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Arbeitsmarktentwicklung im demographischen Diskurs der 1990er-Jahre

Analyse sozialwissenschaftlicher Texte zur prognostischen Arbeitsmarktentwicklung nach Rüdiger Graf und Kim Christian Priemel

Bachelorarbeit 2012 30 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Umgang mit sozialwissenschaftlichen Texten für einen Zeithistoriker nach

Graf und Priemel

3. Analyse von historischen Lösungsansätzen der 1990er Jahre zur Arbeitsmarktentwicklungsproblematik
3.1. Sozialdemokratischer Ansatz von Karlheinz Blessing
3.2. Lösungsansatz nach Franz Schoser (CDU)
3.3. Bernd Hofs gesamtdeutsche Perspektiven zur Arbeitsmarktentwicklung

4. Vergleich
4.1. Der Vergleich untereinander
4.2. Der Vergleich mit dem Schlussbericht der Enquête- Kommission ‚Demo- graphischer Wandel‘
4.3. Ein aktueller Ansatz im Vergleich

5. Zusammenfassung, Fazit und Ausblick

Bibliographie

1. Einleitung

Die Prognosen für die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes sprechen eine deutliche Sprache. Durch den demographischen Wandel wird die deutsche Bevölkerung deutlich altern und das Erwerbspersonenpotenzial sinken. Es werden Probleme in Form von Arbeitskräfte- beziehungsweise Fachkräftemangel entstehen. Aber seit wann gibt es diese Erkenntnisse? Bereits seit den 1970er Jahren werden Demographie und die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung in der Wissenschaft untersucht. Schon zur Zeit der ‚Wende‘ gibt es Berechnungen speziell über die Entwicklung des Arbeitsmarktes und dazu erarbeitete Lösungsansätze. Jedoch scheint diesem Thema erst seit dem 21. Jahrhundert von Seiten der Politik aktiv, durch Maßnahmen und Initiativen, begegnet worden zu sein. Deshalb setzt sich diese Arbeit zum Ziel, die Gründe dafür zu destillieren. Dabei soll das Augenmerk unter anderem auf die Wertung und die Meinung von im Bundestag vertretenen Parteien gelegt werden. Am Ende der Arbeit sollen dann mögliche Gründe für die Verzögerung von Problemerkennung und Problembehandlung ersichtlich werden. Vielleicht gelingt es auch, einige Ansätze zu geben, wie sich dieses Problem der langen Wartezeiten beheben lässt.

Um einen Einblick in die Problematik zu erhalten, ist es wichtig, die Prognosen über die Entwicklung des Arbeitskräftepotenzials vorzustellen. Hierzu sollen die Ergebnisse von Untersuchungen der Zeit um 1990 und 2000 genutzt werden, sowie eine aktuelle Schätzung. Die erste Vorausberechnung stammt von Bernd Hof aus dem Jahr 1990. Er prognostiziert bei verschiedenen Wanderungsannahmen einen Rückgang des Arbeitskräfteangebots von 1990 bis 2010 um ca. 2,16 Millionen Erwerbstätige.[1] Im Schlussbericht der Enquête-Kommission ‚Demographischer Wandel‘ von 2002 ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen. Dieser fällt jedoch weitaus schwerwiegender aus: 2050 sollen im Gegensatz zu 1998 9 bis 13 Millionen weniger Arbeitskräfte zur Verfügung, die auch noch eine nach oben verschobene Altersstruktur aufweisen.[2] Eine aktuelle Berechnung des IAB von 2011 zeigt sogar eine Tendenz in noch höherem Ausmaß. Das Institut hat die Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials nach drei Szenarien untersucht. Dieses Ergebnis zeigt einen Arbeitskräfteschwund zwischen 12 und 18 Millionen vom Jahr 2008 bis 2050.[3] Das zeigt, dass die Problematik nicht neu ist, wie oben schon angedeutet, sondern dass sie schon zu Beginn der 1990er Jahre erkannt wurde. Ein derartig hoher Rückgang, verbunden mit der voranschreitenden Alterung der Bevölkerung würde eine massive Veränderung in der deutschen Gesellschaftsstruktur bewirken, sowie daraus resultierende Änderungen in vielen Bereichen, wie beispielsweise der Wirtschaft, notwendig machen.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. Als Erstes wird anhand eines Aufsatzes von den Historikern Rüdiger Graf und Kim Christian Priemel ein Leitfaden zur Analyse sozialwissenschaftlicher Texte erstellt. Die Form der Darstellung beschränkt sich nicht einfach nur auf das kompakte Benennen der Methoden. Das Werk von Graf und Priemel soll in seinen Zusammenhängen präsentiert werden, um die Besonderheit der Zeitgeschichte herauszustellen und gleichzeitig den Anspruch dieser Arbeit zum Vorschein bringen. An diesem Leitfaden soll sich der folgende Text orientieren und versuchen, zur Diskussion über die künftige Arbeitsmarktproblematik beizutragen. Dann folgt eine Analyse von drei ausgewählten Texten. Zunächst eine Arbeit des Sozialdemokraten Karlheinz Blessing, dann ein Aufsatz vom CDU-Politiker Franz Schoser und abschließend ein Werk von Bernd Hof, einem renommierten Wirtschaftswissenschaftler. Im anschließenden Vergleich soll durch die Wahl von zwei gegensätzlichen politischen Arbeiten die Bedeutung der Parteien ans Licht gebracht werden, gemessen an der neutralen, wissenschaftlichen Position Hofs. Um den historischen Vergleich anzustellen, sollen diese Texte zuerst untereinander, dann mit dem Schlussbericht der Enquête-Kommission ‚Demographischer Wandel‘ aus dem Jahr 2002 und als letztes mit dem Demografiebericht der Bundesregierung von 2011 verglichen werden. Daraus soll eine Erklärung für den zeitweiligen Stillstand der Problematik erklärt werden.

