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"Der Brand" von Jörg Friedrich - Eine kritische Analyse

Rezension / Literaturbericht 2004 24 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Kritik an Jörg Friedrichs „Der Brand“

3. Eine Analyse des Textes
3.1 Inhalt der Kapitel
3.1.1 Waffe
3.1.2 Strategie
3.1.3 Land
3.1.4 Schutz
3.1.5 Wir
3.1.6 Ich
3.1.7 Stein
3.2 Analyse der fehlenden Einbettung in den historischen Gesamtkontext
3.3 Analyse der Sprache

4. Einordnung

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

„Über den Bombenkrieg ist viel geschrieben worden, seit langem aber nichts über seine Leideform. Die Städte haben dazu in den vergangenen fünfzig Jahren Chroniken mit Zahlen und Zeugnissen veröffentlicht, die selten wissenschaftlichen Standards entsprechen. Der Verfasser hat sich der Aktenquellen und mit Vorsicht auch dieser Publikationen bedient.“[1]

Überaus kontrovers ist das im Jahr 2002 erschienene Buch „Der Brand“ von Jörg Friedrich von der Öffentlichkeit aufgenommen worden[2]. Die in dem Buch beschriebene Leidensform, die dafür gewählte Sprache und Vergleiche riefen Widerspruch und Zustimmung gleichermaßen hervor. Das Fachpublikum war geteilter Meinung. Einerseits begrüßte es die Zusammenstellung der Informationen in einem umfangreichen Ausmaß. Andererseits kritisierte es die gewählte Sprache und die Vergleiche.

International, besonders in England, wurde das Buch wegen der Gleichstellung Churchills als Kriegsverbrecher kritisiert. Hieraus stellen sich für die Arbeit zwei relevante Fragen:

- Welche Kritikpunkte gibt es?
- Ist das Buch von wissenschaftlichem Wert?

Die vorliegende Arbeit untersucht diese Fragen. Dazu wird anschließend an die Einleitung eine Analyse der Kritik des Textes erfolgen. Hier sollen die Hauptargumentationslinien deutlich werden. Dem folgt die Analyse des Textes, in der im Besonderen die Einbettung in einen historischen Gesamtkontext, die Sprache und die gewählten Vergleiche berücksichtigt werden. Anschließend soll der Versuch einer Einordnung des Textes vorgenommen werden. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.

2. Zur Kritik an Jörg Friedrichs „Der Brand“

„Der Brand“ wurde in der Öffentlichkeit kritisch betrachtet. Dieses Kapitel stellt die Kritik in ihren Kernpunkten dar. Als Grundlage der Kritik wurden veröffentlichte Rezensionen aus verschiedenen Tageszeitungen herangezogen.

Hans Mommsen, „Frankfurter Rundschau“ vom 23.12.2002, hält das Buch für eine Warnung an die heute propagierten „chirurgischen Eingriffe“ und des vermeintlich sauber zu führenden Luftkrieges. Er bestätigt, dass der Luftkrieg von Hitler Deutschland angefangen wurde, aber die Alliierten ihn ausgeweitet und unmenschlichen Schaden angerichtet hätten. In seinen Augen macht das Buch sehr nachdenklich.[3]

Hans Ulrich Wehler kritisiert in seiner Rezension vom 14.12.2002 aus der „Süddeutschen Zeitung“ die Gleichstellung von Hitler und Churchill als Kriegsverbrecher. Er kritisiert vornehmlich die gewählte Sprache, in der solche Vergleiche nahegelegt werden. Darüber hinaus vermisst der Rezensent die geschichtliche Einbettung des Buches in das Gesamtgeschehen des Krieges.[4]

In der „Neuen Züricher Zeitung“ vom 12.12.2002 findet es Christoph Jahr bedenklich, dass durch die fast ausschließlich durch die Perspektive der Bevölkerung dargestellten Folgen durch Trauer und Wut in der Sprache Friedrich eine bedenkliche Darstellungsform wählt. Dabei kritisiert er, dass durch seine Formulierungen die Deutschen fast ausschließlich als Opfer dargestellt würden, ohne dass er eine historische Einbettung der Geschehnisse vornehme.[5]

