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John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand

Referat (Handout) 2004 10 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Kapitel: Über die Partikel

II. Kapitel: Über abstrakte und konkrete Ausdrücke

III. Kapitel: Über die Unvollkommenheit der Wörter

IV. Kapitel: Über den Mißbrauch der Wörter

V. Kapitel: Über die Mittel gegen die geschilderten Unvollkommenheiten und die mißbräuchliche Verwendung der Wörter

Literatur
Zusatz: John Lockes Unterteilung der Ideen

I. Kapitel: Über die Partikel

- Außer den Wörtern, die die Namen der im Geist vorhandenen Ideen sind, gibt es noch solche, die eine Verbindung zwischen den einzelnen Ideen oder Sätzen herstellen. Diese Wörter, mit denen man eine zusammenhängende Rede herstellen kann, bezeichnet man als Partikeln. „Auf ihrer richtigen Verwendung beruht eigentlich die Klarheit und Schönheit eines guten Stils.“[1]
- Partikel:[2] unveränderliches Redeteilchen - Füllwort, Funktionswort, Formwort. Sammelbezeichnung für nichtflektierende, nicht satzgliedfähige Wortklassen, die keine (oder wenig) selbstständige lexikalische Bedeutung aufweisen, aber die Bedeutung ihrer jeweiligen Bezugselemente modifizieren. Sie sind in der Regel nicht allein verschiebbar (d.h. auch nicht vorfeldfähig). Es wird unterschieden zwischen: Gradpartikeln (nur, sogar), Modalpartikeln (ja, freilich, allerdings), Negationspartikeln (kein, nicht), Antwortpartikeln (ja, nein), Steigerungspartikeln (sehr, außerordentlich) und Vergleichspartikeln (wie, als).
- Mit Hilfe der Partikeln kann man also zeigen, welche Verknüpfung, Einschränkung, Unterscheidung, Gegenüberstellung, Hervorhebung usw. man jedem einzelnen Teil seiner Rede geben will. Somit haben auch diese Wörter, die an sich keine Namen für irgendwelche Ideen sind, eine unentbehrliche und tragende Funktion im Gebrauch der Sprache.
- Die Partikeln zeigen, welche Beziehung der Geist seinen eigenen Gedanken gibt. Sie sind „Zeichen irgendeiner Tätigkeit oder Andeutung des Geistes“[3].
- Manchmal weisen Partikeln verschiedene und entgegengesetzte Bedeutungen auf. Die englische Partikel but z.B. kann im Sinne von „jedoch“, „nur“, „aber“, „sondern“ und „nun aber“ verwendet werden.
- Auch können Partikeln den Sinn eines ganzen Satzes enthalten.

II. Kapitel: Über abstrakte und konkrete Ausdrücke

- Der Geist besitzt die Kraft seine Ideen zu abstrahieren. Jede abstrakte Idee ist eine Wesenheit und besonders bestimmt, so dass von zwei Ideen „niemals die eine die andere sein kann“[4]. Der Geist nimmt durch seine intuitive Erkenntnis einen Unterschied wahr.
- Abstrakte Ausdrücke können einander also nicht als Prädikate beigelegt werden. Daher sind z.B. folgende Sätze nicht richtig: Menschtum ist Animalität oder Menschtum ist Vernünftigkeit.
- Wir können also nur Sätze bejahen, in denen eine abstrakte Idee mit einer anderen verknüpft ist, wie z.B. bei: Der Mensch ist ein animalisches Wesen und vernunftbegabt.
- Die Verschiedenheit der Namen lässt uns die Ungleichartigkeit unserer Ideen erkennen. Unsere Ideen haben sämtlich sowohl abstrakte als auch konkrete Namen. Die konkreten Namen sind meist Substantive, die die unter den Menschen herrschenden Beziehungen bezeichnen (z.B. Vaterschaft, Vater). Sie sind also Ideen der Relation.
- Abstrakte Ausdrücke (z.B. Adjektive wie süß, weiß oder vernunftbegabt) sind dagegen Ideen der Modi.

