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Der gute Sozialarbeiter unter besonderer Berücksichtigung der "Ehrfurcht vor dem Leben" Albert Schweitzers

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Ethik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffliche Grundlagen in der Sozialen Arbeit
2.1 Gewissen
2.2 Mitleid
2.3 Moral
2.4 Ethik
2.5 Ethik und Moral in der Sozialen Arbeit

3. Ethisches Konzept Albert Schweitzer
3.1 Biografie Albert Schweitzer
3.2 Die Ehrfurcht vor dem Leben
3.3 Was bedeutet das für die Soziale Arbeit

4. Fallbeispiel
4.1 Falldarstellung
4.2 Fallreflexion

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im beruflichen Alltag eines Sozialarbeiters gibt es oft Situationen, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Das ethische Bewusstsein als notwendiger Teil seiner beruflichen Arbeit spielt hierbei eine nicht unwesentliche Rolle. In Konfliktsituationen stellt dieser sich häufig die Frage nach der ‚richtigen Entscheidung’.

Sind meine Entscheidungen die ich aus der Gewohnheit heraus treffe richtig oder sollte ich ethische Entscheidungshilfen hinzuziehen?

Welche Möglichkeiten habe ich im Zuge des Werteverlusts in unserer modernen und anonymen Gesellschaft, Werte und Normen zu regenerieren, um von der Gesellschaft ausgeschlossene oder benachteiligte Menschen wieder einzugliedern?

In der Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Der gute Sozialarbeiter unter besonderer Berücksichtigung der Ehrfurcht vor dem Leben’ möchte ich klären, welche ethischen Voraussetzung für die Arbeit eines guten Sozialarbeiters ausmachen und welche Entscheidungshilfen herangezogen werden können. Grundlage dieser Arbeit ist das Buch „Die Ehrfurcht vor dem Leben“ von Albert Schweitzer.

Beginnen werde ich mit der Erklärung fester ethischer Begriffe, die im Rahmen meiner Arbeit eine Rolle spielen. Dabei werde unter anderem eine Definition der häufig synonym verwendeten Begriffe ‚Moral’ und ‚Ethik’ vornehmen. Im Anschluss daran werden die unterschiedlichen ethischen Sichtweisen dargestellt.

Im Anschluss widme ich mich dem Thema Albert Schweitzer und seiner Theorie der Ehrfurcht vor dem Leben, welche im Leben jedes Einzelnen und besonders der Sozialen Arbeit in Entscheidungssituationen behilflich sein kann. Abschließend möchte ich die sich hieraus entwickelten ethischen Prinzipien für die Soziale Arbeit herausarbeiten

Im folgenden Kapitel werde ich ein Fallbeispiel aus meinem Orientierungs-praktikum darstellen und dieses im Zusammenhang mit Schweitzers Konzept der Ehrfurcht vor dem Leben reflektieren.

Zum Abschluss folgt ein persönliches Fazit, welches zusammenfassend die Bedeutung der ethischen Urteilsfindung für die Soziale Arbeit beurteilen soll. Mit meiner Arbeit möchte ich herausfinden, ob die Theorie Albert Schweitzers der Ehrfurcht vor dem Leben mit der heutigen Arbeit eines Sozialarbeiters vereinbar ist oder ob diese in unserer heutigen Zeit nur modifiziert anwendbar ist.

2. Begriffliche Grundlagen in der Sozialen Arbeit

Um die allgemeine und besondere Bedeutung von Ethik und Moral in der Sozialen Arbeit verstehen und klären zu können, möchte ich zunächst auf wichtige Grundbegriffe eingehen, die in Schweitzers Konzept eine übergeordnete Rolle spielen und für einen guten Sozialarbeiter von Bedeutung sind und welche dessen Arbeitsfeld mittel- und unmittelbar betreffen.

