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Die Theorien von Buytendijk und Huizinga. Wesen und Sinn des Spiels

Einblicke in die Sphäre des Spiels

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Biographie
1.1. Buytendijk
1.2. Huizinga

2. Spielbegriff
2.1. Ansatz von Buytendijk
2.2. Ansatz von Huizinga

3. Weiterführende Ausführungen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Spiel übt seit jeher eine Faszination auf den Menschen aus. Jeder spielt. Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene frönen der Lust am Spiel. Dabei kann es sich um einfache Gesellschaftsspiele handeln, wie etwa das Kartenspiel oder das Brettspiel, aber auch das Spielen im Sandkasten oder selbst der Liebesakt kann Spiel sein. Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Phänomen des Spiels ? Woher stammt unser Verhalten und welchen Zweck verfolgt es ? Was können wir Spiel nennen und wo hört die Sphäre des Spiels auf zu existieren ? Wie können wir das Wesen des Spiels genauer umschreiben, um es aus dem Kontext unseres Verhaltens als solches herauszukristallisieren ?

Diesen Fragen soll in der folgenden Arbeit anhand der Theorien von Buytendijk und Huizinga nachgegangen werden. Gleich zu Beginn sei mit Hinweis auf die Sprachpragmatische Wende und Wittgensteins philosophische Untersuchungen darauf ver- wiesen, dass schon der Begriff „Spiel“ keiner allgemeingültigen, übergeordneten Definition stand hält, sodass nur von Verwandschaften verschiedener Spiele untereinander die Rede sein kann. Es scheint ähnlich zu sein wie die nähere Auseinandersetzung mit dem Begriff der Kunst.

Spiel kann vieles sein, auch das Musizieren, die Dichtung oder die Rechtssprechung weisen Züge auf, die für das Spiel charakteristisch sind. Wittgenstein sprach einst von Sprachspielen und gestand der Sprache eine natürliche Analogie zu einem Spiel wie Schach zu, indem er bei beidem regulative und konstitutive Regeln zu entdecken glaubte.1

Wie Huizinga und Buytendijk letztendlich den Spielbegriff aufschlüsseln und versuchen das Phänomen des Spiels näher zu erfassen, wird im Folgenden erörtert. Dabei kann selbstverständlich keine vollständige Einsicht in die Komplexität der jeweiligen Theorie gewährt werden. Begeben wir uns also in die Welt des Spiels.

1. Biographie

1.1. Buytendijk

Frederik Jacobus Johannes Buytendijk wurde am 29. April 1887 in der Gemeinde Breda, in der niederländischen Provinz Nordbrabant geboren. Bedeutend für seine Laufbahn war die frühe Bekanntschaft zu Hans Driesch und Max Scheler, welche ihm das Gebiet der Phänomenologie und der Philosophischen Anthropologie in Verbindung mit der theoretischen Biologie und der Verhaltensforschung näher brachte.

1925 wurde Buytendijk Professor für Physiologie an der Universität in Groningen. Während des zweiten Weltkrieges und der damit einhergehenden Besatzung der Niederlande wurde er von der Gestapo verfolgt und tauchte unter. Nach dem Krieg folgte eine Professur für allgemeine Psychologie in Utrecht, außerdem eine außerordentliche Professur für theoretische und vergleichende Psychologie an der Universität in Nimwegen und eine Gastprofessur für vergleichende Psychologie in Löwen. Während seiner Forschungszeit veröffentlichte Buytendijk mehr als 50 Bücher und Monographien und über 200 Artikel in verschiedenen Sprachen. In seinen Phänomenologischen Studien vertrat er die Ansicht, dass das Wissen über die Existenz des Menschen durch Beobachtungen des alltäglichen Lebens gesammelt werden sollte, während hingegen eine sprachlich interpretierte Lebenswelt mit all ihren Eigenschaften fragwürdig und rätselhaft erscheinen würde.

Buytndijkt gilt als Begründer der psychologischen Anthropologie sowie als einer der Ahnherren der kybernetischen Anthropologie. Zudem war er Mitbegründer des Weltverbandes für Sportmedizin und Präsident der AIMS. Bis zu seinem Tode blieb er Vorsitzender der Katholischen Vereinigung für Geistliche Volksgesundheit.

