Konsumenten überführen. Der funktionale Begriff „Vertrieb“ grenzt sich innerhalb der Distribution dadurch ab, dass er alle Maßnahmen des Anbieters beschreibt, um seine Leistungen zu verkaufen.[21] Bruhn unterscheidet nicht zwischen Vertriebs- und Distributionspolitik. Er zählt die Maßnahmen zur Überbrückung der räumlichen und zeitlichen Distanz zwischen der Herstellung des Produktes und dessen Kauf zur Vertriebspolitik.[22] Es existieren hierzu offensichtlich unterschiedliche Ansichten. Nach Winkelmann können zur Vertriebspolitik alle Tätigkeiten, Methoden, Strukturen und Abläufe sowie Funktionalitäten und Systeme zur Gewinnung von Aufträgen (Umsatzgenerierung) zur Güterbereitstellung und zur Kundenpflege gezählt werden.[23] Die Maßnahmen dienen zur Offerierung der angebotenen Leistungen gegenüber dem potentiellen Kunden. Als Instrumente der klassischen Vertriebspolitik können unterschieden werden:

- Vertriebssysteme
- Logistiksysteme
- Verkaufsorgane.[24]

Die Aufgaben der Vertriebspolitik sind unter anderem die Gewinnung und Führung von Vertriebspartner und die Organisation der Absatzwege.[25] Die Absatzwegepolitik beinhaltet die Entscheidung über eine horizontale oder vertikale Struktur der Absatzkanäle. In der vertikalen Struktur wird die Zahl der Absatzstufen festgelegt. Als Form kann ein indirektes Vertriebsnetzes (zum Beispiel über Absatzmittler) oder ein direkter Vertrieb gewählt werden. Dazu gibt es Varianten verschiedene Vertriebskanäle parallel zu nutzen (Multi-Channel-Management).[26] Bei der horizontalen Struktur ist die Anzahl der Absatzmittler auf einer Stufe,[27] sowie die Vertriebsstrategie mit den Mittlern (Allein-/Exklusivvertrieb, Universalvertrieb oder Selektivvertrieb) ausschlaggebend.[28] Allerdings hat sich die Vertriebspolitik nach Bruhn in den letzten Jahren aufgrund neuer Informations- und Kommunikationstechnologien stark verändert.[29] Durch den Vertrieb über das Internet werden die traditionellen physischen Absatzkanäle erweitert und komplimentiert.[30] Wenn Unternehmen über den Vertriebskanal Internet online Produkte/Dienstleistungen vertreiben möchten, sind auch hier Entscheidungen über die Vertriebsart und die Vertriebskanäle zu treffen. Allerdings weist der Vertriebskanal Internet bzw. der Vertrieb über den elektronischen Markt verschiedene Änderungen gegenüber zum Beispiel dem stationären Handel auf. Ein Merkmal ist die Orts- und Zeitunabhängigkeit, woraus sich eine Ubiquität gegenüber konventionellen Märkten ergibt. Des Weiteren weisen sie eine Erhöhung der Markttransparenz zugunsten einer erleichterten Informationsbeschaffung auf. Ein anderer Punkt ist die Senkung der Transaktionskosten, wenn Leistungen digital erbracht werden.[31] Auch im Bereich des Online-Handels wird zwischen direkter und indirekter Vertriebsform unterschieden. Vertriebsformen können nach Kollmann der Eigen-, Fremd- oder Partnervertrieb sein. Affiliate-Marketing wird hier als indirekter Partnervertrieb beschrieben, da die elektronische Abwicklung unter fremdem Namen auf anderen Webseiten stattfindet.[32] Die Partner werden nicht als Absatzmittler definiert werden, da hierfür eine Eigentumsübertragung der Ware nötig wäre. Dies geschieht aber zu keinem Zeitpunkt, so dass es sich ggf. um Handelshelfer handelt.[33] Im Gegensatz zu anderen Instrumenten des Online-Marketing wie Suchmaschinenoptimierung, Keyword-Advertising oder Social Media Marketing[34] kann Affiliate-Marketing streng genommen als eine Variante der Distributionspolitik, also des Vertriebs gesehen werden, bei welcher Partnerunternehmen die eigenen Leistungen vermarkten.