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Der Einfluss von Basel III auf das Liquiditätsrisikomanagement von Kreditinstituten

Eine vergleichende Analyse ausgewählter Banken im Zeitablauf

Bachelorarbeit 2013 50 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Aktueller Bezug
1.2. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

2. Grundlagen und Begriffsabgrenzungen
2.1. Risiko und Liquidität
2.2. Liquiditätsrisiken in Kreditinstituten
2.3. Liquiditätsrisikomanagement im Kontext der Gesamtbanksteuerung

3. Aufsichtsrechtliche Anforderungen an das Liquiditätsrisikomanagement von Kreditinstituten
3.1. Anforderungen des KWG und der Liquiditätsverordnung
3.2. Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk
3.3. Die Liquiditätsreform nach Basel II
3.3.1. Mindestliquiditätsquote (LCR
3.3.2. Strukturelle Liquiditätsquote (NSFR)

4. Eine Analyse des Liquiditätsrisikomanagements ausgewählter Banken im Zeitablauf
4.1. Die quantitative Analyse
4.1.1. Liquiditätsrisikomessung
4.1.2. Buchwerte der Verbindlichkeiten: Kunden / Interbankenmarkt
4.2. Die qualitative Analys
4.2.1. Liquiditätsrisikostrategi
4.2.2. Refinanzierung
4.2.3. Liquiditätsablaufbilan
4.2.4. Stresstests
4.2.5. Liquiditätskrisenpläne („Contingency Plans“)

5. Schlussbetrachtung
5.1. Fazit
5.2. Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht der Liquiditätsrisiken

Abbildung 2: Bestand an hochliquiden Aktiva (Liquiditätspuffer)

Abbildung 3: Gewichtung der Zahlungsmittelabflüsse und –zuflüss

Abbildung 4: Gewichtung der Bilanzpositionen nach dem ASF- und RSF-Fakto

Abbildung 5: Entwicklung der Liquiditätskennzah

Abbildung 6: Tabelle zur Entwicklung der Liquiditätskennzah

Abbildung 7: Buchwerte der Verbindlichkeiten ggü. Kunden bzw. Kreditinstituten

Abbildung 8: Ratingentwicklung der Kreditinstitute vom Jahr 2006 - 201

Abbildung 9: Exemplarische Darstellung einer Liquiditätsablaufbilan

Abbildung 10: Das Liquiditätsmodell der DZ Bank

Abbildung 11: Übersicht der Stressszenarien

1. Einleitung

1.1. Aktueller Bezug

Kreditinstitute nehmen eine sehr wichtige Rolle in der Gesamtwirtschaft ein. Sie vermitteln als Finanzintermediäre zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern und erfüllen hierbei verschiedene Transformationsfunktionen wie z.B. die Fristen-transformation. Im Aktivgeschäft sind die Kapitalüberlassungsfristen in der Regel länger als die Bindungsfristen im Passivgeschäft. Die Fristentransformation ermöglicht es, kurzfristig meist revolvierende Einlagen hereinzunehmen, um langfristige Kredite herauszugeben. Somit werden die Bindungsfristen nach dem „Gesetz der Großen Zahl“ transformiert.[1] Weit in der Zukunft liegende Zahlungsströme sind trotz vertraglicher Fristen nur unzureichend abschätzbar. Grund hierfür sind eingeräumte Kündigungsrechte oder Prolongationen, welche dazu führen, dass Kreditinstitute bewusst Liquiditätsrisiken eingehen. Auf lange Sicht müssen jedoch Zahlungsmittelzu- und Zahlungsmittelabgänge ausgeglichen werden, um die Zahlungsfähigkeit einer Bank zu gewährleisten. Dazu ist ein zuverlässiges Liquiditätsrisikomanagement unerlässlich. Die Steuerung des Liquiditätsrisikos ist in den letzten Jahren durch die weltweite Finanzkrise im Jahr 2007 in den Fokus der Regulierung gerückt. Mit der Krise ging ein starker Vertrauensverlust auf dem Interbankenmarkt einher. Die Gefahr mangelnder Liquidität wurde bei vielen Banken dadurch deutlich, dass die Refinanzierung durch Interbankengelder knapper wurde. Notenbanken mussten einspringen, um eine Refinanzierung zu gewährleisten und Kreditinstitute vor der Insolvenz zu schützen. Auch Banken mit guter Eigenkapitalausstattung und Bonität gerieten in Schwierigkeiten.[2] Bis dato standen im Risikomanagement der Banken vor allem das Kreditrisiko und das Marktpreisrisiko im Vordergrund. Durch die Auswirkungen der Krise werden Banken durch steigende Regulierungsmaßnahmen dazu verpflichtet, das Liquiditätsrisiko stärker in der Gesamtrisikostrategie zu berücksichtigen. Quantitative Normen, die im Kreditwesengesetz (KWG) und in der Liquiditätsverordnung (LiqV) vorhanden waren, wurden ausgebaut und zusätzlich durch qualitative Normen ergänzt. Darüber hinaus wurden qualitativ gestaltete Grundsätze, die das Management von Liquiditätsrisiken regulieren, durch die MaRisk publiziert.