2.1 Gewissen

Der Begriff Gewissen steht für die „Fähigkeit des Menschen, seine Urteile, Gedanken und Handlungen an einem eigenen inneren moralischen Maßstab zu messen bzw. zu orientieren.“[1] Es begleitet den Menschen ohne willentliche Steuerung und wird in erster Instanz auf emotionaler Ebene, zum Beispiel als schlechtes Gewissen, empfunden. Von dieser Ebene aus ist es erst möglich, das Handeln inhaltlich zu identifizieren und zu analysieren. Diese Möglichkeit wiederum wird durch die spezifischen kognitiven Fähigkeiten des Individuums, den moralischen Horizont, bestimmt. Durch diesen ist der Einzelne zu moralischer Beurteilung und richtendem Bewusstsein befähigt. Der Begriff des Gewissens beinhaltet auch das moralische Gefühl der Unlust, das sich bemerkbar macht, wenn der Einzelne dem zuwiderhandeln versucht, was er für unrichtig hält und nicht seinen ethischen Prinzipien entspricht. Letztendlich besteht es aus einer Vielzahl „kollateraler Assoziationen“[2] wie Mitgefühl, Liebe, Furcht, religiösen Gefühlen und Normen, Kindheitserinnerungen u. ä.

Das demokratische Recht erkennt das Gewissen als letzte moralische Entscheidungsinstanz an, insofern die begründeten Güter- und Rechts-ansprüche anderer nicht gefährdet oder verletzt werden.

2.2 Mitleid

Mitleid existiert auf verschiedenste Weise. Es kann direktes Mitleiden mit Anderen verstanden werden, die sich in Notsituationen befinden. Es ist ursächlich entweder pathologisch oder vernunftbegleitet. Letzteres kann mit Barmherzigkeit gleichgesetzt werden und zieht stets eine Hilfeangebot nach sich, das pathologische Mitleid „kann hingegen eine Trennung von Gefühl und Handlung mit sich führen“[3] und zum Ausbleiben der Hilfehandlung führen.

Schopenhauer betrachtet das Mitleid neben dem Egoismus und der Bosheit als 3. Grund-Triebfeder menschlichen Handelns und definiert es als das „welches das fremde Wohl will“[4] und bis zum Edel- oder Großmut geht. Er zitiert und stimmt in seinem Werk „Über die Grundlage der Moral“ auf Seite 109 Rousseau zu, der in seinem Werk „Emile“ schreibt, dass der Mensch sich nicht denjenigen widmet, die glücklicher sind als er, sondern denjenigen, die zu bedauern sind.

Nietzsche hingegen betrachtet Mitleid als Ballast, welchen der Mitleidende sich auflädt und den strebenden Menschen ausbremst und zu dessen Scheitern beiträgt. Es wird damit zum „Multiplikator des Elends“[5].

2.3 Moral

Schopenhauer sieht als Grundlage der Moral, „ daß mancher hilft und giebt, leistet und entsagt, ohne in seinem Herzen eine weitere Absicht zu haben, als daß dem Andern, dessen Noth er sieht, geholfen werde.“[6]

Er definiert diese Grundlage mit der Abwesenheit aller egoistischen Motivation und der Erzeugung einer „gewissen Zufriedenheit mit uns selbst“[7], dem „Beifall des Gewissens“[8]. Hierzu stellt er einige Prämissen für moralisches Handeln auf. So kann laut Schopenhauer keine Handlung ohne zureichendes Motiv geschehen, diese kann jedoch unterbleiben, wenn ein stärkeres Gegenmotiv existiert. Jedes Handlungsmotiv muss eine Beziehung auf Wohl und Wehe haben, welches sich auf ein empfängliches Wesen bezieht. Dieses Wesen ist an der Handlung der passiv beteiligt, sonst wäre die Handlung egoistisch und damit nicht mehr moralisch, da sich nach Schopenhauers Auffassung „ Egoismus und moralischer Werth einer Handlung schlechthin“[9] ausschließen.

