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Zur Bedeutung der Musik für das Leben in Theresienstadt am Beispiel der Kinderoper "Brundibár" von Hans Krása

Diplomarbeit 2008 107 Seiten

Musikwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Begriffserklärung

1. Theresienstadt
1.1 Geschichtlicher Abriss
1.2 Historische Entwicklung des Konzentrationslagers
1.3 Organisationsstrukturen
1.3.1 Selbstverwaltung
1.3.2 Lebensbedingungen

2. Hans Krása und seine Kinderoper Brundib á r
2.1 Biografische Daten
2.2 Kompositorisches Schaffen
2.3 Brundib á r
2.3.1 Entstehung von Brundib á r
2.3.2 Die zwei Fassungen
2.3.3 Brundib á r heute

3. Zur Bedeutung des Musiklebens in Theresienstadt
3.1 Das Musikleben in Theresienstadt
3.1.1 November 1941 bis Februar 1942
3.1.2 Februar 1942 bis Dezember 1942
3.1.3 Dezember 1942 bis April 1945
3.2 Das "Vorzeigelager"
3.2.1 Besuch des Internationalen Roten-Kreuz-Komitees
3.2.2 Die Filmarbeiten zu dem NS-Propagandafilm "Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet"
3.3 Brundib á r in Theresienstadt
3.4 Zeitzeugengespräch
3.5 Das kulturelle Leben: Scheinwelt oder Notwendigkeit?
3.5.1 Musikalische Gegenwelt zum Alltag im Konzentrationslager
3.5.2 Zur politischen Dimension des Kulturlebens

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang
1. Verzeichnis der Kompositionen Hans Krásas (chronologisch)
2. Wichtige Theresienstädter Musiker und Komponisten

Dank

An Eva Herrmannová, Gaby Flatow, Pamatnik Terezín, Till Hilmar, Johanna Kammler, Martina Šiknerová, Jan Munk, Jana Šmolová, Martin Bruch, Dr. Ulrich Bartels, Prof. Dr. Matthias Kruse, Lukas Jantos, Susanne Stephani, Käthe Trettin, Petra Welzel, Regina Bätz, Wolfgang Schmidt, Erland Schneck, Arnold Pfeifer, Rosa-Luxemburg-Stiftung und Hannes Michl

Einladung

Liebe Freunde, lasst euch sagen, Geht was nicht nach Eurem Sinn, Wills daheim Euch nicht behagen - Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Kränken Euch die Alltagssorgen, Reicht das Wasser bis zum Kinn - Hier seid ihr davor geborgen, Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Habt Ihr beispielsweise Schulden, Mahnt zu oft die Schneiderin, Will der Wirt sich nicht gedulden - Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Könnt Ihr keine Arbeit finden, Lauft vergeblich her und hin, Lasset nicht die Hoffnung schwinden, Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Oder machts Euch Unbehagen Wieder einmal umzuziehen Mit dem großen Möbelwagen - Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Ist zerbrochen eine Vase, ist ein Fleck im Tischtuch drin, Seid deshalb nicht in Ekstase - Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Habt Ihr etwa Rauchbeschwerden Von zu vielem Nikotin, Kann Euch noch geholfen werden - Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Musst' Ihr Euren Stern verdecken Vor dem Blick der Nachbarin, Hier gibt’s nichts mehr zu verstecken, Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Droht Verlust Euch an der Börse, Kündigt die Bedienerin, Grollt die Zofe, schmollt die Nurse - Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Und verdrießts Euch einzukaufen, Wiegt zu schlecht die Greislerin, Müsst von Markt zu Markt ihr laufen - Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Wollt Ihr ins Kaffeehaus gehen, Ziehts zum Cabaret Euch hin, Wollt Ihr's Strauß-Ensemble sehen, Kommt hierher, wo ich jetzt bin.

Alle Sorgen sind vertrieben, Hier an diesem schönen Fleck - Und nur eine ist geblieben, Wie kommt man hier wieder weg.1

Leo Strauss

Vorwort

Fragestellung

Die folgende Arbeit soll das Musikleben im Konzentrationslager Theresienstadt in der Zeit von 1941 bis 1945 näher beleuchten. Dabei werde ich mich beispielhaft auf die Kinderoper Brundib á r2 von Hans Krása beziehen, da diese Oper eine besonders wichtige Funktion im Theresienstädter Musikleben einnahm. Eine Analyse des kompletten Musiklebens in Theresienstadt wäre zu umfangreich und würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Dennoch sollen andere wichtige Komponisten wie Viktor Ullmann oder Gideon Klein und ihre Werke nicht außer Acht gelassen werden.

Es stellt sich die Frage, ob die musizierenden Häftlinge in Theresienstadt das Kulturleben nutzten, um in eine Scheinwelt zu fliehen und das Grauen nicht so wahrnehmen zu müssen oder ob sie durch ihr Musizieren ein Lebensbedürfnis verwirklicht haben, um sich ihr Mensch-Sein bewahren zu können.

Leid kann nicht gemessen werden. Selbstverständlich können Nichtbetroffene das Grauen eines Menschen in einem Konzentrationslager nicht ermessen. Aus diesem Grund werde ich auf meine Fragestellung keine allgemeingültige Antwort geben können, aber ich möchte eine These aufstellen und diese am Schluss der Arbeit aus meiner Perspektive und den Erkenntnissen, die ich aus meiner Recherche zusammen getragen habe, begründen. Die These lautet, dass sich die Menschen in Theresienstadt durch das Musizieren in erster Linie ihr Mensch-Sein bewahren konnten. In dieser Hinsicht halte ich das Musikleben in Theresienstadt für überlebensnotwendig für die inhaftierte jüdische Bevölkerung.

In dieser Arbeit soll der Fokus auf die Menschen gelegt werden, die trotz des beispiellosen Unternehmens der Nationalsozialisten in der Lage waren, Musik zu komponieren, aufzuführen und zu rezipieren. Es geht mir hierbei nicht um eine analytische Bewertung des Musikschaffens unter ästhetischen Aspekten. Meines Erachtens relativieren sich die Begriffe Leben, Kultur und Musik und erhalten, je nach den Lebensumständen, einen völlig anderen Sinn. Ein schlichtes, heimlich unter der Decke gesungenes Lied mag für einen Häftling eine ganz andere Bedeutung haben als ein Konzertabend für denselben Menschen in Freiheit.

Zahlreiche Forscher haben schon zu klären versucht, warum das kulturelle Leben in Theresienstadt so ausgeprägt war, und eine befriedigende Antwort ist bis heute nicht gefunden worden. Selbstverständlich waren die Rahmenbedingungen in Theresienstadt durch die jüdische Selbstverwaltung von ganz anderer Natur als beispielsweise in Auschwitz. Auch ich werde in meiner Arbeit keine geschlossene Darstellung bieten können - die Erweiterung der schon vorhandenen historischen und wissenschaftlichen Sichtweisen durch meine Arbeit bedeutet für mich vor allem, dem Mosaik ein weiteres Steinchen hinzufügen zu können.

Methodik

Im ersten Teil der Arbeit werde ich zunächst einen historischen Abriss über die Errichtung des "Protektorats Böhmen und Mähren" geben, um dann auf die Geschichte des Konzentrationslagers Theresienstadt eingehen zu können. Um das Wechselverhältnis zwischen dem Musikleben und den äußeren Rahmenbedingungen transparenter zu machen, werde ich in aller Kürze einen Überblick über die Selbstverwaltung und die Lebensbedingungen in Theresienstadt geben. Allerdings werde ich an dieser Stelle noch nicht auf die Organisation des Kulturlebens eingehen, da dies für mich untrennbar mit dem dritten Teil der Arbeit verbunden ist.

