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Ein Vergleich der Argentinien- und Türkei-Krisen aus politischer und ökonomischer Sicht

Masterarbeit 2007 68 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Kapitel 1
Einleitung

Kapitel 2
Die Modelle der Krisen
2.1. Erste Generation der Krisen
2.2. Zweite Generation der Krisen
2.3. Dritte Generation der Krisen

Kapitel 3
Argentinien-Krisen
3.1. Historische Entwicklung der argentinischen Wirtschaft
3.2. Die Notwendigkeit eines Stabilitätsprogramms
3.2.1. Konvertibilitätsplan durch Cavallo
3.2.2. Die Ziele des Konvertibilitätsplan
3.2.3. Das argentinische Currency Board
3.3. Die Analyse der ökonomischen Variablen nach dem Currency Board
3.3.1. Hohe Kapitalzuflüsse und der Faktor der Zinssätze nach der Einrichtung
des Currency Board-Systems
3.3.2. Auswirkungen des Currency Board-Systems auf die Inflation und
das Wachstum
3.3.3. Der Einfluss der Außenwirtschaftskrise auf die argentinische Wirtschaft
3.3.4. Die Entwicklungen vor der Krise im Bankenbereich
3.4. Ausbruch der Krise
3.4.1. Erforderliche Maßnahmen
3.4.2. Die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit und die Ursachen der Krise
3.4.3. Die Rolle des IWF
3.5. Argentinien nach der Krise

Kapitel 4
Türkei-Krisen
4.1. Historische Entwicklung der türkischen Wirtschaft
4.2. Das Stabilitätsprogramm im Jahr 1999
4.3. Die türkische Wirtschaft nach dem Stabilitätsprogramm
4.3.1. Die Probleme des Stabilitätsprogramms in der türkischen Wirtschaft
4.3.2. Der Einfluss des Stabilitätsprogramms auf die ökonomischen Variablen
4.3.3. Der Entwicklung vor der Krise im Bankenbereich
4.4. Ausbruch und die Ursachen der Krise
4.4.1. Erforderliche Maßnahmen
4.4.1.1. Das neue ökonomische Programm
4.4.1.2. Die Rolle des IWF
4.5. Die Türkei nach der Krise

Kapitel 5
Ein Vergleich der Argentinien- und der Türkei-Krisen
5.1. Die Wechselkurspolitik
5.2. Die kurzfristigen Kapitalzuflüsse
5.3. Die endogenen und exogenen Störungen der Wirtschaftslage
5.4. Die ausländischen Banken im Inland
5.5. Die Auslandsverschuldung

Kapitel 6

Schlussbetrachtung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zinssätze von Argentinien und den USA (1991-2001)

Abbildung 2: BIP-Wachstumsrate der argentinischen Wirtschaft (1991-2001)

Abbildung 3: Die Inflationsrate der argentinischen Wirtschaft (1991-2001)

Abbildung 4: Die Arbeitslosenquote in Argentinien (1993-2002)

Abbildung 5: Die Inflationsrate in der Türkei (1999-2001)

Abbildung 6: Die BIP-Wachstumsrate in der Türkei (1999-2001)

Abbildung 7: Devisenreserve der türkischen Zentralbank (2000-2001)

Abbildung 8: Die nächtlichen Zinssätze der Banken (1999-2001)

Abbildung 9: Die Auslandsverschuldung von Argentinien (1991-2001)

Abbildung 10: Brutto-Auslandsverschuldung der Türkei (1996-2002)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die ökonomischen Stabilitätsprogramme von Argentinien (1960-1991)

Tabelle 2: Argentinischer Bankenbereich (Aktiva 1991-2001)

Tabelle 3: Argentinischer Bankenbereich (Passiva 1991-2001)

Tabelle 4: IWF und Argentinien (1991-2003)

Tabelle 5: Die Inflationsrate, das BIP-Wachstum und die Arbeitslosenquote in Argentinien (2000-2006)

Tabelle 6: Die ökonomischen Variablen der Türkei (2001-2006)

Tabelle 7: Die bestimmten Indikatoren von Argentinien und der Türkei (1998-2001)

