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Die Rolle der Untertitelung bei der Verfilmung von Dialekten am Beispiel des Films "Benvenuti al Sud"

Bachelorarbeit 2011 52 Seiten

Dolmetschen / Übersetzen

Leseprobe

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

2.Die Untertitelung
2.1 Audiovisuelles Übersetzen: Definition und Realisierungsformen
2.2.Besonderheiten bei der Erstellung von Untertiteln
2.2.1 TechnischeBesonderheiten
2.2.2 Semiotische Besonderheiten
2.2.3 Translatorische Besonderheiten
2.2.4 Bezug zu Benvenuti al Sud
2.3 StrategienbeimUntertitelungsprozess
2.3.1 Probleme beim Untertitelungsprozess (Translationsebene)
2.3.2 Bezug zu Benvenuti al Sud

3.Kultur
3.1 Kulturspezifikaim Film
3.1.2 Strategien zur Übertragung kulturspezifischer Elemente
3.2 DerDialekt
3.3 Die Komik
3.4 Bezug zu Benvenuti al Sud

4.Analyse

5.Schlussbetrachtung

6.Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Bachelorarbeit hat die Rolle der Untertitelung bei der Verfilmung von Dialekten zum Thema. Als Untersuchungsgegenstand dient der italienische Film Benvenuti al Sud, der 2010 als Remake des französischen Films Bienvenue ches les Ch'tis gedreht wurde.

Die Originalsprache der Komödie Benvenuti al Sud ist italienisch, doch verzeichnet dieser Film ebenfalls dialektale Aussagen. Bei der Untertitelung können diese nicht außer Acht gelassen werden, sie stellen eine große Herausforderung dar und sind somit Untersuchungspunkt dieser Bachelorarbeit. Wie wurde der Dialekt bei diesem Film untertitelt? Welche Ansprüche stellen sich an den Untertitler und wie ist das Verhältnis zwischen Dialekt und Standardsprache in diesem Film?

Bevor diese Fragen beantwortet werden können, müssen zunächst allgemeingültige Überlegungen unternommen werden, die Strategien beim Untertitelungsprozess betreffen. Die daraus resultierenden Besonderheiten und Probleme werden erklärt und in Bezug zu Benvenuti al Sud nochmals beleuchtet.

Kulturgebundene Elemente stellen ebenfalls wichtige Untersuchungspunkte in dieser Bachelorarbeit dar. Diese Kulturspezifika werden erläutert und es werden die Strategien zur Übertragung dieser Elemente beschrieben.

Der Dialekt gehört natürlich ebenfalls zu diesen kulturgebundenen Elementen, daher muss eine Abgrenzung zwischen Dialekt und Standardsprache gezogen werden. Letzter kulturgebundener Punkt, den es zu betrachten gilt, ist die Komik des Films.

Die Überlegungen der kulturellen Dimension werden erneut in Bezug zu Benvenuti al Sud reflektiert, um anschließend eine Analyse von Filmszenen geben zu können, die alle vorher beschriebenen Arbeitspunkte vereinen und die zentrale Fragestellung beinhaltet, wie die Untertitelung auf den Zuschauer wirkt. In der Schlussbetrachtung werden diese Szenen dann ausgewertet.

2. Die Untertitelung

2,1 Audiovisuelles Übersetzen: Definition und Realisierungsformen

Bei der Untertitelung von Filmen handelt es sich um audiovisuelle Übersetzungen, da das Medium Film nicht zur Kategorie der Printmedien gehört. „Unter audiovisueller Übersetzung versteht man allgemein das Übersetzen von Medienformaten, die einen sichtbaren und einen hörbaren Teil haben. Bei der audiovisuellen Übersetzung wird das ursprünglich vorliegende Material verändert. Teile dieses Materials bleiben, anders als bei vielen anderen Formen der Übersetzung, erhalten und werden ergänzt oder mit neuen Materialteilen kombiniert“ (Jüngst, 2010:1). Die gegebene Definition nach Jüngst rückt ganz klar Filme und auch Fernsehserien in den Mittelpunkt, da sie die vorausgesetzten Kriterien von einem sichtbaren und hörbaren Teil erfüllen. Filme und Fernsehserien sind also Prototypen für die audiovisuelle Übersetzung, doch auch andere Medien wie Computerspiele oder Bestandteile von Internetseiten gehören dazu.1 Da diese jedoch nicht mit dem Thema der Bachelorarbeit korrespondieren, werden sie an dieser Stelle der Vollständigkeit halber nur genannt und nicht weiter behandelt.