Im zweiten Teil dieser Arbeit werde ich mich mit dem Komponisten Hans Krása und der Entstehungsgeschichte der Kinderoper Brundib á r beschäftigen. In diesem Teil soll auch das kompositorische Schaffen Krásas beleuchtet werden und drei Kompositionen näher betrachtet werden. Schließlich werde ich die beiden existierenden Fassungen der Kinderoper vergleichen und in einem kurzen Ausblick auf die Rezeptionsgeschichte von Brundib á r nach 1945 eingehen.

Im dritten Teil, dem Hauptteil der Arbeit, werde ich der Frage nach der Bedeutung des Musiklebens nachgehen. Hierbei halte ich es für sehr wichtig, einen Überblick über die einzelnen Phasen der sogenannten "Freizeitgestaltung" zu geben. Auch soll das Schaffen weiterer Komponisten in Theresienstadt beleuchtet werden, um dem dortigen Musikleben gerecht werden zu können.

Im Mittelpunkt des dritten Teils steht die Aufführungsgeschichte und Bedeutung der Kinderoper Brundib á r in Theresienstadt sowie das Zeitzeugengespräch mit Eva Herrmannová, das ich am 1.12.2007 in Prag geführt habe. Ich habe dieses Gespräch ganz bewusst in den Hauptteil meiner Arbeit gesetzt und nicht in den Anhang, da ich es für sehr wichtig halte, um die Bedeutung des Musiklebens besser nachvollziehen zu können.

Wichtig ist ebenso die Funktion des Konzentrationslagers Theresienstadt als "Vorzeigelager"; ich werde daher in einem Kapitel den Besuch des Internationalen Roten-Kreuz-Komitees und die Filmarbeiten des NS-Propagandafilms betrachten. Dieser Teil hätte durchaus auch im geschichtlichen ersten Teil meiner Arbeit stehen können - aber diese Funktion Theresienstadts ist eng verknüpft mit dem kulturellen Leben dort, weshalb dieses Kapitel im Hauptteil meiner Arbeit steht.

Am Ende des dritten Teils möchte ich schließlich der Frage nachgehen, ob das Musikleben in Theresienstadt eher als Scheinwelt oder als Notwendigkeit fungiert hat und welche Bedeutung es für die Häftlinge gehabt haben könnte.

Begriffserklärung

In den Quellen ist manchmal vom Ghetto und manchmal vom Konzentrationslager Theresienstadt die Rede.3 Bis März 1944 hieß Theresienstadt offiziell Ghetto Theresienstadt.4 Der Begriff Ghetto wurde von den Nazis zur Verschleierung der Tatsachen etabliert und oft unreflektiert weiter geführt, denn im Mittelalter wurde dieser Begriff eher für ein Niederlassungsrecht und nicht für eine Zwangsmaßnahme gebraucht5. Die mittelalterlichen Ghettos waren Gemeinschaften mit religiösen Wurzeln und wurden oft zum Schutz der Menschen errichtet. Diese Ghettos waren nicht hermetisch abgeriegelt; dadurch konnte den Bewohnern ein geregelter Verkehr nach außen gewährleistet werden. Dies war in Theresienstadt selbstverständlich nicht der Fall.

Theresienstadt wird zwar von deutschen Arbeitslagern oder Vernichtungslagern in den östlichen Gebieten unterschieden, dennoch ist das Lager in den gleichen Zusammenhang zu stellen. Ungefähr 155000 Menschen wurden nach Theresienstadt deportiert, davon wurden 88000 in Vernichtungslager weiterdeportiert und 35000 starben unter den elenden Lebensbedingungen in Theresienstadt. Dieser Ort war Teil der unfassbaren Todesmaschinerie der Nazis und muss als solcher aufgefasst werden. Als Sammellager gegründet, wurde der Begriff Ghetto nur formell verwendet. Es handelte sich beim Konzentrationslager Theresienstadt um eine Ansammlung von Menschen, die von den Nationalsozialisten mit dem Ziel ihrer Vernichtung nach rassistischen Kriterien ihrer Freiheit beraubt wurden. Aus diesem Grund werde ich in meiner Arbeit im Zusammenhang mit Theresienstadt von einem Konzentrationslager sprechen.

Eine weitere Begriffserklärung bezieht sich auf die Frage, wann ich vom Musikleben und wann vom kulturellen Leben in Theresienstadt spreche. Das kulturelle Leben in Theresienstadt umfasst Musik, Theater, Kabarett, wissenschaftliche Vorträge, die sogenannte "Ghettobibliothek" etc. Ich werde mich in dieser Arbeit allerdings ausschließlich auf das Musikleben beziehen. Dennoch werde ich den Begriff kulturelles Leben beispielsweise verwenden, wenn ich über Theresienstadt als "Vorzeigelager" spreche. Die Nationalsozialisten haben das komplette kulturelle Leben in Theresienstadt für ihre Zwecke missbraucht, und in diesem Zusammenhang oder wenn ich mich tatsächlich auf das ganze kulturelle Leben in Theresienstadt beziehe, werde ich diesen Begriff verwenden.

1. Theresienstadt

1.1 Geschichtlicher Abriss

Am 14. und 15. März 1939, ein halbes Jahr nach dem Münchner Abkommen, besetzte die deutsche Wehrmacht Prag und errichtete das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Im Münchner Abkommen vom 29. September 1938 erzwang Hitler in enger Zusammenarbeit mit der "Sudetendeutschen Heimatfront" des Konrad Henlein die Abtretung der deutschen Siedlungsgebiete. Dieser Regelung hatte auch Chamberlain zugestimmt, der davon ausging, dass dies die letzte territoriale Forderung Hitlers sein würde. Diese Politik war Teil der "Appeasement-Politik" der westlichen Mächte. Aber noch im Oktober 1938 bestätigte Hitler seine ursprünglichen Absichten zur "Zerschlagung der Resttschechei". Mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Prag endete zugleich die westliche "Appeasement-Politik", die alle Gebietserweiterungen der deutschen Regierung um den Preis des Friedens geduldet hatte.6

Am 15. März 1939 teilte Hitler den Deutschen mit, dass er Truppen nach Böhmen und Mähren habe einmarschieren lassen, um gegen das "terroristische Regime der Tschecho- Slowakei"7 vorzugehen. Nachdem Hitler am 14. März die Unabhängigkeit der Slowakei durchsetzte, ging am 16. März 1939 das tschechische Gebiet in das Protektorat Böhmen und Mähren auf.

Hitler richtete an die tschechische Bevölkerung folgenden Satz:

Da Europa künftig ohne Tschechen leben kann, nicht aber die Tschechen ohne ein starkes Deutsches Reich, müssen die 7.000.000 Tschechen die Vorrangstellung der 85.000.000 Deutschen bedingungslos anerkennen und ihre besonderen Interessen den Interessen des Reiches unterordnen.8

Zwar war das Protektorat selbstverwaltet, aber jede Entscheidung der Protektoratsorgane und Beamten konnte jederzeit durch den Reichsprotektor geändert werden. Er konnte Rechtsnormen für alle Bereiche erlassen, ändern oder annullieren. Hitlers Erlass vom 16. März 1939, in dem er verkündete, dass sich das Protektorat Böhmen und Mähren selbst verwalten könne, erwies sich als Lüge.

