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Der Begriff "Staat" von der Antike bis heute

Hausarbeit 2004 23 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Deckblatt

Einleitungssatz

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Entwicklung des Begriffs Staat im Lauf der Geschichte
Aristoteles
Thomas von Aquin
Niccolò Machiavelli
John Locke
Charles de Montesquieu
Karl Marx
Max Weber
Manfred G. Schmidt

Schluss
Zusammenfassende Analyse und Kritik

Epilog
Ausblick in die Zukunft

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Heute ist der demokratische und soziale Rechtsstaat wie die Bundesrepublik Deutschland (vgl. Einleitungssatz) die dominierende Staatsform, zumindest in der westlichen Welt[1]. Das war nicht immer so. Wie hat sich der Begriff Staat entwickelt, ist die Demokratie das beste Regierungssystem und welchen Einfluss hatten die verschiedenen Epochen und deren große Denker? Diese Hausarbeit soll diesen Fragen nachgehen. Anhand einiger bedeutender Philosophen verschiedener Epochen wird die Entwicklung nachgezeichnet. Dazu wird von jedem Theoretiker nach einer kurzen Biografie und einer knappen zeitlichen Einordnung seine Definition von Staat dargestellt und analysiert.

Ein Schwerpunkt wird dabei auf den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit gesetzt. Diese Wende um 1500 ist nicht nur durch die Entdeckung Amerikas oder technische Entwicklungen wie beispielsweise den Buchdruck geprägt. Auch gesellschaftliche Umbrüche (z.B. die Reformation) und politische Neuerungen wie etwa der Übergang vom Urkunden- zum Aktenzeitalter und die Konzentration staatlicher Macht seien hier erwähnt. Auf letzteres werde ich bei den Theoretikern Machiavelli und Locke näher eingehen.

Als Grundlage für diese Hausarbeit diente vor allem das Proseminar. In den Diskussionen entstanden viele Ideen, die ich dann anhand der Literatur weiter zu entwickeln versucht habe. Dadurch steht natürlich das Buch „Klassische Texte der Staatsphilosophie“ von Norbert Hoerster im Vordergrund, da es ja die Basis des Seminars war. Die hier angeführten Auszüge der philosophischen Schriften dienten als Quellen für die jeweiligen Theoretiker. Die Bücher „Geschichte der politischen Ideen“ und „Politische Philosophie“ waren dabei eine hervorragende Ergänzung. Als Nachweis für kurze historische Fakten habe ich den dtv-Atlas Geschichte verwendet. Für einige Autoren habe ich abschließend noch verschiedene Handbücher über die Geschichte der Philosophie sowie den Brockhaus Philosophie verwendet. Teilweise, um die vorhandenen Informationen zu erweitern und teilweise, um komplizierte Gedankengänge besser nachvollziehen zu können.

Im Schluss werden die Ergebnisse der einzelnen Theoretiker zusammengefasst und verglichen. Hier wird dargelegt, in wie weit die früheren Ansichten zu unserer heutigen Definition von Staat beigetragen haben.

Während der Lektüre der historischen und vor allem auch der aktuellen Theorien entstanden kritische Fragen bezüglich der Demokratie, die eine zukünftige Entwicklung interessant erscheinen ließen. Der Ausblick in die Zukunft der Demokratie gehört nicht zum Thema der geschichtlichen Hausarbeit, allerdings bin ich der Meinung, dass die hier beschriebene Entwicklung nicht mit der heutigen, westlichen Demokratie als dem unantastbar Absoluten enden darf.

Abschließend versuche ich daher in einem Epilog einen kurzen Ausblick in die Zukunft an Hand der Frage, ob wir mit unserem demokratischen und sozialen Rechtsstaat das Ideal erreicht haben bzw. wie die Entwicklung weiter gehen wird.