Die audiovisuelle Übersetzung zeigt unterschiedlichsten Realisierungsformen: interlinguale, intralinguale, oder bilinguale Untertitelung, Pivot-Untertitelung, Audiodeskription, Übertitelung, simultane Untertitelung,Lippensynchronisation, intralinguale Synchronisation, Voice Over, Erzählung, Kommentar, Simultan-, Konsekutivdolmetschen und Gebärdendolmetschen.2 Für die vorliegende Bachelorarbeit wichtig, ist die Abgrenzung von interlingualer und intralingualer Untertitelung. Die ausbleibende Fülle an Varianten wurde an dieser Stelle erneut der Vollständigkeit halber aufgelistet, aber nur bei Bedarf weiterführend erklärt. Die Synchronisation zum Beispiel, die zusammen mit der Untertitelung die beiden wesentlichen Bereiche der audiovisuellen Produktion einnimmt3 und unter der man die vollständige Ersetzung einer „Dialogspur des Originalfilms durch eine zielsprachliche Dialogspur“ (vgl. Jüngst, 2010:2) versteht, gehört dazu, da sie eine Form der audiovisuellen Übersetzung darstellt, mit der viele Rezipienten des Mediums Film vertraut sind und somit einen großen Bestandteil dieser Wissenschaft einnimmt. Als Hauptmerkmal und als nur kurzen Diskurs in diese Realisierungsform, sollten an dieser Stelle die Synchronitätsanforderungen (Lippen-, Silben-, sowie Gestensynchronität4 ) erwähnt werden, die gegenüber dem semantischen Inhalt der „Übersetzung“ eine höhere Priorität genießen. Dies bedeutet, dass zur Erfüllung dieser Anforderungen Original- und Zieltextaussage voneinander abweichen, um Lippen- und Gestensynchronität zu gewährleisten.5

Zurückführend auf den zweiten Kernbereich der audiovisuellen Übersetzung, die Untertitelung, muss wie bereits erwähnt eine Abgrenzung von interlingualen und intralingualen Untertiteln gezogen werden:

Unter interlingualer Untertitelung versteht man Untertitel, die „den fremdsprachigen Filmdialog in der Zielsprache in maximal zwei Zeilen am unteren Bildrand wiedergeben“ (Nagel, 2009:45). Bild und Ton laufen also in der Originalsprache, während der Leser den Film mit Untertiteln in seiner Zielsprache verfolgen kann.

Die intralinguale Untertitelung hingegen sieht eine Verschriftlichung des Filmdialoges ohne Übertreten einer Sprachgrenze vor.6 Original- und Zielsprache stimmen hier also überein, es findet keine Übersetzung statt. Demzufolge finden intralinguale Untertitel Anwendung für Sprachenlernende, hauptsächlich werden sie jedoch für Gehörlose und Hörgeschädigte genutzt.7 Der dänische Sprachwissenschaftler Henrik Gottlieb spricht hierbei von einer vertikalen Übertragung, da gesprochene Sprache zwar schriftlich transkribiert wird, sie jedoch an sich unverändert bleibt. Interlinguale Untertitel nehmen demzufolge bei Gottlieb einen diagonalen Übersetzungsprozess ein.8

Diese Einführung der beiden zentralen Untertitelungsformen ist von Nöten, um den Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Bachelorarbeit zu definieren und um eine spätere Analyse durchführen zu können. Dabei handelt es sich um eine intralinguale Analyse, da beim Film Benvenuti al Sud Tonspur und Untertitel auf italienisch ablaufen. Zusätzlich ist auf der DVD der Zusatz „italiano per non udenti“ zu finden, demzufolge werden die Untertitel bei diesem Film als Hilfe für Gehörlose verstanden. Intralinguale, auf die Bedürfnisse von Hörgeschädigten angefertigte Untertitel, geben zusätzliche Informationen, wie zum Beispiel über handlungsrelevante Geräusche oder Musik. Farbig unterlegte oder unter die gerade sprechende Person zentrierte Untertitel zum bessern Verständnis des Dialoges sind ebenfalls Charakteristika, sowie die Rücksichtnahme auf eine einfache Syntax.9

Die Klärung der audiovisuellen Übersetzung und ihrer für den ausgewählten Untersuchungskorpus relevanten Formen verlangt nun einen Einblick, sowohl auf Film-, als auch auf translatorischer Ebene. Damit sind die Besonderheiten bei der Erstellungen von Filmuntertiteln gemeint, sowie in die unterschiedlichen Arten und Strategien dabei.

