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Stadtentwicklung Moskau

Der Wohnsektor von 1954 bis heute

Bachelorarbeit 2013 67 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Exkurs Statistik

3. Geschichte Moskaus

4. Rede Chruschtschows auf dem Baukongress 1954 und Folgen

5. Wohnpolitik

6. Wohnbau
6.1 Mikrorayon
6.2 Satellitenstädte
6.3 Новый Арбат
6.4 Späte 6oer Jahre

7. Probleme
7.1 Material
7.2 Fachkräftemangel

8. GenPlan
8.1 1935
8.2 1971
8.3 „1993“
8.4 „1999“

9. 7oer-8oer Jahre
9.1 Beginn Ära Breschnew
9.1.1 Ironie des Schicksals
9.2 Ausgehende Breschnew-Ära und Perestroika

10. 9oer Jahre
10.1 Staatlicher Wohnbau
10.2 Privatisierung und Boom
10.3 Rechtsgrundlage

11. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends
11.1 Москва-Сити
11.2 Verkehr
11.3 Bausektor

12. Das Zentrum
12.1 Dekaden des Desinteresses
12.2 Umschwung
12.3 Neues Jahrtausend

13. Boutique Hotel

14. Resümee

Anhang

Bibliographie

1. Einleitung

„Wir fahren auf einer geraden Autobahn durch die finstere, unbewohnte Gegend. Die mit roten Lichtern markierte Silhouette eines sonderbaren Pyramiden-Turmes, einem Feenpalast oder einem gewaltigen indischen Tempel vergleichbar, weist uns den Weg: es ist der gewaltige neue Universitätsbau. Unvermittelt kommen wir aus dem offenen Land zwischen die zehnstöckigen Häuserblocks einer neuen Vorstadt – von den Dächern halbfertiger Bauten ragen die Krane nach allen Richtungen in den Nachthimmel. Auf breiten Avenuen rollen wir weiter durch die große Stadt, bis uns leuchtende rote Sterne auf den Spitzen zweier Festungstürme die märchenhafte Gegenwart der alten Zarenburg, des Kreml, anzeigen.“[1]

Mit diesen Worten beschreibt der Autor Martin Hürlimann in dem 1958 erschienenen Reiseführer Moskau Leningrad seine Ankunft in der Hauptstadt der damaligen Sowjetunion. Darin fallen ihm die Bauwerke ins Auge, die für die Macht Moskaus im Allgemeinen, sowie der des letzten und des aktuellen ersten Mannes im Staat stehen: der Kreml, Stalins Lomonossov-Universität und die Wohnbauten der Chruschtschow-Ära, die gerade im vollen Gange ist.

Ähnlich ergeht es dem Comichelden Tim, der in der Folge Im Lande der Soviets als erstes die einmaligen Zwiebeltürme der Basilius-Kathedrale erblickt.

Die vorliegende Bachelor-Arbeit behandelt die Stadtentwicklung Moskaus, insbesondere die Entwicklung des Wohnsektors. Da eine ganzheitliche Betrachtung, von der Gründung der Stadt an, den Rahmen sprengen würde, wurde der Beginn auf das Jahr 1954, genauer gesagt, den 7. Dezember diesen Jahres gelegt. An eben jenem Tag hielt der damalige Parteichef der KPdSU und Regierungschef der UdSSR, Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, auf einem nationalen Baukongress vor Vertretern der gesamten planenden und organisierenden Industrie des Bauwesens eine Rede, in der er die Abkehr vom bisherigen stalinistischen Stil, hin zu einer auf das Volk und auf Wohnbauten ausgerichteten Art der Konstruktion forderte.

Begonnen wird die Arbeit zunächst mit einen kurzen Ausflug in die Geschichte Moskaus, um danach zu besagtem Baukongress zu kommen. Betrachtet wird die Rede Chruschtschows und deren Folgen, insbesondere unter den Aspekten der Wohnpolitik – keine andere Stadt ist im 2o. Jahrhundert so sehr durch die offizielle Architekturpolitik ihrer Regierung geprägt worden wie Moskau [2] - und des Wohnbaus. Bei letzterem wird zudem auf die Details, deren Umsetzung und die entstandenen Probleme eingegangen. Dabei werden die Beispiele Mikrorayon, da dieses Modell bis in die heutige Zeit Anwendung findet, und Satellitenstadt skizziert. Über eine allgemeine Betrachtung der Entwicklung der 5oer- & 6oer Jahre führt die Arbeit zu den 7oern und 8oern.

Der zweite Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den Entwicklungen in den 199oern und beginnenden 2oooer Jahren, hier insbesondere denen des Zentrums, denn gleichfalls galt zu dieser Zeit noch, dass „in Russland ‚normale’ Bürger kaum wählen [können], wie und wo sie leben möchten. Optionen sind sehr eingeschränkt. Die Hauptgründe für diese Situation sind die wirtschaftliche Krise des Landes, der anhaltende chronische Wohnungsmangel und die daraus resultierende Tatsache, dass der Alltag fast die gesamte Energie und Zeit der Menschen aufbraucht.“[3]

Als Quellen dienen Stadtführer, die sich mit der Geschichte und/oder der Architektur Moskaus befassen. Des Weiteren Fachwerke zum Thema Bauen in der Sowjetunion, der dortigen Siedlungsstruktur und der Stadtentwicklung. Zudem bringe ich an der ein oder anderen Stelle Beobachtungen ein, die ich während meiner Aufenthalte in Moskau in Zusammenhang mit dem Thema machen konnte.

Im Anhang befinden sich einige Pläne, Fotos und Abbildungen, die für interessant erachtet werden, welche allerdings für den Fließtext zu umfangreich sind.

