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Sprachlernen: Was geht im Kopf der Schüler vor? Beitrag zur Gehirnforschung

Magisterarbeit 2008 77 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Widmung

Vorwort

Résumé…

Abstract

EINLEITUNG
1. Entstehungsgeschichte des Themas
2. Problematik und Forschungshypothesen
3. Erkenntnisinteresse
4. Forschungsdesign
5. Aufbau der Arbeit
6. Forschungsstand

TEIL I - THEORETISHER TEIL

KAPITEL 1: ANATOMISCHE DARSTELLUNG DES GEHIRNS UND BIOLOGISCHE BEDINGUNGEN FÜR DAS ERLERNEN EINER SPRACHE
1. Die Anatomie des Gehirns
1.1. Das Großhirn
1.2. Das Kleinhirnhirn
1.3. Das Zwischenhirn
1.4. Das Mittelhirn
1.5. Das Nachhirn
1.6. Die Neuronen
2. Biologische Voraussetzungen für das Erlernen einer Fremdsprache

KAPITEL 2. GEHIRN UND LERNEN
2.1. Die Informationen
2.1.1. Primäre Informationen
2.1.2. Sekundäre oder Begleitinformationen
2.2. Die Wahrnehmung
2.2.1. Lateralisierung des Gehirns
2.2.1.1. Die rechte Hemisphäre
2.2.1.2. Die linke Hemisphäre
2.3. Zentrum und Funktionieren der Fertigkeiten
2.3.1. Das Sprechen und das Hören
2.3.1.1. Zentrum
2.3.1.2. Funktionieren
2.3.1.2.1. Die Antizipation
2.3.1.2.2. Das Kurzzeitgedächtnis
2.3.1.2.3. Die innere Sprache
2.3.1.2.4. Das phonematische Gehör
2.3.1.2.5. Das sprachliche Gehör
2.3.2. Das Schreiben und das Lesen
2.3.2.1. Zentrum
2.3.2.2. Funktionieren
2.3.2.2.1. Die Worterkennung
2.3.2.2.2. Der phonologische Kode
2.3.2.2.3. Die syntaktische Analyse
2.3.2.2.4. Die Sinnentnahme
2.4. Die Lernertypen
2.4.1. Der visuelle Lerner
2.4.2. Der auditive Lerner
2.4.3. Der haptische Lerner
2.5. Die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen
2.5.1. Das Ultrakurzzeitgedächtnis
2.5.2. Das Kurzzeitgedächtnis
2.5.3. Das Langzeitgedächtnis
2.6. Lernen und Vergessen
2.6.1. Die internen Faktoren
2.6.2. Die äußeren Faktoren

TEIL II - EMPIRISCHER TEIL KAPITEL 3. EMPIRISCHE ANALYSEN
3.1. Die Unterrichtsbeobachtungen
3.1.1 Zur Schule A
3.1.1.1 Verlauf des beobachteten Unterrichts
3.1.2 Zur Schule B
3.1.2.1 Verlauf des ersten Unterrichts
3.1.2.2 Verlauf des zweiten Unterrichts
3.1.3. Analyse der beobachteten Unterrichtsstunden
3.2. Die Unterrichtsdurchführungen
3.2.1. Zu den Schulen und Unterrichtsangaben
3.2.2. Die dargebotenen Lernstoffen
3.2.2.1. Der nicht bildliche Lernstoff
3.2.2.2. Der bildliche Unterricht
3.2.2.3. Die Evaluation
3.2.2.4. Ergebnisse der Evaluation
3.2.3. Interpretation der Schülernoten
3.2.4. Analyse der Schülernoten

KAPITEL 4 : ERGEBNISSE DER ARBEIT UND VORSCHLÄGE ZUR KONSOLIDIERUNG DER UNTERRICHTSPRAXIS
4.1. Ergebnisse der Arbeit
4.1.1. Hypothesenüberprüfung
4.1.2. Einschränkung der Gültigkeit der Ergebnisse
4.1.3. Mögliche Weiterarbeit
4.2. Vorschläge zur Konsolidierung der Unterrichtspraxis
4.2.1. Zur Durchführung von Lernstoffen
4.2.2. Zum Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden

SCHLUSSBEMERKUNGEN

LITERATURVERZEICHNIS

VORWORT

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Rolle des Gehirns im Erlernen der Fremdsprache. Durch diese Arbeit, die sich unter anderen an Lehrer und Lehrerinnen richtet, eignet man sich Kenntnisse an, die die biologischen bzw. psychophysiologischen Grundlagen des Erlernens und somit Wege zum dessen Erfolg bilden.

Die fehlende Dokumentation war die Hauptschwierigkeit bei der Anfertigung dieser Arbeit. Ich verdanke in erster Linie Herrn Prof. Alexis NGATCHA die Entstehung des Themas sowie das Zustandekommen dieses Werkes durch die unermüdliche Betreuung.

Für ihre moralische, materielle und finanzielle Unterstützung danke ich meinen Eltern FOMANO Michel und FOMANO Veronique, meinem Schwager Lontouo Marcus. Ebenfalls danke ich meiner älteren Schwester Lontouo Virginie, meiner Braut Odile Komih, meinen jüngeren Brüdern und Schwestern Arnaud Dzounda, Abel Fiala, Christelle Makuété, Flavienne Contio und meinen Kommilitonen Claude Nouné, Séguéne Florentin und Dzenti Roberto für ihre vielfältige Unterstützung.

Jaunde, im 2008 TSAMO FOMANO Williams

RESUME

Le présent travail de recherche s’intitule la m é moire de l ’ apprenant dans le processus d ’ apprentissage et se donne pour objet la mise en exergue des différents processus psycholinguistiques qui interviennent dans l’apprentissage et l’acquisition d’une langue étrangère à l’exemple de l’allemand. L’envie de connaître le fonctionnement du cerveau et de la mémoire dans le processus enseignement - apprentissage est à la base de ma motivation pour ce sujet.

Les réflexions menées à ce sujet révèlent que la connaissance et la considération des phénomènes et caractéristiques relatifs à la personnalité de l’apprenant tels que son type d’apprentissage (visuel, auditif, moteur), son âge, sa capacité à s’approprier et à retenir des connaissances, les méthodes d’apprentissage… (pour ne citer que ceux-ci) permettent de justifier ses prestations.

La centration du cours sur l’apprenant, prônée par la didactique moderne, ne se limite pas à se soucier de l’aspect cognitif de ce dernier. L’enseignant doit également avoir une bonne connaissance du fonctionnement des hémisphères cérébraux gauche et droit, de l’acquisition des habiletés tels que le langage, l’écoute, la lecture, la rédaction…, du processus d’enregistrement des contenus didactiques dans la mémoire, de l’oubli.

