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Green Controlling. Konzeptionen und Instrumente im Überblick

Bachelorarbeit 2012 57 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

Symbol- und Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Grundlagen
2.1. Green Controlling- inhaltliche Abgrenzungen
2.2. Der Green Controlling Kreislauf
2.3. Grüne Strategietypen
2.4. Instrumente
2.5. Herausforderungen des Green Controlling
2.6. Funktionen und Ziele des Green Controlling
2.7. Organisatorische Einbindung

3. Ansätze zur Integration von Green Controlling Elementen in das klassische Controlling
3.1. Notwendigkeit der Integration ökologischer Aspekte in klassische Controlling- Konzeptionen
3.2. Ansätze zur Integration des Green Controlling in die Konzeptionen nach Zenz
3.2.1. Informationsorientiertes Controlling
3.2.2. Regelungs- und Steuerungsorientiertes Controlling
3.2.3. Führungsprinziporientiertes Controlling
3.2.4. Begrenzt Koordinationsorientiertes Controlling
3.2.5. Umfassend Koordinationsorientiertes Controlling
3.2.6. Metaführungsorientiertes Controlling

4. Aktueller Stellenwert des Green Controllings

5. Grenzen des Green Controllings

6. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

2 Symbol- und Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Ein steigendes ökologisches Bewusstsein der Öffentlichkeit, Klimawandel, sowie die Möglichkeit, Kosten einzusparen durch eine ökologische Ausrichtung der Leistungen, führen zu einer zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten in allen Unternehmensbereichen. Umweltschutz wird nicht mehr als reiner Kostenfaktor für die Unternehmensführung gesehen, sondern als Quelle des wirtschaftlichen Erfolges eines Unternehmens, sowie als Chance für die Generierung eines Wettbewerbsvorteils.[1]

Dabei erfordert eine umweltgerechte Unternehmensführung ein zielgerichtetes, ökologieorientiertes Management aller Unternehmensaktivitäten. Neben der Berücksichtigung von Umweltaspekten in allen Entscheidungsprozessen eines Unternehmens ist hierfür auch die Unterstützung durch ein ökologieorientiertes Controlling erforderlich. Vor allem im Hinblick auf eine ausreichende Bereitstellung der notwendigen Informationen, der Planung, Steuerung und Kontrolle von grünen Zielen, sowie der Entscheidungsvorbereitung sollte sich das Controlling auch mit ökologischen Aspekten beschäftigen, sofern sich hierbei Chancen ergeben, eine „grüne“ Ausrichtung des Unternehmens voranzutreiben.[2] Jedoch steht eine Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in das Controlling trotz hoher Relevanz einer umweltgerechten Unternehmensausrichtung in der Praxis noch am Anfang.[3] Um die bisherigen Controlling Konzepte um ökologische Aspekte zu erweitern und eine Balance zu finden zwischen ökologischen, finanziellen und sozialen Aspekten, ist ein Green Controlling notwendig.[4]

Die folgende Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Integration ökologischer Aspekte in das Controlling. Im Rahmen der Arbeit soll untersucht werden, in welchem Bereich sich die Ansätze des Green Controllings in bereits bestehende Controlling Konzeptionen einordnen lassen. Es erfolgt eine Prüfung hinsichtlich einer möglichen Erweiterung der Kernaufgaben des klassischen Controllings um ökologieorientierte Inhalte in Bezug auf die Informationsversorgung, Planung, Kontrolle und Koordination im Unternehmen.

Weiterhin soll analysiert werden, in wie weit die Aspekte des Green Controllings durch eine Integration in eine klassische Controlling Konzeption einen Beitrag leisten können, grüne Aspekte in unternehmerische Entscheidungen einfließen zu lassen, um den Umweltschutz im Unternehmen als Zielgröße strategisch zu verankern.

