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Hochhuths Werk „Der Stellvertreter“ als Dokumentarstück im Sinne von Peter Weiß

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Reaktionen auf das Werk

3. Peter Weiß´ Thesen
3.1 Auswahl / Begründung
3.1.1 These 1
3.1.2 These 8
3.1.3 These 9/10
3.1.4 These 12
3.2 Auswertung

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

6. Erklärung

1. Einleitung

Auf der ganzen Welt erleben Menschen Katastrophen. In der Geschichte gab es immer wieder Ereignisse, die ganze Zeitungen füllen, über die noch Jahre und Jahrzehnte später berichtet wird und die sogar ein ganzes Land in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Eins dieser Ereignisse ist der Holocaust. Gerade letzte Woche veröffentlichte die italienische Zeitung „Il journale“ einen Artikel mit dem Titel „Wir haben Schettino, ihr habt Auschwitz“.[1] An dieser erschreckenden und provokativen Äußerung können wir sehen, dass Deutschland in den Augen mancher Menschen immer noch in dem Licht steht, in das es von Hitler gerückt wurde.

Dokumentartheater beschäftigt sich mit politischen, gesellschaftlichen Problemen aus jüngster Vergangenheit und verpflichten sich die Authentizität zu wahren. An der Stelle, an der die Zeitungen aufhören zu berichten und Fernsehdokumentationen stoppen, fängt Dokumentartheater an.

Doch ist es nur Propaganda einer bestimmten Sichtweise und wirklichkeitsfern? Oder hilft es den Menschen mit einem neuen Blickwinkel sachlicher auf das Problem zu schauen und ermöglicht eine eigene Meinungsbildung eher als Artikel in Zeitungen? Ist es, wie Sven Hanuschek beschreibt, Literatur einer Art Zwischengenre, die ihr Rohmaterial zur Schau stellt und auf den Autonomie-anspruch herkömmlicher Künste verzichtet?[2]

Dies kann von Autor zu Autor sehr unterschiedlich ausfallen.

Peter Weiß hat dreizehn Thesen aufgestellt, um Dokumentartheater zu charakterisieren. Mit diesen Thesen möchte ich den Stellvertreter von Hochhuth darauf überprüfen, inwieweit er einem Dokumentarstück im Sinne von Peter Weiß gerecht wird.

Da es den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen würde, kann ich nicht alle Thesen analysieren, deswegen habe ich eine Auswahl von vier Thesen zusammengestellt, die ich an späterer Stelle vorstellen werde. Zunächst möchte ich allerdings die Reaktionen der Menschen auf Hochhuths Stück darstellen.

2. Reaktionen auf das Werk

Als der Stellvertreter erschien waren nach drei Monaten vierzigtausend Exemplare verkauft. Es gab dreitausend Rezensionen, Stellungnahmen und kritische Äußerungen. Das Stück wurde auf der ganzen Welt aufgeführt.[3]

Vor allem das schlechte Gewissen der Deutschen durch den Nationalsozialismus, wie auch der Angriff Hochhuths an die katholische Kirche, haben „wahre Gefühlsstürme, zustimmende sowie feindselige“[4] beschworen.

Doch sehen die Menschen den Stellvertreter als Dokumentarstück oder als klassisches Drama an? Reagieren sie auf die Kritik an der Kirche, mit dem Glauben an die Authentizität und den Wahrheitsgehalt von Hochhuths Darstellung oder mit der Meinung Hochhuth bildet, wenn überhaupt, eine sehr überspitzte Wirklichkeit ab?

Es gibt viele Dinge, die dafür sprechen, Hochhuths Werk als Dokumentartheater zu betrachten. Zum Beispiel hat er nur echte Dokumente benutzt und sie nicht verfälscht. Dagegen spricht allerdings zunächst die künstlerische Form. Die Versform in den Lieder, die im Jägerkeller gesunden werden verharmlosen das Thema Holocaust, weil der Zuschauer dadurch von den Fakten weg, hin zum künstlerischen gelenkt wird:

Noch hängt der Himmel euch voll Geigen.

Mir hängt die Seele aus dem Hals,

die Zunge tut das ebenfalls,

geradeso, als dürste mich – oder mir

nach einem schönen kalten Bier,

wie jedem deutschen Bauch…

Oder aber es hinge

mein Kopf schon in der Schlinge,

wie eurer auch![5]

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ausgestaltung der Figuren. Riccardo beispielsweise ist ein erfundener Held, „er verkörpert ein in der Geschichte nicht vorhandenes Ideal und hat die Aufgabe, auf die Kluft zwischen Moralgesetz und Wirklichkeit aufmerksam zu machen“.[6]

Es muss noch erwähnt werden, dass der komplette fünfte Akt erfunden ist und sich nicht auf Dokumente stützt.

Die Frage, ob man den Stellvertreter zu den Dokumentarstücken zählen sollte bleibt also noch offen und zweifelhaft. Um Klarheit zu schaffen muss man das Werk genauer untersuchen.

Anhand der Thesen von Peter Weiss möchte ich deswegen eine Antwort darauf finden, ob „Der Stellvertreter“ als Dokumentartheater angesehen werden sollte oder nicht.

3. Peter Weiss´ Thesen

3.1 Auswahl / Begründung

Da der Umfang meiner Hausarbeit nicht erlaubt alle Thesen auf das Werk anzuwenden, habe ich mich auf vier Thesen beschränkt. Im Nachfolgenden werde ich erläutern, welche Thesen und warum.

Zunächst wählte ich die erste These aus, welche besagt, dass die Grundlage des Dokumentartheaters in jeglicher Form festgehaltene authentische Dokumente sein müssen, beispielsweise Interviews, Akten, Protokolle oder Briefe. Das Material muss im Inhalt unverändert bleiben und darf nur in der Form bearbeitet werden, so können Ausschnitte der Realität gezeigt werden, die sich auf ein bestimmtes politisches oder soziales Thema konzentrieren.[7]

[...]


[1] Fabio Ghelli, Geschmacklose Provokationen gegen den Euro, www.zeit-online.de (29.01.12).

[2] Jay Rosselini, „Ich nenne das Wahrheitsfindung“:Heinar Kipphardts Dramen und ein Konzept des Dokumentartheaters als Historiographie Review, In: The German Quarterly 1995 68, S.477-479.

[3] Walter Hinck (Hg.), Rolf Hochhuth, Eingriff in die Zeitgeschichte: Essays zum Werk, Reinbek bei Hamburg 1981, S.119.

[4] Ebd., S.120.

[5] Rolf Hochhuth, Der Stellvertreter, Reinbek bei Hamburg, 1967, S.42.

[6] Brian Barton, Das Dokumentartheater, Stuttgart, 1987, S.95.

[7] Peter Weiss, Rapporte 2, Stuttgart, 1971, S.91.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656568186
ISBN (Buch)
9783656568155
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266961
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Neuere Germanistik
Note
3,0
Schlagworte
hochhuths werk stellvertreter dokumentarstück sinne peter weiß

Autor

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Titel: Hochhuths Werk „Der Stellvertreter“ als Dokumentarstück im Sinne von Peter Weiß