2. Der Umgang mit sozialwissenschaftlichen Texten für einen Zeithistoriker nach Graf und Priemel

In diesem ersten Kapitel soll der Text von Kim Christian Priemel und Rüdiger Graf, ‚Zeitgeschichte in der Welt der Sozialwissenschaften - Legitimität und Originalität einer Disziplin‘ in Form eines Exzerpts vorgestellt werden. Darin befassen sich die Autoren mit der Art und Weise, auf welche die Zeitgeschichtsforschung sich als Bereich der Wissenschaft legitimiert. Des Weiteren wird aufgezeigt, was sie im Gegensatz zu ihren Nachbardisziplinen - der Sozial-, Wirtschafts- und Politikwissenschaft - zu leisten im Stande ist. Zuerst soll das Augenmerk aber auf die Autoren selbst gelegt werden.

Priemel ist 1977 geboren[4] und hat Neuere und Neueste Geschichte, Öffentliches Recht und Englische Philologie an der Uni Freiburg und der University of St. Andrew´s studiert. Von 2003 bis 2007 hat er diverse Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni Freiburg, sowie am IfZ in München ausgeübt und besaß einen Lehrauftrag an der Leibniz-Universität Hannover. 2007 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vergleichende Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Europa-Universität Viadrina. Seit 2009 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität in Berlin am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der NS-Besatzungspolitik in Osteuropa, der internationalen Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, den Nürnberger Prozessen, methodischen Fragen der Zeitgeschichte und der Migrationsgeschichte der DDR.[5]

Graf ist 1975 geboren und hat an der Humboldt-Universität und der University of California Neuere und Neueste Geschichte sowie Philosophie studiert. Von 2001 bis 2006 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität am Lehrstuhl für Zeitgeschichte. Seit 2007 ist er an der Ruhr-Universität Bochum Akademischer Rat auf Zeit am Lehrstuhl für Zeitgeschichte. Anfang 2011 ist er zum Mitglied des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste gewählt worden. Zurzeit forscht er am Historischen Kolleg in München. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Weimarer Republik, die Europäische Geschichte seit 1945, die Wissensgeschichte von Öl und Energie, Internationale Beziehungen im 20. Jahrhundert, Geschichtstheorie und Intellectual History.[6]

Wir haben es hier mit renommierten Wissenschaftlern zu tun, die sich - wie es scheint - durchaus mit den verschiedenen methodologischen Ansätzen der Geschichtswissenschaft, besonders in der Zeitgeschichte, auskennen.