Nous proposons à la fin de ce travail des solutions aux problèmes psycholinguistiques de l’apprentissage, à l’aide desquelles les enseignants et les apprenants pourront viser le succès.

ABSTRACT

The title of this research work is: “The Learner’s Memory in the Learning Process”. Its aim is to highlight different psycholinguistic processes that intervene in the learning and acquisition of a foreign language like German. What has motivated me in this topic is to know the functioning of the brain and the memory in the teaching-learning process.

Various studies carried out in this topic reveal that the knowledge, the consideration of phenomena and characteristics related to the learner’s personality such as his/her learning type (visual, listening, acting), age, capacity to acquire and retain knowledge, learning methods…(only to mention a few) help to justify his/her performances.

Learner-centered classes recommended by modern didactics do not limit themselves to caring about the learner’s cognitive aspect, they require that the teacher should have a sound knowledge of the following:

- The functioning of the left and right cerebral hemispheres,
- The acquisition of abilities such as speaking, listening, reading, writing, etc,
- The recording of didactic contents in the memory,
- The things forgotten.

In the end of this research work, there are proposed solutions to these psycholinguistic problems of learning with which teachers and learners will be able to aim at success.

EINLEITUNG

1. Entstehungsgeschichte des Themas

Das ist in den Augen des Laien gar nicht so selbstverständlich, dass außerunterrichtliche wie psychophysiologische Faktoren eine gewisse, ja eine bedeutende Rolle im Lernprozess spielen. Im vierten Jahrgang an der Ecole Normale Supérieure hatten wir ein Seminar (AL 408) mit Prof. Alexis Ngatcha gehabt. In einem der Bücher, die uns zur Verfügung gestellt wurden, standen auf einer Seite die jeweiligen Rollen der Hirnhemisphären im Lernen. Ich hatte daher zur Kenntnis genommen, dass beim Lernen das Gehirn den zentralen Platz einnimmt, weil es alle Aktivitäten steuert. Ich wollte mehr von der Beziehung des Gehirns zum Lernen wissen und hatte mich deshalb entschlossen, im fünften Jahrgang meine Memoirearbeit dem Thema „Das Schülergehirn im Lernprozess“ zu widmen. Ansporn zu diesem Thema ist also die Lust zu wissen, wie das menschliche Gehirn, d.h. die Steuerzentrale des gesamten Körpers und der Vermittler zwischen dem äußeren Körpermilieu, also der Gesellschaft, und dem inneren Körpermilieu, dem Organismus, im Prozess des Erlernens funktioniert.

2. Problematik und Forschungshypothesen

Die leitenden Fragen der vorliegenden Untersuchung sind die folgenden:

- Welche Mechanismen und psychologischen Vorgänge entwickeln sich beim Lernen im Gehirn eines Schülers?
-Welche Rolle spielt das Gehirn im Prozess des Erlernens einer Sprache, insbesondere der deutschen Sprache?
-Was hat es mit den Vorgängen beim Denken, Lernen und Vergessen auf sich?

Diese Fragen tauchen auf, wenn wir feststellen, dass man oft sehr schnell lernt und oft nie begreift, dass das, was man eben noch wusste, oft nach Sekunden wieder weg ist. Diese lassen folgendes annehmen:

- Die Beachtung der Lerntypen begünstigt das Lernen.
- Die Rücksichtnahme der Vorgänge des Gehirns bedingt den Lernerfolg.

Im Laufe dieser Arbeit werde ich den oben aufgeworfenen Fragen nachgehen.

3. Erkenntnisinteresse

Diese Arbeit ist von großem Nutzen, insofern als sie den Fremdsprachenlehrern helfen könnte, sich selbst kennen zu können, die Ursachen ihrer Verhaltensweisen zu verstehen und somit den Lehr- und Lernprozess erfolgreicher und bewusster wahrzunehmen. Lehrer können durch diese Arbeit erfahren, dass das Gehirn wie eine „Maschine“ funktioniert, in der Mechanismen ablaufen und deshalb besorgt werden soll. Diese Arbeit kann ja eben als Basis des Schülererfolgs gelten. Denn man kann sich dadurch ein Lernermuster prägen und ausgezeichnete Leistungen erzielen.

4. Forschungsdesign

Die vorliegende Arbeit besteht aus einer theoretischen und einer empirischen Untersuchung. Bei der theoretischen Untersuchung machen wir zuerst eine (anatomische) Darstellung des Gehirns, dann untersuchen wir die biologischen Voraussetzungen für das Erlernen einer Sprache, danach stellen wir den Bezug des Gehirns zum Lernen an. Im empirischen Teil werden Unterrichtstunden in einigen Gymnasien beobachtet und durchgeführt und aus psycholinguistischer Sicht analysiert. Die Analyse der erhobenen Daten zielt darauf ab, unsere Hypothesen nachzuprüfen.

5. Aufbau der Arbeit

Die Arbeit besteht aus vier Kapiteln. In dem 1. Kapitel beschäftigen wir uns zuerst mit der Anatomie des Gehirns, d.h. den Hauptteilen des Gehirns und deren allgemeinen Funktionen. Es geht dabei zu untersuchen, welche Rolle die Gehirnteile mit dem inneren oder äußeren Körpermilieu spielen. Wir gehen dann auf die biologischen Bedingungen für das Erlernen einer Sprache ein. Herausgearbeitet werden die (angeborenen) Bereitschaften, die den Menschen zum Sprachenlernen befähigen. Das Kapitel 2 widmet sich der Rolle des Gehirns im Lernprozess. Besondere Aufmerksamkeit schenken wir dabei der Wahrnehmung, dem Zentrum und dem Funktionieren der Fertigkeiten, den Lernertypen, der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen sowie dem Lernen und Vergessen. Die Darstellung der beobachteten und durchgeführten Unterrichtsstunden und deren Analyse bilden den Gegenstand des 3. Kapitels. In dem 4. Kapitel stellen wir erstens die Ergebnisse unserer Arbeit dar und machen zweitens Vorschläge zur Konsolidierung der Unterrichtspraxis.