[35] Bezüglich des Online-Marketing existieren kontroverse Meinungen. Lammenett definiert Online-Marketing als alle möglichen Maßnahmen um Kunden auf die eigene oder eine gewünschte Internetseite zu lenken, so dass sich darauf hin ein direktes Geschäft ergibt bzw. anbahnt.[36] Kollmann definiert Online-Marketing weiter und bindet den klassischen Marketing-Mix mit ein: „die absatzpolitische Verwendung elektronisch vernetzter Informationstechnologien (Internet, Mobilfunk, interaktives Fernsehen) (..), um unter deren technologischen Rahmenbedingungen (Rechnerleistung, Vernetzung, Digitalisierung, Datentransfer) die Produkt-, Preis-, Vertriebs- und Kommunikationspolitik mit Hilfe der innovativen Möglichkeiten der Online-Kommunikation (Virtualität, Multimedia, Interaktivität und Individualität) marktgerecht zu gestalten.“[37] Auch die Frage, ob Online-Marketing neben dem klassischen Marketing eigenständig agiert, wird in der Literatur diskutiert. Einigkeit herrscht aber meist in der Auffassung, dass Online-Marketing nichtals Substitut des klassischen Marketing verstanden werden sollte, sondern den klassischen Mix um die neuen Online-Marketing-Maßnahmen zu ergänzen versucht.[38] Dem folgen einige Autoren, unter anderem Kolibius. Er entwickelt zu den klassischen vier Ps eine vier C (Content, Commerce/Convenience, Co-location, Communication/Community) Variante.[39] Andere Autoren ergänzen die vier klassischen Marketing-Mix Elemente um community und branding.[40] Lammenett führt dagegen an, das es Geschäftsmodelle gibt (z. B. Amazon), die im Kern ausschließlich auf der Internetpräsenz beruhen und so das Online-Marketing nicht nur als Ergänzung des klassischen Marketing bzw. des Mixes gesehen werden kann. Er kommt zu dem Schluss, dass letztendlich die Bedeutung der Internetpräsenz von Unternehmen über die Relevanz und den Grad der Eigenständigkeit des Online-Marketing im Marketing-Mix entscheidet.[41] Andere Quellen zeigen dagegen auf, dass das Internet zwar einen neuen Vertriebskanal bzw. Markt darstellt, aber dass trotz seiner Besonderheiten die Instrumente des Online-Marketing durchaus im Rahmen der vier Ps bearbeitet werden können.[42] Unterschiedliche Meinungen herrschen in der Literatur auch über die Einordnung des Affiliate-Marketing in das Online-Marketing bzw. dem Marketing-Mix. Nach Conrady/Jaspersen/Pepels fällt Affiliate-Marketing in den Bereich Distributionspolitik,[43] für andere Autoren ist es ein Instrument der Kommunikationspolitik.[44] Affiliate-Marketing soll weiter gehend als vorwiegend absatzorientiertes Instrument ausgeführt werden und wird dem Bereich Vertrieb im Rahmen der Distributionspolitik zugeordnet. Affiliate-Marketing kann weiter dem E-Business (Electronic Business) im Internet untergeordnet werden. Hierunter fällt jede Art von wirtschaftlicher Tätigkeit auf der Basis computergestützter Netzwerke insbesondere im Internet.[45] Verkaufen werbetreibende Unternehmen über das Internet, kann das als E-Commerce (Electronic Commerce) oder auch elektronischer Handel[46] klassifiziert werden, da es sich hierbei um eine Transaktion zwischen verschiedenen Geschäftspartnern handelt,[47] bei der es um eine Anbahnung, Aushandlung und/oder Abwicklung von Geschäftsprozessen (Produkte oder Dienstleistungen) über das Internet geht.[48] Für beide Begriffe gibt es in der Literatur allerdings eine Bandbreite verschiedener Sichtweisen.[49]

2.2. Affiliate-Marketing als Kooperationsform für den Vertrieb

Wie bereits beschrieben, kann Affiliate-Marketing zu den Instrumenten des Online-Marketing gezählt werden,[50] eng gefasst als Variante der Distributionspolitik, bei der die eigenen Leistungen durch Partner vermarktet werden.

