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Krisenkommunikation im deutschen Profi-Fußball

Am Beispiel der "Steueraffäre Uli Hoeneß"

Bachelorarbeit 2013 75 Seiten

Gesundheit - Sport - Medien und Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

„ DAS ZOCKEN GEH Ö RT VERBOTEN “ ULI HOENE ß IM FOCUS-INTERVIEW (12.08.2009) 1

1 EINLEITUNG

2 FRAGESTELLUNGEN UND GLIEDERUNG DER ARBEIT

3 DIE POLITISCHE DEBATTE UM STEUERFLUCHT UND STEUERHINTERZIEHUNG

4 DIE AKTEURE DER STEUERAFFÄRE
4.1 DER „FC BAYERN MÜNCHEN“
4.2 AUFSICHTSRAT UND VERWALTUNGSRAT DES FCB
4.3 ULRICH „ULI“ HOENEß
4.3.1 Der Manager 15
4.3.2 Der Polarisierer.. 21
4.3.3 Der Wohlt ä ter und Moralist. 23

5 KRISE UND KRISENKOMMUNIKATION
5.1 BEGRIFFE UND INHALTLICHE ABGRENZUNG
5.2 KRISENKOMMUNIKATION IM WEB
5.3 BESONDERHEITEN DER KRISENKOMMUNIKATION IM SPORT
5.4 BEISPIELE FRÜHERER KRISENFÄLLE IM DEUTSCHEN PROFI-FUßBALL
5.4.1 Der „ Bundesliga-Skandal “ 1971 38
5.4.2 Die „ Schiedsrichter-Aff ä re Hoyzer “ 2005. 39
5.5 DIE STEUERAFFÄRE UM DEN EX-POSTCHEF ZUMWINKEL

6 KRISENKOMMUNIKATION IN DER „STEUERAFFÄRE HOENEß“
6.1 METHODISCHE VORGEHENSWEISE
6.2 CHRONIK DES BISHERIGEN KRISENVERLAUFS
6.3 DIE KOMMUNIKATIONSSTRATEGIEN DER AKTEURE
6.4 BEURTEILUNG DER KOMMUNIKATIONSSTRATEGIEN DER AKTEURE

7 EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG

8 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

9 TABELLENVERZEICHNIS

10 ABBILDUNGSVERZEICHNIS

11 LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS.

Deutsche Zusammenfassung

Im April 2013 ist durch eine Indiskretion eine Selbstanzeige des Präsidenten des Fußball- Clubs „FC Bayern München“, Uli Hoeneß, wegen Steuerhinterziehung bekannt geworden. Es gibt staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und Hoeneß war auch kurzfristig verhaftet worden. Hoeneß galt bislang als moralisch integre Persönlichkeit und gesellschaftliches Vorbild. Die Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion des Bayern- Präsidenten ist durch die Affäre nun aber stark beschädigt worden. Die Vereinsführung ist bemüht, die Krise als eine Privatangelegenheit von Hoeneß hinzustellen und damit den FC Bayern München aus der Schusslinie zu nehmen. Allerdings gibt es auch Hinweise, dass Beteiligungspartner und Sponsoren des FC Bayern München in die Affäre verwickelt sein könnten. Die Reaktionen auf den Skandal reichen bis hinein in die Politik und heizen die ohnehin seit Jahren schwelende Diskussion um Steuerflucht und die Austrocknung von Steueroasen neu an.

Im Rahmen der Bachelorarbeit werden die Kommunikationsstrategien der beteiligten Akteure - allen voran Uli Hoeneß, des Fußball-Clubs Bayern München sowie des Aufsichtsrats und des Verwaltungsrats des Vereins - dargestellt und bewertet. Zunächst werden die Akteure und die von ihnen verkörperten Rollen vorgestellt und der Verlauf der Krise mit Hilfe einer internet-basierten empirischen Analyse mit theoretischen Verlaufsmustern von Organisationskrisen verglichen.

Auf Basis neuerer theoretischer und experimenteller Studien zur Krisenkommunikation wird dann ein Instrumentarium herausgearbeitet, anhand dessen die Kommunikationsstrategien der Akteure bewertet werden.

Im Ergebnis zeigt es sich, dass die Kommunikationsstrategien von Verein und Aufsichtsrat/Verwaltungsrat angemessen und erfolgversprechend erscheinen. Die vom Hauptakteuer, Uli Hoeneß, verfolgte Strategie ist jedoch widersprüchlich und inkonsistent. Seine Glaubwürdigkeit erscheint nachhaltig erschüttert zu sein. Während der Fußball-Club FC Bayern München - unabhängig vom juristischen Ausgang der Affäre - die Krise weitestgehend unbeschadet überstehen dürfte, ist das Ende der Karriere des Vereinspräsidenten auf Grund nicht mehr behebbarer Mängel seines Kommunikationsverhaltens und nicht auflösbarer Widersprüche seines in der Öffentlichkeit gezeichneten Bildes absehbar.

