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Modernes Lagermanagement. Das "Konsignationslager"

Seminararbeit 2012 16 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzept des Konsignationslagers
2.1 Definition Konsignationslager
2.2 Vorteile aus Kundenperspektive
2.3 Vorteile aus Lieferantenperspektive
2.4 Nachteile von Konsignation

3. Einführung eines Konsignationslagers

4. Bestandsmanagement
4.1 Lagerbestandsplanung
4.2 Vendor Managed Inventory

5. Erfolgreiche Praxisbeispiele
5.1 Vendor Managed Inventory der ZF-Gruppe
5.2 Lieferanten Logistik Zentrum von Daimler-Benz

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2-1: Konsignationsabwicklung [entnommen von SAP.com]

Abbildung 4-1: Ablauf einer lieferantengestützten Disposition [eigene Darstellung in Anlehnung an Wannenwetsch]

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Industrie ist trotz modernster Logistikstrategien auf Lagerhaltung angewiesen. Aufgrund des progressiv steigenden Konkurrenz- und Kostendrucks müssen Unternehmen schnell und flexibel auf Bedürfnisse der Produzenten reagieren können. Im Gegenzug sind sie aufgrund des starken Kostendrucks gezwungen, die Lagerbestände soweit wie möglich zu minimieren. Die stetig steigenden Qualitätsanforderungen und die immer kürzeren Lebenszyklen der Produkte zwingen Lieferanten auch im Lager ihr Fachwissen zu verbessern, die Prozesse zu optimieren und damit die Effizienz zu erhöhen. Eine innovative, ganzheitliche Umsetzung der Anforderungen der logistischen Prozesskette ist demnach ein Garant, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Vergangenheit zeigte, das eine für den Kunden garantierte Liefertreue nur dann gewährleistet werden kann, wenn entweder selber gelagert wird um die Lieferprobleme von Lieferantenseite zu umgehen, oder die Bereitstellungssicherheit durch eine Verkürzung der Einkaufszyklen garantiert werden kann.

Diese beiden Formen wären in der heutigen Zeit nicht mehr praktizierbar, da die Kapitalbindungskosten so gering wie möglich gehalten werden sollen. Um diese komplexen Ziele zu erreichen ist eine enge Zusammenarbeit von Hersteller und Lieferant unabdingbar, da ihr langfristiger Erfolg gleichermaßen voneinander abhängig ist.

Als Beispiel solch einer engen Partnerschaft wird in dieser Arbeit das Konzept des "Konsignationslagers" erklärt. An diesem Beispiel lässt sich das moderne Lagermanagement am besten verdeutlichen. Hierzu werden die Vorteile innerhalb der Hersteller- und Lieferantenbeziehung hervorgehoben. Da auch diese Form Nachteile mit sich bringt, werden diese ebenfalls erläutert. Im weiteren wird die Verlaufsabfolge einer optimalen Einführung von Konsignation Schritt für Schritt definiert.

Im letzten Punkt wird die Bestandsmanagementform "Vendor Managed Inventory", sowie das "Lieferanten Logistik Zentrum" anhand von zwei Unternehmensbeispielen dargestellt. Hierbei werden die Vorteile in den Vordergrund gerückt, um die positiven Erfahrungswerte der Unternehmen darlegen zu können.