Bevor ich mit dem Hauptteil beginne, möchte ich noch ein paar Worte zu meiner Motivation verlieren, dieses Thema auszuwählen. Von Haus aus bin ich durch mein Studium der Osteuropa- und Ostmitteleuropastudien in Verbindung mit Germanistik im Kulturvergleich tendenziell nicht in der Baubranche angesiedelt. Durch Zufall konnte ich jedoch ein Praktikum in Moskau bei der Firma Drees und Sommer, die sich mit Projektmanagement und Engineering beschäftigt, absolvieren. Hierbei wurde zum einen mein großes Interesse für diesen Bereich geweckt und zum anderen konnte ich anwenden, was ich im Studium vorrangig lernte: mich schnell in neue Themen einzuarbeiten. In der Zwischenzeit leistete ich dort ein zweites Praktikum ab und durch meinen Aufgabenbereich, meine vielen Spaziergänge durchs Zentrum, sowie meiner dort gelegenen Wohnung – ein Bau aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts, anfangs 2ooo renoviert - auch umfangreiche Eindrücke gewinnen, die die Basis meiner Arbeit bilden. Aufgrund dessen stelle ich im letzten Kapitel meiner Arbeit ein aktuelles Projekt vor, bei dem ich mitarbeite und welches die Brücke hin zum Beginn schlagen soll.

Die Stadt Moskau habe ich ausgewählt, da ich von ihr seit meinem ersten Aufenthalt dort ausgesprochen fasziniert bin. Ich kann mich hierzu den Worten Peter Knochs in seinem Architekturführer Moskau anschließen: „Ein Fremder, der Moskau zum ersten Mal besucht, wird schnell merken, dass es nicht so einfach ist, die russische Hauptstadt zu erschließen. Regeln und Muster, an denen sich der Besucher in dieser hektischen und anstrengenden Metropole entlang tasten könnte, gibt es nicht.“[4] Wenn ich nach Moskau zurückkehre, beeindruckt mich stets aufs Neue, welche – insbesondere baulichen – Veränderungen vonstatten gegangen sind. Insbesondere im Distrikt Moskau City scheint mir ein jedes Mal ein neuer Wolkenkratzer zu stehen.

Interessant zu sehen ist ebenfalls, wie sich durch die letzten Jahrzehnte, einem roten Faden gleich, die Probleme ziehen, die bereits in den ausgehenden 5oer Jahren als enorme Hindernisse auf dem Bau auftraten. Diese werde ich in den folgenden Kapiteln ebenfalls betrachten.

Zum Ende meiner Einleitung kommend möchte ich abschließend noch die Frage klären, welchen Benefit eine historische Herangehensweise an das Thema Entwicklung des Wohnsektors der Stadt Moskau bringt. Irina N. Gavrilova formuliert es in Н аселение Москвы: Исторический раскурс wie folgt: „Что без знания прожлого можно заглянуть в будущее.“[5]

2. Exkurs Statistik

Страна наша будет тем крепче, чем больше будет у нас народа.

Н.С. Хрущёв[6]

Bevor ich mit einem Überblick über die Geschichte Moskaus beginne, um daraufhin mit Chruschtschows denkwürdiger Rede in das Thema einzusteigen, möchte ich kurz das Thema Statistik voranstellen. An erster Stelle ein Problem, welches von einer Vielzahl von Autoren im Verlauf meiner Recherche erwähnt wurde: die Zuverlässigkeit der vorliegenden Zahlen, insbesondere die der Bevölkerung. So schreibt Cordula Gdaniec eingangs ihrer Dissertation: „Bei der Sammlung und Darstellung von quantitativ erhobenen Daten ist generell Vorsicht geboten, was die Zuverlässigkeit der Statistiken betrifft.“[7]

Angefangen „from the late 192os to the late 195os there were no institutes of sociology and public opinion in the USSR“[8] über die Aussage, dass die Zahlen der 5oer so gut wie nicht vorliegen, nur fragmentarisch, bis „aktuelle Daten zur Bevölkerungszahl und -Zusammensetzung waren nicht zu bekommen bzw. existieren offensichtlich nicht einmal,“[9] reicht das Spektrum vom Beginn meiner Studie nahezu bis zum heutigen Tag. Die Gründe dafür sind vielfältig, dürften sich aber über all die Jahre hinweg auf einen Nenner bringen lassen: anhaltende Umsiedlungsprozesse, Verschwiegenheit und Argwohn im Bezug auf persönliche Informationen über Wohnung und Einkommen.[10] Hinzu kommt die verhältnismäßig instabile wirtschaftliche und politische Lage Moskaus, speziell seit Mitte der 8oer, die eine konkrete Datenerhebung erschwert. Bezogen auf die Zeit unter Chruschtschow muss man erwähnen, dass er die Stärke des Volkes anhand dessen Anzahl manifestiert.[11] Dass es hierbei zu Ungenauigkeiten kommen kann, liegt auf der Hand und gebietet Beachtung.