Steht im Vordergrund eine leistungsbezogene Honorierung, auf erfolgsbasierter Basis, dessen Erfolg sofort gemessen werden kann, können Online-Marketing-Instrumente weiterführend in das Performance-Marketing einsortiert werden. Hierzu zählt das Affiliate-Marketing aber auch Suchmaschinen-Marketing oder das Social Media Marketing.[51] Vilmar gliedert Affiliate-Marketing unter der Rubrik der Marketingkooperation.[52] Im Kontext des klassischen Marketing nach Meffert (siehe 2.1.1) kann kooperatives Marketing differenziert werden als freiwillig, wirtschaftlich und rechtlich selbstständig, zusammenarbeitende Marktpartner die durch ihren Zusammenschluss Marktziele schneller erreichen können.[53] Unternehmen die im E-Commerce agieren möchten, sollen durch Online-Kooperation neue Vertriebskanäle über die Partner-Webseiten eröffnet werden.[54] Als Vertriebskanal kann der physische oder virtuelle Ort oder die Methode bezeichnet werden, wo und wie das Produkt (oder Dienstleistung) verkauft wird.[55] Affiliate-Marketing kann als Form des kooperativen Vertriebs im Internet gesehen werden.[56] Auch Albers und Jochims klassifizieren Affiliate-Marketing als Online-Marketing-Kooperation, die eine spezifische Form darstellt, um die Website des Partners als Kommunikations- oder Vertriebskanal zu nutzen.[57] Sie differenzieren weiterführend zwischen strategischen Vertriebskooperationen und Affiliate-Programmen anhand der Anzahl der Partner.[58] Dabei unterscheiden sie strategische Vetriebskooperationen von Affiliate-Programm dadurch, dass ein online werbetreibendes Unternehmen nur durchschnittlich elf strategische Kooperationen unterhält, während standardisierte Affiliate-Programmen eine Vielzahl kleinerer Kooperationen abwickeln können. Kooperationspartner (so genannte Affiliates) können private Homepageanbieter, professionelle E-Commerce-Anbieter oder Betreiber von Affiliate-Netzwerken sein.[59] Kollmann unterscheidet vier verschiedene Ansätze von Online-Kooperationen um Wettbewerbsvorteile zu erreichen: Ressourcenorientierter Ansatz, Nachfrageorientierter Ansatz, Wettbewerbsorientierter Ansatz und Vertriebsorientierter Ansatz. Eingegangen wird an dieser Stelle nur auf den vertriebsorientierten Ansatz. Es sollen hierbei bislang nicht erreichte Kunden, direkt und kostengünstig auf der Webseite des Partners angesprochen werden, um Ziele wie Neukundengewinnung oder Umsatzsteigerung zu erreichen.[60]