2.2. Besonderheiten bei der Erstellung von Untertiteln

2.2.1 TechnischeBesonderheiten

Erste Eigenschaft, die es bei der Erstellung zu berücksichtigen gilt, ist die Unvollständigkeit der Untertitel; zwar übertragen sie Lexik und Syntax des Originaltextes in den Zieltext, doch ist es schwierig, Elemente aus der Prosodie, also Faktoren wie Akzent, Intonation, Quantität und Sprechpausen, zu vermitteln.10 Diese sind rein aus dem Original erschließbar, denn ein nur kleines Spektrum an Hilfestellungen aus der Transkription, wie Ausrufezeichen, Kursiv- und Fettdruck, oder Großbuchstaben, vermögen diese komplexe Problematik zu veranschaulichen.11

Des weiteren sind auch Länge und Dauer der Untertitel zu beachten. Da sie gleichzeit zu Bild und Ton ablaufen, nehmen sie die Funktion einer Simultanübersetzung ein. Dem Zuschauer muss dementsprechend eine ausreichende Einblenddauer und Zeichenlänge geboten werden, damit ein direktes Verständnis gewährleistet ist.12

Diese Anforderungen an die Untertitel gehören zur technischen Seite der Erstellung. Dazu gehört ebenfalls die Berücksichtigung des Bildformats und dem sich daraus bietenden Platz für die Untertitel , auf die der Untertitler jedoch keinen Einfluss hat.13

Visuelle Eigenschaften des Films müssen ebenfalls beachtet werden. So werden an manchen Stellen gar keine Untertitel erstellt, sofern das Bild die Hauptinformation trägt. Untertitel sollen nur Begleit- und Informationsfunktion einnehmen, denn beim Medium Film steht der Dialog nur zusätzlich zur Hauptinformation durch das Bild.14

2.2.2 Semiotische Besonderheiten

Weiteres Charakteristikum der Untertitel ist ihre Funktion als Bindeglied auf polysemiotischer Ebene, da Filme verschiedenste Zeichensysteme in sich vereinen. Der Transfer zwischen den Kanälen erfolgt bei der Synchronisation isosemiotisch (d. h. der Empfang des Ausgangs-, und auch des Zieltextes erfolgt über den auditiven Kanal), während die Untertitelung diasemiotisch abläuft, um die Vermittlung der Gesamtinformation zu realisieren.15 Nach

Gottlieb werden neben reinem auditiven und visuellem Kanal insgesamt vier weitere Kanäle unterteilt.16

a) verbal-auditiver Kanal (Dialoge, Stimmen im Hintergrund und manchmal Liedtexte)
b) nicht-verbal auditiver Kanal (Musik, Geräuschkulisse)
c) verbal-visueller Kanal (Schriftzeichen auf dem Bildschirm)
d) nicht-verbal visueller Kanal (Bildzusammensetzung und Bildfluss)

Die beiden parallel genutzten Kanäle bei der Untertitelung sind a) und c).

Diese Eigenschaft des diasemiotischen Kanaltransfers, führt zur Fragestellung, ob die Wirkung beim Zielpublikum, die der Untertitelung folgt, die gleiche ist wie beim Ausgangspublikum, die dem verbal-auditiven Kanal folgt. (Schröpf, 2008: 44).

2,2,3 Translatorische Besonderheiten

Bei der Erstellung von Untertiteln sind ebenfalls folgende Punkte auf der Translationsebene zu berücksichtigen: Davon ausgehend, dass Untertitel durch audio-mediale Faktoren eine besondere Form der Übersetzung darstellen, müssen die Übersetzungsmethoden dazu mit Bedacht ausgewählt werden, denn audio-mediale Texte zeichnen sich neben Medienorientiertheit vor allem durch nichtsprachliche Ausdrucksformen aus, die grafisch, akustisch oder optisch realisiert werden.17 Die verwendeten Übersetzungsmethoden sollen also das Ziel verfolgen, beim Empfänger der Zielsprache die gleiche Wirkung wie beim Empfänger der Originalsprache herzustellen. Dafür können Form und Inhalt dieser audio-medialen Texte bei Original- und Zielfilm stark konvergieren, um Intention des Autors und Wirkung zu erhalten.18

