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Reformpädagogik im Streitgespräch. Betrachtung journalistischer Reaktionen auf die Missbrauchsvorfälle an der Odenwaldschule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 13 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Internetauftritt der Odenwaldschule
2.1 Die Homepage
2.2 Reformpädagogische Elemente an der Odenwaldschule

3. Aktuelle Auseinandersetzungen mit den reformpädagogischen Idealen
3.1 Das Landerziehungsheim als „Polis im Kleinen“
3.2 Die „pädagogische Liebe“ im Streitgespräch

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Lehrer müssen nicht geliebt werden“ sagt SPD-Politikerin Gabriele Behler.[1] Die Balance von Nähe und Distanz zwischen Lehrern und Schülern sei zu definieren, denn „statt des ‚pädagogischen Eros‘ bedarf es eines professionellen Ethos für den Lehrerberuf.“[2] In ihrem Artikel fallen Begriffe wie „Bildungskitsch“ und „Sozialromantik“, die sie mit den Konzepten der Reformpädagogik in Verbindung bringt, da die Reformpädagogen „ihre Praxis als politisch korrekte Antwort auf die Pisa-Ergebnisse reklamierte“[3], obwohl diese Praxis wissenschaftlich nicht bestätigt sei.

Hinsichtlich der bekannt gewordenen Missbrauchsvorfälle an der Odenwaldschule, einem reformpädagogisch ausgerichteten Landerziehungsheim in Ober-Hambach, lassen sich derartige Vorwürfe gegen die Theorie der Reformpädagogik immer wieder in den Medien vernehmen. Behler fordert, die Reformpädagogik müsse endlich hart mit sich selbst ins Gericht gehen, denn sie habe versagt.[4]

Gleichzeitig gibt es verteidigende Reaktionen auf derartige Anschuldigungen, wie zum Beispiel den Artikel Schönen Dank für die Anregung, Frau Behler des Pädagogen Ulrich Herrmann, der die Reformpädagogik nicht mit den Missbrauchsfällen durch den damaligen Schulleiter Gerold Becker in Verbindung bringt: „Hier wird ein Strafbestand mit einem Erziehungs-und Schulkonzept verwechselt“.[5] Als Verteidiger des reformpädagogischen Bildungsansatzes ruft er dem Leser Schopenhauers Motto „Was dem Herzen widerstrebt, lässt der Kopf nicht rein“ gleich zweimalig in seinem Artikel in Erinnerung; der Kern verkümmere, wenn ihn nicht eine nährende Hülle umgebe und daher sei das Lernen mit Hirn, Herz und Hand notwendig: „Und wenn unsere staatlichen Pflichtschulen dies anbieten würden, sähen unsere Integrationsbilanzen anders aus.“[6]

Schon in diesen journalistischen Artikeln werden die beiden Grundpositionen, die seit einiger Zeit öffentlich diskutiert werden, überaus deutlich. Auf der einen Seite werden die Theorie und die Praxis der Reformpädagogik kritisiert, wenn es um „ganzheitliche Erziehung“ und das freundschaftlich-kameradschaftliche Lehrer-Schüler-Verhältnis geht, die derartige Missbrauchsfälle, wie die an der Odenwaldschule, begünstigen würden. Auf der anderen Seite werden gerade diese Elemente als förderlich für ein erfolgreiches und umfassendes Lernen angesehen, was auch in den öffentlichen Schulen immer mehr zur Sprache und Praxis kommt.

Die folgende Ausarbeitung wird zunächst eine Grundlage schaffen, indem das Konzept der Odenwaldschule anhand ihrer Homepage dargestellt und mit der Reformpädagogik in Verbindung gebracht wird. Sie wird im Weiteren journalistische Texte zu diesem Thema betrachten und vergleichen, um die unterschiedlichen Positionen vor allem zu den genannten Themen der „Gemeinschaft“ und der „pädagogischen Liebe“ zu verdeutlichen um im Fazit schließlich zu einer Beurteilung dieses Streitgesprächs um die Schuldfrage zu gelangen.

2. Der Internetauftritt der Odenwaldschule

1.

2.

2.1 Die Homepage

Auf der Portalseite der Homepage der Odenwaldschule[7] sticht zunächst ein großes Bild ins Auge, das einige Schülerinnen und Schüler vor dem Schulgebäude auf einer Wiese sitzend und stehend zeigt. Es ist eine geschlechtlich und kulturell gemischte Gruppe von Jugendlichen, die lachend ihre Hände zum Himmel streckt. Zwei Mottos runden den Eindruck dieses Bildes ab: „Die Odenwaldschule – ein zweites Zuhause in Ober-Hambach“ und „odenwald schule. 100 jahre leben lernen“. Auch die weiteren Bilder, die sich auf der Homepage finden lassen, bestätigen eine ländliche Idylle, Gemeinschaft und eine gemütliche häusliche Atmosphäre.

Die Schulleiterin, Angelika Kaufmann, stellt die Schule in ihrem Willkommensschreiben als eine „andere Schule“ und als „Alternative zu G8“ vor, da das Konzept der Odenwaldschule auf reformpädagogische Ansätze aufbaue, wie im Weiteren dargestellt werden soll.

2.2 Reformpädagogische Elemente an der Odenwaldschule

Schon im eben genannten Willkommensschreiben der Leiterin werden elementare reformpädagogische Konzepte vorgestellt, die die Odenwaldschule zu einer besonderen Schule machen sollen. Es heißt: „Sich geborgen fühlen und angenommen werden in einer kleinen, starken Gemeinschaft“ und „in unserem traditionsreichen Internat macht Schule wieder Spaß, weil wir ganzheitlich fördern und junge Menschen mit allen Sinnen fordern. Wir nehmen uns Zeit zum Lernen und zum Leben.” Allein in diesen wenigen Sätzen wird die Sonderstellung eines Landerziehungsheims aus der Sicht eines Reformpädagogen ersichtlich, die schon zu Gründungszeiten der Landerziehungsheime um 1900 in ähnlicher Form vorlag, wie W. Scheibe wiedergibt:

[...]


[1] Behler, Gabriele: Reformpädagogik hat versagt. Sie kann nicht einfach so weitermachen wie bisher. In: Zeit Online vom 23.09.2010.

[2] Behler, 23.09.2010.

[3] Behler, 23.09.2010.

[4] Behler, 23.09.2010.

[5] Herrmann, Ulrich: Schönen Dank für die Anregung, Frau Behler. In: Spiegel Online vom 24.09.2010.

[6] Hermann, 24.09.2010.

[7] http://www.odenwaldschule.de/: 07.02.2011.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656579519
ISBN (Buch)
9783656579489
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v267214
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,0
Schlagworte
reformpädagogik streitgespräch betrachtung reaktionen missbrauchsvorfälle odenwaldschule

Autor

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