III. Kapitel: Über die Unvollkommenheit der Wörter

- Wir verwenden Wörter, um uns unsere Gedanken aufzuzeichnen (zur Unterstützung unseres Gedächtnisses) und um sie anderen mitzuteilen.
- Da die Wörter willkürliche und neutrale Zeichen irgendwelcher Ideen sind, kann der Mensch beliebige Wörter verwenden, um für sich selbst Ideen zu bezeichnen. Er muss nur ständig dasselbe Zeichen für dieselbe Idee verwenden.
- Bei der Mitteilung durch Wörter gibt es eine doppelte Verwendung, eine bürgerliche und eine philosophische. Die Verwendung der Wörter für bürgerliche Zwecke erfolgt beim „gewöhnlichen mündlichen Verkehr und Meinungsaustausch über die täglichen Angelegenheiten und Erfordernisse des bürgerlichen Lebens“[5], die philosophische Verwendung dient dazu „die genauen Begriffe von den Dingen zu vermitteln und in allgemeinen Sätzen sichere und zweifellose Wahrheiten auszudrücken“[6].
- Die Unvollkommenheit der Wörter besteht in der häufigen Zweideutigkeit ihrer Bedeutung. Wörter vertreten also oft verschiedene Ideen.
- Die Bedeutung der Wörter muss erlernt und festgehalten werden. Da sie willkürlich ist, stimmen Bedeutung des Wortes und die tatsächliche Wesenheit des Dinges nicht immer genau überein.
- Viele Namen der gemischten Modi (wie z.B. Verpflichtung oder Lüge) neigen „zu einer großen Unsicherheit und Dunkelheit in der Bedeutung“[7]. Dies ist zum einen in der Komplexität der Ideen begründet. So haben viele moralische Begriffe bei verschiedenen Menschen selten genau dieselbe Bedeutung.
- Auch haben die Namen der gemischten Modi in der Natur meist keinen Maßstab, an dem man sich orientieren könnte.
- Es gibt kaum einen Namen für eine komplexe Idee, „der nicht im geltenden Sprachgebrauch ein weites Gebiet umfaßte"[8]. Demnach unterliegen sehr komplexe Ideen (wie z.B. Ruhm oder Dankbarkeit) ihrer Natur nach der Unvollkommenheit.
- Auch die Art, wie die Namen der gemischten Modi erlernt werden, trägt zu ihrer Mehrdeutigkeit und Zweifelhaftigkeit bei. Um Kindern einfache Ideen oder Substanzen begreiflich zu machen, zeigt man auf ein Ding und wiederholt dann den Namen, der das Ding bezeichnet (z.B. weiß, süß, Milch, Hund, Katze). Bei gemischten Modi, und speziell bei den moralischen Begriffen, werden aber gewöhnlich zunächst die Laute erlernt und die Bedeutung erschließt sich dann meist erst aus eigenen Beobachtungen und der eigenen Lernbegierde.
- Die Namen für Substanzen haben eine zweifelhafte Bedeutung. Man verwendet sie um vermeintlich die reale Beschaffenheit der Dinge auszudrücken. Diese Wesenheit ist jedoch häufig völlig unbekannt und auch unerkennbar. Auch beziehen sich Substanznamen oft auf zusammen existierende Qualitäten, die aber nur unvollständig bekannt sind. „Denn, wie schon erwähnt, stellen verschiedene Leute verschiedene Eigenschaften an derselben Substanz fest; und ich glaube sagen zu dürfen, daß kein Mensch alle Eigenschaften wahrnimmt.“[9]
- Am wenigsten zweifelhaft sind die Namen der einfachen Ideen (z.B. süß, gelb, bitter). Sie beruhen auf einer einzelnen Wahrnehmung und sind daher leichter zu erlangen und klarer festzuhalten als die komplexeren.
- Viele Streitigkeiten und Irrtümer gehen also auf Kosten der Wörter und ihrer unsicheren oder missverstandenen Bedeutung.

[...]


[1] LOCKE, JOHN: S. 94.

[2] Vgl. BUSSMANN, HADUMOD (HRSG.): S. 498 f.

[3] LOCKE, JOHN: S. 96.

[4] Ebd. S. 98.

[5] Ebd. S. 101.

[6] Ebd. S. 101.

[7] Ebd. S. 103.

[8] Ebd. S. 105.

[9] Ebd. S. 114 f.

Details

Seiten
10
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638288750
ISBN (Buch)
9783638956543
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26586
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Philosophisches Seminar
Note
bestanden

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