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Arten und Einsatzmöglichkeiten von Derivaten

Hausarbeit 2012 18 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Derivatearten
2.1. Optionen
2.2. Futures
2.3. Forwards
2.4. Das Sicherheitsnetz der Clearingstelle
2.5. Swaps

3. Anwendungsbereiche
3.1. Absicherung
3.2. Arbitrage
3.3. Spekulation

4. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Gewinn oder Verlust bei Call-Optionen

Abbildung 2: Gewinn oder Verlust bei Put-Optionen

Abbildung 3: Gewinn oder Verlust bei Futures

1. Einleitung

Unter Derivaten oder derivaten Geschäften (lat. derivare = ableiten) versteht man abgeleitete Finanzinstrumente des klassischen Kassageschäftes. Es handelt sich dabei um die weitgefasste Form von Termingeschäften, wobei der Begriff nicht genau abgegrenzt ist. Nach dem IAS 39.9 ist ein Derivat ein Finanzinstrument, dessen Wert und Preis von künftigen Kursen eines anderen Handelsgutes (Basiswert) abhängt, das keine oder nur geringe Anschaffungskostenauszahlungen bedingt und das zu einem späteren Zeitpunkt beglichen wird.1

Ein Beispiel für Finanzinstrumente, auf die diese Charakterisierung zutrifft, sind unter Anderem Futures, Optionen und Swap-Geschäfte.

Derivate gelten in der heutigen Zeit als sehr risikoreiche Spekulationspapiere, die als neue Erfindung der Investmentbanken dazu dienen sollen, die Erträge zu steigern und die Renditen des Investmentgeschäftes zu erhöhen. Besonders Menschen, die im Rahmen von Anlagen viel Vermögen verloren haben, prägen das negative Image der Derivate. Entgegen dieser häufigen Annahmen können Derivate in der Wirtschaft jedoch auch wichtige Funktionen übernehmen. So ist es zum Beispiel möglich, Risiken aus Handelsgeschäften aufzufangen. Die ersten Termingeschäfte entstanden im frühen Agrarhandel, um sich gegen ausfallende Ernten abzusichern.2

Der griechische Philosoph Thales von Milet (624 bis 546 v. Chr.), der als Begründer der Philosophie und Astronomie gilt, erwarb im Jahr 500 v. Chr. bei Besitzern von Olivenpressen im Frühjahr das Recht, in der Erntezeit die Olivenpressen zu Marktpreisen vermieten zu dürfen. Er selbst vereinbarte bereits bei Geschäftsabschluss einen Festpreis, welchen er an die Besitzer bei Nutzung des Rechtes zahlen würde. Für Milet, der anhand von Sternkonstellationen zu wissen dachte, dass die kommende Ernte stark ausfallen würde, zahlte sich dieses Wagnis aus. Die Bauern benötigten viele Pressen um die gute Ernte zu verarbeiten. Das erhöhte die Nachfrage und demnach lag der Marktpreis, den Milet für die Olivenpressenmieten bekam, weit über dem Preis, den er im Frühjahr mit den Inhabern vereinbart hatte.3

Diese Nutzung und damit Geschichte der Derivate entwickelte sich im Laufe der Jahre immer weiter (Anhang 1), bis sie im Jahr 1848 durch Gründung des Chicago Board of Trade (CBoT) salonfähig wurde. Chicago war Mitte des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten Umschlagsplätze der Agrarwirtschaft, so dass sich 82 Chicagoer Kaufleute zusammenschlossen, um den Kaufleuten und Farmern einen Ort für organisierte Handelsgeschäfte zu bieten. Da die Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage auf Grund saisonaler Unterschiede jedoch immer größer wurden, wurde die CBoT 1864 als Börse umfunktioniert, an der alle Marktteilnehmer die Möglichkeit hatten, bezüglich Menge, Lieferzeit oder Qualität und Preis der Ware, Forwards und so genannte „to arrive contracts“ abzuschließen.4 Die CBoT ist nach der Fusion am 12. Juli 2007 mit der Chicago Mercantile Exchange zur CME Group eine der größten Terminbörsen der Welt.5

Ziel meiner Ausarbeitung soll daher die Untersuchung und Einschätzung dieser kontrovers diskutierten Finanzinstrumente, mit einer genauen Betrachtung der vier Grundpositionen von Derivaten sowie den Einsatzmöglichkeiten und den sich daraus ergebenden Chancen und Risiken, die solche Geschäfte mit sich bringen, sein.