English Abstract

A voluntary declaration of the president of the football club "FC Bayern München", Uli Hoeneß, has been published because of tax evasion by an indiscretion in April 2013. There are legal investigations by public prosecutors and Hoeneß also was arrested at short notice. Up to now, Hoeneß was regarded as morally upright personality and social example. Now, the credibility and role-model function of the Bavarian football club president has been strongly damaged by the affair. The club leadership tries to set the crisis as a private matter of Hoeneß and to remove FC Bayern München from public view. However, there are hints that business partners and sponsors of FC Bayern München could be tangled up in the affair. The reactions to the scandal have reached politics and stimulates the discussion around tax evasion and the dehydration of tax havens. This Bachelor paper tries to analyze the communication strategies of the main protagonists involved in the tax affair - first and foremost Uli Hoeneß, the Munich football club president as well as the supervisory board and the administrative board of the organization. At first the protagonists and the roles embodied by them are introduced and the course of the crisis will be compared with theoretical patterns. Based on newer theoretical and experimental studies crisis communication instruments will be developed and applied.

As a result it seems that the communication strategies of organization and supervisory board/administrative board are adequate and promising. The strategy pursued by the dominant player, Uli Hoeneß, however, seems contradictory and inconsistent. His reliability seems to be damaged. Independently from the legal outcome of the affair, the football club FC Bayern München might come through the crisis without significant damage. On the other hand, the end of the career of the organizations president is foreseeable due to no longer recoverable defects of its communication behaviour and not soluble contradictions of its picture drawn in public.

„ Das Zocken geh ö rt verboten “

Uli Hoene ß im Focus-Interview (12.08.2009) 1

1 Einleitung

Wie ein Blitz hat die in der zweiten Aprilhälfte 2013 bekannt gewordene Steueraffäre um den Präsidenten des renommierten Münchner Fußballclubs „FC Bayern München“ (FCB), Uli Hoeneß, in der Öffentlichkeit eingeschlagen. Galt Hoeneß, der für seine offene Sprache bekannt ist, bislang schon fast als eine moralische Instanz, ist sein Ruf nun schwer angeschlagen. Hoeneß soll Gewinne, die er bei Börsengeschäften erzielt hat und die er über ein Schweizer Konto abwickelte, beim deutschen Fiskus nicht versteuert haben. Ausdiesem Grund hat er im Januar d.J. bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Selbstanzeige gestellt. Die Medien sprachen von nicht versteuerten Millionenbeträgen und davon, dass Hoeneß nun möglicherweise sogar Haft drohe. Auswirkungen auf den in der Fußball-Bundesliga und auf internationalem Parkett erfolgreichen Verein „FC Bayern München“ oder gar auf das Ansehen des Fußballs insgesamt waren und sind nicht auszuschließen. Die Öffentlichkeitsarbeit des FCB stand und steht damit vor neuen, bislang für den Club unbekannten Herausforderungen. Denn nicht nur bei den Fans könnte Frustration und Ärger abgelassen werden und die Popularität des Vereins leiden. Darüber hinaus besteht auch die Gefahr, dass sich Sponsoren, die als Wirtschaftsunternehmen auf moralisch aufgeladene Themen empfindlich reagieren, zurückziehen könnten. Während die finanziellen Folgen der Affäre - Nachzahlungen, Anwaltskosten, mögliche Strafzahlungen - ausschließlich bei Hoeneß privat anfallen sollten, könnte vor allem ein gerichtliches Nachspiel auch den Namen des Vereins belasten. Es erscheint schon paradox: Während noch 2012 in einer Publikation2 die These vertreten wird, dass „man, … gemessen an seinem Anspruch, den FC Bayern … zur europäischen Nummer eins des Fußballs zu machen, …den Manager Uli Hoeneß als einen Gescheiterten“ betrachten müsse, scheitert Uli Hoeneß nun ausgerechnet auf dem Höhepunkt der sportlichen Erfolge des FC Bayern München - ‚Triple‘-Gewinn durch Deutsche Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League Erfolg - womöglich an privaten Unzulänglichkeiten, mit denen ihn das Publikum bislang wohl kaum in Verbindung gebracht hätte.

2 Fragestellungen und Gliederung der Arbeit

Ziel der Bachelor-Arbeit ist es, die Krisenkommunikation des Vereinspräsidenten Uli Hoeneß sowie diejenige des Vereins in der aktuellen Steueraffäre kritisch darzustellen und an den aus der Literatur bekannten Kriterien einer effizienten Krisenkommunikation zu messen. Hierbei soll auch auf Herausforderungen ethischen Handels, mit denen besonders die einer breiten Öffentlichkeit bekannten Unternehmen und Personen konfrontiert sind, eingegangen werden. In diesem Zusammenhang sind darüber hinaus Wechselwirkungen mit der Politik zu berücksichtigen, zumal Fragen der strafrechtlichen Behandlung von „Steuersündern“ von politischen Parteien wie der SPD oder den „Grünen“ im Vorfeld der für den Herbst 2013 anstehenden Bundestagswahl und der Landtagswahl in Bayern zu einem zentralen Thema erhoben worden sind. Darüber hinaus sollen neben der Rolle der Medien und ihrer Berichterstattung in der aktuellen Krise die kommunikationspolitischen Maßnahmen und Strategien des FCB strukturiert erfasst und bewertet werden. Dabei ist zu untersuchen, wie der Vereinspräsident Uli Hoeneß und der FCB mit dem Thema umgehen, ob und wie Medien, Fans und Teilnehmer in sozialen Netzwerken agieren und wie sie mit dem FCB und dem beschuldigten Uli Hoeneß kommunizieren. Weiterhin soll das Verhältnis zwischen Uli Hoeneß und dem FCB betrachtet werden, also wie der FCB und sein Aufsichtsrat ihr Verhältnis zueinander definieren. Ergänzend soll der Frage nachgegangen werden, ob es dem FCB gelingt, mit dem Deutschen Fußballbund insgesamt sowie mit seinen Sponsoren eine gemeinsame Sprachregelung in der medialen Aufarbeitung des Themas zu finden. Dabei geht es vor allem darum, Schaden für den Verein, die kommerziellen Interessen der Werbepartner und den (Fußball-)Sport an sich abzuwenden. Primäres Ziel des FCB wird es sein, möglichst ohne Bruchstellen eine Fortsetzung der „Erfolgsgeschichte“ des FCB zu gewährleisten.