Einhergehend mit dieser Methode besteht jedoch folgende Gefahr: Da die zielsprachlichen Untertitel gleichzeitig mit der originalsprachlichen Tonspur ablaufen, sind sie gegenüber einer bestimmten Art von Zielpublikum (nämlich dem, das über originalsprachliche Kenntnisse verfügt) direkter Kritik ausgesetzt, da dieses Zielpublikum direkte Vergleiche ziehen kann.19 Bezüglich dieser möglichen Gefahr macht Silke Nagel folgende Beobachtung:

„Oft üben Kinogänger harsche Kritik an Untertiteln. Zuweilen zu Recht, wenn es sich dabei um Rechtschreibfehler, unidiomatische Wendungen und nicht synchrone Einblendung der Untertitel handelt. Oft werden aber auch die Kürzungen in der Übersetzung bemängelt. Gerne wird mit der eigenen Kenntnis der Ausgangssprache aufgetrumpft und behauptet, dass, das ,doch gar nicht gesagt wurde’ ... Durch die Synchronität von Original und Untertitel wird der Zuschauer dazu verleitet, die Übersetzung ständig zu kontrollieren. Dadurch kann es zu diesen Missmutäußerungen kommen, die in manchen Fällen vielleicht ihre Berechtigung haben, in den meisten Fällen aber nur darauf zurückzuführen sind, dass der Zuschauer nicht bereit ist, sich auf das Kinoerlebnis einer OmU-Fassung einzulassen.“ (Nagel, 2009:65)

Diese einfache Zusammenfassung der komplexen Problematik wirft nun weitere Fragen bezüglich der Wahl einer angemessenen Übersetzungsmethode auf: Berechtigen die audio-medialen Faktoren stets eine zielsprachenorientierte Übersetzungsmethode, oder ist die vorhergehend beschriebene Gefahr der Kritik doch so groß, dass eine ausgangssprachenorientierte Übersetzung besser geeignet ist?

Um eine angemessene Lösung für dieser Konfliktsituation zu finden, in der sich jeder Untertitler befindet, müssen zwei bedeutende Komponenten berücksichtigt werden: die Kenntnisse des Zielpublikums in der Ausgangssprache, sowie das Genre des zu übersetzenden Films.20 Schröpf schlägt für Zuschauer, die über keinerlei Kenntnisse der Originalsprache verfügen, eine zielsprachenorientierte Lösung vor, da die Untertitel für diese Art von Zuschauern reine Verstehenshilfen darstellen, die somit eine idiomatische Funktion erfüllen müssen.21

Zuschauer, die beide Sprachen beherrschen, können laut Schröpf bei einer zielsprachenorientierten Übersetzung mit zwei unterschiedliche Reaktionen antworten: Entweder sie erleben einen sogenannten „Feedback-Effekt“, wenn sie den Film in der Fremdsprache hören, die sie beherrschen, und ihnen dazu Untertitel in ihrer Muttersprache als Vergleich zur Verfügung stehen, oder sie empfinden die Untertitel als letzte Hilfsoption, falls ein Wort in der Originalsprache doch nicht verstanden wird.22 Somit sieht dieser Typ Zuschauer die Untertitel als „notwendiges Übel“ und er verlangt, dass „in den Untertiteln der Sinn des im Original Gesagten übertragen wird, damit er der Handlung folgen kann“ (Schröpf, 2008:47).

Welche Lösungsansätze für die Erstellung von Untertiteln ergeben sich nun bei dieser ersten Komponente (die Klärung der Sprachenkenntnisse und Bedürfnisse des Zielpublikums)? Schröpf gibt an, dass in der Regel ausgangssprachenorientierte Übersetzungen eine Lösung für europäische, weitverbreitete Sprachen wie Englisch oder Französisch ist, während Filme außereuropäischen Ursprungs zielsprachenorientiert untertitelt werden, da hier erneut die idiomatische Funktion der Verstehenshilfe zum Tragen kommt.23 Die zweite ausstehende Komponente, die des Filmgenres, liefert andere Ansätze zur Erstellung von Untertiteln: Schröpf verdeutlicht dies anhand des Beispiels „Komödie“ und liefert somit eine prädestinierte Definition für diese Bachelorarbeit, da es sich bei Benvenuti al Sud ebenfalls um eine Komödie handelt:

„Handelt es sich um eine Komödie, in der viel mit der Sprache gespielt wird, sei es in Form von Wortspielen, idiomatischen Redewendungen oder anderen humoristischen Elementen, geht bei einer ausgangssprachorientierten Übersetzung der humoristische Effekt in der Zielsprache oft verloren. Hier hat der Untertitler fallspezifisch eine Entscheidung zu treffen, welche Art der Übersetzung er verwenden will und welche Konsequenzen dies für die untertitelten humoristischen Elemente und damit für die Wirkung des Films auf den Zuschauer hat.“ (Schröpf, 2008:47f.)

