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Motorradunfälle. Resultat des eigenen Übermutes und der Fehleinschätzung anderer Verkehrsteilnehmer

von Manni Schulz (Autor)

Seminararbeit 2013 29 Seiten

Verkehrswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zahlen – Daten – Fakten
1.1. Unfallörtlichkeit und Jahreszeit
1.1.1. Außerhalb geschlossener Ortschaften
1.1.2. Innerhalb geschlossener Ortschaften
1.2. Vergleich

2. Unfallursachen
2.1. Häufige Unfallsituationen
2.2. Altersabhängiges Fehlverhalten des Motorradfahrers
2.3. Fehlverhalten des Pkw- Fahrers

3. Prävention durch eigenverantwortliches Handeln
3.1. Möglichkeiten der Unfallvermeidung – Motorradfahrer
3.2. Möglichkeiten der Unfallvermeidung – Pkw-Fahrer

4. Präventionsansätze der Polizei NRW

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Anfang 2011 waren insgesamt 3,8 Millionen Motorräder in Deutschland zugelassen.[1] In dem Jahr verunglückten 30680 Menschen auf dem Motorrad, wovon 708 von ihnen zu Tode kamen.[2] Das sind 13,8% mehr Verunglückte als im Vorjahreszeitraum, obwohl diese Motorradfahrer nur 7,7% aller zu Schaden gekommener Personen ausmachen. 17,7% aller getöteten Personen im Straßenverkehr waren Motorradfahrer beziehungsweise -mitfahrer. Motorradunfälle mit Todesfolge sind mehr als doppelt so hoch wie Motorradunfälle mit verletzten Personen.[3] Die Zahl der getöteten Motorradfahrer stieg 2011 um 11,5% im Vergleich zum Vorjahr.[4]

Aktuell ist das Risiko, mit dem Motorrad tödlich zu verunglücken, mehr als dreimal so hoch als in einem Pkw tödlich zu verunglücken.[5]

Diese Zahlen beschreiben ein fortlaufendes Problem in der Unfallstatistik. Dem Unfall mit Motorradfahrern bedarf demzufolge besonderer Beachtung.

Zu klären ist, wie ein Motorradunfall zustande kommt, welche Ursachen dem zu Grunde liegen und welche Orte eine besonders hohe Unfallhäufigkeiten aufweisen. Zu untersuchen ist weiter, in wie fern die Jahreszeit und das Alter des Motorradfahrers zu der Unfallhäufigkeit beitragen. Weiterhin sind die Fragen zu beantworten, ob Motorradfahrer selbst zu Verantwortung gezogen werden können und in wie weit andere Verkehrsteilnehmer zu Motorradunfällen beitragen.

Ferner ist heraus zustellen, welche Möglichkeiten der Kradfahrer wahrnehmen kann, um in Eigenverantwortung sein Unfallrisiko zu minimieren und welche Möglichkeiten andere Verkehrsteilnehmer, insbesondere Pkw-Fahrer, in Hinblick auf die Vermeidung von Unfällen mit Motorrädern haben. Auch zu betrachten sind Präventionsmaßnahmen der Polizei NRW zur Verhütung von Motorradunfällen.

Betrachtungsgrundlage stellt vorwiegend das Jahr 2011 dar.

Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden die gleichzeitige Verwendung von männlichen und weiblichen Sprachformen vermieden. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.

2. Zahlen – Daten – Fakten

Methodische Erläuterungen

Verkehrsunfälle sind rein zufällige Ereignisse. Von den möglichen Unfalldefinition ist folgende für diese Arbeit einschlägig.

Ein Unfall liegt vor, wenn ein plötzlich zumindest von einem Beteiligten ungewolltes Ereignis, das mit dem öffentlichen Straßenverkehr und seinen typischen Gefahren ursächlich zusammenhängt und einen Sach- oder Personenschaden zur Folge hat.[6] Öffentlicher Straßenverkehr meint zum einen alle nach dem Wegerecht des Bundes und der Länder dem allgemeinen Verkehr gewidmeten Straßen, Wege und Plätze (öffentlich-rechtlicher Verkehrsraum), und zum anderen auch jene Verkehrsflächen, auf denen ohne Rücksicht auf eine verwaltungsrechtliche Widmung oder auf die Eigentumsverhältnisse aufgrund ausdrücklicher oder stillschweigender Duldung des Verfügungsberechtigten die Benutzt durch einen unbestimmten Personenkreis zugelassen ist und auch tatsächlich genutzt wird (tatsächlicher Verkehrsraum).[7]

Ohne fremden Sach- oder Personenschaden spricht man von einem Alleinunfall.