2. Derivatearten

Heutzutage ist ein Termingeschäft nicht mehr nur auf den Handel mit Rohstoffen begrenzt. Derivate können auf nahezu alle gehandelten Wirtschaftsgüter abgeschlossen werden. Die häufigsten Basiswerte sind hierbei Aktien, Schuldverschreibungen, Indizes oder Devisen. Termingeschäfte können sowohl über die Börse als auch außerbörslich (OTC-Geschäfte) gehandelt werden und werden in bedingte Termingeschäfte und unbedingte Termingeschäfte unterteilt.

2.1. Optionen

Bei einer Option kann das Recht zum Kauf (Call-Option) oder aber zum Verkauf (Put-Option) von Aktien (Basiswert) in einer vereinbarten Menge, zu einem vereinbarten Preis (Strikepreis) und an einem bestimmten Fälligkeitsdatum erworben werden. Da der Käufer hier ein Recht, nicht aber eine Pflicht, erwirbt, zählen Optionsgeschäfte zu den bedingten Termingeschäften.

Handelbar sind Optionen auf Aktien, Indizes, Devisen und Rohstoffe. Bei den Aktienoptionen erfolgt bei Ausübung die physische Lieferung des Basiswertes, bei Indexoptionen findet eine Verrechnung in Form eines Barausgleiches statt.

Der Verkäufer einer Option muss dem Handeln des Käufers nachkommen, man bezeichnet ihn auch als Stillhalter. Er erhält für diese Position eine Optionsprämie, die er unabhängig von der Ausübung bekommt. Nutzt der Käufer das Recht nicht, so verfällt die Option am Ende der Laufzeit.

Bei der Ausübung gibt es sowohl die Möglichkeit während der gesamten Laufzeit (amerikanische Option) als auch nur zum Ende der Laufzeit (europäische Option) ausüben zu können.

Sowohl auf der Call- als auch auf der Put-Seite wird zwischen Long- und ShortPosition unterschieden.

- Long-Call (Kauf einer Kaufoption)
- Short-Call (Verkauf einer Kaufoption)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gewinn oder Verlust bei Call-Optionen6

Der Käufer einer Call-Option setzt auf einen steigenden Kurs des Basiswertes, was bedeutet, dass er bei Ausübung die Aktien zu einem günstigeren Preis erwirbt (vereinbarter Strikepreis) als diese am Markt notiert. Hierfür bezahlt er eine Optionsprämie, die bei Nicht-Ausübung auch den maximalen Verlust darstellt.

Bei einem Short-Call hingegen hofft der Verkäufer auf stagnierende oder fallende Kurse. Er erhält für dieses Geschäft eine Optionsprämie, die für ihn ein Risikopuffer darstellt. Steigt der Basiswert jedoch höher, wird der Käufer die Option ausüben und die Verlustmöglichkeit beim Verkäufer ist unbegrenzt.

- Long-Put ( Kauf einer Verkaufsoption)
- Short-Put (Verkauf einer Verkaufsoption)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gewinn oder Verlust bei Put-Optionen7

Der Käufer einer Long-Put hofft auf einen fallenden Basiswert. Er kauft sich das Recht, den Basiswert zum Strikepreis an den Verkäufer der Put-Option zu verkaufen. Sein Verlust ist, wie beim Long-Call auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt.

Der Verkäufer des Short-Put, der auf stagnierende oder steigende Kurse hofft, hat ein unbegrenztes Verlustpotenzial. Als Ausgleich dient ihm nur die erhaltene Optionsprämie.