Im ersten Teil der vorliegenden Arbeit werden allgemeine Grundlagen zum Thema Green Controlling erläutert. Zur Einordnung des Begriffs Green Controlling soll dafür zunächst der Begriff des Controllings und andere relevante Begriffe, die im Zusammenhang mit Green Controlling stehen, definiert werden. In den Punkten 2.2 und 2.3 erfolgt die Darstellung des Green Controlling Zyklus und der grünen Strategietypen. Nach der Erläuterung der Instrumente des Green Controllings soll im Punkt 2.5 auf die Herausforderungen eingegangen werden, die eine Einbeziehung von ökologischen Aspekten in das Controlling mit sich bringen. Anschließend erfolgt eine Erläuterung der Aufgaben des grünen Controllings und es wird dargestellt, welche Ziele sich durch ein nachhaltig ausgerichtetes Controlling ergeben. Im Punkt 2.7 sollen abschließend Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sich das Green Controlling in die Organisationsstruktur eines Unternehmens eingliedern lässt.

Nach einer allgemeinen Einführung in das Themengebiet des Green Controllings soll im Punkt 3 die Notwendigkeit diskutiert werden, das Green Controlling in eine klassische Controlling Konzeption zu integrieren, sowie die Bedeutung der Berücksichtigung ökologischer Aspekte im Controlling für Unternehmen aufgezeigt werden.

Der Schwerpunkt der Arbeit bildet die Darstellung von Controllingansätzen, die für eine Integration von ökologischen Aspekten in das klassische Controlling in Frage kommen. Hierzu erfolgt zunächst die Erläuterung der einzelnen Controlling Konzeptionen nach Zenz, bevor diese mit den Sichtweisen des Green Controllings gegenübergestellt und analysiert werden Es soll eingeschätzt werden, an welcher Stelle sich die ökologieorientierten Controllingansätze in eine klassische Controlling Konzeption einordnen lassen. Geklärt werden soll insbesondere auch, in wie weit das Green Controlling Funktionen einer klassischen Konzeption übernehmen kann und in welchem Bereich eventuell eine Aufgabenerweiterung für Controller sinnvoll wäre.

In Punkt 4 der Bachelorarbeit soll der aktuelle Stellenwert, den das Green Controlling derzeit in der Controlling-Praxis einnimmt, dargestellt werden.

Im weiteren Vorgehen soll in Punkt 5 auf Grenzen und Probleme eingegangen werden, die sich durch eine ökologische Ausrichtung des Controllings für das Unternehmen ergeben.

Abschließend wird ein Fazit gezogen, wobei die vorliegende Arbeit noch einmal einer kritischen Würdigung unterzogen werden soll.

2. Allgemeine Grundlagen des Green Controllings

2.1 Inhaltliche Abgrenzungen

Die Lenkung, Planung, Steuerung und Regelung von Prozessen im Unternehmen wird als Controlling bezeichnet. Dabei ist das Controlling ein eigenständiger Teil der Unternehmensführung oder dieser unmittelbar zugeordnet. Der Schwerpunkt der Controllingaufgaben besteht neben der adäquaten Informationsbereitstellung in der zielorientierten Unterstützung der Unternehmensführung bei Planungs- und Steuerungsmaßnahmen, sowie der Durchführung von Kontrollen und Budgetierungen.[5] Der Controllingprozess unterscheidet zwischen dem strategischen und operativen Controlling. Während das strategische Controlling auf den langfristigen Unternehmensbestand ausgerichtet ist, ist das operative Controlling auf kurzfristige Ziele, wie Gewinn und Rentabilität, ausgerichtet.[6]

Für eine Berücksichtigung von grünen Aspekten im Controlling ist eine Anlehnung an das betriebswirtschaftliche Controlling sinnvoll, da hierbei auf bekannte Prozesse und Methoden vertraut werden kann und die Bildung von Schnittstellen mit anderen Unternehmensbereichen erleichtert wird. Ein vom Unternehmenscontrolling isoliertes Umweltcontrolling, das z.B. durch das Umweltmanagement durchgeführt werden könnte, sollte dabei vermieden werden.[7]

Die Literatur verwendet für die Betrachtung umweltrelevanter Aspekte im Controlling eine Vielzahl von Begrifflichkeiten wie Umweltcontrolling, Ökocontrolling, Nachhaltigkeitscontrolling und Green Controlling. Nachfolgend soll versucht werden, diese Begriffe inhaltlich hinreichend abzugrenzen, sowie gleiche Kernaussagen herauszustellen.

Unter dem Begriff des Umweltcontrollings wird die regelmäßige Kontrolle, Planung und Steuerung aller Umweltschutzmaßnahmen eines Unternehmens verstanden. Dabei werden die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens in den Mittelpunkt des Controllings gerückt. Ein effizientes Umweltcontrolling soll hierbei neben der kostengünstigen Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen vor allem zur Verringerung des Arbeitsaufwandes und zur Einsparung von Materialien beitragen.

