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Geschlechtsrollenentwicklung & Geschlechterstereotypisierung

Hausarbeit 2012 19 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung
2.1 Die Geschlechtsidentität
2.2 Die Geschlechtsstereotypen
2.3 Die Geschlechtsrollen
2.4 Sex & Gender
2.5 Die Sozialisierung

3. Entwicklung von Geschlechterstereotypen und Geschlechterrollen
3.1 Die Entwicklung von Geschlechterrollen durch Sozialisation

4. Einfluss der Geschlechterrollen auf das Verhalten von Mann und Frau
4.1 Das hilfreiche Verhalten
4.2 Das aggressive Verhalten
4.3 Das nonverbale Verhalten

5. Eigenes Urteil

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nehmen wir an, wir befinden uns in einem idyllischen Kindergarten in Mitten von vielen spielenden Kindern! Was würden wir sehen und was könnte uns auffallen, wenn wir die Kinder beobachten?

Zu unserer linken spielen zwei Mädchen mit Puppen das beliebte Mutter-Vater-Kind- Spiel, direkt dahinter befindet sich ein kräftiger Junge, der sich mit zwei Rennautos beschäftigt. An dem kleinen runden Tisch zu unserer Rechten sitzen ein paar Mädchen und malen bunte Bilder, während sie von dem Mädchen in der Spielküche bekocht werden. Plötzlich hören wir lautes Gebrüll und „Attacke-Rufe“, als zwei Jungs in das Gruppenzimmer stürmen und sich bekämpfen, wie Ritter aus dem Mittelalter. Dabei stolpert einer der beiden Raufbolde über eins der im Puppenspiel vertieften Mädchen und fällt ungünstig auf seine Hand. Beide Kinder fangen sofort an zu weinen. Die Erzieherin kommt herbeigelaufen und nimmt direkt das kleine schniefende Mädchen auf den Arm und fängt an sie mit sanften Worten zu trösten. Der Junge hingegen erhält nur ein: „Ach komm schon! Es ist doch gar nicht so schlimm!“

Doch wie kommt es nun genau zu dieser Situation? Warum verhalten sich alle diese Kinder wie oben beschrieben? Woher wissen die Mädchen, dass von ihnen erwartet wird sich mit den Puppen zu beschäftigen, anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen? Und warum kocht der kleine Junge nicht mit in der Spielküche, sondern spielt stattdessen lieber alleine mit seinen Autos?

Wie kommt es zu den stereotypisierten Bildern von Mann und Frau, denen wir jeden Tag begegnen? Mit der Beantwortung dieser Fragen werde ich mich in meiner folgenden Arbeit beschäftigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Im Kindergarten (http://www.waldorfkindergarten-trier.de/Material/kaufladen2.jpg)

2. Begriffserklärung

2.1 Die Geschlechtsidentität

Unter Geschlechtsidentität versteht man „die Selbstidentifizierung eines Menschen mit seinem biologischen Geschlecht als männlich oder weiblich. Sie erfolgt den äußeren Geschlechtsorganen gemäß etwa innerhalb der ersten drei Lebensjahre und festigt sich dann weiter. Durch die Erziehung werden entsprechende Denk- und Verhaltensmuster übernommen.“1

Die Entwicklung der Geschlechtsidentität vollzieht sich in drei Dimensionen. Die biologischen Komponenten befassen sich mit den äußeren Geschlechtsmerkmalen, die einen Menschen direkt nach der Geburt als Frau oder Mann identifizieren. Hier wird eine lebenslange Zuordnung zu einer der beiden Geschlechtskategorien durchgeführt. Bei den psychologischen Komponenten spielen die Erfahrungen eines Menschen und die dadurch entstandenen Erwartungen an ein Geschlecht eine Rolle. Die wichtigsten Komponenten für die Erkennung und Entwicklung der Geschlechtsidentität sind allerdings die soziokulturellen. Diese besagen, dass das Aufwachsen in einer bestimmten Kultur und das Verhalten der Menschen die darin leben, den größten Einfluss auf die Kinder haben. Durch Nachahmung und Beobachten des eigenen Geschlechts, sei es in der Familie oder bei den Gleichaltrigen, wird erkannt, wie die eigene Geschlechterrolle zu leben hat.2

2.2 Die Geschlechterstereotype

Unter Stereotype versteht man allgemeine Annahmen und Vorstellungen über „die relevanten Eigenschaften einer Personengruppe“, welche die eigenen Wahrnehmungen beeinflussen.3 Sie werden sehr oft im Alltag verwendet, ohne dass man sie hinterfragt. Es ist wichtig zu erwähnen, dass man den Begriff Stereotyp nicht synonym verwenden kann mit einem Klischee, einem Stigma oder einem Vorurteil. Denn gerade diese Wörter werden immer mit negativen Bewertungen und Gefühlen verbunden, wohingegen Stereotype ohne Wertungen sind und nur Unterscheidungen zum Ausdruck bringen. Geschlechterstereotype sind folglich „die strukturierten Sätze von Annahmen über die personalen Eigenschaften von Frauen und Männern“.4 Dies bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer äußeren Geschlechtszugehörigkeit, Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben bekommen.