6. Forschungsstand

Die Gehirnforschung ist eine relativ neue Disziplin, in der zahlreiche Arbeiten und Forschungen in den achtziger Jahren angefangen und sich entwickelt haben und bis heute weitergeführt werden. Forscher, die interessantere und nutzbringendere Recherchen in diesem Bereich geführt haben, sind Frederic Vester und Manfred Spitzer. Beide haben viele Bücher geschrieben und veröffentlichen bis heute Aufsätzen im Internet. In seinem Werk Denken, Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann l ä sst es uns im Stich? stellt Frederic Vester1 die Gehirnteile und deren jeweilige Rollen dar. Weiterhin bespricht er die unterschiedlichen Vorgänge der Informationsspeicherung im Gehirn. Die Langzeitspeicherung von Informationen durchlaufen zunächst die Stufen eines Ultrakurzzeit- und eines Kurzzeitgedächtnisses, ehe die Erinnerung permanent gespeichert ist. Daraus ergibt sich, dass das Ultrakurzzeit-, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis die drei Speicherungsstufen von Informationen im Gehirn sind. In einem seiner im Internet veröffentlichten Artikel meint er z.B., dass ein Unterricht mit Assoziationen verbunden werden soll2. Es bedeutet, dass ein Lehrer die unterschiedlichen Kanäle des Schülers aktivieren soll, wie u.a. das Anbieten von bilderreichen Lernstoffen.

In seinem Text Die Nervenzellen 3 stellt Manfred Spitzer die unterschiedlichen Teile des Gehirns und deren allgemeine Rollen für das Leben dar. Er definiert z.B. ein Neuron als den Bestandteil des Nervensystems höherer Lebewesen. Es besteht aus Nervenzellen, die Verknüpfungen sind, über die die Neurone ihre Aktivität verbreiten. Beim Lesen dieses Artikels können wir feststellen, dass dessen Inhalt sich auf eine anatomische Darstellung einschränkt, d.h. Manfred Spitzer stellt noch keinen Bezug zwischen den Gehirnteilen und dem Lernen an. In seinem 2007 erschienenen Werk Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens sagt er folgendes:

[ … ] Die genaue Zahl der Neuronen in der Gro ß hirnrinde (dem Kortex) des Menschen betr ä gt bei der Frau etwa 19,3 Milliarden und beim Mann 22,8

Milliarden. Da M ä nner im Durchschnitt gr öß ere K ö pfe haben als Frauen, wundert dieser Unterschied von 3,5 Milliarden Neuronen (16 Prozent kaum. [ … ] 4

Weiterhin fügt er noch hinzu:

Die Zellen in unserem Gehirn sind somit vor allem untereinander verbunden und nur eine Verbindung von 10 Millionen geht in das Gehirn hinein oder aus ihm hinaus. Eine von 10 Millionen Fasern ist mit der Welt verbunden, die anderen verbinden das Gehirn mit sich selbst.5

Diese Zitate weisen darauf hin, dass Manfred Spitzer sich auf die Anatomie des Gehirns beschränkt. Was die von den beiden Forschern angestellten Experimente anbelangt, ist es auffällig, dass sie sich wenig auf das Lernen in Schulen beziehen. Manchmal greifen sie eher auf das Lernen im Allgemeinen zurück. Um z.B. die Gedächtnisprozesse bei Informationsregistrierung zu erläutern, stützt sich Vester6 in seinem Buch Denken, Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann l ä sst es uns im Stich? auf einen Autofahrer, der beim Fahren einen Unfall macht. Nach dem Unfall wird er unmittelbar darüber ausgefragt, was geschehen ist. Die Ereignisse vor und nach dem Unfall, die er wiedergibt, erlauben dem Autor, die drei oben ernannten

Informationsspeicherungsvorgänge zu erläutern. Vorher führt Vester7 Experimente mit Tieren, um zu zeigen, wie das Gehirn die inneren und äußeren Wahrnehmungen verarbeitet. Wir haben in dieser Arbeit vor, zu untersuchen, wie das Menschengehirn im Rahmen des Lernens in der Schule funktioniert. Das Menschengehirn ist nicht nur verschieden von dem der Tiere, wenn man das Lernen heranzieht, sondern auch funktioniert anders im Verhältnis zu wissenschaftlichen Kenntnissen, die in der Schule vermittelt werden.

TEIL I THEORETISCHER TEIL KAPITEL 1: ANATOMISCHE DARSTELLUNG DES GEHIRNS UND BIOLOGISCHE BEDINGUNGEN FÜR DAS ERLERNEN EINER SPRACHE

Ich habe in diesem Kapitel vor, zuerst das Gehirn anatomisch darzustellen, indem ich die Funktionen dessen Teile angebe. Ich untersuche dann die biologischen Voraussetzungen für das Erlernen einer Sprache. Ich stütze mich u.a. auf die Arbeiten von Manfred Spitzer, Ernst Apeltauer und Frederic Vester.

1. Die Anatomie des Gehirns

Das Gehirn eines Menschen bei seiner Geburt weist nur ca. 20% seines sp ä teren Gewichts auf. Das volle Gewicht wird erst im zweiten Lebensjahrzehnt erreicht, wenn das Netz der Verbindungen zwischen den Nervenzellen (den Neuronen) voll ausgebildet ist8. Spricht man von Anatomie eines Organs, denkt man an seine Struktur, d.h. an die unterschiedlichen Teile, die es konstituiert. Die Darstellung des Gehirns, die ich hier vornehme, ist keine tiefe, sondern eine oberflächliche. Hauptteile des Gehirns werden hier mit deren allgemeinen Funktionen dargestellt. Wenn man das menschliche Gehirn(Schema 1) von der Seite betrachtet, erhält man das folgende Bild, bei dem man verschiedene Bereiche unterscheiden kann.

(Schema 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(entnommen aus dem Text „das Gehirn“, in: URL :http:// www.grundmotorik.de)

Äußerlich sichtbar sind das Großhirn, das Kleinhirn und das Nachhirn, das ins Rückenmark übergeht. Wenn man aber einen senkrechten Schnitt (Schema 2) untersucht,

man es am folgenden Schema sehen kann.

(Schema 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(entnommen aus dem Text „das Gehirn“, in: URL :http:// www.grundmotorik.de)

1.1. Das Grosshirn

Das Grosshirn wird auch Telencephalon genannt. Es ist der grösste Teil und am höchsten entwickelte Bereich des menschlichen Gehirns. Es besteht hauptsächlich aus den beiden Grosshirnhälften und steht in Verbindung mit unserem Denken und Bewusstsein9. Die Zahl der Neuronen in dem Grosshirn des Menschen beträgt bei der Frau etwa 19,3 Milliarden und beim Mann 22,8 Milliarden10. Hirnstamm, Hirnrinde und das limbische System sind Teile des Grosshirns.