Die Rezension von Horst Boog aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 10.12.2002 hebt zwar hervor, dass mit sprachlichen Stil komplizierte Sachverhalte erklärt würden, aber dadurch auch die Präsentation der Fakten leiden würde. Dazu würde das Buch einzelne Fehler und Irrtümer darlegen. Nach seiner Auffassung sei das Buch nur bedingt als wissenschaftlich verlässlich anzusehen.[6]

Der Rezensent Ullrich Volker, „Die Zeit“, vom 28.11.2002, sieht das Buch als erste umfassende Beschäftigung mit der Thematik. Gleichzeitig kritisiert er allerdings das Versäumnis der Einordnung in einen „politisch-militärischen Kontext“. Ebenfalls kritisiert er die semantische Nähe zum Holocaust in dem Buch.[7] Er mahnt größere Trennschärfe mit dem Umgang von solchen Vergleichen an[8]. Aus dieser Auswahl an kurzen Einblicken von Kritikpunkten der Rezensenten gehen zwei Aspekte als zentral hervor:

- Die Kritik an der fehlenden Einbettung der Ereignisse in den historischen Gesamtkontext.
- Die ausgewählte Sprache des Autors, in der eine semantische Nähe zu dem Holocaust hergestellt würde.

Hinsichtlich dieser zwei Kritikpunkte soll im anschließenden Kapitel die Textanalyse vorgenommen werden.

3. Eine Analyse des Textes

Um eine Analyse nach der Fragestellung vorzunehmen, wird zunächst der Inhalt der Kapitel in einem gesonderten Unterpunkt erläutert.

3.1 Inhalt der Kapitel

Das Buch „Der Brand“ ist in sieben Kapitel untergliedert. Jedes Kapitel behandelt eine spezielle Thematik. Die einzelnen Kapitel sollen nun näher betrachtet werden.

3.1.1 Waffe

In dem ersten Kapitel „Waffe“ beschreibt Jörg Friedrich den Einsatz des Waffensystem Flugzeug. Minutiös beschreibt er das Eindringen der Flugzeuge in den deutschen Luftraum.

„Die Pathfindergruppe in ihren schnellen, von keinem deutschen Abfangjäger erreichbaren Mosquitomaschinen traf mit zweiminütiger Verspätung ein.“[9]

Detailliert beschreibt er in diesem Kapitel die angewendeten Suchsysteme der Alliierten und die Wirkung der Angriffe auf die Städte.

„Verhängnisvollerweise richtet das Haus seinen entzündlichsten Teil nach oben, wo der Bomber operiert.“[10]

Ebenfalls detailliert werden die einzelnen, zum Einsatz gekommenen, Waffensysteme und Bomben erläutert.

„Ein großer Erfolg hingegen war die dunkelrote 30- Pfund- Flüssigkeitsbombe.(...) Sie war dreiundachtzig Zentimeter lang, zigarrenförmig mit Leitwerk und durchlöcherte drei Stockwerke.“[11]

Die Abwehr der angreifenden Flugzeuge findet ebenfalls Erwähnung. Im darauffolgendem Kapitel „Strategie“ wird die Entwicklung der Waffe Flugzeug beschrieben.

3.1.2 Strategie

In dem Kapitel „Strategie“ spannt Jörg Friedrich einen weiten Bogen von den Anfängen des Luftkrieges im Zweiten Weltkrieg[12], ausgehend bei Rotterdam durch die deutsche Luftwaffe, bis zu der Verkehrsschlacht nach der Landung der Alliierten in der Normandie. Ausgehend davon, dass alle militärisch nutzbare Produktion ein militärisches Ziel darstellt, erläutert er die Anfänge des „Moral Bombing“[13] der Alliierten. Weitere Schwerpunkte sind der erste Tausendbomberangriff[14] auf Köln[15], der Feuersturm in Hamburg[16] und die Vergeltungsangriffe der Deutschen mit ihren V- Waffen[17]. In seinem Kapitel „Land“ zeigt er die Auswirkungen in Deutschland.