In der Einleitung des hier behandelten Werks beschreiben sie zunächst den Charakter der Zeitgeschichte mitsamt seinen Problemen. Die Zeitgeschichte werde oft als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft verstanden, welche sich von der Erforschung früherer historischer Epochen abgrenze. Es gibt im Umgang mit zeitgeschichtlichen Forschungen diverse Schwierigkeiten. Zum einen seien die behandelten Felder noch nicht abgeschlossen und daher könnten Untersuchungen dazu einfacher revidiert werden. Zum anderen sind Zeithistoriker oft zugleich Zeitzeugen, denen man dadurch das Problem der Parteilichkeit oder wenigstens eine durch persönliche Erfahrungen bedingte verengte Perspektive vorwerfen könne. Weiterhin sei in einem Zeitalter, in dem alle Informationen durch moderne Medien schnell über die ganze Welt verbreitet werden, eine Unmenge an Quellen vorhanden, welche quantitativ sehr unterschiedlich seien.[7] Es wird nun die Leitfrage des Aufsatzes gestellt, inwiefern sich die Zeitgeschichte von anderen Disziplinen, die sich ebenfalls mit dem gegenwärtigen Geschehen beziehungsweise seiner unmittelbaren Vorgeschichte beschäftigen, unterscheiden.[8]Was können Zeithistoriker, was so nur Zeithistoriker können?[9] Die Disziplin müsse klären, in welchem Verhältnis sie zu den Forschungsergebnissen ihrer Nachbardisziplinen steht. Aufgrund der Nähe zu den Sozialwissenschaften werden, so Graf und Priemel, die nah beieinander liegenden Methoden einfach übernommen, ohne diese auf eventuelle Schwierigkeiten oder Grenzen zu prüfen.[10] Den Ansatzpunkt Doering-Manteuffels und Raphaels, die konsequente und eindeutige Historisierung der sozialwissenschaftlichen Theorien als Quellen, halten die Autoren nicht für ausreichend. Hier müsse die Wirkung dieser Theorien auf die Gegenwart und die zeitgeschichtlichen Instrumente der Erkenntnistheorie stärker reflektiert werden. Das heißt, dass die aufbereiteten Datensätze der Nachbardisziplinen historisiert werden sollen, um sie erkenntnisfördernd nutzen zu können. Der Punkt, auf den es dabei ankommt, ist, die Funktion der Sozialwissenschaften in die zeitgeschichtliche Analyse einzubeziehen, nicht ihre Ergebnisse zu reproduzieren.[11]

Das darauffolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Plausibilität sozialwissenschaftlicher Begriffsbildung. Es wird dabei vor allem auf die problematische Übernahme von sozialwissenschaftlichen Begriffen als Metonymien eingegangen. Metonymien sind im Allgemeinen Ersetzungen eines Ausdrucks durch einen anderen, der allerdings nur in naher sachlicher Beziehung zu diesem steht.[12] Priemel und Graf weisen darauf hin, dass diese Begriffe einen Teil für das Ganze setzen und „bestimmte Aspekte einer Gesellschaft zu ihrer Essenz[13] erheben. Als Beispiel zitieren sie Steven Shapin, der unter anderem die Titulierung einer Gesellschaft mit globalisierten Aspekten als ‚globalisierte Gesellschaft’ kritisiert und als ‚metonymische Verzerrung‘ bezeichnet.[14] Für Historiker sei die Übernahme solcher Metonymien aus zweierlei Gründen unbefriedigend. Zum einen folgen diese immer diversen inner- und außerwissenschaftlichen (oft politischen) Interessen, zum anderen bestehe die Gefahr, dass Metonymien bei der Übernahme aus anderen Disziplinen ohne eine kritische Reflexion verloren gehen. Problematisch ist dabei, dass bei der unreflektierten Übernahme sozialwissenschaftlicher Theorien und ihrer Begrifflichkeit der prognostische Charakter dieser aus dem Blick verloren wird. Weiterhin befassen sich die Sozialwissenschaften nicht nur mit der Gegenwart, sondern versuchen ebenso die Zukunft zu beeinflussen. Das begründe, weshalb Ergebnisse aus diesem Bereich mit politischen Interessen verknüpft sein können.[15] Deshalb kommen Priemel und Graf zu dem Urteil, dass sich die Zeitgeschichte behandelnden Phänomenen qualitativ nähern sollte und sozialwissenschaftliche Forschungen selbst als Forschungsgegenstand betrachten sollen. Dabei soll die Frage gestellt werden, wer mit welchen Motiven sein Ergebnis so und nicht anders formuliert hat.[16] Die Aufgabe besteht also darin, den „Konstruktionsgehalt [sozialwissenschaftlicher Forschungen] herauszuarbeiten und ihre Wirkung als Medium gesellschaftlicher Selbstbeschreibung zu bestimmen[17]