Im Vordergrund eines integrierten Umweltcontrollings steht die zielgerichtete Ausgestaltung von Umweltzielen, -politik, -prüfung und -programmen, um Umweltschutzmaßnahmen erfolgreich im Unternehmen zu integrieren.[8]

Synonym für den Begriff des Umweltcontrollings wird häufig in der Literatur der Begriff des Ökocontrollings verwendet. Unter Ökocontrolling bezeichnet Neuhaus ein Teilsystem des betrieblichen Umweltmanagements, das sich neben der Festlegung von Umweltzielen vor allem mit der Analyse, Planung und Kontrolle der Umweltbelastungen, sowie des Materialeinsatzes beschäftigt. Der Schwerpunkt des Ökocontrollings ist dabei ebenso auf eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltschutzmaßnahmen, sowie auf eine Integration des Umweltschutzes als Zielgröße für Entscheidungsprozesse im Unternehmen gerichtet.[9]

Derselbe Sachverhalt trifft auch auf die Bezeichnung des Green Controllings zu. Der Unterschied zu den vorher definierten Begriffen des umweltorienterten Controllings besteht lediglich darin, dass ein Bezug zu den Maßnahmen, die mit dem Attribut „grün“ versehen sind, deutlicher hervorgehoben werden, was vor allem in jüngerer Literatur der Fall ist.[10]

Im Zusammenhang mit dem Green Controlling wird häufig der Begriff des „Greening“ verwendet, worunter die „umweltgerechte Ausgestaltung aller Unternehmensaktivitäten“ verstanden wird.[11] Dabei reicht das Greening von einer grünen Produktgestaltung bis hin zu dem Aufbau grüner Märkte und Geschäftsmodelle.[12] Die Autoren einer 2010 durchgeführten Green Controlling Studie des Internationalen Controllervereins verstehen unter Green Controlling eine „Unterstützungsfunktion der Führung, die eine um grüne Inhalte erweiterte Planung, Steuerung und Kontrolle im Unternehmen ermöglicht.“[13] Faßbender-Wynands bezeichnet das Green Controlling als ein Teilsystem des Controllings, das die Koordinationsfunktion um ökologische Aspekte erweitert. Hervorgehoben werden besonders die systembildende und systemkoppelnde Funktion des Umweltcontrollings, die in den nachfolgenden Punkten noch näher erläutert werden sollen.[14]

Weiterhin wird für die Betrachtung von umweltrelevanten Fragestellungen im Controlling häufig der Begriff des Nachhaltigkeitscontrollings in der Literatur verwendet.

Hierzu ist festzustellen, dass diese Definition die weitreichendste ist in Bezug auf ökologische Aspekte im Controlling, da Nachhaltigkeit nicht nur grüne Aspekte beinhaltet, sondern sich auch auf folgende Aspekte bezieht: [15]

- Ökonomische Aspekte: Hervorhebung des langfristigen und dauerhaften Unternehmenserfolges
- Ökologische Aspekte: Die Erhaltung der Umwelt für die nachfolgenden Generationen steht im Mittelpunkt
- Soziale Aspekte: Die Erreichung einer auf Dauer lebenswerten Gesellschaft steht im Vordergrund
- Kulturelle Aspekte: Die Kultur der Menschen ist nachhaltig auszurichten [16]

2.2 Der Green Controlling Kreislauf

Der idealtypische Ablauf zur Umsetzung des Green Controllings wird vom ICV in folgendem Modell beschrieben: [17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Abweichen von diesem Ablauf, sowie eine gegenseitige Beeinflussung der einzelnen Bestandteile, sind dabei möglich.[18]

Die Festlegung der ökologischen Ziele bildet die Grundlage des Umweltcontrollings, da diese für die Steuerung und Kontrolle der einzelnen Maßnahmen erforderlich sind. Für die Zielsetzung eines Unternehmens ist es notwendig, die Erwartungen der Gesellschaft, sowie relevanter Anspruchsgruppen eines Unternehmens einzubeziehen. Dabei ist es von Bedeutung, neben den aktuellen Ansprüchen auch die zukünftigen Ansprüche zu erfassen, da die Gesellschaft einem stetigen Wandel unterliegt.[19]

Die Umweltdaten, sowie die Folgen der Umwelteinwirkungen des Unternehmens sind im Informationssystem abzubilden. Dabei werden die Stoff- und Energieflüsse zwischen dem Unternehmen und der natürlichen Umwelt ebenso erfasst wie die Umweltkosten. Anschließend erfolgt die Informationsbereitstellung, um die Auswirkungen des Umwelteinflusses auf die Stoff- und Energieströme zu beurteilen.