3. Geschichte Moskaus

«Fürst Juri bestieg den Hügel, sah sich um, schaute nach allen Seiten, hierhin und dorthin, in beiden Richtungen den Moskaufluß und die Neglinnaja entlang; und er entzückte sich an ihren Dörfern und befahl, unverzüglich hier eine Stadt aus Holz zu errichten, und ihr Name sollte Moskau-Stadt sein.» [12]

Fürst Juri Dolgoruki

Fürst Juri Dolgoruki («Langhand» 11oo-1157), Fürst von Rostow Susdal, zeichnet sich im Jahre 1156 für den Beginn des systematischen Ausbaus des 1147 gegründeten Moskaus verantwortlich. Anhand archäologischer Funde lassen sich erste Siedlungen auf Ende 11., Anfang 12. Jahrhundert datieren. Ein erstes Aufblühen der Stadt wurde durch den Sturm der Mongolen 1237 gebremst, die die sich nicht ergebende Ansiedlung niederbrannten, plünderten und zahlreiche Bewohner töteten. Jedoch wurde Moskau recht schnell wiederaufgebaut und, wenngleich nicht geradlinig, begann einhergehend mit dem Niedergang der mongolischen Herrschaft der Aufstieg der Stadt. Ihren Herrschaftsanspruch dokumentierten die Moskowiten mit dem Ausbau und der Befestigung der Burg auf einem Hügel oberhalb der Moskwa, des Kreml, um die Wende 15./16. Jahrhundert. Im weiteren Verlauf des Jahrunderts besiegte man die Mongolen endgültig und Moskau betrachtete sich als das «dritte Rom» und damit das letzte christliche Zentrum vor dem Ende der Welt.[13].

Mit der Gründung St. Peterburgs an der Mündung der Newa in die Ostsee durch Zar Peter I. (1672-1725) brach eine neue Zeitrechung an. Es entstand eine Stadt, die zum Symbol der neuen Zeit in Russland wurde, das sogenannte «Tor zum Westen», welche eine ernste Konkurrenz für Moskau wurde, bis man sie schlussendlich 1712 zur Hauptstadt proklamierte.[14]

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es erste Planungen zur Umgestaltung Moskaus. Dabei entstanden verschiedene Ring- und Ausfallstraßen, zudem wurden diverse Plätze angelegt. Genau 100 Jahre nach dem Verlust des Hauptstadttitels brannte Moskau bis auf die Grundmauern nieder «- ein Fanal, das den vernichtenden Rückzug Napoleons[15] aus Russland einleitete.»[16] Erneut wurde Moskau danach schnell wieder aufgebaut, im Unterschied zu vorher nun jedoch vermehrt mit Häusern aus Stein. Nichtsdestotrotz blieb das Ländliche Antlitz durch die hohe Anzahl der Holzhäuser weiterhin bestehen.

Durch den Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden industriellen Aufschwung wuchs die Zahl der Einwohner rasant.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Bevölkerung Moskaus 186o-1998

Es strömte überwiegend Landbevölkerung in die Stadt, die ihre Sitten, Gebräuche und Wissen mitbrachten, welche nach und nach mit vorhandenen Traditionen zu neuen kulturellen Formen zusammenwuchsen.[17] In der Periode von 19oo-1914 lag die Wachstumsquote Moskaus mit 4% p.a. auf einer Höhe mit der von New York. Wie die Metropole am Hudson River war Moskau eine Stadt der Immigranten: beinahe ¾ der Bevölkerung waren auswärtig geboren worden, 2/3 wurden dem Bauernstand zugeordnet.[18] Die Wohnsituation war teils dramatisch: Die Menschen lebten eingepfercht in Baracken, es gab sogenannte «Schlafgänger», «Pritschenbewohner» und «Winkelmieter», die nur ein Anrecht auf eine Schlafstelle in einer Wohnung besaßen, die meist von mehreren anderen abwechselnd genutzt wurde. Weder Erster Weltkrieg und Revolution führten zu einer Verbesserung der Lage, noch die erneute Festsetzung Moskaus als Hauptstadt – im Gegenteil. «Die inkompetente Administrierung des nationalen Wohnungsfonds, die katastrophal schlechte Versorgung der Städte mit Energie und der krasse Mangel an Investitionsmitteln» [19] führte zu einem Exodus aus der Stadt. Dem wirkte leidig das Parteiprogramm 1919 «Lösung der Wohnungsfrage» [20] entgegen, welches eine Enteignung von Wohnraum, insbesondere in Zentrumslage, Teilung der bestehenden Wohnungen und die Wohnform der Kommunalka [21] vorsah.

Doch selbst die Umfunktionierung von Kirchen, Schlösserm, Adelspalais und Großbürgerhäusern brachte keine Besserung, da schätzungsweise 2o-3o% des innerstädtischen Wohnraums für administrative Zwecke verlorengingen.[22] Eine Belebung erhielt die Bautätigkeit zwischen 1921 und 1924 durch die Neue Ökonomische Politik (НЭП ), [23] jedoch war das Antlitz Moskaus in den 192oern immer noch vergleichsweise rückständig: 63% aller Bauten waren Holzhäuser, 41% eingeschossig und nur 14% gingen über das erste Stockwerk hinaus.[24] Der aufstrebende Generalplan von 1935, auf den ich später noch detaillierter eingehen werde, sah vor allem Baumaßnahmen vor, die die stalinschen Herrschaftsansprüche untermauern sollten. Beispielsweise der Bau der Metro, die neue Silhoutte der Stadt durch das Hochhausensemble «Acht Schwestern» (von denen lediglich sieben realisiert wurden) und der «Palast der Sowjets» auf dem Gelände der, wie ca 8o% aller sakralen Bauten, gesprengten Christ-Erlöser-Kathedrale, welcher wegen des einsetzenden Zweiten Weltkriegs und konstruktionsbedingter Mängel nicht vollendet wurde. Das Thema Wohnungsbau jedoch wurde weiterhin sträflich vernachlässigt.