2.3. Grundprinzip, Funktionsweise und Partner im Affiliate-Marketing

Das Grundprinzip des Affiliate-Marketing folgt einer provisions- und erfolgsbasierten Vertriebspartnerschaft im Online-Marketing. Affiliate-Programme oder auch Partnerprogramme stellen eine konkrete Ausgestaltung des Affiliate-Marketing dar.[61] Das Grundprinzip einer solchen Partnerschaft kann durch eine Dreiecksbeziehung dargestellt werden,[62] allerdings beschreiben andere Autoren das Prinzip auch mit bis zu fünf Akteuren und berücksichtigen hierbei Affiliate-Netzwerke sowie Agenturen, die sich um das Programmmanagement von werbetreibenden Unternehmen kümmern.[63] Die Methode bleibt allerdings bestehen: Ein werbetreibendes Unternehmen (auch E-Commerce-Anbieter, Anbieter, Advertiser, Merchant oder Online-Shop) baut sich mit der Hilfe von Partnern, die private oder kommerzielle Webseiten betreiben (Website-Betreiber, Publisher oder Affiliate), ein virtuelles Vertriebsnetzwerk auf, insbesondere mit der Zielsetzung auf diesem Wege seine Produkte an Kunden (Internet-Nutzer oder potentieller Käufer) zu veräußern.[64] Hierbei kann das werbetreibende Unternehmen bereits stationäre offline Geschäfte betreiben oder auch ausschließlich online agieren. Vorteile können für ein Affiliate-Netzwerk, als zwischengeschalteten Dienstleister sprechen. Dieser konzentriert auf einer Plattform eine Vielzahl von Partnern und Partnerprogrammen.[65] Als Beispiele für Affiliate-Netzwerke als Vertriebsnetzwerk können www.affilinet.de oder www.zanox.de genannt werden. In der weiteren Ausführung der Arbeit werden die Begriffe Merchant, Affiliate, Affiliate-Netzwerke und Kunde verwendet. In der Kooperation nutzt der Merchant die Zubringerfunktion[66] der Affiliates um seine Ziele zu verwirklichen.

Der Affiliate bewirbt die Produkte/Dienstleistungen der Merchants auf seiner Webseite mit Hilfe von Werbemitteln.[67] Eine Ausprägung des Affiliate-Marketing kann der linkbasierte Ansatz (auch Stand-alone-Ansatz genannt)[68] sein, bei dem der Kunde durch Anklicken eines Werbemittels zum Beispiel eines Banners von der Webseite des Affiliate auf die Seite des Merchant „verlinkt“ also weitergeleitet wird.[69] Eine andere Variante ist der integrative Ansatz, bei dem der Kunde die Webseite nicht verlässt, sondern die Kauf-Applikation des Merchant direkt in die Webseite des Affiliate integriert wird.[70] Generell werden die gängigsten Werbemittel unterschieden: Text-Links (meist wird eine Textzeile auf einer Website integriert), Banner oder Buttons, eine Produktdatenbank des Merchant, Smart-Content (Aktionsboxen auf der Seite des Affiliate), Suchformulare, Video-Ads (Video-Formate als crossmediale Verknüpfung zur Fernsehwerbung), Page-Peel (ein Eselsohr, das sich bei Berührung der Seite öffnet) und Keywords (Wörter, die von Suchmaschinen gefunden werden können).[71]

[...]


[1] Vgl. Lammenett 2012, S. 41; Düweke/Rabsch 2011, S. 87; Kester 2006, S. 34.

[2] Vgl. Lammenett 2012, S. 41.

[3] Hamblock/Wessels 2009, S. 521.

[4] Merz 2011, S.48.

[5] Vgl. Heinemann 2010, S. 58; Kollmann 2007, S. 187.

[6] Vgl. Jochims 2006, S. 18.

[7] Vgl. Büttgen 2003b, S. 202.

[8] Vgl. Kreutzer 2012, S. 214; Winkler 2001, S. 46 ff.; Vilmar 2006 S. 39.

[9] Vgl. Lammenett 2012, S. 41.

[10] Vgl. Kösters 2008, S. 387.

[11] Vgl. Meffert/Burmann/Kirchgeorg 2012, S.7.

[12] Vgl. Sparling 1906, S. 17 f.

[13] Vgl. Meffert/Burmann/Kirchgeorg 2012, S. 7 ff;

[14] Vgl. Meffert/Burmann/Kirchgeorg 2012, S. 8 f.; Homburg 2012, S. 7.

[15] Vgl. Meffert/Burmann/Kirchgeorg 2012, S. 9 f.

[16] Vgl. Pepels 2000, S. 17.

[17] Vgl. Meffert 2000, S. 8.

[18] Vgl. Bruhn 2012, S. 27 f.; Meffert/Burmann/Kirchgeorg 2012, S. 22.

[19] Vgl. Van Waterschoot/Van den Bulte 1992, S. 83 f.

[20] Vgl. Olbrich 2006, S. 22.

[21] Vgl. Olbrich 2006, S. 177.

[22] Vgl. Bruhn 2012, S. 29 f.

