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Gewährleistung für die Echtheit beim Kunstkauf

Seminararbeit 2013 29 Seiten

Jura - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Gewährleistungsrecht
I. Begriff der Echtheit
II. Sachmangel
1. Wirksamer Kaufvertrag
2. Vorliegen eines Sachmangels bei Gefahrübergang
a) Parteivereinbarung
aa) Signatur
bb) Expertise
cc) Abgrenzung zum Spekulationsgeschäft
dd) Katalogangaben
ee) Sonstige Hinweise auf die Echtheit
b) Vertraglich vorausgesetzte Verwendung
c) Gewöhnliche Verwendung und übliche Beschaffenheit
d) Öffentliche Äußerungen
e) Aliud-Lieferung
f) Vorliegen des Mangels bei Gefahrübergang
g) Verdacht der Unechtheit
III. Gewährleistungsausschluss
1. Kenntnis des Käufers vom Mangel
a) § 442 I
b) § 377 HGB
2. Gewährleistungsausschluss durch Individualabrede
3. Ausschluss durch AGB
a) Keine Haftung für Katalogangaben und keine Garantie
b) Gebrauchte Sachen
IV. Rechtsfolgen
1. Nacherfüllung
2. Rücktritt
3. Minderung
4. Schadensersatz
V. Verjährung
1. Verjährung nach § 438
2. Verjährung des § 377 HGB
VI. Besonderheiten beim Verbrauchsgüterkauf

C. Ausblick: Konkurrenzen zum Anfechtungsrecht

D. Abschließende Betrachtung

Abk ü rzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Übrigen wird ergänzend auf Kirchner, Hildebert; Butz, Corneli e: Abkürzungsverzeichnis der Rechtssprache, 5. Aufl., Berlin 2002, hingewiesen.

Literaturverzeichnis

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W ü rtenberger, Thomas: Der Kampf gegen das Kunstfälschertum in der deutschen und schweizerischen Strafrechtspflege, Wiesbaden 1951

A. Einleitung

Kunst und Recht stehen in einem Spannungsverhältnis. So sagt man.1 Künstler rühmen sich damit, auf starre Regeln zu verzichten oder sogar Kunst will frei sein. Aber muss man sich deswegen in der Rechtswissenschaft zwangsläufig mit schwammigen und undefinier- ten Begriffen abfinden? Ein solcher Umgang wäre unpraktisch und realitäts- fern. Kunst wird nicht nur ideell betrachtet, sondern auch schlicht ge- und verkauft. Natürlich ist es nicht leicht, Kunst und was sie ausmacht zu defi- nieren, doch kann man wie die folgende Arbeit zeigen möchte den Kunstkauf mithilfe der abstrakten Normen des BGB beleuchten und Probleme der Unechtheit im rechtlichen Kontext lösen. Denn wenn der ge- kaufte Nolde2, sich als falscher Nolde entpuppen sollte und ihn der Käufer, obwohl er vormals vielleicht von der Schönheit des Bildes überzeugt war, schnellstmöglich loswerden möchte, ist es Aufgabe des Rechts, die wider- streitenden Interessen der Beteiligten in Ausgleich zu bringen.

Die meisten Kunstwerke sind eng mit ihren Urhebern verknüpft. So spricht man beispielsweise nicht nur von dem Mädchen mit dem Perlenohring von Jan Vermeer, sondern von einem Vermeer, einem Rembrandt, einem Picasso, einem Dalí. Fehlt eine bestimmte Urheberschaft, verliert ein Bild nicht nur an Charakter, sondern auch an Wert. Hier muss der Käufer durch das Recht geschützt werden. Nicht zuletzt lässt sich die Praxisrelevanz nicht absprechen, wenn man annimmt, dass etwa bis zu 60 Prozent3 aller auf dem Markt gehandelten Kunstwerke gefälscht sind.

Diese Aspekte sprechen dafür, sich im Folgenden mit der Gewährleistung für die Echtheit beim Kunstkauf eingehender zu beschäftigen.

B. Gewährleistungsrecht

I. Begriff der Echtheit

Um eine genauere Auseinandersetzung mit dem Gewährleistungsrecht zu ermöglichen, soll zunächst eine Definition von Echtheit gefunden werden.