Während der «stalinschen Industrialisierung» verschlimmerte sich die Lage, «die Beengung in den Wohnungen erreichte ihren Höhepunkt [...] in den 193oer Jahren und bis in die 195oer Jahre, als eine Person in Moskau über durchschnittlich vier Quadratmeter Wohnraum verfügte.» [25]

Die Situation wurde durch die Bombardierung der Stadt durch die deutsche Armee im Zweiten Welkrieg noch zusätzlich erschwert. Die Zerstörungen bedeuteten eine nachhaltige Verschlechterung der Wohnsituation, zumal aufgrund der Prioritätensetzung des stalinschen Fünfjahresplans nicht ausreichend Mittel zur Verfügung standen,[26] «the problem of housing remained acute.»[27]

Einer Gesandtschaft aus der Schweiz bietet sich im September 1946 folgender Anblick:

«Überhaupt befinden sich alle Gebäude in Moskau, mit Ausnahme der im Kreml gelegenen und einiger neuer Monumentalkonstruktionen, in einem für unsere Verhältnisse einfach undenkbaren Zustande der Verlotterung. Teilweise sind Nebenstraßen mit Pflaster belegt, zum großen Teil bestehen sie aber nur aus Löchern und Wasserpfützen. Man darf wohl behaupten, dass es in diesen Vierteln keine einzige ganze Hausmauer gibt; überall ist der Kalkverputz weggefallen, die Ziegelmauer angebrochen, einzelne Häuser sind in Ruinen zerfallen, ein Bild vollständiger Verwüstung.» [28]

Generell kann man bis hierhin die Entwicklung städtischen Wohnens in Sowjetrussland in drei Grundtendenzen einteilen: «1. der Versuch der revolutionären Umgestaltung, 2. ein technizistischer Zugang und schließlich – seit den vierziger Jahren – 3. ein stark bedarfsorientierter Ansatz.» [29]

Trotz der Notwendigkeit wurde nach dem Krieg der Wohnungsbau nur peu à peu energischer angepackt und die Entwicklung industrieller Baumethoden forciert. Rationalisierungen standen jedoch die üppig dekorierten Fassaden des sozialistischen Realismus diametral entgegen. Zu Lebzeiten Stalins war an diesem Stil nicht zu rütteln.[30] Dies sollte sich erst nach dessen Tod ändern, genauer gesagt am 7. Dezember 1954, nach der Rede Chruschtschows auf dem Nationalen Baukongress.

4. Rede Chruschtschows auf dem Baukongress 1954 und Folgen

«Wir sind nicht gegen Schönheit, wir sind nur gegen sinnlose Dinge!» [31]

N.S. Chruschtschow

Mit diesen Worten kritisiert der neue Kremlherr und gleichfalls oberste Bauherr des Landes, N.S. Chruschtschow, in seiner mehrstündigen Rede unter dem Motto «Höhere Qualität mit weniger Kosten» vor der Nationalen Konferenz der Vertreter des gesamten planenden, organisierenden und ausführenden Bauwesens direkt den Moskauer Chefarchitekten Alexander Wlasow. Ganz und gar sarkastisch berichtet er vom Entwurf des Architekten Sacharow für ein Wohngebäude, an dessen oberen Geschossen Skulpturen angebracht werden sollen: «Das Wohnzimmer mit fünf Wänden und einem Fenster in der Ecke ist unpraktisch, ganz zu schweigen davon, daß die Bewohner dieses Zimmers ein ganzes Leben lang auf den Rücken einer Skulptur zu blicken haben... Gut, daß man solche Häuser nicht gebaut, daß man den Genossen Sacharow von derartigen Kunstwerken abgehalten hat.» [32] Doch steckt hinter dieser persönlichen Kritik weitaus mehr, als es zunächst den Anschein hat.

Der Tod Stalins hinterließ eine politische- und gestalterische Lücke, insbesondere in der Bauweise der Hauptstadt. Dies machte sich, als erster den Mut dazu habend, Chruschtschow zu Nutze. Eingangs erwähnter Wlasow steht stellvertretend für den im Jahre zuvor verstorbenen politischen Übervater und dessen bevorzugten Baustil. Dieser Baustil bestand aus industriell gefertigtem Stuck und Ornamenten, überladener Detailverliebtheit, Gebäuden mit Spitzen, Türmen und anderen «solcher Überflüssigkeiten».[33] Die Stadt wurde als in sich geschlossener Organismus gesehen. Dagegen wetterte Chruschtschow – nicht minder populistisch – verweisend auf die enormen Baukosten der Moskauer Hochhäuser[34] und der «Unsinnigkeit von Repräsentationsausgaben, solange noch Wohnungsnot herrsche.» [35]

Eine diplomatische Vorgehensweise war dabei vonnöten, da man in der Sowjetunion und speziell in Moskau noch recht stolz war auf die kürzlich erfolgte Neugestaltung der Stadt.[36]

Zudem war die öffentliche Stigmatisierung einzelner Architekten, der Führung der Akademie für Architektur, des Staatskomitees für Bauwesen und des Architektenverbandes – wenngleich notwendig für eine Neuorientierung – mit der Gefahr verbunden, in der Öffentlichkeit Erinnerungen an die politischen Methoden des «symbolischen Gewaltakts» der Stalinzeit zu wecken.[37] Einer Zeit, von der Chruschtschow sich deutlich distanzieren wollte. So kam es erst knapp ein Jahr später, anlässlich des zweiten Architektenkongresses, zu einer klaren Aussage contra spätstalinzeitlicher Architektur in der Verordnung Über die Beseitigung der Übermäßigkeit im Planen und Bauen des Zentralkomitees der KPdSU und des Ministerrats der Sowjetunion:

«Durch nichts gerechtfertigte Turmaufbauten, zahlreiche Zierkollonaden, Portici und andere architektonische Verirrungen, die der Vergangenheit entlehnt sind, wurden zu einem Massenphänomen beim Bau von Wohn- und öffentlichen Gebäuden, als deren Folge in den letzten Jahren für den Wohnungsbau die finanziellen Ansätze erheblich überschritten worden sind.» [38]

Kritisiert werden dort ebenfalls Architekten, diese «beschäftigen sich nur mit der Außengestaltung der Fassaden und arbeiten nicht an der Verbesserung der inneren Planung und Einrichtung»[39] der Gebäude.