Bei den Optionsgeschäften wird sich an einer speziellen Terminologie bedient, welche bezeichnet, welchen Wert die Option hat. Ist bei einem Call der Strike niedriger als der Marktpreis, so ist die Option „im Geld“. „Im Geld“ bei einem Put bedeutet, dass der Basiswert unter dem vereinbarten Strikepreis notiert. „Am Geld“ befinden sich Optionen dann, wenn der Marktpreis und der Strikepreis identisch sind. Ist eine Option „aus dem Geld“ notiert der Basiswert einer Call-Option unter dem Strikepreis bzw. oberhalb bei einem Put. In diesem Fall hat eine Option keinen inneren Wert, welcher sich aus dem Unterschied zwischen Basispreis der Option und aktuellen Kurs errechnet, sondern lediglich einen Zeitwert.8

2.2. Futures

Ein Future ist ein standardisiertes Termingeschäft, das in Deutschland an der EUREX gehandelt wird. Er gehört zu den unbedingten Termingeschäften, was bedeutet, dass beide Vertragsparteien verpflichtet sind ihren Teil des Vertrags einzulösen. Als Basiswert kommen bei einem Future unterschiedliche Finanzprodukte in Betracht, wie zum Beispiel Fremdwährungen (Devisen-Futures), Zinsen (Zins-Futures) oder Aktienindizes wie der DAX. Ziel bei Futuregeschäften ist in der Regel nicht die Lieferung des Basiswertes, sondern je nach Marktentwicklung Kursentwicklungen zu nutzen und so Erträge zu steigern oder Verluste zu minimieren.

Kauft ein Anleger einen Future geht er in die sog. Long-Position. Er verpflichtet sich als Käufer, zu einem bestimmten, in der Zukunft liegenden Zeitpunkt, eine bestimmte Menge des Basiswertes, zu einem bestimmten Preis abzunehmen. Er erwartet, dass die Kurse des Basiswertes während der Kontraktlaufzeit steigen und er somit die Papiere günstiger als zum aktuellen Marktpreis bekommt.

Verkauft ein Anleger hingegen einen Future, geht er in die Short-Position. Als Verkäufer erhofft sich der Anleger einen fallenden Basiswert-Kurs, da er sich bei Future-Vertragsschluss dazu verpflichtet hat an einem bestimmten Zeitpunkt, eine bestimmte Menge, zu einem bestimmten Preis zu liefern.

Da der Abschluss eines Futuregeschäftes nicht den effektiven Erwerb beziehungsweise die effektive Veräußerung als Ziel hat, beabsichtigen viele Marktteilnehmer vorher aus den Kontrakten auszusteigen und eventuelle Differenzgewinne oder -verluste zu realisieren. Diese Differenzen entstehen durch die veränderten Kurse während der Kontraktlaufzeit.9 Generell gibt es vier Verfalltermine von Future-Kontrakten: März, Juni, September und Dezember.

[...]


1 Vgl. http://www.iasplus.com/de/standards/standard33, Stand 03.10.2012.

2 Vgl. Rieger, O. (2009) S.21 f.

3 Vgl. http://www.ftd.de/finanzen/derivate/:derivate-die-geschichte-der-derivate/50055343.html, Stand 03.10.12

4 Vgl. Natter, A. (2001), S. 17 f.

5 Vgl. Buchter, H., Lachmann, J. (2007).

6 In Anlehnung an: Uszczapowski, I., (2008), S.63.

7 In Anlehnung an: Uszczapowski, I., (2008), S.69.

8 Vgl. Basisinformationen über Termingeschäfte (2008), S.38 f.

9 Vgl. Götte, R. (2001), S. 239 ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656554707
ISBN (Buch)
9783656554813
Dateigröße
996 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265792
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
arten einsatzmöglichkeiten derivaten

Autor

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Titel: Arten und Einsatzmöglichkeiten von Derivaten