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Was sind Gefühle? Eine Erhebung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 17 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergrundwissen und wissenschaftliche Befunde
2.1. Emotionen
2.1.1. Definition Emotion
2.1.2. Emotionen und der Lernprozess
2.2. Gefühle
2.2.1. Definition Gefühle
2.2.2. Gefühle ausdrücken
2.3. Empathie

3. Die Erhebung
3.1. Der Ablauf und Hilfsmittel
3.2. Vorüberlegungen
3.3. Vorwissen
3.4. Der Fragebogen (zu finden unter 3.7. Differenzierte Interpretationen)
3.5. Reflexion der einzelnen Interviews
3.6. Reflexion der Bedingungen für das Interview
3.7. Differenzierte Interpretationen
3.8. Analyse der Interviews und Begründung des Schnitts
3.8.1. Die Mehrdeutigkeit bei den Emotionskarten
3.9. Konsequenzen für den Sachunterricht

4. Schluss und Erklärung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Für das Seminar „Kindervorstellungen im Sachunterricht“ sollten wir eine Erhebung zu einem spezifischen Thema vornehmen, dass sich als Lernziel für den Teilrahmenplan Sachunterricht eignet. Da ich mich im Laufe des letzten Jahres viel mit dem Thema Gefühle und Emotionen beschäftigt habe (Goleman 2011; Damasio 2011; Rosenberg 2010; Ekman 1980/2011), lag es für mich Nahe, dieses Phänomen auch mit den Kindern zu entdecken.

Dazu habe ich zwei mir bekannte Mädchen eingeladen, Maria und Amelie, daran teilzunehmen. Um dieser Erhebung eine Spur von Repräsentation zu geben, lud ich noch drei weitere Freundinnen aus der Kindertagesstätte ein. Im ersten Schritt fragte ich mich also, inwieweit es Kindern zwischen drei und fünf Jahren gelingen würde Emotionsausdrücke auf den Gesichtern anderer wahrzunehmen. Weiter galt mein Interesse an der Frage, wie die Kinder mit meinen Fragestellungen umgehen würden, die in Form eines kleinen Gedankenexperimentes daherkamen. Verstanden sie meine Intentionen? Waren es zu viele Fragen? Waren sie kindgerecht formuliert? Wie ist eine Realisierung im Sachunterricht möglich? Würde die Pizza schmecken, die als kleiner Anreiz am Ende der Interviewsequenz stand? Neugierig fragte ich mich, welche Ergebnisse mich wohl erwarten würden.

2. Hintergrundwissen und wissenschaftliche Befunde

2.1. Emotionen

2.1.1. Definition Emotion

„Emotionen sind komplexe, größtenteils automatisch ablaufende, von der Evolution gestaltete Programme für Handlungen [Hervorh. d. Verf.].“ (Damasio 2010, 122)

Der portugiesische Neurowissenschaftler Antonio Damasio beschreibt die Emotionen, als Prozesse, die in unserem Körper ablaufen z. B. Gesichtsausdrücke, Körperhaltungen, sowie die Veränderung innerer Organe und dem inneren Milieu. Diese werden durch Bilder von Objekten oder Ereignissen ausgelöst, die in der Gegenwart stattfinden oder aber auch in der Vergangenheit stattfanden. Für jede Emotion ist das Zusammenspiel verschiedener Gehirnareale zuständig. (vgl. ebd.).

Paul Ekman ist Mimikforscher und Verhaltenspsychologe und ein Pionier auf dem Gebiet der Emotionsforschung. Das FACS (Facial Acting Coding System) ist das Lebenswerk von Ekman, ein Katalog mit über 10.000 Microexpressions, wie er sie nennt. Diese Mikroexpressionen entstehen in Bruchteil von Sekunden auf dem Gesicht und offenbaren die Gefühle des Produzenten. Und so kann die Mimik der Schlüssel zu der Gefühlswelt des Gegenübers sein, auf die der Beobachter adäquat eingehen kann. Ebenfalls erlaubt es dem Betrachter, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und ggfs. darauf zu reagieren. Es erhöht die Fruchtbarkeit der Ergebnisse eines kommunikativen Prozesses im Miteinander und ein stärkeres Bewusstsein für die persönliche Emotionalität.

