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Multiple Sklerose - Ein Leben mit MS aus der Praxis

Seminararbeit 2012 28 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in das Thema

2 Multiple Sklerose
2.1 Was ist MS?
2.2 Die Entstehung von MS
2.3 Verläufe der MS
2.4 Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

3 Ein Leben mit MS
3.1 Diagnose MS – was nun?
3.2 Gesundheitliche Einschränkungen
3.3 Herausforderungen im Alltag
3.4 Bewältigungsstrategie

4 Ausgehende Bemerkungen

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Darstellung – Nervenzelle und das Myelin

Abb. 2: Aufbau der Nervenfaser einer Nervenzelle

Abb. 3: Körperliche und Psychische Symptome

Abb. 4: Darstellung von MS-Läsionen (Entzündungsherde) im MRT

Abb. 5: Verlaufsformen der MS – Schubförmige MS

Abb. 6: Verlaufsformen der MS – chronisch-progrediente MS

Abb. 7: Verlaufsformen der MS – sekundär-chronisch-progrediente MS

1 Einführung in das Thema

Die Multiple Sklerose (MS) ist nach der Epilepsie die zweithäufigste Krankheit, die im frühen und mittleren Erwachsenenalter zu verschiedensten Störungen führt und eine der häufigsten, chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems darstellt (vgl. Web 05). Es erkranken vornehmlich Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, Frauen häufiger als Männer (Gehlen, S. 271, 2010). Sie gehört zu den neurologischen Erkrankungen, deren Pathologie schon frühzeitig beschrieben wurde. So wurden bereits im 18. Jahrhundert erste Beschreibungen von Gehirnveränderungen von Charecot festgestellt und diskutiert (vgl. Kesselring, S. 20, 2005). Sie bilden die Grundlage einer intensiven Forschungsarbeit, welche auch heute noch lang nicht abgeschlossen ist. Der Verlauf des Krankheitsbildes ist neben chronisch, zunehmender Beschwerden geprägt von einem nicht unerheblichen Risiko entstehender psychischer Behinderung (Paulig, S. 14, 2010). Eine genaue Zahl von MS-Erkrankungen ist nicht bekannt. Man geht jedoch derzeit von circa 2,5 Millionen Betroffenen weltweit aus (vgl. Paulig, S. 13, 2010).

Die Krankheit ist gekennzeichnet von verschiedensten Symptomen und das Auftreten sogenannter Schübe. Sind diese stark ausgeprägt oder bilden sie sich nicht zurück, können sich mitunter schwere Behinderungen entwickeln. Stehen beispielsweise Bewegungsstörungen wie eine Gang- und Standunsicherheit (Ataxie) und Lähmungen im Vordergrund, die sich bis zur Gehunfähigkeit steigern können, sind viele körperliche Alltagsaktivitäten nur noch eingeschränkt, nur für eine bestimmte Dauer oder nur mit Unterstützung möglich. Somit hat die MS erheblichen Einfluss auf die soziale Lebensqualität.

Die „Multiple Sklerose“ (MS) ist eine Krankheit, welche unmittelbar nach der Diagnose viele Ängste hervorruft, weil den Betroffenen oft ungewiss ist, wie sich die Zukunft mit dieser Krankheit gestaltet. Die „Krankheit mit den tausend Gesichtern“ wie sie umgangssprachlich auch genannt wird, wirft bei Betroffenen viele Fragen auf. Was ist Multiple Sklerose für eine Krankheit? Welche gesundheitlichen Folgen bringt sie mit sich? Ist MS tödlich? Nach der Konfrontation mit einer solchen Diagnose steht Patienten eine zwangsläufige Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild bevor. Dennoch, ein Leben mit MS möglich. Für die Entwicklung einer Bewältigungsstrategie (Coping) spielt diese Auseinandersetzung eine große Rolle. So müssen Betroffene ihr Leben an die individuell und unterschiedlich ausgeprägten körperlichen Möglichkeiten anpassen (vgl. Web 07).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem, bis heute noch nicht völlig geklärten, Phänomen der „Multiplen Sklerose“. Was zeichnet die Krankheit aus? Welche unterschiedlichen Verläufe sind dabei möglich? Kann man mit dieser Krankheit ein glückliches Leben bestreiten? Im Mittelpunkt der Ausarbeitung steht dabei ein Bericht einer betroffenen Frau, welche, wenn auch eher selten, im hohen Alter an MS erkrankte. In persönlichen Gesprächen schilderte sie ihre Erfahrungen mit der Krankheit ausgehend von der Diagnose, den damit verbunden Einschränkungen bis hin zur Bewältigung für einen gelingenden Alltag.