Die Funktion der Hirnrinde ist technologisch, linear-logisch11.Das bedeutet, sie empfängt Informationen von der äusseren Welt. Sie ist sogar für den Menschen das wichtigste Organ im Kampf ums Dasein. Es ist der Teil, in dem sich Denken und Erkennen, Erinnerung, Kombination, Lernen und Vergessen abspielen. Das Grosshirn ist - übrigens auch das Kleinhirn und viele Teile des Stammhirns - in Wirklichkeit zweifach angelegt. Eine äusserliche Symmetrie, die sich jedoch teilweise auch an unserem Körper zeigt. So haben wir z.B. zwei Augen, zwei Ohren, zwei Arme, zwei Beine und zwei Nieren. Entsprechend haben wir im Gehirn zwei „motorische“ Zentren, mit denen wir alle unsere Bewegungen steuern, wie etwa kauen, anfassen oder gehen, und zwei „sensorische“ Zentren, in denen wir die Berührungsreize der Muskulatur und die Stellungsreize aus den Gelenken wahrnehmen. Wir besitzen weiter zwei Sehzentren und zwei Hörzentren.

Den Teil des Gehirns, der sich der Signale des Organismus annimmt, nennt man Hirnstamm. Er ist für das innere Milieu verantwortlich. In ihm findet eine Integration der Sinne statt. Die primitiven Reflexe und grundlegenden Funktionen wie Atmen, Stoffwechsel, Blutdruck und Herzschlag werden von dort gesteuert. Der Hirnstamm besteht aus vielen Zellen, die ein Netzwerk bilden.

Das limbische System 12 liegt zwischen dem Hirnstamm und der Hirnrinde und sorgt für ihre Kommunikation. Es steht in Relation zu emotionalen Schwingungen, Musik, positive und negative Eigenschaften. Dinge, die mit Gefühlen und sozialen Erfahrungen und Überlebungsreaktionen wie Stress zu tun haben, sind hier platziert. Kreativität, eine Fähigkeit, die nur beim Menschen existiert, liegt im limbischen System.

1.2. Das Kleinhirn

Das Kleinhirn, das man auch Metencephalon nennt, ist das Zentrum der motorischen Aktivitäten im Gehirn. Es sorgt dafür, dass unsere Bewegungen gleichmässig werden und wir das Gleichgewicht haben, die Motorik zu koordinieren. Das Kleinhirn dient der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts, der Aufrechterhaltung des Muskeltonus und der Koordination der gesamten Muskelbewegung. In diesem Teil des Gehirns sind alle gewollten und automatischen Muskelbewegungen koordiniert. Nachrichten aus den Sinnesorganen und Befehle von der Grosshirnrinde an die Muskeln laufen daher über dieses Kleinhirn, werden dort einander zugeordnet und das Ergebnis wird an die Muskulatur weitergeleitet. Nur so ist es möglich, dass wir ein Instrument wie einen Bleistift in die Hand nehmen und in gesteuerten Bewegungen über ein Blatt Papier führen können ,um unsere Gedanken festzuhalten.

1.3. Das Zwischenhirn

Das Zwischenhirn wird auch Diencephalon genannt und besteht aus zwei Teilen, dem Thalamus und dem Hypothalamus.

Im Allgemeinen ist der Thalamus die zentrale Schaltstation der sensorischen und motorischen Funktionen, Zentrale des Nervensystems. In diesem Teil werden alle ankommenden Sinneswahrnehmungen mit Gefühlen wie Freude, Angst, Lust oder Schmerz ausgestattet. Von hier aus werden Lachen und Weinen dirigiert sowie alle Vorgänge, die auch grossen Einfluss darauf ausüben, wie stark wir damit verbundene Sinneswahrnehmungen behalten. Denn hier werden alle einlaufenden Informationen aus den verschiedenen Bezirken des Grosshirns mit früheren Erfahrungen verglichen, gewertet und dann in andere Bezirke weitergegeben.

In dem unteren Teil des Thalamus, dem so genannten Hypothalamus, entstehen Gefühle wie Hunger und Durst. Der Hypothalamus hält die Körpertemperatur konstant, sorgt dafür, dass die Hormondrüsen richtig zusammenarbeiten und passt so die Reaktionen unseres Körpers dem an, was die Aussenwelt von ihm fordert. Sie regelt das Körperwachstum, steuert fast den gesamten Hormonhaushalt und damit auch unser sexuelles Verhalten. Von hier aus werden die Sexualorgane, die Schilddrüse, die Verdauungsorgane stimuliert. Hier wird ein Teil der Stressreaktionen gesteuert, ihre Auswirkungen empfangen und wieder an die Gehirnzellen zurückgegeben, alles in Wechselwirkung mit Wahrnehmungen, Gedanken und Erinnerungen.

1.4. Das Mittelhirn

Das Mittelhirn bildet mit dem Pons und der Medulla oblongata den Hirnstamm- über die es oben gesprochen wurde. Es liegt zwischen Zwischenhirn und Pons. Es enthält verschiedene Bereiche, die u.a. die Augenbewegung koordinieren.

1.5. Das Nachhirn

Das Nachhirn mit dem Pons und der Medulla oblongata kontrolliert grundlegende Funktionen wie Blutzirkulation, Herzschlag oder Lungenaktivität. Auch wichtige Reflexe sind in der Medulla lokalisiert etwa gähnen, husten, niesen und sich erbrechen.

1.6. Die Neuronen

Eine Nervenzelle oder ein Neuron ist eine auf Erregungsleitung spezialisierte Zelle. Sie ist der Bestandteil des Nervensystems höherer Lebewesen13. Das menschliche Gehirn enthält viele(fünfzehn) Milliarden Nervenzellen14, die Neurone, von denen jedes bis zu zehntausend Synapsen bildet. Das sind Verknüpfungen, über die die Neurone ihre Aktivität verbreiten und die Signale austauschen, die unser Denken, Handeln und Empfinden steuern. Diese Synapsen oder Schaltstellen sorgen dafür, dass wir gezielt denken und uns erinnern können und dass wir z.B. nicht gleichzeitig sämtliche Erinnerungen unseres Lebens gegenwärtig haben, was einem chaotischen Rauschen, ja einem augenblicklichen Zusammenbruch der Gehirnfunktionen gleichkäme, sondern dass wir durch wenige „passende“ Gedankenverbindungen immer nur ganz bestimmte Erinnerungen abrufen. Die Neurone bestehen aus einem Zellkörper und fadenförmigen Fortsätzen, die meterlang werden können und an ihren Enden Synapsen zu anderen Neuronen bilden. Wird ein Neuron aktiv, werden an den Synapsen Neurotransmitter freigesetzt, die in den Empfängerzellen ein Signal induzieren. Erhält eine Empfängerzelle ausreichend Eingangssignale, wird sie selbst aktiviert und leitet ihre Botschaft wiederum an andere Zellen weiter. Da ein Neuron sehr viele Synapsen bildet und umgekehrt auch von sehr vielen Neuronen Eingangssignale erhält, entsteht ein hoch komplexes Netzwerk.

