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Die Unabdingbarkeit des Peloponnesischen Krieges

Perikles. Seine Bestrebungen und Aussagen über den Attisch-Spartanischen Konflikt und seine Haltung gegenüber einem neuen Peloponnesischen Krieges

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 24 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Peloponnesische Krieg
1. Zeitlicher Horizont
2. Bedeutung der Politik

III. Die Rolle des Perikles
1. Bilder des Perikles
2. Innenpolitik im Frieden
i. Gesetzgebungen für das Volk
ii. Die Bauvorhaben
3. Außenwirksamkeit von Perikles in Frieden und Krieg

Fazit

Quellen

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„[…] Am meisten jedoch haben es wir hier, die jetzt Lebenden, in unserem reifen Mannesalter gemehrt und die Stadt in allem so gerüstet, das sie im Krieg und im Frieden völlig auf sich selbst stehen kann. […]“[1] Mit diesem Ausspruch in der Leichenrede an die ersten Gefallenen des Peloponnesischen Krieges von Perikles, wie durch Thukydides überliefert, beschreibt Perikles den Stolz der Athener auf ihre Taten und Unabhängigkeit. Diese Unabhängigkeit und der Wohlstand, welcher in Krieg und Frieden herrsche, stehe jedoch im Kontrast zum wirklichen Geschehen in Athen, welches in der Folge tiefergehend beschrieben wird, und muss aus verschiedenen Blickrichtungen hinterfragt werden. Gerade die Hintergründe zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges und die Personen, insbesondere Perikles, die diesen befürwortend unterstützten, sollen Teil dieser Ausarbeitung sein.

Das innenpolitischen Interesse, welches hinter der Verlegung der Bundeskasse von Delos nach Athen in den Jahren 454/453 v. Chr. steckt, muss hierfür hinterfragt werden. Diese Verlegung wurden von den Athenern als Schutzmaßnahmen gegen Angriffe der Perser bezeichnet, jedoch nutzten die Athener große Mengen an Geldern nach dieser Verlegung, um in Friedenszeiten verschiedene Prachtbauten auf der Akropolis zu errichten. Die Herkunft dieser Gelder ist vermutlich auf diese Bundeskasse zurückzuführen. In Kriegszeiten wiederum wurden die Gelder zum Ausbau der eigenen Flotte genutzt, bei der die anderen Polis außer dem Tribut keinen Einfluss mehr auf deren Verwendung hatten.[2]

Die Nutzung der Tribute zum Flottenausbau, welcher direkt dem Kriegswesen diente und die Zentralisierung der Macht im Attisch-Delischen Seebund, welche dem Konflikt mit Sparta unausweichlich entgegen ging, lässt sich in Bezug auf Perikles‘ Handeln aufgreifen. Hieraus ergibt sich die Fragestellung, auf deren Basis diese Ausarbeitung aufbaut: Kann dem politischen Handeln des Perikles zugesprochen werden, dass der offene Konflikt mit Sparta für ihn unumgänglich war? Des Weiteren die Frage, ob er damit nur von innenpolitischen Problemen ablenken wollte. Um diese Fragestellung zu Beantworten gehe ich in dieser Ausarbeitung auf den historischen Zusammenhang ein und versuche, aufbauend auf der Analyse des Politikverständnisses der attischen Bevölkerung, die innen- sowie außenpolitischen Entscheidungen, welche von Perikles getragen oder initiiert wurden, in Bezug auf die kriegerischen Absichten zu erklären. Die einzelnen Beschlusse der Volksversammlung auf Anraten des Perikles vor dem Krieg und die vielen Begründungen von eben diesen, sollen hier untersucht werden.

II. Der Peloponnesische Krieg

1. Zeitlicher Horizont

Der Peloponnesische Krieg und dessen physische Handlungen fanden in dem Zeitraum zwischen 431 - 404 v. Chr. statt. Seine eigentlichen politischen Hintergründe und die ausschlaggebenden Prozesse fanden jedoch deutlich früher statt. Der genaue Beginn dieser Prozesse ist schwer zu bestimmen, da sich aufgrund gemeinsamer Interessen der griechischen Polis, z.B. in der Verteidigung gegen die Perser 490 v.Chr. oder 480 v. Chr., immer wieder gemeinsame Schnittmengen bei den außenpolitischen Interessen fanden. Jedoch wurden nach diesen zum Ende gewonnen Verteidigungskriegen gegen die Perser in den gesamten griechischen Gebieten eine große Energie und ein Tatendrang frei, welche viele Prozesse anfachte.[3]