Traditionell ist unter der Echtheit eines Kunstwerks vor allem das Herrühren von einem bestimmten Urheber bzw. die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Epoche oder Stilrichtung zu sehen.4

Leicht wird eine Fälschung als unecht angesehen. Sie umfasst begrifflich das Nachbilden eines bereits bestehenden Kunstwerkes in der betrügeri- schen Absicht, vorzuspiegeln, es handle sich um ein bestimmtes Werk eines bestimmten Künstlers.5 Nachahmungen beispielsweise zu Übungszwecken sind daher mangels Betrugsabsicht von vornherein ausgenommen. Ebenfalls unecht sind aber auch Werke, die im Stile eines Künstlers neu geschaffen werden, ohne dass das Werk von dem betreffenden Künstler stammt.6 Ein uvre des Künstlers in betrügerischer Absicht hinzugefügt.7 Auch hier ist zu trennen von Nachahmungen im Stile des Künstlers X, die offen als solche bezeichnet werden und somit nicht unter das Merkmal der Unechtheit fallen.

Zur Schärfung des Echtheitsbegriffs haben sich in der Rechtswissenschaft zwei wesentliche Ansätze herausgebildet. Wie allgemein vorangestellt, ist ein Kunstwerk dann echt, wenn die zugewiesene Herkunft mit der tatsächlichen Herkunft identisch ist.8 Strittig ist dabei, ob die Herkunft sich aus dem Werk selbst oder aus der äußeren Zuschreibung ergibt.

W ü rtenberger vertritt den werkimmanenten Ansatz, nach welchem er ein Kunst - einstimmt, was es nach seiner äußeren Gestaltung zu sein vorgibt.9 Diese Ansicht scheint besonders für Werke plausibel, die durch eine gefälschte Signatur einem anderen Künstler zugeschrieben werden. Solche Kunstwerke geben vor, von einer bestimmten Person zu stammen, sind aber ihrem We- sen nach ein ganz anderes Werk, da sie einen anderen Urheber haben, die bestimmte Urheberschaft aber untrennbar zum Wesen des Kunstwerkes gehört. Zu Recht wird daran kritisiert, dass das Kriterium des inneren Wesens zu unbestimmt, oder sogar mystisch ist.10

Die von Goepfert geprägte Gegenansicht sieht die Unechtheit deshalb in dem Auseinanderfallen von Zuordnung durch eine begutachtende Person und wirklicher Urheberschaft und Stilepoche des Kunstwerks.11 Nur so könnten auch Kunstwerke, die wegen eines Irrtums von Sachverständigen falsch zugeordnet wurden, als falsch klassifiziert werden. Nach dem werk- immanenten Ansatz wäre dies nicht möglich, da das Werk von sich aus gar nicht vorgäbe, etwas anderes zu sein als es ist. Nach dem zweiten Ansatz ist Echtheit folglich eine dem Kunstwerk von außen zugeordnete Eigenschaft.12 Auch diese Definition kann nicht vollends überzeugen. Zu denken ist an Fälle, in denen kaum kontextspezifische Anhaltspunkte vorliegen. So bei dem unvermittelten Auftauchen eines Kunstwerkes auf einem Flohmarkt. Hier muss notwendigerweise (auch) auf werkimmanente Kriterien zurück- gegriffen werden, um normativ zu entscheiden, welchem Künstler oder wel- cher Epoche der Kunstgegenstand zugeschrieben werden kann.13 Auf der Suche nach einer subsumtionsfähigen Definition dürfen demnach auch werkimmanente Aspekte nicht unberücksichtigt bleiben.

Die beiden Ansätze verbindend ist ein Kunstwerk schließlich echt, wenn seine tatsächliche Herkunft mit der ihm von außen zugewiesenen und seiner aus sich heraus indizierten Herkunft identisch ist.14

Der Vorschlag sich statt an der Echtheit an dem scheinbar objektiveren Be- griff der Originalität zu orientieren15, kann insofern unberücksichtigt blei- ben, als dass sich auch die Echtheit in einem weiteren Schritt nur an den genauen Umständen des Einzelfalls festmachen lässt. Eine Vorverlagerung von Detailfragen, die sich mit dem Grad der Eigenhändigkeit und der Eigenständigkeit beschäftigen ist somit überflüssig.16 Insbesondere Versu- che den Echtheitscharakter an starren Mindestprozentzahlen für eine eigenhändige Mitwirkung des Künstlers festzumachen, vermögen nicht zu überzeugen17, da zum Beispiel bei Bronzegüssen, Künstler in der Ausführung in großem Maße auf die handwerklichen Fertigkeiten anderer angewiesen sind, sodass sie selbst kaum mit dem schließlich entstandenen Werk physisch in Berührung gekommen sind, dieses Defizit in der Ausführung aber durch die kreative Idee im Vorfeld ausgleichen.