2. Konzept des Konsignationslagers

2.1 Definition Konsignationslager

Das Lagermanagement beinhaltet sämtliche Lager- & Transportaktionen, die bei der Überführung der Produkte zum Abnehmer stattfinden. Unter Lagern wird die Bereitstellung von Gütern, die trotz sofortiger Verfügbarkeit erst zu einem späteren Zeitpunkt benötigt werden verstanden1. Das primäre Ziel ist die Bereitstellung des Handelsgutes zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort und in der richtigen Qualität und Menge2. Da sämtliche Kunden versuchen ihre eigenen Bestände zu senken und nur noch in kleinen Losgrößen bestellen, müssen Lieferanten ihre Logistikstrategien optimieren, um eine hohe Liefertreue zu garantieren und eine drastische Kostensteigerung zu verhindern. Als Vorzeigebeispiel gilt hier das Konzept des Konsignationslagers. Das Konsignationslager ist ein Lager, das sich nahe der Produktionsstätte des Herstellers befindet. Ebenso kann sich dieses direkt auf dem Firmengelände befinden. Die Verwaltungsaufgaben werden durch die Beauftragung eines Dienstleisterunternehmens vollzogen. Der Begriff "Konsignation" bedeutet im engeren Zusammenhang, dass die gelagerten Rohstoffe oder Fertigerzeugnisse bis zur Entnahme durch den Hersteller im Eigentum des Lieferanten bleiben. Das heißt, das der Güterfluss erst zum Zeitpunkt der Entnahme und der Finanzfluss durch den Eigentumsübergang stattfindet. Somit wird durch den direkten Eigentumsübergang am Wareneingangslager auch das Zahlungsziel ausgelöst. Im nahtlosen Übergang wird der Hersteller Eigentümer der Ware und erhöht seine Kapitalbindung3. Die Abbildung 2.1 dient als Schaubild, um den Ablauf einer Konsignation besser verstehen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-1: Konsignationsabwicklung [entnommen von SAP.com]

Über einen Konsignationskontrakt der auf dem allgemeinen Rahmenvertrag beruht, werden sämtliche organisatorischen Details festgehalten. Die Steuerung der Disposition erfolgt durch eine direkte Kooperation von Anbieter und Abnehmer. Der Informationsfluss zwischen den beiden kooperierenden Parteien beinhaltet Informationen über Materialbeschaffung und Kapazitätsplanung. Entnimmt der Hersteller Waren aus dem Konsignationslager, werden diese automatisch registriert, leiten eine Verbrauchsmitteilung an den Lieferanten weiter und eine Bezahlung seitens des Herstellers wird fällig. Die Rechnung wird daraufhin innerhalb des Zahlungsziels beglichen.

Das Konsignationslager unterscheidet sich somit vom Vertragslager. Beim "Vertragslager" führt der Lieferant im eigenen Lager vertraglich vereinbarte Bestände, die bis zum Zeitpunkt der Lieferung unberechnet bleiben. Es lassen sich größtenteils die selben Vorteile wie beim Konsignationslager realisieren, bis auf das die "außerbetriebliche Transportzeit" von Lager zu Abnehmer und die Zeit der Wareneingangskontrolle als zusätzlicher Zeitaufwand hinzugerechnet werden muss.4

2.2 Vorteile aus Kundenperspektive

Für den Kunden ergeben sich aus der Führung eines Konsignationslagers eine Menge positiver Aspekte. So kann er zum einen durch den reduzierten Bestand und die verspätete Eigentumsübertragung seine Kapitalbindungskosten und die Opportunitätskosten auf ein positives Niveau senken.5 Das auf dem eigenen Betriebsgelände befindliche Lager führt zudem zu einer Versorgungssicherheit, da die gelagerten Produkte jederzeit und bei Bedarf aus dem Lager entnommen werden können. Die vereinfachte Beschaffung, sowie die gut überschaubare Bestandsführung senken das Dispositionsrisiko. Dies beruhigt den Produktionsprozess in einem hohen Maße, da bei plötzlich steigenden Auftragseingängen die Beschaffungsorganisation erleichtert wird.6 Durch die rezessiven Transport-, Bestands und Verwaltungskosten kann der Hersteller eine durchgängige Kostenreduzierung erreichen um seine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.7 Das Konsignationsprinzip vermeidet weitestgehend "Stock-out-Situationen". Somit kann der Hersteller seine Durchlaufzeiten, sowie die Rüstzeiten seines Maschinenparks optimieren, was sich positiv auf seine eigene Liefertreue gegenüber den Endverbrauchern auswirkt. Die vereinfachte Beschaffung, sowie die vereinfachte Bestandsführung senken das Dispositionsrisiko.

