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Das Jesus-Seminar. Programm und Methodik

Essay 2013 5 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Das Jesus-Seminar – Programm und Methodik

Florian Fuchs

Vor in etwa 25 Jahren hat sich eine Gruppe zusammengeschlossen, deren Ergebnisse in der neutestamentlichen Wissenschaft v.a. im angloamerikanischen Raum heftig diskutiert wurden. Das Anliegen dieser Gruppe sowie ihre Ergebnisse sollen im Folgenden erörtert werden.

1985 wurde das Jesus-Seminar in Kalifornien von Funk und Crossan gegründet. In den darauffolgenden sieben Jahren hat es sich in einer ersten Phase zur Aufgabe gemacht, die Aussprüche Jesu zu untersuchen.[1] Von 1993 bis 1997 widmete es sich in einer zweiten Phase den Handlungen Jesu (vgl. Miller 2011)[2] und seit 2000 beschäftigt es sich mit der Frage, wie sich das Seminar und seine Arbeit in Bezug auf Gott verorten kann, da es von Beginn an stets nur nach Jesus gefragt hatte. Gegenwärtig wird nach Funk Gott im Seminar als eine Metapher verstanden, der das Verhalten des Menschen prägt (vgl. Funk 2000).

„The Membership in the Seminar was open to anyone who could read Greek and held a PhD or its equivalent in New Testament or a cognate discipline.“ (Miller).

Im Halbjahresrhythmus trafen sich die Mitglieder des Seminars, um ihre Ergebnisse auszutauschen und über sie zu reflektieren. Anschließend wurde über die verschiedenen Positionen demokratisch abgestimmt (vgl. Stegemann 2010: 119). Dabei versteht sich das Seminar zum einen als wissenschaftlich und zum anderen als der Öffentlichkeit zugänglich und zugewandt: Wissenschaftlich, weil es nach eigener Aussage die meisten Positionen im Sinne eines repräsentativen Querschnitts durch verschiedene Schulen und Strömungen zum historischen Jesus in sich vereint (vgl. Bonilla 2002: 315; so auch Miller) und – mehr noch – sich selbst als Höhepunkt einer langen Tradition der Suche nach dem historischen Jesus sieht (vgl. Bonilla: 314). Der Öffentlichkeit zugänglich ist es nach eigenem Selbstverständnis, weil die Ergebnisse der Öffentlichkeit, nicht nur der Fachwelt, zugänglich gemacht werden (vgl. ebd.: 315; so auch Miller)

Der Großteil des Seminars sieht Jesus und sein Wirken primär als soziologisches Phänomen. Nach Ansicht von Crossan wirkte Jesus in einer turbulenten Zeit, die von apokalyptischen Vorstellungen geprägt war (vgl. Crossan 1991: 105). Damit verbunden war die Vorstellung eines kommenden Messias bzw. jüdischen Königs, der die Dominanz des Römischen Reiches beenden wird (ebd.: 105). Aus diesem Grund sieht Crossan in Jesus verschiedene Jesusvorstellungen vereint: Der Revolutionär oder der revolutionäre Kyniker, der Hippie bzw. Pazifist und der Apokalyptiker (wenn auch auf diesem nicht der Schwerpunkt des Seminars liegt), der das Reich Gottes präsentisch und nicht futurisch verstand (vgl. ebd.: 303-304). Anders ausgedrückt: Jesus ist ein Produkt der damals vorherrschenden Verhältnisse in Palästina (vgl. Borg 1994). Zusammenfassend sieht Crossan in Jesus einen „Vertreter jener bäuerlichen, volkstümlichen, mündlichen philosophischen Praxis, die man als jüdischen Kynismus bezeichnen könnte.“ (Crossan 1995: 553).[3]

[...]


[1] Die Ergebnisse wurden 1993 in The five Gospels: The Search for the Authentic Words of Jesus veröffentlicht.

[2] Miller wird im Folgenden ohne Seitenangabe zitiert, da der Volltext online verfügbar ist: Miller, Robert J.: "The “Jesus” of the Jesus Seminar." The Blackwell Companion to Jesus. Burkett, Delbert (ed). Blackwell Publishing, 2011. Blackwell Reference Online. 01 January 2014. http://www.blackwellreference.com/subscriber/tocnode.html?id=g9781405193627_chunk_g978140519362723.

[3] In der deutschen Forschung wird diese Position u.a. von Bernhard Lang vertreten. Typographische Hervorhebung durch F.F.

Details

Seiten
5
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656569459
ISBN (Buch)
9783656612322
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266798
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Schlagworte
Jesus-Seminar Jesus Sanders Crossan Neues Testament

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Titel: Das Jesus-Seminar. Programm und Methodik