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Schule als ein Ort der Indoktrination

von Lars Knieber (Autor)

Essay 2013 8 Seiten

Gemeinschaftskunde / Sozialkunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und Hintergrund

2. Schule und Lehrinhalte als Spiegel der Gesellschaft

3. Der permanente und vielseitige Vorwurf der Indoktrination

4. Indoktrination zu Gunsten der Demokratie?

5. Konklusion und Resümee

6. Eigene Meinung

1. Einleitung und Hintergrund

Die Sozialisation ist ein allgegenwärtiger und unumgänglicher Prozess. Sie findet überall, in jeder Gesellschaft und durch diverse Gruppen statt. Einflussnahme der Gesellschaft ist demnach ein natürlicher Prozess – egal ob dieser bewusst oder unbewusst geschieht. Die Institution Schule ist ohne Zweifel zumindest ein Ort der Sozialisation1. So sieht der Gesetzgeber „die zentrale Aufgabe“ der Schule darin, „jungen Menschen allgemeingültige Erziehungs- und Bildungsziele anzubieten. Dies setzt voraus, dass unser Schulwesen unter staatlicher Aufsicht steht“ (Art. 7 Abs. 1 GG). Neben dem gesetzlich bestimmten (und natürlich auf moralisch begründeten) Erziehungsauftrat der Eltern, gibt es den staatlichen Erziehungsauftrag. Dem Bundesverfassungsgericht nach, ist dieser ersterem gleichgestellt.2 Die Institution Schule ist also eine Umsetzung des staatlichen Erziehungsauftrags.

Per Definition ist die Indoktrination eine „[massive] psychologische Mittel nutzende Beeinflussung von Einzelnen oder ganzen Gruppen der Gesellschaft im Hinblick auf die Bildung einer bestimmten Meinung oder Einstellung“3.

Ich werde mich nachfolgend damit beschäftigen herauszuarbeiten, inwieweit die Einflussnahme durch die Schule nur ein natürlicher Prozess der Sozialisation ist und ob die Einflussnahme über diesen natürlichen Prozess hinaus geht und die Schule somit ein Ort der Indoktrination ist. Hierfür werde ich folgende Leitfrage evaluieren: Inwiefern ist die Schule ein Ort der Indoktrination? Diese Frage wird kontrovers diskutiert und ist von besonderer Relevanz, weil sie jeden betrifft, der in unserer Gesellschaft aufwächst.

2. Schule und Lehrinhalte als Spiegel der Gesellschaft

Schule bereitet auf das Leben in einer Gesellschaf mit (von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlichen) Normen und Paradigmen vor. Darin besteht ja auch der zuvor angesprochene Bildungs- und Erziehungsauftrag des Staates. Jedoch sind in unterschiedlichen Gesellschaften auch unterschiedliche Werte und politische Leitideen vorherrschend. Demnach resultiert zwangsläufig eine unterschiedliche „Vorbereitung“ auf das gesellschaftliche Leben. Besonders deutlich wird dies bei den verschiedenen Lehrmitteln wie etwa Schulbüchern. Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung (Sitz in Braunschweig) hat es sich daher zum Auftrag gemacht, Schulbücher aus aller Welt hinsichtlich des Maßes an Indoktrination zu untersuchen. Das Institut betont auf seiner Website4 die Relevanz, die dem Schulbuch auf Grund seines „verdichteten und kanonischen Charakters wissenschaftlich, politisch und bildungspraktisch“ zukommt. Weiter gibt das Institut eine Begründung für Indoktrination in Schulbüchern generell: „Da sich in Schulbüchern das Wissen findet, das eine Generation an die nächste weitergeben möchte, werden sie häufig zum Politikum. Schulbücher können Ressentiments und Vorurteile fördern, zugleich können sie aber auch einen Beitrag zu Aussöhnung und Verständigung leisten.“4

Besonders anfällig für Indoktrination in der Schule sind die Fächer Geschichte, Politik, Sozialkunde, Geographie und Religion, weil diese sehr stark gesellschaftlich geprägt sind. Die jeweiligen Leitideen einer Gesellschaft finden sich in diesen Fächern wieder. Die Themenauswahl der Schulbücher ist dabei von entscheidender Bedeutung. Welche Themen, auf welche Weise, in einem Schulbuch behandelt werden – oder eben auch nicht – kann Aufschluss darüber geben, aus was für einer Gesellschaft das Lehrmittel stammt und welche Leitideen in dieser vorherrschend sind. Speziell in den Bereichen der Historik, der Theologie, der Ökonomie und der damit zusammenhängenden Darstellung anderer Kulturen und Gesellschaften gibt es zwischen den Gesellschaften große Diskrepanzen.

Es ist dem Wunsch nach dem Erhalt des staatseigenen politischen Systems geschuldet, dass zum Beispiel in der Sowjetunion die Vorteile des Kommunismuses und des dortigen politischen Systems hervorgehoben und die Nachteile verschwiegen wurden. Ebenso ist es in der Bundesrepublik erklärtes Ziel, der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), das „Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, das demokratische Bewusstsein zu festigen und die Bereitschaft zur politischen Mitarbeit zu stärken.“5

Hinter beiden Fällen steht dabei die Aufrechterhaltung des jeweiligen Systems. Auf diese Weise wird die Bildung einer eigenen Meinung der Schüler maßgeblich tangiert, auch wenn diese sich oftmals für selbstbestimmt und unabhängig halten.

[...]


1 Hurrelmann/Ulich, 1980, Handbuch der Sozialisationsforschung

2 Avenarius/Heckel, 2000, Schulrechtskunde, S. 62

3 Duden online

4 http://www.gei.de/das-institut.html, zuletzt aufgerufen am 14.12.2013

5 Erlass über die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) vom 24. Januar 2001

Details

Seiten
8
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656582359
ISBN (Buch)
9783656580065
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266696
Note
15 Punkte
Schlagworte
schule indoktrination

Autor

  • Lars Knieber (Autor)

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Titel: Schule als ein Ort der Indoktrination