Die aktuelle Krise um den amtierenden FCB-Präsidenten ist bis zum Abgabedatum der Bachelorarbeit nicht abgeschlossen. Trotzdem soll versucht werden, in der Arbeit eine vorläufige Bilanz über Erfolg und Misserfolg der Krisenkommunikations-Maßnahmen des FCB und seines Präsidenten zu ziehen.

Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: Zunächst wird der politische Hintergrund - die seit Jahren von Regierungen und politischen Parteien intensiv geführte - Debatte um Steuerflucht und Steuerhinterziehung ausgeleuchtet und die gesellschaftliche Brisanz des Falls herausgearbeitet. Anschließend werden die in die Affäre verwickelten oder von ihr betroffenen Akteure und die von ihnen verkörperten Rollen vorgestellt. Sodann wird der Verlauf der Affäre um Uli Hoeneß anhand der Medienberichterstattung dargestellt und eine aktuelle Bestandsaufnahme vorgenommen. In dem darauf folgenden theoretischen Teil werden die Meinungen und Ratschläge der Literatur zum Thema „Krisenkommunikation“ zusammengefasst. Der Krisenkommunikation im deutschen Profi-Fußball gilt dabei das besondere Interesse. Darauf aufbauend werden operationalisierbare Kriterien für eine Beurteilung der Krisenkommunikation im Umfeld des Profi-Fußballsports herausgearbeitet. Bevor dann die in die „Affäre Hoeneß“ verwickelten Akteure anhand dieser Kriterien bewertet werden, erfolgt noch ein kurzer Rückblick auf vergleichbare Affären im Umfeld des deutschen Sports oder auf spektakuläre Fälle im Zusammenhang mit Steuerdelikten.

Abschließend erfolgt - unter Berücksichtigung der bisherigen krisenkommunikatorischen Erkenntnisse - ein Ausblick auf mögliche Szenarien, wie sich die Affäre um den FCB-Vereinspräsidenten Uli Hoeneß weiter entwickeln könnte. Eine juristische Bewertung des Falls ist ausdrücklich nicht Aufgabe der Arbeit; vielmehr stehen die kommunikativen Aspekte - Gerüchte, Berichte, Informationen, Desinformationen - im Vordergrund. Hinsichtlich einer Aufklärung der tatsächlichen Faktenlage verfügt ausschließlich die Justiz über die notwendigen Instrumente und Kompetenzen. Weitere Informationen sollten daher, soweit sie nicht unter das Steuergeheimnis fallen und falls es tatsächlich zu einer Gerichtsverhandlung gegen Hoeneß kommen sollte, frühestens 2014 publik werden - wobei natürlich nie auszuschließen ist, dass durch Indiskretionen von interessierter und informierter Seite neue Tatsachen vorab bekannt werden können. Darüber zu spekulieren, ist jedoch ebenfalls nicht Aufgabe dieser Arbeit.

3 Die politische Debatte um Steuerflucht und Steuerhinterziehung

Die Steueraffäre um den FCB-Präsidenten Uli Hoeneß fällt in eine Zeit, in der die Bekämpfung von Steuerflucht, Steuerhinterziehung und Steuervermeidung zu einem zentralen, fast plakativ zu nennenden Ziel der Politik geworden worden ist. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. So steht z.B. die Steuerthematik ganz oben auf der Agenda des aktuell im Juni 2013 in Nordirland tagenden G8-Gipfels der Regierungsvertreter der acht größten Industrienationen.3 So erklärten die G8-Staats- und Regierungschefs, dass die „aggressive Steuergestaltung“ von Unternehmen bekämpft und „Lücken im Steuer- und Gesellschaftsrecht“ geschlossen werden sollen, um zu verhindern, dass „die Steuerlast (von Unternehmen) auf … im Ausland erwirtschaftete Gewinne“ gedrückt werden könne. Während es bei dieser Absichtserklärung noch vorrangig um die Aushebelung trickreicher Steuer- und Gestaltungsmodelle von Unternehmen geht, wurde gleichzeitig aber kein Zweifel daran gelassen, dass auch Private im Focus stehen: „Darüber hinaus haben sich die Staats- und Regierungschefs auf einen umfassenden Daten- und Informationsaustausch geeinigt, um Steuerhinterziehung in Zukunft besser bekämpfen zu können.“4 Dazu soll „zügig“ ein standardisierter … und effizienter Datenaustausch“ eingerichtet werden. 75 Staaten hätten inzwischen schon verabredet, sich diese Daten untereinander zur Verfügung zu stellen. Das neue Netzwerk soll von einem „Aktionsplan gegen Geldwäsche“ flankiert werden, um „wahre Besitzverhältnisse“ an Unternehmen offenzulegen.