Tabelle 8: Außenhandelsstruktur von Argentinien im Jahr 2001

Kapitel 1

Einleitung

Seit den 1980er Jahren leiden die Entwicklungsländer an makroökonomischen Problemen. Bis zum Anfang der 1960er Jahren hatten sie ähnliche ökonomische Strukturen. Chronisch hohe Inflationsraten waren für sie charakteristisch. Die meisten Entwicklungsländer haben ab den 1990er Jahren bestimmte Maßnahmen ergriffen, ihre makroökonomischen Probleme zu lösen. Damit die Wirtschaft gesunden konnte, wurden die Handelsbeschränkungen aufgehoben. Weiterhin wurde der Kapitalverkehr geöffnet, um den privaten Kapitalfluss zu ermöglichen. Aufgrund der hohen Staatsausgaben und der hohen Unternehmensverluste war die Notenpresse die einzige Möglichkeit für diese Länder sich zu finanzieren. Dies führte jedoch dazu, dass sich die Inflation in diesen Ländern weiter erhöhte.[1] Die Banken dieser Entwicklungsländer haben die finanzielle Liberalisierung als ein notwendiges Ziel für die ökonomische Stabilität angesehen. Sie hatten Kredite während der schlechten Finanzierungs­situation an risikoreiche Projekte vergeben.[2] Das Problem war, dass sie diese Kredite selbst in der Auslandswährung aufgenommen hatten und die Inlandswährung durch die spekulative Attacke abgewertet wurde. Diese Abwertung verursachte, dass sich die Schulden und die Zinszahlungen in inländischer Währung erhöhten, weil die Inlandswährung gegenüber der Auslandswährung ihren Wert verlor. Jedoch musste die Regierung zunächst die abgewertete Inlandswährung gegen die Auslandswährung tauschen.

In den Entwicklungsländern ist die Sparquote sehr gering und die Entwicklungsländer leiden an den Defiziten in der Leistungsbilanz. Eine Ursache für die Leistungsbilanzdefizite kann gezeigt werden, dass die Sparquoten in diesen Ländern geringer als die inländischen Investitionen. Noch eine Ursache für die Leistungsbilanzdefizite sind die im Ausland aufgenommenen Kredite. Die Möglichkeiten für neue Investitionen in kapitalreichen Ländern sind nicht mehr rentabel, weil die produktiven Investitionen schon erschöpft sind. Deswegen haben Industrieländer einen Anreiz an Entwicklungsländer Kredite zu vergeben, um höhere Renditen zu erzielen. Obwohl es für die Entwicklungsländer nicht möglich ist, rentable Investitionen durchzuführen, nehmen sie Kredite im Ausland an. Aufgrund des schwachen Finanzsektors und der politischen Instabilität in Entwicklungsländern existiert ein hohes Risiko. Aus den Kapitalzuflüssen gibt es unterschiedliche Verbindlichkeiten gegenüber Kreditgebern.[3] Die Kapitalzuflüsse können sich schnell in Kapitalabflüsse umkehren. Mit anderen Worten, die kurzfristigen Kapitalzuflüsse mit den liberalisierten Finanzmärkten kann eine Währungskrise beim festen Wechselkurs auslösen, weil die Verbindlichkeiten gegenüber den Kreditgebern aufgrund des Kapitalabflusses nicht mehr finanziert werden können.[4]

Die Entwicklungsländer beabsichtigten in den 1990er Jahren mit der finanziellen Liberalisierung, sich in die internationalen Märkten zu drängen und eine makroökonomische Stabilisierung zu erreichen. Aufgrund dessen führten diese Länder umfangreiche Reformen in den ökonomischen Bereichen sowie im Bankenbereich durch. In den 1990er Jahren stiegen die Kapitalzuflüsse aufgrund der Liberalisierung der Märkte in die Entwicklungsländer stark an. Mit den Reformen, die die Glaubwürdigkeit an der Geldpolitik stärken sollten, wurde versucht, das Kapital in den Entwicklungsländern zu binden.

Länder wie Argentinien und die Türkei haben ähnliche ökonomische Pläne durchgeführt, um ihre ökonomischen Ziele zu erreichen und ihre wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Die beiden Länder haben gegen die Währungskrise in den Jahren 2000 und 2001 gekämpft, und auf eine ausgewählte Wechselkurspolitik sowie auf verschiedene Stabilitätsprogramme verzichtet. Der Bankensektor in diesen Ländern ist in Gefahr geraten, wodurch das internationale Kapital aus diesen Ländern abgezogen wurde. Vor den Krisen wurden diese beiden Länder durch die Stabilitätsprogramme vom Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützt. Der Eckstein dieser Stabilitätsprogramme war die feste Wechselkurspolitik. Im Endeffekt mussten die beiden Länder ihre Wechselkurspolitik aufgeben und den Wechselkurs schwanken lassen. In dieser Arbeit werden die Krisen in Argentinien und der Türkei aus politischer und ökonomischer Sicht analysiert. Um die Ursachen der in den beiden Ländern ausgebrochenen Krisen zu untersuchen, werden zunächst die Krisenmodelle in dieser Arbeit betrachtet, damit die in beiden Ländern auftretenden Krisen verstanden werden können. Im Kapitel 3 wird die Argentinien-Krise und im Kapitel 4 wird die Türkei-Krise dargestellt. Eine Analyse der beiden Krisen wird im Kapitel 5 durchgeführt. Hier werden die ökonomischen angewandten Maßnahmen der beiden Länder verglichen und ihre Wirtschaft nach der Krise dargestellt. Schließlich werden die Ergebnisse dieser Arbeit im Kapitel 6 betrachtet.