Eine der wichtigsten Effekte war, dass die Bedeutung des Seekrieges eine immer größere Rolle spielte. Da Expansion und Verteidigung in der griechischen Ägäis zu Wasser stattfand, bildete sich hier mit Athen eine Polis als führende heraus, welche rein geographisch den Vorteil der Wassernähe und der sehr zentralen Lage hatte. Im Jahre 478/477 v. Chr. Wurde, auf Basis eines von Aristeides entworfenen und umgesetzten Bündnissystems, ein neuer Bund ins Leben gerufen.[4] Dieser nannte sich: hoi Athenaíoi kai hoi sýmmachoi – griech. die Athener und die Bundesgenossen. Diese Bezeichnung zeigt schon rein von der Namensgebung die eindeutige Zentrierung auf die aufsteigende Seemacht Athen. Namentlich wird er in der Literatur der Neuzeit als Delisch-Attischer Seebund bezeichnet, da sich der Bund zwar auf Athen zentrierte, was die Machtbefugnisse anging, jedoch zu Beginn die Bundeskasse auf der Insel Delos deponiert und verwaltet wurde.

Ob mit dieser Bundgründung der zuvor bestehende Hellenenbund, in dem Sparta und Athen mit anderen Polis zusammen gegen die Perser agierten, aufgelöst wurde, ist heute in der Forschung noch unklar. Jedoch wurden die spartanischen Bemühungen diesbezüglich deutlich weniger. Mit der Gesetzgebung des Ephialtes im Jahre 461, wurde der Bund endgültig beendet.[5] Die genauen Maßnahmen der Reformen Ephialtes, welche den des Kleisthenes nach Dreher sehr ähnlich seien, sind der heutigen Forschung wenig bekannt.[6] Zumeist ging es bei diesen Prozessen um den Konflikt zweier politisch aktiver Bürger, welche durch gegenseitiges Ausstechen über den Ostrakismos ihr eigenes Ansehen in der Bevölkerung erhöhen wollten.[7]

In den Jahren nach den Reformen machten die Athener viele Rückeroberungs- und Eroberungszüge an den umliegenden Küstenorten mit für sie guten und schlechten Ausgängen. Als sich jedoch die Rückschläge häuften, wurde die Bundeskasse des Attisch-Delischen Seebundes nach Athen verlegt.[8] So wird unter anderem bei Plutarch erwähnt, dass die Athener: „[…] die Bundesgelder das Gemeingut aller Griechen, aus Delos nach Athen geholt hat […]“[9] Mit dieser Verlegung traten einige Änderungen, was die Verfügungsgewalt über die Gelder auf Athen zentriert in Kraft, welche in der Folge zu kontroversen Debatten bezüglich diesem Vorgehen in den Polis und vor allem auch in Athen führte.[10] Unter anderem kam es immer stärker zu feindseligen Handlungen gegenüber Sparta, welche aber nur 457 v. Chr. mit der Schlacht bei Tanagra in ernsthafte Kriegshandlungen überging.[11] Während in dieser Konfrontation die Spartaner den Sieg davon trugen, kam es wenig später zu einer erneuten Konfrontation bei Oinophyta, bei welcher wiederum der Peloponnesische Bund den Sieg davon trug.[12]

Aus dieser Bedrohung Athens heraus bauten die Athener in dieser Zeit die sogenannte Lange Mauer, welche Athen mit dem Umland und vor allem mit den Häfen Piräus und Phaleron in einer Befestigung verband.[13] Diese Ausbauten der Befestigungsanlage sollten die strategische Stärke der Athener, welche sich in ihrer Seemacht ausprägte schützen, und den Zugang zum Wasser und der Flotte auch im Belagerungszustand sichern. In 451 v.Chr. schlossen die Athener einen Waffenstillstand mit Sparta ab. Im gleichen Jahre wurde unter Führung von Perikles das Bürgerrechtsgesetz in Athen eingeführt.[14] Dieses hatte eine Neuordnung der Bürger in Athen zur Folge, welche sich als Vollbürger bezeichnen durften. Die gesamte Bevölkerung in Athen wurde nun in die vier ungefähren Klassen eingeteilt, die Vollbürger, Frauen und Kinder, Metöken[15] und Sklaven.[16] Der Waffenstillstand wurde zu einem Frieden zwischen den beiden Seiten, welcher bis ins Jahr 431 v. Chr. andauerte.[17]