In Deutschland tragen zwar „die oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher bereits zu mehr als 50 Prozent des Einkommensteueraufkommens bei“5, jedoch wird bemängelt, dass sich diese Einkommensgruppen auf Grund ihrer besonderen Mobilität etwa „durch Wohnsitzverlagerungen … in ‚Steueroasen‘ … der Steuerpflicht entziehen (können) … Dieser Zustand verletzt das Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürger.“6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beitr ä ge zur Einkommensteuer (Deutschland 2011) im Vergleich7

Daher haben sich - mehr noch als die Berliner Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP - allen voran die Oppositionsparteien im Deutschen Bundestag, „SPD“8 und „Bündnis90/Die Grünen“9, die Bekämpfung von Steuerflucht und Steuerhinterziehung auf die Fahnen geschrieben. Während die Sozialdemokraten diesen Feldzug vorrangig damit begründen, dass Steuerhinterziehung „eine Straftat (sei), die das Vertrauen in den Rechtsstaat untergräbt und den Zusammenhalt unserer Gesellschaft gefährdet“, geht Jürgen Trittin von „Bündnis90/Die Grünen“ noch einen Schritt weiter und behauptet, dass „rechtsfreie Räume wie Steueroasen …eine Gefahr für (den) Frieden … darstellen.“ Zusätzlich angefacht wird die verschärfte Suche nach „Steuersündern“ auch durch die sog. „Europäische Staatsschuldenkrise“ („Euro-Krise“). So verweist die SPD in der oben zitierten „Braunschweiger Erklärung“ darauf, dass die durch „Steuerbetrug“ verursachten staatlichen Einnahmenausfälle „vor dem Hintergrund der aktuellen Finanznot einiger europäischer Staaten … geradezu grotesk“ seien. EU-Ratspräsident Van Rompuy sekundiert, dass „die EU etwa eine Billion Euro an Steuereinnahmen durch Steuervermeidung und Steuerflucht (verliere), (was) wir … uns einfach nicht leisten (können).“10 US-Präsident Obama befindet sich angesichts der massiven - wenn auch in den letzten Monaten sich etwas entspannenden - amerikanischen Haushaltsprobleme ganz auf der europäischen Linie, Steuerhinterziehung international koordiniert zu bekämpfen und geht in diesem Zusammenhang mit vergleichsweise robusten Methoden gegen die Schweiz vor, um so steuerflüchtige Amerikaner aufzuspüren.11 Im Gegensatz zu Obamas Vorgehen hatte die Deutsche Bundesregierung mit der Schweiz ein einvernehmliches Abkommen ausgehandelt, das deutschen Steuersündern mit Konten in der Eidgenossenschaft die Möglichkeit zu einer einmaligen Pauschalversteuerung dort „schwarz“ gehorteter Gelder zu geben beabsichtigte. Der Steuersatz „sollte zwischen 21 und 41 Prozent liegen12 und anonym an den deutschen Fiskus überwiesen werden - rückwirkend für zehn Jahre“.13 Dieses Abkommen scheiterte jedoch Ende 2012 am Widerstand der von SPD und Grünen regierten Bundesländer im Vermittlungsausschuss des Bundesrates.

Brisanz hatte die Debatte um Steuerflucht und Steuerhinterziehung in Deutschland ursprünglich im Jahre 2006 erlangt, als die Finanzbehörden einiger Bundesländer, allen voran diejenigen Nordrhein-Westfalens, erstmals mit dem - rechtlich durchaus umstrittenen, weil auf geheimdienstlichem Wege organisierten - Ankauf sogenannter „Steuer-CDs“ bislang geheime Bankkonten deutscher Staatsbürger in Liechtenstein und der Schweiz aufdecken konnten. Bislang prominentestes Opfer dieser Aktion wurde der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel, der 2009 wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden ist.14

In der öffentlichen Diskussion werden Steuerflucht und Steuerhinterziehung von Politik und Medien gerne als „Betrugsdelikt“ hingestellt. So verwendet die SPD in ihrer „Braunschweiger Erklärung“ mehrfach den Betrugsbegriff im Zusammenhang mit steuerlichen „Hinterziehungsstrategien“ und in den Medien wird rasch von „Steuerbetrügern“ gesprochen, denen „das kriminelle Handwerk zu legen“ sei.15 In einem Interview16 mit „Steuerpsychologen“ der „Sigmund-Freud-Privatuniversität (Wien)“ wird in der Süddeutschen Zeitung beklagt, dass „Jahr für Jahr … die Deutschen bei der Steuererklärung tricksen, schummeln und betrügen“. Dadurch entstünde „dem Fiskus ein keine eigenen Steuern, sie bestimmt allerdings die Regeln, wie auf nationaler mitgliedstaatlicher Ebene besteuert wird. Vgl. dazu Philipp Genschel 2009 Milliardenschaden“. Zugleich wird bedauert, dass in der Vergangenheit oftmals

„Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt schöngeredet“ worden sei, aber es sei nun festzustellen, dass „die soziale Akzeptanz für diese Form von Betrug schwindet“. Daher sei jetzt ein „Ende der Schonzeit“17 angesagt!

