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Leseprobe

Gentrifizierung

Unsere Metropolen werden größer und verändern sich in ihrer Struktur laufend. Die Immobilienenpreise in unseren Städten explodieren und bezahlbarer Wohnraum für den Durchschnittsbürger scheint nicht mehr vorhanden zu sein.

Junge Menschen, die urban und sozial eingebunden leben möchten, begeben sich auf die Suche nach passendem, bezahlbarem Wohnraum und finden ihn nicht mehr. Sind das die Ausblicke, an die wir uns zunkünftig anpassen müssen? Werden junge Menschen, Familien und auch Alte aus den Städten verdrängt und erhalten somit ihren Lebensraum in ländlichen Gegenden zugewiesen, wo sie ihre Kinder aufziehen können, aber lange Arbeitswege in Kauf nehmen müssen oder entwurzelt ihren Lebensabend verbringen? Sollen wir uns also daran gewöhnen, in einer „Hometown“ vor unseren Städten zu leben, und dass attraktive Stadtquartiere nur noch von Wohlstandsbürgern und gewerblichen Nutzern besiedelt werden?

Eine unschöne Vorstellung. Leider aber eine Entwicklung, die sich in den Metropolstädten bereits feststellen lässt und die Anlass zu Forschung und Diskussion gibt. Ebenso hat sie ein passendes Schlagwort erhalten: Gentrification bzw. Gentrifizierung.

Von einer Gentrification wird gesprochen, wenn sich bestimmte Umstrukturierungsprozesse in städtischen Gebieten beobachten lassen. Hierbei wird die oft statusniedrige Bevölkerung des Gebiets nach und nach durch statushöhere ersetzt. Häufig sind hiervon innenstadtnahe Viertel betroffen. Man spricht von einer baulichen sowie sozialen Aufwertung. Das betroffene Gebiet wurde bisher von Arbeitern, Einkommensschwachen, Migranten und Alten bewohnt, die diesen Standort wählten, weil die Mietpreise für sie dort bezahlbar waren.

Am Anfang des Gentrifikationsprozesses gelangen nun zunächst die sogenannten Pioniere in dieses Viertel. Diese sind zwar oft nicht besonders einkommensstark, haben jedoch häufig künstlerisch-kreative Berufe und bringen durch ihre neuen kreativen Ideen auch einen Wandel der Ausstattung von Kultur-, Einzelhandels- und Dienstleistungseinrichtungen mit sich. Es entsteht also das Image eines Szene-Viertels. Dieses Image lockt dann die Gentrifier (aus dem Englischen etwa: Eine Person, die eine Nachbarschaft durch die Renovierung alter Gebäude aufbessert, um eine wohlhabenderes Klientel anzulocken) an. Die Gentrifier gehören oft der statushöheren Bevölkerung an und sind vor allem besserverdienende „Yuppies“ oder höher Gebildete wie etwa Studenten. Durch sie wird das Viertel weiter sozial sowie kulturell aufgewertet. Es folgen schon bald weitere Personen der gehobenen Mittelschicht, wodurch jedoch häufig die Pioniere und die Stammeinwohner verdrängt werden. Da durch sie die Gebäudesubstanzen verbessert werden, steigen wiederum die Mietpreise stark an.

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Details

Seiten
6
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656563563
ISBN (Buch)
9783656563570
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266229
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Schlagworte
gentrifizierung

Autor

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Titel: Gentrifizierung