2.3 Vorteile aus Lieferantenperspektive

Auch für den Lieferanten ergeben sich viele gute Ansätze zur Gründung eines Konsignationslagers. Sehr häufig spielt allerdings der starke Einfluss des Kunden auf die Zulieferunternehmen eine große Rolle, sodass dem Lieferanten keine andere Möglichkeit bleibt als ein Konsignationslager einzuführen um den Kunden weiterhin an sich zu binden. Aus diesem Zwang resultiert allerdings auch eine nachhaltige Kundenbindung, die sich als Vorteil für den Lieferanten auswirkt. Nachhaltige Kundenbindung gewährleistet Planungssicherheit für einen längerfristigen Auftragsbestand. Im Vergleich zu den konventionellen Lagersystemen liegt der Vorteil bei der Konsignation darin, dass die eigene Lagerhaltung ebenfalls reduziert wird, da sich das Lager für die jeweiligen Sachnummern beim Hersteller vor Ort befindet. So hat der Lieferant die Möglichkeit seine eigenen Transport- und Verpackungskosten zu senken, da die Fertigung und der Transport in optimaler Losgröße stattfindet8. Für die vorgehaltenen Waren erhält der Lieferant zum eigentlichen Stückpreis ein Aufgeld vom Kunden, z. B. 1-2% je Teil. Wie bereits in Punkt 2.1 erwähnt wird das Zahlungsziel ausgelöst, sobald die Ware entnommen wird und die Verbrauchsmitteilung an den Lieferanten geschickt. Diese standardisierte Zahlungsabwicklung vereinfacht das Forderungsmanagement in einem hohen Maße.

2.4 Nachteile von Konsignation

Natürlich ist auch die Einführung eines Konsignationslagers kein allgemein wirksames Rezept gegen sämtliche Probleme im Logistikmanagement. Das auffälligste Problem liegt darin, das durch die Konsignation keine wirkliche Bestandsreduzierung stattfindet, sondern vielmehr eine Verlagerung der Vorräte von dem Lager des Lieferanten zum Konsignationslager beim Kunden.9 Es befinden sich somit in verschiedenen räumlich getrennten Lagern, zum Beispiel bei verschiedenen Kunden hohe Bestände an Fertigerzeugnissen. Somit findet keine tatsächliche Bestandsminderung, die das eigentliche Ziel sein soll statt. Bei der Anwendung von Konsignation gewährt der Lieferant dem Kunden höhere Zahlungsziele. Dem daraus resultierenden erhöhten Ausfallrisiko der Forderungen ist der Lieferant dadurch zwangsweise ausgesetzt. Selbst gegen betriebsinternen Widerstand ist der Kunde nicht gewappnet. Er übergibt die gesamte Bestandsverantwortung an den Zulieferer, was zu Widerständen innerhalb der eigenen Belegschaft führen kann. Als Gründe für dieses Verhalten können die mangelnden Einflussmöglichkeiten, sowie die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust angenommen werden. Eine große Fehleranfälligkeit obliegt auch der IT- Vernetzung. So kann es zum Beispiel passieren, das Daten aufgrund mangelnder Integration der Systeme mehrfach erfasst werden und zu Fehlbuchungen führen.10 Oft führt auch die Uneinigkeit beider Vertragspartner bei der Festlegung der Dispositionsstrategien, der Versicherung bzw. dem Schutz der gelagerten Ware, den Abnahmebedingungen bei Vertragsende und die Gegebenheiten für Entnahmemeldungen zu Problemen. Auch diese Punkte können zum Disput während den Vertragsverhandlungen führen.