Im Dezember 2010 wurde dann das neue Reformpaket Basel III vom Basler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) veröffentlicht. Am 22. August 2012 hat die Bundesregierung den Gesetzesentwurf zur nationalen Umsetzung von Basel III beschlossen, um in Europa ein Voranschreiten der Reform zu bewirken.[3] Die Vorschläge sehen die Implementierung zweier Kennziffern, „Liquidity Coverage Ratio“ (LCR) und „Net Stable Funding Ratio“ (NSFR), vor. Die beiden Kennzahlen führen zu einer starken Änderung des Status quo (KWG, LiqV, MaRisk). Sie nehmen den Stressbelastungsfall an, orientieren sich an einem kurz- und mittelfristigen Zeithorizont und sind ab 2019 vollständig einzuhalten. Ziel der neuen quantitativen Regulierungsmaßnahmen ist es, die Banken in Bezug auf Liquiditätsengpässe widerstandsfähiger zu machen. Zudem sollen international einheitliche Regeln geschaffen werden, da Banken durch die Refinanzierung über den Interbankenmarkt international eng verzahnt sind.

In der klassischen Literatur wird die Regulierung dadurch begründet, dass die Bankenaufsicht zum Schutz der Anleger handelt, indem sie stellvertretend für die Einlegergesamtheit die Banken überwacht. Die Repräsentationshypothese stellt die Aufsicht somit als „Repräsentant aller Einleger“ dar.[4]

Bei der aktuellen Diskussion über die neuen Regulierungsmaßnahmen gehen die Standpunkte jedoch weit auseinander. Nach Meinung des Vize-Chefs der US-Bankenaufsicht FDIC sind die geplanten Basel III Regeln zu komplex und ineffektiv. Er kommt zum Schluss „Wir sollten Basel III in seiner aktuellen Form aufgeben.“[5] Wohingegen die Chefin der BaFin, Elke König, sich wie folgt äußerte: „Es führt kein Weg daran vorbei, Basel III jetzt so zügig wie möglich einzuführen, und zwar weltweit.“[6]

Voraussichtlich wird durch die neuen Liquiditätsvorschriften nach Basel III die Komplexität der Regeln und die Bedeutung eines funktionierenden Liquiditätsrisiko-managements weiter zunehmen.

1.2. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine kritische Prüfung, ob das neue Reformpaket Basel III mit seinen Liquiditätskennzahlen LCR und NSFR einen Einfluss auf das Liquiditätsrisikomanagement von Banken haben wird. Eine Möglichkeit wäre, von der Grundannahme auszugehen, dass Banken durch vorherige Reformen bereits jetzt schon auf die neuen Änderungen sehr gut vorbereitet sind und die aufsichtsrechtlichen Anforderungen nur eine „formale“ Reform darstellen. Eine andere Möglichkeit wäre hingegen die Annahme, dass Basel III das Liquiditätsrisikomanagement zu einer großen Neuausrichtung herausfordern wird.