Diese allgemeine Darstellung ergibt, dass das Gehirn ein wesentlicher Bestandteil des menschlichen Organismus ist. Seine verschiedenen Teile haben jeweils eine bestimmte Funktion. Es ist der Bestandteil des menschlichen Körpers, denn alle durchgeführten Bewegungen und Handlungen des Menschen werden von den Gehirnteilen geleitet. Jede Handlung wird blitzschnell im Gehirn geplant und die Aufgaben werden an seine verschiedenen Teile verteilt, so dass diese menschlichen Bewegungen ordentlich, korrekt und zielgerecht ausgeführt werden.

2. Biologische Voraussetzungen für das Erlernen einer Fremdsprache

Das Nervensystem eines Menschen ist so beschaffen, dass mehrere Sprachen erlernt werden können. Im biologischen Sinne ist also mit dem Erlernen einer fremden Sprache ein Prozess der Selbstentfaltung verbunden. Die Erstsprache entwickelt sich parallel zur Hirnreifung und wichtige Anstöße zu Veränderungen im Nervensystem des Gehirns gehen von dem Spracherwerb aus; diese Entwicklung dauert wahrscheinlich bis um das dritte oder vierte Lebensjahr. Denn Kinder, die zwei Sprachen gleichzeitig lernen, haben bis in dieses Alter oft Schwierigkeiten, beide Systeme auseinanderzuhalten15. Wenn ein Kind eine Sprache nach dem dritten bzw. vierten Lebensjahr erwirbt, muss es sie in bereits bestehende Strukturen integrieren, weil die erwähnten Veränderungen im Nervensystem des Gehirns kaum mehr stattfinden16. Aufgrund dieses qualitativen Unterschiedes spricht man ab dem dritten bzw. vierten Lebensjahr vom nachzeitigen Erwerb einer Fremdsprache17. Anders gesagt: Je früher eine fremde Sprache erworben wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich noch spezifische „Schaltungen“ (neuronale Vernetzungen) im Gehirn herausbilden. Je später eine fremde Sprache erworben wird, desto stärker ist der Lerner auf bestehende Strukturen angewiesen, in die die neue Sprache „integriert“ werden muss. All dies bezieht sich auf das Alter des Lernenden. Er eignet sich also besser neue Sprachen an, wenn er noch jung ist. Hirnforschungen besagen, dass die Verarbeitung einer zweiten Sprache im Gehirn stärker verteilt erfolgt als bei einer Erstsprache18. Dies gilt auch für die Verarbeitung weiterer Sprachen. Aus neurobiologischer Sicht ist also der nachzeitige Erwerb einer fremden Sprache etwas völlig anderes als der Erwerb einer oder mehrerer Sprachen vor dieser Zeit. Daher könnte man vermuten, dass der nachzeitige Erwerb aufgrund solcher Ausgangsbedingungen mit größeren Schwierigkeiten verbunden sein müsste als der Erstsprachenerwerb bzw. der gleichzeitige Erwerb zweier Sprachen.

Der Erfolg beim Erlernen einer Sprache ist zudem auch mit der Intelligenz verbunden. Sie definiert sich als « Facult é propre à l ’ê tre humain d ’ apprendre, de comprendre et d ’é tablir des liens entre les choses, facult é inn é e d ’ adaptation, capacit é de cr é ation et d ’ adaptation de l ’ esprit, possibilit é de compr é hension (de quelque chose). »19 Aus dieser Definition erfolgt durch « Capacit é inn é e d ’ adaptation », dass der Erfolg beim Erlernen einer Sprache von der Geburt an übermittelt ist. Diese Meinung teilt auch Jean Piaget. Ihm nach kennzeichnen drei Perioden die kognitive Entwicklung eines Kindes, unter denen „ la p é riode de l ’ intelligence20. Das ist eine Vorbereitungsperiode, die sich von der Geburt an bis zum zweiten Lebensjahr erstreckt, in der Reflexakten und kognitive Strukturen u.a. sich bilden und vervollkommnen.

Intelligenz in diesem Sinne kann als eine Gabe angesehen werden. Hinzu fügt Noam Chomsky, dass Kinder bei der Geburt über eine „universelle Grammatik“ verfügen, die ihnen später helfen, irgendwelche Sprache lernen zu können. Yannick Rub zieht ihn heran und äussert sich dazu wie folgt:

Il [Noam Chomsky] affirme que les nouveau-n é s poss è dent « un é quipement g é n é tique puissant incluant une connaissance implicite des principes universels qui structurent les langues » . Cet é quipement consiste en un dispositif universel qui fait partie du cerveau humain, et qu ’ il nomme « grammaire universelle » . Cette grammaire est le sch é ma de base qui fonde les grammaires de toutes les langues humaines. Une « circuiterie mentale » inscrite dans les contraintes biologiques pr é sidant au d é veloppement du cerveau de l ’ enfant sous-tend ce sch é ma et lui permet de s é lectionner les sons, les signes et les combinaisons de signes de la langue parl é e dans son environnement.21

Unter diesem Zitat ist also zu verstehen, dass das Kind mit impliziten Kenntnissen und einem genetischen Sprachenerwerbsprogramm zur Welt kommt, die eine eventuell zu lernende Sprache strukturieren und es zu folgenden Kompetenzen bereiten: Erst die Organisation von sensorischen Informationen, dann deren Segmentierung und Kategorisierung, und schließlich deren Sinnentnahme.

Das Alter, die Intelligenz und die „Universelle Grammatik“ stellen die Voraussetzungen für das Erlernen einer Sprache dar. Je jünger der Mensch, desto besser erlernt er eine Sprache. Er soll darüber hinaus von der Geburt an, erstens, über eine „universelle Grammatik“ verfügen, die ihn befähigt, irgendwelche Sprache zu erlernen und zweitens über die Fähigkeit verfügen, Zusammenhänge zwischen Dingen (z.B. Informationen) herzustellen.

KAPITEL 2. GEHIRN UND LERNEN

In diesem Teil möchte ich mich damit befassen, wie das Gehirn im Lernen funktioniert. Mit anderen Worten will ich auf die Mechanismen des Gehirns eingehen, die während des Lernens verlaufen.

2.1. Die Informationen

Information in der Neurologie bezeichnet ein Signal, das von dem Gehirn wahrgenommen wird. Das Signal kann der inneren oder äusseren Welt gehören. Es gehört der inneren Welt, wenn das Signal von unserem Körper selbst übermittelt wird und der äusseren, wenn das Signal von etwas Anderem als unserem Körper ausgelöst wird, z.B. eine andere Person, die Natur, die Objekte…Wir unterscheiden zwei Informationstypen: Die primären und die sekundären.