Dass im Jahre 431 v. Chr. der offene Krieg zwischen dem Delisch Attischen Seebund und dem unter Führung Spartas stehenden Peloponnesischen Bund ausbrach, wird in der Fachliteratur oftmals dadurch begründet, dass gegenseitiges Misstrauen der Athener und Spartaner allgegenwärtig war.[18] Gerade auch die ausgreifende Politik der Athener im griechischen Territorium unterlegt diesen Konfrontationskurs.[19] Der offene Krieg, welchen Sparta nur zögerlich begann, entstand unter anderem durch Druck auf Sparta von Korinth, welches sich wegen der zögerlichen Haltung der Spartaner gegenüber den Athenern neue Verbündete suchen wollte, da die Athener Poteidaia, eine Tochter-Polis von Korinth, belagerten.[20]

Die kriegerischen Handlungen wurden von den zwei Mächten jeweils mit deren militärischen Stärken geführt. Während sich der Delisch - Attische Seebund auf seine Seemacht und Blockaden verlies, fielen die Peloponnesischen Truppen jedes Jahr in Attika ein und belagerten die stark befestige Stadt Athen.[21] Der Beginn im Jahre 431 v.Chr. ist durch Thukydides überliefert: „[…] Es fing damit an, daß Athener und Peloponnesier den dreißigjährigen Vertrag auflösten, […]“[22] Er beschreibt hier zuerst den Beginn des Krieges und die Gründe hierfür. Hierzu ist eine Phrase sehr interessant, in der er schrieb: „[…] Den wahrsten Grund aber, der am meisten verschwiegen wird, sehe ich darin daß Athen so mächtig geworden ist, daß es die von Furcht gepackten Spartaner zum Krieg zwang.[…]“[23] Hinterfragt werden muss bei diesem Ausspruch, ob Thukydides nicht zu sehr beeindruckt war von der Athener Demokratie, dem Wohlstand und ihrer Flottenstärke, was sein Blickwinkel und seine analytischen Aussagen beeinflusst haben kann.

[...]


[1] Thuk. II, 36, 3

[2] Vgl. Schulz, S. 20f, 2003. Beschreibung zur Verlegung der Bundeskasse. Ziele der Athener werden hier beschrieben, unter anderem die Neuordnung der Ägäis und das entgegenwirken zum aufkeimenden Unmut der Bündnispartner.

[3] Vgl. Schulz, S. 2, 2003

[4] Vgl. Ebd. S. 6

[5] Vgl. Gehrke, S. 148, 2006

[6] Vgl. Dreher, S. 91f, 2001

[7] Vgl. Rachet, s. 239, 1999, Beschreibung aus dem Lexikon der griechischen Welt, in dieser wird beschrieben, dass der Ostrakismos in seinem Prozess jährlich mit der Ekklesia stattfand und in dieser auch zuvor beschlossen wurde ob eine Ostrakismosprozess stattfinden müsse.

[8] Vgl. Dreher, S. 95, 2001

[9] Plut. Perikles, 12.1

[10] Vgl. Ebd.

[11] Vgl. Dreher, S. 95, 2001

[12] Vgl. Schulz, S. 17, 2003

[13] Vgl. Dreher, S. 95, 2001

[14] Vgl. Gehrke, S. 167, 2006

[15] Vgl. Rachet, S. 213, 1999. Im Lexikon der griechischen Welt wird beschrieben, das freie Personen, welche aus anderen Polis stammten, jedoch in einer Polis, z. B. Athen arbeitenden und Lebten eben jenen Status hatten. Sich dieser jedoch nicht nur in Athen durchsetzte, sondern ähnliche Rechtmäßigkeiten auf dem Prinzip von Athen aufbauend auch in anderen Polis durchgeführt wurden.

[16] Vgl. Schulz, S. 33ff, 2003

[17] Vgl. Dreher, S. 96f, 2001

[18] Vgl. Gehrke, S. 153, 2006

[19] Vgl. Ebd.

[20] Vgl. Dreher, S.126, 2001

[21] Vgl. Gehrke, S.154, 2006

[22] Thuk. II, 23, 4

[23] Thuk. I, 23, 6

Details

Seiten
24
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656563525
ISBN (Buch)
9783656563501
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266324
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Geschichtswissenschaften
Note
3,0
Schlagworte
Perikles Aristoteles Thukydides Grabrede Attisch-Delischer Seebund Bürgerrecht Akropolis

Autor

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Titel: Die Unabdingbarkeit des Peloponnesischen Krieges