Nach dieser Einleitung sollen im zweiten Kapitel neben grundlegenden Begriffen die besondere Bedeutung von Liquiditätsrisiken in Kreditinstituten und die Funktion eines effektiven Liquiditätsrisikomanagements dargestellt werden. Das dritte Kapitel zeigt gesetzliche und aufsichtsrechtliche Anforderungen auf, die bereits umgesetzt worden sind und den Status quo ausmachen. Dem folgen die Berechnung der neuen Liquiditätskennzahlen und die zugrunde liegende Bedeutung der Bilanzpositionen, die die neuen Regulierungsmaßnahmen darstellen und die in Zukunft einzuhalten sind. Der Schwerpunkt der Arbeit widmet sich dem vierten Abschnitt. Eine Analyse ausgewählter Banken soll vom Jahr 2006 bis 2012 den Wandel des Liquiditätsrisikomanagements darstellen. Durch die Rückschau wird untersucht, wie die Reformen vor Basel III umgesetzt wurden und wie der aktuelle Status quo ist. Als Banken wurden für die Analyse die Deutsche Bank, HSBC Trinkaus, DZ Bank und die Stadtsparkasse Düsseldorf klassifiziert. Durch die Wahl dieser Banken soll die Drei-Säulen-Struktur des Bankwesens in Deutschland repräsentiert werden. Mit der Deutschen Bank und HSBC befinden sich zwei Privatbanken in der Analyse, die sich jedoch in der Geschäftsausrichtung unterscheiden. Die Deutsche Bank ist die größte Privatbank Deutschlands (gemessen an der Bilanzsumme) und fokussiert ihre Arbeit auf ein starkes Investmentgeschäft. HSBC Trinkaus ist eine deutsche Privatbank und unterliegt der britischen HSBC Holdings plc. Die Geschäfte der Bank sind vorwiegend auf mittlere und große Firmenkunden ausgerichtet. Die DZ Bank repräsentiert als genossenschaftliche Zentralbank eine zweite Säule im deutschen Bankwesen. Sie nimmt eine wesentliche Rolle im Rahmen der Liquiditätssteuerung und der Refinanzierung der Volksbanken und Raiffeisenbanken ein, indem sie die „Liquiditätsausgleichsfunktion“ ausführt. Dabei übernimmt sie sowohl die Aufgabe, die kurzfristige Überschuss-liquidität der Genossenschaftsbanken zu platzieren, als auch langfristige Liquidität für diese zu beschaffen. Die dritte Säule repräsentiert die Stadtsparkasse Düsseldorf. Sie ist ein öffentlich-rechtliches Institut und gemessen an der Bilanzsumme eine relativ große Sparkasse in Deutschland. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dieser Arbeit werden im fünften Kapitel zusammenfassend dargestellt und mit einem Ausblick auf künftige Auswirkungen und Anforderungen an das Liquiditätsrisikomanagement gewürdigt.

Basel III ist eine Reform, die im stetigen Wandel ist und immer wieder überarbeitet wird. So wurden auch die Übergangsfristen für die neuen Kennzahlen am 06. Januar 2013 um vier Jahre verlängert.[7] Der Erhebungszeitpunkt meiner Analyse endet mit dem März 2013. Auch wenn weitere tiefgreifende Änderungen nicht zu erwarten sind, sollte dieses Faktum nicht unerwähnt bleiben.

2. Grundlagen und Begriffsabgrenzungen

Bevor auf die Differenzierung der Liquiditätsrisiken und auf die Bedeutung des Liquiditätsrisikomanagements näher eingegangen werden kann, ist es wichtig die grundlegenden Begriffe „Risiko“ und „Liquidität“ darzustellen.

2.1. Risiko und Liquidität

Den Begriff „Risiko“ einheitlich zu definieren gestaltet sich sowohl in der Praxis wie auch in der Literatur nicht einfach. Aufgrund vielfältiger Begriffsdefinitionen wird hier das Risiko ausschließlich im bankbetrieblichen Kontext betrachtet.