Mit der Machtübernahme Chruschtschows ging wie bereits beschrieben ein architektonischer Paradigmenwechsel einher. Orientiert wurde sich nun an der Moderne – uniformierte Gebäude inmitten einer Stadtlandschaft wurden gefordert und umgesetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Vorsicht, Verzierungen! 1956

Getreu diesem Motto sollte mit einer weitesgehend kleinen Anzahl von normierten Bauelementen eine möglichst große Vielfalt an Baueinheiten erschaffen werden. «Nicht der Architekt, sondern die wiedererstarkende Schwerindustrie, auf die Chruschtschow sein Hauptaugenmerk legte, sollte nun die Städte bauen.» [40]

Noch zu Lebzeiten Stalins hatte der jetzige oberste Mann im Staat, in seiner Zuständigkeit in der Moskauer Bauverwaltung, von Andrej Burov Versuche mit aufeinandergeschichteten genormten Zementblöcken, der sogenannten Großblockbauweise machen lassen. Anfangs gegen den Widerstand Stalins, der Beton für einen kapitalistischen Baustoff hielt.[41]

Lange Zeit wurde die Explosivität dieser Rede verkannt und ihr keine besondere Bedeutung geschenkt. So schreibt noch 1983 Albrecht Martiny «Der Baukongress selbst ordnete sich in eine Reihe durchaus vergleichbarer Veranstaltungen ein, er war noch keineswegs ein Wendepunkt in der Baupolitik; [...].[42] Laut Peter Knoch hingegen bewertet sie die aktuelle Baugeschichtsforschung im Jahre 2o1o als «eines der wichtigsten Manifeste der modernen Architektur» [43] und zugleich ein «Meilenstein für die im 2o. Jahrhundert typische Debatte zwischen Tradition und Moderne.» [44]

5. Wohnpolitik

Wohnraum = Untermauerung des Herrschaftsanspruches

Wohnraumproblematik und Politik gehen nicht erst seit der im letzten Kapitel behandelten Rede Chruschtschows einher. Bereits 1903 wurde im ersten Parteiprogramm der Sozialdemokratie des Russischen Reiches die Wohnungsfrage aufgegriffen. Worin es hieß, dass nur durch deren Lösung sich freiere Betätigungs- und Wirkungsmöglichkeiten eröffnen, soziale und ökonomische Konflikte besser zur Entfaltung und schließlich zur politischen Lösung kommen würden. Auch nach dem Oktoberumsturz 1917 setzten die an die Macht gekommenen Bolschewiki die politische Gestaltung der Wohnungsfrage fort. Orientiert wurde sich dabei an der Grundvorstellung Friedrich Engels’, der im Wohnungsproblem der Arbeiter vor allem eine Frage der Verteilung des Wohnraums gesehen hatte.[45] Wie bereits erwähnt, schwenkte dieser Kurs ab Mitte der zwanziger Jahre um und das Hauptaugenmerk von staatlicher Seite wurde weg vom privaten Wohnungsbau hin zum Industriebau gelenkt, der in den Planungen absolute Priorität hatte - mit fatalen Folgen für die Wohnsituation der Bürger.

Eine Änderung – ich möchte gar von einem radikalen Kurswechsel sprechen – fand mit der Rede des Parteivorsitzenden auf dem Baukongress 1954 statt, wenngleich es bis 1961 dauerte, bis die Wohnungsfrage Eingang in das Parteiprogramm der KPdSU fand:

„Die KPdSU stellt die Aufgabe, das akuteste Problem der Hebung des Wohlstands des Sowjetvolks, das Wohnungsproblem, zu lösen. Im Laufe des ersten Jahrzehnts wird der Wohnraummangel behoben werden. Familien, die noch in überbelegten und schlechten Wohnräumen leben, werden neue Wohnungen erhalten. [...] Im zweiten Jahrzehnt wird die Benutzung der Wohnung für alle Bürger allmählich unentgeltlich.“[46]

Insbesondere das Ziel des zweiten Jahrzehnts ist als utopisch anzusehen, da es die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Sowjetunion maßlos überschätzte und die Realität außer Acht ließ.[47]

Nichtsdestotrotz verfolgte man weiterhin diesen Plan, insbesondere deswegen, da es sich hierbei um ein sehr geeignetes Instrument zur politischen Selbstdarstellung handelte und einen Themenbereich ansprach, der eine hohe Priorität im Volk besaß. Es entstand somit ein neuer Gesellschaftsvertrag zwischen der Führungsriege um Chruschtschow und der Bevölkerung. „Dieser ungeschriebene Vertrag ließ den Regierenden das Monopol politischer Macht, die Kontrolle über Medien und die Reisefreiheit. Dafür verbesserten sie die Versorgung mit Wohnraum und Konsumgütern und garantierten Vollbeschäftigung sowie ein funktionierendes soziales Netz.“[48]

Eine besondere Eigenart war, dass „die Sowjetbürger den Erfolg der Wohnungspolitik an Veränderungen gegenüber gestern und vorgestern [messen], weniger an einer Positionsverbesserung im internationalen Vergleich.“[49] Dies kam der Staatsführung dahingehend zugute, dass der Abstand zum internationalen Vergleich so derart groß war, dass man ihn unmöglich hätte egalisieren können und die Forderung danach im Volk für erheblichen Unmut gesorgt hätte.