Zu beachten ist hierbei, dass eine Abbildung von ökologischen Sachverhalten im Informationssystem aufgrund der hohen Komplexität der Umweltdaten nur begrenzt möglich ist. Um für das Management eine adäquate Informationsbereitstellung zu gewährleisten, ist eine Aufbereitung der Daten erforderlich, die als nachhaltig relevant angesehen werden. Anschließend werden die Daten aus dem Informationssystem im Entscheidungssystem ausgewertet. Dabei erfolgt zuerst eine Beurteilung der Daten hinsichtlich ihrer ökologischen Relevanz. Anschließend werden mithilfe von Umweltkennzahlen, wie z.B. die Höhe der Umweltinvestitionen oder die Kosten für Umweltschulungen der Mitarbeiter, die relevanten Umweltdaten zusammengefasst, um diese für die Entscheidungsfindung greifbar zu machen. Umweltkennzahlen dienen dem Management als Entscheidungsgrundlage zur Steuerung und Umsetzung von effizienten Umweltmaßnahmen. Dabei sind diese jeweils an die spezifische Situation des Unternehmens anzupassen, wobei eine Orientierung an den betrieblichen Prozessen des Unternehmens erfolgen soll. Hierbei soll durch Vergleich der angestrebten Umweltziele mit dem aktuellen Zustand des Unternehmens deutlich werden, welche Ziele erreicht werden und in welchem Bereich noch Maßnahmen zur Korrektur erforderlich sind.

Abschließend soll die Kommunikation sowohl aller getätigten Unternehmensaktivitäten als auch der erreichten Umweltziele an relevante Anspruchsgruppen erfolgen, wobei sich an deren Informationsbedürfnis zu orientieren ist. Die ermittelten Informationen sollen dazu beitragen, Antworten auf ökologisch relevante Fragen zum Umweltcontrolling zu geben. Die notwendigen Daten zur Kommunikation sind dabei vom Green Controlling bereit zu stellen.[20]

2.3 Grüne Strategietypen

Die Herleitung von Strategietypen dient dazu, das Ausmaß der strategischen Bedeutung des Green Controllings in Unternehmen zu ermitteln.[21] Mittels einer Clusteranalyse konnten vom ICV empirisch vier grüne Strategietypen ermittelt werden, die nachfolgend mit abnehmender strategischer Bedeutung dargestellt sind.

Die Ausprägung eines ökologisch ausgerichteten Controllings reicht dabei von der bloßen Einhaltung vorgegebener gesetzlicher Vorschriften bis zur ganzheitlich grünen Ausrichtung mit grünen Inhalten, Zielen und Transparenz.[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Strategietypen basieren auf einem Fünf-Stufen-Modell von strategischen Handlungsfeldern, durch die Unternehmen zu einer nachhaltigen Ausrichtung gelangen können. Nach Nidumolu kann eine erfolgreiche nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen anhand dieser fünf Stufen beschrieben werden, die vor allem das Controlling vor neue Herausforderungen stellt. (Vgl. Tabelle 1: Fünf- Stufen- Modell zur ökologischen Nachhaltigkeit) Demnach stellt jede Stufe ein strategisches Feld dar, das gekennzeichnet ist durch eine zunehmende Integration ökologische Aspekte.[23]

Dem Strategietyp 1 wird von Unternehmen über alle Stufen hinweg die höchste strategische Bedeutung zugewiesen. Hier haben alle fünf Stufen eine übermäßig hohe strategische Bedeutung, weshalb diese Strategie auch als „ganzheitlich grüne Strategie“ bezeichnet wird.