Die nationalsozialistische Verwaltung beschäftigte sich mit der Frage, wie man sich der tschechischen Bevölkerung entledigen könne.9 Die beabsichtigte Aussiedlung gelang zwar nicht, allerdings wurde nach und nach das tschechische nationale und kulturelle Leben ausgelöscht. Sofort nach der Okkupation wurden alle tschechischen Parteien aufgelöst und bald darauf alle tschechischen Vereine. Sämtliche Mittel- und Fachschulen wurden geschlossen, und in den Volksschulen mit tschechischer Unterrichtssprache wurde nur nach nationalsozialistischen Lehrplänen unterrichtet. Es gab kein tschechisches Theater mehr, keinen tschechischen Rundfunk, kein Fernsehen und auch tschechische Zeitungen durften nicht mehr erscheinen.

Bis 1800 hatte sich Prag zu einem Zentrum für hebräisches Schrifttum, hebräische Lehre und Forschung entwickelt und die Juden konnten bis 1939 Emanzipation und kulturelle Entfaltung erfahren. Als im März 1939 die deutschen Truppen in Prag einmarschierten, waren zu den 31000 dort lebenden Juden (10% der Gesamtbevölkerung) noch ca. 25000 jüdische Flüchtlinge aus den böhmischen Städten und Dörfern dazu gekommen.10

In den wenigen Monaten nach dem Münchner Abkommen und vor dem Einmarsch der Truppen in Prag, versuchten verschiedene Organisationen und das Flüchtlingsfürsorge-Institut des tschechoslowakischen Ministeriums die Auswanderung der dort lebenden Juden zu fördern. Sie arbeiteten allerdings mit zu geringen Mitteln und es war äußerst kostspielig und aufwendig, Ausreisepapiere zu erhalten. Dennoch gelangten bis Ende Juli 1939 9186 Personen ins Ausland, davon 888 durch das Palästinaamt. Bis zum Jahresende entkamen 19016 Menschen aus dem Protektorat.11

Für die restlichen dort lebenden Juden, für die eine Ausreise nicht mehr möglich war, wurden die Lebensbedingungen immer schlechter. Zunächst wurde das jüdische Vermögen eingezogen, Familien wurden zusammengelegt und mussten in schlechteren Wohnungen gemeinsam wohnen. Nach und nach wurden sie aus dem Berufsleben verbannt, sie durften keine Vergnügungsstätten, Parkanlagen oder Badeanstalten mehr besuchen, sie durften nur zu einer bestimmten Zeit einkaufen gehen und kein Rundfunkgerät oder Telefon besitzen. Die Zahl der jüdischen Kinder in den tschechischen Schulen durfte 4% nicht überschreiten.

1.2 Historische Entwicklung des Konzentrationslagers

Die Stadt, von Kaiser Josef II. im Jahre 1780 zu Ehren seiner Mutter Maria Theresia gegründet, liegt in einer freundlichen Ebene mit einigen kleinen Erhebungen, zwischen Wiesen und Gärten dort, wo die Eger in die Elbe mündet. Fern am Horizont ragen die kegelförmigen Spitzen des Böhmischen Mittelgebirges zum Himmel empor. In der nächsten Umgebung von Theresienstadt liegt auf der einen Seite die Stadt Leitmeritz und auf der anderen Seite das Städtchen Bauschowitz, das zu jener Zeit die Endstation an der Grenze des Protektorats war. Vom Bahnhof Bauschowitz führte eine drei Kilometer lange Straße nach Theresienstadt.12

Die Festung Theresienstadt (tschechisch: Terezín) liegt ca. 60 km nördlich von Prag und wurde im 18. Jahrhundert gebaut, um das Innere Böhmens vor den feindlichen Truppen im preußisch-österreichischen Krieg zu schützen. Die undurchlässigen Wälle und Wassergräben isolierten die Garnisonstadt perfekt von der Außenwelt und verhinderten ebenso eine Flucht von innen. Die Kleine Festung außerhalb der Stadt diente seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Gefängnis für Soldaten und politisch Inhaftierte.13

Bekannt wurde Theresienstadt vor allem durch seine Funktion als Konzentrationslager im Zweiten Weltkrieg von 1941 - 1945.

Am 27. September 1941 wurde Reinhard Heydrich Reichsprotektor für das Protektorat Böhmen und Mähren. Im Beisein von Adolf Eichmann fand unter Heydrichs Leitung am 17.10.1941 in Prag eine Besprechung zur "Lösung der Judenfrage im Protektorat"14 statt. Dort fiel die endgültige Entscheidung zur Einrichtung Theresienstadts als Konzentrationslager. Äußere Gründe für die Wahl Theresienstadts lagen in der leichten Bewachungsmöglichkeit durch die Befestigungsanlagen und in der geographisch zentralen und verkehrstechnisch günstigen Lage.15 Außerdem musste aus nationalsozialistischer Sicht keine Rücksicht auf die tschechischen Einwohner bei der Räumung der Stadt genommen werden. Vor allem aber wurde ein Ort benötigt, wohin man Juden mit weitreichenden Beziehungen oder international bekannten Namen deportieren konnte, ohne sie gänzlich verschwinden zu lassen.

Auf der Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 wurde beschlossen, "Juden im Alter von über 65 Jahren nicht zu evakuieren, sondern sie in ein Altersghetto - vorgesehen ist Theresienstadt - zu überstellen. Neben diesen Altersklassen - von den am 31.10.1941 sich im Altreich und der Ostmark befindlichen Juden sind etwa 30% über 65 Jahre alt - finden in den jüdischen Altersghettos weiterhin die schwerkriegsbeschädigten Juden und Juden mit Kriegsauszeichnungen Aufnahme."16

Theresienstadt hatte somit drei Funktionen: Es sollte als Sammellager für die Juden im Protektorat dienen, bevor diese weiter nach Auschwitz und andere Konzentrationslager im Osten deportiert werden sollten. Es sollte ein Altersghetto für Juden über 65 Jahren werden, und es sollte vor allem als Vorzeigelager dienen.17

Der Aufenthalt in Theresienstadt wurde nicht "Evakuierung" sondern "Überstellung" genannt, was auf einen Dauerzustand ohne gewaltsam beschleunigte Vernichtung hinweist. Dennoch war Theresienstadt nur eine Art Aufschub auf dem Weg in die Vernichtung - die Häftlinge dort sollte das gleiche Schicksal erwarten wie die Menschen in anderen Konzentrationslagern.

Der erste Transport nach Theresienstadt, der am 24.11.1941 ankam, war das sogenannte Aufbaukommando, bestehend aus 342 Männern, die meisten von ihnen waren Freiwillige. Sie ließen sich von den Versprechungen der Nazis täuschen, dass sie dort in Freiheit leben würden und jedes Wochenende nach Hause fahren könnten. Zu diesem Zeitpunkt wohnte noch die Theresienstädter Bevölkerung in den Häusern und das Aufbaukommando wurde in Kasernen untergebracht. Bis zum 4. Dezember kamen weitere drei Transporte aus Prag und Brünn mit insgesamt 3000 Menschen an. Einer dieser Transporte war das zweite Aufbaukommando (AK II) mit 1000 jungen Männern. Diese bildeten zusammen mit AK I die Kerntruppe für den Lageraufbau. Der Stab der jüdischen Selbstverwaltung mit Jakob Edelstein als Judenältesten und Ing. Zucker als sein Stellvertreter traf am 4. Dezember ein.

In der ersten Zeit war es fast unmöglich, die Kasernen zu verlassen, da die tschechische Bevölkerung noch im Dorf lebte. Ab Dezember wurden "Durchlassscheine" eingeführt, die Obersturmführer Bergl ausstellte. Arbeitsgruppen durften allerdings nur von einem Gendarmen begleitet die Kaserne verlassen. Es gab weder ausreichend Lebensmittel, Heizmaterial oder genügend Strohsäcke, und die Lebensbedingungen waren erbärmlich.

