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Literaturepoche Neue Sachlichkeit: Ein Überblick

Literatur der Weimarer Republik

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Begriffserklärung Neue Sachlichkeit

3. Politische Hintergründe
3.1 Weimarer Republik
3.2 Schriftstellerorganisationen
3.3. Das Schund- und Schmutzgesetz

4. Merkmale der Neuen Sachlichkeit
4.1. Inhalte und Themen
4.2. Sprache
4.3. Erscheinungsform - Prosa
4.4. Erscheinungsform - Lyrik
4.5. Erscheinungsform - Drama

5. Abgrenzung zum Expressionismus

6. Bedeutende Vertreter und Werke

7. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich gern einen Satz von Egon Erwin Kisch (Vorwort aus „Der rasende Reporter“), auf den ich während meiner Recherchen stieß, zitieren ,,Nichts ist verbl ü ffender als die einfache Wahrheit, nichts ist exotischer als unsere Umwelt, nichts ist fantasievoller als die Sachlichkeit. Und nichts Sensationelleres in der Welt gibt es, als die Zeit, in der man lebt."1

In diesem Satz ist der Reiz, den die Neue Sachlichkeit auf mich ausübte, in einfachen und klaren Worten niedergeschrieben. Keine Schnörkel und Ausschmückungen, sondern Fakten, die aussagekräftiger sind als jede überlagerte literarische Darstellung.

Aber warum weckte das Thema mein Interesse? In meiner Schulzeit lasen wir neben Stücken anderer Epochen, eben auch Stücke, welche in die Zeit der Weimarer Republik fielen. Rückblickend betrachtet, hatte ich gerade beim Lesen dieser Stücke eine große Freude, da mich die Einfachheit der Sprache und ihre immense Wirkung auf den Lesern beeindruckte. Allerdings fand zu meinem Bedauern keine tiefergehende Betrachtung der geschichtlichen Hintergründe bzw. der Merkmale der Epochen statt, die meiner Meinung nach das Verstehen des Werkes erheblich erleichtert hätten.

Aus diesem Grund erhoffe ich mir,mit dieser Arbeit, meine Lücken hinsichtlich dieser Aspekte zu schließen und mit wachsameren Augen die Stücke dieser Zeit zu lesen.

Ich möchte zu bedenken geben, dass diese Arbeit lediglich einen Abriss der Epoche darstellt, da eine tiefgehendere Betrachtung ihren Rahmen sprengen würde.

2. Begriffserklärung Neue Sachlichkeit

Der Begriff Neue Sachlichkeit ist die Bezeichung einer Epoche in der Kunst sowie Literatur und als Reaktion auf den Expressionismus und Dadaismus zu verstehen. Das Hauptmerkmal dieser Epoche, welches ich im Verlauf der Arbeit näher ausführen werde, ist die objektive Betrachtung der gesellschaftlichen und politischen Situation im Lande. Ferner war die Bedeutung des Geschriebenem von größerer Wichtigkeit als die Wahl der Worte oder das äußere Erscheinungsbild.

In den Goldenen Zwanzigern der Weimarer Republik war die Neue Sachlichkeit die vorherrschende Strömung in der Literatur.

Bevor ich auf die einzelnen Merkmale der Epoche eingehe, möchte ich zunächst einen Überblick über die politische Lage in Deutschland zwischen 1919 und 1932 geben.

3. Politische Hintergründe

3.1 Weimarer Republik

Die Neue Sachlichkeit ist der Epoche der Weimarer Republik, sprich den Jahren 1919 bis 1932 zuzuordnen. Die Ausrufung der Republik hatte neben den Erinnerungen an den ersten Weltkrieg den größten Einfluss auf die Autoren dieser Zeit.

Die Weimarer Republik lässt sich in drei Phasen aufteilen:

1. Krisenjahre
2. Goldenen Zwanziger
3. Weltwirtschaftskrise

Die Anfangsjahre der Weimarer Republik (1919-1923) gestalteten sich schwierig und können als Krisenjahre bezeichnet werden. Ausbleibende Reparationszahlungen (Versailler Vertrag) führten dazu, dass das Ruhrgebiet durch die Franzosen besetzt wurde. Auf Grund der politischen Situation im Lande herrschte im Volk große Unzufriedenheit, welches sich vorallem in Aufständen und Generalstreiks niederschlug. Die Inflation, die nach dem Ende des ersten Weltkrieges kräftig angekurbelt wurde, verwandelte sich in eine galoppierende Inflation und das Geld verlor täglich an Wert. Die Regierung agierte und stellte die Währung um - die Deutsche Mark wurde eingeführt.

1923 kann als das härteste Jahr der Weimarer Republik bezeichnet werden. Unter der Führung von Adolf Hitler versuchten die Rechten, mit Hilfe eines Putsches in Berlin, die Regierung zu stürzen. Allerdings konnte durch militärische Hilfe dieser Versuch vereitelt werden. Nach diesen Geschehnissen beruhigte sich die Situation im Lande und im Jahr 1924 brachen die goldenen Zeiten der Weimarer Republik an.