Entwicklung des Begriffs Staat im Lauf der Geschichte

Aristoteles

Der Staat als natürliche Voraussetzung glücklichen Lebens[2]

Aristoteles wurde 384 v. Chr. in Stagira im Königreich Makedonien geboren. Erst mit 17 Jahren kam er nach Athen, wo er Schüler Platons war. 20 Jahre blieb er dort und entwickelte eigenständige Theorien, die nicht immer die Zustimmung Platons fanden. Ab 343 v. Chr. soll er am makedonischen Königshaus von König Philipp der Lehrer Alexanders des Großen gewesen sein. Nach der Thronbesteigung Alexanders kehrte Aristoteles nach Athen zurück um eine eigene philosophische Schule (die so genannte peripatetische Schule) zu gründen. Als die Athener 323 v. Chr. einen Aufstand gegen die makedonische Herrschaft ausführten, floh Aristoteles als Sympathisant des soeben verstorbenen Alexander des Großen nach Chalkis auf die Insel Euböa. Nach wenigen Monaten im Exil verstarb er dort. [3]

Aristoteles wirkte entscheidend im Stadtstaat Athen. Dieser Staat hatte mit unserer heutigen Vorstellung wenig zu tun. Zwar liegt hier die Demokratie begründet[4], allerdings hatte nur ein Bruchteil der Einwohner das Wahlrecht. Dies lag daran, dass nur freie Männer als Bürger zählten. Frauen, damals alltägliche unfreie Sklaven und nicht in Athen Geborene hatten keine Bürgerrechte und waren somit auch nicht wahlberechtigt.[5]

Er lehrte in der Zeit, als Athen von den Makedoniern erobert wurde und der Stadtstaat (die Polis) zerschlagen wurde (Schlacht von Chaironeia, 338 v. Chr.). [6] Darin, in seinem Lehrer Platon und in seinen Erfahrungen am makedonischen Königshof liegt sicherlich seine Theorie über die verschiedenen Regierungsformen begründet.

Der Titel seines Buches beantwortet direkt die Frage, warum man eigentlich einen Staat braucht. Aristoteles geht, wie Platon schon 50 Jahre vor ihm, davon aus, dass gerechtes und glückliches Leben eins sind.[7] Da die staatliche Ordnung die Gerechtigkeit umsetzt ist sie Grundlage für das glückliche Leben. Damit ist der Staat das höchste aller Ziele.[8] Zusätzlich definiert er den Menschen als politisches Lebewesen, das so genannte zoon politikon, welches in der Gemeinschaft eines Staates zusammenleben will. [9] Im Gegensatz zu Platon glaubt Aristoteles aber, dass dieser glückliche Staat realisierbar ist. Für Platon war er nur ein Denkmodell[10], Aristoteles entwickelt es weiter und kommt zu den berühmten Regierungssystemen:

Abbildung 1: Regierungssysteme nach Aristoteles

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Grafik nach Aristoteles – Der Staat als natürliche Voraussetzung glücklichen Lebens[11] [12]

Für Aristoteles ist die breite Masse der Pöbel, der nicht in der Lage ist, sich selbst zu regieren.[13] Daher schließt er die Systeme mit der Herrschaft vieler aus. Da ein alleiniger Herrscher für ihn früher oder später immer zum Eigennutz handeln wird [14], bleibt für ihn nur die Herrschaft weniger als wahres Regierungssystem übrig. Da dies zum Wohl aller geschehen soll bevorzugt er die Aristokratie als bestes Regierungssystem.[15]

Thomas von Aquin

Der letzte Zweck eines guten Lebens ist die himmlische Seligkeit[16]

Thomas lebte von 1225 bis 1274 n. Chr. in Italien. Er wurde bereits im Kloster Monte Cassino erzogen und trat 1244 dem Franziskanerorden bei. In den Jahren 1248 bis 1252 studierte er bei dem zu dieser Zeit anerkanntesten Gelehrten, dem Dominikaner doctor universalis Albertus Magnus. Hier wurde er auch mit den Schriften Aristoteles’ vertraut, was sein eigenes Denken tiefgehend beeinflusste. Er versuchte, die aristotelische Lehre mit dem christlichen Weltbild in Einklang zu bringen, was ihm den Beinamen christlicher Aristoteliker einbrachte. Bis 1272 lehrte er unter anderem in Rom und Paris bevor er dann nach Neapel zurück kehrte und dort 2 Jahre später starb. Nicht einmal 50 Jahre nach seinem Tod wurde er heilig gesprochen und seit 1879 ist er der offizielle Philosoph der katholischen Kirche.[17]

Thomas lehrte in der Zeit des Hochmittelalters.[18] Europa ist zu dieser Zeit von vielen Königreichen und Fürstentümern geformt. Innenpolitisch wird mit harter Hand regiert und außenpolitisch kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Kleinstaaten. Politische Herrschaft ist vertraglich an Herrschaft über Personen gebunden. In der Lehnsherrschaft gewährt der Lehnsherr Schutz und Land während seine Untergebenen, meist Bauern, Frondienste und Abgaben leisten müssen. Die Kirche spielt in diesem gesamten System eine zentrale Rolle.[19] Durch das so genannte Gottesgnadentum[20] wird die weltliche Herrschaft direkt mit der Kirche verknüpft.