2.1.1. Primäre Informationen

Im Lernprozess nennt man prim ä re Information das, was als Stoff aufgenommen wird. Mit anderen Worten: eine oder mehrere primäre Informationen bilden den Lerninhalt eines Unterrichts. Solche Informationen sind u.a. die Grammatik, die Phonetik, die Lexik; Kurz gesagt, Kenntnisse verschiedener Bereiche der Wissenschaft. Die in einem Unterricht vermittelten Kenntnisse kann ein Schüler aufspeichern oder nicht. Es kommt darauf an, unter welchen Bedingungen diese Kenntnisse aufgenommen werden. Die Bedingungen etwa des Lernmilieus spielen also eine wichtige Rolle bei der Informationsspeicherung.

2.1.2. Sekundäre oder Begleitinformationen

Frederick Vester sagt: „ ein Lerninhalt ist immer begleitet von einer Menge anderer Informationen “. Unter diesem Zitat können wir verstehen, dass die beim Lernen gespeicherte Information nicht nur aus dem Stoff besteht, der gelernt wird, sondern auch aus allen dabei mitgespeicherten, mitschwingenden übrigen Wahrnehmungen. Der Stoff wird also immer mit bestimmten Assoziationen verbunden, die Geräusche, der Geruch des Raums, die gerade ins Zimmer scheinende Sonne, Gefühle… sein können, kurzum die grosse Menge von Wahrnehmungen aus dem Milieu. Begleitinformationen können das Lernen fördern, wenn man sie richtig einsetzt, wie auch ein Lernen unmöglich machen.

Die positive Begleitinformation kann man definieren als eine Assoziation, die uns angenehm ist, d.h. die wir mit Vertrauen annehmen. Es handelt sich um freudige, spasshafte oder gefällige Ereignisse. Sie bilden einen Vorteil für das Lernen. Durch sie lassen sich Informationen besser im Gehirn verankern und später wieder finden, als wenn etwa zum fremden Stoff auch noch eine fremde Verpackung käme. Wir empfangen z.B. einen uns bisher unbekannten Menschen ohne Angst und feindliche Gefühle, wenn er uns von einem guten Freund vorgestellt wird. Ebenso lassen die vertrauten Begleitumstände beim Lernen weit weniger eine Abwehr, eine Abneigung gegen den unbekannten neuen Stoff aufkommen. Je angenehmer den Schülern die Unterrichtsumstände sind, desto schneller und leichter eignen sie sich Informationen an. Die Schulatmosphäre, dazu gehört das gesamte Schulgebäude mit ihren Einrichtungen, sollte positive Begleitwahrnehmungen beim Lernen ermöglichen. Dafür ist ihre Bauweise, Struktur, Gestalt, Farbe, Einrichtung und Einteilung von großer Bedeutung. Die Bedeutung der Schulatmosphäre für das Lernen sollte nicht zu niedrig eingeschätzt werden. Der Lernvorgang funktioniert optimal mit einer positiven Atmosphäre.

Als negative Begleitinformation bezeichnet man eine Information, die unserer inneren Welt nicht passt. Unser Gedächtnis kann sich dadurch nicht entfalten und ist in diesem Fall nicht bereit, den zurzeit angebotenen Lernstoff zu verarbeiten und zu speichern. Diese Assoziationen sind z.B. Angst, Stress, feindliche Haltung, Gefahr, Hungergefühl, Kälte; kurz gesagt, das Unangenehme. Sie bilden ein Hindernis für das Lernen und schaffen schlechtere Abrufbedingungen. Ein Schüler, der z.B. im Unterricht bestraft wird, wird den Stoff nicht oder minderprozentig behalten.

2.2. Die Wahrnehmung

Larousse de poche zufolge ist die Wahrnehmung: « Action, facult é de percevoir par les sens, par l ’ esprit22 Unter Wahrnehmung kann man auch den Vorgang der subjektiven Sinneswahrnehmung von Umwelt- und K ö rperreizen, deren Weiterleitung und Verarbeitung im Gehirn 23 verstehen. Der Mensch besitzt fünf Sinnes- oder Wahrnehmungsorgane: Das Tasten, das Gehör, das Sehen, den Geruch, den Geschmack, durch die er in Kontakt mit der Welt gerät. Alles, was der Mensch wahrnimmt, erreicht das Gehirn durch die Nervenzellen.

2.2.1. Lateralisierung des Gehirns

In der Draufsicht des Gehirns sind zwei spiegelbildliche Hälften zu sehen, die durch einen tiefen Einschnitt voneinander getrennt scheinen24. In Wirklichkeit sind sie aber nicht völlig getrennt, sondern durch eine Brücke aus Nervenfasern miteinander verbunden. Diese Hälften nennt man Hemisphären, deren Aufgaben und Funktionen verschieden sind. Solch eine Hemisphärenspezialisierung25 gibt es nur beim Menschen. Bevor wir auf die Funktionen der jeweiligen Gehirnhemisphären eingehen, ist es notwendig zu sagen, dass gewisse Körperregionen der linken und rechten Seite den entsprechenden Gehirnbezirken kreuzweise zugeordnet sind26, d.h. die linke Hemisphäre steuert die rechte Körperseite motorisch, die rechte Hemisphäre steuert die linke Hälfte des Körpers.

2.2.1.1. Die rechte Hemisphäre

In ihrem Text Was hat rechtshemisph ä risches Lernen mit dem Reaktivieren der Wortfolge-Regeln zu tun schreiben Helga Albrecht/Irene Zoch Folgendes:

Wie die Ged ä chtnispsychologen darstellen, verf ü gt der Mensch ü ber zwei Ged ä chtnissysteme,[ … ]und ein nonverbales(rechtshemisph ä risches)[ … ].Das nonverbale System verf ü gt ü ber Imagene, die auf nonverbale Stimuli reagieren.27