Ein Alleinunfall liegt vor, wenn nur der Verursacher einen Schaden erlitten hat und kein Anderer etwas zur Verursachung beigetragen hat.[8]

Unfälle mit Personenschaden sind Unfälle bei denen eine Person, unabhängig von der Höhe des Sachschadens, verletzt wurde. Verunglückte stellen alle Personen sowie Mitfahrer dar, die bei einem Unfall verletzt oder getötet wurden. Sie gelten als getötet, sofern sie innerhalb von 30 Tagen an den Unfallfolgen verstarben. Sie gelten als Schwerverletzte, sofern sie unmittelbar zur stationären Behandlung von mehr als 24 Stunden in einem Krankenhaus aufgenommen wurden. Als Leichtverletzte gelten alle übrigen verletzten Personen.[9]

Als Motorrad im Sinne der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik werden Leichtkrafträder, Krafträder und Kraftroller sowie drei- und leichte vierrädrige Kraftfahrzeuge mit amtlichen Kennzeichen bezeichnet.[10] Die Definition wird im Rahmen dieser Arbeit übernommen. Führer eines Motorrades werden im Folgenden Motorradfahrer, Kradfahrer und Zweiradfahrer genannt.

Berechnungsgrundlage stellen ausschließlich polizeilich erfasste Unfälle dar.

2011 verunglückten 30680 Motorradfahrer in Deutschland.[11] Dies ist ein Anstieg von 3721 Personen um 13,8% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Von diesen Verunglückten überlebten 708 den Unfall nicht.[12] In Relation zu dem Jahr 2010 liegt hier ein Anstieg von 11,5% vor.

Unfallgegner von Motorradfahrern bei Zusammenstößen mit anderen Verkehrsteilnehmern waren zu 79,9% Pkw-Fahrer. 72,0% der daraus resultierender Unfälle wurden von Pkw-Fahrern verursacht. Beachtlich ist, dass bei den im Jahr 2011 verunglückten Motorradfahrern zu 27,9% ein Alleinunfall vorlag. Bei den 708 Getöteten sind 34,7% der Unfälle auf einen Alleinunfall zurückzuführen.[13]

Insgesamt kam es 2011 zu 8117 Alleinunfälle von Motorradfahrern. Dabei verunglückten 8566 Motorradfahrer inklusive Sozius. Von diesen 8566 starben 2,87% unfallbedingt.[14]

Motorradfahrer waren 2011 an 30301 Unfällen mit Personenschaden beteiligt.[15] Dies ist eine Veränderung von +11,2% zum Vorjahr.

Davon werden bei 14697 Unfällen die Motorradfahrer als Hauptverursacher dargestellt.[16] Somit sind 48,50% aller erfassten Motorradunfälle selbst verursacht.

Allein im ersten Halbjahr 2011 verloren 51 Motorradfahrer ihr Leben. 2088 Motorradfahrer wurden im ersten Habjahr verletzt, 262 mehr als 2010. Nach Darstellung des Innenministers des Landes hat NRW somit im ersten Halbjahr 2011 mehr tote Motorradfahrer als im gesamten Vorjahr.[17] Dies sind 17% mehr tödlich verunglückte Motorradfahrer in diesem Zeitraum.

Insgesamt gesehen, hat sich jedoch die Zahl der verunglückten Zweiradfahrer inklusive Sozius über die letzten sechs Jahre reduziert.

Im Jahr 2006 verunglückten insgesamt 34221 Motorradfahrer. Im Jahr 2011 verunglückten hingegen 30680 Motorradfahrer.[18] Dies entspricht einem Unfallrückgang von 10,35%.

Im Jahre 2010 lag die Unfallzahl jedoch bei insgesamt 26969 verunglückten Motorradfahrern.[19] Dies stellt in dem Zeitraum 2006-2011 den geringsten Wert dar. Auffällig hoch ist somit der erneute Anstieg um 13,8% im Jahr 2011.

1.1. Unfallörtlichkeit und Jahreszeit

Zunächst ist zu eruieren, auf welchen Straßenabschnitten und in welcher Jahreszeit Motorradunfälle geschehen.

Mehr als zwei drittel der tödlichen Motorradunfälle passieren auf Landstraßen, vorwiegend auf kurvenreichen Strecken.[20] Dort wird gern die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten, was die Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle erhöht.

Zu beachten ist jedoch, dass die Unfallhäufigkeit mit Personenschaden und/oder schwerwiegendem Sachschaden innerhalb geschlossener Ortschaften erhöht ist. In den letzten fünf Jahren ereigneten sich rund 72% dieser Unfälle innerorts.[21]

Die im Folgenden in Klammern genannten Zahlen stellen absoluten Werte dar.

1.1.1. Außerhalb geschlossener Ortschaften

Außerhalb geschlossener Ortschaften einschließlich Autobahnen, kam es im Jahre 2011 insgesamt zu 10807 Motorradunfällen mit Personenschaden,[22] wobei Motorradunfälle auf Autobahnen sehr selten auftreten und somit keinesfalls einen Schwerpunkt bilden.[23] Die Zahl der Verunglückten belief sich dabei auf 12560 Kradfahrer. 52,3% (6575) der Kradfahrer blieben leicht verletzt. 43,2% (5429) der Kradfahrer erlitten schwere Verletzungen und 4,4% (556) der Kradfahrer kamen bei den Unfällen zu Tode.[24]

Werden diese Zahlen in ein Verhältnis mit den Monaten eines Jahres gesetzt, fällt auf, dass die meisten Unfälle im April geschehen.[25] Somit stellt der Saisonbeginn einen unfallreichen Zeitraum dar.