Auch hat die Thematik interkulturellen Charakter, denn diese sieben Grundemotionen sind universal und finden sich bei jedem Menschen (vgl. Ekman 1980) und manchen Tieren wieder. Diese Grundemotionen sind: Angst, Wut, Trauer, Ekel, Freude, Abscheu, Überraschung. Hauptsächlich ist im Gehirn die Amygdala (Mandelkern) für die emotionale Bewertung und deren Erinnerung verantwortlich.

Ekman differenziert weiterhin den Einfluss von Emotionen auf Stimmungen oder Persönlichkeitsmerkmale bzw. Charakterzüge (vgl. Ekman 2011):

Emotion = wenige Sekunden bis mehrere Minuten

Stimmung = Stunden bis 1-2 Tage

Charakterzüge = bestimmte Lebensphasen (Adoleszenz; Erwachsenenalter etc.) oder sogar

„Einfärbungen“ das ganze Leben hindurch

Emotionen, für die wir im Deutschen keine Bezeichnung haben

Variationen von „stolz“:

fiero (ital.) = es kommt nah an Stolz heran, was aber zu viele andere unpassende Eigenschaften miteinschließt. Demnach könnte man fiero definieren, in dem man sagt, dass jemand fiero empfindet, wenn er oder sie sich bis zum Äußersten angestrengt hat, um etwas Schwieriges zu erreichen, und das Gefühl, dies getan und erfolgreich bewältigt zu haben. Ein Publikum, das Lob spendet ist unwichtig. Dazu Ekman: „(…) ein extrem gutes Gefühl, das man im Augenblick der Leistung für sich selbst empfindet. (…)“ z. B. bei siegreichen Tennisspielern, Schachspieler. (vgl. Ekman 2011, 271f.)

nácheß (jidd.) = Eine Emotion die Eltern wahrnehmen, deren Kinder etwas Bedeutendes geleistet und sie wohlmöglich gar übertroffen haben (vgl. Ekman 2011, 272f.). Es gibt eine weitere Wortverwandschaft mit dem jidd. Wort kweln:

„(…) vor ungeheurem Stolz und Zufriedenheit strahlen, meist über die Leistungen eines Kindes oder Enkelkindes. So stolz und glücklich zu sein, dass einem vor lauter stolzgeschwellter Brust schier die Knöpfe wegplatzen.(…)“ (Rosten 1968, 257)

2.1.2. Emotionen und der Lernprozess

Im Allgemeinen hinterlassen kognitive, im Besonderen emotionale Erfahrungen massivere und auch beständigere Spuren im kindlichen als in einem erwachsenen Gehirn. Im höheren Alter werden nur noch subtilere Veränderungen wahrgenommen. Am sensibelsten gelten demnach die kritischen Entwicklungszeitfenster in der Kindheit (vgl. Braun/Meier 2004, 507ff.).

Bei neuer Wissensaufnahme beginnt zuerst die Suche nach einer Bedeutung. Das Gehirn versucht Neues mit Vertrautem in Verbindung zu setzen (Erstellung eines mentalen Konzeptes), dort spielen Emotionen eine entscheidende Rolle. Das limbische System (Zwischenhirn) filtert anschließend diese ankommende Informationen. Somit werden Emotionen zum „Türöffner“ für Lernprozesse und Leistungen (vgl. ebd.; zit. n. Kovalik/Olsen 2001).

Im Übrigen fand Damasio auch heraus, dass Trauer das Denken verlangsamte, Freude hingegen beschleunigte den gleichen Vorgang (Damasio 2010, 123).

2.2. Gefühle

2.2.1. Definition Gefühle

„Gefühle von Emotionen dagegen sind zusammengesetzte Wahrnehmungen [Hervorh. d. Verf.] dessen, was in unserem Körper und unserem Geist abläuft, wenn wir Emotionen haben.“ (Damasio 2010, 122)

Während die Emotionen ablaufen, kommen noch die Wahrnehmungen des Geisteszustandes hinzu und das wird dann das, was Damasio Gefühle nennt (vgl. ebd.)