Am 21. Oktober 1974 stirbt Buytendijk im Alter von 87 Jahren in der niederländischen Hansestadt Nimwegen.2

1.2. Huizinga

Johan Huizinga wurde 1872 als zweiter Sohn des Physiologieprofessors Dirk Huizinga in Groningen geboren. Seit seinem 13ten Lebensjahr besuchte er das Gymnasium. Es zeichneten sich bereits früh Interessen auf den Gebieten der Sprachwissenschaften und Völkerkunde ab. 1891 begann er ein Studium der Niederländischen Philologie in Groningen, welches er vier Jahre später erfolgreich abschloss. Es folgte 1897 die Promotion und sechs Jahre später eine Anstellung als Privatdozent für altindische Literatur- und Kunstgeschichte an der Universität von Amsterdam. Seine Frau starb 1914 und hinterließ ihm fünf Kinder, welche er alleine betreute. Ab 1915 unterrichtete Huizinga allgemeine Geschichte und historische Geografie an der Universität in Leiden, an der er wenig später zum Rektor gewählt wurde. Seit 1936 standen Huizingas Werke in Deutschland auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schriftums“, wurden jedoch nicht generell verboten.

Zwei Jahre nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen 1940 wurde Huizinga in das Geisellager Sint-Michielsgestel eingewiesen, jedoch als Folge seines angeschlagenen Gesundheitszustandes und seiner geringen Bedeutung als Geisel bereits ein Jahr später wieder entlassen. Im selben Jahr wurden seine Bücher in den Niederlanden verboten. Zu seinen wesentlichen Werken zählen „Herbst des Mittelalters“ von 1919, „Erasmus“ von 1924 sowie „Homo Ludens“ von 1938.

Johan Huzinga erlag am 1. Februar 1945 einer Krankheit und starb in seinem derzeitigen Wohnort in De Steeg bei Arnheim.3

2. Spielbegriff

2.1. Ansatz von Buytendijk

Buytendijk weist am Anfang seines Buches zunächst darauf hin, dass unsere Sprache kein geeignetes Medium darstellt, um eine vollständige Einsicht in die Phänomene des Seins gewährleisten zu können. Unsere Worte sind beschränkt und geben uns lediglich ein trübes Abbild der Wirklichkeit ohne dabei deren Kerngehalt vollständig zu offenbaren.4

Nach Darwin haben sich diejenigen Eigenschaften durchgesetzt, die zum Erhalt einer spezifischen Art am effizientesten beitragen. Jedoch ist keineswegs davon auszugehen, dass alle Verhaltensweisen der Lebewesen nur nach diesem Gesichtspunkt zu kategorisieren sind. Vielmehr scheint es Vorgänge zu geben, welche keinen bestimmten Zweck verfolgen, jedoch trotzdem bei allen Individuen einer Art anzutreffen sind.5 Nach Freud können zwischen den einfachsten Trieben wie Hunger, Liebe und Tod und zunächst bedeutungslosen Verhaltensweisen, wie dem Spielen, durchaus tiefergehende und komplexere Beziehungen bestehen.6 Buytendijk versucht die Beziehung des Spielens in Verknüpfung zu Trieben und Bewegungsdrang, vor allem aber der jugendlichen Dynamik zu entschlüsseln und so dem Wesen jener Tätigkeit ein Stück näher zu kommen.7