Der 2.Strategietyp „Grüne Produkte und Leistungen“ betont vor allem das Angebot, sowie die Entwicklung und Vermarktung grüner Produkte und Leistungen. Es wird eine marktorientierte Strategie verfolgt, wobei der Fokus vor allem auf den Stufen drei und vier des Modells liegt.

Der 3.Strategietyp wird als „Abwartende Strategie“ bezeichnet, da hier die Unternehmen die fünf Stufen hinsichtlich ihrer strategischen Bedeutung noch gering gewichten, aber in Zukunft eine zunehmende Bedeutung aller Stufen erwarten. Somit ist eine strategische Relevanz zwar gegeben, aber aktuell noch wenig ausgeprägt. Es fehlt trotz vorhandenem Bewusstsein noch an externem Handlungsdruck für eine nachhaltige Unternehmensführung.[24]

Die geringste strategische Bedeutung der fünf Stufen weist der Strategietyp 4 auf, die „Green Compliance“. Lediglich die Stufe eins hat für Unternehmen eine geringe Bedeutung, während den restlichen vier Stufen keine strategische Bedeutung zukommt. Der Fokus liegt hier auf der Einhaltung der gesetzlichen Pflichten.[25]

Eine Studie des ICV mit dem Schwerpunkt Green Controlling führte 2010 eine Umfrage durch, was Unternehmen der vier Strategietypen sich unter dem Begriff „grün“ vorstellen. Die nachfolgende Tabelle soll einen Überblick geben über das grüne Begriffsverständnis in den einzelnen Strategietypen. Hierbei wird deutlich, dass die Förderung der Energieeffizienz, die Reduktion des CO2- Ausstoßes und die Optimierung der Wassernutzung bei dem Begriffsverständnis vorrangig dominieren:[26]

2.4 Instrumente

Die Entwicklung von Instrumenten zur Sammlung und Verarbeitung von ökologisch relevanten Informationen kann als zentrales Element gesehen werden, um ein ökologieorientiertes Controlling im Unternehmen zu verankern.[27]

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick gegeben werden über die wichtigsten Instrumente des Umweltcontrollings, die sich bereits etabliert haben. Anschließend sollen spezielle Instrumente des Green Controllings vorgestellt werden, die ein hohes Potential haben, in Zukunft umgesetzt zu werden.

Durch die Anlehnung eines ökologieorientierten Controllings an das klassische Controlling können die Instrumente des Green Controllings ebenso in operative und strategische Instrumente unterteilt werden: [28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der operative Bereich des Umweltcontrollings, zu denen u.a. die Ökologische Buchhaltung, die Ökobilanzierung und die Umweltkostenrechnung gehören, ist kurzfristig ausgerichtet.[29] Die ökologische Buchhaltung erfasst nach verbindlichen Vorschriften alle Umwelteinwirkungen, die von einem Unternehmen ausgehen.[30] Bei der Ökobilanzierung werden alle umweltrelevanten Wirkungen der Aktivitäten eines Unternehmens durch ein Informationssystem bewertet und abgebildet, während bei der Umweltkostenrechnung der Kostenbegriff im Vordergrund steht.

Der strategische Bereich ist, im Gegensatz zu den operativen Instrumenten, durch eine langfristige Orientierung gekennzeichnet. Zu den wichtigsten strategischen Instrumenten zählen die Ökologische Frühaufklärung, die Ökologieorientierte Portfolioanalyse, sowie die Strategische Treiberanalyse. Durch die Ökologische Frühaufklärung ist es mittels geeigneter Indikatoren möglich, strategisch relevante Informationen bereitzustellen und frühzeitig künftige Entwicklungen aufzuzeigen, sowie die Komplexität von ökologischen Entwicklungen zu reduzieren.[31] Bei der Ökologieorientierten Portfolioanalyse werden anhand externer und interner Erfolgsfaktoren alle strategischen Geschäftseinheiten eines Unternehmens beurteilt und anschließend in einer Matrix gegenübergestellt. Somit ist es möglich, eine langfristige ökologische Strategieposition des Unternehmens festzulegen.[32]

Die Aufgabe der strategischen Treiberanalyse besteht darin, Handlungsmöglichkeiten der Unternehmensstrategie zu ermitteln. Dies kann zum einen durch eine mögliche Abgrenzung zur Konkurrenz erfolgen, als auch durch eine Ermittlung der für interne Prozesse anfallenden Kosten.[33]

Neben den bereits vorgestellten Instrumenten, die sich schon seit einigen Jahren bewährt haben, soll anschließend noch auf zwei ausgewählte Instrumente des Green Controllings eingegangen werden, die ein großes Potential aufweisen, sich in Zukunft im Umweltbereich zu etablieren.