However, in their living quarters they met the first Nazi deceit: bare walls and empty floors in the socalled "Sudetenkaserne"… Instead of the promised weekend trips home, they became the first prisoners of the Terezín "ghetto".18

Von Dezember 1941 bis Anfang 1943 kam wöchentlich ein Transport mit 1000 Menschen allein aus dem Protektorat. Ab Sommer 1942 setzten die Transporte mit Menschen aus Österreich und Deutschland ein. Neben diesen Transporten kamen ab 1943 Transporte aus Holland, Dänemark, der Slowakei und Ungarn in Theresienstadt an.

Schon am 9. Januar 1942 verließ der erste Transport Theresienstadt mit dem Ziel Riga wieder. Von diesem Tag an ist Theresienstadt für die meisten Häftlinge zu einem "Umschlagplatz" auf dem langen Weg in die Vernichtungslager geworden. Bis auf eine sechsmonatige Unterbrechung 1943 wurden vom 9. Januar 1942 bis Ende 1944 insgesamt 88000 Menschen aus Theresienstadt in Vernichtungslager deportiert.19 Von ihnen erlebten nur ungefähr 3600 das Ende des Krieges.

Am 3. Mai 1945 übergaben die Nationalsozialisten das Lager dem Internationalen Roten Kreuz und am 7. Mai wurde es unter die Aufsicht der sowjetischen Armee gestellt. Wegen einer Typhus-Epidemie stand das Lager allerdings bis August unter Quarantäne und die meisten Häftlinge sind erst im Spätsommer 1945 in ihre Heimat zurück gekehrt.

1.3 Organisationsstrukturen

Als wichtigste Organisationsstruktur ist die jüdische Selbstverwaltung zu nennen, da sie die Lebensbedingungen in Theresienstadt entscheidend beeinflusste. Nach außen hin machte diese Selbstverwaltung zwar den Eindruck, als hätten die Deportierten eine Entscheidungsgewalt, tatsächlich aber wurde die Selbstverwaltung nur etabliert, damit die Entscheidungen der SS ausgeführt werden konnten. Dennoch machte es vor allem die jüdische Selbstverwaltung möglich, dass in Theresienstadt die kulturellen Aktivitäten konstituiert werden konnten.

1.3.1 Selbstverwaltung

Von Anfang an stand das Konzentrationslager Theresienstadt unter einer jüdischen Selbstverwaltung - allerdings wurden die realen Machtverhältnisse damit nur verschleiert. Als oberste Instanz wurde von der SS ein Ältestenrat installiert. Diesem Rat war ein komplexer Verwaltungsapparat zugeordnet mit den folgenden Abteilungen:

Leitung

Arbeitszentrale

Abteilung für innere Verwaltung

Wirtschaftsabteilung

Technische Abteilung

Finanzabteilung

Gesundheitswesen und Fürsorge

Jugendfürsorge

Freizeitgestaltung20

Diese Abteilungen hatten die Aufgabe, das Leben im Konzentrationslager so genau wie möglich zu regeln. Die vielen Abteilungen mit ihren jeweiligen Unterabteilungen wurden von der jüdischen Selbstverwaltung aber vor allem eingerichtet, damit so viele Häftlinge wie möglich eine feste Arbeitsstelle hatten und vor Deportation geschützt waren. Dies erwies sich aber spätestens im Herbst 1944 als Trugschluss, als auch führende Funktionäre der jüdischen Selbstverwaltung deportiert wurden.

Die Hauptaufgabe der Selbstverwaltung bestand darin, die Befehle der SS auszuführen und das Konzentrationslager zu verwalten. Die SS war im Lager kaum präsent und somit war der jeweilige Judenälteste für die Verordnungen des SS-Lagerkommandanten verantwortlich und hatte auch die Transportlisten zusammen zu stellen. Befehle der SS wurden somit immer von der Selbstverwaltung ausgeführt, so dass diese für die Häftlinge als Verursacher der schlechten Lebensbedingungen erschien. Die jüdische Selbstverwaltung stand also im Konflikt, einerseits den Bedürfnissen der Häftlinge gerecht werden zu wollen, aber gleichzeitig auch den Befehlen der SS gehorchen zu müssen. Hans G. Adler schreibt dazu:

Es war eine Scheinordnung des Chaotischen, eine Gespensterordnung, die sich mit gewaltig klingenden Namen aufputzte, sich aber selbst nicht in Gewalt hatte; sie konnte keinen Zusammenhalt haben und wäre augenblicklich in das Nichts zerfallen, das sie in Wirklichkeit war, hätte nicht eine Mischung von aktivem Wahnsinn und passiver Besessenheit unter dem Zwang der SS alles zusammengekittet.21

Die Vorteile, die sich die SS durch dieses System verschaffen konnte, waren enorm: Die Autonomie der Juden blieb scheinbar bestehen, aber die Diktatur der SS war dennoch uneingeschränkt. Sie ersparte sich durch die jüdische Exekutive viel Arbeit und musste dennoch nichts aus der Hand geben. Die Furcht der Häftlinge bewirkte letztendlich, dass sie sich noch mehr an den Apparat dieser Scheinautonomie klammerten.

Der Ältestenrat in Theresienstadt bestand aus 21 Mitgliedern mit dem Judenältesten an der Spitze. Der erste Judenälteste war Jakob Edelstein - der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Prag. Im Januar 1943 - als die Gruppe der deutschen Juden in Theresienstadt immer größer wurde - löste die SS Edelstein durch den deutschen Juden Paul Eppstein ab. Nachdem Eppstein versucht hatte, gegen die einsetzenden Massendeportationen im Herbst 1944 zu protestieren, wurde er wiederum durch Benjamin

Murmelstein aus Wien ersetzt. Edelstein und Eppstein wurden beide nach ihrer Absetzung ermordet. Murmelstein behielt das Amt bis zur Befreiung und überlebte das Ghetto. Die Mitglieder des Ältestenrates hatten einen Ausweis, der sie zum Besuch vieler verbotener Bereiche22 berechtigte. Außerdem durften sie mehr Gepäck behalten, öfter Pakete empfangen und oftmals eine eigene Hauswirtschaft führen. Vor allem aber hoben sie sich durch ihre Protektion hervor - zumindest bis zum Herbst 1944. Jeder durfte eine Schutzliste für 30 Personen anlegen, die nicht deportiert werden sollten.

Kritisch ist vor allem die Reklamationsfunktion bei Transporten zu sehen: Der Ältestenrat stellte nicht nur die Transportliste zusammen, sondern er konnte auch einzelne Personen wieder aus der Transportliste streichen und Ersatzleute bestimmen. Viele Häftlinge, die einen Deportationsbefehl erhielten, versuchten, dies beim Ältestenrat rückgängig zu machen. Es gelang meist nur denen mit guten Beziehungen zum Ältestenrat oder mit einer wichtigen Funktion im Theresienstädter Alltag. Selbstverständlich mussten für diese Personen andere Häftlinge mit dem Transport fahren und die Rettung einer Person wurde mit dem Opfer einer anderen bezahlt.

