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Ein neuer Kult für Pergamon? Der Brief Attalos' III. an Pergamon, 135 vor Chr.

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Vorbetrachtungen

1. Sabazios - „ancestral divinity“

2. Sabazios, ein Parallelgott des Dionysos'?

3. Ein Familiengott

Fazit

Literatur und Quellen

Anhang

Im Jahre 135 vor Chr. lässt König Attalos III. verkünden, dem eher unbedeutenden Zeus Sabazios einen Platz im Heiligtum der Athene Nikephoros einzurichten und die Priesterschaft des renommierten Athenaeus, in dessen Obhut Sabazios bereits stand, in die Stadtgesetze übergehen zu lassen. Wie lässt sich dieses Handeln Attalos' III. erklären?

Durch die Fürsorge für Heiligtümer brachten hellenistische Herrscher ihre besondere Beziehung zu den Göttern zum Ausdruck und demonstrierten ihre monarchische Herrschaft über die Stadt – zum Beispiel durch die materielle Unterstützung letzterer (Bringmann 2000: 105). Insofern kann man die Einführung und Unterstützung von Kulten im Zusammenhang euergetischer Beziehungen (nach Gygax 2003: 182-183, 189, 198) betrachten: Sie waren an bestimmte Erwartungen geknüpft, die auch eingefordert werden konnten. Doch waren solche Aktivitäten tatsächlich nur Ausdruck eines Selbstdarstellungsbedürfnisses und eines machtpolitischen Interesses (Bringmann 2000: 7)?

Der vorliegende Fall Sabazios' soll nach seinen spezifischen Voraussetzungen und Intentionen befragt und analysiert werden, wobei insbesondere das Verhältnis zwischen Kultur und Politik betrachtet werden soll.

Vorbetrachtungen

Die Erneuerung und Einrichtung von Kulten und Festen in der Zeit des Hellenismus ist geradezu typisch (Nilsson 1988: 82), wobei alte Kulte blieben und besonders Kulte der Poleis gepflegt wurden, sodass man von gewissen Kontinuitäten sprechen kann (Gehrke 2008: 78).

In Pergamon war es u.a. Athena, die besonders verehrt wurde. Der Zeitpunkt der Einführung des Athenakults ist unsicher – vermutlich wurde er bereits im 4. Jahrhundert vor Chr. eingeführt. Attalos I. ließ das Athena-Heiligtum neu gestalten, Eumenes II. ließ einzelne Monumente verändern (Kohl 2002: 229-230).

Das Nikephorion in Pergamon bildete den architektonischen Rahmen zur Durchführung periodischer Feiern, der Nikephoria, zu Ehren Athena Nikephoros (ebd.: 227), die vermutlich 184 v. Chr. - nachdem Eumenes II den Titel Soter nach seinem Sieg über Prusias, Orthiagos und die Galater annahm - gegründet wurde (ebd.: 234). Das Beispiel der Nikephoria zeigt die Funktion der Fürsorge für Heiligtümer: die Darstellung der eigenen Sieghaftigkeit, die unter dem Druck der Erfolgsorientierung permanent unter Beweis und zur Schau gestellt werden musste (Gehrke 1982: 252, 257, 277). Der vorliegende Brief lässt sich nicht so eindeutig in den Kontext der Prestigeorientierung einordnen und soll näher untersucht werden.

Zur Untersuchung liegen drei Briefe vor, wobei der Brief 67 schwerpunktmäßig behandelt werden soll.

Im (in chronologischer Reihenfolge) ersten Brief (Brief 65) aus dem Jahre 142 v. Chr. ernennt Attalos II. Athenaeus zum Nachfolger von Sosander, dem Priester des Dionysos Kathegemon, dem Vater von Athenaeus und Schwiegersohn von Attalos II.. Die Verwandtschaftsbeziehungen zeigen hier schon die Verquickung von Königsfamilie und Priesteramt. Athenaeus' Einsetzung wird damit begründet, dass er sich bereits als Stellvertreter seines Vaters „worthy alike of the dignity of the god and of our whole house“ bewiesen hat.