[23] Vgl. Winkelmann 2010, S. 287 f.

[24] Vgl. Bruhn 2012, S. 29 f.

[25] Vgl. Winkelmann 2010. S. 287.

[26] Vgl. Bruhn 2012, S. 250.

[27] Vgl. Esch/Herrmann/Sattler 2008, S. 322.

[28] Vgl. Bruhn 2012, S. 260.

[29] Vgl. Bruhn 2012, S. 245.

[30] Vgl. Specht/Fritz 2005, S. 193.

[31] Vgl. Fritz 2004, S. 59.

[32] Vgl. Büttgen 2003b, S. 203.

[33] Vgl. Weiss 2010, S. 56.

[34] Vgl. Lammenett 2012, S. 25.

[35] Vgl. Maaß 2008, S. 211,

[36] Vgl. Lammenett 2012, S. 20 ff.

[37] Kollmann 2007, S. 57.

[38] Vgl. Lammenett 2012, S. 20 ff.

[39] Vgl. Kolibius 2001, S. 163 ff.

[40] Vgl. Mohammed/Fisher/Jaworski/Paddison 2003, S. 13 ff.

[41] Vgl. Lammenett 2012, S. 21 ff.

[42] Vgl. Stolpmann 2001, S. 27 ff.; Conrady 2002a, S. 79 ff.; Conrady/Jaspersen/Pepels 2002b, S. 7 ff.; Shin 2001, S. 165 ff.

[43] Vgl. Doege 2002b, S. 262 ff.

[44] Vgl. Kollmann 2007, S. 185 ff.; Siegert 2010, S. 441.

[45] Vgl. Ausschuss für Definitionen zu Handel und Distribution 2006, S. 16.

[46] Vgl. Chaffey/Mayer/Johnston 2001, S. 27.

[47] Vgl. Bielefeldt 2011, S. 5.

[48] Vgl. Meier/Stormer 2012, S. 2; Kreutzer 2012, S.28.

[49] Vgl. Hoppe 2002, S. 3 ff.

[50] Vgl. Conrady 2002a, S. 79 ff.

[51] Vgl. Lammenett 2012, S. 25 f.; Thomas 2009, S. 23 ff.;

[52] Vgl. Vilmar 2006, S. 35.

[53] Vgl. Vilmar 2006, S. 35 ff.

[54] Vgl. Büttgen 2003b, S. 201 ff.; Vilmar 2006, S. 39.

[55] Vgl. Küsell 2007, S. 157 ff.

[56] Vgl. Kilian/Langner 2010, S. 70.

[57] Vgl. Jochims 2006, S. 10.

[58] Vgl. Jochims 2006, S. 18; Albers/Jochims 2003 S. 18 ff.

[59] Vgl. Albers/Jochims 2003 S. 20 ff.

[60] Vgl. Kollmann 2007, S. 110.

[61] Vgl. Kester 2006, S. 34.

[62] Vgl. Lücke/Büttgen 2002, S. 12.

[63] Vgl. Röck 2009, S. 92.

[64] Vgl. Kreutzer 2012, S. 214; Lammenett 2012 S. 41 f.; Lücke/Büttgen 2002, S. 12.

[65] Vlg. Kester 2006, S. 35.

[66] Vgl. Kreutzer 2012, S. 214.

[67] Vgl. Winkelmann/Bertling 2009, S. 175; Duffy 2005, S. 161 ff.

[68] Vgl. Kreutzer 2012, S. 217.

[69] Vgl. Bandyopadhyay/Wolfe/Kini 2009, S. 141.

[70] Vgl. Büttgen 2002, S. 567 ff.

[71] Vgl. Lammenett 2012, S. 54 ff.

Details

Seiten
51
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656589129
ISBN (Buch)
9783656589105
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267351
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,3
Schlagworte
Affiliate Marketing Social Marketing Marketing Vertrieb Handelsmarketing Affiliate Instrument ergänzendes Instrument

Autor

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Titel: Affiliate-Marketing als ergänzendes Instrument des Vertriebs