2.3 Die Geschlechterrollen

Während sich Geschlechterstereotype ausschließlich mit den Eigenschaften von Männern und Frauen beschäftigen, geht es bei den Geschlechterrollen, oder auch Geschlechtsrollen, mehr um die Erwartungen, die man an die Verhaltensweisen des jeweiligen Geschlechts hat. Denn in jeder Kultur und in jeder Gesellschaft werden an ein bestimmtes Geschlecht unterschiedliche Verhaltenserwartungen gestellt, die nach Eagly (1987) dann auch „die zentrale Ursache für Geschlechterunterschiede im sozialen Handeln“ sind.5 Es lässt sich festhalten, dass Geschlechterrollen auf einen Lernprozess zurückzuführen, meist unbewusst verinnerlicht sind und als kulturelle Selbstverständlichkeit erscheinen. Außerdem sind sie historisch veränderbar.

2.4 Sex & Gender

Sex und Gender wurde aus dem Englischsprachigen übernommen und beides bedeutet „Geschlecht“. Allerdings wird durch den Sexualwissenschaftler John Money seit den 1950er Jahren eine Unterscheidung zwischen dem „biologischem Geschlecht –sex- und der kulturell erworbener Geschlechtsidentität –gender-“ durchgeführt.6 Man kann sagen, dass „Sex“ die körperlichen Geschlechtsmerkmale, dazu gehören die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, bezeichnet. „Gender“ hingegen meint das soziale Geschlecht, also die erworbene Geschlechterrolle, die wie in Punkt 2.3 beschrieben bestimmte Eigenschaften, Fähigkeiten und Interessen, die Frauen und Männern zugeschrieben werden, enthält.

Zur Erläuterung folgt hier ein Beispiel. Das Gebären von Kindern ist, durch die Biologie des Menschen so vorgegeben, nur den Frauen bestimmt. Allerdings gibt diese nicht vor, dass die Frauen die Kinder auch großziehen müssen. Das wiederum ist das von der Gesellschaft erwartende Verhalten einer Frau, dem eben erklärten „gender“.7

2.5 Die Sozialisierung

Sozialisierung, oder auch Sozialisation, ist ein sozialwissenschaftlicher Begriff unter dem man den „Prozeß der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt“ versteht.8 Eine wichtige Rolle hierbei spielt die Interaktion mit den Menschen aus der eigenen Umgebung und auch die Erfahrungen, die ein Mensch mit seinem eigenen Handlungen machen kann. Die Sozialisierung ist ein Prozess, der das ganze Leben lang vollzogen wird, allerdings beziehen sich die Forschungen hauptsächlich auf die Kindheit, die Jugend und das junge Erwachsenenalter.

3. Die Entwicklung von Geschlechterstereotypen & Geschlechterrollen

In jeder Kultur, in jeder Gesellschaft und in jedem Alltag kommt es zur Sortierung von Menschen und Dingen in bestimmte Kategorien. Die Geschlechterkategorie ist dafür besonders gut geeignet, denn es gibt davon nur zwei.

Bei der Geburt eines Menschen ist das Geschlecht des Neugeborenen eins der wichtigsten Merkmale, denn schon hier kommt es zur Kategorisierung des Babys in männlich und weiblich. Aber auch für die weitere individuelle Lebensentwicklung des Kindes spielt dieses Geschlecht eine große Rolle, denn bei jeder Interaktion beziehen sich die Beteiligten auf diese „soziale Kategorie“, die mit geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen und Verhaltensreaktionen verknüpft ist.9

Die Differenzierung des Geschlechtes wird in der Regel an vermeintlich natürlich-biologischen Unterschieden festgemacht. Dazu zählen unter anderem der Körperbau, die Stimme oder auch Bewegungen. Allerdings reicht dies allein zum Mann- bzw. Frau-Sein nicht aus.

Ein weiterer Bestandteil einer jeden Kultur ist das Vorhandensein von Geschlechtsstereotype. Jeder Mensch wird aufgrund seines biologischen Geschlechtes einer Etikettierung unterzogen. Dies bedeutet, dass er bestimmte Eigenschaften, die für sein Geschlecht typisch sind, zugeschrieben bekommt, die er dann, wenn möglich auch erfüllen sollte.10

Bei Befragungen und Untersuchungen bezüglich der stereotypischen Eigenschaften von Männern und Frauen in verschiedenen Staaten wurden mehr typisch männliche Eigenheiten gefunden als typisch weibliche (siehe Abbildung 2).