Kapitel 2

Die Modelle der Krise

In diesem Kapitel werden die Krisenmodelle verbal analysiert. Jedoch muss der Begriff der Krise zunächst definiert werden. Bei den Krisenansätzen in der Literatur handelt es sich um die Währungskrisen. Die Währungskrise wird durch die spekulative Attacke ausgelöst, weil die Zentralbank durch diese Attacke unter Druck gerät. Wenn sie keinen ausreichenden Reservebestand haben, dann tritt die Währungskrise auf. Durch die Liberalisierung der Finanzmärkte wurde erwartet, dass die Währungskrise in der Zukunft weniger auftritt. Aber in den Entwicklungsländern enstanden die Krisen im Bankenbereich.[5] Auch in Argentinien und der Türkei war der Bankenbereich problematisch. Zunächst die Probleme entstanden im Bankenbereich. Als Beispiel kann die Finanzkrise in der Türkei am November 2000 angegeben werden. Obwohl die spekulative Attacke durch die Hilfskredite vom IWF in der Türkei verhindert wurde, konnte das türkische Finanzsystem noch eine spekulative Attacke nicht verhindern und drei Monate später trat die große Krise in der Türkei auf. Die in Argentinien und in der Türkei aufgetretenen Krisen waren Währungskrisen. Infolgedessen wird in dieser Arbeit im Wesentlichen die Währungskrise betrachtet, jedoch darf die Position der Banken während der Krise nicht vergessen werden, da eine Währungskrise immer auch durch die Krise im Bankenbereich verfolgt wird.

Um die in Argentinien und in der Türkei aufgetretenen Krisen zu verstehen, müssen die Generationen der Krisen erklärt werden. Zunächst wird in diesem Kapitel die erste Generation der Krisen betrachtet. In der ersten Generation werden die Krisen durch spekulative Attacken verursacht. Durch die spekulativen Attacken entsteht bei der Wechselkursfixierung ein Verlust an Devisenreserven, wobei mit zunehmender Dauer dieser Attacken das Problem auftritt, dass man keinen Bestand mehr an Devisen hat.[6] In der zweiten Generation handelt es sich um selbsterfüllende Erwartungen, in denen das Verhalten der Regierung eine große Rolle spielt. Die dritte Generation ist das Problem der Instabilität im Bankenbereich. Schließlich wird auch der neue Begriff die Zwillingskrise, bei der eine Krise im Bankenbereich und in dem Währungssystem zusammentrifft, in diesem Kapitel betrachtet. Hier wird mit der Erklärung der Krisenansätze beabsichtigt, die im nächsten Kapitel untersuchten Krisen in Argentinien und der Türkei in der Theorie zu verstehen.

2.1. Erste Generation der Krisen

Die erste Generation von Krisen, die eine klassische Krise darstellt, wurde im Jahr 1979 von Krugman formuliert.[7] Bei diesem Modell wird angenommen, dass das Verhalten der Politiker exogen ist und vollständige Informationen herrschen.[8] Eine Krise der ersten Generation kommt unter der Annahme eines festen Wechselkurses vor, wenn es eine spekulative Attacke auf die Währung gibt. Die spekulative Attacke beseitigt mit der Zeit die Währungsreserven. Dann ist die Regierung außer Stande, den festen Wechselkurs länger zu verteidigen.[9] Die Spekulanten verursachen den Zusammenbruch des festen Wechselkurses, weil sie erwarten, dass die heimische Währung irgendwann abgewertet wird. Somit wird die heimische Währung gegen die ausländische Währung durch die Spekulanten mit dem festen Wechselkurs getauscht. Wenn die heimische Zentralbank ausreichende Währungsreserven zur Verfügung hat, kann die Erwartung der Spekulanten erfüllt werden. Wenn sie keine Währungsreserven mehr hält, kann sie nicht mehr die heimische Währung gegen ausländische Währung tauschen. Dies verursacht den Verzicht auf den festen Wechselkurs. Auch bedeutet es, dass der Verzicht auf den festen Wechselkurs, der von der Erwartung von Spekulanten abhängig ist, endogen ist. Dieses Verhalten der Spekulanten führt zum Zusammenbruch des festen Wechselkurses.[10]