Aus diesem Zitat ergibt sich, dass die Rechtshemisphäre mit Bildern zu tun hat. Dieser Gehirnteil funktioniert visuell. Wenn wir z.B. ein Pferd sehen, denken wir nicht: da sind vier Beine, ein langer Schwanz, die Farbe ist braun, der Geruch ist scharf. All diese Informationen zu sammeln würde zu lang dauern. Die rechte Hirnhälfte kann also praktischerweise diese Symbole schnell erkennen und herausfinden, dass es hier um ein Pferd geht. Das Gleiche gilt, wenn ein Fremdsprachenschüler den Wortschatz durch Bilder erlernt. Dieser Hirnteil ist verantwortlich für metaphorische Verstehensprozesse, d.h. Überlegungen, die durch Vergleiche verfahren; für ganzheitliche und gestalthaft-simultane Meinungsvorgänge28, für Repräsentationen. Informationsverarbeitung durch konkretes Handeln, Bewegung, Begreifen im wahrsten Sinne des Wortes steht in einem engen Zusammenhang mit der rechten Hemisphäre. Räumliche Orientierung, Kreativität, Körperbewusstsein, Gefühle liegen in diesem Teil des Gehirns. In dem Text Zwei Sprachen und ein Gehirn von Gudula List kann man Folgendes lesen: „ Die rechte Hemisph ä re sei die emotionale, die dunkle und weibliche, die spontane, die musikalisch ist und die Bilder liebt 29 “. Das Zitat weist darauf hin, dass unser emotionales, weibliches und spontanes Verhalten von der rechten Hirnhemisphäre gesteuert wird. Ausser Bilder findet auch die Musik hier guten Eingang. Ferner fügt sie hinzu, dass gestalthaft-ganzheitliche Zugriffweisen als Strategien der rechten Hemisphäre beschrieben werden30. Diese Funktion der Rechtshemisphäre wird noch deutlicher in der Äußerung Ernst Apeltauers, wenn er folgendes sagt:

So ist beispielsweise die rechte Hemisph ä re zust ä ndig f ü r gestalthaftes Wahrnehmen und spontanes Reagieren sowie f ü r die Verarbeitung affektiver und emotionaler Reize. In dieser Hemisph ä re werden Reize wie nat ü rliche Ger ä usche (z.B. planschen oder bellen), sprachliche Merkmale (z.B. Akzent und Intonation), musikalische T ö ne sowie formelhafte Ausdr ü cke (z.B. So ein Zufall oder wie geht ’ s?) bearbeitet. Mit ihrer Hilfe wird auch gestalthaft wahrgenommen (z.B. Gestik, Mimik, K ö rperhaltung) und intuitiv-ganzheitlich gedacht. Es ist wahrscheinlich, dass das pr ä verbale Verst ä ndigungssystem, das Kommunikation in einfacher Form erm ö glicht, rechthemisph ä risch verankert ist. Insgesamt scheint diese H ä lfte aber eher f ü r die Aufnahme und Verarbeitung nichtsprachlicher Reize zust ä ndig zu sein. Verletzungen der rechten Gehirnh ä lfte bewirken Aprosodie (d.h. eine Unf ä higkeit, Gef ü hle zu erkennen und auszudr ü cken) oder Agnosie (d.h. eine Unf ä higkeit, Gesichter und Gesten zu erkennen und auszudr ü cken) 31

Dieses Zitat verweist darauf, dass die rechte Hemisphäre für die Wahrnehmung von Formen, die spontanen Reaktionen und die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich ist. Sie verarbeitet ebenso Impulse, die aus dem äusseren Körpermilieu entstehen. Die präverbale Kommunikation geschieht auch in diesem Gehirnteil.

2.2.1.2. Die linke Hemisphäre

Dieser Gehirnteil hat viel mit der Sprache und dem Sprechen zu tun. Er verarbeitet alles, was auditiv ist. Man sagt deshalb, dass er nach dem Sequenzprinzip arbeitet, denn er analysiert alle Details, ordnet und klassifiziert sie in einer bestimmten Reihenfolge. Über die linke Hirnhälfte meint Gudula List, dass „ sie die trocken intellektuelle sei, die alles zerreden und zergliedern m ü sse 32 “. Über die Rolle der Verarbeitung von verbalen Informationen hinaus, die wir gerade erwähnt haben, entnehmen wir auch diesem Zitat, dass die Linkshemisphäre das Intellektuelle ist, d.h. sie übernimmt alle Überlegungsprozesse. Sie steuert sowohl das Reden, das Lesen, die Sprache als auch das Abstrakte, indem sie Informationen in Einzelteile zergliedert und sequenziert, um sie wieder zu einem ganzen Bild zusammenzusetzen. Über die Rolle der linken Hemisphäre äussern sich Helga Albrecht/Irene Zoch folgendermaßen:

wie die Ged ä chtnispsychologen darstellen, verf ü gt der Mensch ü ber zwei Ged ä chtnissysteme, ein verbales(linkshemisph ä risches) und[ … ].Das verbale System arbeitet auf der Grundlage von Logogenen. Das sind Einheiten, die vorwiegend auf verbale Stimuli ansprechen, die sowohl konkrete als auch abstrakte Sachverhalte bezeichnen.33

Dieses Zitat verweist darauf, dass die Linkshemisphäre analytisch verfährt und vorwiegend mit Sprechen zu tun hat. In demselben Zusammenhang äussert sich Ernst Apeltauer wie folgt:

[ … ] Demgegen ü ber scheint die linke Hemisph ä re f ü r die Verarbeitung sprachlichen Materials besonders geeignet. Sie ist zust ä ndig f ü r analytisches und sequentielles Denken, f ü r Konzeptualisierungen und f ü r die En- und Dekodierung von sequentiellen Aspekten sprachlicher Ä usserungen.34

Aus dem Vorausgegangenen könnte man schliessen, dass für die sprachliche Verarbeitung nur die linke Hemisphäre zuständig ist. Aber auch die rechte Hemisphäre spielt bei der Verarbeitung von Sprache eine wichtige Rolle. Denn sie ist für interaktive und situationsspezifische Aspekte der Kommunikation zuständig, aber auch für Zusammenfassungen. Das erweist sich durch das Phänomen der aktiven und passiven Sprachzentren, das im folgenden Teil besprochen wird.

2.3. Zentrum und Funktionieren der Fertigkeiten

Eines der Ziele des Fremdsprachenlernens ist die Entwicklung beim Schüler der unterschiedlichen Fertigkeiten: des Sprechens, des Hörens, des Lesens, des Schreibens… Da das Gehirn diese Fertigkeiten auslöst, lohnt es sich, zu wissen, wo im Gehirn sie untergebracht sind und wie sie funktionieren. Alle diese Fertigkeiten stehen in Beziehung. Aber wir stützen uns bei der Analyse auf die ähnlichen Mechanismen, die sie unter ihnen aufweisen, um einerseits das Sprechen und das Hören und andererseits das Schreiben und das Lesen zu kombinieren.

2.3.1. Das Sprechen und das Hören

Sprechen und Hören sind jeweils produktive und rezeptive Fertigkeiten und gehören den akustischen Wahrnehmungen.