Grundsätzlich ist eine Risikosituation dadurch gekennzeichnet, dass zukünftige Eintrittswahrscheinlichkeiten bekannt sind. Dabei differenziert sich der Risikobegriff in formale und materielle Risiken.[8] Das formale Risiko stellt den Informationszustand des Wirtschaftssubjekts in den Vordergrund und berücksichtigt dabei die Ursache des Risikos. Oft wird auch vom „ursachenbezogenen Risikobegriff“ gesprochen. Beim materiellen Risiko liegt der Fokus auf der Verlustgefahr. Diese wird wiederum in eine Quantitätsdimension und eine Intensitätsdimension differenziert. Die Quantität bezieht sich auf die Höhe des Schadens, wohingegen sich die Intensität auf die Eintritts-wahrscheinlichkeit bezieht. So definiert sich das materielle Risiko auch als „wirkungsbezogenes Risiko“. Übertragen auf das Liquiditätsrisiko lässt sich festhalten: Ein normaler Zahlungsabfluss stellt kein Risiko dar, wohingegen eine Abweichung vom erwarteten Niveau als Risiko definiert werden kann.[9]

Auch beim Begriff der „Liquidität“ ist es nicht einfach, sich auf eine einheitliche Definition festzulegen. In der Regel wird der zahlungsstromorientierte Begriff der „Liquidität von Wirtschaftssubjekten“ aufgeführt. Diese ist dann gegeben, wenn jederzeit und in voller Höhe Zahlungsverpflichtungen bedient werden können. Dabei werden auch Kreditlinien bei anderen Banken mitberücksichtigt. Dahingegen beschreibt die „Liquidität von Wirtschaftsobjekten“ die Liquidierbarkeit von Vermögens-gegenständen wie z.B. Aktiva. Dieses wird bei der Anrechnung von Bilanzpositionen hinsichtlich der neuen Liquiditätskennzahlen eine wichtige Rolle spielen.

Die Liquidität im Bankensektor hat eine sehr wichtige Bedeutung und lässt sich von der Liquidität anderer Unternehmen abgrenzen. Beispielsweise beeinflussen Verfügungs- und Wahlrechte der Kunden bei Bankprodukten die Liquidität in großem Maße. Durch die Fremdbestimmtheit der Zahlungsflüsse bleiben Zahlungsverpflichtungen weitgehend unbekannt. Der Kunde wirkt somit exogen auf Liquiditätsbewegungen ein und muss in der Liquiditätssteuerung berücksichtigt werden.[10] Die Autonomie der Kunden führt dazu, dass die Zahlungsbereitschaft einer Bank nur auf einem bestimmten Wahrscheinlichkeitsniveau einzuhalten ist.[11] Ein weiterer Ansatz bankspezifischer Liquidität beruht auf den betrachteten zeitlichen Dimensionen. Hier wird zwischen der kurzfristigen und mittel- bis langfristigen Liquidität unterschieden. Die kurzfristige Liquidität wird oft auch als operative oder dispositive Liquidität bezeichnet und versteht die jederzeit ausreichende Fähigkeit, Verbindlichkeiten bedienen zu können. Auch hier wird die Sonderstellung von Kreditinstituten deutlich. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen dürfen Banken ihre Zahlungstermine nicht geringfügig verschieben. Hieraus könnte ein Vertrauensverlust der Kunden und somit ein verstärkter Abzug liquider Mittel resultieren.[12] Der mittel- bis langfristige Bereich beginnt häufig bei zwölf Monaten und definiert sich als strukturelle Liquidität. Ziel der Bank ist es, im strukturellen Bereich genügend langfristige Refinanzierungsmittel auf der Passivseite zur Verfügung zu haben, um die gewünschte Entwicklung auf der Aktivseite erzielen zu können.

2.2. Liquiditätsrisiken in Kreditinstituten

Im Gegensatz zum oben definierten Risiko- und Liquiditätsbegriff werden Liquiditätsrisiken in Banken in der Fachliteratur relativ einheitlich definiert. Unter dem „Liquiditätsrisiko im engeren Sinne“ wird die Gefahr bezeichnet, dass eine Bank ihre Zahlungsverpflichtungen zum Zeitpunkt der Fälligkeit nicht uneingeschränkt erfüllen kann.[13] In der Praxis wird oftmals von einem „Zahlungsunfähigkeitsrisiko“ gesprochen. Dahingegen gilt eine Bank als liquide, wenn ein finanzielles Gleichgewicht herrscht.[14] Dies lässt sich an folgender Gleichung nachvollziehen:

Zahlungsmittel + Liquidationserlöse + Refinanzierungszuflüsse ≥ Zahlungsmittelbedarf

Die Summe aus vorhandenen Zahlungsmitteln, Liquidationserlösen und Refinanzierungszuflüssen muss zu jedem Zeitpunkt mindestens dem Zahlungsmittel-bedarf entsprechen. Ansonsten besteht ein Zahlungsunfähigkeitsrisiko.