Letztlich stellt die gefundene Definition für Echtheit nur eine Hilfe für die juristische Auslegung des Parteiwillens dar. Es muss vielmehr danach ge- forscht werden, wie die Vertragsparteien privatautonom im Einzelfall, eine wie auch immer geartete „Echtheit" eines Kunstwerkes vereinbart haben.

II. Sachmangel

1. Wirksamer Kaufvertrag

Voraussetzung für die Geltendmachung von Gewährleistungsrechten ist ein wirksamer Kaufvertrag, § 43318. Er darf also nicht bereits durch Anfechtung, § 142 I oder aus sonstigen Gründen insbesondere Sittenwidrigkeit, § 138, oder gesetzliche Verbote, wie Exportverbote, § 134, nichtig sein. Bei der im Kunstkauf häufig vorkommenden Form der Auktion kommt der Kaufvertrag klassisch durch Antrag und Annahme zustande, wobei die Annahme durch Zuschlag gem. § 156 erfolgt.

2. Vorliegen eines Sachmangels bei Gefahr ü bergang

Die Unechtheit eines Kunstwerkes ist ein Sachmangel i.S.d. § 434 I.19 Ein Sachmangel liegt allgemein vor, wenn die Ist-Beschaffenheit der Kaufsache nachteilig von ihrer Soll-Beschaffenheit abweicht.20 Im Kunsthandel hat sich dieser subjektive Fehlerbegriff schon vor der Schuldrechtsmodernisie- rung21 durchgesetzt, da es bei Kunstgegenständen grundsätzlich an einer objektiven Vergleichbarkeit mit einem Gegenstand gleicher Art fehlt.22 Fer- ner ist umstritten, ob und inwieweit sich die Beschaffenheit aus Umständen ergeben kann, die der Sache nicht unmittelbar physisch anhaften, sondern außerhalb der Sache selbst liegen.23 Der Gesetzgeber wollte den Beschaffenheitsbegriff weit auffassen, somit beinhaltet dieser auch Bezie- hungen der Sache zur Umwelt im Kunstkauf insbesondere die Wertschät- zung als echtes Werk durch die Betrachter und verlangt lediglich einen Bezug zur Kaufsache.24 Diese Auffassung korrespondiert mit der auch schon im bisherigen Recht gefestigten Rechtsprechung, die Echtheit als Eigenschaft des Kunstwerkes zu werten.25 Folglich kann die Echtheit des Kunstwerks eine Beschaffenheit der Sache sein, bei deren Fehlen ein Man- gel begründet wird.

a) Parteivereinbarung

Gem. § 433 I 2 ist der Verkäufer dazu verpflichtet dem Käufer die Sache frei von Sachmängeln zu verschaffen. Dieser Erfüllungsanspruch des Käu- fers richtet sich primär danach, welche Beschaffenheit die Vertragsparteien vereinbart haben, § 434 I 1. Zur Beschaffenheit gehören alle wertbildenden Faktoren, nicht aber der Wert selbst.26 Die Parteien können die Echtheit ausdrücklich oder konkludent durch schlüssiges Handeln vereinbaren. Darüber hinaus kann eine Garantie für die Echtheit durch den Verkäufer übernommen werden. Dieser haftet dann verschuldensunabhängig.27 Das Fehlen einer Garantie schließt eine Beschaffenheitsvereinbarung nicht aus. Umgekehrt jedoch kann für eine Eigenschaft, die durch Garantie zugesichert wurde, davon ausgegangen werden, dass sie auch Bestandteil der Beschaf- fenheitsvereinbarung wurde.28

aa) Signatur

Zuerst ist bei einem Kunstkauf die Signatur des Werkes ein Hinweis auf den Urheber und damit die Echtheit des Bildes. Demzufolge kann man ei- nem Verkäufer, der ein signiertes Kunstwerk verkaufen will, unterstellen, gerade ein Werk des signierenden Künstlers zum Vertragsinhalt machen zu wollen. Es sei denn, er äußert selbst Zweifel an der Echtheit der Signatur.29 So nahm schon das Reichsgericht bei einer zwar von Hans Thoma signierten aber nicht von ihm selbst angefertigten Lithografie einen Sachmangel an.30

bb) Expertise

Die Frage, ob auch der Inhalt einer Expertise31, die dem Käufer vorgelegt wurde, zum Gegenstand der Beschaffenheitsvereinbarung werden kann, wird kontrovers diskutiert.