Die Spekulanten beenden ihre Attacke auf die Währung nicht, bis die Währungsreserven der Zentralbank mit Laufe der Zeit vollständig beseitigt werden und der feste Wechselkurs aufgegeben wird. In anderen Worten kann man sagen dass die Spekulanten miteinander konkurrieren, bis der feste Wechselkurs nicht sein höchstes Niveau erreicht hat, wovon sie mehr profitieren können. Dies führt zum Wettbewerb zwischen Spekulanten.[11]

Krugman argumentiert in seiner neuen Analyse, dass das von ihm im Jahr 1979 dargestellte Modell nützlich ist, die Krise verständlich zu machen. Aber er betont die Tatsache, dass die Politikkonflikte auch einen Angriff auf die Währung haben und damit eine Krise verursachen können. Eigentlich ist es schwierig, die spekulativen Attacken in einer Krise zu identifizieren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die willkürlichen Erwartungen von Spekulanten nicht eine wichtige Ursache für die Krise sind.[12]

Die Länder, die niedrige Devisenreserven zur Verfügung haben, werden Kredite vom IWF oder anderen Zentralbanken aufnehmen, was zu einer hohen Auslandsverschuldung führt. Somit wird der Bestand an Reserven kurzfristig und vorläufig unterstützt. Allerdings beinhaltet diese Verschuldung Zinszahlungen. Diese Zinszahlungen sind eine Ursache für eine Krise bei den hohen langfristigen Budgetdefiziten, da sich dadurch auch das Haushaltsdefizit verschlechtert. Somit kann eine Währungskrise sogar früher auftreten.[13] Beim festen Wechselkurs muss die Ausdehnung der inländischen Kreditmenge mit der ansteigenden Geldnachfrage ausgeglichen werden, sonst wird der Bestand der Währungs­reserven mit der Zeit beseitigt. Dies hätte zur Folge, dass die Währungsreserven beim langfristigen festen Wechselkurs irgendwann vollständig erschöpft sind.[14]

In diesem Modell ist die Ursache der Krise durch die Instabilität der Geldpolitik aufgetreten. Mit dem festen Wechselkurs wird versucht, die Glaubwürdigkeit in der Geldpolitik zu schaffen. Damit kann auch die makroökonomische Stabilität in der Wirtschaft erreicht werden. Aber die langfristigen Budgetdefizite können zur Instabilität der Geldpolitik führen, wenn diese Defizite durch die Verschuldung im Ausland oder durch Geldschöpfungsprozesse der Zentralbank finanziert werden.

Die Währungskrise der ersten Generation kann politisch und ökonomisch entstehen, wenn ein Land im Inland eine expansive Politik verfolgt und einen festen Wechselkurs einrichtet. Damit kann es verschiedene Ziele erreichen und die verschiedenen Interessengruppen befriedigen. Jedoch kann das Land den festen Wechselkurs mit den gewollten Zielen nicht aufrechterhalten. Dies führte dazu, dass der feste Wechselkurs unter Druck gerät, wodurch eine Abwertung erfolgt.[15] Dies kann wiederum zu einem Zusammenbruch des Währungssystems führen.

2.2. Zweite Generation der Krisen

In der ersten Generation der Krisen gibt es keine Möglichkeit für die Anpassung der Politik, wobei vollständige Informationen und exogenes Verhalten der Politiker angenommen werden. Solange der feste Wechselkurs für die Regierung gegenüber anderen Währungssystemen vorteilhafter erscheint, sollte die Regierung die Bindung an den Wechselkurs nicht aufgeben. Trifft dies jedoch nicht zu, sollte die Regierung auf diese Bindung verzichten, bevor eine spekulative Attacke stattfindet.[16] Aufgrund des exogenen Verhaltens der Politiker und der vollständigen Informationen ist das erste Generationsmodell nicht ganz relevant. Wenn das Verhalten der Regierung im ersten Generationsmodell endogen gewesen wäre, könnten verschiedene Lösungen für die Krisenprobleme gefunden werden.