Eine Analogie, wie sie auch Chruschtschow anstellte, als er mit den – seiner Meinung nach – baupolitischen Verfehlungen der letzten Jahre ins Gericht ging. Er tat dies in einer Art, wie es sich bis dato noch keiner getraut hatte. Zweifelsohne war diese Kritik begründet. Wie bereits erwähnt, war der Mangel an Wohnraum beträchtlich, die Lage in diesem Sektor teils katastrophal und die „politische Führung hatte offensichtlich keine klare Vorstellung von dem starken Problemdruck, der in diesem Bereich bestand; noch weniger konnte von einem ausgeformten Programm die Rede sein.“[50] Diese Situation machte sich Chruschtschow zu Nutze, um über dies hinaus seine politischen Ambitionen zu verwirklichen, eine Klarheit in der politischen Führungsstruktur zu schaffen, welche seit dem Tode Stalins dringlicher denn je war.

Seit Ende November befand er sich inmitten einer Auseinandersetzung mit seinem wichtigsten Rivalen, Stalins „Kronprinzen“ Georgi M. Malenkow (1902-1988), dem führenden Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU nach dem Tode Stalins und seit März 1953 Vorsitzender des Ministerrats der Sowjetunion und der später „Anti-Partei-Gruppe“ genannten oppositionellen Bewegung, die den gelernten Maschinenschlosser aus dem ukrainischen Donezbecken 1957 stürzen wollte.

Eine Schwäche Malenkows auf diesem Gebiet ausnutzend, griff er ein populäres Thema mit der Absicht auf, seine eigene Position zu stärken.[51] Seine populistische Art fand nicht nur beim Auditorium Zustimmung, sondern auch beim Zeitungspublikum, „dem solche offenen kritischen Äußerungen in persönlichem Stil völlig ungewohnt und sicherlich sympathisch waren.“[52] Trotz des Ansprechens des bedeutenden Themas Wohnungspolitik, der direkten Kritik an vergangenen Entscheidungen und aktuellen Personen, vermied Chruschtschow es geschickt, sich auf einen politisch heiklen Beschluss wie z.B. ein konkretes Wohnungsbauprogramm festzulegen. In der Betrachtung des politischen Umfelds drängt sich dadurch natürlich der Eindruck auf, dass es ihm – nach seinem Engagement in der Agrarpolitik und der Profilierung als Außenpolitiker auf der Reise nach Peking – nun daran lag, innen- und wirtschaftspolitische Kompetenz zu zeigen.[53] Man kann mit Recht sagen, dass die Wohnungsfrage, sowohl im Kampf um die Macht als Mittel der Herrschaftslegitimation, als auch bei der Neuordnung der Gesellschaft infolge der Abkehr vom Terrorsystem Stalins, eine zentrale Rolle spielte. Wohnraum war das größte politische Kapital Chruschtschows, das Zurverfügungstellen dessen ein Machthebel gegen seine Rivalen und Gegner.[54]

Die Plattenbauten stellen daher eine Metapher dar für den Wandel von Stalin zu Chruschtschow, wie es Monica Rüthers formuliert.[55]

Neben der innenpolitischen Komponente Machtanspruch, Versorgung des Volkes mit Wohnraum, Unterstützung der Industrie und Abkehr von der Vergangenheit, gab es weiterhin eine außenpolitische: der Wettstreit mit dem kapitalistischen Klassenfeind im Westen. Auch dies wird in der Rede von 1954 [56] sichtbar, in der Chruschtschow u.a. die Zielsetzung für die nächsten dreißig Jahre der Weltpolitik skizziert. „Diese neue Politik sollte sich in den neuen Strategien des Städtebaus ebenso widerspiegeln wie in den Baunormen der sozialistischen Architektur.“[57] Die Wohnbaupolitik war Teil eines Modernisierungsplans, „der sich an der internationalen Rivalität mit den westlichen, kapitalistischen Ländern orientierte.“[58]

Nicht zu vergessen ist der machtpolitische Aspekt, nämlich die Nutzung von Architektur als propagandistisches Mittel, getreu der Aussage Winston Churchills: „Zuerst formt der Mensch das Gebäude, dann formt das Gebäude den Menschen.“[59]. So sollte unter Stalin die geplante und geschaffene Baukunst dem Stil derer entsprechen, der sie formte und Geschlossenheit, Einheit, Kraft und Größe des Staates vor Augen führen. Der Paradigmenwechsel zu Chruschtschow forderte den „sowjetischen Funktionalismus: möglichst preiswert, möglichst viel Wohnraum und zugleich zementieren der künstlerischen Ausdrucksform einer kulturellen Einheit nach innen.“[60]

In der Folgezeit wurde die eigene Wohnung, unabhängig davon, wie klein sie auch sein mochte, mit modernem Interieur und in einem Neubauviertel gelegen, zum zentralen Symbol des neuen sowjetischen Wohlstands.[61] Eine Politik, die auch von Chruschtschows Nachfolgern fortgesetzt wurde, wenngleich nicht mehr in der radikalen Art und Weise, mit der er wie kein anderer Staatsmann solch großen politischen „Einfluss auf die Bauwirtschaft des Landes ausgeübt“[62]. hatte. Das Prinzip Wohnraum = Untermauerung des Herrschaftsanspruches sollte die kommenden Jahrzehnte weiterhin seine Gültigkeit haben. Ein herausragendes Beispiel hierfür sind die Olympischen Spiele von Moskau 198o, die – wie im Grunde alle Olympischen Spiele – zur Repräsentation genutzt wurden und gewaltige bauliche Maßnahmen bewirkten.