Nach wohl überwiegender Ansicht32 möchte der Verkäufer, der die Echtheit auf Expertisen stützt, gerade auch für diese Eigenschaft einstehen und stützt sich, um seine Aussage, das Bild stamme von dem betreffenden Künstler, zu untermauern auf das Urteil eines Sachkundigen.

Nach anderer Ansicht33 stellt die Expertise nur das separate Urteil eines Sachverständigen dar, dem man als Käufer vertrauen kann oder eben nicht. Auch könne man in dem Verweis auf die Expertise gerade die Unsicherheit des Verkäufers über die Herkunft des Werks ablesen und seinen Willen ein Risiko für die Unechtheit nicht übernehmen zu wollen. Diese Sicht kann nicht überzeugen, da vor allem beim Vorliegen mehrerer Expertisen doch mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit von den Vertragsparteien davon ausgegangen wird, die Kaufsache sei echt. Dies schlägt sich auch darin nie- der, dass der Verkäufer bei einer hohen Gewissheit, einen hohen Kaufpreis ansetzen wird, den der Käufer im Vertrauen auf die Expertisen bereit ist zu zahlen. Ein Verkäufer, der eine Expertise vorlegt, stützt damit die (zumin- dest stillschweigende) Vereinbarung, das Bild sei echt.

cc) Abgrenzung zum Spekulationsgesch ä ft

In diesem Zusammenhang wird die Abgrenzung zum sogenannten Spekula- tionsgeschäft relevant. Hofft der Käufer lediglich auf die Echtheit des Wer- kes, kann keine Beschaffenheitsvereinbarung angenommen werden. Die Unsicherheit des Geschäfts spiegelt sich meist in einem niedrigen Kaufpreis wider, wodurch Verkäufer und Käufer gleichermaßen signalisieren, dass die Echtheit des Werks zwar möglich, aber nicht sicher ist. Insbesondere will der Verkäufer hier nicht für die Echtheit einstehen müssen, was der Käufer hinnimmt, um möglicherweise günstig eine Trouvaille zu machen. Der Preis des Kunstwerkes gibt sonach Anhaltspunkte für die Auslegung der Willens- erklärungen von Käufer und Verkäufer. Vornehmlich im Zusammenhang mit Werken alter Meister hat die Rspr. festgestellt, dass einem derartigen Kauf immer etwas Spekulatives anhafte.34 Allerdings ist die Unsicherheit bei Kunstwerken neuerer Zeit relativ gering.35 Unabhängig davon gibt es gleichfalls im Schrifttum Stimmen, die einen Kunstkauf generell, insbeson- dere, wenn es sich um Werke alter Meister handelt, als Spekulationskauf auffassen.36 Hier kommt es darauf an, wie man den Kunstkauf insgesamt klassifizieren möchte.

Nach der genannten Sichtweise, könne es über die Urheberschaft alter Kunstwerke kaum je Gewissheit geben, es gebe allenfalls verschiedene Abstufungen eines Verdachts der Urheberschaft. So erscheint beispielsweise ein mittelalterlicher Künstler wahrscheinlicher als ein anderer, weil er eine Vorliebe für einen bestimmten Farbton hatte etc. Nach anderer Ansicht ist der Kunstkauf kein per se gewagtes Spekulations- geschäft.37

[...]


1 Vgl. statt vieler Mangold, S. 25 ff.

2 Die Aquarelle von Emil Nolde wurden zu beliebten Motiven vieler deutscher Kunstfälscher. So hat z.B. Edgar Mrugalla nach eigenen Angaben etwa 600 NoldeAquarelle gefälscht. Siehe Braun, S. 53

3 Die Schätzungen weichen sehr voneinander ab. Für 40 % planet-wissen.de; für 60 % wikipedia.de für 1-10% Thomsen, S. 1.; für 40 bis 60 % Mangold, S. 71