Dazu gehören die Flusskostenrechnung und das lebenszyklusbezogene Target Costing.[34] Die Flusskostenrechnung ist ein material- und energieflussorientierter Kostenrechnungsansatz, der es durch verschiedene Bewertungsinstrumente wie z.B. die Ressourcen- und Materialflusskostenrechnung ermöglicht, Material- und Energieflüsse in verschiedenen Prozessen zu erfassen und Ihnen Kosten zuzuordnen.[35] Somit ist es möglich, eine neue Perspektive auf die Kosten zu gewinnen und umweltbezogene Auswirkungen des Materialverbrauchs herauszufinden.[36]

Ein weiteres Instrument des Green Controllings, bei dem eine große Relevanz in der Zukunft gesehen wird, ist das lebenszyklusbezogene Target Costing.

Dazu muss zum einen die Lebenszyklusrechnung eingesetzt werden, um für den Kunden die gesamten Kosten eines Produktes zu ermitteln. Anschließend können Zahlungsbereitschaftsanalysen eingesetzt werden, wenn die Möglichkeit besteht, dass bei dem Kunden durch den Einsatz grüner Produkte die Zahlungsbereitschaft erhöht werden könnte. Für Unternehmen ergibt sich neben der Identifizierung und Beseitigung externer Effekte somit die Möglichkeit, Einsparungen in späteren Phasen des Lebenszyklus zu erreichen.[37]

2.5 Herausforderungen

Durch die zunehmende Forderung nach nachhaltigem Wirtschaften und einem steigenden ökologischen Bewusstsein bei vielen Kundengruppen obliegt dem Green Controlling die Aufgabe, sich auch mit den grünen Herausforderungen des Controllings auseinanderzusetzen.

Bei einer Entscheidung für eine Berücksichtigung von ökologischen Aspekten im Controlling müssen bereits bestehende Controllingprozesse und -instrumente erweitert und angepasst werden. Dazu zählen vor allem die strategischen und operativen Instrumente, sowie Kennzahlensysteme und Steuerungsinstrumente.[38]

Hierbei ergeben sich für das Controlling zahlreiche Herausforderungen. Da grüne Aspekte im Controlling noch vorwiegend Neuland darstellen, kann es zum einen zu Mess- und Bewertungsproblemen kommen, da oft unklar ist, welche Methoden und Kennzahlen für das Green Controlling angewendet werden können. Es muss erst geprüft werden, ob zur Messung und Bewertung der Nachhaltigkeit auf die Verfahren des klassischen Controllings zurückgegriffen werden kann und diese hinreichend geeignet sind für eine Anwendung im Green Controlling. Für den Vergleich von ökologischen Kennzahlen existieren zurzeit noch keine einheitlichen Standards. Nachdem geeignete Kennzahlen für das Green Controlling gefunden und definiert wurden, müssen anschließend Wege zur Datenerhebung entwickelt und angepasst werden, um den Aufwand möglichst niedrig zu halten. Aufgabe des Controllers ist es weiterhin, diese Informationen künftig in Entscheidungsprozesse sinnvoll zu integrieren und dafür zu sorgen, dass diese zu neuen Impulsen und Maßnahmen beitragen.[39]

Handlungsbedarf besteht ebenso bei der Anpassung der Zusammenarbeit zwischen dem Controlling und dem Umweltmanagement. Hier müssen Aufgaben und Zuständigkeiten der einzelnen Akteure eindeutig abgegrenzt werden, um eine effektive Unternehmenssteuerung zu ermöglichen. Es fehlt oftmals an klar definierten Kompetenzen und internen Regelungen, wodurch eine Verständigung auf ein gemeinsames Ziel erschwert wird. Wissensdefizite der Mitarbeiter behindern ebenso die Entwicklung grüner Controllinglösungen.[40]

Eine weitere Herausforderung des Controllings besteht darin, zusammen mit anderen betroffenen Fachbereichen klare Kriterien festzulegen, welche Produkte und Leistungen als grün anzusehen sind, um eine einheitliche Definition der Indikatoren festzulegen und ein grünes Unternehmensimage zu definieren.[41]

Die Integration des Green Controllings in das klassische Controlling wird auch dahingehend erschwert, dass vor allem auf der Managementebene die Notwendigkeit und die Akzeptanz grüner Inhalte häufig noch fehlt.[42] Es soll im Punkt 3.1 noch näher darauf eingegangen werden, aus welchen Gründen eine Integration von ökologischen Aspekten in das Controlling notwendig und sinnvoll ist.