2.2.4 Bezug zu Benvenuti al Sud

Die Besonderheiten der Untertitel und die beiden zu berücksichtigten Komponenten, die es zu beachten gilt, führen beim ausgewählten Untersuchungskorpus Benvenuti al Sud nun zu folgenden Überlegungen bezüglich der späteren Analyse:

1) Wie bereits erwähnt handelt es sich bei diesem Film um intralinguale Untertitel. Die Frage nach dem Zielpublikum schränkt sich somit ein. Hörgeschädigte, für die dieser Film in erster Linie untertitelt wurde, werden die Untertitel ganz klar als komplette und einzige Hilfe verstehen. Ohne sie könnten sie den Film unmöglich mitverfolgen.

Da Originalsprache und die Untertitelsprache hier nicht voneinander abweichen, stellen die Untertitel keine Übersetzung als solche dar, doch wie bereits definiert handelt es sich stets um eine besondere Form; das heißt, dass die gesprochene italienische Sprache als solche transkribiert wurde und somit eine Art Übersetzung darstellt. Interessant ist dies also für italienische Muttersprachler, bzw. für Zuschauer, die die italienische Sprache beherrschen, denn die für die Analyse wichtige Frage ist hierbei, mit welchen (technischen) Methoden das Gesprochene transkribiert wurde und welche Überlegungen der Untertitler hierfür angestellt hat. Welche Wirkung hat dies auf den italienischsprachigen Zuschauer, wenn er den direkten Vergleich von Gesprochenem und Geschriebenem hat? Diese Fragestellung wird im weiteren Verlauf dieser Bachelorarbeit wieder aufgegriffen und geklärt, unter besonderer Berücksichtigung der italienischen Standardsprache und ihrer regionalen Varietät, die im Film gegenwärtig ist.

2)Die Überlegungen zur Erstellung von Untertiteln des Genres Komödie wurden bereits in der Zusammenfassung von Schröpf anschaulich verdeutlicht. Nun gilt es zu klären, ob diese Überlegungen und Anforderungen auf den Film Benvenuti al Sud übertragbar sind und welche weiteren Berücksichtigungen der Faktor „Komik“ mit sich zieht. Auch hierzu folgen im weiteren Verlauf der Bachelorarbeit weitere Ausführungen

2.3 Strategien beim Untertitelungsprozess

Die vorhergehenden Besonderheiten zur Produktion von Untertiteln sind nun wichtig, um die verschiedenen Übersetzungsmethoden und Strategien zur Untertitelung zu erklären.

Die wie bereits erklärte Rücksichtsnahme auf Lesefluss des Zielpublikums und Platzangebot, führen zu einer Beschränkung der Untertitel auf zwei Zeilen. Darüber hinaus wird diese Beschränkung auch auf die bereits geklärte diasemotische Ebene zurückgeführt, da „beim Wechsel von der Rede zur Schrift die Auslassung oder Zusammenfassung verbaler Äußerungen eine Notwendigkeit ist“ (Schröpf, 2008:55). Gottlieb fasst diese Besonderheiten und die daraus resultierende und notwendige Textverkürzung wie folgt zusammen:

„Aufgrund der Änderung des Sprachmodus, der technischen und wahrnehmungsbedingten Einschränkung sowie der Unterschiede zwischen Ausgangs­und Zielsprache, die zu einer Vergrößerung der Textmenge in der Zielsprache führen können, wie es bei der Übertragung vom Englischen ins Deutsche der Fall ist, geht es bei der Übersetzung von Untertiteln in erster Linie um Textreduktion. Der Originaldialog wir meist um 20-40 % reduziert.“ (Nagel, 2009:67)

Daraus lässt sich schließen, dass viele Übersetzungsmethoden, wie die Erhöhung des Explikationsgrades, oder die Verwendung von Hilfsverfahren, wie Anmerkungen und Vor- bzw. Nachworte, aufgrund dieser Komprimierung nicht möglich sind.24 Es sind Strategien zur Textverkürzung von Nöten. Diese beruhen auf den nachfolgenden Überlegungen - die intersemiotische und die intrasemiotische Redundanz von Textelementen:

- Intersemiotische Redundanz

Unter intersemiotischer Redundanz versteht Gottlieb die „Ergänzung des Untertitelinhalts durch Informationen der anderen Kanäle (vor allem durch das Bild und die prosodischen Eigenschaften des Dialogs)“ (Nagel, 2009:66).