Ich halte allerdings noch einen anderen Blickwinkel für sehr wichtig: Oft hatte der Ältestenrat kaum Wahlmöglichkeiten bei der Transportzusammenstellung, da die SS ziemlich genau befahl, welche Personengruppe deportiert werden sollte.23 Theresienstadt sollte von Anfang an eine Transitstation auf dem Weg in die Vernichtungslager werden. "Es wäre daher naiv anzunehmen, die Leitung der jüdischen "Selbstverwaltung" hätte irgendeine Möglichkeit gehabt, die Deportationen zu verlangsamen, geschweige denn abzuwenden. Die besondere, einzigartige Stellung Theresienstadts war von Anfang an durch die globalen Ziele der nazistischen Ausrottungspolitik bestimmt."24

Vor allem aber war die jüdische Selbstverwaltung bemüht, ein gewisses Maß an ziviler Anständigkeit in Theresienstadt zu schaffen. Sie erst hat beispielsweise die Konstituierung von kulturellen Aktivitäten ermöglicht oder den heimlichen Unterricht der Kinder mit seiner gesamten pädagogischen Erziehung forciert. Dieser Rahmen schaffte - im Widerspruch zu den Intentionen der Nazis - einen Glauben an und die Hoffnung auf Selbsterhaltung für die Menschen in Theresienstadt.

1.3.2 Lebensbedingungen

Kartoffeln waren häufig ungenießbar, weil verfault, "Fleisch" erhielten wir einmal wöchentlich, ca. 20g, in Fasern in einer wässerigen Sauce schwimmend, täglich mittags und meist auch abends gab es sogenannte Suppe, aus einem Surrogat bereitet, das wie Sand in Wasser aufgelöst schmeckte und wechselnde Namen wie Erbsensuppe, Linsensuppe etc. führte... Am Morgen, mitunter auch am Abend, wurde "Kaffee" ausgegeben, eine undefinierbare schwarze Brühe, ebenfalls aus einem Surrogat hergestellt und kalt.25

Die Frage nach dem täglichen Brot stand im Vordergrund aller Gespräche und Gedanken. Die Ernährung war immer unzureichend - einem Schwerarbeiter standen in guten Zeiten weniger als 2.000 Kalorien bestehend aus Zuckerrüben und Kartoffeln zu. Da sich die Lagerung von Lebensmitteln in Theresienstadt nicht eigneten, waren diese oft verfault. Die Lebensmittelrationen richteten sich nach der Schwere der Arbeit - am wenigsten bekamen die alten Menschen in Theresienstadt, die oft nach kurzer Zeit verhungerten. 30% der Theresienstädter Häftlinge waren alte Menschen oder Menschen, die nicht arbeiten konnten. Sie waren in den meisten Fällen dauerndem Elend preisgegeben. Für die Selbstverwaltung war das oberste Ziel, Arbeitskräfte zu erhalten und das Weiterleben der Kinder und Jugendlichen abzusichern. Aus diesem Grund konnten die Kinder und Jugendlichen in der sogenannten "Kinderküche" speisen, wo die Portionen etwas reichhaltiger waren und es "Zulagen" gab.26

Die wichtigste private Hilfsquelle waren Postpakete, die ab Spätherbst 1942 nach Theresienstadt geschickt werden durften. Allerdings wurden die wenigsten Häftlinge mit Paketen versorgt und so kam es, dass in einem Zimmer Brot, Marmelade und Dörrobst gegessen wurde und auf dem Gang im gleichen Haus eine alte Frau im Abfall nach Essensresten wühlte. Auch Arbeiter, die in Küchen eingeteilt waren, konnten legal oder illegal Vorteile aus ihrer Beschäftigung ziehen und die eine oder andere Kartoffel heimlich verschwinden lassen.

Ein weiteres Problem war die ungenügende Anzahl an Unterkünften. Zu Höchstzeiten (Herbst 1942) befanden sich in Theresienstadt ca. 60.000 Menschen - in einem Dorf mit ehemals 3000 Bewohnern. Der Mangel an Platz wurde bald zur schlimmsten Plage in Theresienstadt. Den Häftlingen Theresienstadts standen im Schnitt 1,62 Quadratmeter zur Verfügung. Auf dieser Fläche mussten sie nicht nur schlafen, sondern auch ihren persönlichen Besitz unterbringen. Die schlimmsten Unterkünfte waren die Dachböden - dort gab es keine Isolierung gegen Wärme und Kälte, es gab keine Beleuchtung, keine Aborte, keine Wasserleitungen und meist noch nicht mal Strohsäcke zum Schlafen.

Der erste Eindruck auf dem Dachboden war: Jetzt bist du gewiß im Inferno! Es summte und brummte, es weinte und schrie, es herrschte ein merkwürdiges Halbdunkel, da nur ganz vereinzelt eine Glühlampe im Gebälk hing. Dann waren auf der Erde sehr hohe Balken angebracht, die überstiegen werden mussten. Wenn man zu niedrige Schritte machte und nicht aufpasste, fiel man hin und hatte sich sehr weh getan. Oberschenkelhalsbrüche der alten Menschen waren an der Tagesordnung.27

Die Enge, unzureichende Hygiene - es gab nicht genügend Aborte und keine Seife zum Hände waschen - und die Mangelernährung führte zu vielen Krankheiten, wie Typhus, Diphtherie oder Enzephalitis. Im September 1942, als sich ca. 60.000 Menschen im Lager befanden, erreichte die monatliche Sterberate 3941.28

Es gab zwar keine Gaskammern oder Massenexekutionen in Theresienstadt, aber diese Form der "natürlichen Vernichtung" lässt sich gut in den Vernichtungsgedanken der SS einreihen.

Die über allem stehende Angst war allerdings die Furcht vor Deportation. Die Lebensbedingungen in Theresienstadt waren schlimm - aber niemand wusste, wie sie in anderen Lagern sein würden und jeder vermutete, dass sie noch viel schlimmer seien. Es war vor allem das Grauen vor dem Unbekannten, das die Häftlinge in einen lähmenden Schrecken versetzte.

Seit den ersten Transporten aus Theresienstadt im Januar 1942 wich dieses Grauen nicht. Jeden konnte der Deportationsbescheid ereilen und galten manche Eigenschaften zeitweise als Schutz, so waren gerade diese das nächste transportbestimmende Merkmal. Transportschutz bekamen die sogenannten "A Prominenten" - meist waren es berühmte Künstler oder Menschen mit einer hohen Kriegsauszeichnung. Diese Personen wurden von der SS als "A Prominent" bezeichnet. Der Ältestenrat konnte der SS von sich aus Prominente vorschlagen, die, falls bestätigt, "B Prominent" hießen. Darunter waren Menschen, die für die Selbstverwaltung unentbehrlich waren oder auch Universitätsprofessoren. Diese Menschen genossen wenigstens für eine gewisse Zeit Transportschutz. Auch Häftlinge mit einem "arischen" und einem jüdischen Elternteil und dänische Häftlinge wurden meist nicht deportiert.

Spätestens im Herbst 1944 verlor der Transportschutz allerdings seine Gültigkeit und vor allem Künstler bekamen reihenweise den Deportationsbefehl nach Auschwitz.

Das Lager verändert sich in unglaublichem Tempo. Innerhalb eines Monats reisen elf große Transporte ab, die Stadt ist zur toten Stadt geworden. Jeder hat einen teuren Menschen verloren. Der letzte Transport ist wie ein über den Haufen geworfenes Dominospiel - die Zweier werden von den Zweien, die Nullen von den Nullen umgerissen. Alle gehen fort: Holländer, Halbjuden, auch Hanka und Ilona, die Zwillinge.29

Durch das "Prominentenwesen" wurden schließlich drei Schichten im Lager geschaffen: "Prominente", Arbeiter und Bettler, was häufig zu Machtkämpfen innerhalb des Lagerlebens führte. Die SS verstärkte diese Machtkämpfe noch, da sie im Sommer 1942 in einem Konzentrationslager mit Häftlingen überwiegend aus dem "Protektorat" einen deutschen Judenältesten - Paul Eppstein - einsetzte.

