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Lenin. Pionier des sowjetischen Pressewesens?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Lenins Ideologische Vorarbeit
II. 1. Journalistischer Werdegang
II. 2. Presseprinzip
II. 3. Auffassung von Pressefreiheit

III. Umsetzung im sowjetischen Pressewesen
III. 1. Anfangsphase mit Lenin
III. 2. Weitere Entwicklung nach Lenins Tod

IV. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Wladimir Ilitsch Uljanow, alias Lenin, gilt durch seine Führungsrolle in der russischen Revolution als Gründervater der Sowjetunion. Seine Position als ideologischer Führer der revolutionären Bewegung in Russland nahm er nicht zuletzt durch seine zahlreichen Publizierungen ein. In diesen verfasste er eine seine Theorien für ein neues Staatsgebilde, die er nach der Oktoberrevolution in der neu gegründeten Sowjetunion erfolgreich umzusetzen gedachte - So auch für das sowjetische Pressewesen. Während seiner fast zwanzigjährigen journalistischen Tätigkeit kristallisierte sich ein Presseprinzip heraus, welches das sowjetische Pressewesen grundlegend prägen sollte. In dieser Seminararbeit „Lenin - Pionier des sowjetischen Pressewesens?“ soll demnach untersucht werden, welche Rolle Lenin für das Pressewesen in der Sowjetunion einnahm. Woraus entwickelte sich das Presseprinzip Lenins und inwiefern war dieses für das sowjetische Pressewesen von Bedeutung? Zur Beantwortung dieser Frage, wird diese Seminararbeit in zwei Blöcke gegliedert. Im ersten Block „Ideologische Vorarbeit“ wird versucht herauszufinden, welche Bedeutung Lenin der Presse zur Erreichung seiner poltischen Ziele zuschreibt. Hierfür ist es erst einmal notwendig, den journalistischen Werdegang Lenins zu rekonstruieren. In diesem biographischen Exkurs werden dafür zunächst sämtliche Eckdaten seiner Pressetätigkeit herausgefiltert. Diese hat nämlich sein gesamtes Leben geprägt. Bevor er nach der Oktoberrevolution alle Voraussetzungen für die Gründung eines Staates nach sozialistischem Vorbild schaffte, verbrachte Lenin, wenn auch mit kurzen Unterbrechungen, über zwanzig Jahre in sibirischer Verbannung und im Exil. In dieser Zeit war er journalistisch sehr aktiv und verfasste zahlreiche Schriften, die durch diverse sozialistische Zeitungen verbreitet wurden. Aus diesen Schriften wird anschließend ein Muster über Lenins Presseprinzipen herausgearbeitet, das Aufschluss darüber geben soll, inwiefern die Presse im Sinne seiner sozialistischen Ideologie zu verstehen ist. Zum Abschluss des ersten Blocks wird kurz der historische Ursprung des gegenwärtig westlich-demokratischen Verständnisses von Pressefreiheit angeschnitten. Dagegen wird aus Lenins Schriften seine sozialistische Auffassung von Pressefreiheit ermittelt und der Vorstellung Karl Marx von einer freien Presse vergleichend gegenübergestellt. Im zweiten Block „Umsetzung sowjetischen Pressewesen“ wird untersucht, wie wichtig Lenins ideologische Vorarbeit für die Entwicklung des Pressewesens in der Sowjetunion war. Im ersten Abschnitt wird die Entwicklung des sowjetischen Pressewesens nach der Oktoberrevolution unter der Beteiligung Lenins überprüft. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die sowjetische Pressezensur gelegt. Als Lenin am 21. Januar 1924 verstarb, war die Sowjetunion noch ein junger Staat. Deshalb wird im zweiten Abschnitt auf die Presseentwicklung in der Sowjetunion unter eingegangen, an der Lenin nicht mehr persönlich mitwirken konnte. Hieraus soll die Erkenntnis über die eventuelle Nachhaltigkeit Lenins im sowjetischen Pressewesen erlangt werden.

Zur Bearbeitung dieses Thema dieses Thema wird auf ein breites Spektrum von Literatur zurückgegriffen. Die Quellenlage ist gut, da Lenins Schriften in deutscher Übersetzung vorliegen. Dies liegt zum einen daran, dass in der Deutsche Demokratischen Republik von ihrer Gründung 1949 bis zu ihrem Zerfall 1990 die von der Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg eingeführte Staatsdoktrin des Marxismus-Leninismus herrschte. Der Großteil der Literatur zum sowjetischen Pressewesen stammt aus der Zeit des Kalten Krieges. Dies mag ein Indiz dafür sein, dass sich die Forschung aufgrund der Brisanz des Ost-West-Konfliktes mit der Thematik auseinandersetzte, Literatur aus postsowjetischer Zeit über das sowjetische Pressewesen ist eher selten. Dennoch ist dieses Thema sehr interessant, da es vielleicht sogar einen Teil dazu beitragen kann, die Ideologie Lenins und der Sowjetunion besser zu verstehen.