In den 199oer Jahren war das Problem mangelnden Wohnraums weiterhin akut und das Vorantreiben des Ausbaus Bestandteil der Politik. Im Gegensatz zu den bisherigen Massenbauten am Stadtrand wurde nun auch ein Augenmerk auf die Entwicklung des Zentrums gelegt. Ein Grund dafür ist u.a., dass im Bausektor vermehrt private Unternehmen zugelassen wurden und es nicht mehr nur am Staat lag zu bauen. Die Moskauer Politik verfolgte eine Strategie der weiteren Bebauung der Stadtränder, der Hochhaussiedlungen für „normale“ Bürger und gleichzeitig eine Praktik der Renovierung der Innenstadt mit Luxuswohnungen und Geschäfts-/Bürozentren für eine neue Elite.[63] Vom politischen Standpunkt aus rückten nun auch die Renovierung historischer Bauten und der Neubau von Einkaufszentren in den Fokus, vorzugsweise westlichen Standards entsprechend.

Hervorzuheben sind in den 1990ern die intensiven Bauarbeiten zur 85o-Jahr Feier der Stadt und insbesondere der monumentale Neubau der Christ-Erlöser-Kathedrale. Die Abkehr von der eigenständigen Architektur war spätestens zu diesem Zeitpunkt vollzogen. Wenngleich immer noch der Moskauer Stil, auf den ich später noch eingehen werde, gefordert und praktiziert wurde, nutzte man das Bauwesen nicht mehr zu 1oo% als politische Machtdemonstration und Abgrenzung vom Westen.

6. Wohnbau

„Sowjetische Architektur muss in ihrer Form einfach und streng sein.“

Nikita Chruschtschow, 1956

Wie ich in den vorangegangenen Kapiteln bereits beschrieben habe, herrschte in Moskau seit Beginn des industriellen Aufstiegs Mitte des 19. Jahrhunderts ein sich mehr und mehr zuspitzender Mangel an Wohnraum. Zum einen war dies dem massenhaften Zuzug von Landbevölkerung in die Stadt geschuldet, zum anderen der Unfähigkeit der Machthabenden, für Abhilfe zu sorgen. Die Ursachen dafür waren verschieden. Zweifelsohne durchlebte Russland zu Beginn des 2o. Jahrhunderts eine unruhige Zeit der Revolutionen und der beiden Weltkriege, jedoch lagen darin nicht die einzigen Gründe für das Nichtvorhandensein von Unterkünften in ausreichender Zahl. Viel zu lange wurden falsche Prioritäten gesetzt, ein Großteil der Energie in den Ausbau des industriellen Sektors gesteckt oder in repräsentative Bauten, die zwar beeindruckend aussahen und den Herrschaftsanspruch der Regierenden unterstrichen, jedoch mitnichten zur Verbesserung der Wohnsituation des Volkes einen Beitrag leisteten. Hinzu kam die historische Bausubstanz Moskaus, die, wie bereits beschrieben, wenig Flexibilität erlaubt.

[...]


[1] HÜRLIMANN, Martin: Moskau, Leningrad, Zürich; Freiburg/Breisgau 1958, S. 7.

[2] KNOCH, Peter, MEUSER, Philipp (Hrsg.): Architekturführer Moskau, Berlin 2o11,

S. 6.

[3] GDANIEC, Cordula: Kommunalka und Penthouse. Stadt und Stadtgesellschaft im postsowjetischen Moskau, Münster 2oo5, S. 58.

[4] KNOCH/MEUSER, S. 7.

[5] GAVRILOVA, Irina N.: Naselenie Moskvy: istoričeskij rakurs, Moskau 2oo1, S. 3.

[6] Ebd. S. 57.

[7] GDANIEC, S. 32.

[8] ZUBKOVA, Elena: Russia after the war. Hopes, illusions, and disappointments, 1945 – 1957, Armonk NY 1998, S. 4.

[9] GDANIEC, S. 141.

[10] Vgl. ebd.

[11] Siehe Eingangszitat.

[12] Chronikbericht PROSS-WERTH S. 11.

[13] RÜTHERS, Monica, SCHEIDE, Carmen (Hrsg.): Moskau. Menschen – Mythen – Orte, Köln; Weimar; Wien 2oo3, S. 15.

[14] Vgl. ebd. S. 16.

[15] Napoleon sah im Übrigen stets Moskau als die wahre Hauptstadt Russlands an, die es einzunehmen galt. Vgl. hierzu ZAMOYSKI, Adam: 1812. Napoleons Feldzug in Russland, München 2o12.

[16] Ebd.

[17] Vgl. ebd. S. 17.

[18] Vgl. BRADLEY, Joseph: Muzhik and Muscovite. Urbanization in late imperial Russia, Berkeley; Los Angeles, London 1985, S. 4.

[19] MARTINY, Albrecht: Bauen und Wohnen in der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. Bauarbeiterschaft, Architektur und Wohnverhältnisse im sozialen Wandel, Berlin 1983, S 27.

[20] „Die Sovjetmacht hat alle Häuser der kapitalistischen Hausbesitzer vollständig enteignet und den Stadtsovjets übergeben; sie hat eine Massenumsiedlung der Arbeiter aus den Vorstädten in die Häuser der Bourgeoisie durchgeführt, die besten dieser Häuser den Arbeiterorganisationen übergeben und die Instandhaltung dieser Häuser auf Staatskosten übernommen.“ MARX, Christa, KARGER, Adolf: Moskau. Russlands Haupt und Mitte, Stuttgart; Berlin; Köln 1997, S. 46.