Das „Liquiditätsrisiko im weiteren Sinne“ unterteilt sich in originäre und derivative Liquiditätsrisiken. Die folgende Abbildung zeigt die Einteilung der Liquiditätsrisiken:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht der Liquiditätsrisiken

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schöning (2004), S. 387

Die originären Liquiditätsrisiken werden in die drei Einzelaspekte, Refinanzierungs-risiko, Terminrisiko und Abrufrisiko, aufgeschlüsselt. Das Refinanzierungsrisiko beschreibt die Gefahr, dass Refinanzierungsmittel (Passiva) im Falle einer Liquiditätskrise nicht oder nur zu erhöhten Kosten beschafft werden können.[15] Das Terminrisiko resultiert aus der Gefahr, dass sich die Kapitalbindungsdauer bei Aktivgeschäften verlängert. Dies kann durch Markthemmnisse oder durch nicht bzw. nicht fristgerechte Zins- und Tilgungszahlungen der Gegenpartei geschuldet sein.[16] Das Abrufrisiko ist in der Möglichkeit begründet, dass Kreditlinien vertragskonform aber unerwartet in Anspruch genommen werden (aktivisches Abrufrisiko) bzw. Einlagen unvorhersehbar hoch abgerufen werden (passivisches Abrufrisiko).[17] Das Terminrisiko und das Abrufrisiko sind Gegenparteirisiken, da diese durch das Verhalten der Kunden beeinflusst werden. Das derivative Liquiditätsrisiko ist separat zu betrachten. Es kann ein Resultat aus einem originären Risiko sein, muss aber zwangsläufig nicht eintreten.[18] Ein derivatives Risiko wäre z.B. in Wechselkurs- oder Zinsänderungen zu finden. Diese können sich erfolgswirksam auf die Zahlungsströme und damit auch auf die Liquidität einer Bank auswirken.

Liquiditätsrisiken können also aus Entscheidungen der Bank selbst, aber auch aus Besonderheiten von Bankdienstleistungen resultieren. Da das Liquiditätsrisiko andere Risikoarten determiniert, sollte es im Kontext der Gesamtbanksteuerung besonders berücksichtigt werden.[19]

2.3. Liquiditätsrisikomanagement im Kontext der Gesamtbanksteuerung

Trotz einer guten Ertragslage kann eine Bank in die Insolvenz geraten, wenn nur unzureichend Liquidität vorhanden ist. Somit ist es unerlässlich, ein funktionierendes Liquiditätsrisikomanagement in die Gesamtbanksteuerung zu integrieren. Das Hauptziel eines gewinnorientierten Liquiditätsrisikomanagements sollte die Minimierung der Liquiditätskosten sein. Unverzichtbare Nebenbedingung ist hierbei die Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit der Bank.[20] Dies setzt voraus, dass Liquiditätsrisiken aktiv gesteuert werden. Als zweckmäßig erweist sich die Beachtung eines 4-stufigen Risikomanagement-Regelkreises:

Identifikation → Quantifizierung → Steuerung → Kontrolle

Das Liquiditätsrisikomanagement durchläuft diesen Kreislauf nach den im Kapitel 2.1. beschriebenen Zeithorizonten. Auf struktureller Ebene wird eine gezielte Refinanzierungs- und Anlagepolitik durchgeführt. Der Fokus liegt auf der Diversifikation und Limitierung von Aktiva und Passiva sowie auf der Dotierung einer ausreichenden Liquiditätsreserve zur Deckung der Nettomittelabflüsse. Die strukturelle Liquiditätssteuerung formuliert die Bedingungen für ein langfristiges, finanzielles Gleichgewicht und schafft damit die Voraussetzungen für das dispositive Liquiditätsrisikomanagement.[21] Das dispositive Liquiditätsrisikomanagement stellt hingegen auf konkrete Zahlungsmittelbewegungen ab. Durch Finanzpläne soll gewährleistet werden, dass die kumulierten Zahlungsmittelabgänge durch den Zahlungsmittelanfangsbestand und die kumulierten Zahlungsmittelzugänge jederzeit gedeckt sind.[22]