Das Jugendliche weist nach Buytendijk signifikante Zusammenhänge mit dem Spielen an sich auf und dient als Ursprungsquelle für unser spielendes Verhalten. Wesentliches Merkmal des Jugendlichen ist die Ungerichtetheit des Verhaltens, das Fehlen einer Fokussierung auf ein konkretes Ziel.8 Dieser Mangel an Zweckgebundenheit lässt das jugendliche Verhalten als spontane Eigenbewegung erscheinen. Auf dieser Eigenart der jugendlichen Bewegung gründet sich nun das Spiel, welches ebenfalls kein außerhalb seiner selbst liegendes Ziel verfolgt.9 Buytendijk erläutert diese Bewegung noch einmal näher als eine kreisförmige Bewegung, die im Vergleich zu einer bogenförmigen oder gradlinigen Bewegung keinen konkreten Sinn verfolgt, auf den sie zuläuft.10 Dabei spielt auch die Möglichkeit der Wiederholbarkeit eine signifikante Rolle. Unter diese ordnet Buytendijk neben der Kreisbewegung auch noch eine Bewegung hin und zurück, auf und ab, sowie nach links und rechts. Jene sind ebenfalls charakteristisch für das Verhalten von Jugendlichen.11 Und tatsächlich findet sich im Mittelniederländischen und älteren Westgermanischen Sprachgebrauch eine Bedeutung des Wortes Spiel, welche ein Hin und Her oder Hüpfen vor Freude beschreibt.12 Das Element der Wiederholung trägt dabei eine gewisse Rhythmik in sich. Der jugendliche, spontan und rhythmisch geäußerte Bewegungsdrang gründet sich im Freiheitsdrang, ist also im ursprünglichen Sinn Befreiungsdrang.13 Dieser stellt gleichzeitig einen der Grundtriebe des Menschen dar.14 Auch das Element seiner Spontanität findet sich im Sprachgebrauch des Spieles wieder. So wird das Kochen einer flüssigen Substanz im Mittelniederländischen als „spelen“ bezeichnet, wobei dabei nicht nur das Hin und Her der Dampfblasen, sondern auch das spontane Element des Auftretens signifikant ist. Im Mittelalter finden sich ebenfalls derartige Vergleiche mit dem Spontanen, so wurde etwa im Zusammenhang mit der Behandlung einer Wunde mittels einer Kompresse der Satz „opdat het bloed weer speelen ga“ benutzt, was soviel bedeutet wie „dass das Blut wieder zu spielen beginne“.15

Neben dem Freiheitsdrang ist auch der Wiederholungsdrang einer der Grundtriebe.16 Dieser gründet sich nach Freud auch in der gewollten Reproduzierung eines Lustempfindens.17 Spielt beispielsweise ein Kind, indem es einen Ball von sich wirft um diesem sodann nachzulaufen, so gründet sich der Lustgewinn in der Wiederholung dieser Handlung.18 Die Lust am Spielen ist ein weiteres, wesentliches Merkmal des Spiels, denn jedes Spiel beruht auf einer lustbetonten Handlung.19

Aus der Eigenart des oben erörterten jugendlichen Verhaltens und jugendlicher Unerfahrenheit resultiert eine pathische Beziehung zur Umwelt. Eine pathische Beziehung beschreibt eine Art „Ergriffen sein“ in Abgrenzung zur gnostischen Beziehung, welche metaphorisch das „Greifen“ nach etwas meint. Die pathische Ebene bezieht sich auf das „Wie“, die gnostische auf das „Was“ der Dinge. Während sich das Pathische in den Emotionen, dem gefühlten Erleben wiederfindet, ist das Gnostische eher ein intellektueller Drang nach Erkenntnis.20 Nach Buytendijk befindet sich der Mensch nun, sofern er aus der pathischen Beziehungsebene austritt und eine gnostische Einstellung gegenüber seiner Umwelt einnimmt, nicht mehr in der Spielsphäre. Hierauf gründet er auch die zunehmende Abnahme des Spielens im Alter.21

Das Spiel birgt nach Buytendijk noch eine weitere Eigenschaft, welche bisher noch nicht erörtert wurde.

[...]


1 Vgl. Beckermann, Ansgar : Klassiker der Philosophie heute, Reclam Verlag, Stuttgart 2004, S.612/613

2 Vgl. http://www.phenomenologyonline.com/scholars/buytendijk-f-j-j/ sowie http://de.wikipedia.org/wiki/Frederik_Jacobus_Johannes_Buytend%C4%B3k

3 Vgl. Müller, Rebecca : Homo Ludens . Der Ursprung der Kultur im Spiel, GRIN Verlag, Münster 2006, S.4

4 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.15 Abs.1

5 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.10

6 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.16 Abs.3

7 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.17 Abs.2

8 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.24

9 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.68 Abs.2

10 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.68/69

11 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.70

12 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin 1933, S.18 Abs.4

13 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.72/73 Interessant ist hier, dass auch Huizinga von einer Rhythmik spricht, so auf S.15 Abs.3

14 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.161 Abs.1

15 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.18/19

16 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.161 Abs.1

17 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.97

18 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.98 Abs.1

19 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.45 Abs.3

20 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.29/30/31

21 Vgl. Buytendijk, Johannes : Wesen und Sinn des Spiels, Kurt Wolff Verlag, Berlin, S.52/53

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656565420
ISBN (Buch)
9783656565413
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266320
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,3
Schlagworte
Buytendijk Huizinga Spieltheorie Spiel Kultur Philosophie

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