II. Ideologische Vorarbeit

II. 1. Lenins journalistischer Werdegang

Lenins journalistische Tätigkeit begann schon im zaristischen Russland mit der Vorbereitung der illegalen Zeitung „Rabotscheje Delo“. Allerdings wurden die Exemplare der Erstausgabe in der Nacht vor der Veröffentlichung durch die zaristische Geheimpolizei beschlagnahmt und Lenin am 20. Dezember 1895 wegen Agitation gegen den Zarismus verhaftet.[1]Aus der Untersuchungshaft heraus trat er im Februar 1897 ohne Gerichtsverhandlung eine dreijährige Verbannung in Sibirien an, aus der er im Februar 1900 zurückkehren konnte. Während der Verbannung heiratete Lenin im Jahre 1898 seine Frau Nadeshda Krupskaja. Kurz nach seiner Rückkehr aus Sibirien emigrierte Lenin ins Ausland.[2]Die Ausreise war dadurch begründet, dass er aktiv an der Herausgabe der Zeitung „Iskra“ teilnehmen wollte. Bei der Planung dieser Zeitung in St. Petersburg kamen die Beteiligten zu dem Schluss, dass diese zum Schutz vor der zaristischen Geheimpolizei im Ausland verlegt werden sollte. Nach kurzem Aufenthalt im schweizerischen Genf ließ Lenin sich illegal in München nieder. Die erste Ausgabe der „Iskra“ erschien am 24. Dezember 1900. Die Exemplare wurden nach Russland geschmuggelt und dort unter der Bevölkerung verteilt. In dem von Lenin selbst verfassten Leitartikel „Womit beginnen?“ in der ersten Iskraausgabe betont er im Namen seiner Bewegung explizit, „dass wir nicht die Absicht haben, unser Organ zu einem einfachen Sammelplatz der verschiedenartigen Anschauungen zu machen.“[3]Hierbei deutet Lenin schon auf die spätere Zentralisierung und Zensur des Presseorgans hin. Drei Jahre lang leitet Lenin die „Iskra“ als Chefredakteur. Als nach der Spaltung der russischen Arbeiterbewegung in Bolschewiki und Menschewiki im Jahre 1903 der gemäßigte Iskramitarbeiter Georgi Walentinowitsch Plechanow sich von ihm abwendete, verließ Lenin die von ihm mitbegründete „Iskra“.[4]Während seiner Tätigkeit für die „Iskra“ veröffentlichte er von 1901 bis 1902 die als sein Hauptwerk geltende broschierte Schrift „Was tun?“. In dieser werden seine politischen Ideen erläutert, die für seine spätere bolschewistische Partei die ideologische Basis bildete.[5]Danach hatte Lenin kurze journalistische Intermezzi bei den Zeitungen „Sarja“, „Wperiod“, „Proletari“, „Sozial-Demokrat“ und „Rabotschaja Gaseta“, von denen jedoch keine seine radikal-revolutionäre Idee teilte.[6]Ab 1912 wirkte Lenin aus seinem Exil heraus an der im zaristischen Russland erscheinenden Zeitung „Prawda“ mit. Die Erstausgabe erschien am 5. Mai 1912. Dieses Blatt bat ihm die Möglichkeit, bedingt durch ihren Erscheinungsort, einen Großteil der russischen Arbeiterschaft direkt mit seinen Schriften zu erreichen. Im Juli wirft Lenin in einem Brief den Redaktionen der „Prawda“ und „Newskaja Swesda“ vor, sie seien zu gemäßigt und ihre Zeitungen würden dadurch „zu trockenen und eintönigen, uninteressanten, unkämpferischen Organen. Ein sozialistisches Organ muß polemisieren: unsere Zeit ist eine Zeit schlimmster Verworrenheit, und ohne Polemik geht’s nicht.“[7]Wie hoch Lenins Einfluss auf die Prawdaredaktion ist, zeigt die zunehmende Radikalisierung der Zeitungsinhalte als Folge seiner Kritik. Er selbst trägt durch immer häufigere Veröffentlichungen in der „Prawda“ an dem neuen Kurs der Zeitung bei.[8]Umgehend nach der Rückkehr aus dem Exil am 17. April 1917 fängt Lenin mit der Arbeit als Redakteur bei der „Prawda“ an. Mit der Redaktionsarbeit bezweckt er, russlandweit den Verlauf der Revolution lenken zu können. In der Ausgabe vom 20. April 1917 erscheinen unter dem Titel „Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution“ seine am Vortag auf einer Konferenz der Bolschewiki in Petrograd entwickelten Aprilthesen.[9]Zum Jahresende hin hatte Lenin die „Prawda“ schließlich als zentrales Organ der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) etabliert.

[...]


[1]Vgl. Robert Service: Lenin: Eine Biographie. Beck, München 2000, S. 151.

[2]Vgl. Weber, Gerda/Weber, Hermann: Lenin-Chronik. Daten zu Leben und Werk. München 1974, S.17 ff.

[3]Lenin, Wladimir Ilitsch: Über die Presse. Prag 1970, S. 70.

[4]Vgl. Weber, Gerda/Weber, Hermann: Lenin-Chronik. Daten zu Leben und Werk. München 1974, S. 54 f.

[5]Lenin, Wladimir Ilitsch: Was tun? In: Weber, Hermann: Lenin. Ausgewählte Schriften. München 1963, S. 114-200.

[6]Vgl. Lenin, Wladimir Ilitsch: Über die Presse. Prag 1970, S. 510 ff.

[7]Lenin, Wladimir Ilitsch: Briefe. Band 3. Berlin 1967, S. 74.

[8]Vgl. Weber, Gerda/Weber, Hermann: Lenin-Chronik. Daten zu Leben und Werk. München 1974, S. 116 ff.

[9]Ebd. S. 179.

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656557784
ISBN (Buch)
9783656557777
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265976
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Osteuropäische Geschichte
Note
11
Schlagworte
Lenin Presse Pressewesen Sowjetunion Zeitung Medien UdssR Journalismus

Autor

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