Die Intention der SS war, eine Heterogenität zu schaffen, die vor allem mit der internen Rangordnung beschäftigt war. Die Menschen in Theresienstadt unterschieden sich durch ihre Nationalität, in ihrem religiösen Denken oder durch ihre erlernten Berufe. Deutsch war die offizielle Sprache und der Charakter des Konzentrationslager wurde von tschechischen, deutschen und teilweise österreichischen Juden bestimmt. Die anderen Nationalitäten waren in der Minderheit und mussten dementsprechend zurücktreten. Somit konnten die Häftlinge in Theresienstadt niemals eine homogene Einheit bilden - ihre Gemeinsamkeit war bloß das Schicksal, in einer "Zwangsgemeinschaft"30 leben zu müssen.

2. Hans Krása und seine Kinderoper Brundib á r

2.1 Biographische Daten

Hans Krása wurde am 30. November 1899 im deutsch-tschechisch-jüdischen Milieu in Prag geboren. Um 1900 hatte Prag ca. eine halbe Million Einwohner, davon waren 7% Bürger deutscher Nationalität. Von den 676.657 Juden in der Stadt bekannten sich bei der Volkszählung 1921 nur 5959 zum jüdischen Glauben.31 Die meisten deutschsprachigen Schriftsteller wie Franz Kafka oder Franz Werfel sympathisierten mit den kulturellen Bestrebungen der Tschechen. Ihr deutsches Sprachbewusstsein und das Bewusstsein, in Prag zu leben, bestimmte ihre Haltung stärker als ihr Glauben.

Die Deutschen stellten in Prag einen erheblichen Teil der intellektuellen Elite dar. Im Jahre 1900 studierten an der Karl-Ferdinand-Universität 2805 Tschechen und 1162 deutsche Studenten.32

Hans Krása wurde als drittes Kind von Karl und Amalie Krása geboren und hatte vier Geschwister. Sein Vater war Rechtsanwalt und sprach aufgrund seiner tschechischorientierten Eltern perfekt tschechisch. Krásas Mutter hingegen kam aus einer deutschen Familie und setzte für ihre Kinder eine deutsche Schulbildung durch.

Mit sechs Jahren fing Hans Krása an, Klavierunterricht bei Therese Wallerstein in der berühmten Gesangsschule Konrad Wallersteins zu nehmen. Auch seine Schwestern Marie und Adelheid besuchten die Schule und die Geschwister musizierten oft miteinander. Der Vater, der selbst keine musikalische Ausbildung hatte, unterstützte seinen Sohn und sorgte für eine frühe Förderung seines Talents. Mit 10 Jahren bekam Krása Violinunterricht beim Konzertmeister des Neuen Deutschen Theaters33 in Prag: Josef Frankenbusch. Mit elf Jahren schrieb er seine erste Komposition - ein kleines Orchesterstück. Dieses wurde durch Vermittlung des Vaters durch ein Kurorchester in Salzburg aufgeführt.

Höchstwahrscheinlich besuchte Hans Krása von 1910 - 1918 das Staatliche Deutsche Realgymnasium und erlangte dort die mittlere Reife. Dokumente über seinen Schulabschluss sind allerdings nicht erhalten. Nach Angaben seiner Schwester Marie Bass ging Krása danach ans Konservatorium.34 Allerdings ist er nicht im Verzeichnis der Absolventen der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst zu finden. Die Autorin ervinková geht also davon aus, dass Krása Privatunterricht bei Alexander von Zemlinsky hatte.35

Der Wiener Komponist Alexander von Zemlinsky (1871 - 1942) war von 1911 - 1927 Leiter des Neuen Deutschen Theaters und wurde 1920 außerdem Rektor der Deutschen Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Prag. Zemlinskys "im Unterricht vermittelte Modernität"36 hatte Einfluss auf Krásas Schaffen.37

Sein Studium beendete Krása mit dem Werk Orchestergrotesken mit begleitender Singstimme op.1 nach Texten aus den Galgenliedern von Christian Morgenstern. Zemlinsky dirigierte das Werk während des IX. Philharmonischen Konzerts im Mai 1921 im Neuen Deutschen Theater. Somit wurde Krása schon 1921 der Prager Öffentlichkeit als fertiger Künstler vorgestellt.

Der Librettist von Brundib á r - Adolf Hoffmeister - beschreibt Hans Krása mit folgenden Worten:

Hans war ein sensitiver, skeptischer, zynischer, unruhiger, eleganter junger Mann, der bei allen sehr beliebt war. Als Schüler von Gustav Mahler38 suchte er immer die einfachsten Melodien des Lebens. Seine Lieder haben wir auswendig gelernt und sie auf der Straße gepfiffen.39

Am 10. August 1942 traf Hans Krása mit dem Transport Ba 67 in Theresienstadt ein. Am 16. Oktober 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert, wo er kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wird.

Von seiner Familie überlebten sein Bruder Friedrich, seine Schwester Marie und seine Schwester Adelheid den Krieg.

2.2 Kompositorisches Schaffen

Vor der Zeit in Theresienstadt war Komponieren nie der Sinn und Inhalt in Krásas Leben gewesen. Er war nicht darauf angewiesen, mit seinen Kompositionen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, da sein Vater eine erfolgreiche Anwaltskanzlei besaß. Außerdem arbeitete er zeitweise als Korepetitor am Neuen Deutschen Theater in Prag oder gab privat Klavierunterricht. Seine freie Zeit verbrachte er vor allem mit anderen Prager Künstlern oder mit Journalisten des Prager Tagblatt. Vor seiner Deportation nach Theresienstadt komponierte Krása insgesamt zehn Werke und brachte acht davon zur erfolgreichen Aufführung - er hatte aber weder im Ausland noch in der Heimat Spuren hinterlassen. "In diesen Jahren führte er eher das Leben eines Bohemiens, verbrachte die Zeit mit Diskussionen unter Freunden, spielte Schach und hörte im Unterricht seinen Schülerinnen zu."40 Dennoch haben seine Freunde manchmal etwas übertrieben, wenn sie ihn ausschließlich als Bohemien bezeichneten - wenn Krása komponierte, dann tat er das sehr konzentriert und war nicht zu erreichen.41 1925 unterzeichnete Krása schließlich einen Vertrag mit der Universal Edition in Wien, die seitdem die meisten seiner Werke heraus brachte.

Im folgenden Teil möchte ich drei seiner Werke exemplarisch aus der Zeit vor und in Theresienstadt näher betrachten:42

Sein erstes Werk - Orchestergrotesken mit begleitender Singstimme op.1 - schrieb er für eine Singstimme (Alt), und ein begleitendes Symphonieorchester: eine Piccoloflöte, 2 Flöten, 2 Oboen, Englisch Horn, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, Kontrafagott, 2 Trompeten, 2 Hörner, 4 Posaunen, Basstuba, Celesta, Xylophon, Harfe, Pauke und ein Streichquintett. Für die Vertonung wählte Krása vier Gedichte aus der Sammlung Galgenlieder von Christian Morgenstern: Geißund Schleiche, Nein!, Der Seufzer und Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid. Insgesamt hat Morgenstern über 200 groteske Gedichte geschrieben. Sie alle wurden 1933 unter dem Titel Galgenlieder zusammengefasst. Diese Gedichte sind kindlich heiter und voller lautmalerischer Worte:

Pfeift der Sturm?