Im dritten Kapitel wird beschrieben, dass besonders in der Zeitgeschichte politikgeschichtliche Fragen und Aussichten dominant seien. Dies resultiere aus der engen Beziehung und der gemeinschaftlichen Etablierung von Zeitgeschichte und Politikwissenschaft im bundesdeutschen Raum. Oftmals ist es der Fall, dass Politikwissenschaftler zu einem bestimmten Thema sehr kenntnisreich und weitsichtig publiziert haben, sodass Zeithistoriker keine neuen Informationen hinzufügen können.[18] Es bestehe dann lediglich die Möglichkeit, dass der Zeithistoriker rekapituliert oder kapituliert. Die erste Variante würde allerdings keine neuen Erkenntnisse hervorbringen, sondern wäre lediglich eine Reproduktion des schon Vorhandenen. Die zweite Variante wäre genauso unbefriedigend, da hier festgestellt werden müsse, dass zu den bestehenden Ergebnissen nichts hinzuzufügen ist.[19] Die Aufgabe für die Zeitgeschichte bestehe darin, „den spezifischen Mehrwert einer historischen Analyse gegenüber politik- und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen herauszustellen[20]. Ähnlich wie im vorherigen Absatz beschrieben ist auch hier die Theorieübernahme mit Problemen behaftet. Bei der Erklärung bestimmter Entwicklungen verdecken politikwissenschaftliche Forschungen gern den Blick darauf, dass die Welt zu jedem Zeitpunkt verschieden gedeutet werden kann und somit versucht wird, auf die Offenheit bestimmter Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Für die Zeitgeschichte ist dies jedoch problematisch, da die von ihr behandelten Themen weiter andauern und zukünftig weiterführen.[21]

Im nächsten Kapitel wird am Beispiel des ‚Strukturwandels‘ danach gefragt, „wann und auf welche Weise terminologische und konzeptionelle Übernahme erfolgen[22] kann. Graf und Priemel kritisieren hier, dass trotz der kritischen Distanzierung von Begriffen wie ‚Strukturwandel‘ diese in die historischen Darstellungen einfließen. Das heißt, dass die Bedingtheit solcher Begrifflichkeiten durchaus reflektiert werden, aber dennoch Eingang als ‚Beschreibungskategorien‘ finden. Somit werde das Problem weniger gelöst, als eher umgangen.[23] Einen weiteren Fehler in der Behandlung sozialwissenschaftlicher Texte finden Graf und Priemel in der Vernachlässigung des Entstehungskontextes. Die Autoren zeigen sich aufgrund dessen überrascht und merken an, dass gerade hier die Erklärungskraft dieser Theorien zu prüfen sei. Des Weiteren könne somit deren heuristischer Gehalt bestimmt oder wenigstens Möglichkeiten zum Vergleich eröffnet werden. Eine weitere Aufgabe sehen sie in der Aufschlüsselung sprachlicher und visueller Konstruktion der Begriffe und nicht die unhinterfragte Übernahme bestimmter Schemata. Zudem sollen die normativen Interessen von Sozialwissenschaftlern beleuchtet werden. Wenn man nun versucht, den Inhalt von nachbardisziplinären Theorien zu übernehmen, müsse vor allem nach den Absichten und Implikationen - weshalb dieses und nicht jenes Konzept benutzt worden ist - gefragt werden.[24] Die Autoren kommen hier nun zu dem Schluss, dass sich Zeithistoriker auf eine „inhaltlich wie zeitlich breite, historisch-genetisch vorgehende und kontextualisierende Analyse[25] konzentrieren sollten.

Im Fazit fassen die Autoren noch einmal zusammen, weshalb die Zeitgeschichte eine legitime Disziplin ist, zeigen aber auch auf, was sie dafür leisten muss. Von dieser Zusammenfassung ausgehend, soll nun ein kurzer Leitfaden zum Umgang mit sozialwissenschaftlichen Texten erstellt werden. In erster Linie gilt es, die Analysen der Sozialwissenschaftler nicht als Darstellungen zu lesen, sondern zu reflektieren und als Quellen zu begreifen. Das könne dann erreicht werden, wenn die Denk- und Diskussionszusammenhänge der Zeitgenossen aufgeschlüsselt und die Wirkung der Analysen auf die eigene Form der Weltaneignung abgeschätzt würden. Das heißt die theoretische Voraussetzung geschichtswissenschaftlicher Arbeit ist eine stärkere Reflexion.[26] Zur genauen Analyse gehören weiterhin, dass die vielfältige Theoriebildung der Zeitgenossen sowie ihre politischen Absichten Beachtung finden müssen. Zudem sollte geprüft werden, was andere Nachbardisziplinen zum jeweiligen Thema beitragen und sich nicht nur auf eine beschränken. Durch diesen Blickwinkel über viele verschiedene Disziplinen und die Analyse dieser kann der Zeitgeschichte ihre disziplinäre Identität verschaffen und ihr somit die Daseinsberechtigung gegeben werden. Die finale Aufgabe ist es dann, sich mit einer nutzbringenden Skepsis in theoretische Diskussionen einzubringen.[27]