Durch den im Jahre 1994 von Obstfeld durchgeführten Ansatz The Logic of Currency Crises kann das zweite Generationsmodell betrachtet werden. Durch die erlebte Krise im Europäischen Währungssystem (EWS) im August 1993 wurde gezeigt, dass das Krisenmodell von Krugman (1979) Mängel aufweist, diese Krise zu verstehen. Obstfeld argumentiert, dass die Regierungen eine Alternative besitzen, ob sie auf den festen Wechselkurs verzichten oder nicht. Aufgrund dessen kann eine Krise durch die selbsterfüllenden Erwartungen verursacht werden. Dies bedeutet, dass das Regierungsverhalten endogen ist. Bei diesem Verhalten wird eine Entscheidung entweder durch die Elastizität der kurzfristigen oder der langfristigen makroökonomischen Geldpolitik getroffen. Wenn auf dem Markt erwartet wird, dass der feste Wechselkurs aufgegeben wird, verteuert sich die Unterstützung der Regierung an die Bindung. Aufgrund dessen sollte diese Bindung seitens der Regierung als Antwort auf dem Markt aufgegeben werden.[17]

Im Vergleich zum ersten Generationsmodell unterscheidet sich hier, dass eine Währungskrise als notwendiger Begleitumstand eine rationale Entscheidung zugunsten einer expansiven Geldpolitik vertritt. Obwohl ein fester Wechselkurs zur Preisniveaustabilität führt, wird die geldpolitische Stabilisierung durch einen exogenen Schock verhindert. Diese exogenen Schocks können zwar einen negativen Einfluss auf die Arbeitspolitik haben, aber sie können für die Politik rational sein. Dies bedeutet, dass die Preisniveaustabilität zugunsten einer Reduktion der Arbeitslosigkeit durch expansive Geldpolitik geopfert wird.[18] Als Beispiel kann angeführt werden, dass eine lange Periode der Arbeitslosigkeit, die von einer Regierung geplant wird, zu einem Verzicht auf den festen Wechselkurs führen kann und eine Einschränkung in der Geldpolitik verursachen kann.[19]

Obstfeld argumentiert auch damit, dass die Regierung ein Output- und Beschäftigungsziel verfolgt. Deswegen kann die Regierung unter bestimmten Situationen auf den festen Wechselkurs verzichten. Als Resultat des Modells existiert ein multiples Gleichgewicht unter bestimmten Umständen. Gibt es auf dem Markt zum Beispiel eine Erwartung, dass die Währung abgewertet wird, dann führt die Regierung eine Kosten-Nutzen-Analyse durch. Wenn der Nutzenverlust bei der Abwertung geringer als bei der Beibehaltung des festen Wechselkurses ist, dann wird die Währung abgewertet.[20]

Wie bisher erwähnt wurde, ist die Politik in diesem Modell nicht exogen. Es existieren multiple Gleichgewichte in der Politik. Dies bedeutet, dass die Regierung eine andere Politik nach der Attacke als zuvor verfolgen kann. In diesem Modell gibt es drei notwendige Bestandteile für die multiplen Gleichgewichte.[21]

- Mit dem festen Wechselkurs, der für den internationalen Handel wichtig ist, kann die Regierung die Glaubwürdigkeit in ihrer Geldpolitik verstärken.
- Wenn die Regierung auf den festen Wechselkurs verzichtet, kann ein exogener Schock dafür ausschlaggebend sein, dass die Arbeitslosigkeit erhöht und die reale Verschuldung der Regierung reduziert wird.
-Wenn eine Abwertung auf dem Markt erwartet wird, dann kann die Regierung den festen Wechselkurs nicht mehr verteidigen, weil sich diese Bindung mit der Abwertungserwartung verteuern würde. Die Abwertungserwartungen führen zu höheren Lohnforderungen, womit die Arbeitslosigkeit weiter erhöht wird. Auch der Schuldendienst der Regierung verteuert sich durch die erhöhte Risikoprämie der heimischen Währung.