Keift der Wurm? Heulen

Eulen

Hoch im Turm?

Nein!

Es ist des Galgenstrickes dickes

Ende, welches ächzte, gleich als ob

im Galopp

eine müdgehetzte Mähre

nach dem nächsten Brunnen lechzte

der vielleicht noch ferne wäre.43

Dieses zitierte Gedicht Nein! fordert zur Vertonung durch lautmalerische Worte wie "des Galgenstrickes dickes Ende" geradezu auf. Krása neigt in seiner Vertonung zur Miniatur und Kürze - er liebt es, seiner Musik einen grotesken Charakter zu geben. Dafür eignen sich die kurzen Gedichte Morgensterns hervorragend. Anbei ein Notenbeispiel aus der Gesangsstimme des zitierten Gedichtes.

"Tatsächlich finden sich in diesem Zyklus schon wesentliche Elemente von Krásas Eigenart ausgeprägt: pointierte Formulierung, Hang zu aphoristischer Kürze, klangliche Transparenz... dabei typische Neigung zu Humor und Groteske."44

Charakteristisch für Krásas Werk ist aber auch die Sparsamkeit der Ausdrucksmittel, beispielweise der dezente Einsatz von dynamischen Mitteln. Es ist auffallend, dass alle Orchesterlieder meist im pianissimo oder piano pianissimo geschrieben sind. Sehr selten taucht ein forte auf - nur das Ende des letzten Orchesterliedes (Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid) steht im forte fortissimo. Auch die Besetzung ist sparsam gewählt - demnach wurde das Werk eher für ein Kammerorchester als ein Symphonieorchester komponiert. Außerdem sind die einzelnen Stücke sehr kurz. Die Orchesterlieder dauern zwischen 1,30 Minuten und zwei Minuten und die Gesamtlänge beträgt nur ca. acht Minuten.

Insgesamt wurde das Werk sehr positiv bewertet - der Rezensent Ernst Rychnowsky betitelt seinen Artikel über Krásas erstes Werk sogar mit den Worten: Announcing a Genius. 45 Mit der Uraufführung der Orchestergrotesken durch Alexander von Zemlinsky im Mai 1921 gelang Krása mit seinem ersten Werk gleich der große Aufschwung. Es folgten noch im gleichen Jahr ein Streichquartett, 1922 eine Symphonie für ein kleines Orchester und 1925 fünf Lieder für eine Singstimme (mittlere Stimme) mit Klavierbegleitung.

Der Höhepunkt in Krásas musikalischem Schaffen war die Oper Verlobung im Traum, die er in zwei Jahren von 1928 bis 1930 komponierte.

1928 lag ihm das Libretto in deutscher Sprache von Rudolf Fuchs und Rudolf Thomas vor, die dieses nach einer Novelle von Dostojewskij - Onkelchens Traum - verfasst hatten. Bereits im Herbst 1928 hatte Krása einige Teile komponiert und während einer Privataufführung vorgespielt. Der anwesende Komponist Viktor Ullmann schreibt dazu:

Er ist kein Professional. Sein Schaffen geschieht ohne Arbeit, so zwischen Schach und Matt. Aber was entsteht, ist von nachtwandlerischer Sicherheit... Krásas in Arbeit befindliche Oper nach Dostojewskijs Novelle 'Onkelchens Traum' verspricht Musik substanzieller Art, sofern man nicht von der Gazelle die Kraftprobe des Elefanten verlangt.46

Die Oper spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in der Kleinstadt Mordassow. Der Archivar der Stadt erzählt von dem Besuch eines Herrn Dostojewskij, der besonders gute Romane schreibt und sich für die tragische Geschichte der schönen Sina interessiert. So beginnt der Archivar, die Geschichte zu erzählen:

An ihrem Namenstag erhält Sina (Sopran) Blumen von ihrem Geliebten - dem kranken Lehrer Fedja. Diese werden durch seine Dienerin Barbara (Alt) gebracht. Sina singt über den Hass, den sie auf die engstirnige Gesellschaft hat, da sie nicht mit Fedja zusammen sein darf, weil dieser arm ist und von den Einwohnern der Stadt nicht akzeptiert wird. "Wär' diese Stadt nicht die kleine Stadt, nicht die zänkische Stadt, wo sie einander hassen, ich ging zu meinem lieben Schatz, ich eilte zu ihm, ich flöge zu ihm durch die erhellten Gassen. Aber ein Abgrund trennt uns, denn Fedja ist arm und krank."

Im Haus, wo Sina mit ihrer Mutter Marja Alexandrowna (Mezzosopran) und deren Schwägerin Nastassja (Alt) lebt, sind seltene Gäste angekündigt: der junge Diplomat Paul (Tenor), der Sina liebt und der alte Fürst (Bassbariton), der mit ihm verwandt ist. Die Mutter Marja freut sich sehr über die Erscheinung des Fürsten, da sie eine gute Partie für Sina wittert. Sie hat keine Skrupel, ihre Tochter dem alten, vergesslichen Fürsten als Braut zu geben. Der Fürst ist auch sogleich angetan angesichts Sinas Schönheit und Grazie. Paul und Nastassja sind beide eifersüchtig - er, weil er Sina liebt und sie, weil sie selber ein Auge auf den Fürsten geworfen hat. Nachdem der Fürst das Haus verlassen hat, um den Gouverneur zu besuchen, redet Marja Alexandrowna auf ihre Tochter ein und überzeugt sie, wie vorteilhaft eine Heirat mit dem Fürsten wäre. Denn da er schon alt sei, würde er nicht mehr lange leben und Sina könne mit dem Geld Fedja nach Madeira schicken, wo er gesund werden würde. Sina gibt allmählich nach.

Beim darauffolgenden Mittagessen soll Sina dem Fürsten etwas vorsingen, der sogleich der Illusion erliegt, sich unsterblich in Sina verliebt zu haben. Er gibt bekannt, dass er den Familienschatz für seine zukünftige Frau bringen lasse.

Im anschließenden Duett kündigen Nastassja und Paul Rache an. Dafür bietet sich für Paul auch eine Gelegenheit: Barbara bringt einen Brief vom sterbenden Fedja, worin er Sina rufen lässt, um sich von ihr verabschieden zu können. Paul gelingt es, den Brief abzufangen und zu verstecken.

Im zweiten Akt kommt Paul in das Zimmer des Fürsten, um ihn zu überzeugen, dass er die Verlobung mit Sina nur geträumt habe. Der Fürst glaubt ihm und gesteht, dass er gelegentlich solche schönen Träume zu träumen pflegt.

Nastassja indes schmiedet einen Plan und lädt ungefragt die Frauen der Stadt zur Verlobungsfeier in Marjas Haus ein.

Der Fürst berichtet der anwesenden Gesellschaft, dass er gedenkt, am nächsten Tag ins Ausland zu fahren. Dabei erzählt er von seinem schönen Traum mit der Verlobung. Die entsetzte Marja versichert dem Fürsten, dass es kein Traum war, sondern Wirklichkeit. Paul widerspricht und der Fürst ist verwirrt. Schließlich schafft Sina Klarheit: Sie gibt zu, auf Wunsch ihrer Mutter gesungen zu haben. Sie wollte den Fürsten zum Mann nehmen, um Fedja helfen zu können. Der Fürst, gerührt von ihrer Offenheit, bittet selbst um Verzeihung. Nastassja ist voll Schadenfreude, weil es ihr gelang, ihre Schwägerin vor den Frauen der Stadt zu blamieren. Nun kommt die Nachricht von Barbara: Fedja ist tot.