Ferner ist zu beachten, dass das Liquiditätsrisiko immer in Verbindung mit anderen Risikoarten gesehen werden muss. Zum Beispiel werden externe Refinanzierungs-quellen und der Wert liquidierbarer Aktiva von bestimmten Marktgegebenheiten beeinflusst. Folglich erscheint es sinnvoll, dass Liquiditätsrisikomanagement mit anderen Organisationseinheiten wie etwa dem Marktrisikomanagement zu verzahnen. Dies kann dadurch erreicht werden, dass Risikoeinheiten in einer übergeordneten Einheit wie z.B. dem Risikocontrolling integriert werden. Eine andere Möglichkeit ist das Bilden von Risikoausschüssen, in denen Vertreter aus dem Liquiditäts-, Markt- und Kreditrisikomanagement vertreten sind.

Vor einigen Jahren wurden den Banken unterstellt, identifizierte Risiken vollständig zu ignorieren. Heutzutage werden finanzwirtschaftliche Risiken übernommen und transformiert. Hierzu gehören auch die Liquiditätsrisiken, die folgerichtig aktiv gesteuert werden müssen. Dies kann jedoch nur durch ein funktionierendes Liquiditätsrisikomanagement erfolgen, welches in der Gesamtbanksteuerung eingebunden ist.

3. Aufsichtsrechtliche Anforderungen an das Liquiditätsrisikomanagement von Kreditinstituten

Während das Liquiditätsrisikomanagement der Banken neben der Solvenz auch ertragsorientierte Aspekte anstrebt, ist das primäre Ziel bankenaufsichtsrechtlicher Liquiditätsnormen der Gläubiger- und Systemschutz. Diese Normen differenzieren sich in quantitative – und qualitative Normen. Quantitative Vorschriften zeigen sich in Kennzahlen, die vorgegebene Schwellenwerte nicht überschreiten sollen. Qualitative Regelungen berücksichtigen die individuellen Verhältnisse der Banken (Größe, Umfang und Risikogehalt der Geschäfte), indem sie einen Rahmen für Methoden und Prozesse setzen, der von jedem Institut auszugestalten ist.[23]

[...]


[1] Vgl. Börner (2000), S. 161

[2] Vgl. Schneider (2010), S. 274ff.

[3] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (2012)

[4] Vgl. Dewatripont / Tirole (1994), S. 33

[5] Vgl. Die Welt (2012)

[6] Vgl. Reuters Deutschland (2012)

[7] Vgl. Spiegel Online (2013)

[8] Vgl. Pohl (2008), S. 6

[9] Vgl. Pohl (2008), S. 7

[10] Vgl. Büschgen (1999), S. 185

[11] Vgl. Zeranski (2007a), S. 66

[12] Vgl. Zeranski (2007a), S. 64f.

[13] Vgl. Schulte / Horsch (2002), S. 53

[14] Vgl. Büschgen (1998), S. 895f.

[15] Vgl. Bartetzky (2008), S.12

[16] Vgl. Schierenbeck (2003), S. 6

[17] Vgl. Schierenbeck (2003), S. 6

[18] Vgl. Pohl (2008), S. 13f.

[19] Vgl. Pohl (2008), S. 13f.

[20] Vgl. Zeranski (2010), S. 234

[21] Vgl. Zeranski (2010), S. 215

[22] Vgl. Höhler / Schneider (2010), S. 424

[23] Vgl. Albert (2010), S. 94

Details

Seiten
50
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656557128
ISBN (Buch)
9783656557111
Dateigröße
975 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265793
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Schlagworte
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