4 Vgl. Heinbuch, NJW 1984, 16; v. Westerholt/Graupner, NJW 1978, 794.

5 Jacobs, GRUR 2013, 9.

6 Als Beispiele sind die zahlreichen Aquarelle in der Malweise Emil Noldes zu nennen.

7 Jacobs, GRUR 2013, 9.

8 Vgl. auch v. Br ü hl, Siehr-FS, S. 304.

9 W ü rtenberger, Der Kampf gegen das Kunstfälschertum in der deutschen und schweizerischen Strafrechtspflege, S. 8 f.

10 Vgl. Goepfert, S. 27; Gerlach, S. 17

11 Vgl. Goepfert, S. 27

12 So auch Schack, Rn. 22

13 Vgl. v. Br ü hl, Siehr-FS, S. 306

14 Für eine solche Synthese von werkimmanenten und werkkontextualen Gedanken auch v. Br ü hl, Siehr-FS, S. 307

15 Gerlach, S. 17 ff.

16 Entgegen Gerlach, Schack. Allenfalls bei der sog. ars multiplicata (seriellen Kunst) kann es sinnvoll sein, bereits in die Echtheitsdefinition Aspekte einer erforderlichen Eigenhändigkeit durch den Künstler aufzunehmen.

17 So wurde bspw. für antike Möbel vorgeschlagen, einen Original-Charakter ab einer Restaurierung, die über 15 % der Gesamtfläche ausmache, zu verneinen. Vgl. Goepfert, S. 45

18 Alle Paragraphen ohne Angabe sind solche des BGB.

19 Staudinger- Matusche-Beckmann, § 434 Rn. 165.

20 Larenz, Schuldrecht II/1, § 41 I a.

21 Gesetz zur Modernisierung des Schuldrechts vom 26. November 2001 (BGBl. I S. 3138), in Kraft getreten zum 1. Januar 2002.

22 Vgl. K ö nig, S. 175; auch die Rspr. schloss sich der subjektiven Fehlertheorie der Lit. für den Mangel von Kunstgegenständen an, siehe nur RGZ 135, 339 (Van Riusdael), RGZ 97, 351 (Stradivari)

23 Vgl. M ü ller-Katzenburg, NJW 2006, 553 (554).

24 Vgl. Looschelders, Schuldrecht BT, § 4 Rn. 38 m.w.N.

25 Vgl. statt vieler BGHZ 63, 369 (Jawlensky); OLG Hamburg, MDR 1967, 124 (Burra)

26 Vgl. Schack, Rn. 381; K ö nig, S. 176; für den Wert zumindest als Anfechtungsgrund in wenigen Ausnahmefehlen siehe Mayer-Maly, Pedrazzini-FS, S. 343 ff.

27 Die Garantie für eine bestimmte Beschaffenheit der Sache ist durch das Schuldrechtsmodernisierungsgesetz gesetzlich geregelt, siehe §§ 443 I, 276 I 1

28 Vgl. Wertenbruch, NJW 2004, 1977 (1978)

29 Vgl. Heinbuch, NJW 1984, 15 (16)

30 RGZ 114, 239; vgl. auch Thomsen, S. 68

31 „Unter Expertise (Gutachten, Attest) versteht man im Kunst- und Antiquitätenhandel die in der Regel schriftlich und gegen Entgelt erteilte Auskunft eines Sachverständigen - z.B. eines Kunsthistorikers, Museumsdirektors, Sammlers, Händlers, Naturwissenschaftlers - über Echtheit, Urheberschaft oder andere wesentliche Eigenschaften eines Sammlungsobjekts.", s. Katz, S. 24

32 K ö nig, S. 176; v. Westerholt/Graupner, NJW 1978, 794 (795); Reimer, GRUR 1975, 614 (615).

33 Flume, JZ 1991, 633 (635); L ö hr, GRUR 1976, 411 (412).

34 Heinbuch, NJW 1984, 15 (16);

35 Vgl. Locher, S. 127; Zwar können natürlich auch zeitgenössische Werke täuschend echt gefälscht werden, doch fällt es hier oftmals schon im Vorfeld leichter Erkundigungen, vielleicht sogar beim Künstler selbst über die Authentizität des Kaufgegenstandes einzuholen.

36 Vgl. nur Mangold, S. 163; Heyers, GRUR 2012, 1206, (1208); in der Tendenz auch Heinbuch, NJW 1984, 15.

37 Goepfert, S. 40

Details

Seiten
29
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656544913
ISBN (Buch)
9783656545385
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265024
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
10 Punkte
Schlagworte
gewährleistung echtheit kunstkauf

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