Im Epilog berichtet der Archivar, dass Marja mit ihrer Tochter aus Mordassow weggezogen sei und Sina mit einem reichen Gouverneur verheiratet habe. Sina indes sei aus Kummer kalt wie Eis geworden und könne keine Liebe mehr empfinden.

Zu den höchsten Qualitäten von Krásas Oper gehört, außer der farbigen, melodischen Musik, die musikalisch genaue Charakterisierung der einzelnen Figuren. Keine der Figuren ist nur gut oder nur schlecht - alle besitzen vielschichtige menschliche Züge, genau wie die Figur des Brundibár in der gleichnamigen Kinderoper.

[...]


1 Strauss, Leo: Einladung. In: Migdal, Ulrike (Hrsg.): Und die Musik spielt dazu. Chansons und Satiren aus dem KZ Theresienstadt, München/Zürich 1986, S. 61ff.

2 Brundib á r ist im Tschechischen die volkstümliche Bezeichnung einer Hummel und bedeutet im übertragenden Sinne ein brummiger, griesgrämiger Mensch.

3 So beispielsweise: Migdal, Ulrike (Hrsg.): Und die Musik spielt dazu. Chansons und Satiren aus dem KZ Theresienstadt, München/Zürich 1986.

4 Vgl.: Adler, Hans G.: Theresienstadt 1941-1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, Wörterverzeichnis S. XXV.

5 Vgl.: Klein, Peter: Theresienstadt: Ghetto oder Konzentrationslager? In: Theresienstädter Studien und Dokumente, Prag 2005, S.111.

6 Vgl.: Jeunesses Musicales Deutschland (Hrsg.): Der Prozess der Ausgrenzung der Juden im besetzten Teil der Tschechoslowakei. In: Die Brundibár-Mappe, Weikersheim 1997, Kapitel 6, Seite 8f.

7 Beneš, Zden k/ Kural, Václav (Hrsg.): Geschichte verstehen. Die Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen in den böhmischen Ländern 1848 - 1948, Prag 2002, S. 120.

8 Ebd. S. 121.

9 Vgl.: ebd. S. 146.

10 Vgl.: Adler, Hans G.: Theresienstadt 1941-1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 3.

11 Vgl.: ebd. S. 5. Die Quellen differieren in Hinblick auf die angegebenen Zahlen.

12 Polák, Josef: Das Lager. In: Rat der jüdischen Gemeinde in Böhmen und Mähren (Hrsg.): Theresienstadt, Wien 1965, S. 25.

13 Die Kleine Festung wurde im Nationalsozialismus unabhängig von Theresienstadt als Gestapo-Gefängnis genutzt.

14 Jeunesses Musicales Deutschland (Hrsg.): Stationen der Vernichtung: Die Wannsee-Konferenz 1942 und das Ghetto Theresienstadt. In: Die Brundibár-Mappe, Weikersheim 1997, Kapitel 6, Seite 12.

15 Vgl.: Adler, Hans G.: Theresienstadt 1941-1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 21.

16 Das "Wannsee-Protokoll" zur Endlösung der Judenfrage. Düsseldorf 1952. In: Adler, Hans G.: Theresienstadt 1941-1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 22 f.

17 Auf dieses Trugbild werde ich später noch genauer eingehen.

18 Karas, Joža: Music in Terez í n. 1941 - 1945, New York 1985, S. 9f.

19 Vgl.: Adler, Hans G.: Theresienstadt 1941 - 1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 40 ff.

20 Vgl.: ebd. S. 236.

21 Ebd. S. 236f.

22 Beispielsweise der Schleuse, wo die ankommenden und abgehenden Transporte abgefertigt wurden.

23 Beispielsweise 5000 Personen aus dem Protektorat bis 65 Jahre.

24 Rothkirchen, Livia: Die Repräsentanten der Theresienstädter Selbstverwaltung. In: Theresienstädter Studien und Dokumente, Prag 1996, S.114.

25 Spitzer, Federica: Verlorene Jahre. In: Benz, Wolfgang: Theresienstadt. Aufzeichnungen von Federica Spitzer und Ruth Weisz, Berlin 1997, S. 50f.

26 Vgl.: Adler, Hans G.: Theresienstadt 1941 - 1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 360.

27 Weglein, Resi: Das Ghetto Theresienstadt. Unterkünfte. In: Die Brundibár-Mappe, Weikersheim 1997, Kapitel 6, Seite 18.

28 Vgl.: Adler, Hans G.: Theresienstadt 1941 - 1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Tübingen 1955, S. 523.

29 Diekmann, Miep; Hilarová, Dagmar: Ich habe keinen Namen. Eine Fünfzehnjährige im KZ, Würzburg 1985, S. 113.

30 Dieser Begriff wurde von Hans G. Adler in seinem Buch Theresienstadt 1941 - 1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft geprägt.

31 Vgl.: ervinková, Blanka: Hans Kr á sa. Leben und Werk, Saarbrücken 2005, S. 15f.

32 Vgl.: ebd. S. 17.

33 Die heutige Staatsoper Prag.

34 Vgl.: Brief Marie Bass an Blanka ervinková. In: ervinková, Blanka: Hans Kr á sa. Leben und Werk, Saarbrücken 2005, S. 35.

35 Vgl.: ebd. S. 36.

36 Cornelis Witthoefft: Hans Kr á sa. In: Initiative Hans Krása, Verein der Förderer der Theresienstädter Initiative e.V. (Hrsg.): Komponisten in Theresienstadt, Hamburg 1999, S. 34.

37 Vgl.: Punkt 2.2.

38 Im Sinne einer indirekten Schülerschaft. Krása hatte eine Vorliebe für Mahler und Schönberg.

39 Mai, Günter; Scheidacker, Wolfgang (Hrsg.): Der vorletzte Akt - Brundib á r. Die Geschichte der Kinderoper von Theresienstadt. Sonderreihe aus gestern und heute Nr. 14. Dokumentationen und zeitgeschichtliche Beiträge, München 1966, S. 10.

40 Kuna, Milan: Musik an der Grenze des Lebens. Musikerinnen und Musiker aus böhmischen Ländern in nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Gefängnissen, Frankfurt/Main 1993, S. 321.

41 Vgl.: ervinková, Blanka: Hans Kr á sa. Leben und Werk, Saarbrücken 2005, S. 74.

42 Einen groben Überblick seiner Werke gebe ich im Anhang.

43 Heselhaus, Clemens (Hrsg.): Christian Morgenstern. Gesammelte Werke. Band 1, Weyarn 1998, S. 14.

44 Cornelis Witthoefft: Hans Kr á sa. In: Initiative Hans Krása, Verein der Förderer der Theresienstädter Initiative e.V. (Hrsg.): Komponisten in Theresienstadt, Hamburg 1999, S. 35.

45 Courrier musical vom 6.10.1921. In: ervinková, Blanka: Hans Kr á sa. Leben und Werk, Saarbrücken 2005, S. 42.

46 Bericht Viktor Ullmann. In: ervinková, Blanka: Hans Kr á sa. Leben und Werk, Saarbrücken 2005, S. 75.

Details

Seiten
107
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656542254
ISBN (Buch)
9783656543268
Dateigröße
4.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264853
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Musik
Note
1,0
Schlagworte
bedeutung musik leben theresienstadt beispiel kinderoper brundibár hans krása

Autor

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Titel: Zur Bedeutung der Musik für das Leben in Theresienstadt am Beispiel der Kinderoper "Brundibár" von Hans Krása