Wie Aristoteles ist Thomas davon überzeugt, dass der Mensch als einzelner nicht überlebensfähig ist. Er ist von Natur aus ein geselliges Wesen, das für das gemeinschaftliche Leben erschaffen ist. [21] Im Unterschied zu seinem griechischen Vorgänger steht für Thomas aber das Königtum über den anderen gerechten Staatsformen. [22] Das liegt darin begründet, dass er versucht, das aristotelische Modell auf seine Zeit zu übertragen. Im Mittelalter war schließlich das Königtum weit verbreitet, Volksherrschaften im Sinne Aristoteles’ die große Ausnahme. Zusätzlich kommt bei Thomas die Kirche ins Spiel. Er ist als Franziskanermönch von der göttlichen Legitimation der Herrschaft überzeugt. [23] Thomas definiert daher drei Gesetzestypen, die aufeinander aufbauen. Ganz unten steht das menschlicherseits gegebene Gesetz (lex humana), darüber das Naturgesetz (lex naturalis) und schließlich das alles umfassend, das ewige, göttliche Gesetz (lex aeterna). Damit ist alles menschliche Handeln einerseits in der natürlichen Vernunft begründet, die andererseits wiederum von Gott gegeben ist. Am Ende wird also jede Staatsform zum göttlich gewollten System führen, und das ist für Thomas das Königtum, dessen Herrscher von Gott legitimiert ist.

[...]


[1] Schmidt, Manfred G. Wörterbuch zur Politik. Seite 206.

[2] Hoerster, Norbert. Klassische Texte der Staatsphilosophie. Seite 48.

[3] Braun et. al. Politischer Philosophie. Seiten 33 f.

[4] Kinder und Hilgemann. d t v- Atlas: Weltgeschichte. Seite 49.

[5] Ebd. Seiten 55 und 59 sowie Schmidt, Manfred G. Wörterbuch zur Politik. Seite 205.

[6] Braun et. al. Politischer Philosophie. Seite 34.

[7] Ebd. Seite 47.

[8] Hoerster, Norbert. Klassische Texte der Staatsphilosophie. Seite 20.

[9] Braun et. al. Politischer Philosophie. Seite 54.

[10] Fenske et.al. Geschichte der politischen Iden. Seite 76.

[11] Hoerster, Norbert. Klassische Texte der Staatsphilosophie. Seiten 54f. sowie Braun et. al.

Politische Philosophie. Seiten 64 ff.

[12] Anmerkung:

In diesem ursprünglichen Modell wird die Demokratie noch als negativ eingestuft. Später wird die Demokratie an Stelle der Politie zum positiven System, in dem alle zum Wohle aller herrschen. Die entartete Form dazu ist die Ochlokratie. Siehe dazu auch Schmidt, Manfred G. Wörterbuch zur Politik Seiten 205 f. bzw. Seite 668.

[13] Hoerster, Norbert. Klassische Texte der Staatsphilosophie. Seite 59.

[14] Braun et.al. Politische Philosophie. Seite 67.

[15] Hoerster, Norbert. Klassische Texte der Staatsphilosophie. Seite 58.

Gegendarstellung: „Wenn Aristoteles auch als Königserzieher für die beiden ersten Verfassungen eintritt, so zeigt er doch viel Sympathie für die Demokratie.“ (Fischl, Johann. Geschichte der Philosophie. Seite 91.)

[16] Hoerster, Norbert. Klassische Texte der Staatsphilosophie. Seite 81.

[17] Braun et. al. Politischer Philosophie. Seiten 83f.

[18] Fuchs und Raab. Wörterbuch Geschichte. Seiten 524f.

[19] Fuchs und Raab. Wörterbuch Geschichte. Seiten 173ff.

[20] Ebd. Seite 302.

[21] Braun et. al. Politische Philosophie. Seite 84.

[22] Ebd. Seite 85.

[23] Fenske et. al. Geschichte der politischen Ideen. Seiten 212ff.

Details

Seiten
23
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783656542704
ISBN (Buch)
9783656543138
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264903
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,0
Schlagworte
begriff staat antike

Autor

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Titel: Der Begriff "Staat" von der Antike bis heute