Die Verteidigung des festen Wechselkurses beeinflusst die Preise und Löhne. Diese Variablen hängen von den Erwartungen auf dem Markt und von der zukünftigen Regierungspolitik ab. Deshalb ergibt sich eine Zirkularität in Abhängigkeit von der Markterwartung, die entweder ein gutes oder ein schlechtes Modellgleichgewicht entstehen lässt. Wenn für die Marktteilnehmer die Krisenwahrscheinlichkeit gering ist, dann werden niedrige Nominallöhne vereinbart, wodurch die Situation in der Arbeitspolitik vorteilhafter wird. Dies führt dazu, dass der feste Wechselkurs durch die Regierung verteidigt wird, weil Schocks die Beschäftigungssituation verschlechtern würden. Dies ist solange möglich, bis starke negative Schocks entstehen und die Regierungspolitik die Erwartung der Marktteilnehmer bestätigt oder die Marktteilnehmer die Politik der Regierung, die den festen Wechselkurs verteidigt, nicht unterstützen, wodurch sie hohe Nominallöhne fordern. Aus diesem Grund spielt die Beschäftigungssituation bei der Fortdauer des festen Wechselkurses eine große Rolle. Deshalb sinkt die Toleranzgrenze der Regierung gegenüber Schocks. Ein schwacher Schock kann eine Währungskrise verursachen. Somit ist die Erwartung der Marktteilnehmer wieder bestätigt.[22]

Selbsterfüllende Erwartungen können auch wie folgt erklärt werden. In einem Land gibt es das feste Wechselkurssystem. Die ausländischen Investoren erwarten Deflation in diesem Land. Aufgrund dessen wird eine höhere Risikoprämie für die Kredite verlangt, wodurch die Verschuldung in diesem Land verteuert wird. Dies verringert die Rahmenbedingungen der Kreditaufnahme, was sich auf das Wachstum und die Produktion negativ auswirkt. Dann sollte sich die Regierung für eine Deflation entscheiden, weil die Kosten der Bindung teurer werden. Damit werden die Erwartungen der Investoren verwirklicht. Wenn die Investoren keine Deflation erwarten, dann wird keine höhere Risikoprämie für die Kredite von Ihnen verlangt. Infolgedessen wird die Verschuldung für dieses Land nicht erhöht und der feste Wechselkurs bleibt erhalten. Im Endeffekt wird die Erwartung der Investoren verwirklicht und keine Deflation tritt auf.[23]

Im Vergleich zur ersten Generation der Krisen, in dem alle Spekulanten attackieren müssen, um Gewinn zu machen, ist es hier wichtig, dass die Spekulanten sich koordiniert verhalten, damit die Attacke zum Erfolg führt. Wenn ein Einzelner die heimische Währung verkauft, dann kommt es zu keiner Abwertung.[24] Aufgrund dessen spielt das koordinierte Verhalten eine große Rolle für den Erfolg der Attacke.

Die Krisen vor den 1990er Jahren konnten mit dem ersten Generationsmodell erklärt werden. Der Grund für diese Krise war die Finanzierung der Budgetdefizite durch die Ausdehnung der inländischen Kredite, wodurch die spekulativen Attacken entstanden. Während der EWS-Krise konnten die Mängel in dem ersten Modell, „in dem es vollständige Informationen unterstellt und das Verhalten der Regierung als konstant angenommen werden“[25], mit dem erweiterten zweiten Generationsmodell beseitigt werden.

2.3. Dritte Generation der Krisen

Vor der Asienkrise Anfang des Jahres 1997 hatten die asiatischen Länder eine stabile Wirtschaft. Bis zur Asienkrise war das erste und zweite Generationsmodell ausreichend, um den Begriff der Krise zu verstehen und zu erklären. Mit der Asienkrise wurde eingesehen, dass es weitere Ursachen und wichtige ökonomische Variablen gibt, die zur Krise führen und sich nicht in der Struktur des ersten und zweiten Generationsmodells befinden.

Um die asiatische Krise und solche Krisen, die in der Zukunft auftreten, zu verstehen und zu vermeiden, muss ein neues Model unter dem Begriff der dritten Generation der Krisen eingeführt werden. In einem solchen Modell wurde behauptet, dass der Kern des Problems, das zur Krise führt, im Bankensystem liegt.[26]