Der zweite Brief (Brief 67) des Attalos III. an Pergamon, datiert vom 5.10.135 vor Chr. behandelt die Etablierung des Kults für Zeus Sabazios. Drei Argumente werden für diese Entscheidung angeführt. Zunächst wird auf die Mutter Attalos III. Bezug genommen, die diesem Gott besonders zugeneigt sei und ihn nach Pergamon gebracht habe. Als zweiter Grund wird seine Hilfe in guten und gefährlichen Zeiten angeführt. Die letzte Begründung für die Einrichtung eines Platz für Sabazios im Heiligtum der Athene Nikephoros (betont durch eine kausale Satzbeziehung) ist eine Epiphanie, wobei nicht erläutert wird, wem er erschienen war und in welcher Situation, sodass dieses Argument zweitrangig erscheint. Das Amt des Athenaeus', der bereits Priester des Sabazios' war (wie auch in Brief 66 offensichtlich wird), wird nicht nur bestätigt, seine Amtszuweisung, sowie der Kult insgesamt, sollen in die Stadtgesetze übergehen.

Im dritten Brief von Attalos III. an Kysikos (Brief 66) wird der Stadt nahegelegt, Athanaeus zu ehren.Wie in Brief 65 wird Athenaeus' Berufung mit seinem guten Verhalten zum Königshaus begründet.

Drei Fragen werden hier aufgeworfen: 1. Weshalb wird hier die Abstammung von Sabazios proklamiert (Brief 67)? 2. Warum wurde gerade Zeus Sabazios ausgewählt? 3. Warum wird die Mutter Stratonice im Brief Attalos III. so stark hervorgehoben bzw. welche Rolle spielte die Familie bei dieser Frage? Im Folgenden sollen diese Fragen beantwortet werden.

1. Sabazios - „ancestral divinity“

Es ist bekannt, dass die Attaliden versuchten, ihre Herkunft zu verbergen. Der Telephosmythos wurde wahrscheinlich durch Eumenes I. und Attalos I. vorangetrieben (Kosmetatou 2005: 167). Die Dynastie gilt als Sonderfall unter den hellenistischen Reichen, einerseits da sie aus ursprünglicher Abhängigkeit von den Seleukiden enstanden ist (Müller 2009:77) und andererseits da die Herkunft Philetairos' zweifelhafter Natur (Gruen 2000: 17). Für die Behauptung Pergamons war seine Selbstdarstellung bedeutend (Schalles 2011: 118), die ihr wohl berühmtestes Beispiel im Altar von Pergamon hat. Um die fragwürdige Herkunft Philetairos' zu verbergen, versuchten Herrscher selbst ihre Herkunft über Verwandtschaftsbeziehungen und konstruierte Genealogien aufzuwerten. Zu diesem Zweck wurde unter Eumenes II. Telephos, Sohn des Herakles und der arkadischen Priesterin Auge, als mythischer Stadtgründer konstruiert. Die Attaliden waren somit über Telephos mit dem Helden (Müller 79-80, Michels 2011: 137) verwandt. Die Attaliden mieden hierbei die alte Version, wonach Telephos in Mysien (Sitz ders attalidischen Königtums) geboren wurde und bevorzugten die Version, in der Telephos' Wurzeln im arkadischen Tegea zu finden sind. Nachgewiesen ist eine Isopolotie also gegenseitige Verleihung der Bürgerrechte zwischen Pergamon und Tegea, d.h. hinter dieser Herkunftskonstruktion standen womöglich politische Motive. Die Vereinbarung sollte in Stein gemeißelt werden. Es lässt sich zudem auch vermuten, dass es Pergamon aus diplomatischen Gründen („cultural diplomacy“, vgl. Gruen 2000: 25) darum ging, eine Verlinkung zum alten Arkadien herzustellen um seine Teilhabe am kulturellen Erbe Arkadiens und Griechenlands zu demonstrieren (ebd.: 23). Hierbei ging es also auch um die Außenwirkung einer solchen Genealogie. Zwar eponyme aber dennoch marginale Mythosfigur ist Pergamos, der als zweiter Gründungsvater in Erscheinung tritt (ebd.: 23-24). Seine Verwandtschaft mit den Trojakämpfers Hektor Achilles (Zimmermann 2011: 16) erlaubt eine Verknüpfung zu den Helden des Tojakrieges; seine Herkunft aus Epirus hingegen war womöglich eine Botschaft an die Epiroter.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656552277
ISBN (Buch)
9783656552444
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265522
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Geschichtswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
kult pergamon brief attalos

Autor

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Titel: Ein neuer Kult für Pergamon? Der Brief Attalos' III. an Pergamon, 135 vor Chr.