In unseren modernen Gesellschaft wird der Begriff der Moral in zweifacher Hinsicht gebraucht: einerseits beinhaltet er „ein festes Muster an Verhalten, das von einer bestimmten Gruppe von Menschen geteilt wird“[10], deren Sitten. Sitten und Gebräuche sind Inhalte der Moralistik. Andererseits schließt der Begriff Moral „diejenige Einstellung und Haltung, die von einem Menschen erwartet wird“[11] ein. Letzteres impliziert die Tendenz zur Verallgemeinerung. Eine gesellschaftlich geforderte Norm wird auf alle übertragen, jedes Individuum der Gruppe wird zur Übernahme dieser aufgefordert, aus Sitte wird Sittlichkeit.

2.4 Ethik

Die Sittlichkeit ist Schwerpunkt des Fachgebiets der Ethik. Der Begriff der Sittlichkeit ist eng mit dem der Moral verbunden.

Ethik stammt aus dem Griechischen und wird heute als „ethische, moralische Norm; Grundsatz, Wert, der für das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft grundlegend ist“[12] definiert und besitzt rein normativen Charakter. Dieser bestimmt letztlich über moralisches und unmoralisches Verhalten, was die Moralistik nicht kann, da diese eine deskriptive Wissenschaftsmethode ist.

2.5 Ethik und Moral in der Sozialen Arbeit

Die besondere Bedeutung der beiden Begriffe basiert nicht allein auf deren theoretischen Überlegungen, sondern auf der praktischen Umsetzbarkeit dieser. Um einen Menschen aktive und professionelle Hilfe anbieten zu können, benötigt man „Einfühlvermögen und Achtsamkeit“ und muss „Vertraulichkeit gewährleisten“[13]. Ebenso ist es für den Sozialarbeiter von erheblicher Bedeutung dem allgemein gültigen ethischen Berufskodex zu folgen, um einerseits seine Professionalität unter Beweis zu stellen und sie andererseits zu erhalten.

Dieser Berufskodex beruht in erster Linie auf der Achtung der Würde des Menschen und dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit wie in den „Grundlagen für die Arbeit des DBSH e.V. – Ethik in der Sozialen Arbeit“ beschrieben. Hierbei ist es Leitziel und damit oberste Prämisse, dass sozial benachteiligte Menschen und Gruppen im Sinne des Grundgesetzes und der Menschenrechtskonvention ihr Leben positiv gestalten und verbessern können.

Der Sozialarbeiter kann sich in seiner Arbeit zunächst auf folgende Artikel des deutschen Grundgesetzes berufen, die in erster Linie eine Lobby für Benachteiligte, Diskriminierte und Randgruppen der Gesellschaft bilden und ihm dazu dienen, einen Dialog zu ermöglichen, wenn andere Strategien (und Instrumente) nicht mehr durchführbar oder unwirksam sind:

- Artikel 1: Schutz der Menschenwürde
- Artikel 2: Persönliche Freiheit des Einzelnen
- Artikel 3: Gleichheit vor dem Gesetze
- Artikel 4: Glaubens- und Bekenntnisfreiheit
- Artikel 5: Freie Meinungsäußerung

Abhängig vom Arbeitsfeld des Sozialarbeiters stehen diesem weitere Gesetze zur Verfügung, um eine fundierte und erfolgreiche Arbeit leisten zu können. Bezüglich des in dieser Arbeit beschrieben Fallbeispiels sind dies Regelungen des Familienrechts, Aufenthalts- und Duldungsrechts, Ausländerrechts und der Sozialgesetze.

[...]


[1] www.philosophie-woerterbuch.de, 1-2

[2] Forscher, Maximilian, S. 110-112

[3] www.philosophie-woerterbuch.de

[4] Schopenhauer, Arthur, S. 108

[5] www.philosphie-woerterbuch.de

[6] Schopenhauer, Arthur, S. 102

[7] Ebd, S. 102

[8] Ebd, S. 103

[9] Ebd, S. 104

[10] www.philosophie-woerterbuch.de

[11] Ebd

[12] http://www.duden.de/rechtschreibung/Sitte#Bedeutung2

[13] Vgl. DBSH 1997, S. 2

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656544517
ISBN (Buch)
9783656545392
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264965
Institution / Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,3
Schlagworte
sozialarbeiter berücksichtigung ehrfurcht leben albert schweitzers

Autor

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