Eine wichtige Tatsache dieses Modells ist, dass das Staatsbudget ausgeglichen war oder Überschüsse hatte. Die Krise im ersten Generationsmodell beruhte auf großen finanziellen fiskalischen Defiziten, die durch den Verlust an Reservenbestand erzeugt wurden. Aufgrund dessen ist das erste Generationsmodell nicht überzeugend, die Krise zu verstehen. Die internationale Illiquidität im Bankensystem wird als eine Ursache für die Krise genannt. In einer offenen Wirtschaft wird das Kapital, das die Banken sowohl von inländischen als auch von ausländischen Investoren erhalten, im Inland investiert. Die finanzielle Liberalisierung hinsichtlich der kurzfristigen Kapitalzuflüsse erschwert die Liquiditätssituation der Banken und verletzt die Änderungen in den Markterwartungen. Durch die Banken wird dieses erhaltene Kapital für die Finanzierung der langfristigen Investitionen gebraucht. Wenn die Investoren ihr Kapital von den Banken verlangen, da sie eine spekulative Attacke erwarten, leiden die Banken am Liquiditätsproblem, so können sie nicht schnell genug ihre langfristigen Aktiva in kurzfristige Aktiva umwandeln, um die Verbindlichkeiten gegenüber den Kreditgebern zu bezahlen.[27] Im Vergleich zum ersten und zweiten Generationsmodell geht es hier auch um einen Outputrückgang, was auch zu einer Krise führen kann. Wenn die Finanzmärkte unvollständig sind, kann es zu Bilanzproblemen kommen. Dann werden die Investitionen der Unternehmen durch die verschlechterte Bilanzposition eingeschränkt.[28]

Eine Ursache für die asiatische Krise in der Literatur wird als das Moral Hazard-Verhalten im Bankensystem bezeichnet. Der Kern des Moral HazardAnsatzes ist, dass eine nachteilige Störung nicht zur Rentabilität der Finanzvermittler führt, weil die von den inländischen Banken im Ausland aufgenommenen Kredite durch den Staat garantiert werden, was zu Überschüssen von Investitionen führte.[29] In dieser Krise entstand eine Verzerrung der Finanzierungsentscheidungen im Bankensystem. Unter der Krisensituation erwarten die Banken, dass sie und ihre Verbindlichkeiten durch die Regierung garantiert werden. Die verzerrten Kreditentscheidungen der Banken führen zu einem hohen Risiko der Investitionsfinanzierung, weil die Banken die Kredite aufgrund niedriger Zinssätze im Ausland aufnehmen. Aufgrund des stetig zunehmenden Risikos im Bankenbereich stellen die Kreditgeber ihre Einlagen im Lauf der Zeit weniger bereit. Die Regierung kann die Verbindlichkeiten der Banken in bestimmten Umfang garantieren. Wenn die Kreditgeber bemerken, dass die Regierung die Auslandsverschuldung der Banken nicht mehr garantieren kann, dann kann es zu einer Krise im Bankenbereich kommen. In einer solchen Situation analysiert die Regierung die Kosten zwischen der Bankenkrise bzw. Finanzkrise und der Erfüllung der von den Banken aufgenommenen Kredite im internationalen Kapitalmarkt.[30]

Vor der Krise herrschte politische Unsicherheit in den asiatischen Ländern. Diese in der Politik entstandene Instabilität kann das hohe Leistungsbilanzdefizit hinsichtlich der Umkehrung der Kapitalzuflüsse erzeugen. Das bedeutet, dass die politische Unsicherheit eine Krise und einen Zusammenbruch des Wechselkurses verursachen kann, weil sich die Markterwartungen ohne Vorwarnung einer Krise schnell ändern können.[31]

Die asiatischen Länder haben gegen das Problem der Kapitalabflüsse gekämpft. Dieser Kampf führte zur Rezession, weil er mit dem Verlust des realen Wechselkurses und mit der Einschränkung von Importen möglich war. Diese Umkehrung wird in der Literatur als Transaktionsproblem bezeichnet. Nach Krugman können Probleme im Finanzbereich durch die Regierung mit den verbesserten Kontrollen des Risikos oder durch die Verbesserung im Bankenbereich nicht beseitigt werden. Wenn die oben genannten Argumente, die verschlechterten Bilanzpositionen und die Transaktion­s­probleme hinsichtlich der kurzfristigen Kapitalzuflüsse und der Leistungsbilanzdefizit zu­sammen auftreten, führt dies zum Verlust der Glaubwürdigkeit durch die Investoren. Dies be­­deutet, dass der reale Wert der inländischen Währung fällt. Wenn dieser Verlust durch die Regierung begrenzt wird, dann wird erwartet, dass das Output zurückgeht.[32]

Als eine Ursache der Währungskrise kann die Gefahr der Ansteckung betrachtet werden. Das bedeutet, dass eine in einem Land aufgetretene Währungskrise zu einer weiteren Krise in einem anderen Land führt. Wenn eine Krise im Land 1, das mit Land 2 ähnliche makroökonomische Verhältnisse besitz, auftritt und das Land 1 den feste Wechselkurs aufgibt, dann kann das Land 2 nicht auf seinen festen Wechselkurs beharren.[33] Als Beispiel kann Thailand angegeben werden. Durch die Krise in Thailand wurde eine weitere Krise in Südkorea verursacht, obwohl die Volkswirtschaft von Südkorea größer als die von Thailand ist.[34]