[...]


[1] Vgl. Stehle, A.: (Green Controlling), S.478f.

[2] Vgl. Weber,J./Georg,J./Janke,R.: (Nachhaltigkeit), S.395f.

[3] Vgl. internationaler Controllerverein e.V.: (Umgang mit grünen Themen), eine Seite.

[4] Vgl. Stehle, A.: (Green Controlling), S.478f.

[5] Vgl. Horváth, P.: (Controlling), S.15ff.

[6] Vgl. ebenda, S.141ff.

[7] Vgl. Seiter, M.: (ökologische Aspekte), S.1f.

[8] Vgl. Bundesumweltministerium: (Umweltcontrolling),S. 19ff.

[9] Vgl. Neuhaus, D.: (Umweltorientierte Unternehmensführung),S.246.

[10] Vgl. Stehle, A.: (Green Controlling), S.478.

[11] Seiter, M.: (ökologische Aspekte), S.1.

[12] Vgl. Isensee, J./ Michel, U.: (Rolle des Controllers) , S.436.

[13] Vgl. Isensee, J.: (Herausforderung für den Controller), S.2.

[14] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.103f.

[15] Vgl. Internationaler Controllerverein e.V.: (nachhaltiges Business), S.5.

[16] Vgl. Internationaler Controllerverein e.V.: (nachhaltiges Business), S.5.

[17] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.103f.

[18] Vgl. Stehle, A.: (Green Controlling), S.478.

[19] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.112.

[20] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.112f.

[21] Vgl. Isensee, J.: (Herausforderung für den Controller), S.11.

[22] Vgl. Isensee, J.: (Herausforderung für den Controller), S.11.

[23] Vgl. Nidumolu, R, / Prahalad, C.K. / Rangaswami, M.R.: (nachhaltiges Unternehmen), S. 51ff.

[24] Vgl. Isensee, J.: (Herausforderung für den Controller), S.11ff.

[25] Vgl. Isensee, J.: (Herausforderung für den Controller), S.11ff.

[26] Vgl. ebenda, S. 14f.

[27] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.107f.

[28] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.107.

[29] Vgl. ebenda, S.107.

[30] Vgl. Günther, E./ Wagner, B.:(Ökologieorientierung des Controlling), S.148.

[31] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.109ff.

[32] Vgl. Burschel/ Losen/ Wiendl: (Betriebswirtschaftslehre), S. 368ff.

[33] Vgl. Faßbender-Wynands, E.: (Grundlagen des Umweltcontrollings),S.109ff.

[34] Vgl. Günther,E./ Stechemesser,K.: (Instrumente des Green Controlling), S. 421.

[35] Vgl. Loew, T./ Beucker,S./ Jürgens,G.: (Flusskostenrechnung), S.44f.

[36] Vgl. Günther,E./ Stechemesser,K.: (Instrumente des Green Controlling), S. 421.

[37] Vgl. ebenda, S. 421.

[38] Vgl. Horváth, P./ Isensee, J./ Michel U.: (Bedarf einer Integration von ökologischen Aspekten), S.47.

[39] Vgl. Gleich, R./ Gänßlen, S./ Losbichler, H.: (Challenge Controlling), S.142ff.

[40] Vgl. Isensee, J./ Michel, U.: (Rolle des Controllers), S.441.

[41] Vgl. Gleich, R./ Gänßlen, S./ Losbichler, H.: (Challenge Controlling), S.148.

[42] Vgl. Isensee, J./ Michel, U.: (Rolle des Controllers), S.441.

Details

Seiten
57
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656556213
ISBN (Buch)
9783656556305
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265148
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,9
Schlagworte
Umweltcontrolling Ökocontrolling Nachhaltigkeit green controlling Nachhaltigkeitscontrolling

Autor

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