3. Analyse von historischen Lösungsansätzen der 1990er Jahre zur Arbeitsmarktentwicklungsproblematik

Die Entwicklung des Arbeitsmarktes der Bundesrepublik Deutschland ist in der heutigen Zeit wohl eines der wichtigsten Themen für unser Land. Es gibt viele Autoren aus den verschiedensten sozialwissenschaftlichen Bereichen, die sich mit dem Thema der Arbeitsmarktentwicklung im demographischen Wandel beschäftigen. Das heißt aber auch, dass verschiedene Ansichten und Formen der Lösungsansätze darüber existieren, wie genau sich diese Entwicklung vollzieht und welches die richtigen Schlüsse für die Zukunft sind. Deshalb sollen in diesem Kapitel einige Texte ausgewählter Autoren (aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Bereichen, mit unterschiedlichen politischen Ansichten) hinsichtlich ihrer Ausblicke und Ansätze analysiert werden. Der Sinn dieser Analyse liegt darin, mögliche Schwächen oder Mängel der Arbeiten aufzudecken, um dann in einem Vergleich den - durchaus nicht leichten - Versuch zu unternehmen, eine Methode zu erarbeiten, wie in Zukunft mit dieser Problematik umgegangen werden soll. Dabei soll die Vorgehensweise nach dem Konzept von Graf und Priemel gestaltet werden. Zur Analyse solcher Arbeiten gehört die Kontextualisierung. Dafür muss anhand einer kurzen Autorenbiographie und der zeitlichen Einordnung des Werkes, die Absicht des Autors sowie der dazugehörige Kontext herausgefiltert werden. Dies fließt mit der Vorstellung der Ergebnisse der Arbeiten zusammen und so entsteht die Analyse der Werke.

[...]


[1] Hof, Bernd: Gesamtdeutsche Perspektiven zur Entwicklung von Bevölkerung und Arbeitskräfteangebot 1990 bis 2010. Deutscher Instituts-Verlag, Köln 1990. S. 98.

[2] Deutscher Bundestag: Schlussbericht der Enquête-Kommission „Demographischer Wandel- Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft an den Einzelnen und die Politik“. BT- Drucks. 14/8800. Bonn 2002 S. 70.

[3] Fuchs, Johann; u.a.: Projektion des Arbeitskräfteangebots bis 2050- Rückgang und Alterung sind nichtmehr aufzuhalten. In: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit (Hrsg.): IAB Kurzbericht. Ausgabe: 16/2011. S. 2.

[4] http://www.perlentaucher.de/autor/kim-christian-priemel.html . Zugriff am 26.07.2012.

[5] http://www.geschichte.hu-berlin.de/bereiche-und-lehrstuehle/sozial-wirtschaftsgeschichte/dokumente/cv_priemel_de . Zugriff am 26.07.2012.

[6] http://www.ruhr-uni-bochum.de/lehrstuhl-ng2/mitarbeiter/graf.html . Zugriff am 26.07.2012.

[7] Graf, Rüdiger/ Priemel, Christian: Zeitgeschichte in der Welt der Sozialwissenschaften- Legitimität und Originalität einer Disziplin. In: Altrichter, H., u.a. (Hrsg.): Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 4/2011. Oldenbourg Verlag, Oldenburg 2011.S. 479.

[8] Ebd., S. 480.

[9] Zitiert ebd.

[10] Ebd., S. 481.

[11] Ebd., S. 482.

[12] http://www.duden.de/rechtschreibung/Metonymie . Zugriff am 26.07.2012

[13] Zitiert nach Graf/ Priemel, S. 483.

[14] Shapin, Steven: The Scientific Life: A Moral History of a Late Modern Vocation. Chicago 2008. S. 4.

[15] Graf/ Priemel, S. 484.

[16] Ebd., S. 488.

[17] Zitiert ebd.

[18] Ebd.

[19] Ebd., S. 489.

[20] Zitiert ebd., S. 489.

[21] Graf/ Priemel, S. 495.

[22] Zitiert ebd.

[23] Ebd., S. 503/504.

[24] Ebd.,S. 504/505.

[25] Zitiert ebd., S. 506.

[26] Ebd., S. 507.

[27] Graf/ Priemel., S. 508.

Details

Seiten
30
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656540458
ISBN (Buch)
9783656543169
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264752
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Philosophische Fakultät
Note
2,7
Schlagworte
Demografie Demographie demografischer Wandel demographischer Wandel Arbeitsmarkt Arbeitsmarktentwicklung Entwicklung 1990 20. Jahrhundert Wende deutsche Einigung Deutschland Politik Wirtschaft

Autor

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