Tatsächlich wird in der Öffentlichkeit nun vermehrt über die Frage diskutiert, ob die sog. „Selbstanzeige“ für Steuersünder noch „zeitgemäß“18 sei, die - rechtzeitig gestellt - unter gewissen Bedingungen19 für den Betroffenen eine Straffreiheit in Aussicht stellt und neben der Rückzahlung der hinterzogenen Steuern sowie von Zinsen und Säumniszuschlägen in aller Regel „nur“ ein Bußgeld zur Folge hat. Wichtig ist auch, dass beim Vorliegen einer wirksamen(!) Selbstanzeige das sog. „Steuergeheimnis“ weiter gilt. Während sonst bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die zuständige Staatsanwaltschaft der Verdacht auf Steuerhinterziehung öffentlich wird, „schützt das Steuergeheimnis vor der Weitergabe von Informationen durch Behörden an Dritte.“20

Rein juristisch gibt es allerdings einen nicht unerheblichen Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Betrug und damit auch einen Rechtfertigungsgrund für das jetzt vermehrt infrage gestellte Instrument der Selbstanzeige. Dabei spielt weniger die steuerpolitische Erwägung eine Rolle, dass mit dem Instrument der Selbstanzeige „unbekannte Steuerquellen (zu erschließen seien), deren Besteuerung für die Vergangenheit, aber auch die Zukunft sichergestellt werden soll … (und) … dem Steuerpflichtigen die Rückkehr in die Steuerehrlichkeit zu erleichtern (sei).“21 Vielmehr ist zu bedenken, dass bei strittigen Schuldverhältnissen zwischen natürlichen und/oder juristischen Personen grundsätzlich der zivilrechtliche Klageweg zu beschreiten ist. Das Privaten nicht zustehende Sonderrecht des Staates, Steuerforderungen auch mit strafrechtlichen Mitteln durchzusetzen, wird nach Auffassung der Bucerius Law School (Hamburg) mit dem „chronischen Informationsdefizit des Staates und seiner daher schwachen Gläubigerstellung“ begründet. Zwar liege bei Steuerhinterziehung „ganz ähnlich wie beim Betrug (das) Ausnutzen eines intellektuellen Defizits des Opfers (zugrunde), … dies dürfe jedoch nicht über die Besonderheit des Steuerschuldverhältnisses22 hinwegtäuschen“, so dass es sich um „ein eigenständiges … Delikt … handele…, dessen Bezeichnung als Steuerhinterziehung des Pudels Kern trifft.“23. Nach persönlicher Auffassung des Autors stellt sich die Situation auf Grund der inzwischen weitgehend erfolgten Abschaffung des Bankgeheimnisses,24 einer staatlich organisierten Auskundschaftung der Steuerpflichtigen mit sogar geheimdienstlichen Mitteln sowie auf Grund der überhaupt sehr weit gediehenen Informationsvernetzung staatlicher Stellen - selbst auf internationaler Ebene - und der damit einhergehenden Schaffung des „gläsernen Bürgers“ vielmehr so dar, dass die behauptete Informationsasymmetrie zwischen Staat und Bürger faktisch nicht mehr vorliegt. Wenn diese Asymmetrie - wie in der Literatur behauptet - aber die Hauptrechtfertigung für den Straftatbestand der Steuerhinterziehung darstellt, müsste dieser streng genommen entfallen und der Staat beim Eintreiben von Steuern auf den üblichen zivilrechtlichen Weg verwiesen werden. Selbst die „linke“, zu „Etatismus“25 und Staatsgläubigkeit neigende „Frankfurter Rundschau“ (FR) räumt in einem Kommentar zum Fall Hoeneß ein, dass das Recht des Staates zur Beitreibung von Steuern und der dazu gehörenden Begleitumstände „immer wieder neu legitimiert werden“ müsse und „einer allgemeinen Akzeptanz“ bedürfe. Die FR zitiert in diesem Zusammenhang den Philosophen Peter Sloterdijk, den in einem Essay vorgeschlagen hatte, den „steuerlichen Zwang … (durch) freiwillige“ Leistungen abzulösen, also „Spenden statt Steuerbescheid“ - auch wenn die FR diesen Vorschlag eher als „feuilletonistischen Einfall“ denn als „pragmatischen Lösungsansatz zur … Staats- finanzierung“ abqualifiziert.26

4 Die Akteure der Steueraffäre

Hauptakteure in der gegenwärtigen Steueraffäre sind neben dem Beschuldigten - also Uli Honeß persönlich - der Sportverein „FC Bayern München e.V.“, dem Uli Hoeneß als Präsident vorsteht, sowie die mehrheitlich dem Verein gehörende Aktiengesellschaft (AG), die für den Profi-Fußball des FC Bayern München zuständig ist. Verein und AG können jedoch, da Interessengleichheit besteht, gemeinsam (als ‚FCB‘) betrachtet werden. Eine besondere Rolle kommt dem Aufsichtsrat der AG als Akteur in der gegenwärtigen Krise zu.27

4.1 Der „ FC Bayern M ü nchen “

Der „FC Bayern, München e.V.“ (FCB) ist ein in München eingetragener Fußball-Club und wurde im Jahre 1900 gegründet. Er zählt mit fast 200 Tausend Mitgliedern zu den mitgliederstärksten Sportvereinen weltweit. Er gilt als der erfolgreichste deutsche FußballClub überhaupt und spielt auch international in der „Ersten Liga“.

Kaum ein Bundesliga-Verein emotionalisiert und polarisiert die Fans stärker. Ein beachtlicher Teil der Club-Mitglieder ist nicht nur im Raum München beheimatet, sondern verteilt sich über die ganze Republik. Die Fußballer des FCB können, anders als viele andere eher rein regional orientierte Bundesliga-Vereine, damit auch auswärts auf kräftige Unterstützung aus der Fan-Gemeinde bauen.