Auch gab es so gut wie in keinem der 25 befragten Staaten „Umkehrungen der männlichen und weiblichen stereotypen Eigenschaften“, also zum Beispiel das typisch weibliche Stereotype einem Mann zugewiesen wurden.

Wenn man sich nun, die in Abbildung 2 aufgezählten stereotypischen Eigenschaften von Männern und Frauen anschaut, fällt nicht nur die Anzahl auf, sondern auch, dass die männlichen Stereotype im Durchschnitt mehr „positive Eigenschaften“ aufweisen. Bei den femininen Eigenschaften hingegen fallen Bezeichnungen, wie schwach, unterwürfig, abhängig und abergläubisch doch schon eher in den negativeren Bereich.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Stereotype Eigenschaften, die übereinstimmend in mindestens 20 der 25 untersuchten Staaten genannt wurden (Alfermann 1996, S.16f)

In den männlichen Stereotypen spiegelt sich zudem eine gewisse Dominanz wieder. Dies könnte auch erklären, warum Männer häufig als die dominantere Gruppe bezeichnet werden. Außerdem gilt mit der eben beschriebenen Dominanz der Männer eine „Unterordnung der Frau“ als etwas Alltägliches.12

Man kann also festhalten, dass sich die Stereotype auf die Rollen, die Frauen und Männer in der Gesellschaft, in der Familie und im Beruf haben, anpassen. Und diese Rollen werden schon früh von den Kindern übernommen und ausgeübt.

Nun stellt sich jedoch die Frage, woher Babys und Kleinkinder das Wissen erhalten, was zum einen überhaupt ein Junge bzw. was ein Mädchen ist und welche Erwartungen die Gesellschaft an die Verhaltensweißen des jeweiligen Geschlechtes stellt. Um auf diese Frage genauer eingehen zu können, wird im Folgenden ein kurzer Einblick in die frühkindliche Entwicklung gegeben

Das Erkennen und Unterscheiden von Jungen und Mädchen ist ein wichtiger Punkt in der frühkindlichen Entwicklung. Durch zahlreiche Studien und Untersuchungen wurde herausgefunden, dass die „Fähigkeit, zwei Geschlechter kognitiv voneinander zu unterscheiden“ schon bei einjährigen Kindern vorhanden ist.13 Etwa ab dem zweiten Lebensjahr können Kleinkinder sich und anderen dann kognitiv eine Kategorie zuschreiben, also genau bestimmen, wer zu welchem Geschlecht gehört. Bei weiteren Untersuchungen konnte man erst, als die Kinder auch in der Lage waren, sich verbal auszudrücken, genauere Vorstellungen von den stereotypischen Eigenschaften der Geschlechter nachweisen. Somit ließen sich also Ansätze zur Geschlechterstereotypisierung schon bei Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren feststellen. Bei Kindern im Alter von fünf bis sechs Jahren waren dann schon „relativ ausgeprägte Geschlechtsstereotype“ vorhanden, diese waren sogar ähnlich wie bei Erwachsenen.14 Es stellte sich heraus, dass je älter die Kinder wurden, sie umso mehr Kenntnisse über die einzelnen stereotypischen Eigenschaften der Geschlechter erlangten. Mit Abschluss der Grundschule ist dann der Erwerb der Geschlechterstereotype weitgehend abgeschlossen.15

[...]


1 Brockhaus 2001, S. 208

2 http://www.kindergartenpaedagogik.de/746.html Zugriff am: 04.01.2012

3 Alfermann 1996, S.9

4 Alfermann 1996, S.10

5 Alfermann 1996, S.31

6 Ullrich 2001, S.142

7 www.eduhi.at/dl/B_Tanzberger_Geschlecht.pdf Zugriff am 04.01.2012

8 http://www.mlenz.de/gsoz2skr.pdf Zugriff am 05.01.2012

9 Bilden 2006, S.47

10 Alfermann 1996, S.9

11 Alfermann 1996, S.17

12 Alfermann 1996, S.20

13 Alfermann 1996, S.13

14 Alfermann 1996, S.13

15 Alfermann 1996, S.13

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656554219
ISBN (Buch)
9783656554431
Dateigröße
845 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265801
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,0
Schlagworte
geschlechtsrollenentwicklung geschlechterstereotypisierung

Autor

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Titel: Geschlechtsrollenentwicklung & Geschlechterstereotypisierung