2 Multiple Sklerose

In diesem Kapitel soll zunächst der Versuch unternommen werden, den vielfältigen Begriff der „Multiplen Sklerose“ näher zu erläutern. In der Literatur findet sich dazu eine Vielzahl von Definitionen, welche sich jedoch immer auf den wesentlichen Kern beschränken. MS wird dabei als eine entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS) beschrieben. Im Folgenden werden die Entstehung und verschiedene Verlaufsformen beschrieben.

2.1 Was ist MS?

Das menschliche Nervensystem verarbeitet Informationen aus der Umwelt und dem eigenen Körper. Im Zentrum steht dabei das Gehirn, welches zusammen mit dem Rückenmark unser Zentrales Nervensystem bildet. Die Multiple Sklerose ist eine der häufigsten, entzündlichen Erkrankungen dieses zentralen Nervensystems (vgl. Neuhofer, S. 9, 1998). Sie zählt zugleich als eine der schwersten, organischen Erkrankungen des ZNS. Eduard von Rindfleisch[1] erkannt bereits 1863, dass eine Entzündung die Ursache der Nervenschäden bei MS ist. Er entdeckte bei der Analyse von Gehirnen verstorbener MS-Patienten, dass alle Proben in der Mitte einer jeden Schädigung ein Blutgefäß aufweisen. Damit ebnete er entscheidend den Weg in die Ursachenforschung der MS (Web 02).

Heute weiß man, das sich im Gehirn sowie im Rückenmark entzündliche Herde (Läsionen) entwickeln, die wiederum unterschiedliche Symptome bedingen. Da es sich oftmals um mehrere (multiple) Herde handelt, die nach einiger Zeit eine harte Konsistenz (sklerotisch) aufweisen, wird die Krankheit „Multiple Sklerose“ genannt. Je nachdem wo sich die Entzündung (Herde) entwickelt, kann es zu verschiedenen Beschwerden kommen. Da das Gehirn sowie das Rückenmark eine Vielzahl von Körperfunktionen steuern, reichen diese von Seh-/ Gefühlsstörungen, Schmerzen oder Lähmungen bis hin zu kognitiven Einschränkungen wie Aufmerksamkeits- und Gedächtnisabnahme (vgl. Henze, S. 4, 2010). Das Auftreten eines oder mehrerer solcher Symptome innerhalb weiniger Tage, wird dabei als „Schub“ bezeichnet. (vgl. Henze, S. 5, 2010). Ein Schub ist demnach definiert als Entwicklung neuer neurologischer Krankheitszeichen oder Verschlechterung bestehender Symptome innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen, die über einen Zeitraum von mehr als 24 Stunden anhalten. Ein Abstand von 30 Tagen muss dabei zu einem eventuell vorausgegangenen Schub bestehen, damit ein Ereignis als neuer Schub bezeichnet werden kann (vgl. Paulig, S. 31, 2010). Meistens finden sich keine eindeutig auslösenden Faktoren für einen Erkrankungsschub. Allerdings können alle seelischen und körperlichen Belastungen einen Schub begünstigen. Dazu zählen insbesondere Infektionen, psychischer Stress oder seelische Belastungssituationen. Ein Schub kann somit einige Tage bis mehrere Wochen anhalten. Die Abstände zwischen zwei Schüben können dabei Wochen, Monate oder gar Jahre auseinander liegen (Web 04).

Der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. beschreibt die Charakteristik des Krankheitsbildes wie folgt: Das Gehirn stellt eine Art Schaltzentrale dar, in der Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden; diese werden von verschiedenen Nervenfasern geleitet, die ähnlich wie elektrische Kabel von einer Schutz-/Isolierschicht umgeben sind (vgl. Web 01). Diese Schutzschicht besteht aus einem Stoff, der Myelin genannt wird. Entsteht nun ein Entzündungsherd im Bereich einer solchen Schutzschicht, können Informationen und Botschaften nicht mehr wirkungsvoll weitergeleitet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Darstellung – Nervenzelle und das Myelin, Quelle: dmsg-bayern.de

Dies äußert sich zum Beispiel durch beginnende Symptome wie zum Beispiel Wahrnehmungsstörungen, vermehrest Stolpern oder das Auftreten von Sehstörungen.

Schätzungen zufolge sind weltweit ca. 2,5 Millionen Menschen von der Krankheit betroffen. Die Verteilung ist alles Andere als gleichmäßig. In Deutschland leben nach derzeitigen Hochrechnungen ca. 130.000 MS-Erkrankte; jährlich werden ca. 2.500 Menschen neu mit MS diagnostiziert. Fest steht: Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer. Die Erkrankung wird in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt - mit geringerer Häufigkeit tritt sie aber auch schon im Kindes- und Jugendalter auf. Erstdiagnosen nach dem 60. Lebensjahr sind selten (vgl. Web 01).

2.2 Die Entstehung von MS

Die Entstehung einer MS ist bis heute nicht ausreichend geklärt. Jedoch sind sich Wissenschaftler einig, dass bei der Erkrankung das Immunsystem eine wesentliche Rolle spielt.