In der deutschen Fußball-Bundesliga, der höchsten Spielklasse des deutschen Männerfußballs, ist der Verein seit 1965 ununterbrochen vertreten und dominiert die Liga seit den 70er Jahren. Schon 22-mal wurde der FC Bayern in der Bundesliga Deutscher Fußballmeister, zuletzt in der jetzt abgelaufenen Saison 2012/13. Zuvor hatte der Verein schon 1932 die Deutsche Meisterschaft erringen können. Den DFB-Pokal der Männer des Deutschen Fußballbundes (DFB) konnten sich die Bayern bisher 16-mal sichern, zuletzt ebenfalls 2013. Auf europäischer Ebene zählt der FCB mit sechs Europapokalsiegen zu den fünf erfolgreichsten Vereinen. Im sog. „Weltpokal“ des Vereinsfußballs, der allerdings seit 2005 nicht mehr ausgetragen wird, sind die Bayern zweimal erfolgreich gewesen, dabei zuletzt 2001. 2013 gelang des „Bayern“ erstmals sogar das sog. „Triple“, d.h. der gleichzeitige Gewinn der „Champions League“ - der höchsten Spielklasse im Männer- Profifußball auf europäischer Ebene -, des DFB-Pokals sowie der Bundesliga- Meisterschaft. Aus dem FC Bayern München sind zahlreiche herausragende Spielerpersönlichkeiten hervor gegangen, darunter Nationalspieler wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Lothar Matthäus, Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner, Dieter und Uli Hoeneß (letzterer heute Präsident des FCB), Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger sowie die Torwarte Sepp Maier, Oliver Kahn und Manuel Neuer - um nur einige wenige zu nennen.

Auch wenn sich der FC Bayern München „Fußball-Club“ nennt, sind unter seinem Dach zahlreiche weitere Sportarten vertreten, darunter der Frauen-Fußball, die Basketballer, der Handball, die Turner und eine Schach-Abteilung. Organisatorisch ist der FCB dreigeteilt. So wurde 2002 von der Mitgliederversammlung des Vereins die Ausgliederung der Fußball- Profiabteilung in eine 2001 gegründete kommerzielle Aktiengesellschaft des FC Bayern München beschlossen. Die AG war ursprünglich wegen des Mega-Projekts „Allianz-Arena“

- des neuen Fußball-Stadions - ins Leben gerufen worden. Die Aktien der Gesellschaft sind
- anders als etwa diejenigen des Bundesligakonkurrenten Borussia Dortmund - nicht börsennotiert. Das Grundkapital beträgt 25 Millionen Euro. Anteilseigner sind der FC Bayern München e.V. mit 81,8%, der Sportartikelhersteller adidas mit 9,1% sowie der Automobilhersteller Audi mit ebenfalls 9,1%. Vorstandsvorsitzender der AG ist der ehemalige Fußball-Nationalspieler Karl-Heinz Rummenigge. Er ist für die Bereiche Unternehmenssteuerung und -Kommunikation sowie die Vertretung in nationalen und internationalen Gremien zuständig.

Während die AG für die professionelle Herrenmannschaft der Ersten Bundesliga, den Frauen-Fußball sowie die übrigen Fußball-Amateure und Juniorenmannschaften verantwortlich zeichnet, bleiben die sonstigen Sportarten - darunter der Basketball - weiterhin dem Verein zugeordnet. Uli Hoeneß ist als Präsident des Vereins - obgleich etwa in Sachen Bundesliga oder Pokal immer medienwirksam präsent - formal nicht für den Fußball des FC Bayern München zuständig. Obgleich der Verein Mehrheitseigner der FCB AG ist, bezeichnet ihn Hoeneß als „nur ein Anhängsel“ der Profiabteilung.28

Neben Verein und AG gibt es weiterhin noch die FCB Hilfe e.V., eine gemeinnützige Einrichtung des Fußball-Clubs in Vereinsform, die Spendengelder für mildtätige und gemeinnützige Zwecke, vor allem zur Unterstützung unschuldig in Not geratener Personen, bereitstellt. Vorsitzender ist Karl Hopfner. Weiterhin engagiert sich der FCB über die AG beim „Bündnis Münchner Courage“, einer „Initiative gegen Gewalt“, die aus Anlass des 2009 begangenen Gewaltverbrechens Jugendlicher an dem durch sein mutiges Handeln bekannt gewordenen Dominik Brunner gegründet worden ist.29

Laut Satzung30 „gehört“ der „FC Bayern, München e.V.“ - und damit auch die in die Aktiengesellschaft ausgelagerte Fußball-Profiabteilung - den Mitgliedern des Vereins.31 Faktisch ergeben sich aus dieser Eigentümerschaft für die Mitglieder des Vereins aber

keinerlei materiellen Ansprüche. So wird in der Satzung des Vereins klargestellt, dass die

„Mitglieder … keine Zuwendungen aus Mitteln des Clubs“ erhalten. Darüber hinaus stehen ihnen bei einer eventuellen Auflösung des Clubs oder einer Beendigung von Mitgliedschaften „kein Anspruch auf das Clubvermögen zu“. Vielmehr soll im Falle einer Auflösung des Vereins das Clubvermögen - wozu dann auch die den Profi-Fußball verkörpernde Aktiengesellschaft gehören würde - „an den FC Bayern Hilfe e.V.“ fallen, der es „ausschließlich für gemeinnützige, mildtätige Zwecke zu verwenden hat.“.