Das bedeutet, dass der visuelle Kanal die zu übermittelnden Aussagen verdeutlicht, eine Untertitelung ist nicht von Nöten. Dass der komplette Informationsgehalt ohne tiefgehende qualitative Einbußen übermittelt wird, ist dank dem polysemiotischen Charakter des Films gesichert. So werden semantische Lücken dank dem visuellem Kanal intersemiotisch gefüllt.25

- Intrasemiotische Redundanz

Nach Gottlieb erfolgt die intrasemiotische Redundanz „innerhalb des Dialogs“, sie „ermöglicht dem Zuschauer, aus dem Ausdruck und der Charakterisierung der Sprecher den vollständigen Inhalt des Kommunizierten zu erfassen“ (Nagel, 2009:66). Leichter formuliert betrifft die intrasemiotische Redundanz die gesprochene Sprache und die darin auftretenden typischen Merkmale wie Interjektionen oder Wiederholungen, deren Auslassung keine Änderung auf die Grundbedeutung oder Informationsgehalt der Aussagen verursacht.26 Diese Art der Textverkürzung bedeutet zwar keinen Verlust am semantischen Gehalt, doch muss der Untertitler bei seiner Arbeit eine Eigenschaft, die Funktion der redundanten Elemente in der gesprochenen Sprache, beachten; durch die Wiederholung wird die Gesprächsführung im Gesprochenen erleichtert, dem Zuhörer wird die Information mehrmals präsentiert. Da diese Wiederholung im Film getilgt wird, erhöhen sich die Ansprüche an den Untertitler, die betreffenden Passagen möglichst einfach zu gestalten, damit der Zuschauer allein beim ersten Mal die Information versteht (Schröpf, 2008: 56).27

Die vorangehenden Überlegungen zur Auswahl der zu übersetzenden Textelemente führen zu zwei Möglichkeiten der Textverkürzung: Verdichtung und Auslassung.

- Verdichtung

Es existieren unterschiedliche Operationen zur Verdichtung, wie zum Beispiel die Verkürzung der Syntax, Wechsel des platzraubenden Passiv zum Aktiv,einfache Imperative anstelle von pragmatischen Fragen im Indikativ, kohärente Satzaufteilung bei synktaktischer Undurchblickbarkeit, etc..28 Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Beibehalt des Sinnes. Eine schwierige Aufgabe, da es zum Beispiel bei der Vereinfachung der Syntax leicht zu inhaltlichen Verschiebungen kommen kann, sofern man nicht semantische (Sinn),

[...]


1 vgl. Jüngst, 2010:1

2 vgl. Nagel, 2009:44f.

3 vgl. Schröpf2008:13

4 vgl. Schröpf, 2008:14

5 ebd.

6 vgl. Nagel, 2009:45

7 vgl. Jüngst, 2019:3

8 vgl. Schröpf, 2008:27

9vgl. Schröpf, 2008:30f.

10vgl. Schröpf, 2008:41

11 vgl. Schröpf, 2008:41f.

12 vgl. Schröpf, 2008:42

13 ebd.

14 ebd.

15 vgl. Schröpf, 2008:43

16 vgl. Schröpf, 2008:44

17 vgl. Schröpf, 2008:41

18 ebd.

19 ebd.

20 vgl. Schröpf, 2008:46

21 ebd.

22 vgl. Schröpf, 2008:46f.

23 vgl. Schröpf,2008:47

24 vgl.Nagel, 2009:66 12

25 vgl. Schröpf, 2008:55

26 vgl. Schröpf, 2008:55f

27 vgl. Schröpf,2008:56

28 vgl. Nagel, 2009:68f.

Details

Seiten
52
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656588429
ISBN (Buch)
9783656588375
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265747
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,7
Schlagworte
Untertitelung Benvenuti al Sud Willkommen im Süden Audiovisuelles Übersetzen Kulturspezifika Dialekt Komik intralinguale Untertitelung interlinguale Untertitelung

Autor

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