2.2.2 Gefühle ausdrücken

In der gegenwärtigen Zeit wird es nicht besonders als wichtig angesehen, Gefühle auszudrücken. Viele Sinnesempfindungen wie Traurigkeit, verbunden mit Tränen werden nur unter bestimmten Umständen geduldet. Gesellschaftlich-unangemessene Zeitpunkte eines „Gefühlsausbruchs“ werden als Zeichen der Schwäche interpretiert. Es ist interessant zu sehen, dass wenn wir etwa sagen „Ich fühle mich wie ein Gewinner.“ damit kein Gefühl per se gemeint ist, sondern eher eine analytisch-rationelle Bemerkung. Eine Gefühlsäußerung wäre es, im obigen Beispiel zu sagen „Ich freue mich, weil ich…“. Der Psychologe Marshall B. Rosenberg hat sich im Zuge der Gewaltfreien Kommunikation ausgiebig darüber über Jahrzehnte Gedanken gemacht und kam zu dem Schluss, dass wir oft ein sehr schmales Sprachrepertoire über Gefühle haben, ganz im Gegensatz zum dem Wortschatz z. B. an Schimpfwörtern (vgl. Rosenberg 2010).

2.3. Empathie

Daniel Goleman, Psychologe und Wissenschaftsjournalist, kam in seinem Buch „EQ - Emotionale Intelligenz“ zu dem Schluss, dass Empathie im frühen Kindesalter geformt wird. Kinder beobachten andere Spielkameraden, wie diese reagieren, wenn sie z. B. Kummer haben. Diese Beobachtungen werden dann von ihnen nachgeahmt und so entwickeln sie nach und nach ein Repertoire von empathischen Reaktionen (vgl. Goleman 2011, 131).

Die Empathie gehört zu den sozialen Kompetenzen und spielt eine Schlüsselrolle in menschlichen Interaktionen. Sie kann das Fundament zu einer komplexen interpersonalen Intelligenz sein. Mit dieser können Menschen einfühlsam z. B. Gruppen organisieren, Lösungen aushandeln, persönliche Verbindungen aufbauen und allgemein sozial analysieren, was so viel meint wie, die Kompetenz Gefühle, Motive und anliegen anderer zu entschlüsseln und zu verstehen (vgl. ebd., 153). Die Spiegelneuronen1 im

Gehirn bilden hierfür das Fundament zur Einfühlung bei menschlichen Interaktionen. So können, laut einer Studie im Jahre 2007, auch schon Kleinkinder im Alter zwischen sechs und zehn Monaten solche Situationen beobachten und adäquat bewerten (vgl. Hamlin 2007).

3. Die Erhebung

3.1. Der Ablauf und Hilfsmittel

Die Interviewsequenz fand bei uns zu Hause statt. Eingeladen waren, außer meinen beiden Töchtern Amelie (5 Jahre) und Maria (3 Jahre), ihre Freundinnen Melanie (4 Jahre), ihre Schwester Tina (4 Jahre) und Rebecca (5 Jahre). Meine Lebenspartnerin beschäftigte vier der Kinder und ich interviewte dann in dieser Zeit ein Kind. Eine kompakte, digitale Videokamera zeichnete das Gespräch, das im Esszimmer stattfand, auf. Um dieses kleine Interview unterhaltsamer für meine kleinen Protagonisten zu machen, beschloss ich mir eine Handpuppe (Stellvertreterfunktion) zu Hilfe zu nehmen.

Diese waren eine Giraffe und ein Wolf. (Abb.1 und Abb.2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2

Ebenfalls als Hilfsmittel benutzte ich selbst-erstellte Emotionskarten, die die sieben Grundemotionen (Traurigkeit, Wut, Freude, Überraschung, Ekel, Abscheu, Angst) zeigten2(Abb.3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3

[...]


1Spiegelneuronen erlauben es dem Beobachtenden das Wahrgenommene im Gehirn widerzuspiegeln und empathisch nachzuvollziehen. Da diese Nervenzellen imstande sind, eine innere Imitation der Beobachtung zu erstellen, nannte man sie mirror neurons bzw. Spiegelneuronen (vgl. Zaboura 2009). Sie sollen sich im Brocaareal, im primären motorischen Cortex, im unteren Scheitellappen und im oberen Schläfenlappen befinden, ebenfalls in der vorderen Insel und im vorderen cingulären Cortex.

2Die Abbildungen sind dem Buch „Gefühle lesen“ entnommen (Ekman 2011, 334ff.).

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656571599
ISBN (Buch)
9783656571513
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266836
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Grundschulpädagogik
Note
1.7
Schlagworte
Gefühle Emotion Gefühl Emotionen Emotionsforschung Damasio Ekman Erhebung Sachunterricht Analyse

Autor

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