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Die Rolle der Hexen in William Shakespeares "Macbeth"

Seminararbeit 2011 9 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Hamlets Dogma

2. Hexen hexen
2.1 Der Sündenfall
2.2 Der König ist tot, es lebe der König
2.3 Der Untergang

3. Das Überdauern der Zeiten

Literaturverzeichnis

1. Hamlets Dogma

„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich erträumen lässt“.[1]

Diese Worte legt William Shakespeare Hamlet, seinem vielleicht berühmtesten, tragischen Helden im gleichnamigen Drama, (in der deutschen Übersetzung) in den Mund.

In vielen Werken des Dramatikers spielt das Übernatürliche eine bedeutende Rolle und das hier behandelte Werk Macbeth ist „the Shakespearean play into which the Supernatural enters most largely“.[2]

Die Absicht dieses Texts ist die Interaktion Macbeths mit dem Übernatürlichen in Form der drei Hexen zu beleuchten, inwieweit diese Begegnungen Auswirkungen auf die Handlungen des Titelhelden haben und zu erörtern, ob Prädestination oder eigene Aktionen für das Schicksal der Figur ausschlaggebend sind.

2. Hexen hexen

2.1 Der Sündenfall

Macbeth beginnt mit „the best known and most dramatic opening scene in all of Shakespeare“[3], einem Treffen der drei Hexen, während eines Gewitters. Die Vermutung liegt nahe, dass sie selbst für das Unwetter verantwortlich sind, war doch ein Aspekt des Hexenglaubens zur damaligen Zeit die (negative) Beeinflussung des Wetters (weitere Beispiele hierfür gibt es beim nächsten Auftritt der Hexen z.B. in I.iii.11 „I’ll give thee a wind“).

Sie wissen bereits, wann sie sich das nächste Mal wieder treffen und dass Macbeth bei ihrer nächsten Zusammenkunft anwesend sein wird.

Mit einer Art Lehrsatz, der sich durch das ganze Stück hindurch ziehen wird, verschwinden sie wieder; dieser lautet: „Fair is foul, and foul is fair“(I.i.11)[4]. Was also „im christlichen Wertesystem als gut angesehen wird, sehen die Hexen als schlecht an und umgekehrt.“[5]

Dass sie sich plötzlich in Luft auflösen können, verweist darauf, dass es sich nicht um menschliche Hexen, sondern eindeutig um übernatürliche Wesen handelt.

In der dritten Szene des ersten Akts tauchen die „weird sisters“(I.iii.32), wie sie sich hier selbst bezeichnen, zum zweiten Mal auf. „‚Weird’ leitet sich von dem altenglischen Ausdruck ‚wyrd’ ab, der soviel wie ‚Schicksal’ bedeutet“.[6] Damit implizieren sie selber, Einfluss auf den Verlauf des Schicksals zu haben – eine eindeutige Parallele zu den Nornen in der nordischen, den Moiren in der griechischen und den Parzen in der römischen Mythologie, allesamt Schicksalsgöttinnen im Dreiergespann.

Unmittelbar darauf treten Banquo und Macbeth auf. Die allerersten Worte des Letzteren lauten: „So foul and fair a day I have not seen“(I.iii.38). Sprachlich wird er also sofort mit den Schicksalssschwestern assoziiert.

An dieser Stelle wird auch das Erscheinungsbild der Hexen beschrieben. Sie sind „So wither’d and wild in their attire“(I.iii.40), dass sie nicht aussehen, als wären sie „inhabitants o’ the earth“(I.iii.41).

Sie prophezeien, dass Banquo der Vater von Königen und Macbeth Thane of Cawdor und König sein wird. Der Beweis für die Wahrheit ihrer Aussagen folgt prompt. Kaum sind die Hexen verschwunden, erfährt Macbeth, dass er aufgrund seiner Kriegsverdienste zum Thane of Cawdor ernannt wird.

Um ihren Mann auch noch zum König zu machen, schmiedet Lady Macbeth den Plan, er solle Duncan, den König von Schottland, ermorden. Trotz der Zweifel des neuen Thane of Cawdor, kann Lady Macbeth, „the human witch, more terrible than the supernatural witches“[7], die in der Literatur häufig als Inkarnation von Eva, die ihren Mann zur Sünde verführt, gesehen wird (z.B. wegen I.v.26 „That I may pour my spirits in thine ear“), ihren Gatten überreden. Kaltblütig sagt sie sogar „make thick my blood;/Stop up the access and passage to remorse“(I.v.43f.).

Der Besuch Duncans auf der Burg Macbeths ist die optimale Gelegenheit für das Vorhaben. Bevor Macbeth den Mord begeht, sieht er einen blutigen Dolch vor sich, identifiziert ihn jedoch richtig als „false creation“(II.i.38) – als Halluzination. Lady Macbeth hilft ihm bei seinem Unterfangen, indem sie die Wachen betrunken macht. Daraufhin erdolcht Macbeth den König im Schlaf.

Wie paralysiert scheint er nach der Bluttat zu sein. Die Stimmen, die er vernimmt, könnten, genauso wie der Dolch zuvor, nur Einbildungen sein. Aus dem Nebenzimmer hört er Gebete, doch er kann nicht mit Amen antworten, als wäre er, durch sein Vergehen, von Gott abgefallen und hätte sich gänzlich auf die Mächte der Finsternis eingelassen. Sogleich bereut er seine Taten, und wünscht sich, er wäre nie so weit gegangen: „Wake Duncan with thy knocking! I would thou couldst!“(II.ii.71).

Als der König leblos aufgefunden wird, liquidiert Macbeth die königlichen Wachen, denen man zuvor die blutige Mordwaffe untergejubelt hatte. Seine Voreiligkeit dabei macht ihn verdächtig. Um nicht auch Opfer eines Attentats zu werden, fliehen die Söhne des Königs, Malcolm und Donalbain, was sie selbst in ein zwielichtiges Licht rückt. Infolge der Flucht der natürlichen Thronfolger, wird Macbeth König.

[...]


[1]William Shakespeare. Hamlet. Stuttgart: Reclam, 1986. I.v.167

[2] Cumberland Clark. Shakespeare and the Supernatural. London: Williams & Norgate Ltd, 1931. S.82

[3] Laura Shamas. „We three“: the mythology of Shakespeare’s weird sisters. New York: Peter Lang. Publishing, Inc, 2007. S.44

[4] Sofern nicht weiter gekennzeichnet, beziehen sich alle Zitate in vorliegender Form auf:

William Shakespeare. Macbeth. Stuttgart: Reclam, 1986.

[5] Constanze Pleinen. Das Übernatürliche bei Shakespeare. Hamburg: Verlag Dr. Kovac, 2009. S.88

[6] Constanze Pleinen. S.95

[7] John Paul Stewart Riddell Gibson. Shakespeare’s use of the supernatural. New York: AMS Press, Inc, 1974. S.69

Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656571261
ISBN (Buch)
9783656571230
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266754
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Theaterwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Macbeth Shakespeare Hexen

Autor

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Titel: Die Rolle der Hexen in William Shakespeares "Macbeth"