[21] Darunter verstand man, dass die in der Innenstadt gelegenen, großbürgerlichen Wohnungen enteignet und geteilt wurden und im Anschluss daran mehreren Familien als Unterkunft dienten. Man nutzte Küchen, Bäder und Toilleten gemeinsam, im «Kollektiv». Wuchsen die Familien, teilte man die Zimmer auf einfachste Weise mit Vorhängen oder dünnen Holzwänden. Das Wohnen auf engstem Raum sorgte verständlicherweise für eine ganze Reihe von Problemen, kurz gefasst waren dies: «äußerste Beengung, Konfliktsituationen bis zur Gefährdung der Gesundheit, Unwürdigkeit der Wohn- und Lebensumstände, soziale Kontrolle und politische Überwachung, [...] das längere Beibehalten fast ländlicher Lebenssituationen und der Mehrgenerationenfamilie.» MARX/KARGER, S. 46. Nachhaltig problematisch wurde die Tatsache, dass die Kommunen meist kein Geld zur Instandhaltung der Kommunalki hatten und diese dadurch Stück für Stück verfielen. Trotzdem hielt der Stad das Wohnproblem für gelöst und stellte den Wohnungsbau Mitte der 3oer Jahre für gut 2o Jahre ein. Doch weder das amitionierte Programm Chruschtschows, noch die Massenbauweise der Breschnew-Ära, noch der Bauboom der 9oer schaffte die Kommunalki ab, so dass selbst Ende der 9oer noch ein politisches Ziel war, diese bis zum Jahr 2ooo aus dem Stadbild verschwinden zu lassen. GDANIEC, S. 64.

[22] MARX/KARGER, S. 46.

[23] RÜTHERS/SCHEIDE, S. 149. NEP (НЭП) war ein wirtschaftspolitisches Konzept von Lenin und Trotzki zur Liberalisierung von Handel, Industrie und Landwirtschaft.

[24] HÜRLIMANN, S. 82.

[25] RÜTHERS, SCHEIDE, S. 95.

[26] MARTINY, S. 10.

[27] ZUBKOVA, S. 102.

[28] RÜTHERS, Monica: Moskau bauen von Lenin bis Chruščev. öffentliche Räume zwischen Utopie, Terror und Alltag, Wien,; Köln; Weimar 2oo7, S. 95.

[29] MARTINY, 140.

[30] Vgl. HUBER, Werner: Hauptstadt Moskau. Ein Reiseführer durch das Baugeschehen der russischen Metropole von Stalin über Chruschtschow und Breschnew bis heute, Zürich 1998, S. 195.

[31] U.a. KNOCH/MEUSER, S. 290.

[32] MARTINY, S. 99.

[33] O-Ton Chruschtschow, u.a. KNOCH/MEUSER, S. 290.

[34] Nach den Worten Chruschtschows entfielen bspw. im Hochaus des Außenministeriums am Smolensker Platz mehr als 1/3 der Gesamtfläche auf Wände und Konstruktion bedingte Teile, die lediglich aus optischen Gründen so gestalteten Wände und Fassaden verursachten zusätzliche Heizkosten von 25o.ooo Rubel p.a. MARTINY, S. 101.

[35] MARX/KARGER, S. 49.

[36] Vgl. ebd..

[37] Vgl. hierzu MARTINY, S. 104.

[38] Vgl. MARX/KARGER, S 49. Auf die Rolle dieser Verfügung im Politischen gehe ich im Kapitel Wohnpolitik genauer ein.

[39] KNOCH/MEUSER, S. 290.

[40] KNOCH/MEUSER, S. 288.

[41] COLTON, Timothy: Moscow. Governing the socialist metropolics. Cambridge, Mass. 1995, S. 354.

[42] MARTINY, S. 104.

[43] KNOCH/MEUSER, S. 288.

[44] Ebd.

[45] Vgl. MARTINY, S. 25.

[46] MARTINY, S. 29.

[47] Vgl. ebd.

[48] RÜTHERS/SCHEIDE, S. 167.

[49] MARTINY, S. 37.

[50] MARTINY, S. 88.

[51] Die verzögerte Veröffentlichung seiner Rede zeigt, dass diese Absicht vermutlich erkannt wurde und auf Widerstand stieß. MARTINY, S. 95.

[52] Ebd. S. 103.

[53] Vgl. ebd. S. 103 ff.

[54] Vgl. RÜTHERS/SCHEIDE, S. 223.

[55] RÜTHERS/SCHEIDE, S. 264.

[56] Sicherlich hat Chruschtschow im Jahre 1954 noch die ein oder andere Rede mehr gehalten, der Einfachheit halber verzichte ich jedoch im weiteren Verlauf auf den Zusatz „Baukongress etc“, der einfacheren Lesbarkeit willen.

[57] KNOCH/MEUSER, S. 288.

[58] RÜTHERS, S. 235.

[59] U.a. wird dieses Zitat auch Albert Schweitzer zugeordnet. Der Rivalität Russland – Westen wegen habe ich hier Churchill genannt.

[60] KNOCH/MEUSER, S. 27.

[61] Vgl. RÜTHERS/SCHEIDE, S. 69.

[62] KNOCH/MEUSER, S. 288.

[63] Vgl. GDANIEC, S. 84.

Details

Seiten
67
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656557272
ISBN (Buch)
9783656557258
Dateigröße
15.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265164
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Seminar für Osteuropäische Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
stadtentwicklung moskau eine betrachtung wohnsektors

Autor

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Titel: Stadtentwicklung Moskau