3. Einführung eines Konsignationslagers

Um ein Konsignationslager erfolgreich einzuführen, müssen bestimmte Maßnahmen beachtet und durchgeführt werden. Diese können je nach Branchenzugehörigkeit voneinander abweichen. Im ersten Schritt müssen die Artikel, die in die Konsignation eingebunden werden sollen, definiert werden. Also die Artikel, die im Konsignationslager letztendlich lagern. Darauf folgend werden die räumlichen, organisatorischen und systemtechnischen Rahmenbedingungen überprüft. So wird geprüft ob genügend Platz vorhanden ist, um die definierten Konsignationsartikel lagern zu können, oder ob die verantwortlichen Disponenten ausreichend geschult sind um mit der Konsignationsaufgabe betraut zu werden. Zudem muss sichergestellt werden, dass die IT so funktionstüchtig ist, dass die Lieferanten die jeweiligen Restbestände abrufen können. Und falls dieser Gesichtspunkt zu verneinen ist, besteht Nachrüstungsbedarf. Sind diese vorbereitenden Maßnahmen getroffen worden, finden erste Gespräche mit den betroffenen Lieferanten statt, in denen ihnen die Planung des Konsignationslagers mitgeteilt und in ersten Gesprächen über die zukünftige Vorgehensweise abgestimmt wird. Im weiteren Verlauf wird ein Reichweitenfenster definiert, was so viel bedeutet wie die Mindest- und Höchstbestände festzulegen. Dieser Punkt hat oberste Priorität, denn eine mangelhafte oder sogar Fehldefinition der Bestände kann entweder zu Versorgungsengpässen führen, sowie eine Überschreitung des Höchstbestands zu einer unvertretbar hohen Kapitalbindung führt. Um die Anlieferungs- und Bedarfsvolumina erfüllen zu können bedarf es Lastkraftwagen, die unter Berücksichtigung von Art und Größe analysiert werden. Für eine Konsignationsabwicklung können sowohl Einweg- als auch Mehrwegverpackungen verwendet werden. Daher muss im Vorfeld festgestellt werden, ob Neuinvestitionen für Verpackungseinheiten anfallen um diese in die Kalkulation mit zu übernehmen. Bei der Verpackung sind besonders die Gesichtspunkte der Schutz- und Lagerfunktion, sowie die Informationsfunktion hervorzuheben. Ersatzteile haben beispielsweise einen sehr langen Lagerzeitraum, daher muss die Verpackung ausreichend Schutz gewährleisten, sowie Wartung und Kontrolle ermöglichen.11 Gemeinsam mit der Controlling Abteilung wird eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellt um die Wirtschaftlichkeit der Konsignation für das Unternehmen zu überprüfen. Die addierten negativen Auswirkungen dürfen die positiven Effekte einer Vorratsminderung nicht nivellieren. Darauffolgend können die konkreten Verhandlungen beginnen, in denen die Führungsriege der Logistikabteilung einschließlich der zuständigen Einkäufer des Lieferanten zu den Vertriebsmitarbeitern des Kunden Kontakt aufnimmt. Im weiteren Verlauf werden die Kapazitäten abgestimmt und dem Lieferanten ein Angebot unterbreitet. Die Unterzeichnung des Konsignationsvertrages bildet den Abschluss der Verhandlungen. Um die Chargenverfolgung zu sichern, müssen die Konsignationsgüter speziell gekennzeichnet werden um die Identifikation zu erleichtern. Beispielsweise können Sie mit einem "K" für Konsignation signiert werden. Im letzten Schritt wird die Wareneingangskontrolle und die Zahlungsmodalitäten der Ware festgeschrieben. Dabei verpflichtet sich der Kunde etwaige Fehlmengen oder Mängel der Konsignationsware unverzüglich dem Lieferanten zu melden. Die Bezahlung der Ware wird über einen "POPProzess" vollzogen. Das heißt, dass ein automatischer Zahlungsprozess ausgelöst wird, sobald das Endprodukt des Herstellers die letzte Fertigungsstufe abgeschlossen hat und bereit zum Verkauf steht.12

[...]


1 vgl. Wannenwetsch/Integrierte Materialwirtschaft und Logistik/2007/S.259

2 vgl. Schulte/Wege zur Optimierung der Supply Chain/2009/S.455

3 vgl. Heß/Supply Strategien in Einkauf und Beschaffung/2010/S.253

4 vgl. Schulte/Logistik - Wege zur Optimierung der Supply Chain/2009/S.231

5 vgl. Straube /Versorgungs- & Distributionsmanagement/S.19

6 vgl. Werner/Supply Chain Management/2010/S.221

7 vgl. Syska/Produktionsmanagement/2006/ S. 82

8 vgl. Syska/Produktionsmanagement/2006/ S. 82

9 vgl. Werner/Supply Chain Management/2010/S.224

10 vgl. Verein Netzwerk Logistik-Konsignationslager

11 vgl. Pfohl/Logistiksysteme/2004/S.231

12 vgl. Werner/Supply Chain Management/2010/S.222 ff.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656564447
ISBN (Buch)
9783656564454
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266336
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
modernes lagermanagement konsignationslager

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