2.3.1.1. Zentrum

Neuropsychologen haben sich damit auseinandergesetzt, wo eigentlich die Fertigkeiten Sprechen und Hören im Gehirn liegen. Ihren Analysen nach ist das „aktive“ Sprachzentrum in der linken Hemisphäre und das „passive“ Sprachzentrum in der rechten Hemisphäre35 untergebracht. Es bedeutet dies: wenn z.B. ein Schüler das Wort ergreift, um eine von dem Lehrer gestellte Frage zu beantworten, setzt sich seine linke Hirnhälfte in Gang, damit er sich ausdrücken kann. Wenn aber der Lehrer spricht, gerät eher die rechte in Tätigkeit, um die gesprochene Worte aufzunehmen. Wir können daher daraus folgern, dass sich die beiden Hirnhälften an dem Kommunikationsprozess beteiligen. Denn in einer Kommunikationssituation registriert die eine Seite des Grosshirns das von dem Gesprächspartner Ausgedrückte und die andere arbeitet an der Erwiderung. Gudula List dazu: “Sprachliche Handlungen werden vielmehr in aller Regel vom gesamten Gehirn, seinen beiden Rindenh ä lften … gestaltet.36 Das ganze Gehirn steuert also die sprachlichen Aktivitäten des Menschen.

Was das Hören anbelangt, wird von der Lateralisierung des Gehirns aus klar, dass Menschen über zwei Hörzentren verfügen. Es wird hier auch von dem „passiven“ und „aktiven“ Hören gesprochen37. Das „passive“ Hören nach Lado38 besteht darin, den Hörverstehensprozess als „ die erkennende Beherrschung von Signalelementen einer Sprache in Kommunikationssituationen “ anzusehen. Es handelt sich hier mit anderen Worten darum, dass ein Schüler nur Laute hört, ohne über das Gesagte zu überlegen. Er wird dem aktiven Hörer entgegengestellt, der dank der menschlichen Antizipationsfähigkeit, beim zufälligen

[...]


1 Frederic Vester, Denken, Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich?, Stuttgart, 1979, S. 18 ff

2 Frederic Vester, in: URL: http://www.grin.com/de/fulltext/paf/17572.html

3 Manfred Spitzer, Die Nervenzellen, in: URL:http://de;wikipedia.org/wiki/Nervenzelle

4 Manfred Spitzer, Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2007, 51

5 Ebd, S.52

6 Frederic Vester, Denken, Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich?, Stuttgart, 1979, S. 51 ff

7 Ebd, S. 31ff

8 Ernst Apeltauer, Grundlagen des Erst- und Fremdsprachenerwerbs, Berlin, München, u.a. 1997, 22 stellt man noch weitere Hirnteile fest. Man unterteilt insgesamt das Gehirn in fünf Teile, wie

9 Frederic Vester, Denken, Lernen, Vergessen. Was geht in unserem Kopf vor, wie lernt das Gehirn, und wann lässt es uns im Stich? Stuttgart, 1979, 22

10 Manfred Spitzer, Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2007, 51

11 Das Gehirn, in : URL :http:// www.grundmotorik.de

12 Ebd

13 Manfred Spitzer, Die Nervenzellen, in: URL:http://de;wikipedia.org/wiki/Nervenzelle

14 Frederic Vester, a. a. O,. 1979, 24

15 Ernst Apeltauer, Grundlagen des Erst- und Fremdsprachenerwerbs, Berlin, München, u.a. 1997, 68

16 Ebd, 68

17 Mc Laughlin, 1984, zit. nach Ernst Apeltauer, ebd

18 Albert/Obler 1978 ; Ojemann/Whitaker 1978, zit. nach Ernst Apeltauer, ebd

19 Le Dictionnaire français, Microsoft® Encarta® 2007. © 1993-2006 Microsoft Corporation

20 « La période de l’intelligence » est la première du développement cognitif de l’enfant chez Piaget. Après celle- ci suit la période opératoire (de 2 ans à 11 ou 12 ans) et celles des opérations formelles (au-delà de 12 ans), zitiert nach Eleni Rigaki, 2003, Die Spracherwerbstheorie nach Piaget im Gegensatz zu Behaviorismus und Nativismus, in URL : http://www.grin.com/de/info.html

21 Yannick Rub, L’acquisition du langage : Introduction, in : URL:http://www.yrub.com/psycho/psyped.htm

22 Larousse de Poche 2002, 576

23 Welche Störungsbilder/Entwicklungsdefizite werden von Ergotherapeuten behandelt? In: URL:http://www.kinderzentrum.de, Zentrum für Kinder und Jugendliche Altötting und nytec multimedia 2006

24 Frederic Vester, a. a. O., 1979, 22

25 Das Gehirn, in : URL : http:// www.grundmotorik.de

26 M. C. Corballis u. J. L . Biale, Über die Wechselwirkung zwischen den beiden Gehirnhälften, z. n. Frederic Vester, a. a. O., 1979, 22

27 Helga Albrecht/ Irene Zoch, Was hat rechtshemisphäres Lernen mit dem Reaktivieren der Wortfolge-Regeln zu tun, in: Deutsch als Fremdsprache, Zeitschrift zur Theorie und Praxis des Deutschunterrichts für Ausländer, Leipzig, 1992, 202

28 ebd., 203

29 Gudula List, Zwei Sprachen und ein Gehirn, Befunde aus der Neuropsychologie und Überlegungen zum Zweitsprachenerwerb, Leipzig, 1995, 29

30 Ebd., 30

31 Ernst Apeltauer, Grundlagen des Erst- und Fremdsprachenerwerbs, Berlin, München, u.a. 1997, 20

32 Ebd., 29

33 Helga Albrecht/ Irene Zoch, a. a. O., 202

34 Ernst Apeltauer, Grundlagen des Erst- und Fremdsprachenerwerbs, Berlin, München, u.a. 1997, 20

35 Frederic Vester, a. a. O., 23

36 Gudula List, a. a. O., 30

37 Elzbieta Zawadzka Warszawa, Ausgewählte psycholinguistische Faktoren des fremdsprachigen Hörverstehens und ihre Auswirkung auf die didaktische Praxis, Leipzig, 1983, 15

38 Lado, z.n. Elzbieta Zawadzka Warszawa, a.a.O., 15

Details

Seiten
77
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656560371
ISBN (Buch)
9783656560364
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v266052
Institution / Hochschule
Université de Yaoundé I
Note
14
Schlagworte
sprachlernen kopf schüler beitrag gehirnforschung

Autor

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Titel: Sprachlernen: Was geht im Kopf der Schüler vor? Beitrag zur Gehirnforschung