Hier verloren 4,38% (82) der insgesamt im April verunglückten 1872 Kradfahrer ihr Leben. 43,86% (821) der Kradfahrer wurden schwer und 51,76% (969) der Kradfahrer leicht verletzt.[26] Im weiteren Vergleich der Monate ist der September ebenfalls als sehr unfallreicher Monat festzustellen.

Hier verstarben 84 Kradfahrer aufgrund eines Unfalls. Insgesamt waren 1787 Kradfahrer an einem Unfall beteiligt. Davon wurden 43,20% (772) schwer und 52,09% (931) Kradfahrer leicht verletzt.[27]

In den Monaten April bis Oktober sind die Unfallzahlen mit beteiligten Kradfahrern am höchsten. Auffallend niedrig sind diese dementsprechend in den Monaten November bis März.

Die Unfallzahlen in den Monaten April bis Oktober mit verunglückten Kradfahrern liegen insgesamt bei 11292 erfassten Unfällen.[28] In den restlichen Monaten des Jahres 2011 liegen diese pauschal bei 1268.[29] So ist bereits zu erkennen, dass Zweiradfahrer insbesondere während den Frühlings- bis Herbstmonaten vermehrt am Straßenverkehr teilnehmen.

1.1.2. Innerhalb geschlossener Ortschaften

Innerhalb geschlossener Ortschaften verunglückten 2011 18120 Motorradfahrer,[30] was eine Differenz von +44,27% im Vergleich zu Unfällen auf außerörtlichen Straßen darstellt.

Von den innerorts verunglückten Motorradfahrern wurden 0,84% (152) getötet, während 24,61% (4460) schwer verletzt und 74,55% (13508) leicht verletzt wurden.[31] Auch hier sind monatliche Unterschiede in der Unfallhäufigkeit zu erkennen.

Zu Beginn der Motorradsaison im März steigt die Zahl der verunglückten Motorradfahrer von 427 im Vormonat auf 1367 an. Zum Ende der Saison fällt die Zahl von 1730 im Oktober auf 840 verunglückte Motorradfahrer im November.[32] Besonders unfallreich sind die Monate Mai und September.

[...]


[1] Vgl. Kraftfahrt-Bundesamt, 2011, Pressemitteilung Nr. 3/2011, S1.

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 11.

[3] Vgl. Vorndran, 2012, in Wirtschaft und Statistik, S. 589.

[4] Vgl. Vorndran, 2012, in Wirtschaft und Statistik, S. 590.

[5] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 6.

[6] Vgl. Ministeriums für Inneres und Kommunales, Runderlass vom 11.08. 2011 - 41 - 61.05.01 - 3 -, Aufgaben der Polizei bei Verkehrsunfällen, S. 2.

[7] Vgl. BGHSt 49, 128 / BGH DAR 2004, 529.

[8] Vgl. http://www.bernd-huppertz.de/FHS%20Download/VU%20Download/Definition%20VU%20(ppt).pdf, S.26.

[9] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 4.

[10] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 5.

[11] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S 11.

[12] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 9.

[13] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 8.

[14] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 14.

[15] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 9.

[16] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 9.

[17] Vgl. http://www.mik.nrw.de/presse-mediathek/aktuelle-meldungen/archiv/archiv-meldungen-im-detail/news/innenminister-jaeger-empfiehlt-motorradfahrern-sicherheitstraining-verkehrsunfallentwicklung-erst.html.

[18] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S.9.

[19] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S.9.

[20] Vgl. Ministerium für Inneres und Kommunales, 2012, Verkehrsunfallstatistik Nordrhein-Westfalen 2011, S. 6.

[21] Vgl. Ministerium für Inneres und Kommunales, 2012, Verkehrsunfallstatistik Nordrhein-Westfalen 2011, S. 6.

[22] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S 15.

[23] Vgl. http://www.udv.de/de/fahrzeug/motorrad/unfallgef%C3%A4hrdung-motorradfahrern.

[24] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[25] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[26] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[27] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[28] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[29] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[30] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[31] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

[32] Vgl. Statistisches Bundesamt, 2012, Verkehrsunfälle – Zweiradunfälle im Straßenverkehr, S. 12.

Details

Seiten
29
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656569756
ISBN (Buch)
9783656569725
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266537
Institution / Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Gelsenkirchen
Note
2,0
Schlagworte
Motorrad Unfall Motorradunfall

Autor

  • Manni Schulz (Autor)

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Titel: Motorradunfälle. Resultat des eigenen Übermutes und der Fehleinschätzung anderer Verkehrsteilnehmer