Während im Verein die Gelder „nur für satzungsmäßige Zwecke“ - also z.B. die Durchführung sportlicher Übungen, die Errichtung und den Unterhalt von Sportanlagen und die körperliche und charakterliche Förderung der Jugend - verwendet werden dürfen, zahlt die Aktiengesellschaft des Profi-Fußballs als kommerzielle Einrichtung auch stattliche Gehälter an Spieler, Trainer, Vorstände und sonstiges Personal. Die AG produziert sportlichen Unterhaltungswert. Ihre Gewinne stehen prinzipiell der „Vereinskasse“ (sowie den weiteren Aktionären) zu, werden überwiegend aber für Investitionszwecke einbehalten. Allerdings unterstützt die AG z.T. auch direkt ausgewählte Sportarten finanziell, die im Verein angesiedelt sind, z.B. die in der Bundesliga spielenden Basketball-Profis des FCB. 32

4.2 Aufsichtsrat und Verwaltungsrat des FCB

Der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG lenkt aus strategischer Sicht die Geschicke des Profi-Fußballs der „Bayern“; er ernennt und kontrolliert den Vorstand der AG. Vorsitzender des neunköpfigen Aufsichtsgremiums ist Uli Hoeneß. Ihm kommt diese Position zu, weil der Verein - dessen Präsident er ist - die Mehrheit an der FCB AG hält.33 Hoeneß ist also in mehreren Rollen - als Vorsitzender des Aufsichtsrates und als Präsident des Vereins - in die Geschicke des FC Bayern München involviert. Dem Aufsichtsrat der AG gehören neben Hoeneß u.a. der ehemalige Ministerpräsident von Bayern, Edmund Stoiber, sowie die Vorstände von adidas, Audi und Volkswagen sowie der Finanzvorstand der Deutschen Telekom sowie Focus Herausgeber Helmut Markwort an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Aufsichtsrat der FCB AG34

Die Hauptversammlung - also die Anteilseigner - wählen die Mitglieder des Aufsichtsrates (AR). Der Vorsitzende des Aufsichtsrates wird üblicherweise nur von den Vertretern der Anteilseigner im Aufsichtsrat gewählt; dafür ist eine 2/3-Mehrheit erforderlich35. Die Anteilseigner im Aufsichtsrat werden durch Uli Hoeneß und die Vorstände von adidas und Audi repräsentiert. Da der FC Bayern, München e.V. im Aufsichtsrat der AG ungeachtet der Mehrheitsverhältnisse nur mit einer Stimme - der von Uli Hoeneß selbst - vertreten ist, wäre eine Abwahl des AR-Vorsitzenden prinzipiell ohne Zustimmung des FCB-Vertreters möglich. Denn die Vertreter von adidas und Audi - H. Heiner und R. Stadler - stellen zusammen die für die Wahl des AR-Vorsitzenden erforderliche 2/3-Mehrheit. Sie bestimmen letztlich also, ob Uli Hoeneß Vorsitzender des AR bleibt oder nicht.

Auf die Rolle von Hoeneß als Präsident des Vereins - des FC Bayern, München e.V. - hat der Aufsichtsrat jedoch keinen unmittelbaren Einfluss. Allerdings ist der ehemalige Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber nicht nur Mitglied des Aufsichtsrates der AG, sondern auch Vorsitzender des Verwaltungsrates (vergleichbar mit den Funktionen eines Aufsichtsrates) des Vereins. Gemäß Vereinssatzung steht dem Verwaltungsrat das Recht zu, den Präsidenten vorzuschlagen.36 Eine Verlängerung der Vereins- präsidentschaft steht für dieses Jahr an. Theoretisch denkbar wäre es zwar, dass Hoeneß von der Mitgliederversammlung des Vereins trotz Vorschlags durch den Verwaltungsrat nicht bestätigt werden würde. Allerdings stünden für einen solchen Fall dem Verwaltungsrat weitgehende Möglichkeiten offen, den eigenen Kandidaten gegen den Willen der Mitgliederversammlung durchzusetzen. Daher verwundert es auch nicht, dass umgekehrt der Möglichkeiten der Mitgliederversammlung des Vereins begrenzt erscheinen, Uli Hoeneß gegen eventuell anderslautende Vorschläge des Verwaltungsrates als Vereinspräsidenten durchzusetzen. Auch in diesem Fall sitzt der Verwaltungsrat gemäß Satzung „am längeren Hebel“. Insofern stellt der Aufsichtsrat der AG, dem auch Bayerns Ex-Ministerpräsident Stoiber als Verwaltungsratsvorsitzender des Vereins angehört das faktisch entscheidende Gremium dar, das auch über einen Verbleib von Hoeneß im Präsidentenamt entscheidet. Eine weitere besondere Bedeutung kommt in der aktuellen Affäre um den Vereinspräsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Uli Hoeneß dem stellvertretenden AR-Vorsitzenden, Herbert Hainer37, zu, der als Vorstandsvorsitzender des Sportausrüsters adidas wie erwähnt 9,1 Prozent der Anteile an der FC-Bayern-AG vertritt. So soll der frühere adidas-Eigner, der inzwischen verstorbene französische Unternehmer Louis-Dreyfus, Hoeneß das jetzt im Fokus der Ermittlungen stehende Konto für die Börsengeschäfte in der Schweiz eingerichtet und dafür auch persönlich gebürgt haben. Eine im Zusammenhang mit der aktuellen Steueraffäre eher zwiespältige Rolle spielt das Aufsichtsratsmitglied Helmut Markwort38. Markwort ist Vorstandsmitglied der Hubert Burda Media und Herausgeber ausgerechnet desjenigen Nachrichtenmagazins, das die Selbstanzeige von Hoeneß als erstes publik gemacht hat.3940