Das Immunsystem des menschlichen Körpers schützt vor Krankheitserregern, indem es diese unschädlich macht, so bald sie in den Körper eindringen. Bei der MS ist ein Teilbereich dieses Abwehrmechanismus „falsch programmiert“, das heißt, er richtet sich gegen den eigenen, den gesunden Körper. So kommt es zum Beispiel durch eine Fehlsteuerung innerhalb des Immunsystems zur Bildung von Antikörpern, die sich an die Schutzhülle der Nervenfasern (Axon einer Nervenzelle) heften und dort Schädigungen und Störungen verursachen können (vgl. Web 01).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Aufbau der Nervenfaser einer Nervenzelle, Quelle: www.msundich.de

Der Beginn des Krankheitsverlaufes ist gewöhnlich schleichend. So können geringfügige Sehstörungen, Schwächegefühle oder Ermüdungserscheinungen auftreten. Häufig kommt es dabei auch zu Gefühlsstörungen, plötzlichen Wein- oder auch Lachanfällen. Eine genaue Diagnose ist dann erst nach längerem Bestehen möglich (vgl. Pollak, S. 449, 1999). Doch eine rasche Diagnose durch einen Bluttest ist derzeit nicht möglich. Erst nach dem Auftreten der bereits zahlreich genannten Symptomen und weiteren Informationen zum Verlauf, kann ein Neurologe feststellen, ob eine MS vorliegt oder nicht. Die „Verdachtsdiagnose“ ergibt sich dann, wenn sich bei einem Menschen Symptome entwickeln, die auf eine Störung im zentralen Nervensystem, also Gehirn oder Rückenmark, zurückzuführen sind (Henze, S. 13, 2010). Dies können zum Beispiel, eine Sehnervenentzündung, eine Gefühlsstörung in den Beinen oder eine Muskelschwäche sein (siehe Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Körperliche und Psychische Symptome, Quelle: http://www.ms-kompetenz.de

Die Vielfalt der Symptome hat der Krankheit auch den Namen „Krankheit mit den tausend Gesichtern“ eingebracht. Gerade weil dabei kein Krankheitsbild und Krankheitsverlauf dem anderen gleicht (vgl. Neuhofer, S. 8, 1998).

Zu den Diagnoseverfahren dieser Störungen gehört unter Anderem die Kernspintomographie. Die Magnetresonanztomographie (MRT) wie sie auch genannt wird, spürt kleine Entzündungsherde im Gehirn oder dem Rückenmark auf. Das Ergebnis einer solchen Untersuchung sind Schnittbilder in verschiedenen Abstufungen (siehe Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Darstellung von MS-Läsionen (Entzündungsherde) im MRT, Quelle: http://www.ms-life.de/img/ms/4/32784_bil.jpg

Nach Gabe eines Kontrastmittels ist es sogar möglich, die Unterscheidung zwischen älteren und frischen MS-Läsionen zu treffen. Auch weitere Störungen zum Beispiel in der Blut-Hirn-Schranke und Verluste von Hirngewebe werden somit sichtbar (vgl. Web 03). Allerdings kann eine MS-Diagnose nicht allein auf Grund eines kernspintomografischen Befundes gestellt werden (vgl. Gehlen, S. 276, 2010). Die Diagnoseerstellung ergibt sich zusammenfassend aus der klinischen Symptomatik mit ihren schubförmigen Verläufen und einer Reihe zusätzlicher, zum Beispiel labortechnischen Untersuchungsbefunden, wie der Untersuchung des Nervenwassers (Liquoruntersuchung), welches das Gehirn und das Rückenmark umgeben (vgl. Neuhofer, S. 21, 1998). Neurologen haben mit diesem weiteren Diagnoseverfahren die Möglichkeit, oligoklonale IgG-Banden im Liquor nach zu weisen. Dies ist ein spezieller Antikörper, welcher bei MS nur im Nervenwasser zu finden ist. Die oligoklonalen IgG-Banden werden bei 90% aller Betroffenen nachgewiesen sodass sie wichtige Hinweise auf die Diagnose geben (vgl. Henze, S. 16, 2010). Zusammenfassend ergibt sich die Diagnosestellung der Erkrankung aus der klinischen Symptomatik mit ihren schubförmigen Verläufen und einer Reihe zusätzlicher radiologischer und labortechnischen Untersuchungsbefunden (vgl. Gehlen, S. 276, 2010).

[...]


[1] Georg Eduard von Rindfleisch (* 15. Dezember 1836; † 1908) war ein deutscher Pathologe.

Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656575290
ISBN (Buch)
9783656575245
Dateigröße
648 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266771
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera) – BA Gera
Note
1,0
Schlagworte
MS Multiple Sklerose Sozialarbeit psychische Erkrankungen Reha Pflege

Autor

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