Deutschland söhnte sich mit Frankreich aus und erreichte eine Neuregelung der Reparationszahlung, welche zuvor jeglichen wirtschaftlichen Wachstum unmöglich gemacht hatten. „ Des Weiteren gab man den Sicherheitsbestrebungen Frankreichs nach und unterzeichnete den Locarnovertrag “.2 Auch England und Amerika waren nun bereit mit Deutschland zusammzuarbeiten. Amerika bewilligte Deutschland Kredite, mit denen der Neuaufbau des Landes bewerkstelligt werden konnte. Dies gelang so gut, dass das Land innerhalb kurzer Zeit internationales Ansehen in diversen Bereichen, z.B. Forschung, gewann. So ging unter anderem der Nobelpreis im Jahr 1922 an Albert Einstein und das Telefon, Rundfunk und das Fernsehen wurden durch deutsche Entwickler erfunden. Deutschlands Wirtschaft wuchs täglich und im Volk herrschte eine gewisse Zufriedenheit.

Jedoch endete die goldene Zeit an einem Freitag (24.10.) im Jahr 1929, welcher als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte einging. Der Börsencrash in New York führte dazu, dass sich die Weltwirtschaft erheblich verschlechterte. Die Arbeitslosenquote stieg rapide an und die nationalsozialistische Partei fand mit ihren Versprechungen Gehört beim Volk. Politische Entscheidungen waren durch die Vielzahl von Parteien und unterschiedlichen Standpunkten nicht mehr möglich. Die Verzweiflung und Unzufriedenheit machte sicht nicht nur im deutschen Volk breit, sondern auch in der Regierung. „ Am 27. M ä rz 1930 trat das Kabinett, die letzte von einem Sozialdemokraten gef ü hrte Reichsregierung, zur ü ck. “ 3 Hindenburg strebte durch die Bildung einer Minderheitenregierung eine Auflösung des Reichstages an. Im Jahr 1932 spitzte sich die politische Situation in Deutschland zu. Obwohl Hindenburg das Amt des Reichspräsidenten innehatte, gewann Adolf Hitler beim Volk immer größeren Zuspruch. Bei den Reichstagswahlen erhielt die NSDAP über 37 Prozent der Wählerstimmen und stellte damit die größte Reichtstagsfraktion. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzeler ernannt und damit das Ende der Weimarer Republik besiegelt.

Sicherlich stellt dies nur einen kurzen Abriss der deutschen Geschichte zwischen 1919 und 1932 dar, jedoch sind zur weiteren Betrachtung der Literaturepoche, unter Beachtung des Rahmens dieser Arbeit, keine weiteren Kenntnisse erforderlich. Im Nachfolgenden möchte ich zwei Aspekte aufzeigen, die das Leben der Autoren in der Weimarer Republik stark beeinflusst haben.

3.2 Schriftstellerorganisationen

Nach dem Ende des ersten Weltkrieges und der Gründung der Weimarer Republik, ging ein Ruck durch die Bevölkerung. Dieses wurde sogar noch weiter durch den technischen Wandel, der gerade in diesen Jahren einen regelrechten Boom erlebte, verstärkt. Die Litertur, die einst von ausgewählten Personen gelesen wurde, verwandelte sich in ein Massenprodukt. Durch die gesteigterte Nachfrage an Büchern, erhöhten die Verlage den Druck auf die Autoren. Die bereits bestehenden Schriftstellerverbände SDS (Schutzverband deutscher Schriftsteller) und der internationalen Pen-Club (poets essayists novelists) vertraten die Autoren hinsichtlicher politischer als auch ökonomischer Interessen. Die Hauptaufgabe der Verbände war es, dass staatliche Eingreifen in die Literatur zu verhindern.

Dies gelang jedoch nur bis zu einem gewissen Grad, da durch den Reichstag das Schund- und Schmutzgesetz verabschiedet wurde, welches ich nun erläutern möchte.

3.3. Das Schund- und Schmutzgesetz

In den 20er Jahren war in Deutschland die breite Masse des Volkes alphabetisiert. Dies hatte zur Folge, dass Groschenromane und andere leichte Literatur einen Boom erfuhren. In dunkle Welten abzutauchen, Kriminalfälle aufzuklären oder aber über die erotische Beziehung eines jungen Paares zu lesen - all dies waren Themen, die dem lesehungrigen Volk in die Hände fielen. Die Lust am Lesen rief jedoch auch Kritiker auf, die die Verdummung des deutschen Volkes befürchteten. Nach zahlreichen Debatten legte die bürglicher Mehrheit des Bildungsausschusses 1925 einen Gesetzesentwurf vor, dem am 03.Dezember 1926 stattgegeben wurde- das Schund- und Schmutzgesetz wurde vom Reichstag verabschiedet. Zur Einhaltung dieses Gesetzes sollten Prüfungsausschüsse aus Vertretern der Kultur, der Medien und der Jugendpflege gebildet werden, die wiederum dafür zuständig waren sogenannte Schundlisten zu erstellen. Hierbei wurde in zwei Kategorien unterteilt, zum Einen gab es die indizierten Büchen, sprich diejenigen, die nicht mehr verkauft werden durften und zum Anderen Bücher, die nicht mehr an unter 18-jährige Personen ausgegeben werden durften. Die Crux an der Sache für die Schriftsteller war jedoch, dass eine genaue Definition, was unter Schund- bzw. Schmutzliteratur zu verstehen ist, im Gesetz nicht niedergeschrieben wurde. Somit erhielten die Ausschüsse einen erheblichen Auslegungsspielraum, der die freie Meinungsäußerung und schriftstellerische Freiheit erheblich einschränkte. Für eine Indizierung reichte es beispielsweise aus, wenn der Autor die Beine der beteiligten Frau, an einem Liebesakt, beschrieb.