4.3 Ulrich „ Uli “ Hoene ß

„Die Namen ‚FC Bayern, München‘ und ‚Uli Hoeneß‘ gehören untrennbar zusammen: ‚Er denkt FC Bayern, er fühlt FC Bayern, er lebt FC Bayern, er ist FC Bayern, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, sein Leben lang‘“. Dies proklamierte FC-Bayern- Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in seiner Laudatio anlässlich Hoeneß‘ 60. Geburtstag im Januar 2012.41 Die Presse42 meldete, dass „Hoeneß … den FC Bayern

[...]


1 Andreas Haslauer und Thorsten Jacobs 2009

2 Bausenwein 2009 S. 458

3 Zur Rolle der G8-Gruppe vgl. z.B. wikipedia.org.

4 ENRIKE ROSSBACH und MANFRED SCHÄFERS 2013

5 Adam 2009 S. 324

6 Adam 2009 S. 155

7 Quelle: FAZ.NET (FAZ.NET

8 SPD: „Steuerbetrug (ist) kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die das Vertrauen in den Rechtsstaat untergräbt“

9 Jürgen Trittin 2013

10 Deutschlandfunk 2013a. Aktuell ist allein Österreich noch der einzige Staat der EU, der sich gegen die völlige Lockerung des Bankgeheimnisses sträubt. Vgl. Deutschlandfunk 2013b. Die EU erhebt zwar

11 Die Zeit 2013 und Wiener Zeitung 18.06.201. In der Vergangenheit hatte auch SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück schon schweres Geschütz gegen die Schweiz aufgefahren und damit gedroht, dass „manchmal … Kavallerie besser“ sei als „Diplomatie“. Vgl. dazu Veit Medick 2013

12 Zum Vergleich: Der Spitzensteuersatz auf Einkommen liegt - ohne Solidaritätszuschlag - in

Deutschland bei 42% und steigt ab einem p.a. zu versteuernden Betrag von 250 Tsd. Euro auf 45 %. Siehe z.B. Adam 2009 S. 325

13 Vgl. BR Rundschau 2012

14 Dazu mehr in Kapitel 5.5

15 The European - Das Debatten-Magazin 2013

16 Hannes Vollmuth und Philipp Woldin 2013

17 Marc Beise 2013

18 Vgl. z.B. Christian Siedenbiedel und Dyrk Scherff 2013

19 So darf z.B. die Tat noch nicht entdeckt worden sein bzw. der Täter von einer Entdeckung Kenntnis erlangt haben. Vgl. dazu z.B. FAZ.NET 2013b

20 FAZ.NET 2013b

21 FAZ.NET 2013c

22 Diese Besonderheit liegt nach Auffassung des zitierten Beitrages darin, dass das „Verschweigen“ von steuerrelevanten Tatbeständen nicht mit einer dem Betrugsdelikt zugrunde liegenden (aktiven) „Täuschung“ verglichen werden könne und es außerdem nicht um Vermögensdelikte allgemein, sondern nur um speziell steuerrelevante Einkommensbestandteile gehe.

23 Lara Valerie Herbertz S. 330.

24 Vgl. z.B. wirtschaftswoche.de 2013, Kafsack 2013 und FAZ.NET 2012

25 „Im Liberalismus (wird mit Etatismus) eine Politik bezeichnet, die die Zuständigkeit des Staates …. zu Lasten der Rechte … der Gesellschaft auszuweiten versucht, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht“. wikipedia.org

26 HARRY NUTT 2013

27 Vgl. dazu fcb.de und Schulze-Marmeling 2012

28 Brandmaier und Schimany 1998 Anhang S. XI

29 FC Bayern München

30 FCB 2010

31 Wenn man einmal von den Minderheitsbeteiligungen durch adidas und Audi an der FCB AG absieht. 10

32 FC Bayern München

33 Vgl. z.B. wikipedia.org.

34 Quelle: Malte Laub 2013

35 Nur wenn diese 2/3-Mehrheit verfehlt wird, sind auch andere Aufsichtsratsmitglieder stimmberechtigt.

36 FCB 2010

37 wikipedia.org

38 wikipedia.org

39 Harakiri in Bad Wiessee 2013

40 Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich allgemein auf folgende Quellen: Schulze-Marmeling 2012, ibs. S. 608 - 614; Strasser 2010; Marketeers 2012, S. 127-136; wikipedia.org; Delling 2012, ibs. S. 168 - 185 sowie Bausenwein 2009. Wörtliche Zitate werden jedoch weiterhin separat gekennzeichnet.

41 FC Bayern München 2012

42 Vgl. z.B. ZUM 60. GEBURTSTAG

Details

Seiten
75
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656558569
ISBN (Buch)
9783656558545
Dateigröße
979 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266071
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius Idstein
Note
1,3
Schlagworte
Steueraffäre Hoeneß Sport Fußball Kommunikation Krisenkommunikation Medien Steuerhinterziehung Steuerflucht Sport Fußball Steueraffäre Medien Krisenkommunikation Kommunikation

Autor

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Titel: Krisenkommunikation im deutschen Profi-Fußball