3.1.3 Land

Dieses sehr umfangreich beschriebene Kapitel unterteilt er nach den Himmelsrichtungen. So beschreibt er im Norden die Zerstörungen Kiels, welches er als „militärisches Ziel“[18] einordnet, der Hansestädte und Hamburgs. Im Westen sind im Besonderen zu erwähnen der erste Tausendbomberangriff auf Köln[19] und die Angriffe auf das Ruhrgebiet[20]. Im Teil der die Angriffe auf den Süden Deutschlands beschreibt fällt die Zerstörung Würzburgs in seinen Beschreibungen besonders auf. Sehr detailliert beschreibt er die Zerstörung der Stadt.[21] Im Osten finden besonders Leipzig[22], Dresden[23] und Berlin[24] Erwähnung. In dem Kapitel „Schutz“ beschreibt er die Möglichkeiten, in den Städten zu überleben.

3.1.4 Schutz

Dieses Kapitel lässt sich wie folgt untergliedern: Ausgehend von einer Beschreibung der Bauweise der Bunker und ihrer Widerstandsfähigkeit werden die Kubikmetermengen des verbauten Betons[25] und wie viel Zeit für die Belegung eines Bunkers benötigt wurde[26], aufgezählt. Er beschreibt die Lebensgemeinschaft innerhalb des Bunkers[27] wer ausgeschlossen wurde und wie die Strukturen waren, um abschließend das Geschehene im Bunker zu erwähnen[28].

[...]


[1] Friedrich, Jörg: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940- 1945, 3. Auflage, München 2002, S. 543

[2] Friedrich, Jörg: a.a.O.

[3] Vgl. Mommsen, Hans: Rezension. Der Brand, Frankfurter Rundschau, 23.12.2002, www.perlentaucher.de

[4] Vgl. Wehler, Hans Ulrich: Rezension. Der Brand, Süddeutsche Zeitung, 14.12.2002,

www. perlentaucher.de

[5] Vgl. Jahr, Christoph: Rezension. Der Brand, Neue Züricher Zeitung, 12.12.2002, www.perlentaucher.de

[6] Vgl. Boog, Horst: Rezension. Der Brand, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2003, www.FAZ.net

[7] Vgl. Ullrich, Volker: Weltuntergang kann nicht schlimmer sein. Jörg Friedrichs brisantes Buch über den alliierten Bombenkrieg gegen Deutschland, 28.11.2002, www.zeit.de, S. 47

[8] Vgl. ebenda

[9] Friedrich, Jörg: a.a.O., S. 13

[10] Ebenda, S. 24

[11] Ebenda, S. 26

[12] Vgl. ebenda, S. 68

[13] Unter „Moral Bombing“ ist der Versuch gemeint, durch Bombardieren von Städten die Moral der Bevölkerung zu zerstören. Vgl. Kucklick, Christoph: Terror gegen den Terror?, Geo Magazin, Februar 2003, www.geo.de, S. 5

[14] Friedrich, Jörg: a.a.O., S. 89

[15] Vgl. ebenda, S. 89

[16] Vgl. ebenda, S. 114

[17] Vgl. ebenda, S. 131/133

[18] Friedrich, Jörg: a.a.O., S. 190

[19] Vgl. ebenda, S. 259

[20] Vgl. ebenda, S. 242

[21] Vgl. ebenda, S. 316

[22] Vgl. ebenda, S. 348

[23] Vgl. ebenda, S. 362

[24] Vgl. ebenda, S. 364

[25] Vgl. ebenda, S. 394

[26] Vgl. ebenda, S. 399

[27] Vgl. ebenda, S. 403

[28] Vgl. ebenda, S. 405

Details

Seiten
24
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638289689
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26717
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr-Institut
Note
2,3
Schlagworte
Brand Jörg Friedrich Eine Analyse Hauptseminar Krieg Literatur

Autor

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