Für die Ansteckungsgefahr können die oben erwähnten Erklärungen wie folgt zusammengefasst werden.[35]

- Wenn die Güter zwischen den Ländern eine hohe Substituierbarkeit vorweisen und diese Güter zwischen den Ländern exportiert werden, dann wird die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes durch die Abwertung einer Währung vom anderen Land verringert.
- Der ähnliche Charakter zwischen den Ländern zeigt auch die Ansteckungsgefahr. Wenn das Land 1 mit dem Land 2 Ähnlichkeiten besitzt und die Währung in Land 1 abgewertet wird, verhält sich das Land 2 ebenso wie Land 1. Das bedeutet, dass die Ansteckung durch das Gleichverhalten der Länder ausgelöst wird.
-Als ein Bespiel kann die EWS Krise angegeben werden. Die Länder in diesem System waren mit einem Festkurs verbunden. Wenn einige Länder dieses System verlassen, dann verlieren auch die anderen Länder ihr Interesse an diesem System. Somit ist es möglich, dass die Nutzen eines solchen Systems für die verbleibenden Länder reduziert werden.

[...]


[1] Hier soll der Begriff „Seignorage-Gewinn“ betrachtet werden, der aus der Geldausgabe erzielt wird. In der modernen Geldpolitik wird dieser Prozess durch den Geldschöpfungsprozess der Zentralbank durchgeführt. Siehe Dieckheuer G, 2001, S.283.

[2] Vgl. Krugman P und Obstfeld M, S.854-859.

[3] Vgl. Krugman P und Obstfeld M, S.862 ff.

[4] Vgl. Aschinger G, 2002, S.242.

[5] Vgl. Bofinger P, S.37.

[6] Vgl. Berger W und Wagner H, S.3.

[7] Die erste Generationsmodell mit spekulativer Attacke wurde zum ersten Mal von Salant und Henderson untersucht, „ Market Anticipation of Government Policy and the Price of Gold?“, 1978, Journal of Political Economy, 86, S.627-648.

[8] Vgl. Hefeker C, 2005, S.4.

[9] Vgl. Krugman P, 1979, S.311 ff.

[10] Vgl. Hefeker C, 2005, S.4.

[11] Vgl. Pesenti P und Tille C, S.4.

[12] Vgl. Dooley M.P, S.4.

[13] Vgl. Gärtner M und Lutz M, S.340 ff.

[14] Vgl. Berger W und Wagner H, S.3 ff.

[15] Vgl. Hefeker C, 2005, S.27.

[16] Vgl. Hefeker C, 2005, S.8.

[17] Vgl. Obstfeld M, S. 49 ff.

[18] Vgl. Berger W und Wagner H, S.5.

[19] Vgl. Dooley M.P, S.4.

[20] Vgl. Gärtner M und Lutz M, S.342 ff.

[21] Vgl. Hefeker C, 2005, S.9.

[22] Vgl. Berger W und Wagner H, S.5 ff.

[23] Vgl. Flood R.P und Marion N.P, S.17 ff.

[24] Vgl. Hefeker C, 2005, S.10.

[25] Hefeker C, 2005, S.8.

[26] Vgl. Krugman P, 1999, S.2.

[27] Vgl. Chang R and Velasco A, S.2 ff.

[28] Vgl. Helpman E and Sadka E, S.2.

[29] Vgl. Corsetti G, Pesent P and Roubini N, S.4.

[30] Vgl. Berger W und Wagner H, S.9 ff.

[31] Vgl. Corsetti G, Pesent P and Roubini N, S.20.

[32] Vgl. Krugman P, 1999, S.8 ff.

[33] Vgl. Drazen A, S.4 ff.

[34] Vgl. Krugman P und Obstfeld M, S.897.

[35] Vgl. Hefeker C, 2005, S.27.

Details

Seiten
68
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656543879
ISBN (Buch)
9783656544487
Dateigröße
736 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264768
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Wirtschaftswissenschaft
Note
2
Schlagworte
vergleich argentinien- türkei-krisen sicht

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Titel: Ein Vergleich der Argentinien- und Türkei-Krisen aus politischer und ökonomischer Sicht