Theodor Heuss, einer der Mitbegründer des Schund-und Schmutzgesetzes äußerte sich in einer Reichtagsrede 1927 folgendermaßen zum Gesetz:

„ Was und wen dieses Gesetz treffen soll, ist jene Literatur der Unterwelt, sind jene in der Schuljugend verbreiteten billigen und schlecht gedruckten Hefte, die durchaus nicht „ unsittlich “ sind im landl ä ufigen Sinne des Wortes, sondern durch ihre verlogene Phantasie, ihre sprachliche Minderwertigkeit, ihr falsches Heldentum, ihre gek ü nstelten Abenteuer, eine ungesunde Tr ü bung der Welterkenntnis und eine Verwirrung ethischer sowie auch geschmacklicher Werte in sich schlie ß en. Wenn es nicht zu phatetisch oder sentimental klingt: Es gibt nicht nur eine Sozialpolitik der Tarifvertr ä ge, sonder es gibt auch eine Sozialpolitik der Seele “ 4

Das Schund- und Schmutzgesetz entwickelte sich über die Jahre zu einem Instrument der Willkür. Autoren begannen sich hinter Pseudonymen zu verstecken oder zogen ins Ausland. Eine Pressefreiheit war zwar in der Weimarer Verfassung garantiert, fand jedoch lediglich Bestand auf dem Papier. Diese Willkür wird vorallem dadurch deutlich, dass die Maßnahmen hauptsächlichen politisch linksgerichtete Autoren betraf. Autoren die sich politisch rechts orientierten, blieben von einer Indizierung oder Altersbeschränkung verschont.

4. Merkmale der Neuen Sachlichkeit

4.1. Inhalte und Themen

Die Themen dieser Literaturepoche entsprachen dem damaligen Zeitgeist und wurden von mir als Sechseck dargestellt: Technik/ Industrie Großstadt (Berlin ist die drittgr öß te Stadt der Welt) Wirtschaft Arbeitslosigkeit Krieg allgemeine Lebensumstände Betrachtet man diese Grafik wird einem deutlich, dass die Literatur der Neuen Sachlichkeit für den Bürger geschrieben wurde. Die Themen geben ein Spiegelbild der gesellschaftlichen und politischen Situation im Lande wider und ermöglichen es dem Leser, in das Buch „einzutauchen“, welches noch durch die verwendete Sprache verstärkt wurde.

4.2. Sprache

Die Sprache, die in der Literatur der Neuen Sachlichkeit verwendet wurde, war objektiv.

Dies bedeutet, es wurden keine Gefühle beschrieben, sondern lediglich Fakten nüchtern aufgeführt. Grund für dieses Vorgehen war der Wunsch der Autoren, mit einem Minimum an Sprache, ein Maximum an Aussagekraft an den Leser zu bringen. Demnach steht die Bedeutung eines Textes vor der Form.

Ferner wurde eine verständliche Sprache verwendet, da die Literatur für jedermann zugänglich sein sollte. Die Autoren bedienten sich häufig der Reportageform für ihre Texte, da diese nahezu prädestiniert war zur Umsetzung der angestrebten Ziele.

Neben den bereits genannten Punkten verwendeten die Autoren der Neuen Sachlichkeit auch das Stilmittel der Montagetechnik. Hierbei wurden verschiedene Textsorten miteinander verknüpft, um die Schnelllebigkeit der damaligen Zeit zu verdeutlichen.

Blicken wir nun, nach den Merkmalen der Neuen Sachlichkeit, zu den Erscheinungsformen dieser Epoche.

[...]


1 GRIN Verlag GmbH (2001): Hausarbeiten.de; http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/100656.html (08.10.2013, 17:45 Uhr)

2 http://www.abipur.de/referate/stat/654860074.html, 30.09.2013, 15:43 Uhr

3 ebd.

4 Heuss, Theodor (1927): Reichstagsrede vom 27.11.1926. In: Verhandlung des Deutschen Reichstags. III. Wahlperiode. Stenographische Berichte Bd. 391. Berlin, S. 8234

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656545026
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265023
Note
Schlagworte
literaturepoche neue sachlichkeit überblick literatur weimarer republik

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Titel: Literaturepoche Neue Sachlichkeit: Ein Überblick